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Full text of "Heidelberger Jahrbücher der Literatur"

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IIUEJLBJGB6ER 



JAHRBÜCHER 

DER 

lilXERATUR. 



NEON mm ZWANZIGSTER ^ABAGANG. 



Januar 6 i » Juni. 



HEIDELBERG, 
la te Dai«anillii-lhMhh«i4Ivaf roa C. F. Wunm. 

18 8«. 



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N°. 1. HEIDELBERGER 1836. 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



Storia del Reame di NapoU dal 17t34. sino al 1825. del Generale Pietro 
Collett a. Parigi presse Uaudry Librajo per h lingue »träniert. 
1885. 1. rol 314 Ä\ II. l'ot. 360 Ä\ 8. 

(Anzeige dci crtiten BaadcB.) 

as obengenannte Buch des am iiten November i83i ip Flo- 
renz verstorbenen General Colletta ward dem Hei. durch den 
Grafen von Platen (den Dichter), auf dessen (Jrtheil er grofse 
Bedeutung legt, und der sich behanntlich jetzt schon lange in 
Italien aufhält, dringend empfohlen; und er mufs gestehen, dafs 
er hein Buch über neuere Geschichte hennt, das sich damit ver- 
gleichen liefse. Hier ist mehr als Declamation und Sammlerfleifs 
und Grubein ; hier ist einmal ächte Geschichte. 

Kein italienisches Buch, seit dem Leben Alfieri's von ihm selbst 
geschrieben, hat auf Ref. einen so wohlthäligcn Kindruck gemacht 
als diese Geschichte, d.h. besonders der iste Thcil; Botta ist difT'us, 
franzosisch elegant, italienisch gedehnt, Collelta gedrängt, kräftig, 
wahr. Erzielt nicht, wie Botta, auf den Effect des Scheinens, sondern 
auf das Belehren, er gefällt sich nicht in den zierlichen Perio- 
den, den für das Ohr gebildeten künstlichen Bhythmen, welche 
das Lesen neuerer italienischer Bücher so ermüdend für den Aus- 
länder machen, welcher belehit, nicht aber durch Musik der 
Worte unterhalten seyn will ; er spricht kräftig und gedrängt 
zum Verstände des Lesers. Um es kurz zu sagen , wenn Botta 
(was wir dahin gestellt seyn lassen) der liivius der Italiener un- 
serer Zeit wäre, so wäre Collelta ihr Sallust. Wir wollen erst 
durch Beispiele deutlich machen, aufweiche Art Colletta seine 
ganze Aufgabe gefaf^t hat und dann besonders bei dem Theile 
seiner Erzählung verweilen, wo er (Quelle ist, und hio und da 
Botta mit ihm vergleichen. 

Um unsern Lesern zu zeigen, wie man noch um 1724 in 
Italien verfahren durfte und wie es uns ergehen würde, wenn 
die Leute, welche in Augsharg die am Rhein verbreiteten, gegen 
den Protestantismus und den Hünig .von Prcufsen revolutionär 
aufregenden Beiträge zur Hirchengescichtc des igten 
Jahrhunherts drucken lassen durften, wieder die Oberhand 
XXIX. Jahrg; 1. Heft. 1 



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t 



Colletta, SUria M Bwme ili MafaH. Vtl I. 



bcjii^ltqoi volleii wir etoe «twas ISngm Stelle Iriev übevaelseo. 
Man wird aus der Uebersetsung auf den Gbist and den Styl des 
Verf«. schliefsen bSnnen ; die Saehe selbst ist aofserdem der Auf- 

merlisamUeit unserer Leser sehr würdig. 

Der General giebl naralich ganz vollständige, wenn gleich 
kurze und gedrängte, Nachrichten ?on dem innern Zustand, der 
Verwaltung, Regierung, Gerechtigkeitspilege , Acherbau u. s. w. 
jedes Zeitabschnitts ; das Ende des ersten Capitels ist daher der 
Darstellung des Zustands von Neapel unter der baiserlichen Be. 
giernng, besonders in den Jahren 1730*^1730 gewidmet. Die 
Darstellung der neapolitanischen innern Verhaltnisse S* 37-^35« 
soll als Einleitung zu den folgenden Geschichten gelten , und als 
Einleitung zu dieser Darstellung dient die Schilderung des Be- 
nehmens der sicilianischen In^isition. Der Verf* schickt der Ei^ 
Sabliing, die wir übersetzen wollen, einige allgemeine Bernau 
bongen Torans , diese Wollen wir in der OHginalspracbe einrAolieiii 
tbeils weU ihr Inhalt aueb auf gewisse deutacbe Under paftt, 
tbeils damit man ein Beispiel der Manier, des Tons^ des Btjrls, 
der Sprache habe. Ei sagt S. 27 : 

y Credo niio debito il narrai lo a fine che rcsti saldo nella 
memoria di chi leggera ; e i INapoletani si conf'erniino neW odio 
gtosto alla inquisizione , oggidi che per V alleansa del impero aa* 
aoluto al.aacerdosio, la superstizione , la ipocrista, la falsa vene- 
raslone dell* at\ticbita spingono verso tempi e costumi abornti, 
e Tedesi cpiel tremendo nfizio, cbiamato Santo risorgere in oob 
pochi loogbi dltalia tacfto ancora e discreto ma per tomare, st 
fortuna \o ajuta, sanguinario e crudele c|uanto ne tristi secoli dt 
universale i^tioranza.^c 

Hernach erzählt er die Geschichte selbst auf folgende Weises 
»Im Jahre 1699 Bruder Bomuald, Laienbruder des Au* 

gustinerordens und Schwester Gertraude, Sebwarmeria (bissoca) 
des Benedicklnerordens vor die Inquisition gezogen | der Erat* 
wegen Quielismos, Molinismus, Hetzerei, die Andere wegen Slohi, 
Eitelkeit, Verwegenheit, Heuchelei. Beide waren yerrücht, denn 
.der Laienbruder, aufser dafs er allerlei Sätze aufstellte, die mit 
den Glaubenslehren oder der Hirchenzucht des Christenthums in 
Widerspruch waren, behauptete, Gott sende ihm Engel mit Bot» 
Schäften zu, er spreche mit ihnen, er sey ein Prophet, fr stf 
ttnfeblbar, Gertraude behauptete, aie habe geistigen und bdrpaiw 
lieben Verkehr mit Gott, sie sey rein und heilig; sie habe toil 
der Jung&au Maria gehört, fleiscbUobe Yetbindang mit dem 



Colletta, Slorta del Ueanie «Ii Napoli. Vol. I. 



S 



Beichtvater eingegangen, sey teinc Sün«le, und andere verrückte 
Dinge mehr (e allri sconvolgimenti di ragione). Die heiligen In- 
quisitoren und die Theologen des h. Oniciunis halten wiederholt 
mit dem unglüchlichen Paar disputirt, (|a beide, wie Verruckte 
pilegeo, ihre wahnwitzigen Reden und Irrthiimer hartnäckig wie* 
derholten. In hartem Gefängnifs, Gertraude fünfzehn Jahr, Ro- 
muald dreizehn (die andern sieben brachte er in der Ponitenz 
Yen Dominikanerklostern zu), erduldeten beide die heftigsten Mar- 
tern, Tortur, Gcifselung, Durst, Hunger, bis endlich als Ende 
der Leiden der lange ersehnte l'od kam. Die In(|uisitoren näm- 
lich ▼erurtheilten beide zum Tode, und das Urtbeil ward vom - 
Bischöfe von Albaracin, der sich in Wien aufhielt, und vom 
Grofsinquisitor von Spanien besüitigt. Der abt-rgl/iubige (er sagt 
nur // devoto) Baiser Harl VI. befahl, dieses Todesurtheil mit 
der ganzen Feierlichkeit eines Auto da Kc zu vollziehen. 

In dem Todesurtheil wird das allerheiligste Tribunal sehr 
gepriesen, die Sanftmuth, Milde, Güte der heiligen Inquisi- 
toren und ihre grofse Menschlichkeit der Bosheit, Gott- 
losigkeit, Hartnäckigkeit der beiden Schuldigen entgegen- 
gesetzt. Dann uird gelehrt, \>ie unerUfslich es sey, dafs man 
die Hirchenzucht der allerheiligsten Rirche aufrecht halte, das 
Aergernil's unterdrücke und dem Unwillen der Christen Luit mache. 

Hierauf folgt bei Colletta eine sehr ausführliche Beschrei- 
bung der F'eierlichkeiten selbst, des Transports der Verurtheilten 
u. 8. w. , was wir hier Alles auslassen müssen. Nur den Schlufs 
fugen wir noch hinzu : 

»Da alle Formalitäten erfüllt, das hartnäckige Beharren der 
Schuldigen bei ihrem Irrthum durch lauten Ausruf verkündigt, 
das (jrtheil in lateinischer Sprache vorgelesen war, so trat die 
Nonne zuerst auf die Bühne und zwei geistliche Henkersknechte 
(due frati manigoldi) banden sie an den Pfahl und zündeten die 
Haare an, die vorher mit harzigen Oelen bestrichen waren, da- 
mit die Flammen um den Hopf herum, recht stark wären; dann 
zündeten sie die ebenfalls mit Thcer getränkten Hleider an und 
gingen weg. Die Unglückliche blieb allein auf der Bühne, wäh- 
rend ihr um den Hopf und unter den Füfsen die Flammen wü- 
tbeten, fiel sie mit den Brettern, auf denen sie stand, ins Feuer 
hinab, ihr Korper verschwand, nur ihr Jammern blieb in den 
Ohren der Zuschauer, nur Flammen und Rauch erhoben sich 
und verdunkelten das hohe H<reuz Christi, das sich schämte, bei 
einem solchen Schauspiel errichtet zu seyn. So starb auch Ro- 



4 ColMU, Storia dpi RMqie di Napoli^ Vol. I. 

' tnnald auf dem anderen Sclieiterhauf on , nachdem er dem Todo 
seioei' Genos^n zugesehen hatte. Unter den Zuschauern bcmerhte 
ttan eine kleine Schaar^ armseliger, betrübter Menschen, sechs 
und zwanzig Gefangene des heil. Oifieiamt, die hei dieser Feiert' 

Tvlichheit gegenwartig hattet seyn müssen. Diese wäre« die £iiir 
zigen anter allen , die bei dem jammervollen Sc^uspiele weinten^ 
alle andern, sey*« non Otis Feigheit, se/s aus Unwissenheit, sey*s 
falsche Religiosität , oder gottloser Aberglaube , gaben laut and 
jubelnd ihre Freude an diesem schändlichen Brandopfer zu er- 
kennen. Die drei Inquisitoren waren spanische Mönche, die Na* ^ 

* men derer, die mit Freuden der Sache beiwohnten , will ich 
nicht nennen • denn ihre Enkel , besser als ihre Grofsväter, wui^. 
den errSthen ; aber sie stehen in andern Buchern , weil selten 

* Verdienste um den Staat, noch Tiel seltner Fehler lud Verge> ' 
hangen verborgen bleiben. Antonio Mongilore hat diese Hinrich- 
tungen in einem dicken Buche beschrieben und seine Reden und 
Urtheile beweisen, daPs er ein sehr eifriger Vertheidiger des 
heii. Ofticiums ist, o« s. w. Wir fugen nur die Frage hinzu, ob 
man" glauben sollte, dafii diese Scene noch im Jahre 1724 am 
6ten April in Palermo statt fand? Aber nicht blos in SiciKen,, 
nein, im ganzen Königreich war das entartete Christenthnm verf 
derblifhjj^, als der Islam oder das Heidenthum gewesen wäre. 
Man lieset S. 34, dafs während der kaiserlichen Regierung hun« 
dert und zwülltausend Geistliche im Roiiigreich Neapel waren, 
nämlich zwei und zwanzig Erzbischofe, hundert sechzehn Ejischüfc, 
Priester sechs und funfzigtausend fünfhundert, Mönche ein und. 
dreifsigtausend achthundert, Nonnen drei und zwanzigtansend sechs-'' 
'h0i#rt Colletta macht die Bemerkang : Folglich waren in einem 
Stj^j^jron vier Millionen Einwohnern die ^»eistlichen wie a8 
loäS^ein Uebermaafs, welches den Sitten Terderblicli seyn mafste, 
weil sie on?erheirathet waren, der Menschheit, weil ihrer zuviel, 
der BetriebsamUeit und dem Staatsreichthum , weil sie mürsig 
waren. Bios in der .Stadt Nea|>jei fütterte man sechszehntausend 

* 'lunihundert. - . ♦ 

Das zweite Capitel beschäftigt sich mit der schnellen Erobe«; 
. '^iiyCM Neapel und Sicilien 1734-^35 nnd mit der ersten Ein^ 
*fi(P^pder neuen Begierung Barls. Schon hei iiMer Gelegefi?i. 
heit deutet Colletta an, wie anch im Neapolitanischen ans de^^ 
damaligen Beschaffenheit der Dinge der Wunsch einer völligen 
Acnderung derselben nolhwendig hervorgehen mufste, je mehr 
die. Begieyiiig sich auf die Niederträchtigkeit der Leute verti^^S» , 



uiyiu^Cü by GoOglc 



Ovilellft, Slorte del Bttm» il Napoli. Vol. 1. 



das Volk liiHafi vertreten sollen. Die leichte Eroberung ?on 

Sicilien und die Dereilwillif^heit des Volks, den neuen Konig 
aufzunehmen, erlilärt er »per consuela voglia di novilä, c percbe 
r odio a' Tedeschi e anlico c gio^lo nelle genti d* Italia.<x 

Das dritte Capitel handelt Ton der Regierung Harl*s, Ton 
der innem and ä'ufsern Geschiebte.- lieber die erste besondere 
findet nan linrse aber vortrefflicbe Beniei^hungen eines denkenden 
nad dabei sebr besonnenen Mannes, der das Denkbare und das 
Tbnnliebe sehr wohl zu unterscheiden weifs. Er gesteht , dafs 
viel unter der Regierung Karls vcrbcsscil wurde, klagt aber 
über die vielen Gesetze und Verordnungen, ohne System und 
Ordnung, welche erlassen wurden, über den Einflufs von Spa* 
nien, über den in unsern Tagen so häufigen, ja fast allgemeinen 
Febler, nur oaoh den Umständen «u regieren, die Gesetse den 
'ZaßUligkeiten anzupassen. In Besiebiing auf den Zustand der 
Polizei, des Gerichtswesens, der dffentiicben Sirtlicbbeit wolle» 
wir eine Stelle ubersetzen, die man mit dem verglcieben mufs, 
was wir von der Menge der Geistlichen und der Gloul)ensdis- 
ciplin gesagt haben , man wird leicht cinsLhen , dafs sieh das Kim 
zum Andern verhält, wie Ursache and WirUung. Man mache 
nur erst Mufsigg^'ngcr, Heuchler, gedankenlose Schwärmer und 
Onsnmbdpfe aus den Mensehen, dann wird Ausschweifung and 
Verbrechen ron selbst folgen. 

Wir bitten unsere Leser, zu bedenken, dafs, was wir an« 
fuhren, unter der besten Regierung geschah, welche Neapel 
von den Zeiten der anagonischen Regenten bis auf den heutigen 
Tag gehabt hat. König Karl war sowohl in l^eapel als später 
auf dem spanischen Thron eine ganz ungewöhnhchc Erscheinung, 
er regierte selbst und reformii te bekanntlich durebgreifend , nichta 
desto weniger lesen wir hier S. 5i : 

»Die biirgerliche Gesetzgebung änderte er niebt. Die Cri^ 
minalgesetze waren versebieden nach den Zeiteta, da sie aberron 
den Umstanden eingegeben , aus einem augenbifchliehen Unwillen 
über Verbrechen, die häufig begangen wurden oder besonders 
schwer schienen, entsprungen waren, so verfchhen sie das pas- 
sende Yerhöltnifs , so dafs also an eine gerechte und weise Ab* 

ztufong der Strafen nicht zu denken war. — , — — . 

Die Älaogel , die ich nur angedeutet habe (diese Andeutung bat 
Be(. dea Raums wegen, den sie «unebmen, weglasfen mSssen), 
und welebe tob am passenden Orte genauer besehreiben werde, 
veruTMchteo , dals die Verbrechen unter KarVa Begierung sebr 



iJiCjiuzcQ by 



• CcülcttA, Storia del Hemme 4i Napoü. Vol. I. 

tdiwer und selir zahlreich waren. Nach der gerichtlichen Angabe 
waren in der einzigen Stadt Neapel dreifsigtaiisend Diebe. Mord« 
tbaten , Strarfenraab , geirahfamer Einbruch waren in den Provinzen - 
ganz an der Togesordnang , und die Yergiftongen waren In der 
Hauptstadt so häufig, dafs ein eignes Gencht, la Ginnte deTeleni, 
errichtet ^arcl, um die Urheber zu entdccl^en und zu bestrafen. 
Dieses Verbrechens machten sich die Weiber am luiufigslen schuU 
dig, da die Schlechtigheit der Schwachen dazu hinreichte | wie 
der Verdorbenheit der Starken offner Frevel gefällt. 

Der Erzählung der Verbesserungen in kirchlichen Dingen, 
welche liarl apiter Tornabm , achicbt der Verf. folgende wichtige 
Bemerkung S. 53. voraot ; 

»Dieser H5nig, fromm in fleiner Uebemeugung nnd aelnen 
geistlichen Uebungen, neigte sich in dieser Zeit zur Hirche, so- 
wohl aus eigner Neigung als aus SlaalsUlugheit. Da also die 
dorchgreifende Verbesserung dea Kircheowesena das EhrenTollste 
und sogleich das AufiaiJendstc in der Regierung dieses Kuniga 
iat, ao mofa ich aie Tom Anfange bia com Ende aufzahlen. Man 
merlie wohl, es war kein ungläubiger K6nig , kein Mann roa 
weitem Gewissen , der den pobstlichen Stolz demSthigte ; es war 
derselbe Infant Don Carlos , der in der Kirche von Bari eis Dom- 
herr gcUleidet, unter den Domhenn im Chor den Gottesdienst 
hielt : der angclhan mit demüthigem Bufshleid in der llii che ^ ' 
de' Pellegrini den Armen die Fufse wusch ; der bei der Messe 
diente, um den damit verbundenen Ablafs zu erhalten | der jedet 
Jahr mit eigner Hand die Figuren und die Krippe zur Feier der 
Geburt Christi ferfbrtigte, der an die lebendige Heiligkeit dea 
Pater Pepe , einea Jesuiten , dea Pater Rooco t eines. Dominika- 
ners, schlauer und ehrgeiziger I^eute, glaubte.« 

Die Einrichtungen , welche Harl und sein Minister Tanucci 
machten , werden hernach einzeln angeführt und mit der liemer- 
hong begleitet S. 50: vSo dachte und handelte Karl und sein 
' Minister; die Wohlthaten ihrer Regierung flössen | weil Wissen» 
•oiiafl und Unterricht ihnen fehlte,, aus Instinkt und Liebe zum 
Guten, wie der Schaden, den ale anrichteten, aus den IrrthSmera 
ihrer Zeit und aus ihrer eignen BeschrUnkthelt.c Er setzt hinzu: 
9 Era Carlo ignorante, pocu njcno il l*anucci. Gegenwärtig,« 
fährt er foil, vwürde ein solcher König, ein solcher Minister Na- 
tionen grofä und glücldich machen.^ 

Im Folgenden verliert sich der General ^ ao lebendig auch 
aeine £rzählttng *iat| ao rortrefiHieh seine SentenBen, zu sehr in 



das Einzelne der Ereignisse im untern und mittlem Italien wäh« 
TCnd des daterreichischen SucoessionskriegSi bctonders io Beait» 
hmti§ Gefechte ond Kämpfe bei Velletri. Das muft m§m 

dem Sfeapolibner mohf ubel nehmen, denn wie selten bann er 
Ton seinen Landsleuten Kriegsthaten berichten? er mSchte denn 
von ihrer Flucht erzählen wollen. Dies spricht er an! eine edle 
und grofsartige Weise bei der Gelegenheit aus, wo er bedauert, 
daft er in dieser neapolitanischen Geschichte nicht erzählen 
h5nne, wie ruhmvoll die Genaeser gegen die Uebemacht und 
< djf^ JÜ[i^|HM|||ong der Oetterreicher gekämpft hätten. 8. 781 
— ^ «h^wtt^ ainriene a chi tcrire istorie d* Italia narrare il 
^tnodro degit oppresiS 'sopra i tiranni ; come di ordinario iono 1e 
parti de' suoi mesti racconti, la mjseria de* vinti, la felicita degli 
,oppressorL< ^ 

YortrefTlich wird hier S. 81. bei Gelegenheit der Dar- 
ateJlnng der Schritte, welche unter UarKs Regierung in Neapel 
-getiban wurden ^ om die Feudalrechte so mindern ond die Bai> 
rooen so aäl\f Sehen, die Entstehung einet dritten Standes la 
Neapel entwichelt, und geseigt, wie dieiea Volk, da§ swiscben 
dem P9bel nnd'dem Adel nach ond nach entstand, »compagnia 
e stromento della monarchia nel passagio di Ici da feudale ad 
a8Soluta<c geworden sey. Er fug^ hinzu, leider fiel die ganze 
>Macht , welche Geistlichheit und Adel verlor, den Advol^aten, 
"^en Richtern, den Kanzleibeainten ond ihren Familien, kurz, 
wie in Deotsohlaod, d«n Joristen su* ber Mittelstand bestand, 
wie in Deutschland, ans den Familien der Sd^retbenden, der 
spitzfindig und gelehrt an lateinischen Gesellen Deutelnden ; aus 
Sophisten. Von dieser, unter uns blühenden Gattung von liCuten 
(Curiali) macht er S. 8'5. ein reizendes, leider nur zu wohres Bild, 
von dem wir nur die sechs ersten Zeilen von 19 hersetzen wollen : 
* »Diese Leute, die aus Gericht und liechtswesen ein liand- 
"werk machen (i curiali), sind furchtsam in Gefahren, nieder^ 
trächtig im Unglfich, Schmeichler eines jeden, der die Gewalt io 
•einer Hand hat, toH Vertrauen auf die Ränke ond Bechtsveiw 
drehungcn, an denen ihr Geist reicli ist, gewohnt, die abge- 
schmacktesten Meinungen zu verlheidigen, glüchselig, wo Zwie- 
tracht herrscht, Einer auf den Amlern eifersüchtig, weil ihr 
Handwerh dies mit sich bringt, häufig sich einanJer entgegen ^ 
Venn es aber einen Dritten, der ihre Schliche enthüllen wiU« 
||ilt, iwmer einige — »Erst swischen 1806 — 1810,« iHgt er 
viiijHBä, »fewann auch der HuMielsStend ond. die Gaterbesitaer 



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dorohlUntcrdrilckang des gatisen Feudalismiit ond der welllicliMi 
Haclit und BeiehlhSmer des Clerus , und es bildete steh ein neuer 

Mittelstand, dessen FJnfluPä 1820 ofTentlich , im gegenwärtigen 
Augenblick insgeheim uirhsam ist.^x 

Das erste Capitel des zweiten Buchs erzählt die Geschichte 
der Regentschaft während der Minderjährigkeit Ferdinand des 
Dritten. Karl erbte belianntlich 1769 Spanien, liefs vor seiner 
Abreise aus Neapel seinen ältesten Sobn Philipp för blödsinnig « 
den zweiten, Karl Anton, aber som Nachfolger in Spanien er* 
klaren , und trat dem dritten , Ferdinand , Neapel ab. Dieser war 
erst im achten Jahr, er sollte mit sechszehn Jahren Tolljährig 
seyn , bis dahin sollte ein Regentschaftsrath die Regierung fuhren« 
Die Uegicrung blieb eigentlich dem Minister Taoucci, der sich^ 
wenn CS nöthig war, und das war besonders in geistlichen Dingen 
der Fall, aus Spanien die nSthige VoUniacht kommen liefs« Tanaoci« * 
sagt Collelta, änderte während der Regentschalt das alte Wesea 
80 sehr, er wufste so viele neue YerbSltnisse und Bedürfnisse 
zu schaffen, dafs der König, als er volljährig geworden war, ohne 
allgemeine Unordnung und Schaden zu veranlassen, nicht ändern 
lioonte, was einmal geschehen war; Ferdinand mufste daher notb« 
wendigerweise aui' dem unwiderruÜi<^ eingeschlagenen^ Wege verw- 
barren und fortgehen« Dieses wichtige Capitel enthält also sum* 
nariseh die ganze Gesetsgebnng und Einrichtung Tanueci*s, was 
dann natlirlich keinen Aussog vertragt« 

Der Ffirst von San Nicandro, der die Aofsicbt über die Er* 
Ziehung Ferdinands hatte, wird S. 90. angeUIagt , dafs er den 
guten Kei dinand schon im 1 iten und i2ten Jahr zu dem wiithen» 
den Jäger und Pischer machte, der er sein Leben hindurch ge* 
blieben ist. Die Geschichte der Jugend des U5mgs wird hier 
ausführlich erzählt, ond diese Erzählung beginnt mit den Worten : 

»DerKSnig war swSlf Jahr alt Die k5rperlichen Uebungen 
und die Spiele nahmen viele Stunden des l'ags weg ond leiteten 
den Geist vom Lernen ab. Leute von Bnf und von Gelehrsam- 
keit waren seine Lehrer; aber bald mangelte die Zeit, bald der 
Wille, er erhielt selten oder auch gar nicht Unterricht; man 
sah zu gleicher Zeit die physische Starhe und die Unwissenheit 
des KGnigs zunehmen; Ge&hren des Staats für die Zukunft. Als 
Hind mochte er mit verstandigen Leuten nicht reden, als Er- 
wachsener «schämte er sich, es zu thun; dagegen erzSblte und 
zeigte er mit Vergnügen, wie er Eber oder Hirsche erlege, wie 
er n. t. w. Man kennt die Lebensweise Ferdinands hioreicheod | 



» ColletUt Storia dcl Uraiuc Ui Napuli. Vol. I. U 

weifs, dafs er mit Jagd, Fischfani^, liindischen Spielen bis zum 
höchsten Alter beschäftigt, weder je ein Duch noch eine Schrift 
las, noch seinen Namen unterschrieb, dafs er weder je regieren 
trollte, noch jemals regierte; es bann daher nur von seinen Mi> 
nistern 'und von seiner Gemahlin die Rede seyn, seil er am laten 
Jan. 1767 die Regierung übernommen hatte. Was die Minister 
angeht, so waien sie behanntiich mit den andern bourbonischen 
Hofen gegen die Jesuiten vereinigt. Das 2te Capitel des 2ten 
Buchs handelt daher ausführlich von der Vertreibung der Jesui- 
ten, die derselbe Köitig in seinen letzten fahren mit Hülfe des 
Pabstes wieder herstellte. Dafs der Verfasser kein Freund von 
Scandal ist, beweiset er dadurch, dafs er uns die behannten Lä- 
chcrlichlieiten nicht erzählt, ;die Ferdinand beging, nicht einmal 
die Komödie beschreibt, die er und sein ganzer Ilof spielten, 
als seine erste Verlobte , die Erzherzogin Maria Josepija , gestor- 
ben war. Er geht unmittelbar zu der Erzählung über, wie er 
mit einer zweiten Erzherzogin verlobt ward und wie diese, als 
sechszchnjährige Rünigin, vermöge eines förmlichen Artikels im 
Ehcconlract, ihren Platz in der Regierung nahm und Tanucci, 
der jetzt bereute, dafs er den König völlig unfähig habe er- 
wachsen lassen, erst sehr beschrankte, endlich aber (und dies 
macht Epoche in ihrem Leben) ganz herausdrückte. Bei der Ge- 
legenheit erzählt er, wie die Königin Karolina und ihre ßrüder 
Joseph und Peter Leopold bei ihrer ersten Anwesenheit in Neapel 
(1768) sich dadurch sehr beliebt gemacht hätten, dafs sie sich 
entschlossen gezeigt , die alten Einrichtungen ihrer Staaten nach 
deo Grundsätzen der Verständigen und dem Bedürfnifs deif Zeit 
ganz zu verändern. Er setzt S. 69. hinzu : »cosi che a noi tutla 
Ja prole di Maria Teresa parve famiglia di filosofi potenti mandati 
da dio a ristorare Tumanita.« Die Jesuiten nennt er, so gemnfsigt 
er sonst ist, doch briganti, und ist nicht abgeneigt, an die Ver- 
giftung des Pabstes Ganganelli (Clemens XIV.) zu glauben, dies 
sieht man daraus, dafs er mit den Worten schliefst: »Wenn 
auch das Gerücht falsch (bugiarda) war, so war doch der Arg- 
wohn nicht ungerecht (maligno). 

Die erste Periode der berüchtigten Königin Karolina war 
bekanntlich die, wo sie mit ihren Brüdern in der Wette in welt- 
lichen, besonders aber in geistlichen Dingen kühn und weise rc- 
formirte. Von 1768 — 1788 geschah mehr als sonst in dreihundert 
Jahren, der Verf. rühmt aufser Tanucci als Rathgeber Filangieri, 
Pagano, Galanti, Conforti, und Antonio Genovcse, denn, fügt 



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!• CoUetlBt Storia dol Reame dt MapoU. «Vol. 1. 

■ 

er hinzu, da das Wohl des ^^ts damals das Zi^ war, worauf 
itch Alles richtete, so war derjenige der Gunst , der Gebildeten 
•icher (Paiira della societa circondara), der gut davon redete* 
Doch gesteht er weiter anfen (8. loi.) ganz offen 'ein, datli 

diese vortrefilichen Dinge keinen Grund und keine Wurzel hatten, 
weil der H5nig gar keinen Antheil daran hatte, das Volk sich 
nicht darum bekümmerte und gar nicht wufstc, was das Alles 
bedeuten sollte. Die Stelle ist kurz aod vorti eÜlich, wir wollen 
fie im Original mittheilen : )»A??egnache i buoni concelti e le 
•aYie legge non essende ingenerate nella mente del re ne sentile 
dalla moltitttdhie (Vuna e Taltra piü basse di qnella cifÜta) pic* 
colo nnmero de sapienli le iroaginava, namero poco maggiore le 
avea in pregio* — vdarum,cc lügt er hinzu, »war der grofse 
Haufe darüber erbittert , wie er über jede Neuerung zu seyn 
pflegt, und späterhin bestrafte sie die Regiernog, als wenn et 
Vergebungen wären. Uebrigens, sagt er, ward nur in geistlichen 
Dingen in Neapel weise verfobren, die übrigen Veränderungen 
waren ohne Zweck und ohne Plan, bald gut bald schlecht, bald 
ganz im alten, bald Im neuen Sjstem — WillkShr überall. Red 
kennt kein Buch, aus dem man soviel Belehrung über die Ver- 
waltung des Staats, über das Verderbliche des Verwaltungssy- 
stems des Mittelalters, des Regiments der Juristen und Cabinets* 
gesetzgeber, an denen wir auch in Deutschland Ueberilufs haben,' 
auf eine leichtere und angenehmere Weise ziehen k5nnle, alt 
•ns Colletta. Es ist hier auch nicht der Schatten Ton Rhetorik 
oder Declamation. Es sind die Thatsachen TortrefPlich und 
klar yerbunden und dargelegt. Den Sostand des Volks uhter den 
Baronen und den geistlichen Herrn beschreibt er S. 106, wo 
unter andern folgender Ziip; vorkommt: »Der verdiente Ge« 
Schichtschreiber Joseph Maria Galanli (ürchtcte sich, die unglaub- 
liche Geschichte zu berichten , daPs in der Baronie 6an Gennaro 
di Palma, nur i5 Miglien (7 Stunden) von Neapel entfernt, als 
er die Gegend 1789 besuchte, nur die Diener und Beamten dat 
Gutsherrn in Hlusern wohnten, das Volk aber, etwa 2000 Men* 
sehen, rettete sich wie das Vieh vor der Kälte und dem Regen 
in Hutten von Stroh , Weidengeilecht oder in Hohlen. Sehr 
Sehl echt pafstc auch zu den Verbesserungen , die man vornahm 
und zu der Philanthropie der Zeit die Form der Criminalge^ 
richtsbarbeit und der Criminalgesetzgebung. Von der ietztern 
mag das ein Beispiel seyn , dafs das Lesen von Voltaire's Bfiebem 
bei drei Jahre Galeereostrafe und daa Lesen dw Florentiner ZA 



Collctlii , Storin dcl Ucaiiic di Nnpoli. Vol. I. II 

long bei sechs Monat Gefangnifs verboten ward. Damit stand in 
genauer Verbindung der gänzliche Verfall aller Zucht und Sicher- 
heit. Der Honig seihst in einer ufTentlichen Behanntmachung (un 
Lande contra maHatlori ) gesteht : Man höre von nichts als Ton 
Diebstahl auf der Landstrafse und auf dem Felde, von Entfüh- 
rung der Menschen, die sich hernach loskaufen mufsten (ricalti), 
▼on Raub und Frevel, Sicherheit für den Handel gäbe es nicht 
mehr; endlich (als wenn es ihm einfiele, dafs auch diese dro- 
hende Bchanntmachung nichts helfen werde) wird vom KSnige 
selbst den Beisenden und Handelsleuten gerathen , nur bewail'net 
tind in Caravanen zu reisen. 

Der Sturz des Ministers Tanucci, der 43 Jahr, von 1784 bis 
1777, Neapel regiert hatte, wird nur ganz hurz und etwas dunkel 
berichtet, auch scheint es uns, dafs der Neapolitaner hier gegen 
den Florentiner nicht ganz gerecht ist. Dafs dem alten Mann 
die Art, wie er entfernt ward, leid that , war doch sehr verzeih. 
Heb , und von der Königin liefs sich doch wahrlich so wenig er- 
warten, als von ihrem Acton Dieser Engländer folgte nicht un- 
mittelbar auf Tanucci, sondern Sambuca, vorher Gesandter in 
Wien, hatte das Budcr geführt, hatte sich bereichert, sah seine 
Gunst bei der Königin und dem König abnehmen , da fiel es der 
Königin ein, eine mächtige Flotte und ein Heer zu schaffen. Der 
Prinz von Caramanico (grato e Jorse caro alla regiha) rielh ihr, 
den Ritter Acton, der damals in Toscana diente und bei einem 
Zuge gegen Algier Ruhm erworben hatte , als Admiral zu rufen. 
Auf diese Weise hom John Acton 1779 nach Neapel. Dies ist 
behanntlicb das ungluchlichste Ereignifs , welches die armen Nea- 
politaner unter den damaligen Umständen, besonders in Bczie- 
bung auf die Zeit der franzosischen Revolution, trefTen honnte. 
Er ward Director des Ministeriums und war, wie sich Colletta 
ausdruckt : v bene accolto della regina, svagamente dal re, lodato 
dai grandi.« Sambuca war schon gesunken und ward bald ent- 
fernt, Caracciolo war alt, Caramanico, Acton und die Königin 
ein Kleeblatt. Nach Caracciolo's Tode ward Acton auch Minister 
der auswärtigen Angelegenheiten und verdrängte Caramanico end- 
lich aus dem Schlafgemach der Königin und aus dem Cabinet. 
Caramanico ward Gesandter in London, dann in Paris, endlich 
Vicekönig in Sicilien ; Acton dirigirendcr Minister. Dieser, sagt 
er, genofs fortan gröfseres Ansehn und halte mehr Macht, als 
Ferdinand, »che spensicrato imbcsiiava nei grossi dilctli della 
Tita.« 



L^iyu^üd byt^oogle 



m 

12 Colletta, Storia d«l Ucaine di Na|>oli. Vol. I. 

Actons erste Sorge war, Flotte und Heer zu schafTen , das 
letztere sollten Salis und Pomereuil nach der neuen Weise ein- 
richten. Diese zogen fremde Oiüciere und Unterofßzierc int 
liand, unter den letztem befand sich Aogereau eU Feldwebel, 
Eble. kam alt Lientenanl. Aber wer waren die geworbenen 80^ 
daten? Sie waren alle aus den niedrigsten Volksblsssen, jedei^ 
der zu dem Herrn oder Adelslande geb5rte, der den Doctorgrad 
hatte, der liegende Güter besafs, der ein Handwerk oder eine 
Kunst trieb, war frei von der Verpflichtung, zu dienen. Die 
A^ci breclier, oft gerade die, welche der schimpilichsten Verbre- 
chen schuldig waren f wurden zum Kriegsdienst veiurtbeilt, and 
ganz gewöhnlich wurden Galeerensciaren und Gefangne in Sol- 
daten verwandelt. Salis ward zwar fortgeichiekt, das Volb är- 
gerte sieb aber über die Soldaten darom niobt weniger, aebirapfle. 
auf die K5nigin und ihren Aclon, und fand den HSiüg um so 
liebenswürdiger, je gemeiner er war. 

Die Beschreibung des Erdbebens in Calabrien von 1788. 
S. 1 1 5 u. fg. ist eben so kurz und gedrängt 9 als genau und au- 
thentisch , wir eilen aber zu der Zeit| wo die Konigin und ihr 
Acten , mit ihrem Heer and ihrer Flotte , eine Rolle in den enro- 
paischen Angelegenheiten erhielten, nachdem das saubere Paar 
schon TOrher Spanien und den alten Vater des Königs; Frank- 
reich und den guten Ludwig XVI. durch TSIlige Hingebung an 
England und Oesterreich beleid if^i halte. Die Geschichte der 
Kolle, welche Neapel und seine Königin während der franzSsi- 
scben Uevolulion spielten, beginnt im letzten Capitei des zweiten 
Buchs ; doch bandell erst das ganze dritte Buch Ton den^Jabron 
1791 1799.. 

Die Einleitong, welche diesem dritten Buch ▼orangeschiebt 
wird, oder das letzte Capitei des zweiten Bachs enthält eine 

kurze und gedrängte Geschichte der Entstehung und der ersten 
Eieignisse der franzosischen Revolution ; darüber entschuldigt 
sich Colletta mit folgenden Worten, welche unsern Lesern he* 
weisen werden , dafs wir ihnen von einem grofsen Schriftsteller 
und ?on einer in onserer Zeit seltnen, ja einzigen Erscheinung 
reden* S« 136: «A racontar le quali« bencbe a di nostri per 
altri librt e racconti conosciote, io (sperandomi aicun lettort 
nella posterita) credo far laroro non disgrato a jiresenti, gioTC- 
volc agii avveiiire.« Diese Darstellung konnte und müfsle übri- 
gens bei der grofsen Gedrängtheit historisch genauer und rich- 
tiger sejrn« auch geschieht dem Konige von Frankreich überall 



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MrMdlt, ipat TOA 4ieiem liier |^gt wird , hftiiiite allenfi^ «iif 
die Königin pafieo. Ueber Necker stimmt Bef« gans mit (^l||li( 
Bberein, er nennt ilm: »bnono di animo, meszano d' ins^gQO, 

fanitoso, non uguale ali'altezza de' Icmpi « ^' nr' *f' 

Am Schlosse des zweiten Muchs i'o\'^l auf das etwas Ilüchtige 
Gemälde d^r franzusischen licvolulion eine Darstellung der Lage 
TOQ. Neapel Eur Zeit der Reise des Honigs und der Königin nach 

^^^"^^'iri^ffS^-^ijBHK'* bekanotlich Leopolds Hr^nonf 

bilMinj|i|^g^t?H Stelle, mnfs man was sieh 

hei Bolti ||i frsten^raeile serstrent findet, Tergleichen, wenn 
man lernen %illv wie sich die Geschichte nach dem Master der 
Alten, von der Geschichte nach dem Muster der Franzosen un- 
terscheidet. Collelta schliefst dieses Capitcl mit folgenden Wor- 
ten: «So dafs also drei Seelen, eine schwache, die des Honigs; 
eine weibliche, die der Kdnig^in, welche ganz von Leidenschaften 
Terdnnkelt, nnd endlich eine dritte, die des Generais Acton, die 
Ton Habsucht nnd Ehrf^is beherrscht war, imd nnr PriTStab» 
sichten kannte, das Bei^itliireh die ihm nahenden StSrme leiten 
sputen.« • Ui^'^/ 

Den Anfang des dritten Buchs machen die Uriegsrustungen 
und die schrecklichen Polizei- und Inqaisitionsanstalten gegen die 
wenigen denkenden Menschen im Reiche; denn der Pobel, ?on 
der Hansel ans und im Beichtstuhl cum Haüi der Fransosen aof-^ 
geregt, war fanatisch, wie der jnnge Mann, der anter dem alten 
Namen reggente della Tioaria an derSpitne des politischen Inqni- . 
^tionstribunals stand. Dieser Mann war Ludwig de*Mediei, den ' 
der Verf. bezeichnet als giorine scaltro, ardito, amhi/ioso di 
aotorita e di favore. Die folgende Schilderung des Spionirens 
nnd des absichtlichen Ausrottens der wenigen Sittlichkeit, die 
noch übrig war, iüllt das Herz mit Schauder und Bctrubnifs, 
besonders, wenn wir sehen, wie die Angeberei, vom Hofe er«. 
■Mintertt aofhSrte, ein Geschäft des Answnrfk der Menschheit 
sa seyn, non la disdegnarano i magistrati, i sacerdotl, i noblH.« 
Bei dieser Gelegenheit erTahren wir, dafs sich schon damals sehn* 
tausend Verurtheilte und zwSiAausend Gefangne auf den Galeeren 
uod in den Kerkern von Neapel und Castellamare fanden , von 
denen man in der Angst vor Revolution einen grofsen 'l'heil auf 
die Straiinseln Lampedusa und Tremiti bringen liefs. Im Fol» v 
genden mnla CoUetta aof Frankreich, auf den sehnten Augnsrjfr 
auf die Hinriefatang des Könige kommen $ er bleibt aber Ton 
eUf^^taalisaiiie, fireij^nd spricht fon den Urhebecii des Sjrsleas 



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14 CoUrtta» 8tarte M iRcaaie dU 21^1. t 

Sehreciieiitseit gans aaden, aU der JtUrige Mtaiiter ilit Iii« 

nern in Frankreich in seiner Geschichte der RevoiutiQn davon 
gesprochen hat. Collella saj^t S. 14^ i » — essi erano succe- 
duti Danton, Marat , Hubespierte et altre iurie che ne' civili 
•Gonvolgimenti scaturisce lezzo plebeo.« 

Neapel allein unter den italienischen Staaten suchte gegMl 
^e oena Republik Alles 10 Bewegung su bringen und bewirfato« 
dafs der französische Admiral la Touche vor Neapel erschien utd 
den Hof su schimpflicher Nachgiebigkeit zwang. Man nioi^te 
Makau als Geschäftsträger auf nehmen , mufsto den Cabalen gegen 
Semonville's Aufnahme in Cynstantinopel entsagen und sogar zu- 
geben^ dafs die verhafsten Republikaner im Hafen' von Neapni 
ihre Schifie ausbesserten und sich mit Wasser und andern Be- 
dürfnissen versahen. Bei dieser Gelegenheit begingen eine Anzahl 
junger Leute oder Phantasten Unvorsichtigkeiten, und es begann 
die grSfsliche Geschichte, von der wir nur den Anfang millheilsn. 
wollen , S. 14B : 

»Viele, die mit den P'ranzosen irgend VerUehr geliabt hatten, 
wurden in der Nacht aufgehoben und in Berker geworfen, An- 
dere, weil man sie wegeii Staatsverbrechen in Verdacht hatte. 
Ihr Schicksal ward verborgen gehalten, so dafs ihre Verwandteni 
ihre Freunde, das allgemeine Gerücht behauptete, sie seyen in 
den Kellern des Schlosws hingerichtet oder in die enilerntestesi 
Castelle der um Sicilien Hegenden Inseln gebracht worden. Erst 
spät erfuhr man , dafs sie in den unterirdischen Gefangnissen von 
Santermo einzeln eingesperrt wären, die Erde ihr I^ager, ein 
Loch ihre VS^ohnung, das waren Gelehrte und AdUcbe, gewohnt 
an häusliche Behaglichkeit, an Buhe des Studirens. Unbarmher* 
aige Wächter I die ich werde nennen miissen, wenn ich auf die 
Zeiten komme, die noch sehlechter waren, als. die, von dene« 
ich rede, führten diese harten Befehle mit dem wildesten Eifer 
aus. Der Königin ücl es ein, dafs sich unter den Papieren des 
franzosischen Gesandten der ganze Faden der Verschwürung und 
die Namen der Verschwornen finden müfsten, sie beweg daher 
Ludwig Gustode t der im Hause Makau s gut gelitten war^ die 
Papiere zu stehlen. Er ward des Diebstahls gerichtlich ange- 
hlagt, vom Gericht freigespi^ochea, vom Hofb belohnt. Wir be« 
merken noch , dafs Neapel hernadi den Schimpf hatte , dnlh 
es in den öflentlichcn Bedingungen des vom Prinzen BeU 
monte den iiten Oc^. 1798 unterschriebenen Friedens verspre- 
chea mttüste^ die Urheber des Diebstahls von Makan's Papieren 



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Colletta, Storia dil Ueamo di Napoli. Vol. I. Ift 

entdecken und bestrafen zu lassen. Man fand übrigens darin 
keine Liste und kein Aktenstück einer Verschwörung, wohl aber 
Noten über die Verletzung der versprochenen Neutralität von 
Seiten Neapels ; aber nichts desto weniger ward ein Tribunal zur 
Verurtheilung der Majestätsverbrecher ernannt. Dieses Tribunal 
bestand aus der giunt^n di stato, sieben Richtern und einem Staats« 
procurator, einem Basilio Palmieri , der durch seine strengen 
Proccduren bekannt war. Unter den Richtern waren der Ritter 
de Medicif der Markese Vanni, der Präsident der Rota Giaquinto, 
welche alle in der Folge durch ungerechte haite Behandlung, 
die sie gelitten oder an Ändern geübt haben, berühmt geworden * 
sind. Die Zahl der Gefangnen ward täglich grofser, das ernannte 
Tribunal und die Polizei machten ihnen insgeheim den Procefs ; 
die Stadt war voll Schrecken und Angst.* 

Dann erzählt er unglaubliche Dinge, von der Art, wie man 
das Ueer warb, welches man gegen die Franzosen gebraueben 
wollte und wie man Pikenträger (spuntonieri) aus den Lazzari 
rnachte. Bei dieser Gelegenheit giebt er eine anziehende Ge- 

^ schichte und Beschreibung dieser Galtung Leute, die er mala- 
mento nota nennt. Doch setzt er hinzu : ^non si nasceva lazzaro 
(voce Spagnuola) m.i diveniva.« 

In der Erzählung der Hinrichtung der drei jungen Leute 
von 22, 20, 19 Jahren, des' Vincenzo Vitaliani , Emanuel de Die 
Vincenzo Galiani, wird mah S. 169 — 160. den St}! des l'acitus, 
aber auch Gesinnung dieses Römers von altem Schrot und Horn 
wiedererkennen. Colletta mifsbilligt, wie jeder Verständige thun 
wird^ die Thorheit der jungen Leute, aber er ehrt ihre Gesin- 
nung. Er erzählt , wie die Königin den alten de Deo rufen 
liefs, wie dieser in die Capelle gehen mufste, den Sohn in sei* 
nem und der alten Mutter Namen beschwören, die Verbundenen 
anzugeben, dann wolle ihm die Königin verzeihen und Vater und 
Mutter mit ihm in ein fernes Land gehen. ,Der alte Mann, sagt 
er, iiel vor dem Sohn am Altar nieder, dieser blieb standhaft 
und tröstete den Vater mit den folgenden Worten : , Padre mio, 
la tirannia, per cui nome venite, non sazia del nostro dolore, 
spera la nostra infamia , e per vita vergognosa, che a me lascia, 
spegnerne mille onoratissime. Soflnte che io muoja ; molto 
sangue addimanda la libertä, ma il primo sangue saiä il piu 
chiarö. (Jual vivere proponete al figlio e a voi ? dove nascon- 
deremmo la nostra ignominia ? lo fuggieri quel che piü amo, 

patria e parenti 3 voi vcrgogncreste di cio , che piu vi honora , 



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16 



CoUetta, Storla del Rcame dl Napoli. VoL I. 



il casato. Calmate il dolor vostro, calmate il dolor |alla madre 
confoitatevi entiambo del pensier che io mono innocente e per 
?iitu. Soateoghiamo i pmenti martorii fugitivi, e verra tempo 
che il m!o noiiie arra fama durevole nelle istorie, e voi trarret« 
?anto , che io n^to di Toi , fui morto per la patria « 

Von diesem Aagenblick an tritt die Geschiclfte Actons und 
der Königin dnnhler and immer dunkler hervor, denn obgleich 
wir glauben wollen, dafs Acton an der Vergiftung des Einen 
seiner Nebenbuhler, des Prinzen Caramanico, weder direcler noch 
indirecter Weise Schuld war, wie hier angedeutet wird; so Ten- 
halt sich doch die Sache mit dem jaogen, schonen, begünstigten 
Ludwig de* Medici anders. Die gänse schaaderhafte Geschiehte 
der höllischen Cabale gegen diesen and gegen die ersten oad an- 
gesehensten MSnner de» Reichs wird aosfohrlich und mi» den 
einzelnen Umstanden berichtet. Wir hiftten 8. 161— '169. die 
Scene im königlichen Cobinet weggewünscht, so vortrefflich sie 
drannatisch gehalten ist. Da Niemand dabei war , so mangelt ihr 
die Wahrscheinlichkeit, obgleich die Scene wahr aeyn mag, weil 
ja Golletta S. 164* ausdrücklich sagt: »Tinsita loquacita della re* 
ghiai cot abbiamo debito di aTer sapato i secreti parlari dM 
Acton, del re, di lei atessa.« 

Diese Geschichte der VerhaAang des Medici, der Glieder 
der ersten Häuser, der ältesten Familien , ohne Grund und Ur* 
Sache durch Actons Veranstaltung, gleicht den unwahrscheinlich- 
sten Erzählungen der abentheuerlichsten Honiane, und was S. 164 
bis i65. erzählt wird, wurde unglaublich seyn , wenn es nicht 
leider wörtlich wahr märe und sich nachher immer wiede^^Uew 
Der K5nig und die Königin gewannen durch die unerhSrten Ver* 
fblgungen der Schuldigen und Unsebaldigen an einer Verschw^ 
rung, die nirgends zn linden war, so wenig, dafa es hier heifst: 
»Sie verabschiedeten die alten gardes du corps und nahmen an- 
dere; sie wechselten die Truppen, von denen sie bewacht wur- 
den, sie änderten die Hausordnung ; sie Uelsen die Speisen ko* 
•ten , sie Terbargen den Bedienten das ZimmerJ, wo sie achlkfen , 
imd jeden Tag furchtsamer und ängstlicher, raubten sie sich und 
Andern die Bvhe.« 

(Der Beschlufs folgt.) 



\ 

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N». 2. ' HBIDELBERGBH 1836. 
JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



Collelta, Storia del Reime di NapolL VoL 1. 

(B€9ektmf9,} 

Damals waren einige Regimenter Neapolitaner in der Lom» 
hardei bei der sardinisch -kaiterltolMn Armee ood Kricgtichiife 

der englischen Flotte, da« honnten die Fkrantoeen Terseibeiii 
et war den NeapoKtenem mit den andern Staaten gemein; allein 
der Verf. macht nni dorch Anszuge ans dem neapolitanischen 
Manifest and duich ßesciireibnng der Kriegsanstaiten in Neapel 
(S. i66 — 167.) zur Zeit von Conapartc's ersten Sief^en recht an* 
schaulich, was Neapel unaufgeiordert that und warum zwischen 
Frankreich und Neapel untersShnlicher HsPs scjn mofste, solange i 
die frans5fiache Repablik bestand* Mit welchen lebendigen Far« 
ben wird hier d^^von Aherglanben vnd Vororthea hehemchte 
■eapolitanische Tolk , die* Erbirmlichkeit einet Geschleehtt ge^ 
malt« dai sieb ans Feigheit an Gott wendet und mit Mord und 
Yerrath und blutiger Hache im Herzen l*age lang im Gebete 
verharrt, uneingedenU dessen, was schon Jcsaias einem almlichen 
VolUe zurief ! Der Verf. der Geschichte zeigt hernach ganz TOr- 
trefl'lifh an dem Beispiele derselben Neapolitaner, wie sehr sich 
die Leote in*en, die das Beten ond BeichlehSren auf Unkoeten 
der Sittlichheit ond sogenannte Lojalitat anf Unkoeten der Hecht« 
Kchbeit hefSrdem wollen. Sie fallen in die Gruben, die sie nnd 
ihre Handlanger gegraben haben, sind sie aber gliiclilicb, so 
trifit sie doch gewifs der Fluch der Menschheit ond ihre Enkel 
hülsen ihre Sunden ! 

Der Frf&de^eo das Oirectorinm anf Bpnapartes dringendea 
Verlangen htSIKk ongera den iiten Oot. 1796^ schldSi, sagt der 
Teif« 8. 170, enthielt die geheimen Bedingungen: adals der 

» nig der Bepoblik acht Millionen Franken bezahlen solle, dafs die 
Franzosen, wenn sie mit dem Pabst nicht einig werden könnten, ^'^ 
nicht über Ankona hinausgehen wollten und keine revolutionären 
Bewegungen in den südlichen Provinzen unterstutze n.<( Dann 
fährt er fort: »Diese letztern Yertrig« und das StillschweigMi 

I fiber die alt Majeetätst erhrecher geihngen. gehaltenen Neapolitaner 
liostelMi oneerer Schntehmnmer ebe Jlillioo fVanhen asi Ge- 

WilL Jahrg. 1. Heft. 9 



ijICjlu^CQ by 



18 * Collctla, StoriS dol Reanie di Napoli. Vol. I. 



schenl^cn nnd Bestechungen. So vereinigten sich also bei dieser 
Gelegenheit die Arglist der Tyrannei und die Habsucht einer 
fiMMB aber schmutzigen Regierung, um die armen Meopolitaner 
za zwingen', ihren eignen Jammer mit baarem Gelde zu bezahlen. 

In Beziehung auf die Stimmung der RSmer und Italiener^ 
als die Franzosen Rom besetzt und den Pabst vertrieben hatten 
(1798), heifst es hier ganz Tortrefflicb : »Chi prevedeya I futuri 
benefizii di slato Hbero lollerava le pnsscgiere licenze deila coq- 
quista ; cbi giudica e Tive del presenle, aborriva e temera gli 
ordini nuovi.* 

Die^ Erzählung der Inquisittonsverbandlungen , welche fier 
Jahre dauerten, gegen acht und zwanzig Leute ans den erslen 
Familien, die ausgemachter Weise ganz' unschuldig waren, schlielH 
das zweite Capitel des dritten Buchs, und erfüllt die Seele mit 
tiefem Unwillen ^o^en einen VAnni, Castelcicala und Andere, so- 
wie gegen eine Rechtswissenschaft, die auf diese Weise mifs« 
braucht werden hann. Diese Criminalisten reden in ihrem Pio- 
oefs von nichts, als von Tortur, um Geständnifs zu erpressen, 
und von Tortur vor der Todesstrafe, um diese zu schärfen. Und 
gegeo wen? Gegen Opfer von Actons Cabale, welche sogar die ' 
.Königin gern freigelassen hätte« Welcher Abgrund der Verdof^ 
benheit juristischer Sophisten und Rabulisten, die alles dieses 
vorgeblich nach den Rechten leiteten ! ! Die Stelle verlrä'gt kei- 
nen Auszug; doch bemerken wir, dafs dieses Mal doch das Ge- 
richt nicht feige genug war, den Inquisitoren zu Gefallen die 
Unschuld zu verdammen. £s heifst S. 180: »Die Urtheile waren 
gerecht, sie sprachen sie frei und unschuldig. Die acht und 
zwanzig und einige Andere worden aus dem elenden Kerker ent> 
lassen, die Ungerechtigkeit der langen Gefangenschaft, der Tod, 
den Einige im Kerber gefunden , die Erzählung der erduldeten 
Qualen, erzeugten einen allgemeinen Jammer : so dafs die Regie- 
rung, um die Schuld von sich abzuwälzen, ihren Unwillen mit 
dem allgemeinen Unwillen vereinigte. Vannt ward als Urbeber 
falscher Anklagen seines Amtes entsetzt, aus der Stadt Terwicten, 
mit allen Zeichen der Ungnade. Der Prinz von Cuteicicala, aetn 
Mitschuldiger, wnfate sich dadurch herauszuziehea , dafa er allo 
Schuld auf den onglueklichen Freund vrarf. Der General Aoton 
stellte sich, als wenn er sich von den Staatsgeschäften zurück-» 
zöge.« 

Was unmittelbar darauf folgt, ist freilich trostlos genug : 
»Et erschienen andere Menschen, andere Formen im^Ministerinin $ 



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ColletU, StorU del BeBoie di Napoli Vol. 1. 



Iber die SfTentlichen Angelegenheiten erhielten kein anderes An- 
mIiii. Die Herker wurden zwar von gewissen Gefangenen leer, 
•le Warden dagegen mit raehrern andern nieder angetülU. Di^ 
selben b5s«rtigen Meiiseben blieben miebtigf Kondtcbafter 
fisei , AnhJiger Verloren ibre Bedevtang nicbt und ifire ZabI 
nicht kleiner; Caeteicioala wurde Jnstiaoitnister, und an Vanai 
iiamen in der Stille grofse Siimnien Geldes und trustende Ver- 
sprechungeHi Acten blieb, was er gewesen war.^i 
^ Im Jetzten Capitel des dritten Kuchs ilndut man MacU's trau* 
nge Abentheuer in Nenpel, im Ti'erten Buch die Getcbiahte der 
Partbeaopäiscbea Republik | die bebanntlicb nur fom Jan. 1799 
'liie som Jnni dauerte. Was Ilaoh angebt, ao wird erat befcbrln- 
ben wie man auf emmal ein Heer acbafTen wollte, von lauter 
gezwungenen Leuten , deren man ^ um nur die Zahl toII zu ma- 
chen, an einem einzigen Tage acht von jedem tausend Menschen 
zusammen trieb. Von Mack heifst es: »Er behauptete, der Ho- 
nig habe ein su jedem Kriege tucbtigei Heer und man glaubte 
ibro.* Die ganze folgende Erzäbloag naftbl durob Angab« des 
fitoselnen die Dnföbigbcil und 0«nnib«tt MaeVa recht anaebaiN 
Hell« Uebrigenä dfirlte man nor die Aoflbrderung an den Commao» 
da/iten der Cngelsburg, die er anlersebrieb, leaen, oder witten, 
dafs er den General Naselli , der mit sechstausend Mann in Li- 
vorno auf Oidre wartete, ganz vergessen hatte, um einzusehen, 
dafs sich der erste beste F*eldwebel besser zum Obergeneral ge» 
pafat bitte, als er. Die Angst des Honigs bei seiner Flucht aoi 
fiom nach Neapel, aein Tauscb der Kleider und dea Platsea mit 
^em Dttoa d' AacMi, die Beweise fon H9lliebkfi| und .Ontertbi^ 
Tiiglteitf' die er (avendo a maeatra la paura) diätem gab, .lind 
hier meisterhaft und bomisoh geschildert. • 
- ' Ueber die Unruhen in Neapel, wodurch Mack und die Sei» 
nigen zur Flucht genothigt, die leichte Kroberung 'von Capua 
und Neapel herbeigeführt ward, giebt Colletta S. i^S— 196. ?oU- 
atündige Machricbten, Yon der Verbindung der neapolitanischen 
Jeeobioer tagt er ; »Damali war in 'der lliat -die erate Yertobwü» 
rvlhig eine Terbreeberiscbe, well sie snr Absiebt batte, die Re» 
gierung ttmiaisttlrs^n , eine notbwandige, wenn maii bedenkt, daA 
diese Leute nur von diesem Umsturz Leben und Freiheit hoffen 
konnten. Sie mufsten sich am Tage verstecken, in der Nacht 
ans ihren Häusern eotilieben und f&brten ein uosicberea und er« 
bi r m liebea Leben.i 

Yem General PignatelU, deo der KWg naeb aeiner aobimpC 



lioben Flucht als Stellvertreter luruckliefs , heifst es : »Ma.Ü 
generale Pignatelii, nato io ignoreDtissiaui .nobilta ed alle?ato alle 
.bassezae della reggia, npn fiotefa, ne per mente ne per ammo 
giungere alle aublitntta di saWare per Tie generöse, an regno ed 
una Corona. K questo il pcggior fato del despotisnio, educando 
i suoi all' obcüicnza, non trovarne capaci di comando.« 

Die Geschichte der Unruhen vor dem Einrücken der Fran* 
zosen ist bekannt, sie wird bier übrigens genau, authentisch und 
mit den bleiMten Umstanden ers&blt. Uebrigena bericbtel Col* 
lettey ao wenig er Maob gewogen ist, dea , was die Fraoaoeea 
immer wa verbergen aucben, daft Maob, Iiis er in der Uniform 
eines kaiserlichen Generals sa Champion net kam , von diesem 
freundlich empfangen, die EHaubnifs erhielt, nach Deutschland 
zurückzukehren, and erst bernacb ungerechter Weise in ^yflik^^ 
angebalten ward. 

Das erste Capitel des vierten Buchs erzahlt die Erricblang 
.und Einriebtwig der hors daaernden Partbenopäiaoben Repoblib 
Jamiar bis Juni 1799. Diea iat ein intereaaantea Sluek, wir wollen 
es indessen Sbergehen , weil es weniger als das Folgende die all- 
gemeine Geschichte von Europa angeht. Das Wichtigsie in die- • 
sem Capitel ist die historische und philosophische Deduction der 
UomuglichUeit einer Republik in Neapel, besonders einer Republik, 
welche Freiheit und Gleichheit als ihr Sfmbol erkannte. Die 
' Gescbiebte erbäil bier doi*ob die Erfahrung und tm dem Studium 
einet Manne«, wieCoUetta, einen Gbarebter, den ibr der Gelebrte 
in seinem Cabinet, wenn er eucb der trefflidiite Hopf tat, niobt 
geben kann, das merht man bei jeder Zeile, Ans dem einen 
Buche liefse sich ein ganzer Band machen, und der Lazarro, 
Oberst Alichele il Pazzo, ist Goldes werth ; nur Schade, dafs ihn 
Colletta Toscanisanno reden läfst, nicbt aber io aeinem Volks» 
dialekt. 

Im «weiten Capitel iai die B^e von den Bewegungen in den 
Gebirgen, von den Frevlem für Monarchie und PfaflTentburo, wie 
im ersten von den Soburben , 'Narren und RInbem der Bepublik 

die Rede gewesen war. So genau und so bis zum Unglaublichen 
und Undenkbaren grausig sind die Schaaren noch nie geschildert 
worden, die hernach ein Erzhischof und Cardinal gegen Neapel 
führte, als sie hier geschildert werden. Man aoilte nicht glaubeui. 
defa die Menscbbeit ao tief iinheo bönn^, denn man wird eeheiit 
dafa Neuaeelinder und - Cannibelen mü dieeeu Yeiftobtein des 
Glaubena vargUoben, Engel aiad. 



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Coileila, Storia del iUaroe 4i NapuU. Vol. I. 



II 



Colictta schildert rier Häapter der loyalen, gegen die Fran» 
itf ü b uod ihre jacobinischen Freonde streitenden Neapolitiner ; 
wir wollen onr die Scbildemng der beiden suletst genannten 
hier Tottilffndig einrSolieni denn nur diese enthalt Unerhörtes und 
mehr als epanisebe Wntb , die beiden andern wollen wir nur karz , 
erwähnen. »In Abruzzo,« heifst es S. 2^5, verhoben sich die 
Freunde der iJourbons unler Pionio und Rodio. Pronio war in 
der Jagend GeisUicher^ dann von seinem schlechten Hang getrie- 
ben, nahm er Dienste unter den Haostrnppen des Markese del 
Yasto, nachts itoh mehrerer Tddtnngen schnldig, kam auf die 
Galeeren, rettete sich durch List und Gewalt, atreifte ala Blnber 
im Lande. Rodio wer von burgerlieher, gotei^ Familie, hatte 
eine gute Henntnifs der lateinischen Literatur, war Doctor der 
Rechte, rerschlagen , ehrgeizig, sah das unglücidiche Sc}>icl(sal 
der Bepublik voraus und nahm deshalb Parthei lür ihre Gegner 
B. s. w.* Die Sohildemng der beiden andern Minner wollen wir 
wSrtUch Üliereetsen 

9 In Terra di LaTÖro stand eine grofft fitreohe dea Landea 
aMer Michel Pezsa. Dieser war in Itri Ton armen Eltern ge- 
boren, Räuber und MSrder, so dafs er swel Jahr lang, von der 
Regierung für vogelfrei erhläi t, in steter Lebensgefahr schwebte; 
aber jedes Mal, wenn es galt, wufste er durch IJst oder giüclt- 
lieben Zufall seine Verfolger zu täuschen und der Gelishr zu 
entgehen. Unser neapolitanisches gemeines Volk, das nur die 
Mönche und den Teufel unSberwindlioh und sehr verschlagen 
nennt, nannte ihn Pater Teufel (fra. DiaTolp), und er behielt 
^esen Nam^^ in den bürgerlichen Kriegen bis an sein Ende, ala 
einen Ehrennamen wegen seiner Tapferkeit und seines Glücks. 
Kuhn, tapfer, Verächter alles dessen, was Tugend heifst, ward 
er das Haupt zahlreicher Schaaren , hielt sich im Hinterhalt zwi« 
aiiien Felsen und dichtem Gebüsch, sah ungesehen die Feinde 
Ton weitem , ordnete dann die Angriffe auf die französischen SoU 
dalen, die allein oder doch in kleiner Anzahl beisammen gingen, 
nnä tötete $te onbarmherzig. Er streifte ron Portella Iiis zum 
Garigliano und tSdtete Couriere und Jeden, von dem er vcrmu- 
-thete, dafs er Träger von Briefen oder IJotschoftcn seyj er 
hemmte den Zusammenhang zwischen Rom und Neapel.« 

vln derselben Provinz, aber in 'einem andern Landstrich, 
dem Ton Sora, führte an der Spitze vieler Leute der Müller 
Gaetano Mammone den Krieg. Äie rohe Wildheit dieses Men« 
aeben hat so wenig mehr ?on menaehlicher Matnr an A6t , kommt 



SS ColltttUi, Storit M B«ine di Nft|>QU. Vol. 1. « 

der Natur der grausamsten rcifsenden Thiere 80 nahe, dafs ick 
* nar durch und durch mit Schauder erfüllt, Ton ihm wie ton 
einem furchtbaren Ungeheuer reden hann« Gierig nach Menschen» 
blut , tranh er et mit Er«;otzen ; er trank , wenn er eor Ader 

liefs, sein eignes Blut, und bei fremden Aderlässen forderte er 
es und stüi/te es hinunter (tracannava). Beim Mittagessen hatte 
er am liebslen einen ganz frisch abgeschnittenen , nucb blutigen 
Menscbenkopf auf dem Tische, er trank Blut oder auch starkes 
Getränk aus Mensckenschideln und suchte etwas darin , diese oft 
SU wechseln« Diese grausigen Geschichten würde ich wtfder er^ 
sahlt noch geglaubt haben, wenn das allgemeine GerScht, wa- 
ches sehr oft die Dinge übertreibt, nicht durch Vincenzo Coco, 
der als Mensch und ^Is Schriftsteller die höchste Achtung ver* 
dient, bestätigt wurde. Dieser Mann, der als Staatsrath und als 
Bichter durch v unbestechliche Rechtlichkeit bekannt ist , erzählt 
als Geschichtschreiber und bekräftigt durch Zeugnisse die Greuel , 
die wir* berichtet haben. JHammone mordete^ in jenen bSrgcrIt* 
9hen Kriegen wenigstens vierhondert Franzosen oder Neapolita- 
ner, alle mit seiner eignen Hand ; er liefs die Gefangenen aus 
dem Kerker holen, um sie Zuv Ergützlichkeit niederzuhauen, 
"während, er mit den Vornehmsten seiner Schaar zu Tische safs. 
'Nichts desto weniger schrieben König Ferdinand und die Königin 
Uaroline an einen solchen Menschen, oder besser, an dieses reis« 
sende Thier: »Mein General and mein Freund.« 

Die genauere Geschichte der Einxelnheiten des schrecklicheii 
^ bSrgerlichen Kriegs mnls im Zusammenhange gelesen werden, 
Ref. wagt nicht, seinen Lesern einzelne Stücke mitzutheilen , weil 
dieses ungerecht gegen Colletta seyn wurde, der mit sehr grofser 
Kunst das liedeutende und scheinbar Unbedeutende so innig zu 
Terbinden verstanden bat, dafs es untrennbar ist. Um inüefs 
dieses Stück nidht ganz zu übergehen, wollen wir von der Art, 
wie der Cardinal Ruffo den Krieg führte | aus den sabh^eichen 
Beispielen wenigstens eins anfilhren.- Altamurai eine grofse Stadt 
Ton Apniien, wehrte sich gegen das Gesindel unter Roffo an^s 
Acurscrsle, trug Hunger, Mangel, Elend, verwandelte alles me- 
tallene Geiiilh in Kugeln, sclioff endlich mit Kupfermünf e , und 
.wartete auch, als das Pulver erschöpft war, das Aeufserstc ab, 
weil von Ruflö keine Gnade zu erwarten « seinem Worte nicht 
wa trauen war« Da heifst es dann S« a43 : 

«Das Schicksal der Uebrigbleibenden war über die Mdken 
traurig; denn Erbarmen hiknotea Ilio Sieger nicht. Weiher^ 



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Gi«it9, lCiii4cr wurde« gecMtel, ein FrMMHikloeter eelwilll; 
jede Botlieit, jede Lust wurde autgeubl. Nicht mit Andrla , iinli|t 
mit Trani (dort wStbeten onter Hedor Carafla die Republikaner 

nod verbrannten beide Städte, obgleich die erste ein reiches Oe- 
titzthum des CarafTa war), vielleiclit nur mit Sagunt und Alesia 
(weno die alten Geschichteo wabihait aioü) Uana di« V'erwüstung 
und das I3nheil verglichen werden, das in Altamura verübt ward« 
DiMe WIh (ifiieUo inleraie) dauerte drei Tage, am Ttertee 
ertlieille der Cardinal dem Heere die Abtolatioii TO«' 
e^taen Sünden, segnete es und sog naeb Gravina^ 
welches er der Plünderung preis gab. Damit vergleiche 
man, was Botta Vol. ly. Cap. 18. sagt, und man \%ird den Un- 
- terschied leicht erkennen. CoUetta, der, wie man sieht, nicht 
geneigt ist, seiner Mation auf Unhostea der Wahrheit su schmei* 
ebelo« iiigt weiter uoHen die Werle bei : » II oardinale aocoglieva 
Keto i tradilori lodava le tradigioni, prometteTa a maggior opera 
che gioTSSse ( bencM fasse delitto) moggior premio ; imperifeno» 
aUora I rat cottemi del popolo.« 

Im dritten Capitel dieses vierten Uiielis wird der Sturz der 
Republik und die Wiederbeselzung Neapels durch die a\d'f^ere^te 
Masse des Abschaums der verdorbensten Menschen im Namen dos 
KSoigs auf die leider nur zu bekannte Weise erzählt. Unsere 
Leser können die Vergieicbnng mit Botta (IV. cap. 18.) ieicbl 
anstellen I um sn sehen, wie sich kräftige Wahrheit zu glänzen* 
dem Flitterwerk ▼erhalt. Was die VerrSther angeht « so fifides 
wir hier den betrübenden Satz 8. 256 : 

»Wir wollen die Namen nicht erwähnen , weil die spätem 
grofseren Verräthereien die kleinem verdunkelt haben. Sind doch 
beutiges l'ages Treue, Eid, BürgerpÜicht , das Zusammenhalten 
mit Gleiehgesinnten , ein Spiel der Arglist geworden, welches 
vom Despotismus unterhalten wird, der sich aller Niedertracht 
ii|(keiteo der verdorbensten Gesejlsebaft freut* . Wollte man daher 
.OMM Vergleichung der verhiltnifsmaftigen Anzahl der bürgerli» 
ciiea Tugenden und Laster vom Jahre 1799 bis auP den gegen* 
wärtigen Tag anstellen, so würde sich bald zeigen, dals jenes 
Jahr noch. die am \irenigsten traurige Zeit dos neapolitanischen 
Volks wav; so sehr wurden von Monat zu Monat die öflentlichea 
Sitten verschlimmerte Um desto mehr findet sich Bef. bewogen 1 
ein Befqiiel wahrer 8eeleogr5fse auszuheben. 

Colletta sagt : der General Oronso Masse, als er brogegangea 
sey, um mit BufiTo den Tractat wegen der Uebergabe der Forts 



ff 



d0r 8udt Neapel abeoschKeliien , Ton dem er gewoTcl Mttoi dift 
er nicht werde ^halten werden , habe ihn (tncontrando me« ehe 

scrivo) auf dem Platz des Forts getroffen und su ihm gesagt : - 

i>Die Bedingungen, die das Directorium (nämlich das neapo- 
litanische) verlangt, sind bescheiden; aber der Feind, stolz auf 
fein Gluck, wird gewifs den Häuptern der Republik nicht Lebea 
and Freiheit sngestehcn wollen; swansig Bürger wenfiggteoe, 
glaube ich, werden eich dem Wohl Aller. opforn mütaeoi oad et 
wird fBr mich, den Unterhindler, and fttr das Directoriam'iahrati» 
▼oll seyn, dafii wir anwm Namen anter eHi Blatt setzen, in wei- 
chem das Leben Vieler durch unsern Tod ^gekauft wird. Der 
Ausgang, Nelsons und der Engländer schändliche Bolle dabei ist 
bekannt genug, denn Nelson war es, der den abgeschlossenen 
und vollzogenen Tractat durch die Verkündigung aoihob : 

»Daft die HMge keine Vertrige mit Unteiihanen naehteai 
dafk Alles, was der Stellrertreter des KGnigs in den letaten Tagen 
gewiihrt and gestaltet habe, ungültig uftd nichtig sej; derBSaig 
wolle sein volles königliches Ansehen an den Bebellen zeigen.* 

Das fünfte Buch enthält die Geschichte der Jahre 1799 bis 
1806, and das erste Capitel schildert die unerhörten Grausam- 
keiten und Verfolgungen der wieder eingesetzten Begierung« 
Gleich der Anfang ist roll WOrde and toU Ber^dtsamkeib Dw 
Schilderang der Verwüstang, des Mordeps, dea BaobenSi der 
Milkhandrang der gebildeten Stinde, der Weiber and Greise roa 
wuthendem PSbel , schliefst mit den Worten : » cosi che i peri- 
coli della passatn guerra, la insolenza delle bände regie, le ullime 
disperazioni dei repubblicani , tutti i timori delle scorsi giorni al 
paragonc delle presenti calamita. pareirano toUerabili.« 

Im Folgenden erfahren wir betrübende Uofgeschichten unA 
Anekdoten, die sohreckUoher sind als türkisobe. GoUetta ersihlt 
TOn der Freandschaft einer vornehmen englischen Dirne, die 
einem Diplomaten rermShlr ist , und einer Furie auf dem Thron. 
Er berichtet uns genau und mit den kleinsten Umstünden Nelsons 
Schmach, der Lady Hamilton und der Honigin Karolina geheime 
Geschichten. Als Einleitung schickt er die Worte voraus : 

y Sollte es hier dem Leser auflallen , dafs er in Sinn und im 
Ansdruck mit der Beschreibang Aehnlichkeit findet, dieGorneliua 
Taoitus vom Zustand and dem Anbltok der Stadt Bom onmiltelbar 
nach dem Tode des Titellias macht, ao will ich ihm nicht ver- 
hehlen, dafs ich absichtlich die Uebereinstimmnng mit diesem 
. denkenden (graTissimojf ScbriiUteiler , oder ^uch die Wiederho- 



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f 

auf diese Weise «n betten ^zeigl werden Itana , daA ^ ao Tti^ 

schieden auch die Zeiten, die Oertcr, die bürgerlichen Einrich« 
langen teyn mögen , die Natur des gemeinen Haufens immer die- 
selbe bleibt. Er bleibt« sobald er -aus der Kette ist, ein Schauder 
erregendes Ungeheuer, nur mit siobjelbst vergleichbar, unbändig. 
Welche aebreebliebe QnmAt begiagea diejemgea, die ihm freTeted 
de» ZOfeT jpg GeaeUe oad der Fwrcfct ibiwIiMenJ ! Ea vetdieriC 
daiwp? J e i' tC lardiaal Beffo tot Allen, Ten de» ieb iai TOrigea 
Boche erzählt habe, den Flach der Menschheit (sono tristissimi) 
und mit ihm zugleich der englische Adroiral Lord Nelson >vegen 
anderer noch viel schimpilicheren Handlungen, welche die Wahr* 
beit und die Gerechtigkeit der Geschiebte micb nSthigt, bekaoot 
SB maebeiu Daeiit miaere Leaer niebt glaiibe»| dala der neay ^ 
iitaoiaobe GMbiohfaebreiber dem Helden yom Aboktr and 
i^gar vod aeioer aa«beni Cenoaiin and üver edeln Geiellachail| 
m arg mitspiele , so will Ref. auf eine Urbonde yerweiaeiif 
welche Colletta nicht gekannt hat Es ist ein Buch , welches 
diese saubere Hamilton selbst hat herausgeben lassen ; wer also 
sweifelt oder wissen will , was die edle Gesellschait , deren Krone 
mmd Scbmaek die Hamilton war, trieb, wie sie dachte und schrieb| 
der Udttere oor io dem Bueb. Selbst die eoglitoben dfifentliebe« 
Btttter der Torj^a, ao bUad abre Yerebmog Nelaooli war, ar* 
Ibetiteo aebon 1814 (nMM nerhe, dafa dieaea Jabr bedentend iai) 
ebenso wie wir. Der Titel des Bachs , aus dem wir nichts an« 
fuhren, weil es mit Colletta nichts gemein hat, lautet: vThe 
letters of liOrd Nelson to Lady Hamilton ; wilh a Supplement of 
iotereating letters by distinguished personages. a Voll. 8yo« Lo« 
Ttwell and Co. London. 1814. Map findet bei Colletta die gaose 
Geaebielie der Hiiiricbtong des Adaifaral Caraoeiolo. Wenn man 
Bier daa Genauere dieser grausigen Tbai geleaen bat , wird man 
aidi wandern, dafs die blinden engliseben Lobredner Nelsons sieh 
unterstehen können , Bonaparte wegen seines Benehmens gegen 
den Herzog von Enghien so furchtbar zu schmähen , wie sie thun. 
Helden waren Beide, TOn der Moralität sollte man in unseni 
> Zeiten lieber gans a^weigen und gleieb~ auF Polisei and Gena» 
dlaroiea verweisen, paa gilt Bonaparte wie Tbiera und Seines- 
gleichen, Pitt| Nelion, Welliogtoü and Ibresgleiebeii. Oer 
ocral Colletta ,%bgle<eb Bewoodrer milita'riseber Helden , ist doeh 
so gerecht (was Fraozoseo ond Preufsen nie sind), Adel der 
Soele iU»er daa Ueldontbum za setzen. £r sagt unten 8. 3a2, 

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WO er ersäiilt, dafs die Hamillon i8i5 elend in potero alber^ 
bei Calais starbt »I sossi amon del grand nomo. pte EmoMi ai 
•perderebbero ne racoooli d'Aboabir e di Trafalffar. ae hob an« 
daaiero aniti alle iafelioi am dareroli niemorie di GrillO| di^e« 

gano, di altri mille.« 

Wir wollen den grausigen, binitalen Anthcü Nelson's an der, 
Hinrichtung des greisen, würdigen Admirals Carraciolo , der drei 
Mal TOn der graasamen MiUliircoainuaaion mit dem Tode ver« 
aehenly drei Mal ton Nelson Terdentmt ward« hier nicht anfuhren« 
Er waa<d bebaoetlinli «ii%ehiia|ilt, der Leiebnam mitCewicbt .be» 
eebwen in die See' geworfen. Nao eratSbll Gollella 8^ 970»^ die 
bebeeete sebaoderbafte Geschichte auf folgende Weise t 

»Der U6nig, nachdem er auf Nelson s ScfaifF die blutigen 
und wilden Gesetze der Verfolgung erlassen, erblichte drei Tage 
nach seiner Ankunft aus der Ferne eioCQ Bündel, den die Wellen 
gegen sein Schiff trielMn. Als er genauer hinsah, erblickte mt 
einen Leicbneas gans Qber dem Wesser« des Gesiebt nach Obeni 
die Haare gelfisel «nd triofelnd, er wurde gleiebsam deebend 
eebnell gegen das ScfaifT getrieben, ond als der KSnig besser 
hinsah und die unglückliche Hülle erkannte, sagte er: Carac» 
ciolo. Dann wandte er sich schauJernd um, und fragte ver- 
wii rt : » Ma che vuole quel morto ? • Wie Alle bestürzt waren 
und schwiegen, die herumstanden, sagte der Huplan freundlich: 
»Ich wurde sagen, er kommt, um obristlicb Begrähnifs zu hitten.c 
Das soll er haben 1 segte 4«r Mnig, und ging schweigend und 
nachdenkend in sein SUmmer.« Thomas Hardj, der Capitan des 
Admiralschiffs , sagt CoUetta , habe ihm bemach die Ursache dieser 
Erscheinung erklärt. 

Unter den grausamen Gesetzen jener Zeit war auch die Auf« 
bebung der Municipal Verfassung der Stadt und der seggi oder 
eedili. Man mois bei Colletta gelesen haben, wie wichtig die 
Beoble waren 1 bm m erkennen, dafs seitdem ▼(SUige Wülkübr 
Becbt ward, defii absiebtlicb jedes Gelubl ron Burgerthum fcr- 
niebtet werden sollle. Colletta bat daher nicbl Unreebl, wenn 
er unwillig ausruft : 

»So vcrgafs denn Ferdinand IV. die Eidschwüre der Könige, 
die vor ihm den Thron besessen halten ^ den Eid seines Vaters 
nnd seinen eignen. Er vernichtete durch das angeiuhite Gcsetn 
Ton ifqq den Magistrat der Hauptstadt, die Be|#äaentatioo dee 
BeiobSf den Adel und die bemehaftlieben Hechle der Familien. 
Es sollte ebo forleo die oberste Gewelt im 8teat nur eine eiasigB 



iJICjlu^CQ by 



•tya, die, wolohe ▼om Hum boamt ; d«r aottand alitr 
thttea ohne CJntertoliM nar einer, die Sfila? erei | die Bc^ih 
der Regierung gans. einfiMsli, die Tyrannei« 

Schon dieses ilbertteigt allen Glauben, was aber folgt, ist 
ärger. Blutgesetze mit i uckwirkender Hraft ; die Menge der 
Scbdidigen, statt sie zu vermindern, möglichst vermehrt ^ die 
Zahl derer, die ausgerottet wer.den telltea^ wemgsteni vierzig, 
teniead« fieiieode CooMDiMarien sögen sar Oatenuohaag durch'/i 
Laddi ood ihnen watd eufgegehen, dahin M^ eehen, dafa ate dan 
Land reinigen , Ton den Feinden des TbroM and dea Allaie. Dal 
ist wortlich das Gesetz des Sicherheitsausschusses : Alle F'einde 
des Vaterlandes sollen sterben. Ebeo daher wurde auch 
das neapolitanische Gesetz über Verdächtige entlehnt. 

Nachdem indem oaerh^te Dinge berichtet aind , iugt Colletta 
biasu: »Penavano earoerati .nella aola etUa Irenta nUa cittadiai^ 
Wenn «lan hernach die einseinen Gesehiehten lieael, ao hegrrift * 
man nicht, wie ea nur denhbar ist, daft unter einem Volh, wo 
die Dinge, die hier erzählt werden, möglich waren, auch nur 
ein Funbe von Rechtsgeiühl, SittUcbkeit und Alenschlicbiieit übrig 
bleiben konnte ! 

Wir wollen den Schiufs dieser Jammergescbichten, bei denen 
^die Menachheit schaudert und das ßiot starrt, crsühlen, und bin» 
suldgen, daDi daa, was wir mittheüea, das Kleinite, dea Unhe» 
deuteadsle ist, waa begangen ward« Wir fBhren diesea nur an, 
um zn beweisen , dafs mit der Wulh der KSnigin rergiichen , die 
Schrecbcnszeit in Frankreich golden war. Es heifst S. 276 : 

»Es wäre ein langes und schmerzhaftes Geschäft, Stück vor 
Stück die boshaften Thaten der Tyrannen zu erzählen } es wäre 
betrübend , die Leiden der Unterdrückten zu lesen ; ich werde 
mich daher twgafigea, die yielen liKgliohen und dea Andenlicna 
würdigen Ungl&ehefUne in einzelne Maasen zasemmensufassen and 
SU ordnen. Es wurden ülier dreihundert der l»elianntealen M8naer 
4ea Beiehs hingerichtet, ohne die zu rechnen, die im Kampf und 
durch die Wulh des aufgeregten Pöbels zahlreich lielcn. Unter 
den Hingerichteten war ein Caratfa, Riario Coionna, Caracciolo, 
fünf Pignateiii, und aufser ihnen wenigstens zwanzig aus den . 
Hausem vom ersten Adel« Neben diesen sah man Leute, die 
dnr^b tvaieheaamheil und. WisaenachafI hoehherfihmt warea» Gin 
rille, Pagano, Conlorti, Ruaio, Ciaja,. Fiorentino, Baaai, Faieo^i 
nieri, Logoteta, de Philtppi^, Albanese, Bagni, Neri und eine 
Znlü Anderer. Nächst diesen Leute, die wegen ihrer • lieben^ 



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18 Ooll«tta, Storls M RcBne ü Ntpeli. Vol. I. 

würdigen oder der Gesellecbaft nützlicben Eigenschaften bekannt 
waren , die Generale Federici , Massa , Manthoci« ; der Bischof 
Sarno, der Bischof Natale, der Prälat Troisa, die höchst acht- 
bare Dame Pimentel , die höchst unglückliche SanFelice. £s ist 
kein Reich in der Welt so reich an Genie, das nicht durch den 
Untergang solcher und so vieler Geister hätte yerarmen mCItseii« 
Vm das Mitleid edler Seelen für das Unglück der ihrer besseren 
Haturen beraubten Nation hrafliger zu erwecken, will ich nur 
daran erinnern , dafs unter denen , die den Kopf und das Leben 
yerloren , die edlen Jünglinge Serra and Riario waren , die ihr 
zwanzigstes Jahr noch nicht erreicht hatten , und Genzano , der 
kaum secbszehn Jahr alt war. Beim Tode des Letztern ereignete 
sich etwas, das zwar unglaublich, aber leider nur zu wahr ist. 
Er war dei* einzige Sohn einer sehr reichen nnd sehr Tornehmen 
Familie, sch9n Ton Gesieht nnd ron Gestalt, die Hoffnung der 
Nachwelt, und starb Ton Henkersband ; sein Yater, der Markese 
Genzano, entweder, weil ihn das Unglück zu Boden druckte, oder 
weil er mit einer SlUavenseele geboren , oder weil ihn Ehrgeiz 
beherrschte, oder weil er ein Ungeheuer war, lud wenige Wochen 
nach der Hinrichtung seines Sohnes das Blutgericht,* das ihn ver. 
ifrtheilt hatte, zu einem sehr gtSnzenden Mittagessen. Wir wollen 
htnzufttgen, dalk die Hinrichtungen 1799 •»1800 so häufig waren, 
daIV der Btchter Gutdobaldi nSthig fand , einen neuen Contract tait 
dem Scharfrichter zu machen, und ihn monatlich zu besolden, 
nicht, wie vorher, für jeden Kopf. 

Im zweiten Capitel des fünften Buchs erfährt man die fer- 
nem Greuel der Blutgerichte und des höllischen Heers , das der 
König zurückliefs, als er nach Palermo zurSckging. Die Bunden 
des Glanbens zogen endlich nach Rom, nnd zwölftausend nnd 
mehr unter Bodio, der sich General des Heers des Glaubens, 
Doctor beider Rechte nannte, anter Sci^rpa, Pronto, Nunziante, 
Salomone, Pater Teufel, wurden von Garnier mit einer Handvoll 
Franzosen ganz |schmählig nach Hause getrieben. RcgelmaTsige 
deutsche, englische, neapolitanische Truppen zwangen freilich 
hernach Garnier , zu capituliren. Wir erfahren bei der Gelegenheit 
§ans genau das Schicksal Roms unter neapolitanischer Verwaltung, 
da NaselK Arragona in Rom selbst Im Namen seines Königs gerade 
io willkfibriich Terfbhr, als der österreichische General Fröhlich 
in den Marken. Wenn man alle diese Geschichten gelesen hat, 
wird man ganz mit den Franzosen ausgesöhnt, und sieht leicht, 
warum Bonaparte den gedruckten Italienern , der bessern , unter- 



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ridililint "Mb ciaigirinftftea ntiKeliefi CImmh «U BeMtr «li 
Engel des Liebte und alt Retler ertebeinen muftUi wihreeil er itm 

sittenlosen aber gläubigen PSbel, wie den Begierongen nnd ihren 
Creaturen, den über alle Moral erhabenen Werkzeugen clerseiben| 
ein Teufel war, der die Teufel durch Beelzebub austrieb. 

Uebri^ens orlbeilt CoIIetta über das Yerbältnini Bonaparle t 
WüL dem damaligen Frankreich gerade wie Ref. genrtbeilt hat , und 
nie aseb Tbihendetu and Andre die 8aebe betnebten. £• beU^ 
&«07: »Der ZMtandFVanbreicbs wer mebt der einer Bepublih, 
wena man niebt Uot das Aiftere Anaebn berSebsichtigt, sondern 
ea war eine wahre Tyrannei. Die Einen befahlen als Konige, die* 
Andern gehorchten als Untcrwüifige oder verweigerten allen Ge- 
borsam als Widerspenalige. Der unmittelbare Uebergang zur* 
allerfreiesten Begiernag war nnmSglicb, weil in den Seelen der 
Menge beine andere VorftellongeB ron Begierangi in den Sitten 
lieb andres Herbonunen bebannt ita*« «Ii m unbedingtes Ge* 
ineten und onbedingtes Geboreben.€ 

Soviel ist ausgemacht, der Schrecken Bonaparte s brachte den 
armeo Neapolitanern Rettung , denn in dem Augenblick, als er in 
Italien erschien, und zwar schon yor dem Treffen bei MarengO| 
ward (den 3o. Hai 1800) das neapoJitaoische E^ict bekannt ge» 
nacht, welebes eodlieb den BJotrergieTsea Stenern an wollea 
ecbien — aber niebt steoerte« 

In der Gesohiebte Ton Enropa , welcbe seit der Soblacbt bei 
Marengo bie vnd da suiai Verttindntfs der neapolilaniseben Ge» 
schichte n5tbig ist, scheint uns der General nicht so bewandert | 
als von einem Geschichtschreiber von der Bedeutung , wie er ist, 
zu wünschen wäre. Eine Kritik wäre indessen übel angebracht^ 
tbeiU, weil er sich ungemein kurz über alles Fremde gefafst bat, 
tbeilst weil Niemand das Boeb über fremde Gescbiebten an Batb 
aiebea wird. Nor ein Beispiel wollen wur anföbren. Als Uaefc 
i8o5 mit seiner Armee aufbricht, beüVt es : »Caceiaado in Frai^ 
conia V etercito e il re di quel regno « ( Bararia). . 

Uebrigens ist der General mehr äls gerecht gegen die Koni* 
gin von Neapel , wir würden wenigstens ihre Besonnenheit im Un- 
gl&ebf die er rühmt, anders gcfafst haben. Es ist von der Ver« 
weadong Pauls I. für Neapel die Bede, als nach dem Frieden ron 
Lünenlle dies Land rerloren scbien« Die Königin wer noeb 10 
Yfm^ der rassisebe Gesan/lte, dem Panl den Auftrag gegeben 
bette, seine Verwendung für Neapel bei Booaparte gellend an 
machen, traf sie c|ort, CoUetta sagt S. ^o5 : »Als er in Wien di^ 



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an Coll«tU> Storia M Reame 4ti Napoli. Toi. I. 

MSnigin geteben hatte, ward er ron AcBtong und BewondeitiBg 

für sie erfüllt, da sie sich im Abfprund des Unglücks eben so 
grofs und achtungswürdig bewies, als sie im Glück gemein oder 
noch schlechter als gemein gCMCScn war.« 

Der General scheint sehr zu billigen, dafs Bonaparte, als nach 
dem harten Frieden, den er Neapel gewährt hatte, seine Trappea 
in die Abmsten und in die Prorlnz Otranto achidite, dem Ge* 
tieral Soult befahl, an Sonn* ond Feiertagen mit seinen Adja- 
tanten, Olfieieren, Soldaten anter klingendem Spiel in die Messe 
zu ziehen und mit den Geistlichen und königlichen Beamten freund- 
lich umzugchen. Er sagt : vTanlo era mutato lo Stile della prima 
repabblica, in peggio al dire ,degli impazienli, e in meglio al 
'peoaar degli attri amatori di possibile civilita.c 

Die ErfSllang des Friedens, der geheimen ond SflTentliehen 
Bedingungen beschreibt er folgendermafsen 2 » Als dem Könige Ton 
Meapel der TVactat Ton Florenz bekannt ward, snehte er das, 
was Bedingung des Friedens war, als Wohllhat der Regierung 
geltend zu machen. Kr liefs in den Ahmzzcn und Apulien die 
Quartiere für die Franzosen einrichten, er ordnete die Verwal- 
tung zur Verpflegung der unwillkommnen Gäste ; er nannt^ die 
Freilassong der Gefangnen , die firlaobnifs der Ruchhehr der Yer« 
bannten ein neues Gnadenedtct; er schaffte die Gerichte Uber 
HajestStsrerbrechen ab, ond machte einen lächerlichen Wor^bram 
Ton Gnade, da die Bedingungen des Waffenstillstands und des 
Friedens im Munde des ganzen Volks waren. Als es hiefs, diese 
Gnade werde verkündet , weil der Kronprinz FVanz und seine 
Gemahlin Clementine in Neapel angelangt sejen , so glaubte das • 
doch kein Mensch. Die Aasgewanderten kehrten indessen haof^ 
webe sorfick ond forderten die RGckgabe * ihrer dem Kammergtft 
•mverleibten Besitzongen. Diese waren zom Theil verkaoft, zom 
ThetI worden sie vom Markese Montagnano Terwaltet, der ein 
strenger und uni^erechter Mann war. Dieser wufste durch unend- 
liche Schwierigkeiten die im Frieden verspiochene Rücligabe 
einige Jahre lang aufzuhalten und gab die Güter endlich ausge* 
iOgen und durchaus ferschlechtert und rermindert zuruckc 

Sehr boshaft sagt er hernach, da Ton dem Tode der goten 
und edlen, aber unglücklichen Prinzessin ( dsterretchitehen) Cle> 
meikline, der Gemahlin des Kronprinzen Franz die Rede istt 
eVorta, arreco lutto al popolo, bruno alla reggia.« Dies geht ihren 
Gemahl und den K5oig an, denn die Honigin war bekanntlich in 

der Well heromgereiset ond kam erst zurück , als die Franzosen 



Mttte, mnH M Rmm 4f Wtfili. V«l. t. 11 

lim WtMm tob Anim »«folge .das Naapf'iilialieli« fviedvr.g»» 
ri«*tft'batleD «nd Kronprins Fran» eine •pamtoh« Infam» 

heirathete. 

Kaum ist Alles in Neapel wieder in FVieden und Ordnung, 
SO erscheint am iiten Januar i8o3 (der Verf. sagt: «per cagiont 
« ne ignote beuche cercate ne* registri e nello niemona de' cor«; 
temporMiei ein fidict, woddroh die alten Verfolganga», hm* 
a pl i ö uBra tti Kmgpoommiaaioiiaii urieder begimiea. Wie da« getrio* 
kim ward, davon erkalleo wir 8. 3ii» "ein artigei Btitpial: »Dal 
•li^nge Rditt de« HOntgi wecitte die telitammeniden Leidenscfcaf» 
len der Pariheien nieder, die Wuth der Polizei erwachte auf's 
Neue lind die Spionen erschienen wieder haufenweise auf der 
traurigeo Bühne der Stadt« die Denuncianten und Ankläger lebten 
wieder ao^ Der Professor der Physik, Sementini , handelte einea 
Tage ▼OD der £leetrioilit und veHpracli seinen Scliüleni am a» 
deni Tage das ExperinMnt der elelitriaelien Salleria so aaige» 
Dens ünlerricbl wo1inte'$«ffiIlig ein junger Meniob bei, der Vor» 
ibeil ond Ehre durch Beschuldigung seines Lehrers zu erwerben 
hofHe ; er zeigte also an, dafs dieser versprochen habe, ihnen zu 
seigen, wie man das Castell Santeimo blos vermiltelst der Chimie 
erobern iidnne. Der duoiroe Chef der Polizei glaubt das, die 
Sehnle wird in dem Aogenblick besetzt, wo man das Experiment 
■aaeht, der Lehrer und die Sehüler werden rerhafltelf die ph/ai» 
iMliaelMn Inslromente werden weggenommen, die elehtriache Bat* 
terie als corpna delicli in BeaehJag genommen. Die Unwissenheit 
^ oder Bosheit ward so weit getrieben, dafs der Procefs wirhlidi 
angefangen wurde und die Gefangnen erst nach fünf Monaten ihre 
Freiheit erhielten, d. b. in dem Augenblick, als die Franzosen 
wieder in's Land einrückten* Unter diesen Gefangnen uar eia 
l&aabe Cianoiulii^ der kanm invdlf Jahr war, rnid sein Uoimeiale» 
Wiksd mtl ihm gefangen.« 

Eben ao sohreckliek war der SBostand dea Beicba. mid baaeai 
ders der Finanzen, deren Verwaltang Colletta 8. 3is-^3iS. be- 
schreibt, ond bei der Gelegenheit den vorher von Aclon verfolg« 
ten, jetzt nicht mehr beneideten, sondern zum Finanzministcr 
erhobenen de' Medici wieder au£ die Bühne bringt. £r sagt von 
ihm : »Der Bopf des de* Medici zeigte sich zum ersten Mal in 
den Finanaeo, man hatte bis dahin nur rermuthet, man. wurde 
jetni iiberxeugl, data er ein besserer Banqoier als Pinansier sejt 
edoe piu adatio a maneggiar le ripchezze ehe a erearla,« 

Die Geschichte des neuen Kaisers der Franzosen beortheik 



Mlflite» SM» M Rmm 4i Miiprti. V«l^l. 



CoHelta, ^ Ref. n$ i^^heüt bal, obgleich er ans gvten GrCoflM 
bei weitem mehr Bonapartiit isl , alt Ref. mit aadeni Erfalunni- 

gen, onter einem andern Volk seyn bann« 

Die Wiederherstellung der Jesuiten dureli da» Breve Kam VIL 
Tom Sosten Juli 1804 in den Staaten, wo sie die Beherrscher foru 
'derten, wird für Neapel mit der Bemerkung begleitet: y Sursero, 
dopo ci6| oe' due regni parecchi coliegi, qnaai, per modestia 
moeaerTatL« Die Scene in Mailand zwischen Napoleon nod dem 
Geftaodten Meapela wird hier anf folgende Weiie bericbteC : » AJe 
iioh Ilapoleon in Haibnd zam/H5nige der Lombardei krSoen 
liefs, war freilich der neapolitanitobe Gemndte in Paris, Marbeio 
del Gallo, dem Kaiser ^'efolgl , aber es wurde gleichwohl aus 
Neapel als aufserordentlicher Botschafter der Fürst di Cardiio ge- 
achiokti der im glänzenden Kreise des Hofs die Ursache seiner 
Absendong and aeine Glücbwiiascbe verkündigte. Der ZufaU 
voUte, dara gerade einige Tage snvor ans aufgefangenen Briofeo 
Cabalen der HMgin mit England gegen Franbreidi band gewov^ 
den waren, der Kaiser vergafii daber plutlsliob Allea, was der 
Glanz der Ceremonie, was seine eigne und der Umstehenden 
Würde forderte (scordando la grandezza della ceremonia, offen- 
dendo la dignita degli ascoUanti e di se medesimo, imperatore 0 
w) tind antwortete dem neapolitaniscben Gesandten: »Sagt 
Eurer Königin, dafa ieb weifa, was sie gegen Frank» 
reicb anapinnt, aie wird den Flueb ibrer Kinder auf 
sich ziehen, denn mnr Strafe ibrer Treoloaigbeiten 
werde ich ihr und ihrem Hanse aacb niobt einmal ao« 
yiel Land übrig lassen, als zu einem Grabe nothig ist.* 
Alle Umstehenden erschraken bei diesen furchtbaren Worten und 
dem wilden Blick, mit dem sie begleitet waren, der Prinz Car« 
dile veratommie; der Kaiser nabm aber gleicb die lk««ndliebon| 
leichten oild TerlfSbi^Briaohen Manieren, die er in aeiaer Gewalt 
hatte, wied^p^Jlf^Qnd fährte die Hube in dieYersammlnng snrScb. 

Wir müssen die Anzeige der letzten zwanzig Seiten diese» 
ersten J^ndes, oder die Geschichte der Jahre i8o5 und 1806, 
aothweiidig mit der des zweiten Bandes oder der Geschichte von 
1806 bis i8s5 verbinden ond auf ein folgendes Heft dieser Jabiw 
blieber yersparen, da eigentlich schon diese Anseige des ersten 
Tbeils zu Tie! Raum einnimmt. 

Schlosser. 



N'. 3. HfiIJ>BI.B£AGBIt 1836. 

JAttRBÜCUfiB 0£R LITERATUIL 



Anleitung zur Mittheilung der Religion und zur Rinführuttg in't thristen- 
thum ; gebihhttn rdtem und Mültcin^ die in dvn u ic/itigstvn Angele- 
genheiten ihrer Kinder mitwirken u'üllen., zuuüchit geutdinct ; über 
anch eigentlichen Iteligiomlehrern darf^cbuten ton Fr iedric h liutch^ 
Pmtür am NordMm. Mit einem Forwurit wm Ih* ttüeke, Cmtittv* 
rUtretike w4 Pnfeüer im.GMimge». IImiimw, 1896. im f^tlage 
4tr Bakm'eektm Betf^kkamdlung. XX u. 188 &\ 8. 

Es ist dem Unterseiclmelea Isnge keine Schrift onter die 
Augen gekommen, die ihm nach Inhalt ond Darstellung ihrem 
▼teUersprechenden Titel und preiswurdigem Zwecke in einem so 
hohen Grade zu eritsprechen schiene, wie diese. Schon die Ein- 
führung des bedeutenden Vorredners spricht für die VorlreiTIich- 
iichkeit des Buches und wird verhüten, dafs es in der grofsea 
Fluth Teniandter aber meistens verfehlter Schriiten ubersehen 
verde. Auch wir unsere Thetls möchten durch unsre Anzeige 
die Aufmerksamkeit derer auf die mit besonderer Freude gele« 
eene .Schrifl lenken, denen das Thema, das sie bebandelt, das 
hochwichtigste ist« Und wern, der tiefer in das Leben der Ge- 
genwart blickt, sollte es dieses nicht seyn ! v Man nennt unser 
Zeitalter,« sagt Lücke, «das der Reformen. Das iiedürinifs 
der Besserang, der Wiederherstellung ist allgemein. Aber mau 
täusche sieb nicht! Die Uebelslände des bürgerlichen Lebens 
l^ml aor die Sufsern und ersten Anregungen. Das Bedurfnift 
liegt, freilich den meisten unbewufst, tiefer | es liegt in der in* 
nersten Wurzel des'I^ebens, der Religion. Ist diese gesund und 
lebenskräftig, eingepflanzt in den rechten Grund und Boden, so 
hat es mit dem Baum keine Noth ; Staat und Hirche, Haus und 
Schule, die eben von jener Wurzel aus in einem unauflö>lichen 
Zusammetihang^ stehen, gedeihen^ frühlich. Es gjebt in der That 
heineo sicherem Schlufs, üls den Ton dem mannigfaltigen Ter« 
derben ond Mangel der Zeit in ihren verschiedensten Leben»* 
weisiil*eiif Mangel und Krankheit tn der religiösen Wurzel. Die 
Geschichte aller Volker und Zeiten bestätigt dies. Und so giebt 
CS auch für unsere Zeit keine walire Reformation an Haupt und 
Gliedern, als die, welche auf den Grund dringt, auf den Grund 
ie8 reügiSs^sa Lebens, und von hier aus das Ganze in allen seineu 
XXIZ« JsJiig. 1. Hefl. 3 



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ü4 Busch, Anleitang Eur ilitUieüaog der Religion. 

Thcilen frischer und reiner gestaltet.« Der umsichtige Vorredner 
gehört nicht zu den trübsinnigen Tadlern der Zeit ; er preist 
Gott, dafs er in dieser Zeit geboren ist; er sieht Leben uod 
Fortschritt und freut sich darüber. Aber jede Zeit bat ibre Ge- 
breeben, und die verliebte Lobpreisnog | die alles unter i^ns gut 
und Torlrefflicb findet, als wäre das Reich Gottes seiner ÜTellen- 
dung schon "ganz nahe, ist ibm snwider. »Das Cbristeotbum ist 
. immer noch vorhanden in seiner un?ergnnglichen Schönheit und 
ewigen VVnhrhi it. Es hat seine angestammte Gotleslii all , seh'g 
zu machen alles, was wahrhaft- sich ihm hingiebt, nie verleugnet. 
Aber es liegt am Tage, dafs es in unserct Zeit bei aller Autklä* 
ruDg des Verstandes und bei aller Lebbaftigheit des Ge{l»^^ne 
Tolle Kraft nicht ünftert. Es muTste sonst anders ünSjggSifk 
um uns- stehen. An ibm selbst bann die Schuld nicbe liegen, 
wäre jemals die Wahrheit Schuld, wenn der Mensch sie nicht 
erltennt und recht gebraucht? So liegt es also an uns? Aller« • 
dings ! Wir sind nicht autroerksam und eifrig genug, geben uns 
dem Evangelium nicht genug hin, dringen nicht tief genug eia 
in sein innerstes Wesen und Herz. Wir fassen es nicht lebendig 
genug. als Ganzes auf^ nehmen noch xn sehr den Buchstabeo 
ohne den Geist,- die Lehre ohne seine heilige Geschichte, das 
Menschliche dann ohne das Guttlicbc, dieses ohne jenes. Nur 
das ganze volle Christenthum, wie es in der heiligen 8chrift 
einfach und lebendig, ebenso lilar als tief, geschrieben steht^ 
nur dieses, und nur dann, wenn wir es in seinem Geist in unstt 
Herz fassen und lebendig und Irisch darin erhalten, hat #i 
.die Machte das Reich Gottes unter uns zu mehren und zu Tolltn* 
den. Aus einseitiger, ungeistiger, unlebendiger Auffassung eHt« 
stehen ungeschickte Lehrweisen und Mittheilongsarten , und so 
geschieht es, dafs das Evangelium, die Uraft Gottes, — von Ge- 
schlecht zu Geschlecht wirkungsloser und fremder, durch Aber- 
glauben und Unglauben, Lauheit und Halbheit, Zorn und Ueber« 
treibung immeu mehr entkräftet und entstellt wird,« AMe diuM 
Worte sind dem Ref. wie ans der Seele geschrieben, und «tf 
oi5chte nSr sich nur noch dieses hinzusetzen« Die WissensohsA 
der Theologie steht hei uns auf einem glänzenden Höhepunkte $ 
die bedeutendsten Virtuositäten erscheinen auf ihren verschie- 
densten Feldern ; die unerraefsliche Erudition der deutschen Got* 
tesgekhrteo wird von den Fremden mit Erstaunen betrachtet ; 
die mannigfaltigsten Systeme der scharfstnnigsItB DiaMtib vtoA 
tiefsinnigsten Spekulation liegen zur bequensteo Auswahl dem 



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Migtr W fai ei t cluift for ater wotm tt toi gegettufftw 

tigeii Geachlechte im Ganzen feklt, das itt ütr leliendige Glaube, 
der in der Demuth wurzelt. Wir ehren die ilolicn und Tiefen 
der Wissenschaft und sind uns des eiirigen Strebens nach ihoen 
itUMr bewufst, «iber Glaube wird dr*u£iea weder oben nocii 
iMten gefsadfiii wenn er nicbl «choa forber in eurem Inweo» 
d%tD gtmwgt md geboren itl. £r lil fireäicb ewt Gebe der 
ggulkben Gnede« eber »bleffel aa, und «• wM JCncb ea%e- 
Uito^! Und ibr, in denen der bimeiliicbe 4}eeil eeteprungen, 

^ die ihr Tom Borne des beeeiigend^n Lebens getrunken , ieitet 
sein beiligendes und reinigendes Gewässer mit rastloiem Eifer ia 
die Teracbiedeasten Gefilde des Lebens, wie der Wiasentchaflt 

Vvrtd HiMi»t ! Jedeai iu aaia Maalk. gegebea^, jedeaii »ewi Aeker 
jaij^Setj^uteg angewkiaam : ' ; / 
■^a^lffiifiltßM ifjimij^ Vorredner des Beebea, dea ua snr Aeeeige 
mrliagt, ei4ienäl^£a^ Grondabel Maerer Zeit ia de» HfaMosig- 
heit des Beligioniunterricbtes , und, indem er nach den (Quellen 
jenes forscble, war es eine doppelte, die er bemerkte. Zuerst 
findet er einen liauptroangel darin, dafs das Christenthum der 

^ ^gend nicht genug von Haaie aua roitgethciit wird. ȣa ist 
und bleibt das ron Haoae aoa eis wicbiigea und gewaUigea 

• YVori ia der Welt Ween mm eber in Uaoie der Piaas iir 
die Beligiedi leer ist, oder niflbl eieaMl aMir ein Iberar Ftals Air 
aie da iA, — wenli die Bibel aad daa Geaangboab darin banm 
mebr gefunden werden , als im Winhei oder neben den zerris- 
senen ScbolbOchern , worüber Vater und Mutter natürlich langst 
bioaua sind, wie soll djibei das junge Gesehlecbt heranwachsen 
bfiooen in der Zucht nnd Yermahnung auan Herrn f So werden 
flfbali und ttrebe ibner Wiirsel bcranbt, denn das Iia«a iai ^ 
Wmwt ton beiden« Vater «od Holter aind die geborenen ersten 
BeügioBsleNror der Kindt«, Gott bat ate dasii geordnet «od ibnea 
•Bcb Zeit and Gabe dasu verlieben, wenn sie sie nor beben und 
gebrauchen wollen. Es bedarf dazu nicht notbwendig eines 
geordneten Unterrichtes. Es ist freilich achon, wenn Vater oder 
Mntier die Gabe dazu haben. Aber, was durchaus nothwendig 
dai geordnete I beiCere, freudige Lesen dar heiligen Sebriil, 
im der Fandlie, daa otiHe Beispial der i^m« die am Eraog^i 
lüm ibre Fronde nnd'Lnat babnni -r dann hm joder Zeit ona 
Gebe« Woi^« wenn die Kinder 46 lOSt der ersten Liebe au Vater 
und Mutter auch gleich die Liebe eu Gott und Christo und sei«" 
nem belügen Worte lernen ttiHil jabeo, itt das häoaliabe Leber 



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Ba«ch , Anleitung sar MHHMilnng der RelSfiMi. 



gesand und ItrSitig, rnid derMentch, der to TOn Hanse ausgeht, 
Ton Hause aus das Heiligste mitnimmt, hat mitten in der Welt 
die Bürgschaft und Bürgerschaft des göttlichen Beiches , damit 
aber den unverlierbaren Trost in der Noth, und das un?ertilg* 
bare Gewissen in der Freude und Lust dieser Welt.« Als eine 
andere Quelle des Uebels beaeiebnet Dr. Lfioke mit Recht, daili 
- der tJoterricbt im Chrutentbume in der Scbule und Kirche, wie 
im Hause nicht fiberall die Lebendigheit und InnerKohkeit, nidü. 
die gehörige Fülle und Zusammenhang habe. Gewöhnlich giebt 
man die Lehre des Evangeliums und seine Geschiclite neben 
einander, nicht in einander; die Facta der heiligen Schrift wer- 
den gelernt, statt sie in das Leben des Gemüthes su führen, und 
die Lehre logisch geordnet und in Begriffe gespalten, statt aie 
im Innern als eine lebendige Wahrheit zu begründen. « Es rnüfste 
mit einem Wunder zugehen , wenn dieses im schlechtesten Sinne 
für den HanSTerstand und Hausbedarf gemachte Herbarium TiTum 
von Christlichen Begriffen, denen man alle frische Farbe des Po- 
sitiven entzogen hat, für die Jugend Hraft haben, ihr Freude 
und Lust bringen sollte. — Lafst und gebt unsrer Jugend wieder 
die ganze schdoe Ordnung Himmels und der Erden, die sich im 
Christenthame aufthnt, und statt den Gesichtskreis durch küm- 
merliche Gesichtslehre und abstracto Religion zu verengen und 
leer zu machen, erweitert und erfSllt ihn immer mehr zu dem 
vollen Umfange des göttlichen Beiches, und lafst darin jedes an 
seinem Orte und in seinem naturlichen Zusammenhange und Fort- 
schritt , und zeigt der Jugend von dem Mittelpunkte desselben 
aus, dem heiligen Leben Christi, den Zusammenhang von Ge- 
schichte und Lehre , die Ordnungen des Christlichen Lebens, die 
Geaelse des ChristKchen Denkens^ dii» «nsertrennliche Einhiit 
dei eigentbfimlioh Christlichen Gbiubens, der Liebe und der'^HoflP« 
mmg. Nur durch einen solchen Unterricht kann unsre Jugend 
gedeihen und das Beich Gottes und Christi in ihr einheimisck 
werden von Hause aus ! « 

Wie nun das Buch, welches unsrem Freunde Locke zu 
solchen gewichtigen und beherzigungswertbeii Aeniserangen üb«r 
die. heiligsten Angelegenheiten, der Zeit erfrealiciie Yeranlassiiag 
gegeben, dem Sinne des Vorredners dergestalt zusagte, dafa er 
sich in allen wesentlichen Punkten mit ihm einstimmig und no 
vielen Stellen zur gröfseren Klarheit und Sicherheit seiner Ueber- 
zeugungen durch dasselbe gefördert fand, so hat es auch dem 
Unterzeichneten volle Befriedigung gewährt. £r hat sich- deoa 



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dbr0df«ll«n Anftnige der IMaetioft aniertr MurbMier^ 

PubliUuin auf die Erscheinung des ausgezeichneten Werkes auf- 
merksam zu machen , nicht entziehen wollen , mufs aber die 
Bntik desselheu im Eioaeimm dem Pädagogen vom Fach iüier- 

F. IV. C. Umöreii. 



Diem natalcm lactu»imum Ser. et Clem. Principia Fridcrici Guilielmi , 
electoralis Hassiae regni PotentUt. consortiM , Xllt. a. catenäas Sc- 
ptetnhr. in gymnatio Schauenburgico pic agenduM — itidicit .ien. //cu. 
LudovicuM Fuldner, Theol. et P/iilot. Dr. Commentatio de Upäi- 
tft. Part. /. Rinteln, 1B34. 30 ^.4. 

Der Verf., der sieb diir«h grundlich gelehrte, ««br in 9 De- 
tail eingehende Fortchangen über die Carpoorattaaer aohon früher 
mit Aasaeichnung anf diesem Felde rersiieht hatte, bandelt in 

gegenwärtiger Schrift zuerst ?on dem Ursprünge und dem 
Stifter der Seele der Ophiten (oder Naassener, Schlangenbruder). 
.Die Angaben oder Muthmarsungen der Alten über ihre Abstam- 
mung von den NicoiaiteOf welche in der I^ehre wenig mit ihnen 
gemein babeOy deoy ihnen näher stehenden , Valentioianern u. 0.w. 
.werden von Hrn« F* hurs benibfl und alt groadiot oder «nxu- 
Terlassig abgewieaen. Dealo Uiager Terweilt Er ^ bei der Frage 
Ton der Perton det C«iphrates , det angeblichen StifVera der Secte, 
Offgenes contr. Cels. 1. Vi. c. 98. Dieser Vertbeidigcr des 
Christenthums spricht von ihm wie von einem übrigens unbc- 
bannten Manne ( Evf^^arqy tivo, tlaiiiyr,ii]v xdv dvoaiiov av» 
j^ovvTtq Xö^mv), Die demnach sehr zweifelhafte Identilät dea- 
aelben mit dem ant Pliniot d. j«, PhÜottmtnt, £pictet u* a. be* 
bannten gleichnamigen Philotopben« detten ancb Origenea telbat 
an einem andern Orte im techaten Bneh (nach MSrageoey- Memo« 
rabilien det Apollonios von Tyana) erwihnt, wird gletebwobl von 
Hrn. F. in Schutz genommen, vermöge einer etwas wilUiührli- 
eben Combination der beiden verschieiJenartigen Stellen des Kir- 
cheulebreri. Es entgebt Ihm dabei nicht die v(|uaettio gravis» 
aima, an £uphrates, qni a plorimit Stoicae disoipHnae addictus 
fttiatOi ab Apdlonio yerö etiam Epicaram tecntoa diotturi Ophi« 
taram adctor cMittere potoerit;« aber Er legt auf dietet Be- 
denken kein Gewicht, da ja die GnottUchen Sjtteme bebanntlich 
aus mancherlei Elementen gemiteht sejen ; in Aegypten und Sy- 
ien habe jenei' gewesene Aohängei' mebi* aU.Eiuer griechischen 



SB FuldDcr, De Ophtlia. 

■ 

Flinosophenschale Gelegenheit gehabt, aufter dem Jadeatbaine 
auch die Mithras-Myttcrien kennen zu lernen, lus welchen mcb- 
reres Charakteristische Uei den Ophiten wieder vorkomme« 
Gegen den von Einigen angenommenen Unterschied awiseben 
Ophiten aus der vorchristlichen Zeit, und solchen, die sich ge- 
wisse christliehe Glaubenslehren angeeignet hatten, bemerkt der 
Verf. richtig, die alten Schriftsteller, welchen wir unsere Nach* 
richten über die Ophiten verdanken, zählten sfe einstimmig zu 
den Christen ; auch aus einer scheinbar für dos Gegentheil zeu- 
genden Stelle des Origenes (contr. Gels. ub. supr.) lasse sich nicht 
auf den nichtchristlichen Charakter dieser Secte [oder des ihm 
bekannten Theils derselben] schliefäen ; sein Urtheil gründe sich 
vielmehr auf ein Mifsverstchn ihrer Geheimlehren und Initiations- 
gebräuche ; ihr Christus aus der höheren Qeisterwelt scj nicht 
ein und dasselbe Wesen mit Jesus, dem Sohne des Jaldabaoth ; 
und wenn sie sich von der Genicinschafk mit Letzterem feierlich 
lossagten, to hätten sie sich, ihrer Meinung nach, eben dadurch 
Ersterem geweiht und empfohlen. Aus Veranlassung der Hypo- 
these von vorcbristlii;hen Ophiten folgt sodann eine Reibe von 
historischen Notizen über Schlangendienst, oder Gebrauch und 
Bedeutung des Symbols der Schlange bei verschiedenen alten 
Völkern, namentlich den Babyloniern, Aegyptiern, Phoniciern, 
Juden, Phrygiern, Griechen und Boroern , Persern. 

Uas zweite Capitel betrifft die lichre der Ophiten, Es zer- 
fxillt, nach den verschiedenen Hauplscenen ihrer weit «usgespon- 
nonen Fabel, wieder in mehrere (so weit es vor uns liegt, vier) 
besondeie Abachiulte, mit angereihetcn Bemerkungen über die 
einzelnen schwierigen Punkte. Sectio L De summis aeonibus et 
eUmenlU. Hr. F. beleuchtet hier unter Anderem den von Mos- 
beim nicht befriedigend erklärten eigenthümlichen Sprachgebrauch, 
nach \^^'lchem ^ Primus Homo 9i den obersten Aeon bezeichnet ; 
die Anschauung von Adam im Paradic*se, als Antitypus der Idee 
vom Urvater, liegt vermuthlich bei dieser Terminologie zu Grunde. 
— Den heiligen Geist, der vor der Weltbildung über den Ele- 
menten schwebend vorgestellt, aäch Prima Femina ^ die Mutter 
alles I^endigtn genannt wird , glaubt' Er wegen der näheren 
Verwandtschaft seines Wesens mit der Materie nicht als emanirt 
aus den höchsten Aeonen betrachten so dürfen , obgleich ei« 

Ausdruck des Tbeodoret (ficxd iovtov — xhv viov äv^^&jiov 

-^«"VX**^ TO a/. Tijr.) jener gewöhnlichen Ansicht günstig scheint; 
sondern nimmt an, dafs die Ophiten dieses weibliche Princip als 



Fuldner, De Opliitia. 89 

mit dem mÜnnlichen im Bythos gleich ewig gedacht haben. Er 
eriDoert dabei an die alton'entalische I^ehre vom zwieHichen Ur- 
princip «Der Dinge, einem männlichen und einem weiblichen; 
an die Bedeutung des Eros in den Kosmogonien der Griechen 
«od PbOnicier u. m. dergl. ; bemerkt auch, wie selbst das genus 
des Worts Hl^ die Vorstellung vom h. Geist als einem weibli- 
chen Wesen befördert haben kSnne. Die leitende Stelle i Mos. 
▼ora Geiste Golles über den Wassern ward von den Ophiten 
ungefähr so behandelt, wie von Thebdoret, dessen rein ph)rsiha- 
tische Auffassung derselben Hr. F. ins Gcdiichtnifs ruft. — Die 
\ier Elemente, Wasser, Finsternifs, Abgrund, Chaos, sind eben- 
falls, wenigstens was die Worte angeht, aus Genes, i, 2. ent- 
nommen ; der Hr. Verf. sucht hier die einzelnen BegriHe genau 
eu bestimmen und zu unterscheiden , bei welchem streng logi* 
sehen Verfahren jedoch das poetische Gewand und der hyper- 
orientalische Charakter dieser bizarren Naturphilosophie cinigcr- 
rnarsen hinderlich ist. — Den Namen PruniAos leitet Er mit BcU 
lermann aus dem Chaldäiscben her (D^i^^^^lB von JJ^B ) , raeint 
aber denselben nicht nothwendig duich vindex erklären zu müs- 
sen, da das chaldaisvhe Verbum unter andern Bedeutungen 
auch die des Sehens, Erkennens habe, wonacfi die davon abge- 
leitete W^ortform ungefähr eben das ausdrucken würde , was 
£o(pia. Die Erklärung aus dem Griechischen, welche Epipha- 
nias von dem Worte giebt : YI^ovmxov iav ctTroai, to o^uv 
iativ iiivna^ilaq xai ixxa^Siaq i^iv^noKi u. s. w. , sagt Ihm 
deshalb nicht zu, weil, wie Er meint, der Begrifl' lascivus, tibi" 
dine captus nicht in alle die verschiedenen Beziehungen hinein* 
passen wurde, unter welchen dieser Name bei verschiedenartigen 
gnost. Secten vorkommt. — Sect. JI. De laboribus Sophiae, Recht 
geschickt behandelt Hr. F. die hieher gehörenden Stellen der 
alten Version des Irenaus (s. 1. 1. c. 3o. 3. Massuet.), welche 
uns in Ermangelung des griechischen Originals als Quelle dienen 
mufs. Dieses formlose und ungefügige Machwerk eines pedan- 
tisch wortgetreuen Interpreten wird an vielen Orten erst wenn 
der Leser die einzelnen Satzglieder und Bedetheitc in's Grie- 
ehische zurückübersetzt bat, genicfsbar und brauchbar, gewährt 
aber eben dadurch den Vortheil , dafs der Fleifs unserer Ge- 
feinten aus dem Lateinischen den Grundtext oft approximativ 
wiederherzustellen vermag. In dem Satze : )»Virtutcm autcm ifuae 
superebulliit * etc., wo der ganze Gedanke erst durch Mosheim'« 
verbesserte Interpunction einiges Licht bekommen hat, ist glcicb- 



L^iyu^Lj Ly Google 



40 Pitldnmr« De Ophitit. 

wollt die an sich Sbetfltissfge Wleclerholuiig der Worte hülleniim 

( Ix^idia Tov (ptorhq) lästig tind stfireild ; 
der VciF. hält diese Wiederholung mit gutem Grunde für einen 
Fehler der Abschreiber, und bemerkt zugleich nach Anderen i 
daf» dnXitfc, M'clches der Ucbersetzer durch simpUciUr in seiner 
unbeholfenen Weise aasdrucktef hier, dem Zusammenhange ge* 
mifs, vielmehr mit temere wtedersugebea war [gradehin =: onfibef* 
legier Weise]. — Bei der Stelle: »(Sophiam) machinatam esse 
obscondcre illud , quod erat ttesupßr ittmen^ erinnert Er gegen 
Massuet und Neander, naeli dem Ularen Sinne der nächstfolgenden 
Worte scy das Licht in der Aeonenwelt, nicht das der Sophia 
mitgetheille , ihr eiriwohnende güllliche Licht hierunter zu ver- 
stehn. [ Der Grondtext wahrscheinlich: t6 <pä$ tö dv&^tv^ d.h. 
lumen, qood snpetne micabat. BefJ — Micbt so aofgema<jbt 
scheint es, ob der Verf. das Recht aaf seiner Seite hab6| wenn' 
er bei 'dem Safze : Cum — viriutem sumiiiset [,] per omnia («) 
(ieposiu'sse corpus etc. die von Mosheim durch ein weiter hinaiif- 
gerucUtes Comma erzielte Veränderung der Conslrnction verwirft. 
Denn das Adverbiiun nayTärjani , welches mit "»per omnia* wie- 
dergegeben ist , würde sich wenigstens eben so leicht und be- 
quem an dsKoS^^v^ai anschliefsen, als an iXaßt • 
diva^tw^ bei welchen Worten man vielmehr das AdjectiviHii er- 
waiten möchte , wie auch Hr. F. scheint gefühlt zu haben , indem 
Er »per omnia« durch »to'tam« glossirte. Und was den Ge« 
danhcn selbst nach seiner Stellung in dem System angeht, so go* 
hört es nicht minder wesentlich zum Ganzen dieser Dichtung, 
dafs Sophia nun das Hörperlichc durchaus abstreifte, als dafs sie 
sich die ganze Krait des hühern Lichtes aneignete; der Gegen« 
satz des vper omnia« liegt in dem Vot hergegangenen : »edbuc 
habens aquatilis corporis typum.* So etwa licfse sieh Hosheim's 
Art zu conslruiren rechtfertigen, wobei Ref. jedoch nicht ga» 
sonnen ist, auch dös von diesem ingeniösen Gelehrten selbst aus- 
gedachle Supplement der Fabel , welchem er dadurch eine Stütze 
Terleilien wollte, mit in Schutz zu nehmen. — In die nachlol- 
genden , ganz unzusammcnbangendeu Worte : corpus auUm hoc 
exuisse dicunt eam^ Jeminam a Jemina nominanif hat man dureh 
ein eingeschaltetes qaod hinter köo eine Art ron Sinn hineinso- 
bringen gewufst ; aber was für einen ! die Ophiten hatten dett 
aus dem Wasserleibe der Sophia gebildeten Lufthimroel f^eib 
iwm Pf^cibe genannt ! Mosheim gesteht bei diesem Problem seine 
Verlegcuheit ein, und JNeandcr lafst dasselbe gaii2 uo^berübit. 



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V 



Foldner, De Ophitii. 41 

Von unserm Verf. aber wird hier durch eine eben so leichte als 
glückliche EmendAfion, eine hlofse Versetzung des Unterschei- 
dungszeichens, geholfen ; Er trennt enm durch ein Semicolon von 
dem Vorhergegangenen und ?erbindet es mit dem F^olj^enden ; 
[eam bei dem alten Uebersetzer = , nach einem groisern In- 
terpunctionszeichen. Ref.]; auf Sophia pafst das Prädicat Weib vom 
Weibe Yolll^omraen. — Unter den verschiedenen Ableitungen des 
Namens Jaldabaoth wird die des Clericus, der ihn aus den alttesta- 

mentlichen Benennungen Gottes fl^KSST componirt seyn 

läfst, von Hrn. F. für die richtige gehalten, in Erwägung des Um- 
standes, dafs auch die librigen huhcren Wesen zweiter Ordnung, 
oder Planetengeister, solche den Hebräern heilige Namen haben 
(Jao, Sabaoth, Adonäus u. s. w.). Hinsichtlich der dabei anzu- 
nehmenden Verwechslung des Buchstabens ST roit ^ verweiset Er 
auf die Beispielsammlung bei Gesenius. — Sect, III. De aronibus 
aetheriis reruntf/ue crcatione. Unter den Aeonen des Aethers ver- 
steht der Vei F. jene zweite, von Jaldabaoth aasgehende Probolen- 
reihe , die principcs planel.irum. [Sie sollen, trotz aller ihnen 
zugeschfiebenen natürlichen UnvollUommenheit und Geistesbe- 
schränktheit, zu den Aeonen gezahlt seyn , nach Epiphanius, l. I, 
haer. 87, §. 4» ^" ^ß*' genauer unterscheidenden Darstellung des 
Irenaus findet sich freilich nichts von einer solchen, etwas be* 
griffswidrigen Terminologie]. Ihre Namen werden erklärt, und 
die Anzahl derselben, worüber die Zeugen nicht einig sind, nach 
Irenaus und dem Diagramma bei Origencs, so wie aus der Natur 
der Sache, gehörig bestimmt. — Die Ophitische Lehre von der 
Erschaffung und vom Falle des ersten Menschenpaars (vgl. Genes. 
1, 26, c. 2, 21 ff., c. 3.), hat, nach Allem, was für das richtige 
VerständniPs derselben in neuerer Zeit geschehn ist, noch immer 
ihre Dunkelheiten und Schwierigkeiten. Auch hier geht der Verf. 
zuweilen seinen ganz eigenen Weg , oder weifs den Erklärungs- 
arten seiner Vorgänger eine neue Wendung zu geben. Zu der 
Erzählung, wie Jaldabaoth in der Absiebt, dem Adam das in ihn 
ubergegangene göttliche IJcht wieder zu entziehen , das Weib 
geschaffen habe (Iren. a. a. O. $. 7.) macht Er zwar keine be- 
sondere Anmerkung, scheint aber die Worte de sua enüiymcsi 
Ciiaxisse foeminam paraphrasiren zu wollen, indem Er (S. 24.) 
sagt : 9 decrevit igitur feminam producere — ; quod decrevera^ 
statim perfecit.« Demnach wäre nun freilich an dieser Stelle die 
Diction ('er habe aus seiner Betiachtung* oder 'seinem Bath- 
schlusie das Weib faervorgehn lassen') etwas geschraubt und auf 



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41 Reich, BcobachiungcD Uor Erdtempcratur. 

Sulzen gebend. Wahrscheinlich soll also enlhjmetU bier nicKt 
•owohl auf eise Aeufserung oder Wirkung der Seele gehn, alt 
etwas Substantielles in ihr, das von oben stammende Geistig« 
(Tgl. Iren. ^. 6. s. fin.) bezeichnen, und zwar — nach der neue« 
aten Auslegung, die sich vor andern empfiehlt, weil sie die Za* 
sanmenstimmung und Folgerichtigbeit der einzelnen Momente 
des Mjthus am besten in's Licht setzt, — das nvevfianxov Adams 
(vgL Genes, a, ai.), nicht des Ensch afTenden , der sich ja zuvor 
Einbauchen des Lebensgeistes dessen beraubt hatte ; (an6 
T^c iv^v^LiaiQi avxov ^ was der Uebersetzer durch i>de $ua 
eotb.^ falsch ausdrückte, = de ejus enthymesi. S. Baur, die 
Christi. Gnosis, Tüb. i835, S. 176.) — In dem Ausrufe der Pru- 
nikos (am Scblufs des Tten §. des Iren.) macht der Verf. Jaldabaoth 
com Subject des Satzes : et haec aduUerans pcccavii , indem Er 
hatc als das neutr. plur. (= hanc de llomine Secumlo ac Prima 
Femina dodrinam) betrachtet, und adullcrare in der Bedeutung 
verJUUchen nimmt. So gelingt es Ihm, durch einen sehr leichten 
oxul einfachen Procefs, welcher die Mosheimische Einschaltung 
entbebrlieh macht, einen vollkommen passenden Sinn zu eruiren; 
und Ref. kann nicht finden, dafs D. Baur, der durch eine künst- 
lich speculative Ausdeutung dieser Worte denselben Zweck zu 
erreichen versucht hat, hier gegen Ihn im Vortheil wäre. 
Sect. IF, De regno Ophiomorphi et sacris Judaeoruni; kurzer ge- 
fafst. — Von der Christologie , der praktischen Religionslehre 
und den Sitten, den Cercmonien, dem Diagramma und den Ge- 
betsformeln der Ophiten wird die F'ortsctzung handeln. 

E. An/, Lewald. 



Beobachtungen über die Temperatur des Gesteine in verschiedenen Tiefen 
in den Gruben des sächsischen Erzgebirges in den Jahren 18S0 bie 
18S2. angestellt auf Jnordnung E. K. S. hockverordneten Oberbergam" 
tes , und zusammengestellt von F. Reick. Diebst zwei Beilagen: 1) Ueber 
die Churprinter lauwarme Quelle ; 2) Uebcr das percnnircnde Eis im 
Sauberge Freiberg 1834. 205 5. 8. 

Man ist jetzt uberall der Meinung , dafs die Naturlebre durch 
Versuche wo nicht ausschliefslich , doch hauptsächlich, gefordert 
werde, was früher, namentlich in Deutschland, von Vielen be- 
zweifelt wurde. Inzwischen ist das Experimentiren gegenwärtig 
in der Regel nichts weniger als leicht, vielmehr kann die Befä- 
higung zum Physiker durch eine Reibe schulgerecht gemachter 



L-iyi.i^LJ Ly Google 



Rckh, Bcobachiungea der Erdtcniptraior. €3 

Versoclie am braten dargcthan werden , weil die Anlage unV 
DorchfuhruDg derselben eine vertraute Bekanntschaft mit des 
Tielen, aus der Tiefe der Wissenschaft gesch5pi>en, BedingungeA 
erheischt. Der Verl. der vorliegenden Schrift hat aich in dieser 
Besiehung theils durch seine Beobachtungen der Magnetnadel, 
theiJs durch die bekannten Fallvcrsuche bereits hinlänglich legi- 
timirt, und die Behandlung der vorliegenden höchst interessanten 
Aufgabe mufs daher schon im Voraua die Auimerkaanikeit des 
Pubiicums erregen. Es giebt indefs mehrere physikalische Pro 
bieme, deren Losung auch dem ilcil'sigsten und beharrlichsten 
Physiker zu schwer ist, entweder weil ibm eine günstige Gele- 
genheit dazu fehlt, oder weil weder sein Vermögen noch seine 
eigenen Kräfte dazu genügen. Die W'issenschait würde daher 
manche schätzbare Erweiterungen entbehren, wenn nicht die Ro 
gierungen, oder die höheren Behörden die Mittel zu solchen Vei^ 
suchen bereitwillig herbeischafften, die dann unter der Leitung 
eines Sachkenners zu bedeutenden Resultaten führen. Unterstützua- 
gcn dieser Art verdienen um so mehr dankbar anerkannt zu wei^ 
den, je weniger die Aussiebt auf materiellen Nutzeh bei rein 
'wissenschaftlichen Aufgaben mitwirkte, ond man mufs gestehen, 
dafs das k5nigl. sächsische Oberbergamt als lobenswerthes Muster 
der Nachahmung aufgestellt werden kann , indem es in so kurzer 
Frist nicht blos die Fallversuche, sondern auch die hier beschrieb' 
benen therniometrischen Beobachtungen veranlafste. Gern wird 
das Publikum in den wohlverdienten Dank einstimmen, welchen 
der Verf. in der Zueignung dem Begründer dieser Beobachtung 
gen, dem kon. sächs. Oberberghauptmanne, Freiherrn v. Herder 
sollt, dessen acht wissenschaftlicher Sinn im Gefolge tiefer HennU 
nisse sattsam bekannt sind. 

Wir besitzen bereits eine grofse Menge von Erfahrungen, 
aus denen das merkwürdige Besultat einer mit der l|iefe zuneh- 
menden Wärme der Erdrinde unverkennbar hervorgeht. Sie sind 
in geologischer Beziehung höchst wichtig, in sofern sie den Hy« 
pothesen über die ursprüngliche Bildung und allmählige Umge* 
staltung onsers Erdballs mindestens einige Anhaltponcte darbieten, 
nag man mit der Mehrzahl der Gelehrten annehmen, dafs dieser 
Planet, aus anfänglich feurig flüssiger Masse ( Metcorsteinmasse ? ) 
gebildet, einen Theil seiner W'ärme hauptsächlich in seinem In» 
aern zurückbehalten habe, oder sich zur neuesten Ansicht Pois. 
eon*8 hinneigen, wonach demselben die noch dauernde höhei*e 
TemperAtiar an irgend einem heifsen Orte im Weltf«*«»© mitge- 



Ly Gc 



44 lleich , Beobachtungen der Erdioinperalur. 

theill seyn soll. Die erste eigentliche Anregung zu dieser Un- 
tersuchung hat der wackere v. Trebra durch seine Versuche 
in den Freibcrger Minen gegeben ; denn die früheren Andeutun- 
gen waren nicht auflallend genug , und wurden zu wenig her- 
vorgehoben, um hinlänglich beachtet zu werden ; es erhöhet daher 
das Interesse, dafs ebendaselbst jetzt eine Masse von Thatsachen 
aufgefunden ist, welche die ganze Summe der anderweitig be- 
hannt gewordenen weit hinter sich läTst. Um dieses Urtheil zu 
begründen, und den Vorwurf eiiier Schmälerung anderweitiger 
achtbarer Bemühungen zu beseitigen, wollen wir nur bemerken, 
dafs die Zahl der vorliegenden Beobachtungen sehr grofs ist, 
insbesondere aber, dafs keine sonstige ihnen an innerem Werthe 
gleich kommen , indem die meisten derselben nur beiläufig und 
mit gewohnlichen Thermometern angestellt wurden, statt dafs 
bei diesen meistens mehrere Beobachtungsorte ungleich tief und 
fast lothrecht über einander lagen, und vorher wohl geprüfte 
Thermometer, die zugleich gegen anderweitige störende Einllüsse 
möglichst geschützt waren, zum Messen der öitiichen Warme 
dienten. Einige weitere Mittheilungen werden den grofsen Werth 
der hierdurch erhaltenen Resultate noch anschaulicher machen. 

In 7 Bergamtsrevieren, an 14 verschiedenen Puncten des 
sächsischen Erzgebirges, im Ganzen an 4^ einzelnen Orten wur- 
den eben so viele Thermometer in Bohrlocher im anstehenden 
Gesteine eingesenkt, so dafs an einer Stelle nur eins, an drei 
Stellen zwei, an drei Stellen drei, an sechs Stellen vier und an 
einer Stelle fünf derselben in ziemlieh genau verticaler Richtung 
in ungleichen Tiefen sich unter einander befanden. Die Bohr- 
löcher waren meistens 40 Dresdn. Zoll tief, die Thermometer 
steckten in messingnen, mit Sand ausgefüllten Röhren, und nach 
ihrem Einsenken wurden auch die Bohrlocher mit Sande ausge- 
füllt. Aeufsere Einllüsse, namentlich durch die Wetterzüge, 
suchte man möglichst zu beseitigen, und geeignete gewissenhafte 
Bergleute übernahmen das Geschäft , den Stand derselben an der 
hervorstehenden Skale in pafslichen Zeitintervallen zu beobachten 
und aufzuzeichnen. Die erste Schwierigkeit bot die Regulirung 
der Thermometer dar, die vom Bergmechanicus Lingke verfer- 
tigt , und mit Weingeist gelültt waren , welcher unter den gege- 
benen Bedingungen^ und Itir die vorliegenden Zwecke allerdings 
einen Vorzug vor dem Quecksilber hat, dem rectißcirtcn Petro- 
leum und dem SchweielkohlenstoiV aber als thermoskopischc Sub- 
stanz ohne Zweifel nachsteht. Die grofse Länge der Skale, wie 



ni'-il'i-' r- ■ I 



Reich, Beobiirhtangen der ErdtentpcrÄtar. 



45 



sie durch eiocn beträchtlichen Inhalt des CTlindeiTormigcn Ge- 
faTses erhalten wuide (wenn obendrein das Ruhrchen bis /.ur 
Skale ein feines Haarröhrchen war, wie sich vermuthen IhTst), 
und die daher eine Theilung der einzelnen Grade in 5 o<ler gar 
lO Theile gestattete, war gewifs für den vorliegenden Zweck 
von wesentlichem Nutzen, die grof^e Mühe und Sorgfalt aber, 
welche eine genaue Graduirung derselben erforderte, wobei es 
sich herausstellte, dafs die Fortin'schen Normalthennonieter von 
o* bis 25** C. einen bis o*',87 steigenden Fehler hatten, und selbst 
eins von Collardeau nicht absolut genau war, dient zum war- 
nenden Beispiele, wie nothwendig es sey, bei genauen thermo. 
metrischen Beobachtungen diesen trüglichen Apparaten selbst 
dann nicht unbedingt zu vertrauen, wenn berühmte Namen ihrer 
Yerfertiger eine scheinbare Burgschaft für sie leisten. Nach dem 
Gebrauche wurden die sämmtlicben Thermometer abermals ge- 
prüft, und aus den im Anfange und am Ende erhaltenen Resul- 
taten zwei Tabellen entworfen, um danach die Beobachtungen 
zu conrigiren, wodurch dann die Fehlergrenze bis auf o*,o5 C. 
herabgebracht ist. Ohngeachtet die Thermometer 4o Zoll tief 
in das Gestein eingesenkt waren, so ergab sich doch, dafs eine 
temporäre Erhöhung "der Wärme der umgebenden Luft nach 
44 Stunden selbst bis auf diese Tiefe einen Finflufs äufserte. 
Nicht um diesen Fehler zu corrigiren, sondern nur im AUgemei» 
nen von dem Yorhandenseyn und der etwaigen Grofse dieses 
Einflusses Kenntnifs zu erhalten, wurden zu gewissen Zeiten ge- 
'wohnliche, aber regulirte, Thermometer neben einigen der Beob- 
achtungsthermometer in der Luft aufgehangen , und die hierdurch 
erhaltenen Resultate zeigen siuh als ausnehmend fruchtbar für 
den eigentlichen Zweck der Untersuchung. Ein «möglicher Feh- 
ler, welcher aus dem stärkeren Luftdrucke auf die 'l'hermometer 
in den gröiseren Tiefen erwachsen könnte, ist untersucht, und 
nicht stattfindend gefunden, dagegen ist nicht speciell berück« 
sichiigt, wohl aber angedeutet, eine kleiite Differenz, welche aus 
der Beobachtungsart der verschiedenen, im Ablesen der Ther- 
mometer nicht eben sehr geübten , Personen entspringen konnte. 
Da wo aber dergleichen gleichzeitige, oder in kurzen Intervallen 
auf einander folgende Ablesungen durch andere und den Herrn 
Verfasser neben einander gestellt sind, ergiebt sich sehr augen- 
fällig , dafs hieraus kein merklicher Fehler entsprungen seyn kann. 

Die Beobachtungen d^r Thermometer wurden, namentlich 
bei deo tieferen, keineswegs mehrmals am Tage, ja nicht einmal 



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4t Roicli, BeobRchtongen der ErdCcmperttar. 



täglich gemacht , wie sich der Natur der Sache nach nicht anders 
erwarten läTst ; allein die Anzahl derselben ist auf allen Fall mehr 
als genügend, um ein mittleres Resultat daraus zu erhalten, denn 
die Temperaturen waren zuweilen mehrere Monate hindurch con« 
stant, und wenn gleich die nicht tief unter der Oberfläche ein- 
gesenkten Thermometer am häufigsten beobachtet wurden , so sind 
doch eben bei diesen die Resultate am wenigsten zuverlässig , weil 
sie den meisten und den am schwersten au beseitigenden ürtlichen 
Einflüssen unterlagen. Bei den Huhenbestimmungen liegt die 
durch Lohr mann zu 3i3F. angenommene H5be des Nallpunctes 
am Elbmesser der Dresdner Brüche zum Grunde, worüber keine 
bedeutende Ungewifsheit herrscht. Hiernach wurden die Hohen 
der verschiedenen Puncte nteistens durch lange fortgesetzte Ba- 
rometerbeobachtungen ausgemittelt. Bis unter den Meeresspiegel 
herab gelangte man mit keinem Thermometer, allein das tiefste 
befand sich doch nur i3,a Meter, das nächsthöhere 72,12 and das 
diesem folgende 83,4 Meter über demselben , letzteres bei 388 AL 
Seigerteufe unter Tage, die unter allen die bedeutendste war. 

Obgleich zu erwarten ist, dafs das Werk sich in den Händen 
aller Physiker befinde , die sich mit dem behandelten iateressanten 
Probleme beschäftigt haben , da sich die Wichtigkeit seines In- 
halts auf den ersten blick herausstellt, so will Ref. doch die ge- 
wonnenen Resultate hier kurz angeben. Aus den zunächst unter 
Tage in verschiedenen geringen Tiefen befindlichen Thermome- 
tern kann zuvörderst die mit der Hohe über dem Meeresspiegel 
(abnehmende mittlere Temperatur der Erdoberfläche gefunden wer- 
den, wenn man hierbei die unbedentende Correction für die Tiefe 
der Einsenkung anbringt , welches vom Verf. durch die Formel 
T' = T — 0,03245 . n geschieht, worin T die beobachtete, T' die 
corrigirte Temperatur und n die Tief^ in Metern bezeichnet. Alle 
Beobachtungen mit einander verglichen geben für 100 Meter H5- 
benzunahme o°,5i7 C Wärmeabnahme. Leitet man aus dieser 
gefundenen GrSfse die mittlere Temperatur des Erzgebirges awi- 
tchen 5o^ und 51** N. B. im Niveau des Meeres ab, so erhält man 
im Mittel 10^,22 C, was mit den hierüber bekannten Bestimmt»- 
gen sehr nahe übereinstimmt« Die mittlere I^ufttemperatur, so- 
weit diese aus den verschiedenen reducirten Beobachtungen mit 
grofserer oder geringerer Genauigkeit gefunden werden konnte) 
war für Freiberg =7^,22, für Attenberg =:5®,i5, für Markus 
Rdbling Grube = 5^,46 und für Johanngeorgenstudt = 5^o5 C.i 
woriai anTerkeonbar hervorgeht, dafs di« Bodentemperatur in 



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R«ich, Beobachtungen der ErdtcmpeiHlnr. 



fenen Gegenden ohngefabr C höher ist, als die der LuO. 
Denn wenn diese Beobachtupgen unter sich und mit den zu lirat. 
den angestellten verglichen werden , so geben sie i74,a Meter 
Höhen -Unterschied für i** C. ; die mittlere Temperatur im Spiegel 
des Meeres findet sich hieraus = 9^97, and die Wärme der Luft 
ist o^,^5 C. geringer, als die des Bodens, was nebenbei genaa 
aai den Beobachtungen zn Markus Behling Grube bei Annaberg 
herTorgcht, wo die der Bodentemperator Fon störenden Einflüuen 
ToHkommen frei waren. 

Bef. hat die Angabe dieser Besaltate hier um so lieber aof- 
geDommen^ da sie zwar nicht zum eigentlichen Probleme gchö- 
reo, ebendeswegen aber sehr deutlich darthun, in welchem Um* 
fange der Verf. seine Aufgabe behandelt hat. Um zur Lösung 
des Hauptproblems zu gelangen , wird zuerst die nicht unwichtige 
PVage über das Gewicht oder den Werth der einzelnen Resultate 
beantwortet, da sich schon im Voraus erwarten läfst, dafs nicht 
alle von gleicher Bedeutsamkeit seyn können, und sich aufser* 
dem eine merkliche Verschiedenheit derselben auf den ersten Blick 
herausstellt. Aas Gründen, die sich leicht ergeben, wird das 

Gewicht derselben P = ^^[^J^'^p^ gesetzt, worin II, — Hi 

den Höhenunterschied der verglichenen Puncle in Metern, T die 
Zeitdauer der Beobachtung nach Monaten, Di und Di aber dea 
Unterschied zwischen dem höchsten und tiefsten lliermometer- 
stande, jenes am obersten, dieses am untersten Beobachtungs« 
puncto in Centesimalgraden bezeichnet. DaPs in der Wahl der 
rierten und der zweiten Wurzel dieser Gröfsen einige Willkubr 
herrsche, gesteht der Verf. selbst zu, jedoch läfst sich nicht wohl 
eine bestimmte, in dieser Annahme liegende, Fehlergröfse nach« 
weisen. Werden alle Beobachtungen einzeln unter einander yer* 
glichen , so ergiebt sich als endliches Resultat eine mit der zu- 
nehmenden Tiefe wachsende Temperalurzunahme voo 2^,890 ۥ 
auf 100 Meter oder auf C. 41,84 Meter. 

Fragen wir nach dem Werlhe dieser Bestimmung, d. h. wie 
weit sich dieselbe als zuverlässig betrachten, und weiteren Schlös- 
sen zum Grunde legen läTst, so werden zuvörderst alle unsere 
Leser darin übereinstimmen, dafs das hier gefundene Resultat un- 
gleich besser begründet ist, als alle früher erhaltene, wovon 
man sich auch leicht überzeugen kann , wenn man diese letzteren, 
die der Verf. in einer schätzbaren Uebersicht von S. 140 bis 



48 Reich, Bcobaclitangen der Erdtemperatur. 

S. i53* sehr vollständig zusammengestellt hat, einer näheren Prü- 
fung unterwirft. Wie weit aber auch dieses neue, durch so an- 
haltende, M'ohl angelegte und treÜÜch geleitete Bemühungen er- 
rungene Resultat alle frühere hinter sich IhTst, so fühlt und ge- 
steht doch der Verf. selbst, dafs es auf absolute Genauigbeit 
keine Ansprüche machen hann. Die Thermometer waren zwar 
tief in das anstehende Gestein eingelassen, aber durch die bis 
dahin herabgehenden Schachte war der herabsinkenden kälteren * 
Lud schon seit längerer Zeit ein Zugang eröffnet, und die hier- 
durch erzeugte Wirkung wurde durch den Wechsel der Wetter 
noch bedeutend vermehrt ; die durch das einmal aufgeschlossene 
Gebirge herabsinkenden Tagewasser sind bereits in die Tiefe ge- 
drungen, und haben unverkennbar einen Einflufs auf die eigent- 
liche Temperatur ausgeübt. Beide Ursachen bringen die ursprüng- 
liche Wärme herab, die Grubenlichter und die Wärme der Ar- 
beiter erhohen sie dagegen , jedoch können die letzteren die 
Wirkung der ersteren unmöglich compensiren. Die hieraus ent- 
springenden Schwierigkeiten lassen sich weder beseitigen noch 
überwinden, und wie wichtig auch die genaue Bestimmung der 
£rd wärme, namentlich in Beziehung auf die Dichtigkeit der Erde 
und die unveränderliche Dauer der einmal vorhandenen Tempe- 
ratur, seyn möchte, wie Ref. an einem schicklieberen Orte aus- 
führlicher darzulegen demnächst veranlafst seyn wird, so schwin- 
det doch bei näherer Betrachtung die IIofTnung stets mehr, hier- 
über je zur absoluten Gewifäheit zu gelangen. Selbst wenn in 
tiefe Bohrlöcher unmittelbar nach ihrer Vollendung Thermometer 
eingesenkt werden, so sind auch bei einem solchen Versuche die 
störenden Einwirkungen weder zu vermeiden , noch auch scharf 
in Rechnung zu bringen. So viel ist indefs gewifs, dafs die wich- 
tige Aufgabe durch die vorliegenden Versuche wohl so weit ge- 
bracht ist, als vorerst und ohne unerwartet günstige Bedingungen 
im Reiche der Möglichkeit liegt, und es steht nicht zu erwarten, 
dafs ihr vorerst in einem gleichen Grade bedeutende Opfer dar- 
gebracht werden sollten. Eine mit der Tiefe zunehmende Wärme 
ist nicht weiter zu bezweifeln , und zugleich darf man es als 
hSchst wahrscheinlich betrachten, dafs sie noch stärker ist, als ^ 
das hier gefundene Gesetz angiebt. 

(Der Beschlufs folgt.) 



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N°. 4. BBIDBLBERGBB 18361. 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



Reich, Beoküchimgem üker dk Blräimnperatur. 

(üeschlu/i.) 

AsHmt 4oiii hUhier aoge«ti§te« reielm Inhslle findet man in 
dtfli forlitgcaden Werli* noch ninig* Zugaben, die gleichfallt' 
aeftr intereetent sind. Zaertt wird eine knrie Necbrtekt von der 

Messung der Temperatur einer seit langei' Zeit in 279,7 Meter 
Seigerteufe abge&))ündeten Wassermasse gegeben. Die Wärme 
betrug i6®^4f und iMtte sich eben so wenig in einem ZeitrauoM 
▼ön nwei Jahren geändert, alt auch d«r während der Meitung 
40 ond dann so lüniilett lan^ larldn«ernde AbAnia keMi* merb* 
tmre Aendemng henrorhraehtt. Wird dann die Temperatnr dar 
Oherftiehe, die 416 Meier über dem Meereitspicgel liegt , «a 
8*,07 C 'angenommen , so kommen nur 33,4 Meter auf i** Wärme-' 
zunähme ond auf 100 Meter 2^,99 Tempei atui t-i hohung , beide 
Grofsen ?on den oben erhaltenen Bestimmungen bedeutend ab* 
weichend. Diese Messung ist gewifs eine der vorzuglichsten, die 
überhaupt existiren, da daa durch so dicke Holzwandongen ab- 
gesperrte Wasser in der langen Zeit nothwendig die Xemperator 
4tr w^gehende» Feiaen angenooimn haben nrafatOw, vmdglich 
da die WäaaMugänge haM naekdem sie ersohroten waren, so 
gcmäa wieder Tcrscblossen wurden, dafs nur eine unbedeutende 
Menge abflofs, und also weder mögliche Quellen aus grufserer 
Tiele, noch auch eindringendes Tagewasser einen bedeutenden 
EinAufs haben honnten. Die oben ausgesprocliene Verninthongy 
dafa di»*JWaraaia Init-der .Tiefe noch .aolMieller aonehoiei ala daa^ 
Bsdraadilat »allnr obigen Beobaehinngen ei|;eben halt geiriniil 
daher aech hierdorch OirteratGlanng. - 

Zeial Beilagen sind dem Werke hinzagefugt, woron die 
erste eine Messung der Temperatur der lauwarmen Quelle aus 
der Grabe Churprinz Friedrich August, und 'eine chemische Ana- 
lyse derselben, letztere Tom Herrn Bergcommissionsrath Lam« 
jMidinai enthält, beides für den Haufitnwecli der Untertaohiing • 
rmm «Ataffgaordnetem Inttrasaei da man niebt «isaan kann, aoa 
wMkme Tiefia die Quelle koaunt^ end Kpher sie alae ihie Winher 
eihglft, die nihMraiiaohen Beilaiidthaile deraeiheii aber von h#hier 
XXiX. Jabrg. 1. Hefl. • • . • « . . .4 



Digiii^CQ by 



50 Rüniir, (1k> Veriteincrungcn det nonhlentscben Gebirget. y 



grofsen Bedeutung sind. Weit wichtiger ist der Inhalt der zwei« 
ten Beilage, nümlieh eine tiefer eingehende Untersuchung der 
i>i«drigen Temperatur in^ den sogenaaiiteu Eishöhlen, wozu das 
perennircnde Ei^ in dt;n Gruben des Sauberges zu Ehrenfrieders- 
dorf die Veranlassung gegeben hat. Der Verf. giebl in Folge 
seiner grofsen Uelesenheit ein sehr vollständiges Verzeichnifs der 
bekannt gewordenen Höhlen dieser Art, die jedoch meistens nur 
kurze Zeit gesehen, und daher raangelhall beschrieben wurden, 
statt dafs die Glaube des Sauberges anhaltend, olt wiederholt und 
genau beobachtet werden konnte. Verdampfung des Wassers in 
dem porösen Gesteine, und das leichtere Eindringen der schwe- 
Tpren kalten I.uft, als der leichteren warmen, sieht Der Vej;f« 
als gemeinschaftlich wirkende Ursachen dieser Erscheinung an. 

Ref. wiederholt nocfainals aufrichtigst seinen innigsten Dank 
sowohl dem hohen kon. sächs. Oberbergamte , welches die Veran- 
lassung zu diesen reichhaltigen Untersuchungen gab , als auch 
allen den Männern, die dabei mitwirkten, und unter diesen ins- 
besondere dilti wackeren Verf., welcher das Ganze leitete, ord- 
nete und so lichtvoll zum Nutzen der issenschail zusammen« 
stellte. 

M u n c k e. 



Fr. Ad. Rbmor: dU f 'erMteinerungin des norddcutsthen Oolithett' Gebirge», 
mit IZ lilhographirien Tafeln, Kntc Lieferung « enthaltend Titel, 
Vorrede , Text von S. 1 &iir 74 und mmmtliche Tafeln. Hannover 18^. 
in gr. 4. 

Das unter dem vorstehenden Titel begonnene and seinem 
gröfsten The.ile nach bereits dem Publikum überlieferte Werk, 
dessen übrigcT Text in zwei anderen, viel wohlfeileren Lieferun* 
gen in Bälde erscheinen soll, bietet uns ein würdiges und wich«« 
tiges Seitenstück zu den verwandten Arbeiten von Tbtrria, 
Thurm a au und von Mandelsloh über den französischen, 
sthv^eitzerischcn und württembergiscben Jura , nur dafs diese 
Schriftsteller die Schilderung der geognostischen Verhältnisse zur 
Uauptaulgabe gemacht und sich rücksichtlich der Vcrsteioei^ngea 
auf die bereits vorhandenen Werke von Sowerby, Goldiufsy; 
Zieten u. s» w. , sowie aui einige noch nachträglich zu liefernde 
Abbildungen bezogen haben, wähjend der Ver4'. , welcher in dem 
isulirter liegenden norddeutschen Oolith - Gebirge eine weit gro^ < 
§ere Anzahl |ioch unbeschriebener Fossil- Avtcn vorgeiuudeo, sich 



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RÖnier, die Vcrtleincruhgcn det norddcntschcn Gebirgcr. 51 

zaerst mit deren Beschreibung nnd AbbilJunv bcscliäfligcti und 
. lieh rCicUsichtlich der geognoslischen Darsfcllung iheils auf die 
Werke TO n Hausmann und Fricdr. HoFfmann herult, iheils 
aber die ausfuhriichere Beschreilning der doi tliindischcn Oolithe 
für eine spätere Zeit Torbehäll, jetzt nur eine kurze geogno- 
. stische Einleiturj^ seiner Schrift voraussendend. Das Resultat aber 
stimmt in einem Punkte mit dem der obigen Schtiften genau 
überein, nämlich in der erstmah'gen, auf eine genaue und voll- 
ständige Aufzählung der einzelnen wohlhestimmten Petrcfaktcn 
gestutzlen , vergleichenden Bezeichnung der einzelnen Schichten 
des Oolithen- Gebirges, welche bisher entweder nur im Allgc- 
»^"inen oder, wenn nuch detaillirt, doch nur nach einem summa- 
i;schen Ueberbiick ihrer Fossifreste mit den gleichzeitigen Bil- 
dungen andrer Gegenden verglichen worden waren. 

Der Titel verspricht zwar die Beschreibung der Versteine- 
rungen in den Oolilh -Gebirgen Norddeutschlands; die Vorredö 
besagt , dafs man hauptsächlich nur jene auf dem rechten Weser- 
Ufer, und an einer andern Stelle, dafs man nur die »hiesigen« 
Oolithe im Auge gehabt habe ; die Betrachtung der im Werlte 
^' selbst enthaltenen Citate zeigt aber, dafs der Wohnoit des Vcrfs., 
Hildesheim, auch der wirkliche Mittelpunkt für dessen For- 
schungen ge%tcsen seye, welche sich von hier aus dann in einem 
Umkreise von i5 — 30 Stunden über Hannover, Braun- , 
schweig, Scheppensted t, Goslar und bis an, seltener über 
dte Weser im Westen erstrecken. ]>azu wird bemerkt, dafs die 
jenseitigen Gebirge, so weil der Verf. sie kenne, ganz denselben 
Charakter tragen und gewifs nur wenige eigenthumliche Verslei- 
nerungen enthalten. Es ist daher die zu allgemeine Bezeichnung 
ouf dem Titel kaum zu rechtfertigen , insbesondre seitdem die 
Kloden'sehen Untersuchungen nach Osten und Norden hin eine 
•ehr weite Ausdehnung der Oolilh . Bildungen in den Niederungen 
der norddeutschen Ebene theils nachgewiesen haben, theils in 
wenig zusammengehaltenen Bodenschichten mit vielen Versteine- 
rungen ahnen lassen. 

' ' Der Verf. halle aber nicht allein den Zweck , die Versteine- 
rungen der in dem genannten Bezirke verbreiteten Oolithe zu 
beschreiben und die neuen oder in deutschen Werken noch un« 
genügend abgebildeten Arten durch Zeichnung zu versinnlichen 
und ihre Verbreitung in geognostischer wie in geographischer 
RGckmcht , mit Hinweisong nuch auf das Vorl^ommen aufser jenem 
Bereiche, pünktlich .und vollständig nachzuweisen, sondern auch 

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52 Römer, die VertteiDerungcn dei norddeuttchen Gebirgct. 



den zahlreichen Anfängern in der PetrefaUtenhunde eine Einlei« 
tang in diese Wissenschaft zu bieten, die freilich, in so ferne 
hier nur Oolith- Versteinerungen aufgenommen werden konnten, 
auch nicht anders als einseitig und mangelhaft ausfallen konnte, 
immerhin aber denjenigen befriedigen bann , welcher nach seinen 
persönlichen Verhältnissen sich nur etwa für Oolith- Bildungen 
intercssirt. Zu diesem Behufe nun sind nicht nur aufser den 
neuen Arten auch die schon früher bekannten auslührlich be- 
schrieben , sondern auch die Genera, Gruppen, Familien, Ord- 
nungen, denen sie angeboren, charakterisit t worden Diese er- 
ncuete Charakteristik der Species bietet jedoch , in so ferne man 
im Stande ist zu unterscheiden, was der Verf. aus seiner Autopsie 
anführt und was er von andern entlehnt hat, immerhin den 'Vor- 
theil , dafs man da , wo ^egen des Vorkommens einer angeführten 
Art Zweifel entstehen, eher in den Stand gcset/.t >%ird, solche 
rücksichtlich ihrer Identität mit andern in Krage stehenden und 
verwandten Arten zu prüfen. 

Durch die Beschreibung und Abbildung der neuen Arten 
hat diese Schrift mithin ein Verdienst, welches die oben erwähn- 
ten in sich selbst nicht besitzen, während uns umgekehrt die 
Nachtragung dessen, was in geognostischer Beziehung hier noch 
dcsiderirt werden kann, vom Verf. als eine spätere Arbeit ver- 
sprochen wird, wo dann manche Petrefakten • Bestimmung inzwi« 
sehen zu bestätigen oder zu berichtigen seyn wird. Wir hoffen, 
dafs sich dann der Verf. die Arbeiten der obengenannten Natur- 
forscher zum Muster wählen wird , nicht nur weil sie ihrer eignen 
vorlrefTlichen Elinrichtung nach dessen werth sind, sondern auch 
weil durch die Aehnlichkeit der Darstellungsweise die Verglei- 
chung zwischen diesen nördlicher gelegenen Gebilden mit denen, 
des Jura aufserordentlich erleichtert werden wird. Wer hätte 
nach dem Wenigen , was wir über die Versteinerungen dieser im 
Innern von Deutschland gelegenen und in ihrer Ausdehnung 
beschränkten Gegend bis jetzt erfahren hatten , auch nur ahnen 
dürfen, dafs der Verf. im Stande gewesen, in den Gliedern einer 
einzigen grofscn Formation so viele (nach einer Angabe vor we- 
nigen Monaten 3oo, jetzt aber wohl schon 5oo) Arten von org». 
nischen Deberresten aufzufinden, \on welchen nach seiner Ansicht 
35o neu sind ! Ihr Studium gebort den Musestunden eines sei- 
nem Berufe nach als Laien in der Wissenschaft zu betrachtenden 
Justiz- Beamten an, dessen unermüdliches Forschen in diesem. 
Zweig« der Natux'wifseoschaft vielfältigen Verkehr und Anregung. 



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Römer, die Veratcioerangen cict nnrdrfeaUchen Gebirgea M 



unter den Berg «Beamten der dortigen Gegend veraitlaPst hat. 
Bedaaern müssen wir freilich, dafs demselben nicht reichere lite- 
rarische Mittel zu Gebote gestanden, indem sich diese, soweit 
" sie aus den bis daher dargebrachten Citaten ersehen lassen, auf 
die Bilderwerke von Sowerby, Goldfufs, Zielen, das Werk 
Ton Schlotheim, v. Bach über Terebrateln , Münsters Ka- 
talog und auf zwei frühere und zu diesem Behufe nicht eben 
sehr dienliche Schriften des Ref. zu beschränken scheinen, wor- 
unter freilich die wichtigsten der zu Bathe zu ziehenden Schriften 
enthalten sind, wozu aber manches Detail -Werk mit und ohne 
Abbildungen noch hätte sehr nutzlich sejn können. Zu Bestim- 
mung der Terebrateln jedoch und einiger andern Geschlechter 
war dem Verf. Graf Munster hauptsächlich durch Zustellung 
einer wohibestinimten Sammlung behulflich. 

In der Einleitung, S. i — 16, schildert der Veif. die Bedeu- 
tung der Pelrefakten für die praktische Geognosie, giebt eine 
(wohl hauptsächlich aus ihrer Betrachtung hervorgegangene) Ueber- 
sicht der dem groPsen Oolith- Gebilde zugehörigen Schichten in 
dem oben schon mehrfach angedeuteten geographischen Bereiche 
und fiigt die nütbigsten Hunstausfirficke zu Beschreibung der 
Uonchylien bei. F>as Oolithen -Gebilde läfst sich in drei Ablhei» 
longen, jede mit mehrern untergeordneten Gliedern, sondern. 

I. Oer Lias, bietet daselbst 1) Unterliassandstein, 2) Liaskalk oder 
Grjphitenkalk , 3) Belemoitenschiefer , 4) Posidonienschieler ; — 

II. der Jura [die Juraformation} wird 5) durch den Dogger oder 
unteren Oolith, 6) die Walkerde, 7) den Oxfordthon , 3) den 
unteren, den wahren und den oberen Coralrag, 9) den Portland* 
halk und 10) den Hilsthon; — so wie III. das Wälderthon -Ge» 
bilde durch 11) die Ashhurnham - Schichte , 12) den Flastings- 
Sandstein und i3) den Wälderthon dargestellt. Die geogi aphische 
Verbreitung der einzelnen Gebilde, die bezeichnendsten Verslet- 
tierungen und die an Petrefakten reichsten Fundorte werden 
Qberall angegeben. Der Verf. behält sich vor, erst später noch 
den Himmeridge- von Portland- Kalk , den Astarten - Balk vom 
obereren Coralrag und den oberen Liasmergel von den Posido* 
men -Schiefern zu trennen, indem es scheint, dufs seine bisheri- 
gen Beobachtungen zu dem Ende noch nicht genügend seyen. 
Wir möchten jedoch in den Versteinerungen, die der Verf. dera 
Portlandstone zuschreibt, mehr die des Himmeridge-, als des 
Portland- Kalkes sehen. Wie im südlichen Deutschlande, der 
deutschen Schwätz und wohl auch im Elsasse, fehlen, mitbin 

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64 Rilnier, die Vcrtteincrungcn des norddetiiftchen Gel»irg«t. 



in diesen Ge^^enden der MittelooHth und einige kleine Nachbar- 
gcbilde desselben. Der Ililsthon , vielleicht Thirrias argiU avec 
mtnerai de Jcr pisijorme, ist ein, weiter noch nicht in genaue Pa- 
rallele passender, du/iUIer, oft schwarzer Thon, welcher, über 
Portlandkalh [<lcutlich?] gelagert und ?on Grünsand bedeckt, 
die ganze II i 1 s- Mulde auslullt, bauwürdige Eisensteinlager, meh- 
rere Kohleiiilüt4e und mächtige Gypsstöcke eioschlieftt , auTser 
Pcclen Uns noch viele neue Lima- u. a. Muschel - Arten und 
grofse Knochen und Zähne von [?] Ichthyosaurus entbiilt. Das 
Wfllderlhon- Gebilde , zuerst von Hoffmann richtig angespro- 
chen und in Deutschland sonst noch nicht nachgewiesen, war 
von Keierstein mit einigen Gruasandsteinen zum Dogger, seio« 
Kohlenbildung von Hausmann zu den oberen Lagen des Gry- 
phitcnkalkes gerechnet worden : es ruliet bestimmt auf Coralrag 
und hat 800' Mächtigkeit; es enthalt Ueberrestc aus den Ge- 
«chlechtern Unio , Cyclas, Cyrena, Potamides, Paludind, CyprU, 
und bat ein Saurier- und ein Scliildkrülen -Si^elctt geiic(eit ; die 
'luiteren Thongcbilde scheinen mit den Jura -Niederschlägen zu 
wchsellagern. 

S. 17 — 33. sind der Beschreibung der Pilanzenthiere dieser 
Gebilde gewidmet. Polyparien sind 7 Genera mit 17 Arten ; 
worunter ein neues Geschlecht Anonwphj^llum mit einer Art, A, Man* 
4Uri Büm. sich befindet, die er auf folgende Weise charakteri- 
sirt : stirps calcarca affixa , massam complanatam orbicularem cMt* 
Bliluens ; suprema superficies plana» irregularit€r granuloso" lineala^ 
hinc itide subsU lLifera y c lamellis granuiosis subparallelis lrab€f:u.lU 
inlcr se jiinctis r/)ormata ; dieses F'ossil scheint uns jedoch nur 
ein sehr v«;rwitterter Astreen -SiocV. zu sejn, ohne dafs wir übri- 
gens aus der völlig undeutlichen Abbildung eine nähere Bestäti- 
gung dieser Ansicht zu entnehmen vermochten; — so scheint 
auch AiUhophyllum conicum R. nur der Anfang zu einem Liiho- 
dendron zu seyn. — Von liadlarien besclireibt der Vcrf 8 Gei»er« 
mit 22 Spccies. Die Stacheln seines CidariLes spinulosus gehoreo 
übrigens zu C. nobilis Münst., und die seines C, clongaUis ZU 
C\ Bluincnbachii. 

- 8. 33 (T. handeln nun von den Mollusken. Es ist wohl ein 
Versehen , wenn unter ihnen auch die Annulatea ihre Steile fin- 
«K'n, ob,'\leich es erlaubt ist, deren Gehäuse unter die Bcnennuag 
Konchylien mit /m begri'ifen. Sie bieten nur das einzige Gennt 
Scrpiila mit 17 Arten dar, wovon den vom Verf. neu bcnanalen 
ausnahmsweise keine Abbildungen gewidmet san4.. 



I 



Von Cirrhopoden (rucksichtlicii deren dieselbe Oemerkmig 
mm y^orjhuia wiid nur «ine einer Baianus. Sohaalc ähnliche 

VMteiMroiig IM Coüilffag >h§ibiidtC Soike «• tui w^>#fiAiff • 

Die Brachiopotfcn (St 87 — 56.) bieten nur zwei Geschlechter, 
Terebratuln mit 41 und DclUiytia mit 3 Allen Jar. Die Beschrei- 
bungen der ersteren sind nach den von Hrn. von Buch gcgc« 
benen Modelen gestaltet und grofsenlhoils von ^tuiaeUlttii cnU 
Mmt. ' T. pingm9 .möebtvii wir mebt tls eigene 8peeie« an- 
Hhen und T. «Qto^a/£i B. ¥8flt(t ffilr T. orniihoeephah 80 w. hälfen. 
Ihiler ifepen lind ni^nfr« iMki^ kleine Aften, die \thht iMr 
Jong^ Ton anderen Iseyn dtfrfVen, da iicfi die Form der Tere. 
bräteln mit dem Alter, ihrem Baue nac.h| nothwendi^ sehr an- 
dern mufs. 

Ton den C&nchtfartn finden wir aoeb <Mrea, Gryphamt, EMh 
gfrüf Placuna, Beden 9 Mönotis und Plieatah, susamMen mit 
55 Arten. BflcbBichtHch einiger bleinen Austern «Arten durfte 
dasselbe, wie von d«n Terebrateln* gelten ; — des Verfs. Giyphaea 
conlroversa halten Mir von G. dilolula un«l G p^ignnlea SoW. 
durchaus nicht iVir verschieden. Die 3 Placuna - S.\\üv\ gehören 
Jicher nicht zu di^em Geschiechte ; es sind vieileicbt KUii>(«en 
Ten Balanideny W<(ful>er jedoch die Autopsie beaaer als die An« 
eicht der Abbtld unyn na belebD^a ian blande aeja mvSt* Oer 
mame PecWi varwne iat aehon eiiiar anderen Art heigelegt Wee- 
sen. Hie Mlloater'achen Bloneltii- Arten endlioh gehiSren nicht 
SU diesem GesQblechte, sondern zu liahbia» • 

Sehr zu bedasern ist, dafs die von geübtem Auge aufge^ 
fafsteo und TOn geübter Hand geseichneten Gegenstände nur 
^«reli ein« verwUphle und grai»e.i«iihagrap)iie dargestellt wor* 
sdea aind, »db ob ntir die C^e^peeater der foasilen Tbiere darge- 
alellt werden sollten.« 

Ganveii darf man die Ausarbeitung dieses Werkes ala 
Hir geloflgeiv «tid sein Erscheinen als äufserst nillhomtncn be. 
««lehiidD; ~ gjMSk wird daMelbe aeiiiea praktiachen 2we«he 
iAm eo' w^nm mfelden, kla es ifr IfceMtiieh^ HMcbt von ««a^ 

* 

B, G, U r 0 nn. 

• * ■ 



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m StkriH^m ifcer Artig» mmi E ia ii rii ^— g wm l i nn i H i Hw , 



1) Maximilian JaeuM, <5er dh AnUgiatg tmi RiiirieHmg «o» hrem^ 
keUanttoHm mit murfßMhktr DanMtwtf dof hfenhtüamtiaH mig^ 
- »wir. Mtl IS iitingraptifUm JMIn, ^iviii' «M Mtetr, 

1884.^ 448 Ä\ gr, 8. 

f) FcrikälliiitM <fer /rrc» In Bil^rM» timf IVmAU^ mit rBiimiriiy 
iAret liooiet. Au$»uf^ am wum BerUhU an «fe» AftnMler ImMr«« 
iieftfl einem o»/ Beianüunf^ und SepMiraUün der frrtn ie9ÜgUeken 
QtttttHntmtrfe, Aa$ dem fVonsdeCieAeii tfee H. Duepitiaust 
gMe» Cto»errt-Jiii|Melor rfer Gefdngnüie nnd der M^oMlMl^rMM- 
•netafltii» <terwt«t iUki mit Anmerkungen begleitet von Dr. Cane$m$^ 
Bageael^g, gednuAt hei feiedriek PntteU 18». 43 & 8. 

S) Bmtr^' Ldwenk^ffn, aaneidiraiiem emrde fraiUmmti d9ß aWade. JRri»- 
miire Partie. — ilneh nnler dem Titel : Biekerehee fhioreHforn ff 
pratique» ear Vetahlieetmeni dee ali^nes. Avee une Planche et un plan 
Uthographiiet. St. Peten^eurg, 1888. imprimerie de Vaead4wUe dee 
eeieneee 144 |». 8. 

4) AMrIeft BiriT, tffter Kinriehtung and ZwetA der KrmdtenMueer für 
Omeieeltranite vnd die driilieke Bekandlnng gMviqit»' wh Her 
eegn mu^e. Berlin 1886, M Ang. ttireekwaid. 180 S. M. & 

Ref. halt es dem Zweck dieser Jahrbucher für angemessen, 
die durch den Gegenstand Terwandlen Schriften in einer die 
Ueberticht erleichternden Zu<ammenfllellnng ^nznteigen vnd z« 
benrtheilen. DaOi mebrere Seftriften über diesen Gegenstand in 
liurzer Zeit ond in Terschiedenen Lifndern erschienen sind , zeugt 
com Mindesten davon , daf^ man die Errichtung eigener Anstalten 
-für Seelengeslörte als ein unabweisbares Bedilrfnifs klar und all- 
gemein fühlt und es etwa nur noch von denen für ein übertrie- 
benes philanthropisches Begehren gehalten wird , welche weder 
das Leiden dieser UnglüokUeben , nocb die Mittel kennen« .darcb 
die es gehoben oder doch gemindert werden liann» 

1. Ja c ob i 's Schrill zerfallt, wie schon der Titel anzeigt 
und die Vorrede ausfuhrlicher erörtert, in a Hauplabschnilte : 
den ersten, mehr allgemeinen, worin die bei der Gründung der 
Siegburger Anstalt obwaltenden Ideen entwickelt werden, und in 
den zweiten, weicher die detaillirte Bescbreibniig 4^' Siegburgcr. 
Anstalt enthält» Dafs Alles über die Xlnricbtnng von Irreoan» 
«tniten im Allgemeinen Gesagte nur in . der Absicht hinzugefügt 
worden sey, um die bei der Einrichtung der Siegburgcr Anstalt 
befolgten Grundsötze in ein helleres Licht zu setzen und alles 
Andere nur als gclegcr>lliche Zuj^abe betrachtet werden dürfe, ist 
eine Erklärung, die, wie es scheint, den Titel berichtigen soll| 
aber, bei. dem Reicbthum allgemeinen Tbeiles an gehaltvollen 



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Ton Jacobi, Dacpi<iiHux, Lövoiihajn und Bird. 9ß 

Zugaben, ganz überflüssig ist. — Sehr überzeugend für All«, 
welche auf Gründe huren, weiset der Verf. im i. Abschn. i. Uap. 
die Schwierigheit der Irrenbehandlung in Privatbäusern und den 
Vorzag difentlicher Anstalten nach. Einer der gewöhnlichsten 
Irrthümer und Einwürfe , dals das Zusammenseyn mit andern 
Irren schädliche Folgen haben müsse, wird bündig widerlegt. 
Schon früher hat besonders Esquirol den Werth der Isolirung 
hervorgehoben und in lebendiger Darstellung all die Scenen ge- 
schildert, zu denen ein Irrer, der mit dem tief veränderten Ge- 
roüthe in gewohnter Umgebung bleibt, Veranlassung giebt und 
alle die Vortheile, die eine Irrenanstalt in so reichem Mafse dar- 
bietet. Ref. ,^ der an einer Irrenanstalt wirkt, die in ihrem Innero 
heine Untcrabtheilungen zulafst und eben deswegen von ihm alt 
unzweclHnäHiig erklärt wird, hat durch viele Fälle die Ueberzeu- 
gung gewonnen, dafs selbst in dieser Anstalt eine grofse Anzahl 
Seeleogestürter ei folgreicher behandelt wird, als wenn ein Privat* 
baus mit dem gröfsten Aufwand für jeden Einzelnen hergerichtet 
worden wäre. Ref. hat scbop früher einmal den Wunsch ausge- 
•prochen, dafs in Blältern, die dem giüfsern Publikum zugäng- 
lich sind, gegen derartige Vorurtheile, durch die schon so man- 
cher Irre unheilbar geworden ist, angekämpft werden möchte , 
und hat auch hier etwas länger bei diesem Gegenstand verweilt, 
weil selbst so manche Aerzte in grofscm Irrthum befangen sind. 
Ref. , der noch kürzlich wegen eines Geisteskranken mit zwei 
auswärtigen Aerzten beratben ward und eine Heilanstalt vorschlug, 
hat von dem einen boren müssen, »dazu könne man den Kranken 
doch nicht verdammen,* und vom andern: »auch die Heilanstalt 
aey eben ein Narrenhaus.* Wie mag man sich noch bei Laien 
liber eine falsche Ansicht wundern ? Ein Recensent in Schmidts 
Jahrbüchern nimmt die Privatanstalten in Schutz, als ob Jacobi 
ihnen gänzlich den Stab gebrochen hätte. Das hat dieser aber 
nicht gethan, sondern nur behaiiptel , dafs Privatanstaltcn vor 
oßentUchen keinen Vorzug besäfsen , dafs Vliese, der Staatsauf- 
sicht mehr unterworfenen Anstalten auf ein höheres Zutrauen An- 
spruch machen dürfen , und darin hat Jacobi Recht. Im 2. Ka- 
pitel führt Jacobi fünf bei der Einrichtung einer Irrenheilanstalt 
rorzugsweise zu berücksichtigende Punkte auf. Sie sind Sicher« 
Stellung des Kranken und seiner Umgebung , die Mittel zur Nö- 
thigung der Kranben , zur Classificirung und die zur I3ehai»dlung 
erforderlichen Mittel und Apparate. Gewifs wird Jacobi hierin 
keinen Widerspruch erfahren, wie denn Ref. der Meinung i^ti 

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H MiriilM Ulm ätOuif wmi Wi mM^wH t ynm I w i i— l i d H ii, 



4tk die fnmhtoieii<m Antichteii der C^^hiaUr^ wenn diese uhet- 
M^beÜi« blofte Tlitorttilier eM, den gHolieii Einflafii Mif die 
MMi« Geetaltang tfoer ImnMIflll mM mmvk^n «widdo^ «le 

Jacobi glaubt. Er ^bit ist bierflr ei« s ptc e lie i i dc r Bi^welf , 
indem et obwohl auf dem somatischen Standpunkt ttebend , den 
Werth der psychischen Einilusse heinesWep;s veikennt. Ehdt 
mochten sich gegen die logische Anordnung jener 5 Punkte einige 
^|§denk<|fi geltjsnd machen URNen. Zo deA-iVteHlarttgefi, aas der 
WilMip^ ßlemealmi, imIimI 4er Vev£.Mlfti> 

Üoh tack die MMkmn^ diMo Mürlinto et Mfif^. Aie te* 
«mte Frist fdmmt eine« swetfibrigeii AiefeieMfe'ifli der ]Mi> 
anstalt an , obwohl er die Unheil barUeit , auch nach einer 20 jäh- 
rigen Dauer der Krankheit , wenn nur keines der von ihm 
engegebeneii Merknale forbanden ist , nicht für ausgemacht bäitt| 
ewtth nicht gerade entgegen ist, dnfs solcÜe Individuen, wenn ste 
. #er beiee fitOnmgeo macbea and Beoni forbenden dttf in. der 
gelfaintliH eor&ebbleiben. Eme weilere Andeotong • Iber die 
Vremiiing oder Verbindong von Hcsi- und VenorgungsanstsHeii 
giebt Jaeobi in der Note S. 3io ff. , wo er sagt, dafs die Ani^ 
bewahrungsanstalt in der NÄhe der Heilanstalt gelegen, von ihr 
völlig getrennt, unter ganz, gesonderter Verwaltung, aber unter 
der Oberaufsicht des Directors der Heilanstalt stehen solK Es 
würe KU wuRsolien gewesen, dafe der Verf. wber edne» bei der 
Orgenisation neeer Anstalten sor wiehtigen Gegenstend- «leb b». 
etimmter ausgesprocben batftew BeR büt die völlige IVennung 
b e i d e r Anstalten an swei verscbiedenen Orten für verwerflicb. 
Die nöthige Sonderung wird am besten in verschiedenen Gebäu- 
den derselben Lokalitat erreicht werden. Einleuchtend ist, was 
Jacobi über die Schädlichkeit su kleiner und tu grefser Anstalten 
esgt Die gröfste Aifsdcbnong setnt ei^ nuf doo, woio HcC be» 
leeHit, diCs bei einer vereinigten Inreebefl« nnd Versorgeaft» 
•netalt simr die Öesammtzabl, aber nur niclrt die der iieilbnria 
. grOfter seyw dSrfe. Der Ansteht des VerCassera*, daRi beide Ge- 
schlechter in zwei ganz vcrschiedeneA Anstalten getrennt werden 
sollen, kann lief, aus mehreren Gründen, namentlich wegen der 
hieraus hervorgehenden Einseitigkeit im Studium dieses Facbea 
mabt beistimmen, hält jedoch diese Trennaag £fkf weit weniger 
verwerilieb f als die der Heil- und ünbaübaren« — dw Kap^ DaCs 
die Irrenanstalt am l»eilen eben (neb nm Gebirge) iind et#aa ise» 
Nrt, Ys Scnnde ¥eii ebiem bed^tenteti Orte Mfeml liege, die 
Lage aUztmah bei oder gar miltcii in einer ötadt vcrweriüoh sey^ 



I 



i I- von Javobi, I>iir|>cliaiiz , Lnwcnhayn iifid Rinl. ^ 

ilt Aach Ref., und das Letzte aus ieigener, scYmicr/Jicbcr Erfah- 
rang innig überzeugt. Für den Bau verlangt Jacobi Scheidung 
der männlicben Ton den weiblichen Hranlien ; der ttorenden von 
den übrigen , ohne dafs jene jedoch dmi Aoge der Verwaltung 
lentsogen würden ; Sicherstellung der Hranhen ; eine den Dienst 
erleichternde Anlage asd ein heiteres Aussehen. Die Frage über 
die Zahl der < Stockwerke beantwortet der Verf. in einer Note, 
kurzer als es die Sache verdient, obwohl gewifs richtig dahin, 
dafs die Gebäude für die schlimmem lirankea einstöckig, iür dvt 
andern zweistockig seyn sollen. Jacobi geht hierauf die iuv Ir- 
renaiistalten thdls vorgeschlagenen, theiU ausgeführten Fornwn 
^rch , nämlich ctie der Quadrate, die H-^ die Linien- und die 
Sternform, sodann diejenige, wonach einzelne Pavillon in einem 
Park vertheilt stehen aollen. Unter diesen Rubriken giebt der 
Verf. iiitcres^iante Notizen über mehrere deutsche, französische 
4iad englische Anstalten, die zum Tkcil durch Zeichnungen vei^ 
«innlicht und schon darum eines Auszugs nicht wohl fähig sind. 
Def. sieht mit üedaucrn sein eigenes Planchen von Jacobi denj^ 
üigcn beigezählt, die bei künftigen Anlagen keine Beachtung^ ver- 

i disrnen, und bedauert dieses um so mehr, j« wichtiger ihm ein 
. «olches Urtheii gerade jetzt gewesen wäre, wo er, wie Jacobi 
i»ekannt ist, bei der Errichtung einer neuen Irrenanstalt thätig 
initvirben soll. Ref. hält aber seinen Plan der von ihm erbetenen 
Reartheilung durch Sachverständige , trotz dieses wegwerfenden 
Uebergehen^,, noch ünnver für würdig ; für unwürdig aber würde 
er et halten, wollte er sich dadurch zu einem ähnlichen Verfahren 
%eQen Jacobi verleiten lassen. — Im /|. Hap. detaillirC der Verf. 
dt« Gruadsätze für die Bauanbgc unter lo Punkten, wobei er, • 
da MboB S. i6 und 3o. solche allgemeine Sätze aufgestellt sind, 
Manches wiederholt, aber durchaus nur praktische Vorschläge 
iBittheilt. Gründlich ist die Nothwcndigkeit von 5 Abtheilungen 
für jedes der beiden Geschlechter erörtert, nämlich: i) (ür zer- 
Mörungs* und tobsüchtige; 2) für die schreisüchtigen ; 3) für 
die vorübergehend blödsinnigen und anreinlichen ; 4) für störende 
Kranke , die zwar nicht in eine der 3 craten Abtbeilungcn gcb5^ 
reu , aber doch ausgeschieden werden müssen ; 5) für die ruhigen 

\ mid verständigen Kranken, die nach dem frühern Stand in Untei** 
abcheilungea zerfciUen. Auf das Bestimmteste erklärt sich der 
' Verf. gegen eine besondere, von der übrigen Anetolt streng ge^ 
schiedeneReconvalcscenten-AbtheiUin^, erklärt die hier zu Grunde 
liegendjca VoratcUvngen »iur ein bbfsea Hinigespinnst psychiatri- 



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00 Scbrirten über Anlage and Einrichtung Ton Irrenanstalten, 

scher Theoretiker « und hat damit gegen einige sächsische Recen- 
senten hart angestofsen , welche im Becon?alescerUenhaus des 
Sonnensteins die Zierde der dortigen Anstatt erblicken. Ref., der 
sich selbst früher zu der von Jacobi so mafslos herabgewürdigten 
Ansicht bekannt hat, hat dieselbe langst geändert und stimmt 
dem Verf. in der Hauptsache bei, dafs nämlich da, wo eine Ab^ 
theilung für rohige und anständige Hranke besteht, ein besonderes 
Beconvalescentenhaus überflüssig sey, glaubt aber, dafs für ein- 
Eelne Kranke und Genesende ein Aufenthalt zwischen der Anstalt 
und der Aufsen weit wünschenswerth wäre , obwohl ihre Zahl zor 
Errichtung einer eigenen Abiheilung zu gering seyn müchte. In 
keinem Fall kann Ref. jene Ausdrucksweise billigen, noch möchte 
er in Abrede stellen, dafs das Reconvalescentenhaus des Sonnen- 
steins bei den dortigen Verhältnissen nicht manchen Nutzen stifte. 
Der Verf. rechnet für jede der 3 untern Abtheilongcn 12; für 
die vierte Abiheilung 54 und für die fünfte 110 Kranke. Die 
Zahl der männlichen und weiblichen Kranken ist hierbei gleich 
angenommen, obwohl nach Jacobi's eigener und des Ref. überein- 
stimmender Erfahrung die Zahl jener zu dieser sich wie 3 zu 9 
verhalten dürfte. — Im 5. Kap. wird die Einrichtung der 3 un- 
tern Abtheilungen oder gewohnlich s. g. Logen mit* einer Ge- 
nauigkeit, wie noch nirgends geschehen ist, beschrieben. In die ^ 
Einzelnheiten einzugehen, ist nicht wohl mSglich ; gewifs aber 
werden Alle, die sich mit diesem Gegenstande beschäftigen, hier 
Belehrung finden. Nur kurz bemerkt Ref., dafs er die beinahe 
9 Fufs hoch aufgemauerten Fensterbrüstungen noch immer für 
verwerflich hält, weil sie dem Zimmer ein unfreundliches Aus- 
sehen geben und Licht und Luit mehr abhalten , als man , we- 
nigstens zu Zeiten und namentlich zur Bewahrung der Salubrität 
bedarf, dafs der nothige Schutz ohne Gitter, selbst ohne Drath- 
geflechte bewirkt werden könne durch eine an den hölzernen 
Läden anzubringende Vorrichtung, wodurch Licht und Luft grad- 
weise zugelassen oder bis zur völligen Verdunklung ohne um- 
ständliche Einsetzung von Läden abgebalten werden kann. Die 
Breite des Corridors von 3o Fufs hält Ref. für zu grofs, woge- 
gen er ein eigenes Speisezimmer vermifst. Wenn Jacobi es ge- 
radezu widersinnig heifst, in einer neuen Irrenanstalt Pallisaden- 
Zimmer einzurichten, so beklagt es Ref., der genau angegeben 
hat, was er von ^'enen Zimmern beibehalten haben möchte, noch 
immer so widersinnig zu seyn, dafs er die durch Pallisaden ver- 
wahrten ganzen Fenster den Jacobi'schen , die oben an der Decke 

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ItgÜniila sindf ^OMieKM wOrd«! wmia «r foswMim Mm 
Wuer« Metliode Imiiimii gelernt hitle. JhSk die Winde, weleiNi 

Ubergypst sind oder abgewesc^lien werden kennen, unfehlbar stin* 
ben, mag bei den hoch äii(;ebra( hten Jl^'enstern möglich seyn. 
Sonst ist es so wenig wahr, als dafs das Holz, mit dem die 
Maaera fest überlileidel find, einen Besonanzhasten bilden loU« 
Ueberhaupt ist nicbt eintusefaen , werem der Verf. alle dieae 
«Me aiebl ascb gegen die bdlscrnen FüfiMiödea rielitelt eder 
gegen dü MMeerne ZiaMoergereibe «der gegen die Yh8r#f tm 
der dea Klopfen ganz eedera tflnt Gegen die YoHrefiMiMl 
der Uei>erkleidong mit Trafs laTst sich nichts anfuhren , als dafk * 
er in manchen Gegenden zu theuei- liommt. — Im 6. Hap. wird 
die vierte Abtheilnng beschriebent und aucb hier für die Fenster 
eine Brastang fon 6 Faü nnd manche mehr oder minder coum • 
pHeirte Vorrlehlwig Terliogt Mit Beobt UdeU et Jeeobi, den 
ÜBiaiem eiMO den Cberebter der KrenUiett «nMpreebenden Aa» 
ilHcli gebe« sn wollen. Die dagegen a 86 1. angelBbrten GiOade 
möchten melw oder minder auch auf die Ueberscbriflen und 
biblischen Spruche in der Siegburger Anstalt passen. Bef. zieht 
bSIzerne Bettstellen den eisernen vor. — Das 7. Kap. enthält die 
Beifihreihnng de^: fünften Abtheilung ond manche auf die Woh- 
nung der Irren bezügliche Bemerkungen, eoe denen allen des 
* yevib. niolio Krfebimng berneigebt Uafr er «leJi die Udle Der 
die rabigwi luren ( bei denen für die geweltIhStigeo meg ««^ 
gehen) an! eUen 4 SeiMm-nfft GebXodea noMebiotaeo beben willy 
balt Bef., trotz Allem, was dafür gesagt ist, für den gr6fsten 
Mangel jenes Planes. — Im 8. und 9. Kap. ist das Verwaltungs- 
gebäude, das Waschhaus, die Badeanstalt, die Vorrichtungen iilr 
Heizung und Beleuchtung, für Beinlichkeit, ;uimal auch lür Ab- 
tritte, mit einer Punt^tiieblieit be^ebriebeo , welche oiobia z» 
wüiitcbeii üiirig lüfiit. Die DireetorawQbnang sobeiol etwas zm 
•fllfcfiil von der Analell. im iOensen aber aiod in dem Jueob*- 
mibitn Pbme viele Fordermigen euf eine ainnige Weite befriedigt. 
Dei>er Bettwerk, Bekleidung und Efsgeschirr giebt das lote Bap. 
reichliche Ausltuoft. Eine gewisse Art Happen wurde, als auf- 
fallend , abgeschafft gegen Bef. aber behauptet, dais es von 
beiner Bedeutung wäre, wenn die eigeuthümlicb geformten Sieg» 
barger Bestecke auffielen. Bef. ziblt sie aber noeb immer m 
dmi eafiblleoden imd dermn 9u vermeUeaden GegenstSodeiii die: 
Abm^diii m de» Hloden der Tbbaucbtigen gefibilieb asndf* wib- 
fflri.den r.ubigea Irren Aei gehöriger Vouicbt ae^t gut g^w(ibiii- 

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* 

H€li€*6f9«leelie gegeben weHen Mnnen. Was dei*yerf. iaat i i.HaplNl 
fbei* ilen Werth der Fetd- and Gartenarbeit sagt, Terdtent rcMe 

Belle I /i^UDt; , eine IJc! ichtigung jedoch die abermals so rerlejc- 
zenile lJcliaii|»lung , ^ctf^fs haum etwas widersinniger seyn lionne, 
als den Schuster, Schneider oder den Gelehrten, Hiinsfler u. s. w. i 
statt sie den üeschnfttgungen Ktl entreifsen, deren Betrieb «IM» 
|f|^|tött% den Grund sfiti' fibrer HranKbeit legte-, ton NeM» tat 
Mutlhea zn feasetn«« Da Jacobi nicbt {iberhanpl gegen jei« 
MbelPt^%Ad gelitfUgeBeacbiftigung, wie «. B. Hern, eifert, %mt^ 
dem f5r Landbewohner die frühere Arbeit im Feld auch in der 
Anstalt empfielilt , so liann ji ner Ausspruch nur dem mit deir 
. genannten Beschahigungen veihundenen Sit/^ea gellen. Warum- 
cmpliehlt er aber oder lafsl doch andere Arbeiten zu, die ebeii^ 
lall« nur iiIMd * verriebteC werde» kdmen? Einen Krankel», 
welcber dorch seinen Mbern Stand krank gewor^n 'Ux , toftu' 
wSbrend tu deafiselben anbalten im wofleh, nüre allerdings wMer* 
iinnig. Wenn aber dieses der Fall nielt isf , wenn ei fletleiel^ 
foritagsweise darauf anl^oinnit, die zerstreute AurnierltsaniUeit des 
Rranhen zu fesseln, wenn dieser vielmehr durch das Aolgeben 
ieiner Profession als durch die Beschäftigung mit ihr krank ge» 
worden iai, sollte er dann nieht mit Erfolg zu ^lüelben anti»^ 
Mten 9eyn^ Eine atirkere, kArperlfebt Bewegttng 'darf daM 
fMlieb niohl Yeraiunit werden. Ref. sali Sehneider and Sohinter^ 
die steb mit ihrem ffandweili be§chüft igten , genesen* und'isf Ubern/ 
seugt, dafs eben diese Beschäftigung zu ihrer Genesung beitrug. 
Der mit Bewegung im Freien verbundenen Arbeit gebührt frei- 
lich in den meisten Fallen der Preis, aber dt»ch nicht in allen 
und selbst in jenen hann tie nicht den ganzen Tag und nament* 
Heb mcbt bei ungOnsliger, so beiAer oder- m bnlter Jafteimeitf 
in Anwendong gebraebt werden.' Will Jaco%i' atidi für 
Zwiacfaehttonden oder fSr die bereits gebefsevte» Kranken' ftae^ 
BeeehSDigung widersinnig heifsen ? Sollte der atlmählige Ueber** 
ging ISO der frühem licbensweise nicht zwechninfsiger seyn , als 
wenn z. Ii, ein vom Wahnsinn genesenen Schuster, der in der 
Anstalt nur Fddarbeit trieb , mit 'EUnemihale wieder von ^früh* 
bis spät Schöbe maekt ? Jacobi mag seine Ansieht gellend me** 
dien, sollte aber in Dingen der Erfobrung, wo man sicll so' 
Iciehl irren kann, Andere nicbt so sehneU widersimftg' hcifttfn« 
Dm I«« Map. bendelr Ten den ffrttliehen- nnd Zwangeni^lehi. Bfne 
kleine Haus- oder i>h>thapotheke in der Anstalt ist, wenn auch 
eine foUstaudige Officio nah ist, notb wendig. — im i3. Kap«* 



sprioht JaOoIh mit vollem Hechte gegen die VerfKichtung der Ko#l* 
Ueftrung, deren Nacbtheile Hcf. aus eigener Erfahrnng heaiieii 
gelernt hat. — Das 14. fCap. Iiandelt von dem Warterdieaste md 
TOr^uglich Ton der Stetking and Wirksimkek des üntes. Die 
Siegburger Anstalt -war, wie der Verf. rtohtig beaierkt, die erste«, 
in welcher der Arzt zum wirUliclien Dircctor eingesetzt wnrde. 
Ref. hat es hvi liciner Gelcj^enlicil versäumt, jene Stellung des 
Arztes als einen Grund des Vortrellüchheit der Siegburger Anstalt 
gieJieod zu machen, und wenn er für sich selbst der HuHottog 
•BMr abalkhsMi Stellung niber gekommeii ist 1 so ferdadit er et 
grefteotlieU» dem hell berrerleuchtendim Heiepiele Stegbtlif^ 
Mh Yergnugen stimmt auch Bcf. dem Lobe bei, welches JacoM 
den Leistungen der nassauischen und Frankfurter Irrenanstaft und 
den hauptsächlich an ihr thä'tigen üeanitcn ei theilt, betuet ht aber 
zur Beseitigung etwaiger MifsverstHndnisse, dafs der herzoglich 
dassanische Hoirath und Director Lindjpaintner, der als Jurist eine 
wiseenschalUiche Laufbahn begonnen ond sich auch iCr selnea 
jet»i^n Beruf als Vorstand einer Irren« und Strafanstalt reiche. 
Uieoretiscbe und praktische Henntnlsse gesammelt bat, auf cspor 
gan« andern Slafe der Bildang stebt, alt Verwalter Aiileai sq.. 
Frankfurt , womit ffbrigens den Verdiensten dieses in seinem Beruf 
rastlos thäti^en und menscheoi'reundh'chen Mannes nicht da^ Ge« 
riogste derogirt \% erden soll. ' 

Der zweite Abschnitt ist der Beschreihnag der Siegburger; 
jknatalt, und ilurer Gmdung «nd Lage taebeeoadre das 1. Ifap^ 

> g e widm et« Ana der kur2en EriUiblong gebt wenigstens Indirekt' 
hervor, dfafs Jaeobi Ober die Wahl der Lokalität nicbt gebort oder* 
sein Gutaohten nicht befolgt ' wurde , da Siegburg sonst natilrlicb' 
nicht gewählt worden wäre. Anders verfuhr die badische Begieß 
rung, welche hei der Wahl einer Lokalität das Urtheil des Arztes 
gebShrend würdigte. Zu den Mängeln der sonst sehr reizend 
gelegenen Siegburger Anstalt rechnet der Verf. ihre Uuhe und 
mehrere daraus folgende üebelatäade. ; der Mrtigel an Wasser« das. 
O^eoliegeo der (^b/^a «. s. w,t eodaim die Beaulsang alter Oe» 
binde. Uieser Steile wahrtebeinUeii gilt die Bemerkung eiaea 
Beeeneenleu' des Torliegeoden Werkes , weither sehr naiv alte 

: Gebäude deshalb in Schutz nimmt, weil sich bei niauchem Neubau 
ein Ucbölstand nach dem andern et gebe, der diingend Abstellung 
verlange. Wahrscheinlich schreibt dietter Becepsent seiueBecen*. 

' sionen deshalb so schlecht, weil er lürchsetf auch in den gutge* 
scbriebenea mochten si^h noch Fehler aofl^nden lassen, la deo 



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I 



64 Schriften üb. AnInge ii. Kinrirhtung von IrrenRnttalten a. t. w. 

folgenden Kapiteln wird die Siegburger Anstalt unter Beziehung 

auf die angehefteten Plane und Risse beschrieben ; es werden In«, 
ventare, Liefcrungs- Conlrakte, Speisezettel, die Aufiiahmsstatuten, 
ein nufsersl detaillirter Fragebogen, Dienstinsli uctionen für sünimt- 
liche Beamte, die Hausordnung, die auf das Rassen- und Rech- 
nungswesen bezuglichen Notizen, mit einer ganz detaillirten Jab« 
resrechnung und zuletzt eine tabellarische Uebersicht über Aui^ 
nahmen und Entlassungen der Siegburger Anstalt vom i. Januar 
18^5 bis 3i. Hecember i833, Alles mit einer Ausführlichkeit und 
Vollständigkeit mitgetheilt, von der wir in diesem Fache hein 
ähnliches Beispiel aufzuweisen haben. Eines Auszugs sind derartige 
Millheitungen nicht fähig, und eine ins Einzelne gehende Beur. 
theilung würde zu weit führen. Nur im Allgemeinen erlaubt sich 
Ref. die Bemerkung, dafs in den vorliegenden Regulativen ein 
gewisses, freilich aus den edelsten Motiven hervorgegangenes Mifs« 
trauen und ein Bestreben ersichtlich ist, für alle denkbare Fälle 
Bestimmungen aufzunehmen, was man am Ende doch nie errei- 
chen und bald genug bemerken wird, dafs solche sorgfältig aus- 
gearbeitete Instructionen es nie weiter als zu einem papiernen 
Leben bringen. Verordnungen aber, die nicht streng vollzogen 
werden, sind uoniit/, ja schädlich, weil durch sie das Ansehen 
der Vei Ordnungen überhaupt geschwächt wird. VVie die Ange- 
stellten, so sind auch die Rranken mit zu grofser Aengstlichkeit 
bebandelt. Eine Einschränkung f ührt immer w ieder andere herbei. 
Vertrauen ehrt den vernünfUgen wie den verirrten Menschen,, 
erzeugt wieder Vertrauen und beschwichtigt eine Menge schlim- 
mer Dämonen , die im Mifstraucn leben und weben. Statt aller 
ein Beispiel. Nie soll ein Zögling der Siegbiirger Anstalt Geld' 
in die Hand bekommen, also auch der nicht, weicher nach kuizer 
Zeit, wie zuvor, wieder über Tausende zu verfügen haben wird, 
und zwar haujitsächlich deswegen nicht, weil reichere Kranke 
den Wärter bestechen konnten!! Jacobi will, dafs diese Entzie- 
hung durch Beweise eines grüfseren Vertrauens ersetzt werde 
und gestattet keinem Kranken , auch dem genesenden nicht, ohne 
Wnrterbegleitung einen Ausgang über die Grenzen der Anstalt. 
Wie Tiel man mit grofserem Vertrauen ausrichten kann, das eben 
scheint Jacobi nicht zu kennen. Ref., der seit neun Jahren 
mit einem wenig zahlreichen Wärter- Personale und unter man- 
chen ungünstigen Verhältnissen über 200 Seclcngestüi te zu be- 
sorgen hat, sab sich öfter genolhigt, den Kranken mehr Freiheit 
zu gestatten, als ihm räthlich schien, hat aber dabei erfahren, 
dafs man den Kranken mehr veitrauen darf, viel mehr, als man 
gewohnlich glaubt, und dafs bei dem Allem Ruhe, Ordnung und. 
Gehorsam mehr gepflegt wird, als bei so vielen ängsitlichen Vor- 
kehrungen, die oft weniger einen Excefs zu verhüten ,* ^Is viel- 
mehr den Kranken zu einer raffinirtcn Ueberschreitung heraus- 
zufordern scheinen. 

(Der Beichtufs folgt.) 



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N«. 5. HEIDELBERGER 1836. ' 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



Schriften über Anlage und Einrichtung der Irrenanstalten von 
Jacobi, Ducpetiaujc y Lötrenha yn und liird, 

(BcichlufB.) 

Ein bereits erwähnter Bccensent in Schmidt's Jahrbüchern 
wirft dem Verf. vor, dafs er fremdes Verdienst nicht immer mit 
unbefangener Würdigung anerkenne. Ref., der in einen solchen, 
für den ernslen Verfasser allzu empfindlichen Vorwurf nicht ein- 
stimmen mag, vermuthet dessen Entstehung daraus, dafs in dem 
▼erliegenden Werke manche Schriftsteller bei unbedeutenden 
Veranlassungen genannt, bei wichtigen aber ubergangen worden 
sind. — Vielleicht konnte die Darstellung im Ganzen gedrängter 
aeyn. Solche Wunsche müssen aber füglich unterdrückt werden, 
da der Verf. mit so vielen Arbeiten uberladen ist und er fleifsi« 
ger als jeder andre Anstaltsarzt die lehrreichen Ergebnisse seiner 
Forschungen und Erfahrungen dem Publikum vorlegt. Nur dos 
beklagt Ref., dafs das Buch, weil etwas theuer, nicht in so viele 
Hände kommen wird, als seiner Vortrefflicheit und der guten 
Sache wegen zu wünschen ist, und dafs die Erhöhung des Preises 
durch mehrere lithographirte Tafeln bedingt ist, die, wie die 
biofsen Ansichten, wenig frommen, oder unrichtig und seltsam 
sind, wie der perspectivische Giundrifs der Anstalt zu Rouen. 
Uebrigens kann das Buch nirgends, wo eine bessere oder neue 
Einrichtung der Irrenanstalten bezweckt werden soll, entbehrt 
werden. Druck und Papier sind gut. 

Das Schriftchen No. 2. ist der Auszug aus einem Berichte 
des ehrenwerthen Ducpetiaux. Wir erfahren aus dieser officiel- 
len Darstellung, wie traurig die Verhältnisse der Irren in Belgien 
Tor 3 Jahren gewesen sind und wahrscheinlich noch sind. Wie 
der Verf. , so läfst auch der Uebersetzer in mehreren Anmer« 
hungen es sich angelegen seyn , jenen kläglichen Zustand und die 
empörenden Mifsbräuche, die dieser zum Theil aus eigener Er- 
fahrung kennt, an's Tageslicht zu ziehen und in eindringender 
Rede auf Verbesserung zu dringen. Für das Ausland bat das 
Schriftchen nur historischen Werth , liefert aber in dieser Bezie« 
bong einen bedeutungsroUen Beitrag zur Cultorgeschichte eines 
XXIX. Jahrg. 1. Heft. 5 ' 



oiyi.i^Lu Ly Google 



QS ^hriftcn über äßtBgj» nuA filpiricbiBOg von IrrenaattaUev, , ' 

8« g« ctTtlisirten Landes. Den groFsen Werth geistlicher Ordea. 
bei der Behandlung der Irren hat der Uebcrsetzer in einer Note 
fttt bervorgebobeA. Wer, wie nodi kursKeb ein Recentient bi 
Scbmidt^s Jabrbfichern , gegen das ganze Institut der Spitalnonnee, 
weil Ueberscbreftangen ihrer Befugnisse Torbomnien, warnt oder 
diese Frauen durch den höchst ungeeigneten Ansdruch : »alte 
Jungfern* Inchcrlich machen mochte, scheint weder ihre Lei- 
stungen zu bonnen, noch die Noth der Ansialtsärzte, gute War* 
terinnen zo erhalten. Die Vorschhäge zur Verbesserung des Looses 
der Irren enthalten, wie swecboiäfsig sie auch sind., nicb^ def 
Mittheiittng Wertbes, woM ' aber die erfreolicbe Erscheinung « 
dafs ein bSherer Beamter diesem speciellen Fache die verdiente 
Aufraerhsambeit widmet Am Schlafs theilt der Verf. einen aaf 
Behandlung und Sequestration der Irren bezuglichen Gesetzes- 
entwurf mit und berührt damit eine Materie, die noch in den 
meisten Ländern einer sorgfältigen Bearbeitung bedarf. Bef. 
wünscht, dafs die Recbtsgelehrten, welche sich hiermit befassetii 
alle die sarten BScksicbten nehmen mScbteo , welche man diesen 
nngliicblicben Branben schuldig ist. Nie sollte die Entmundigimf 
der Irren in derselben Form, wie bei luderltcben Personen aus^ 
gesprochen werden. Die von Ducpetiaux vorgeschlagenen provi- 
sorischen Asyle zur Aufnahme der Irren vor V^erbringung in die 
Irrenanstalt mögen in manchen fälien, nur nicht in allen |- recht 
passend seyn, und wurden in iihnUcher Weise von dem verdienat« 
vollen Hayner vor. bald ao Jahre.n verlangt. 

No. 3. LSwenbayn* Bef. bilt die Zeit, die er mit Oorcli* 
letnng dieser Schrift ztgebracbt bat, Cur verloren wird auch 
nar Weniges cor Begründung dieses Ürlbeils sagen. Der TerU 
ist nfieirt mehr werth als ein Nachdrucker, oder vielmehr noch 
weniger. Dieser giebt doch das Gestohlene treu vvieder, jener 
hat es verstümmelt und eine Masse von Widersprüchen gehäul^. 
Wo er sich ein eigenes Urtbeil erlaubt, ist er nicht minder un^ 
glüchlicb. .So behauptet er, dafs (n allen englischen Anstalten, 
die er gesebeu, und er nennt deren sieben sehr bedeutende « bei 
den beiden Geschlechtern heioe andern Abtbeilon§en vorkUmeOf ' 
elf Verbrecher, Beicbe, minder Belebe und Arme. Dafs Ver* 
brecber in Irrenanstalten aufgenommen würden , nennt der VcrF. 
uns ccnlradiclion rtdicuU, Das Lächerliche dabei ist aber nur 
das, dafs der Verf. nicht weifs, wer diese crimincU sind. (Bc« 
banntUcb beben die £ogiänder in ihren Anstalten eine eigene Ab- 



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Toa Jacobi, Oacpdiiaax, Ldwcnliajrn uod Oird. 



61 



theiitiiig für geisteskranUe Verbrecher, die entweder schon als 
ansorechnungsfabig erklärt oder noch in Untersucbuag &ind). Sfi^ 
dann fiigt Hr. LSwenbayn hinzu: «Aussi faut ii avoaer qu«, 
6ans tonte la Grande Bretagne, je n'ai pat trouv^ an seol b6pi> 
tat 9 organise pour te retabKwement des aliön&; c*ctaient tonjoort 
des maisons de detention , des hosptces. J*en dis autaiit des nom« 
breux ctabli'ssemens prives qui s'y tiouvent. II est tri^le de vovr 
combien celte pailie de la incdecine est neglij^ec dans ce pays, 
DU on publie cha(|ue annec uae ibuie de traitcs sur cet objet. 
Ilait let spdcoiations lucratives ne sont pas piDpres ä faire naltre 
les sentimens d^one commisöration gönerevse.« Wahrscheinlich 
das Erstemal I daTs die Engländer in Dingen der Hnmanitit von 
einem Rassen gesehalmelstert werden ? Den Werth , welchen 
Hr. Lowenhayn durch Mittlieilun^^ des bis jetzt noch nicht bc« 
Icannt gewordenen Esquirol 6chen Planes seiner Schrift halte ver- 
leiben können, hat er muthwiltig dadurch zerstört, dals er Mo* 
dificationen angebracht, aber nicht gesagt hat, worin sie bcst^ 
ben« Errathen lassen' sich freilich eidige. So hat Hr. LGwenhaya 
mflten in den Graspifitsen der Esqnirorsclien Quadrate ein Hay« 
nin'sclies Filllsadenbaas angebracht, am störende Kranke darin 
aaftanehmen ond zwar aus folgendem Grande : »le malade dtant 
condannne ä Toir la societe saniuser" sans y pouFoir participer, 
se gardera dorcnavant de rcpetcr la f'aute pour laqiicllc if est 
Qussi sensiblement piiui.«^ Unmüglicb hann auch Es(]uirol die 
Kranken mit Neigung zum Selbstmord eine Treppe hoch locirt 
Jiabenf wie der Terf. thnt, während doch unter den S. 56. roh 
Eiqairol aa%esfSblten Nachtbeifen der Stockwerke auch der aa« 
gegel^en ist, d«(s man alsdann die Zimmer för jene Kranken ver- 
gitterd mfisse. Ar. Utwenhijn will den n«n von Esqairol comme 
temoignage de son amitie mit den Worten erhalten haben : >♦ [)re- 
nez, je les ai röfuscs a tout le monde, inais vous , vous savez 
obtenir ce que vous dc&irez.^ Sollte dies wahr seyn, so wäre 
der feinbKcbende Esqnirol sehr gefaoscht worden. Wabrschein- 
heb aber berahfe die Täascbang nur in dem Verf. und seiner 
«alMg^ensteo Eitelkeit. Möchte er ans mit dem Tersprocbenen 
kleb ond dteli Tbeile aeinet* constdiratiotu so lange terschonen, 
bis er etwas Besseres bieten kann , oder wenigstens russisch 
schreiben, damit seine Geisteswerke nicht bis zu uns voiili Ingen. 
Einen Aaszug aus dieser Schrilt zu geben, hält lief, für über- 

£flssiff, da sie selbit aus anfiern und hekaontea SchriAea ausge- 

i . • • • . ' 

i: ', 



•6 Schrirten über Anlage und Einrichtung von Irreaanitaltoat 

No. 4* Hr. Bird zieht in einer Sprache, die ironisch sejn 
soll« gegen die Aerzte za Feld, welche für eine Irrenanstalt noch 
andere Forder ongen aufstellen , als für ein gewShnliches Hospital. 
»Der Arzt) welcher die psychiscbeo Krankheiten als ein Ba* 
toltat Ton leiblichen Uebelstiinden ansieht , wie sie es sind, wird . 
ein Kranhenhaus für Geistes hranlie (sie!) weder brillant, ja nicht 
einmal neu erbauen wollen, sondern er wird mit einem Haus, 
Kioster, Schlosse — zufrieden scyn, welches die liebende Huld 
des Regenten zn dem edlen Zwecke biogiebta Und doch ist et 
beinern andern Arzte , als Hrn. Bird eingefallen, »ein brillantes 
AeuTsere« aach nur gut zu heifsen, beiner hat, wie Hr, Bird ia 
seinem blinden Eifer wahnt, den Palast dem Landesherren neh- 
men und den Hranhen einriomen wollen. Nachdem er in solcher 
Weise über die Forderungen Anderer sich lustig gemacht hat, 
rucUt er mit seinen eigenen heraus: die Anstalt mufs in der Nähe 
einer Landstadt, gesund und freundlich liegen ; die Geschlechter 
in ihr vollständig getrennt seyn, obwohl die Gärten geraeinschafU 
lieh oder abwechselnd benatzt .werden sollen« Für jedes Ge* 
sehiecht werden 4 Abtheilungen gefordert «Man mufs, soweit 
es immer nur möglich ist, die Kranben' nach der Form der Ver- 
rücktheit trennen.* — vDic Melancholiker lasse man möglichst 
an der Sonnenseite, nach Süden, Mohnen, — - — während die 
Wahnsinnigen nach Westen, im Sommer selbst nach Norden hin, 
wohnen solUeo»* — »Cm im Innern die zucbtbausartigen Mais- 
regeln zu sparen, namentlich die Fenstergitter, so mache mam 
dUe Glasfenster aus geschlagenem Eisen, die tn Farbe gesetzt, 
nichts Absonderliches zeigen. Gewölbte Ginge and Zimmer 
taugen nicht; — steinerne FnfsbSden sind absolut verwer^ 
lieb.« • — Es werden »recht viele« Abtritte und für die Weiber- 
Abtheilung so wie für den Küchen -Entrepreneur besondere Ein- 
gänge gefordert. Nach diesen Forderungen aber, wie mangelhaft sie 
sind, wird haum ein altes Gebäude, in heinem Fall mit der ge- 
priesenen Woblleilbeit sich einrichten lassen. Auch wäre jeder, 
der sich über die Einrichtung einer Iltenanstalt bei Hni».Bir4 
Baths erholen wollte, übel daran. Er wei& nur Exelamationep 
ond keinen einzigen praktischen Vorsehlag zn liefern , obwohl er 
in der Vorrede verspricht , seinen Gegenstand als ein Stüch aus 
der Wirklichkeit zu betrachten; er gefallt sich nur darin, die 
Forderungen Anderer lächerlich zu machen. Giebt es aber eine 
lächerlichere als die, dafs der erste imd zweite Arzt mindestens 
10 Jahre in praxi gestanden sejo and als Sebriftsteller fiaigf 



AchtaMg ^lefsen mSssen ! ? In aofern indessen , nli Mo diulii 
heinin Hihn« Bwd an eine Imnantlnit berufen wir^« 
Tevtelileg sein Gutes lieben« Aocb die AtsittenzSrzle tollen Hio^ 
iMT Ton getelEten Jebren sejn. »Der Arzt toll die Kranken ge- 
nesen.« Gehalte werden nie anders als »Gehälter« genannt. 
Hr. Bird spricht viel von der unendh'chen Barmherzigkeit , die 
Noth thue; aher nur, so lang er schreibt, sundigt er dagegen* 
Für Irren will er heitere und freundliche Wohnungen, man op* 
pottire gegen aolche Gebäude, die finater aind; alte düstere 
JEalenoMIto mnd die für Zucbtbioaer eber paaaen.« Die boe* 
bttileu Inreo, die aoa Znobtbihiaem in die Irrenanstalten kommen, 
ifiil er lieber dort lassen and die periodiscb Verruckten in ihrer 
freien Zwischenzeit als Gesunde behandeln und bestrafen. Fol- 
gende Ausspruche des Hrn. Bird mögen ohne Commentare reden. 

2 : »So lange die Aerzte nicht allgemein iür diesen Zweig 
dar Wissenschaft gebildet werdeni ao lauge is| auch der Staat 
:fer|»£Ucht|t, für Heilaoatalten sa sorgen , od<|^ erst dann", wenn 
Tbeorie und Pmxia den AWstea bier..|fU^ein bebannt aind, 
•nt dann wfirde ea mit Detentionaanstaite&^inreicben.« 8. 4 : 
vDie Meinung, dafa man in der Privat-Praxis den vorrückten 
Kranken nicht heilen könne, der vielen fiufsern Umstände wegen, 
welche eine solche Kur erfordert, ist nichtig.* Um zu wissen, 
ob ein Hranker in die Heil- oder Aufbewahrungsaiistalt gehöre | 
mups der Arzt folgende Fragen beantworten, »die ihm um so we- 
niger Mflbe maeheo^ da er die normalen und anomalen Znstünde 
dea Gebima genau kennt,* nimlieb S. 19 : »litt^ Patient an Hj- 
pertrophie dea Kopiti? iat aelbat eine cbronisdie Erweiterung 
der Blntgcfäfse im Innern des Kopfs eingetreten ? — ist die dora 
Mater mit Granulationen bedecUt ? — sind diü Hirnhäute ver- 

• dickt, unter sich und mit dem Schädel verwachsen — haben in 
Folge eines zu anhaltend excessiven Arteiienlebens im Schindel, 
fißid Arterien im Innern des Kopfs, die fibröse Haut zu sehr an- 
genommen? «. a-w* Nacbdem in aoleb aubtiler Weise^.^Heilbar- 
beit nnd UnbeUbarkeit nnteraebieden werden aoll, folge^^f Herr 

•Bird aebr tuaw 8. no s » Eracbeint dieaer Zustand einer afBOmalen 
organischen Ilirnfunction so tief begründet, dafs eine Ziehung 
desselben nicht mehr denkbar ist, dann ist die Verrnduhcit 
chronisch ,** und schliefst das Kapitel S. 23 : v Fortan lu irie Trcn- 

Ipung mehr von Heil- und Detentions- Anstalten , und das um so 
weniger, weit aolche Verbindung eher nütalicb ala acbadlicb ist.« 
S. 35: »Man entlädit den Hiusken gleich, wenn er geneaen iat| 



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90> Schriften über Anlvgo iMid JEinrichtOBg von krcnanMAl^t 

oder beurlaubt ihn nur, um den Gefahren Torzubeugen, welche 
mit der zu lange fortgesetzten Einbehaltung lo leicht verbünd««^ 
•indi« -^ — »Man giebt die Kranken in di« Pflege. Ton I^aodr 
toten , welche dafür das Koatgeld beuefan, %as die AnaUlt Iruher 
eionahm; and man eotlafst die Genesenen dewi gnac, wem der 
pfimnr Hirnftrankgewesene Aock ein FrSbjabr vnd einen Semmtri 
und der sccundär Ilirnhrankgewescne noch einen Herbil Unil 
Winter — {gesund blieben.* S 89: » Es ist höchst strafbar, wenn 
man einem Menschen dieser Art sagt, dafs er verrucht sey, das 
ist selbst gegen die Religion ; und der Arzt , weicher dem KraiH 
Iten dreist sAnen Zustand verhaken wUl| knors gewiTs entschie- 
denen Tact haben und beliebt aejm-c . 8« 5e; »lob habe beaierkt, 
* dafii ein Strafziromer in dem Kraubenb«ft überAutiig' eti)s da M«i 
Menschen, die nicht surechnungsfahig sind, aucli niebt straliBA' 
bann. Will man einen Hranl;cn strafen, so sperrt man ihn ein, 
entziclit ihm ein oder zwei jMnhlzeifen, ]e{»t ihm die ^wangswesle 
an', oder brauchl den Zwan^sstubb* S. 5Ö. meint Hr. Üird, dafs 
bestrafte HranUe den Arzt hassen und dessen Leben bedrohen 
bannten. S 65 : » Arbeit schadet | JO lange der Zustand mebn 
oder weniger als anhaltend acuter oder in reoidiTen atatt indet« 
S» 66: )|Man lasse die Primär- Himhranhen reichlich ruhen t leihet 
eehlafen, denn Buhe ist für das Gehirn ein grofses Heilmittel; 
man lasse die Leute in Gärten und Höfen spazieren, sie amusiren 
sich schon, man lasse sie nur gewahren und halte Aufsicht.« S 78. 
im 18. Punkte der Yerhaltungsroafsregeln beim Scheuern heifst 
es: vdafs man im Winter die Kranken nicht früher soll lassen 
anfstehn, bis die Oefen erwSrmt. sind und bis es Tag ist,* weil 
die Kranken doch nichts zu besorgen haben und das Oel recht 
iiniiutz Tcrbrannt wird ! Gans deraclbe VoracUag wurde bi 
diesen Tagen dem Ref. von einem Irren der hiesigen Anstalt ge« 
macht. Als ein Muster der Verworrenheit mag das iUpItel über 
die Eiitniündi^ung gelten. )>Dcr ärztliche Beweis, dafs ein Mensch 
verrückt Mar und in die Anstalt gehört, beruht« nach Hrn. Bird 
»auf die Nachweise, dafs n) die Heilung der eeesoa remotat der 
Verrücktheit nicht m5glich ist.c Sodann beiTst es in derselben 
FoYgenreihe sub c) : » Ist der Kranke reich-, ao mufii man Im aelbst 
versuchen, ihn klimatischen EinflSasen su entzfehn^ s. B. solche 
Kranke, die im Herbst in melancholische Verrücktheit leicht ver- 
fallen, sende ni.in zeitig nach Neapel oder Nizza, oder nach einem 
noch südlicheren Lande, den Einflufs des Herbstes zu meiden^ 
man Jiöniite Primär •Hirobranhe ia nördliche Gegenden senden.| 



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m Smfihrü j ilache Gf|^a«iea, Moorländer, in T]i«lgogesiid4Mi;t7Tr 
wowwdie MetanchoUber in fierglander, in dio Schweis a.s»iMt 
»in «der AmUU fiUlt nichu ror, was nicht Jedermm 
j^du* mafs das Gans« so recht publice seya u. a. w«€ 
l^mt dagegen, dafs man für den Arst die völlttändige 
Direction der Anstalt verlangt hat. Er will, dafs die Behandlung 
der Kranken unter der Controle des Medicinal-Collcgiums stehe 
und bringt S. 102. folgendes wahrhaft liläglicbe Argument gegen 
j^C Direction Tor : »In Monarchien darf kein Unterthan «ach 
pftr den Schein einer «oueeranen HerrechaA zeigen , die nur dem 
J^^deah^^mi ^ebfihrt, und auph in Republiken ist eine solche 
Ton äeit Maeht leines AnatalU- Arstes, rein Yerwerflich.« 
yoo^'IKni Jostitiarias "des Krankenhauses verlangt Hr. Bird untei\ 
Aoderm Folgendes: « er mufs zu Zeiten die Kranken besuchen, 
mit dem Einzelnen sich unterhalten, seine Klagen büien, da so 
Mancher über seinen Aufenthalt in der Anstalt unzufrieden ist| 
über gesetzlose Behandlung klagt, und da mag der Justitiarios 
die geeigneten Behörden von solchen Klagen in Kenntnifs setzen» 
und ein gerichtliches Verfahren verlaiigen oder beschleunigen. So 
weisen manche Kranke davon Gherseugt, dafs die Aerate nicht 
ihre Kerkermeister, sind ^ sie bSren, dafs* nicht die Begicfung 
gegen sie grausam ist^ und unleugbar wird auf solche Welse 
alles gethan, was wir den Grundsätzen einer Religion der Liebe 
schuldig &ind , zu der wir uns Alle behennen, und welche eben 
so sehr Ton ihren Bekennern gute Tbaten verlangt, als sie schone 
Worte, die blos Worte bleiben, verabscheut; — der moralische 
Binflufs der Aerste kann auf solche Weise vollendet werden.« 
Tollendet erscheint hier nichts als der ' Dnsinn eines solchen Ter- 



Bef. hat die obigen Stellen gewifs nicht zur Belehrung für 
Andere, noch um sie zu behümpfeOf sondern einzig und alleio 
darum mitgetheilt, damit der Leser dieser Jahrbücher des Verfs. 
DnUenntnifs der Sache und Sprache und Mangel aller Logik mit 
^genen Atigea wshrnehroen mdge. Die ganze Schrift wimmelt 
yon derartigen Stellen und Bef. wurde bei ihrer Anzeige noch 
kurzer genesen seyn, wenn Hr. Bird von matichen Seilen nicht 
ao glimpflich beurtheilt worden wäre, obwohl nur von solchen, 
denen ein selbstsländiges Urtheil abgeht uud welche glauben , 
Hr. Bird müsse, weil er viel schreibt^ auch viel wissen, denn 
»gewohnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, ea 




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11 Schrift«« Ab. Aalag« «. EiaiicbUuig det IrrwMMtaitoa a. w* 

müsse sich dabei doch auch was denben lassen.« Eine besondera 
Abfertigung verdient Ur« Bird wegen folgender xwet Panbte x 

Des lang vor seinem Machwerk ertcbieneoen lehrreichen Ba- 
ches Ton Jacob! 8ber denselben Gegenstand erwSbnt er nirgends, 
nennt überhaupt Jacobi nie, greift ihn aber anf eine wenig Ter- 
hullte Weise an. Hr. Bird ward auf 3 Jahre von seiner Stelle 
zu Siegburg beurlaubt, ist also der nicht wirliüch , den er sich 
auf dem Titelblatte nennt. Dafs er im Unfrieden von Jacobi schied, 
hatte für ihn -r- naoh des Bef. Gefühl von Ehre ohd Schioklicli* 
heit » nnr ein Grund mebr seyn violldn, in seinen Angriffba 
gegen Jacobi offen so seyn. Uebrigens bat sich Hr. Bird selbst 
gerichtet, indem er eben dnreb die Suebt, Jacob! tu widerspre- 
chen, auf so viele Absurditäten gerieth und durch seine Angriffe 
auf diesen Mann bei Allen , welche dessen edeln Ernst und grofse 
Verdienste tun dieses Fach kennen, nur sich selbst licherlich 
machte. 

Sodann gesellt sich Hr. Bird mit seiner marktschreierisch 

' angepriesenen Wohlfeilheit der Errichtung und Erhaltung einer 
solchen Anstalt allen denen bei, welche, uobehannt mit ihren Be- 
durfnissen , jede grofsere Forderung und so namentlich den Neubau 
für überflussig erachten, während sie die Errichtung anderer 
neuer HraakenhänseF- — mit welcher Conseqnenz, ist freilich 
•chwer einzusehen — für ganz naturlich und iobenswerth anse- 
hen« Nicht Sberall, wie in Mecklenburg, Prenl^n und nun auch 
in Baden, sind die Aerzte mit ihren Forderungen durchgedrungen 

, nfld Alle werden mit Unwillen auf cinfrn Ueberläufer blicken, der 
durch seine Stellung zum Bundesgenossen berufen gewesen wäre, 
Hr. lUrd wird aber, wie gegen Jacobi, so auch hier unschädlich 
bleiben, in einer Angelegenheit, welche ihre Rechte uberall geU 
tend macht, wo man die der Menschen ehrt und wo man » wie 
Hr. Bird selbst so dringend Terlangt — Schwitzer yon denen 
unterscheiden weifs, welche Barmherzigkeit praktisch ansGbeu. 

Jl o / / e r. 



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— A 

Wir uberblicken in dieser eleganten Ausgabe eines in weitem 
Hreiie bekannten ond beliebten Dichters eine seltene Ijrisolie 
tVnclitbarlieit , die ans indessen weniger ilberrasehen kann, wenn 
wir in dem knrsen Vorworte du Gestindnifs leten« dift in leinen 
Gcdieliten da nnd dort gegen die strenge Form verttoften seyn 
fliege; and, damit ▼erbphden, dieiErhlSrang , dafs der. Verf. et' 
nie über sich habe gewinnen kunnen, einen Gedanken dem Yerso 
oder Reime, den Hern der Schale zo opfern. Eine solche An- 
sicht mofs Ireilich die Schnelldichtung nicht wenig befördern, 
and es lassen sieb mit ihrer Hülfe leicht Bände mit lyrischen 
Gedichten filUen. Wer aber weifa, dafa in der Poesie wie in det> 
Slatnr die Sehale iieineewegs getrennt vom Kerne gebildet wer^i 
und dafa dieselbe hein HlnderniTa, aondem ein Pk*odiiht des Kernt 
ist, der wird den hier auf gestellten Grundsatz nicht als ein Dich- 
teraxiom gelten lassen können. Für den Dichter mufs vielmehr 
die Schranke des Reims eine willkommene und freiwillig erwählte 
. teyiif die (etzte scharfbegrenste l^inie, in welchen der Schdnheits- 
«mrirs seiner Gettaltoogen sich abgerandet aasprägt ; nnd es darf 
ihm telbst nicht wohl.atjui« bit er ttioen Pfodnkten anoh jene 
Xoftere Tollendnng gegeben hat. Auf dtete Weise iNdien ootn 
grSfaten Lyriker, s. B. Gdthe, geschaffen ; yitle Gedichte ent* 
atehen auf solchem Wege freilich nicht, aber dauernde und clas«~ 
aische gewifs nur auf ihm. Hr. Castelli hat dies selbst gefublty 
wenn er in seinem V^orworte hinzusetzt: »EU giebt Wenige, > 
welche sechs Bände Gedichte geschrieben haben. Vielleicht wäre 
anch bei mir weniger mehr geweten. Wer mir nicht unfrewid* 
licli gesinnt ist« miSge denn dat wenige Ptttere fiSv dat Gnost 
nehmen t nnd den Fnnhen mobl überaeheB, der «rter der Asche 
glimmte ^ 

Welcher Hecensent machte so naturlicher Bescheidenheit wi* 
derstehen and lieber anf die breitern unförmlicheren and viel* ^ 
leiebt nr Hälfte mit conyentionell poetischen Phrasen oder mit 
Prtet angefiUien Poesien der groften SaiAminag ' einet to tieb 
geben Lsetenden aniBerbtam nacben^ alt enf die gluoblleberea 
Gedfeile, In w l a leb e n 'der Diebter ganz som Vorschein gehommen 
iit? Die letzteren gehören bei unserem Verf. oflenbar in dreierlei 
Babrihen, in die des leichten Liedes, die der Fabel, und die des 
Epigramms. In diesen beiden Gattaogen hat er wirklich Vorsüg- 



■ 



liebes geleistet, und von jeder Sorte iiefte sich aus der ganzeii 
Mafse -difiier Gedichte je ein Bäodcii«a iullen, aa dem selbst eine 
itrmigere Hritik nicbt viel aassosetzen finden wurde, flhi den 
aDmndnfrteo teioer Gedichte gehSl^n die|eiiigen| dBne» gal- 
piutbige Ironie beigemischt ist, wie sie in ttnsrer bypenr^aiich^ 
Zeit nicht mehr hfiufig zu finden ist. In diesem Qeiste.ltt dae 
erste ächte Lied gesungen , das uns im ersten Bandchen ziemlich 
bald (S. 20.) begegnet, und Anti-Idylle überschriebien ist. 
Sein Lob des Stadtlebens i&t halb Ernst und h^lb öpottj und 
yerse, wie folgende^i nehmen «ich gar artig aus: . 

. JUhafe {ppMia,^ie wrma^dan JVteae* 
Die aie( MblfLngetn dnroh Wiasan nnd Haini 
Air die Waaaar antbebreo das Snfaa 
Und 4ie Wfin' ataas Glfttchens teil Wein. 

Fhilameleat Gesang inurs g;er8llen. 
Wann er klagend Im Bofcha athllagt, 
' Deeb'glahlfa aiebav •ie|ii aiaa«na4aien, 
Vl^aklw OjMfa vai^Jüaea«! JBiwh aingl. 

#j|0ch(t «pamiafliah apringan Im AriÜMB 
, BiiBa I4mnmr und Kdha haram« 
Dach m.ir aar Uaterhaltnng an dieaaa 
Slad ala wifthrlich «in wenig an dumm. 

DIraen «ehn ava wie Raia«, < 
Und ihr ÜLfirfar iat Inimcr geaaad | 
Daeh, versucht ea mit ihnen an koeea, 
Immer krank ist ihr Geist .und ihr Maad 

Und die Trea% a dn.michtiger Himmel» 

Ist ein Kind ohne Führer und Wakl^ 

£s verliert sich im städC'schen Gewimmelt ' 
-Wie in Dörfcra im alaMinmn rbal. 

LIahl daa Darf, samt den liadllehaB«Vcatea, * ' ' 
Waffdal HH «nraa Labeaa «ecfet ttph | 
liahaad lakt sich's in galdaan Paliats« 
Baaaar nach., ala in Unttaa vaa Strah ! 

• 

' Unter den übrigen Liedern des ersten Bandes zeichnet sich 
ferner aus: Trinlilied S. 5i. Es besingt die vielen Gruben, 
die dem Erdenwaller, dessen Wandel ein ewiges Steigen und 
Fullen ist, auF Erden gegeben sind; hier läTst uns das Giufih 
«ieea Fall Jthun , dort sinJhCA wir IM Fullen einea Weibet« dort 
i^rftUh^a .wir in ^fd^wenenthf «iMr Tevainlt^ .wähl j|r in** 
lawinri ein eiiilivr.iiijikt. v^M^llnhiB in^.8cliMcht^H4 .#nill|Bb.-4. 
wMi^n fAt' aUe in der Mnt^dSv^^ .ficM)». -Oer Xiwi|t«r^6iiiR 
in 4ie6<Mi JtediUtiqnen ;ist : 



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Muf« et mImmi gcftu»i«n 9eyn , 
Sinken wir herftutchi vom Yfaln — 

abtr der gimlicbe ficbluft.} 

itt grealich, über erUubten LeiobUiM iiinaug ; er enUteUl dM 
sooft bormlot heitre Gediebl. Her««orgelioben sind ferner: 
»der Elnrgoikigo unA uin Gentos« '71 , »die Mdea Pfluge, 
cioo Fabel« 8. 76, »der kleinen Liese Beiratbsideeo« 8. 116, 
Bod von den Epigrammen »die beiden SSofer« 8. 70t und die 
epigrammatische Fabel S. 77, die eine Sonnenuhr am wolkigten 
Tage, mit einem Udiliog vergtctcbl, der seiues Fibtlen Gunst 
YOrior. 

Wooo die LiebesUodor eines Hunioristen, der in seinor eiOfl% 
Eioea — eioe Hoboomio fiodol 48, o3~d9i>, aiobl g^r m 
htmkgßtfQnnt» immI bior «od do plump minm^ m vfodiioloo äi 
grofsinre . Aosoeiobnung , dooo in oiooolooo 810II00 -mA oio Jmb» 

komisch. Gewifs aber gehören sie unter diejenigen Gedichte« 
Ton welchen der Verf. rulimt, dafs ihnen von Deklamatoren bei 
öffentlichen Vortragen stets der Vorzug gegeben worden scy, 
denn in dem Munde eiues koouscbeo Vorlesers nOason sie gar 
oicbt übel Ifeeaen. 

^ loi Sipolten Baodo omgl mrH eoi omaMM Gddidht «maro 

Aitffiierlisamkeit , »Mirsmutb Terralhener Liebe« ■ gb o^a cbri e b o o 
(S. 28.); es ist schon im J. löis gedichtet und ?on lebendigem 
GeiuKle eingegeben. Dann verweilen wir wieder mit Lust bei 
leichteren Liedchen: »das G«i^itter« S. 09« (nach dem Franxosi« 
sehen), »der Landaiaan und sein Uauschen-« 8. kia h O' 
«oM« ^ 49. INose ChbomoMHe aiod ihoid», InSgeo aio mm» 
Mbbängig von Bomligcr ootHlndco sejm« 'oddr -oofowi^t d«rali 
aoioo. il^otosie^'' mMmtn tna von dem^VerC oiit -bosooditni' Jtarafir 
gedichtet. Auch auf hübsche Fabeln stofsen wir in diesem Baodo, 
£. B. «die beiden Pferde*^ S. 102; auf einen artigen Schwank: 
»8treit zwischen dem Magern und dem Fetten« S. io5. Uns 
]«iod : »der Buchenbainic S. a6a* beginnt mit zierlicher Leichtig^ 
keit , »odiUlS^ihor io «ieoriiok gevdhoKolM FrlvotitäS. Aocb dieaat 
Bood OOthiH oinigo iii^oiseha «nd 'dolbai- aark«rtttdbo W8ro»t 
wimiKumen^ fii.*aoi.t ^Aossiclil «al d>alMflre Skilerto & ooi« 
,«nialoO- besoMdooen Wilnaclw« S. »99. und besonders dss kleine 
Gedicht, das wir hier miltheilen, and zu dem das Motiv in groCien 
ßläiUan mehr ala>oinml ai^elrQfijftn \ievdeo mag (8. sM->s 



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Die %ärtHeM Mutter. 

Mb» hM» in •ineiB DachsinoMr volata» 

Wosn iio Thire TcnchloMen war; 

Man iprengte sie ein, und fand etaea KleiMa, 

Halbnackt aaf der Erde. — Kaum ward* er gewahrt 

Daf« Leute sich nähern, ao ichrie er noch mehrt 

Ach» gebt mir an etsen, mich hungert to sehr. — 

Man fragt' ihn : „Wo ist Deine Mutter, Dein Vater f** 

Mein Vater ist todt, und die Mutter, mein Herr! ^ 

Fahr Mittags zo einem Schmaus in den Prater. 

Ach ! sie hat wohl nie solchen Hunger gefühlt I 

Und Jetst, Hebe Herrn , ist sie auf dem Theatefi 

Wo sie heot eine särtliche Mutter spielt. 

Unter den Epigrammen des sweUen TbeiU ist eines« das deiii 
Verf. selbst den Beleg defar so geben geeignet ist, wie strenge 
Verm dieser Diobtert, In welcber die Spradie anf so 'engem 
Braflü baoiliilteriseb mit ibreiiS Worlsebatse angeben miifii, be» 
•anders woM alisteht. Bs ist die « Grabselnnffl auf "ein Kind der 
liefcei welches ?on seiner Mutter ermordet wurde : 

Die mich gehar, hat mir den Tod zugleich gegeben. 

Es war ein' streitend Paar, das über mich gebot; 
Znm Trutz der Ehre gab die Liebe mir das Leben, 

Zum Trats der Liebe gab die Ehre mir dea Xad» 

Audi der dritte Band bat einige bfibscbe Liedebe«« Fabeln 
und Torzugliche EptgramoM anfenweisen. Z« den er st e n redinea 

wir S. 30 : v Wunsch und Entsagung,*' das mit dem Gedanhen an- 
hebt : vVVenn ich die Blum lein schau*, wünsch* ich mir eine 
Fraa,€ und mit den Worten schliefst s »Wenn ich die Frauen 
schau*, wünsch* ich mir keine Franc u. s. Wt, und dessen Re« 
Irnne sind : »BlumT in der An bat eine Fran Y5gleia im Bla« 
bat eine' Ftm, Fisebeleln gran hat eine Fran « Dke Und 
empfteblt tieb, irle viele des Verls. , väot nnisibaliseben Compoti- 
sition. Ferner geh5rt unter die bessern Lieder : > Marie « S. 87« 
,»das kranke Landmädchen a S. 89, m Aehniichkeiten * S. 63, wWie 
BDan*s nimmt,« S. 186, vdcr schönste Ton,« ein Trinklied, das 
den Klang der Gläser gegenüber vom iUaaig des Goldes, vom 
Ton der Geige, der Trommel, der" Hörner, der HausthGrglocke^ 
der Seblagnbren rerbeivUebt* Der Yergleieb mit den iUroben« 
§Mien ist fnrol vnd nnpMiscA augleieb. Za den trefflieben 
Faiieln 4cr Sanmlong gehdrt »die Sobatan« 8» tao. Ein bflb» 
sches syrabotisches Lied ist »das Lied Tom Auge^< 6. 209, und 
die gutmutbige Ironie des Vei'£i, priigt sieb wieder ganz aus in 



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/ 



Caiteliri Gedichte. YY 

wien Steclienpferden c S. 181. Unter den Epigrammen über- 
rascht das auf einen Schmarotzer gedichtete, dessen Pocltennarben 
von den Kirschen abgeleitet werden, die er mit grofsen Herren 
gegessen bat, und deren Steine ihm ins Gesicht geflogen sind. 
Das feinste und wiederum durch die gute Lulhung seiner oufsern 
Form empfohlene Epigramm dieses Bündchens ist das >an eine 
Stecknadel« : • 

B«tchütie mir die kleine Lose! -r 
Wenn eine anvertclmmte Hand 
Den Weg xur ■chönaten Blume fand. 
So «ey der Dorn an dieter Rooe. 

Im Tierten Bande begrufst uns mit wienerischer Laane »die 
Prophezeiung* S. 34t dann S. 35. das sinnbildliche Gedicht „die 
zwei Rosen,« das durch grofsere Gedrungenheit bei dem artigeo 
Gedanken, der es beseelt, Tortrefllich hatte werden kSnneo : 
Bei einem grofsen Feste durchwandeit eine Honigin mit ihres 
Güsten den Garten. Ein schmucker Page, welcher den Scbmei* 
cheioamen Zepbyr erhalten bat, kufst eine Zofe. 

Duldet* Ich am Hof «olcb loaen 
Zcphyr't kecken Raub , 
Kärai' er bald ron allen Roien 
Mir den Blüthenttaub 

spricht die Königin. Zur Strafe soll er an eine Hose gebao* 
den, d.h. verheirathet werden. Zu dem Ende wird er mit den 
Herren and Damen von der K6nigin in ihr Gemach gefuhrt , wo 
zwei Rosenstocke stehen, deren einer ein naturlicher, der andre 
ein kunstlicher ist. Der Page soll unterscheiden, welche yon 
beiden Rosen der Fluren Kind ist : 

,,Wird die rechte er erwählen, 
Dar« Ihr'i Alle wäTst ! 
Will der Rot* ich ihn vermählen. 
Die er erst geküfst/* 

Zeigt er aber, daft anf Rosen 
£r lieb nicht vertteht , 
r> Dnld' ich nicht am Hof den Losen, 

Und der Barsche geht ! " 

Lange prüft der Arme vergebens; beide Rosen lind hochroth, 
wie die Wange des Liebchens glüht, beide haben die Waffe des 
Dorns. Endlich eilt er ins Freie und kommt mit einem Bien- 
chen zurück (wie fing er es wohl?): 




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Hin cur ärtitrn U0116 Ifebcild 
Dietet Thierr.li«ii fUt^ , . . • 

Und, lein sürite« VoKrecWiilMIlA 

crhSlt dtr HMibtf Bm ond Zolb Mm EigeiitlM»| .^Uk 0h 
•obaunlUe HofdMit «fcMr'.die IidM : 

, malt die farbenlose 

Wange nicht mit Glut; 

Denn die acht* und riiUcli^ ^oie . 

KeoRl der Bursche gut ! ** 

Eins der anspracMosesten und besten Gedichte der ganzen 
Sammlnog iil kleine Lied »die ThrSue« S. 67. Das kdiU 
liehe Wort ; 

Du biet, o Thr&ne, 
Bm Amm elMi'get PerltnliMl 

wM gewi^> dlBT beiclieidene VerE s« jenen »anier dnr Aidib 

glühenden Fttnilefr« sSlilen. 

Recht lastig lesen sich vdns Sprichwort« S. 69, vdie See- 
lenwaoderang*^ S. 80, »Zwei« S. i38; ein iaonigtes Lied; in 
welchem der Natur Hr die swel Augen« Ohren, Hände, Fnfae 
Ederen lieber fünf se/n sollten), nicht aSier filr das Eine Hers 
gedankt wird: 

Ein Herz? — zu viel noch, wenn e« siiricht« 
• O tchlü^* nuch dieHeii eine nicht! 

.Alit dem Verlland in oflnem Strehe, /. . . 

. Wpr'a dieser Jieiater llämmerliiig ^ 
Der Aber maaebet wias*ge Ding 
Den Heiitcheo mit elcli «elbet eatswcile. 
Waa «oll im InaerD dieeee Beklagen 
Bei einer Neth, ile aoere tragen 9 
Wm «aekl in ^Imeai Pnrpnrhana 

Die Iiiebe eft für ein Qeeane? , 

Mein, nein I 
Daa Hera soll gar nlcbt aeyn ! 

In dieselbe Halegorie gehört »das aite Lied zum neuen Jahr« 

S. 1901 in welchem die neuen Poeten (damals die Mutlnerianer) 

ubel wegkommen; »der geleMann« S. 197, »die Freunde S.2o3, 

yin meinen Regenschirm«' S. ao6. Gar lieblich ist »Gretchea 

iftdet Stadt« & ei4* und »Felis Imm^rfrohf 8. neo: 

Sin TMi, ein Stiriil, ein Uger, 
Sin alter Kri^ von Zinn 9 
Ein Bild von seiaem lliebcben. 
Ein Koffer nnd alcbta drinas 



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ff 



CaiteUrt Gedicht«. 41 

Dann ei»« lange Pfeife, 
Steil brennend lichterloh ; — 
Das ist der ganze lleichlhuiu 
Des Felix Immerfrob. 

Sich einstens niederlegen 
Mit silberweirsrm Haar, 
Und Bprcchcn : Herr! ich fühl' es, 
Jetzt ist CS mit mir f^nr ! — 
Ein Lächeln auf drin Munde, 
Wenn schon der GciHt entfloh, — 
So wird das Ende werden 
Des Felix Iniiuerfroh. 

Kann es Beranger besser ? — Dieser Band ist besonders reich an 
guten Epig^ramraen, den besten , die seit Haug und Weisser ge- 
dichtet worden sind. Hier nur Eins, das übrigens aus dem FVan- 
zosiscbcn entlehnt ist : 

Grabschrift eines bösen Junggesellen. 

Hier liegt ein kinderloser Mann, 

Der nur auf List nnd Uänkc sann, 

Viel besser war' die Weil daran , 

Wenn — statt dafs ich*s auf diesem finie. 

Auf seines Vaters Grabstein stünde : 

Hier liegt ein kinderloser Mann ! 

Ein epigrammatiscbes Fabelchen ist »Echoe S. 72: 

Eeho lacht, weint, jauchxet, klagt. 
Spricht bald trotzig und bald mild, 
Wie's ihr vor ein Andrer sagt. — 
Des Charakterloseo Bild. 

Aus dem fünften Bande heben -wir die Lieder heryor : 
»Warum ich ein, Junggeselle bin?«^ S. 87, ^die Monate<< S. 92. 
Unter mehrern horoiacbea Balladen findet sich auch der vielgele- 
•ene »Rettig« S. 195. Aas humoristischen Gedichten ragt ^»Schlech- 
ter Magen,« eine Uerzenserleichterung, S. i38. hervor. Aus vielen 
und guten Epigrammen, das auf einen Wüstling, der sein Leben 
doppelt zühMi »denn, Freund, ich lebte Tag and Nacht !^ und 
ein andres: »die Grofsmutter ihrer selbst,« wo von Lilla erzählt 
"wird, dafs sie bei Tage in hefrlichster Jugendpracbt eioberwoof^ 
delt. Des Abends zu Hause , wenn die erborgten Beize ver* 
schwanden sind, zeigt sich so - 

Terandert die Lage, 

ObFs Jedermann sagen wird, Lilla bei Nacht 
Sejr nur die Grofsmutter Lilla's bei Tage. 



' oiyi.i^Lj Ly Google 



Ü GMtelU'f Gedichte. 

Endlich die Grabschrift auf einen braven Küster, von dem 
es heifst : Er bat ^ausgelitten und ausgeläutet* .Tieferer 
Natur ist : 

AUgeineiiies Loos. 

Ziltern müsien wir «(ets, 
So will et das Getchicli : * 
Der Böte vor den Gesets, 
Der Gnie vor dem Giudk« 

Eine tiniiToUe oad ecbaUiliafte Fabel Stt » Aetopaf Proceft« 
8i m5— «3(1. 

Auch der sechste und letzte Band bringt noch Hübsches, 
als : »Das Echo« S. 99, «Mein Porliät« S. 141. »Was ich liebe« 
S. 147. >,Der Schüler,** eine Fabel, S. i5o. (nor «llsabeqnem 
▼ersificirl) ; und mehrere Epigran^me, vomoier «iae Hollo • das 
sinnreichste ist und zugleich den Ein^ocb der RSbrnaf inaebt : 

Der Reiche. • ' ' 

« 

IfVic Vanniit du artuer Mnnn , dem Ailoa febU». 
Mit deinem letzten Gulden Geld 
Hia bi daa Letta laeftio« ^ 

Der Arme. 
Ich will mir UoiToung kaufen. 

Hoch sey aus diesem Eande der Meine A|^log autgetbeilli 
»das ferwelhu Biall« : 

Wanderer» >' 

Sage mir, du welket Blatt, 
Dat der Wind geknicket bat, 
Sago mir, wo gdist du hin? 

Lieber Wandcrsmann ! mala sicluiy 
lieber Auen, iiber Fcldrr, 
lieber Wieten, über Wälder. 
Wie alle andern Sachen 
Ganz dentelben Weg auch machen. 
Und der Wind mich dorthin weht, 
Freund, wohin du« Blalt der Rote 
Uni daa BlatI daa Lmr^ra gabt 1 

Jedem Band ist ein Anhang mit Rälhselspielen sehr verschie- 
denen Inhalts und Gehalts beijgefugU Ref. glaubt auf die besten. 
Gaben dieser Sammlung aufmerksam, gemaebl «a baban. Di« 
vielen Romanzen» Schwanke' «nd breiteren Gedichte laftl er hk 
ihrer etwas altväterisoben Tracht von 1780 ungeschoren, pnd be- 
merkt nur, dafs sie sich in ihrer Art auch nicht iinintereasant 
ansndimen, nimal, wenn man sie sich onter die Produkte der 
■eadewtiolien Ifoae gemischt vorstellt, die in das neueste Mode.^ 
ne^'lig^e einea IranaSsischen Schneiders gekleirlet, über Ernsl fuA 
8c&ers des Lebens mit gleich leichtsinnigen Schritten dahintanzen* 



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N*.6. HEIDELBERGER 1836. 

JAHRBÜCHER DER LITERAI 
ÜBERSICHTEN ukd KURZE ANZEIGEN. 



RÖMISCHE LITBRATUB. 

Q^te&ichte der libmitchen Literatur von Auguti Kraute, Er$ttr 
Ahtehmii, tntkaltend den Anfang der epuchem Pauie, Berlin Ibdft. 
• B9i FträUuMd DümmUr. ri und 11% 8, m%. 

Diese Geschichte der Rünnschen Ijlerntur hott da auf, wo 
man sonst dieselbe anzuFaDgei) plle^t. Sie beginnt mit der Urzeit 
und schliefst mit den Annalen des F^nnius, und da man heutigen 
lags in der Historie am meisten von dem weifs, wovon nichts za 
wissen 'ist, so wird es auch nicht befremden, diesen Theil der 
Bfoltcben Literalorgetchiebte in gr^ftertr Ansfillirliohbtil •«£ 
fast mw^ibundert Ootafseitefi hier bvbaAdelt so sdian. FMKoh 
feblt es aacb nicbl an allgemeinen BrSrtemngen Bber die Ein- 
theilnngsweise, Gattungen der Bdmiscben Literattfr «• dgL| in 
defaen es der Verf., wie za ciwarten'f naturlich besser weifs, ale 
alle , welche Tor ihm mit diesem Gegenstande sieh beichaftigt ha> 
ben. Diese waren schwach genug, bei ihren Darstellungen sich 
an die überlieferten Nachrichten, als die einzigen zuverlässigen 
(Quellen, zu halten, verstanden aber durchaus nicht Etwas za 
machen, was in der Wirklichheit nicht da ist! — Mit S. 33 tre- 
ten wir in das Werl: selbst, und linden zuerst: das republika- 
nische Epos, dann 8. Si) fl. : IN a ti o n a 1 1 i e d er bis S. iio, wo 
die üeberschrilt folgt: v 1 itern r ische Gährnng (sie) der Pa- 
nischen Zeit bis S. 120. Dies sind lauter Gegenstände, über 
welche der Verf. um so ausfuhrlicher seyn konnte, als darüber 
buchst spfirlicbe Naebrieftten oder viebnebr blofte -AtideMtongeo 
bei den Alten TorkommeOf Es weifs daher ancb der Verf. mmt 
Sltere RSmische Poesie, too der freilich anch niobt ein Vers «of 
OOS gekommen ist« ^r genau und amstä'ndlich xa cbarakterisi. 
reo;. er ist dabei ein eifriger Anbanger Niebuhr's, dessen Ansiebt 
er um jeden Preis sa rerlfaeidigen sucht. Wir >v erden ans daher 
nicht wundem, S. 104 m lesen: »So bat sich denn gezeigt, wie 
dit meisXeo Einwendungen, die man gegen Niebuhr vorgebracht« 
ungrundlicb, ja oft gedankenlos und faktisch falsch sind [!?], die 
geringen Bedenken aber, die man (wenigstens über die Salurni- 
jchen Verse des Livius und die jictT^itoi vyLvoi bei Dionys) nicht 
ohne Grund gehegt, der ICxibtcnz von Nalionalliedcrn als Urquelle 
iur die Römische Geschichte der ersten Jahrhunderte, durchaus 
.feinen Eintrag thun — und zugleich bat sich die Gediegenheit 
der Niebuhr'schen , obscifoo etwas zu idealen Ansicht ergeben 

\U%. Jabig. i. Haft 6 • • 



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81 RtalMlit Litaraiift 

wakhe^ gestützt auf die ZMgnine der Autorcfi und 8as Wesen 
der altdn Geschichle« zur unutnstSfslicbeil Gewifsheit [!!] erhoben 
trird. Wir gauben mit Niebuhr sagen zu konpen (Lp. 9^4 
sweiteo Auisg.)* »«Fast bedarf es der Antworten auf teere Ein- 
säen gar nicht mehr. ■ Wer in dem Epischen der Romischen 
Gcsobichte die Feeder nicht erkennt ; der mag es : er wird immer 
allein stehen: hier ist Rückgang für Menschenalter unmöglich.«« 
— Jene Nationaigesänge, grofs und wunderbar in ihrer Art, sind 
gewissermafsen das echte Ilomische Epos.* Vgl. damit auch S. 63, 
wo uns der Verf. berichtet, dafs diese epischen Lieder in ihrer 
Aneinanderfiiguog ein Ganzes bildeten, die uralte Geschichte der^ 
Stadt darstellten, und das Fundament der Geschichte wurden, 
meistens der Plebejer Thaten Terherrlicbend , im Allgemeinen aber 
aller grofsen Teruhreii Böhm «afbewabrend b. dgl« n» Diese 
Probe mag als Beweis der Bebandlungsweise des l^rfs genSgen, 
und was segleich weitere Anföbruqgen ersparen. Wie Sn yer£ 
über andere Gelehrte denht, davon gibt die Aeufserang 8. ie3 
Not. den Beleg, wo wir unter andern die Worte lesen: »Aufser 
falschen Datit half Jacobs höchst triviale Ansichten über die B5^ 
mische Literatur verbreiten.« Es ist eine bebannte Sache, daft 
ireche Anmafsung und Unwissenheit mit einander gewöhnlich Hand 
in Hand gehen. — Mit S. i<3i ist endlich der Verf. zum Li?iu8 
Andronicus gelangt, dann folgt S. i25 fT. Növius und S. 149 
—176 Ennius. Der Verf. sucht in diesen Abschnitten die vor- 
handenen Nachrichten über das Leben dieser Dichter und deren 
epische Dichtungen zu einem Ganzen zu verbinden und damit 
eine CharakleristiU ihrer Diclitungcn zu geben. Mit des Ennius 
Annalen schliefst, wie gesagt, die Schrift. Wie viel nun der 
Vrf. braucht t um auf die bekannten Dichter zu kommen , und 
im welebem Umfange seine Derstellong über die Dichter, de» 
»e Werbe sich ganz o*der theilweise erhalten haben, von deace 
wir also Etwas wisseo hSnnen, sich ?erhreiten wird, vermag 
Bef. nicht su bestimmen. Wahrscheinlidk wM die DarstelliiDg 
ie dem Grade m Umfang abnehmen, ab der Yorrath der Quellee 
w— immt> 



1^ PUpkM Statu ud Calpummm Pisoncm Poemation. Jueiori gtorfi<es##^ 

ttcoffnovit et attnottttione instrtixit Carotus Beck. Onoläi^ tumßtikm 
et typU a Bntgelü MDCCCXXXF. X^i und 17 S. m gn B. 

Diese neue Bearbeitung eines Gedichts, des ohne bestimmte 
*nittd' zoterlässige Angabe des Verfs auf uns gehommen und dahet 
in nenerh Zeiten verschiedenen Dichtern bald mit mehr bald mik 
weniger Wahrscheinlichkeit segeschrieben worden ist, bat zo^ 
flächst die Bestimmung, aufser einem berichtigten Text und einer 
fortlaufenden B>klfirung desselben , in den forgestellten Pnolego- 
menen nachzuweisen , dafs der bisher unbekannte oder doch nur 
vermuthete Verfasser dieses Gedichts kein anderer sey, als der 
ans auch daich andere noch erhaltene Dichtungen bekannte Sta- 



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Bteitcke LiUra^tur. 



liat. Um dies0r Antiobl, welche icbon frCher Barth und Oom 
iMdorp vermothsagsweiie anfiiteUten — 4er Erttei« erklärte daf 
Gedicht für einen JageiidvertAch des Slatiai ^ £iogang zu tocw 
•ehaffen «nd «ie alt die wahre «ad richtige darsusteUea , iat der 
Yer£ genSthiati das Gehortajahr dea Statiaa, daa nach Hodwell 
o. A. gewShiuich nai 61 p. Chr. gesetzt wird, auf daa Jahr 60 
pii Clur« za verlegen, so dafs denn Statins, als ein junger Mensoh 
Ton kaum 20 Jahren, iedenfalls noch unter Vespasian, dieses Ge« 
dicht abgefafst habe. Und dafs der VaiTasaer- dea Gedichta iaa« 
merbin in den bemerkten Jahren stan^, beweisen V. 249 f., in« 
gleichen, dafs der, dem das Gedicht gilt, ein junger Mann noch 
war, V. 32. 199. Nun aber geht der Verf. noch weiter, indem 
er Ton S. 22 £t\ an geltend zu machen sucht, dafs die ganze An- 
läge des Gedichts und der Charakter desselben nur auf Statiua 
passe, indem die Vorzüge wie die Mängel seiner Poesien, selbst 
ninsicbtlich der Sprache und des Ausdrucks, auf gleiche Weite io 
dietem Gedicht bemerklich seyen. 

Mit der Begründung dieser Ansicht war naturlich auch eine 
Widerlegung der früher über den Verfasser dieser Dichtung aof« 

featelUen Behauptungen Terbunden ; und hier erklärt sich nun der 
^crf« (m ^on andern divergirenden Ansichten nicht zm reden) 
eben eowohl gegen die früher geltende Melnüng« ale acy L«ee« 
4er VerAeier (da die höhere Geisietrichtting^ welche die Werl« 
Üeaee Dichters oharahterutrt , in diesem Gedicht durohaea 
ttilat werde), ala gegen die von Wernadorf später ,aof|giilettle 
Temitttfaang, alt wenn Salejat Baaant der Verfasser tej, an* 
ter dessen Namen noch neuerdings Weber in seinem Corpus Poett, 
Latt. daa Gedicht aufgeführt hat. Diese Vermuihtin^ erscheint 
ihm aber durchaus unsicher, wo nicht g^nz TcrwerFlich. Ref., 
wenn er offen seine Meinung aussprechen soll , glaubt $0 wenig 
an das Eine als an das Andere, d. h. er kann Nichts finden, was 
ihn notfaige, an den Salejus Bassus oder an den ötatius als Ver- 
fasser zu glauben; Eins wie das Andere kann wahr und nicht wahr 
seyn , oder vielmehr es ist nicht mehr und nicht w eniger wahr 
als das Andere ; noch weniger aber kann Ref. an eine doppelte 
Recension des Gedichtes glauben, wie sie ein anderer Hrililier 
neoerdingt. in Yortchlag gebracht hat. Denn et fehlen daza alle 
Beweiae,' Die Modeseit der doppelten Recentionen ist gl&cUicher 
mFefae-TerOber. \ 

Die Eimfchtnng der Schrift telbtt itl folgende. Auf die Vor- 
rede folgen die Prolegomenen (bit 8. e4), in welchen der Verf. 
aeine Aeaiclft tter den Verfatter det Gedidblt eatwiohelft, dann 
eis ähirmdk 4ea Tastea, oad hmter dieteai voe S. 3? a« die hii. 
tlMiiea und erhlMreeden Anmerkungen, in weldien der Verf., ue* 
hen Tollständiger Angabe der Vat ianten , insbesondere die Aehe» / 
liahheit in Sprache und Ausdruck mit den Gedichten des Statins, 
■achieweisen' aaehte. Ueher die bekannten Handschriften und 
die ferachiedenen Aatsaben verbreitet sich Praefat pag. XIII fP. 
Wbmk im dieter Praefitfio apoifiht aoeh der Vei£ im Aitgeneine« 



84 



von der bSheren Hritüi tmcl deren bisherigen AutfSboog und Hand* " 
liabang in Besiehqng a«f die aas dem grieehiscben nnd rSmisebeo 
Alterlhum nnt hioterlaitenen Werbe. Hier lesen wir nwi freiKoll 
Manches , was ons als ongerecht gegen Anderer Leistungen be» 
fremden müTste, wenn wir es nicht eben aus der iJnkunde dieser 
Leistungen, also aus Mangel an literarhistorischen Kenntnissen, sn 
erklären wSfsten. So beifst es z. B. S. YIl : »Ad eos autem 
ntriusque liognae scrtptores, qui recte classic! yocantur, accuratius 
perscrutandüs aut nihil omnino pertinuit eorum (nemlich doctorum 
nominum, criticorum) indu|^ria aut parum ccrte ea profectum ad- 
huc est«?! Als Beispiel wird dann die Vofssche Fiction eines 
Lygdamus angeführt, indem das dritte Buch eben so wenig wie 
das vierte Buch der Dichtungen Tibull's , dieses Dichters in der 
That würdig sey. Doch damit sey die Sache noch nicht abge- 
than, man müsse nun weiter untersuchen, ob ein Zeitgenosse des 
Tibullus Verfasser dieser Gedichte sey, oder ob sie einer sjpiteni 
Zeit angehSrten. Und non lesen wir weiter: »Itaqoe vix oUot 
äiimc Uber exstat , qui , cnm falso scriptoris alicnjns nomen ge- 
reret, Tero aaetori redditbs sit, etiamsi jam .doeti aliquol nri de 
eo dobitare et de ^ero aoctore sentire äliqaid coeperant. Mnlto 
autefli plores etiamnonc reperinnlar , de qoibus omneas denuo 
^uaestiooem institni oporteat, cum de his ne mininiiim quidea 
siispicari videantur critici etc. « Und in diesem Sinne geht es 
denn fort. Manche eigene Urtheile des Verfs geben uns freilich 
beinen groPsen Begriff von dieser KritiU, die er in Ausübung zu 
bringen sucht, wie z. B. S. IX, wo die Trachinerinnen des So* 
phocles zu einem StücU des Euripides werden sollen, was Nie« 
mand bis beute »aut intellexit aut diceie ausus est«, oder S. XllI, 
IVO der unter des Tacitus Namen aui' uns geliommene , vielbestrit- 
tene Dialog De oratoribus zu einem Werke des jüngern Plinius 
werden soll, was freilich auch Nast und Hesse behaupten, was 
aber noch neuerdings durch Ecksteins Abhandlung (p. 46 — 5a} 
fiber den Ver£B«ser dieser Schrift als dorcbans onbaltDar naebge« 
wiesen ist Bafaige , besonneoe nnd nmfassendere Stadien dfirften 
am ersten geeignet seyn , too solchen Paradosien «nf die rechte 
Baba Sbrficksiuiihren. - . 



Ckretiomatkia nonttiaua et P. FirrÜii Maroni» Bueoliea edita a MMna 
Guil. Doering. Mtonw^ mmpBhm J. F. HammtHakü HDCCOXXXV. 
ly », 194 ^ in gr, 8« 

Diese Chrestomathie, in welcher die Oden des Horaliaa mik 

den Eklogen des Virgilius, wie beide Dichtungen oftmals in Scho« 
len neben oder nach einander gelesen werden, verbunden sind, ent- 
hält so ziemlich alle diejenigen Oden, welche ohne Anstand aisC 
Schulen gelesen werden können und auch gelesen sa werden pfle- 
gen. Es sind nur diejenigen ausgeschlossen ^ quae neque a doc- 
toribus honestatis sensu percussis publice explicari neque a tirooi» 
bös salTft padicitia priTatim cogoosci posiiot*. Unter dem Testa 



» 



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ftöaiMch« Litomtar. 



stehen hurzc erliiärendc Anmerliungen (in lateinischer Sprache), 
bald auf den Zusammenhang und den Gang des Gedichts hinwei- 
Mod, bald den 8ioB der cinselnen Worte erltlarend, um so die 
wetenlKehtten Schwieri^lieiteB sa beaeitigeii, gans io der Art 
«11^ Weife, welche wir ans den grSfaeren BeerbeitangeB des Hb* 
ealios derch denselben Gelehrten hinreiebend hennen. 

Wir erinnern dabei noch an eine andere, «anäcbst Hir die 
' Ocitreieliiscbett Staaten bettimmte Ausgabe der HormiMben Odent 

Quinti Horatii Flacei Opera Lyrica annotatione t nolia Qliorum et 
9ui» pcrpetua, veraione Germauiea in$crta tt o^crvationibua aeäthutiei$ 
UlmnrmoU Jlb9riu9 Muekar, AU. LL al bAHmosAum dodar« O. S. 
Bs Admoniemu Vioricu». Grntcii MDCCCXTCXF, typit J. A, KinrHck^ 
ifptgnifki al Wfsfslas. 4tl S. « a 

Diese Ausgabe , wobl mehr fSr das Pri? atstadinm als für den 
Gebrauch aoF Schulen bestimmt ^ giebt den yollstSndigen Text 
•iler lyrischen Gedichte des Horatins, mit einsiger Aosi^äme fon 
Epod. VlU and XII , und zeigt , wie man auch m Oestreich jetzt 
dem Ersten der römischen Lyriber ein sorgfaltigeres Studium, 
mit ßenntaung dessen, was für die Erklärung und iur das Ver« 
ständniCs desselben bei uns geleistet worden, suwendet Der TtMt 
ist nach Döring gegeben, Tateinische Argumente gehen Jeder ein- 
zelnen OJe voran, und ausführlichere lateinische Erliliii ungen , ^ 
mit Ziffern bezeichnet , foli;en , auch mil öllcrer Einschaltung der 
deutschen Ucbersetzuag | bei einet* jeden Ode ist uberdcm das 
Metrum aogegebco. 



Mudimenta linfi^uae Umbr icae ex imcrtptionibuB antifuia tnodaimt 
Particula l. Fuudamenta totius optriM continema , »cripait ür G. A 
Or9tef€ud, lyed HaiinaMraiit direcfari — »J?«t quadom pr^dir^ 
tenua, ai non datur ultra. IIonAT.** — Addiia tat tahida litkogrn-' 
phica. //annoMma MDCCCXXXy , m mrurim AmHen Hakmü, A ä. . 
in gr. 4ta. 

Von welcher Bedeutung und Wichtigheit Yolb und Sprache 
der Umbr er in alt • italisciier Zeit gewesen sind, hat man in 
neueren Zeiten richtig erhannt , und darum mit Recht gi ufscre 
Au/'merhsamkeit einem Volhc zugewendet, dessen Sprache einen 
Grundstamm des Lateinischen , bevor die Einlührun«^ des frem- 
den , griechischen Elements in dieser Sprache eine völlige Umge- 
staltung bewirkte, ofTenbar enthalten hat. Wenn wir schon frü- 
her in diesen Blattern darauf hinwiesen, so werJen wir jrtzt durch 
TOrliegeode Schrift w iederholt daran criimert , in welcher einer 
unserer gründlichsten Kenner alt - italischer Sprachen einem na- 
beren Studium des Umbrischen und damit der Mutler des Latei« 
oiscben, eine solide Grundlage zu geben sucht, auf der weitere 
Forschungen fortzubauen haben. Bekanntlich ^besteht nun Alles, 
was uns von der ohne Zweifel IvSh untergegangenen Literatur 
des umbrischen 'Volkes erhalten ist, ausser einigen nicht bedeu- 
tenden Inschriften and einigen mit tnseiscber- Schrift auf Münzen 



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RdmiadM LiteraAiir. 



vorfindlichen Städtenamen , eigentlich blos in den sogenannten 
eugubinischen Tafeln , welche seit i444i sie entdecht wurden, 
der Gegenstnnd vielfacher Forsohungen von Seiten italienischer 
Gelehrten ge\%orden sind, während eine genaue kritische Behand- 
lung ihnen eigentlich erst in neuerer Zeit «nd Bwar in DMttobfc' 
land zu Theil geworden ist« Et geh&«a dahin inibetiNidera Um 
Scbrif^n Ton Leptius and HSmpfer ( Tgl. diese JaiirUi. t835. 8. 
479 sngleicli Uber den Fnnd der TefeJn und deren 

Geschichte nnd Anderes damit in Zusammenhang und Verbindung 
tMebendes rollstitndige Nachricht gehen, woraus auch das, was 
Bef. freilich' TOr dem Erscheinen dieser SchrilWn in der Roni. 
JJt. Gesch «I. S. 63 f. der 2ten Ausgabe bemerhte, sich ver- 
Yollstandigen läfst. Uiese Tafeln müssen daher als die Grandlage 
betrachtet werden, TOn denen alles Studium, alle und jede For- 
schung über Natur und Wesen der umbrischen Sprache ausgehen 
mufs; und da rerschiedcne mehr oder minder corrccte Abdrucke 
dieser berühmten Tafeln seit ihrem Aullliiden cxisliren, so ham 
es vor Allem darauf an, einen diplomatisch genauen Abdruch zu 
erhalten. Und diesen giebt uns der Hr. Verf zunächst nach Demp* 
ster, aber begleitet mit der Angabe aller Abweichungen ^ welche 
in den verschiedenen Bekanntmachungen dieser Tafeln Turhommen; 
zuerst kommen die mit lateinischer Schrift gesehnebenen Tafeln 
Yl u. VII bei Dempster; sie mSgen, wenn man nach den 2Uigen 
und Formen der Bachstahen schriefsfen darf (Tgl. p. 6. 7.)t i'' das 
lechste Jahrhundert von Erbauung Roms fallen; dann folgen die 
umbrischen, mit griechischen Buchstaben geschrieben, und zwar 
in folgender Ordnung Tab. Iii, II, I, Y, wie die lateinischen, 
nach den einzelnen Zeilen geschrieben und mit Angabe aller Ab» 
weichungen unter dem Texte. Die Tnb. IV fehlt, weil sie im 
zweiten Hefte folgen soll, wo sie zugleich mit Tab VI und VII 
▼erglichen werden soll. Dagegen sind einige kleinere, an ver- 
schiedenen Orten aufgefundene Inschriften beigefugt , theils ura- 
brischo , theils vnlscische und andere verwandte, die aber sämmt- 
lich mit lateinischen Buchstaben geschrieben sind. Dafs bei diesem 
Abdruck die möglichste Genauigkeit vorwaltet, brauchen wir nicht 
wohl besonders noch zu erinnern; der Herausgeber hat hier die 
strengste Genauigkeit nnd Gewissenhaftigkeit beobachtet: in yo» 
cahnlis insis, sagt er 8- 8« licet perperam saepe inscripttS|, ne 
corrigenoi arbitrium mihi Terteretnr vitio, nihil emendari, nisa 
qnod alioram lectione nitebatnr«. Nar auf solche Weise bann 
nncb eine sichere Grundlage für weitere Studien gewonnen wer- 
den. MSge es dem Herausgeber möglich werden , recht bald die 
Fortsetaong folgen sa lassen und uns dann auch die Resultate 
seiner eigenen Forschungen mitzutheilen. Auf der beigefügten 
lithographischen Tafel befindet sich das umbrische Alphabet, mit 
den entsprechenden lateinischen und griechischen Buchstaben. — 
Die typogri\phiscbe Ausluhrung des Gänsen ist höchst befriedigend* 



Oigitiie«! by Coogl 



Germania. T«jr|, IMffMlaiM^. J&linif eruM^. /Vt« f>. D§r. 
Gerlach und M'tlhclm Waeherna p^el. Krttc .^bthdlmmg^ W6t^ 
BoMtl, in der Schweig häutenchem Buehhandlumg • 

Auch mit dem Titel: 

H C9rn9lii Taciti Germania ad optimorum eodicum fii\<m emendavit, 
nolit criticis et varietate fectiotiis aelecta Insttuxit Fr. Dur. (iertnch. 
BatiUae, in libraria Schnvighduieriana lb&5. Xf IH u. VJ S. in gr.i. 

Den HUmMelien Bemühungen unterer Zeit mm die Germaaie 
öe% Tecilus, sowohl was richtige Auffassung im Allgemeinen, ek 
besseres Vefltündnifs des EinsMnen betrifft, reiht sich diese neue 
Beerbeitnng, die freilieb nur sum Theil bis jetzt voilieKtt en£ 

eine ehrenvolle Weise an. Die allein bis j^tst erschienene erste 
Abtheitung giebt zunächst den Text , begleitet mit kritischen Be- 
merkungen und einer Einleitun;^ ^ in welcher der Hcrausgeher 
fiber Zwech und Bestimmung seiner Ausgabe und deren VcrhäJt- 
nifs zu den früheren zahlreichen Ausgaben sich vcibreitet und 
damit einen Bericht über die bis jetzt bekannten IJandücbritten 
der Germania Ferbindet , auf den wir alsbaid wieder zuruclikom« 
meo werden. Das Bemühen des Herausgebers, der seinen frühe- 
ren Plan, eine Oneoernng der Passow'aohen Ausgabe so Uefera, 
HUie aufgab, wer aonielwi dahin gerielitel, eioh fiber die wekrt 
Bctcbaffenlieil^det Temtei nrlrnndliebe Gewifthett sa TtnebafiiMi 
und wo mS^lich die GrundUffe auszu mittein, um dann mit desto 
grOfterer Sicberheib die vorhandenen kriliachen 'Haifsmillel be* 
flQtsenf und einen möglichst beriobtigteo , aber auch urkundlioh 
treuen, auf die Lesart der besseren und ältesten Hanilschrilten 

Gestützten Text zu liefern. In dieser Beziehung^ sagt er 8. Wll 
er Vorrede: »Hoc igilur egi , ut quantum ficri polest, hunc li- 
bellum ad optimorum Codd. Mss. fidem ederem ^ rarissime ab eo- 
rum anctoritate recederem, pauca, ubi omni um CoJd. MSS* nia- 
nifesta erat depravatio, corrigerero. Quamvis i^itur haec editio 
multum debeat prierum editornm industriae, multis tamen locis 
est emendatior. <c Womit wir Terbinden die Aeuf!>erung S. IX: 
» Nimirum Taciti Germaniae editori inprimis id agendum esse sta- 
tni, ut gennina scriptorif Terba glossis inte^relum purgala re» 
•titnerentm*. Qno quidem in stndiO'Cnm mulli adhno. elaboras* 
sent, certa tamen norme omnce erant destitiili; nec|ne enim do 
CodiCom nomero neqoe onanitom onique esset tviboeodum, eon« 
slabat etc.« Deshalb sociite der Herr Herausgeber, der ubri. 

f ens den BemShongen seiner Vorgänger^ die gebührende Aner» 
ennung keineswegs versagt bat| sntdrderst nähere und sichere 
Auskunft über die sämnitiichen vorhandenen Handschriften der 
Germania sich zu verscbafTen; erfuhr aber bei «lieser Gelegenlieit, 
dafs ihm bereits der Hr. Professor Mafsmann mit einem ähnlichen 
Unternehmen zuvorgekommen sey. Als er sich daher an diesen 
wendete, überliefs ihm Derselbe mit Bereitwilligkeit Kinsicht in 
den bereits gesammelten Apparat um) tbeilweise Benutzung des- 
selben zur VViederherstellung des Textes, indem er &ich blos die 
ToiUtäodige Bekanntmachung dieses Apparats mit den weiteren 



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RSniiiche Literatur. 



näheren Notizen über flie Hanrlschriften selber, deren Beschaf-. 
fenheit u. s. w. vorbehielt. Auf diese Weise erfahren wir, dafs 
die Zahl der jetzt bekannten Handachriften aich bereits auf das 
l>0|ipelle der IrSberen Zahl erhoben bat. Hr. Prof. Gerlach giebt 
QM eine mit weiteren Bemerfcongen begleitete Uebefsichtf In der 
zugleidi mehrere irrige Angaben , welche über einzelne Hand- 
fpfariften in früheren Ausgaben sich vorfinden, berichtigt werden. 
80 ist, um gleich damit anzufangen, der von Passow in der Praef« 
pag. VII aufgeführte Codex ArundeUanus in der Ozforter Biblio- 
thek nicht zu ßnden , und scheint auch nie dort gewesen zu WVfn% 
Tielleicht beruht die ganze Angabe auf einer Verwechslung mit 
einem daselbst befindlichen Codex Harlejanus der Germania aus 
dem fünfzehnten Jahrbunderl; auch der gleichfalls von Passow 
p. Vlll aui'^i^fnhrte Codex Bambergensis scheint verloren; worüber 
wir nähere Aulschlüsse durch Hrn Mafsniann erhalten sollen. Ge- 
nau verglichen durch Orelli ist die Züricher Handschrift. Der 



hoch stellt, erscheint als eine liandscbrifl von untergeordnetem 
Werthe; aach der fon Selliog ?ei;jglicbeBe Hammdianus mochte^ 
nieht besondere AuszeicbQnng Terdienen« Im Vatikan befindea 
•Ith nicht swei (wie Pastow angiebt), sondern filnf Handscbrif«. 
.ten der Germania« welche Alafsmano TergUch ; vier derselben 
waren schon Ton Brotier vergliehen worden, was Mafsmann nicht 

Sewufst haben mag ; %riD deaa onter beides Collationen keine voll, 
ommene Uebereinstimmnng zu herrschen scheint. Diese Hand- 
•obriften, worüber wir gleichfalls näheren Beriebt von Hrn Mafs» 
mann SU erwarten haben, gehören alle in das fünfzehnte oder 
sechszehnte Jahrhundert, und das Urtheil unseres Herausgebers, 
der ihnen keinen sonderlichen Werth beizulegen geneigt ist, mag 
nur allzu wahr seyn. Daran schliefst sich eine gleichfalls von Mafs- 
mann verglichene Handschrift in der Bibliolheca Angelica, dann 
eine schlechte Florentiner des fünfzehnten Jahrhunderts und eine 
Venctianer vom Jahr 1459, welche sammtlich mit der Züricher 
Handschrift und der Editio Spirensis and Bononiensis grofse Aehn* 
Kdikeit haben. F3r die Slteite Handschrift der Germania erklürt 
Mafsmann eine HSncbnerf welche er iii das sehnte Jahrhundert 
■sathmaTsHch veriegt, die aber aach, gleich den übrigen Hand- 
eehriften des Taoitos, die wir liennen, von manchen Verderbnis* 
scn nicht frei ist; weshalb Ref« noch einige Bedenken über das 
hohe Alter dieser Handschrift hegt, obwohl er natürlich bis zu 
der näher zu erwartenden Beschreibung der Handschrift sein Ur* 
thcil aufschieben mufs. Von der erst neuerdings bekannt gewor» 
denen , in der Privathibliothek des Honigs von Würtcniheig zu 
Stuttgart befindlichen Handschrift des fünfzehnten Jahi hunderts, 
die aus Neapel stammt, nahm der Herausgeber eine genaue Col- 
lation, welche das F'ehlerhafte der an Hefs übersendeten Verglei- 
chung an mehr als einer Stelle nachwies. Der Codex Sambuci 
in Wien ist, obwohl sehr schön geschrieben, doch aus späterer 
Zeit, wie Ref. aus dem Muqde des Hrn Dr. Scbubart, der iha 




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■lull Iii ■ iiiltnUmk ^ tl^ 

an Oi't und Stelle Terglich, vemaTim. Noch sclilechler, und wahr- 
scheinlich von einem gedrocUteo Exemplar abgeadwiebeii iat d^r 
Codex Longolianus. 

Wir haben absichtlich diese Punhte hervorgehoben, weil noch 
Iteiner der früheren lltrausgeher der Germania diesen Gegenstand 
in solchem Umfang und in solcher Genauigkeit behandelt hatte. 
Von andern Handschriften , wie sie angeblich noch in Eaglaad 
extttireo aolleo, erwartet sich der Herausgeber aMt Viel, »und 
iHr die HeratelloBg des Textet keiMa groTsen Gewimi, obwoU 
die ToHal&idige äoimlong des ganieii kritiachen Apparate wm 
allen lioeb eriialteaen Haii£ebrifteii uSlhig nad hSobat wichtig isl, 
Indem dann erst eine Clasaifiiiation der Handschriften mit Sicher- 
beit möglich wird. Wir tragen km Bedeoken, der Aaakht dee 
Herausgebers voUhommen beizutreten. 

Auch ulier die älteren Ausgaben der Germania, welche für- 
die Kritik Ton Wichtigkeit sind und darum Ton Hefs mit so vie- 
ler Sorgfalt verglichen worden sind , theilt uns der Herausgeber 
noch Einiges S. XV fg. mit; er hat auch auf sie ein sorgiälliges 
Aage gerichtet, und somit allen F'or Gerungen , die man an einen 
Herausgeber zu stellen berechtigt ist, vollkommen genügt. 

Was die Einrichtung und Anordnung selber bctrilVt, so ste- 
hen unmittelbar unter dem Texte die kritischen Bemerkungen, 
welobe eine AnffWikr-der bedeutenderen und zugleich für die 
Menatiiift des Charakter« end der Beaebaffenheit der -etnselnea 
Haedaekrtften weaentlieben Tarlanten eatkaltea, aa> welebe sieh 
dana eiceae Bemerkangen und Urtkeile des Hra Heraasfpbera 
aatcblieften, der eine 'follstündige Aaffiihrung aller ^Variante« 
schon aus dem Gmade aaterliefs, weil er damit llafamann^s Vor- 
liabea in den Weg getreten wäre. »Notae criticae, sagt er S. Wll, 
quBs adjunxi , et ad firmandam receptam lectionem et ad Codd« 
MSS. naturam atque tndolem declarandam sunt appositae. Longior 
tarnen hac in rc esse nolui quam ipsa res poslularet, ne etc. etc. c 
Wir tbeilen einige Proben mit , und wählen dazu raeist solche 
Stellen, hinsichtlich deren Ref. znm Theil anderer Ansicht ist» 
In der Eingangsnote , in welcher die in den verschiedenen Hand- 
schriften vorlindlichen , von einander sehr abweichenden Auf- 
schriften (welche allerdings den Beweis liefern mögen, dafs keine 
dieser Aufschriften die ächte und wahre ist) zusammengestellt sind| 
aprichl aick der Herausgeber mit Recbt dahin aus , dtfi die wahre 
Aofidirifl Q^tmania oder Da 60'mania gewesen; enteiee (was 
eQch von Hm. Prof. GeHaeh selber als Aa&ebrtft vor dta Test 
gesetat ist) scheint aas onbedingt das richtigere an seya^ die 
ausliihrliokerea Titel , die sogleich den Inhalt andeuten , z. B. de 
fila , moribus et populis , erscheinen oaa als das Werk einer spä- 
teren Hand. Wenn Cap, I. der Herausgeber nach der MehrsaU 
der Handschriften den Conjunctiv wieder aufgenommen : »donec in 
Ponticum mare sex meatibus erumpati«, so kann Ref., der die von 
andern Herausgebern bereits angeführten Stellen cp. 87. 45 Agric. 
36 nebst BaraUiorn Lat. Gr. & 786 zweite. Aasg* vergleicht, darin 




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90 



liomitcbe Literatur. 



oicbt beistimmen. Er wurde den lodicati? eruaipu unbedingt 
beibehalten , denn die Stellen , wo «nf doiMC d^r Conjuncti? folgt 
cap. Si fio. und 35 init. sind doch wohl ▼ersofaMenar Ayrt — r 
Cap. IL •chredri; der Hertutgeber ricblijg Tuiaco « w«9 aiich jetzt 
J. Grimm in aeiner Daulsoh. Mjthoiogto $• ftoi ala da« riwige 
empfiehk. Wann aber Ebenderselbe 8^ eo5 gleioli darauf die Les- 
art einer Münchner Handschrift Iscevonet, all ewf die richtige 
Benennwig hinführend, hervorhabt, ao hat unaer Heranfgeber 
Torerst noch die Vulgata Jtlaevonet beibehalten, waa wmt auch 
gethan haben wurden ; aber ibidem statt Vandalos , wie in dea 
meisten Ausgaben steht , finden wir hier nach Handscln iften Vtuf 
dilios. Eben so cap. 3. barditurn, was Ref. nach den Aufschlüs« 
aen, die sich in Grimm's Altdeutsch. Hcclitsaltcrth. S. 876 ßndeni 
nicht für richtig halten Uann. Das alte Wort Bar Für Geschrei, 
und das friesische baria schreien , mochten doch wohl mehr für 
barritus sprechen, und sonach selbst die Autorität von Hand« 
achrifteo, die, wie wir oben gesehen, doch ohnehin meist späte- 
ren Ursprungs aind , dagegen nicht von ao hohem Gewicht aeyn« — 
Cap. ly. finden wir die Interpnnolion : »Unde Imbilos quoqueeoiw 
pomm — idemt omniboa troeea et caeralei oovii ete»* gnt veiw 
tiieidigt nnd gerechtfertigt; man siehe ja nicht omeikii» nu idem; 
diea wSnfo dem Auadrnch Hraft.and Ton benehmen. — Cap. V» 
tat ans Handschriflen angenommen t ai^entnm et aurum propitii«' 
ne an irati dii negafcrint, dubito, wo gewöhnlich propitii ohne 
die angehängte Fragpartibel gegeben wird.. Der Herausgeber 
meint, die doppelte FragpartiUcl verstärke den Gegensatz und 
hebe die Unterscheidung starber hervor. Aber sollte nicht der 
Satz kräftiger Idingen mit Wcgiassung der ersten Fragpartikel , 
deren HinzuKlgung sich, wie wir glauben, leichter denken lafst 
als (leren Weglassung, falls sie nemlich wirklich im Urtext ge- 
standen hatte? Gleich darauf schreibt der Verf. pQSsessione et 
nsu haud perinde (Andere proinde) aliiciuntur, und bemerkt 
dabei, haiui pevindc stehe hier absolut, entsprechend dem Grie- 
«Aiaehen ^h^^ o^t«^, od «dipor, jedoch ao, dafa immer eine, 
wenn aneh nioht in Worlen ausgedruebte, so doch dem Sinn na<^ ' 
atültchweigend m supplirende Vergleichong ssn Grande liege ; ao 
bier, wo der Sehrifkateller an den grouen Werth zu denben 
aeheine,'den sonst die meisten Mcnachan auf Gold und Silber sa 
legen gewohnt sind. Wir wollen uns hier keine Entsclieidung 
erlauben, zumal da von den Vertheidigern der r^esaft proinde 
doch auch Manches beigebracht ist, was der Beachtung nicht 
unwerth erscheinen dürfte. Wenn aber cap. 8. reledam unver- 
ändert geblieben und Niebuhr's f^oledam , das übrigens auch in 
einer Vatikaner Handschrift steht, abgewiesen wurde, so wird 
man nur beipflichten können; desgleichen cap. 10: eosque (sur- 
cuios) — super candidam restera temere ac fort ui tu spargunt, 
wo die Lesart Ibrtuito gewifs von späterer Hand herrührt. Ohne- 
hin ist es bekannt, wie sehr Tacitus diese Ahlative der vierten 
Decitnatioa auf u lieht ; vgl, Uiat, 11, 5. Annoll. Yl, 2Ö. Gcrtoao« U* 



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I 



um nidit mehr ansafubren. — Ebendas. weiter unten sekreibt 
der Herausgeber j «Nec alli auspicio major hdes non solonr apod 
plebem, [se</] apud proceres, apud sacerdotes*, M-eil sed in deo 
meisten Handschriften allerdings fehlt, auch, wie der Herausgeber 
glaubt, ohne sonderliche Hurte fehlen kann, indem der Gegen, 
•atz ad»n btaceiokeod durch das blofse proceres angedeutet werde, 
«nd dies «Mb mobt tegen das Spraebgebrauoli des Tacitps sey. 
Wir besweifelo aber last die Möglichkeit, nach de« bier.fiOfiBit 

, gebendea mon Jobimy wo alse eiidi in dem folgendes Gegeoelieil 
cngleicb eme Steigerung enkbelteB «ejm soll, nl diesem, jedvraj^ 
tÜMN end somit eoob sed ganz wegMlasteoi md kdmien es mb 
ber nur billigen , dafs sed heineswegs aus dem Texte ganz weg« 
Miellen ist , da wir es doch zur riditi|pea Aolfassnog des Sinn 4 
3er Stelle für nnentbebrlich halten. — Cap. ii« billigeo wir 
kommen: i^quod non simul nec ut jttssi conTeniuntc, Was smk^ 
Passow und Hefs vertheidigen ; die Lesart nec ut fussu, die wir 
noch bei einigen neueren Herausgebern finden , Kann wohl mit 
Eiemlicher Sicherheit als späteres Vcrderbnifs anj^esehen -werden. 
Virgil in der Äeneis III , 236: i^haud secus ac jussi iaciunt — Mit 
Recnt aber verwirft der Herausgeber in den zunächst folgenden 
Worten die" von BeUher sogar in den Text aufgenommene Con- 
jectur GronoVs: »et terbae plaouit«, und setzt die in allen Hand« 
9Cbrliten and alten Ausgaben befindUcbe Yulgata . ant turba« pla- 
coit * wieder ee ihre Stelle» Von Cassow trennt sich euch unser 
Herausgeber in einer vielbesprochenen Stelle des sS. Cap. init.: 
»sedes promiscoas adhac et nulla regnorom polentia divUast* 
wo Passow und Andere an der Lesart i/iV^rsas festhalten , die hier 
eis minder beseicbnend und passend verworfen wird. Derselbe 
Fall ist Cap. 99, wo wiederum' num^rav^rim statt des Ton der 

. Mehrzahl der neueren Herausgeber aufgenommenen numeramus im 
Texte steht und in der Note vertheidigt wird. — Cap. l\o, ist 
Nerthum, als Lesart der Handschriften, beibehalten: iq solchen 
Fällen 'gewifs das Beste. Vgl. auch Grimm Deutsch. Mythol. S. 
140. i5a f.; ebenso Cap. 48 Alcis, was derselbe Grimm S. 89 als 
Genitiv von Alx, wie f alcis von falx, nimmt und mit dem Golhi- 
sehen vdhs^ d. i. vaoq^ iti^ov , vergleicht : an das auch Scbmeller 
im 2ten Bericht der Münchner Akad. i83a S^. 68 ff. schon mit 
Recht erinnert hat: denn diese ErblSrong ist doch wahrlich weit 

2i|^g^^ji^.iim4 naturlicher, als die meisten andern« ma Theil 
Bitwt piipmiiuBMw ond weit hergeholten Deutungen, outer die 
■B^pett die iip^|»in Sla vischen holczr d. i. die Knabeti rech« 
p^^l^cbon sie in neueren Handbüchern noc|i immer vor* 
icidiiä^r^lPlfrc'* Versuche zu geschweigen , die ' vielleicht im 
Laut noch mehr Aebnlichkeit zeigen als die genannte Deatttii(;i 
ebar doch aUe als onsieher erscheineo; 

IMl wfirde , wie leicht einzusehen , diese Tergleicbung and 
Murlbeilang des la dieser Aasgabe gelieferten Textet nocb wei» 
lev ew d ebe ce Mbieeo, mmi er oiöbt mit den gegebeoen Froben 
MmMiead feine Mtiiht cittllt za beben «leubte, die Lnser mit 



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der Art und Weise, wie der Herausgeber verfahren, näher be* 
liannt zu machen, und ihnen insbesondere zu zeigen, wie das Be* 
streben des Herausgebers , dem Texte eine urkundliche und da* 
mit sichere Grundlajge su gebea, uberall erkennbar ist. *. 

Was wir nim nock für die Folge su erwarten haben, ist eine 
destsofce Uebersetsoo'g, mit' Noten kiatoriscbeU Inhalts Im» 
gleitet; was. eher auf ErlSaterung gennaniseher Sitte, Einrieh» 
fangen, Relii^n n* dgl. sieh besieht, soll in einseinen Abband* 
lungeo geondnet besprochen werden , wobei der als grundlicher 
Henner altdeutscher Spraohe und Literatur behannte Waker» 
nagel dem Herausgeber seine Unterstfitsiing «ad Mitwirhimg 
sagesagt bat. 

Wir fugen dieser neuen Bearbeitung des Textes der Ger* 
mania noch eine neue deutsche üebersetzung bei, die, obschon 
nur als Programm gedrucbt, doch weitere und allgemeinere Ver* ♦ 
. breitung verdient , da sie zu den vorzuglichsten Versuchen auf 
diesem Felde gehört und von einem Manne ausgegangen ist, den 
seine gründliche Kenntnifs des Tacitus, deren zum Theil auch in 
diesen Blättern (vgl. 1834. ^* 9^) gedacht worden ist, dazu ins- 
besondere befähigt hat: 

thrhttpro/^ramm der könt^l. btnfenMktm SHuUemmutalt in Nürnberg fur'M 
Jahr 18^-*^. Deutsche Uebcrsctzunff der Schrift des Cornc- 
liu$ TdcttuM über Deutschland^ von dem königl. Gymnasialrector 
C £r* Roth. Dürnberg. Druck der Campe'tchen 0/ficin. 18 S. im " 
gr. 4. 

Wir finden in dieser Üebersetzung richtige Auffassung des 
Sinns, und selbst möglichst getreue Nachbildung der sinnvollen 
und beseichnenden Ausdruchsweise des Tacitus; indem offenbar 
das Bestreben vorwaltet, Ton und Farbe des Originals, sowie 
den gansen Charakter desselben aach in der deutschen Nachbä* 
dung mSglicbst getreu erkennen su lassen : ein Unternehmen ge* 
wiPs höchst schwierig, da doch auch stets der deutseben Spraclie 
ihr Becht widerfahren sollte und auch in der That widerfahret^ 
ist. Ausfuhrliche Erläuterungen , wie sie reichlich aus den zahl- 
reichen Erklärern dieser Schrift entnommen werden konnten, sind 
nicht beigefügt; und wer wurde sie auch erwarten? Dafür ent- 
schädigen uns einige kurze, seltene Bemerkungen, die man ver- 
geblich in anderen Commenlaren der Germania suchen wurde. 
Um eine Probe der Üebersetzung zu geben , setzen wir einen 
Tbeil des zweiten Capitels hierher : 

»Manche gebrauchen die Bcfugnifs, welche das hohe Alter- 
tbum bietet ( — ,iQuidam, ut in licenlia vetustatis, plures etc. -— 
afßrraant * ) , und behaupten , es seyea mehr Sohne des Gottes - 
und mehr Stammbeneonungen^ Marser, Gambririer , Sueven, Vao- 
dalen ; und das seyen die wahren und uranfönglichen Namen. Da- 
gegen sej der Name Germanien neu und erst seit Kurzem ge- 
acbopft: weil die ersten, welche iiber den Bhein gegangen, die 
Gallier Tertrieben habeo^nnd jetzt Tungern beillMUi, damals Ger» 
mauen genannt worden t^eik 80 ley der Name eines .SUubom« 

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t 



BinMto Utentsr* U 

•telhlieh statt des NameM eUies gansvh TolliM d«r liemekende 

geworden , so daft alle mit eiiieni Namen , den ihnen suerst der 
leger wegen ihres schreckbaften Eindrocht (ob metum), dano 
iie aelbst «ich gegeben haben, Germanen genannt worden seycn.* 
Hier nehmen wir nur AnstoPs an dem Ausdrucke gesch^pff^ 
weil wir ihn nicht für deutsch halten ; im Lateinischen heilst et 
nuper additum* Weniger Anstofs nehmen wir daran, dafs in dem- 
selben Cap. ailvcrsus Cyceanits übersetzt ist: das feindselige 
Meer; es verliert dann freilicb das beigesetzte utque sie dixerim 
etwas von seiner Bedeutung. Oder wir gehen weiter su Cap. 3« 
and nehmen eine andere Stelle heraus: 

^Denn je nachdem das Heer auf der Wablstatt sich boren 
lülst, sind sie der schreckende oder der zagende Theil (terrent 
trepidanlvc) y und ea fat, ala wenn nicht Menscbeokeblen , sondern^ 
der Hrie^matb aelbat äbo afinge {nec tarn vocu iÜa$ fuam viriu» 
Ui eonMtuM vidtntur). Vemetimlicb bemilbt man aiob mn bert« * 
V9uB und 'acbmetterndea GetSae^ wosa mn di« Sobilde vor dos 
Mmid hält , damit die Laote BmrScbpralleod nnr am so Toller qimI 
itirlter anwaohsen mögen {quo plenior et gravior vox r§/t$rettM$m 
intumetcat — wir wurden beim Singular stehen geblieben scjns 
*» damit der Laut ¥oUer «nd atürher durch dea Widerhall ao* 
fchwelle« ). 

Oder eine andere Probe aus Cap. 5 : das Land ist » — ziem- 
lich ergiebig [salis /erajc; also satis als Adverbium und nicht, wie 
die Meisten in dem Sinne von segetibus, an Saaten, an Saat* 
feld fruchtbar]; kein Land für Frucbtba'ume, reich an Vieh, 
aber meistens von niedrem Wüchse. Auch bat das Rindergeschlecht 
nicht einmal seine Aaszeichnung , den Schmuck der Stirne ( ne 
mtmmiii auidem aoitf Itofier out' gloria froniU).* Die oicU gans 
leiebteii Worte in Cap. 6: »in reetom aut nno flem destroe 
•guot, iti^ eoejoncte orbe« nt nemo pdaterior att,« werden auf 

aende Weiae flbenetett '»Gerade aaa oder mit der einzigen 
wenkung nach reobts müssen aie gehen , wobei die den Hreia 
beschreibende Linie so fest beisammen bleibt , dafs keiner aus der 
Linie hemmt. « In 4iieaem Sinn hatte evcK^U. J« H« Beeker die 
Stelle aufgefafsl. 

So liefsen sich noch manche Stellen anfuhren , wenn es dämm 
zu thun wäre, eine fortlaufende Kritik einer Uehersetzung zu 
liefern, bei welcher, wie bei allen Uebersetzungen , sich immer 
einzelne Stellen linden werden, in denen der Eine etwas Passen* 
deres und Besseres vor dem Andern gefunden zu haben glaubt, 
ohne dafs damit der Charakter der Uehersetzung und ihr Werth 
im Allgemeinen in den Augen eines onhefangeoen Benrtheilera 
▼erlieren wird. . . ^ . 



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BdiBiMh» Litmatnr. 



Mi' TttUii Cieerohis quae fertvr Oratio quarta in Cattltnam, Bö" 
cognovit , commentariia inttruxit , a Cicerone abjudieavit K J. Abrtui» 
C»burgi Sumptihu$ Sinneri MDCCCXXXIL VI und 218 & in 8. 

Wenn Ref. auch mit dem Resultat, welches durch diese neae 
Bearbeitung der vierten Catilinarischen Rede gewonnen werden 
soll, sich noch nicht befreunden iuinn, so darf ihn dies docb nicht 
abhalten, den Leistungen des Vfs die gebührende Anerkennung 
so sollen , auf die er doreh eine höchst umfataende , alle Sehen 
belenebteiide. Bebaodittng des Gemiitaiides, sich gegründete An» 

S»r3e1ie erworben hat, sonal da er, a«ch abgeseben ven dem 
aaptpnalile der gaoseii Untersoehnng, so manchet Aadere, we!» 
chet damit in nfiberer oder entfernterer Verbindung stekt« cor 
Sprache gebracht und in gleich grundlicher Weise erörtert hat. 

Der Herr Verf. bat nemlich die Absicht, die Unächtheit der 
'vierten Catilinarischeo Rede, über deren Aechtheit fielleicht schon 
früher Bedenken und Zweifel erhoben waren, durch eine voll« 
ständige und umfassende Beweisfiihrung zur Gewifsheit zu erbe- 
ben, indem er sowohl in Inhalt, in Anordnung und Einrichtung 
des Ganzen, als in Form, Sprache und Ausdruck diese Unächtheit 
zu erweisen sucht, so dafs nun diese Rede, als Machwerk eines 
spätem Declamatois, aus der Reihe Ciceronianischcr Reden on« 
bedingt zu streichen sey. Der Verf. sab dabei wohl ein, dafs, 
«m ein solehm Besultat mit Sicherheit zn gewinnen md fiber* 
iMHipt der gamen Uiitertachang eine lette ond sidiere Grundlage 
xn geben , vor Allem ein nach den forbandenen HÜjlanntteln m%* 
liebst beriditigter Text der Rede gegeben werden mtoe; and 
diesem Umstände verdanken wir eine genaue Revision den TexteSf ' 
dessen Abdmoli mit den untergesetzten kritischen Nöten , in weW^ 
dien besonders aof den Erfnrter (jetzt Berliner) Codex und an*' 
dre in neuerer Zeit bekannt gewordene kritische HulfsmiCtel Rudi- 
sicht genommen ist, bis S. 3i reicht. Nun folgt die Untersuchung^ 
weiche das oben bemerkte Resultat erzielen soll ; sie reicht bis 
S. 2i4) wo noch ein kleiner Excurs De lege Sempronia ond ein 
kurzes Register , das den Beschlufs macht , beigefügt ist. Man 
wird schon aus der blofsen Angabe der Seitenzahl auf den Um- 
fang dieser Untersuchung, deren ilauptmomente wir hier nur an- 
deuten können, mit Recht einen Schtufs machen k5nnen. Diese 

SrSfsere AnsfnbrKchkeit erUifrt sieb freilich darch die umfassende 
rl «id Weise der Belundlnng , die , indem sie keinen Baiiki 
ansser Aelil ceiassen hat^ namentlidi in dem historisiAen Tfceile^ 
allerdings andSIvlieher werden und einen gröfseren JUnm' in An- 
epmch nehmen muf&te. Auch wird dsimi so manches Andere « 
was auf die Geschichte der Catilinarischen Verschworung sich be^ 
sieht, mit groiserer AnafShrkichkeit und mit berucksichtigong der 
Terschiedenen Angaben alter Schriftsteller behandelt, dafs wir 
yielmebr dem Verf. Dank wissen müssen , dafs er nicht durch 
leeres Gerede und Rasonniren , wie es Jetzt an der Tagesordnung 
ist und die Stelle gründlicher Forschung vertreten soll , sondern 
dorch positive Beweismittel und Gründe seinen Zweck zu errei- 
chen sacht. Der erste Abschnitt ist überschrieben: Vö UUimo^ 



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niU hutorüsis & dtt— * loS-^ an welchen der zweite, TerwamflfB 
Inhalts, De errorihut hittoricis (bis S. i58) sich antchliefst ; w£ 
bei naturlich insbesondere die Darstellung der geschichtlichen, 
die Rede begleitenden Umstände, und die Hritik der alten Schi ift* 
Steiler, welche der auf diese Hede bezuglichen Thatsachcn geden- 
ken, und was damit weiter zusammenhiingt , herucitsichtigt wird. 
Wenn das Ansehen der alten Ginmmatihcr dem Verf. in solchen 
Punkten von minderem Belang ist , so legt er dagegen desto mehr 
Gewicht auf Sallustius, und findet gerade darin, dafs dieser Schrift« 
steiler bei Erzählung derselben Gegenstände zum Sfltera von Ci« 
cera abweicht oder mit ihm doch nicht fihereinsttmmt, einen bei 
^•r Fng* meb der Aechtbeit oder Unichtheit Cioeroniaoischer 
Beden lai be adndere wohl so berSchsichti|;eQden , gewiohtToIlen 
Ptaht. Iq Besag euf dieae Tierte CatUinariiche B^e eher haon 
der Verf. aiiiie yerwanderonj; nicht befgen: yquod eemlnem fal* 
iit Twwm gaalarnm indiciia ^a^imadTeptebam ofifensum , neminem 
«aniedem reroei lorbato ordine, quam omnia anti^nitatU mono* 
aenta falsam ette et ementitnm argannl, neminem difseniione 
Sallostii admonitum, ut disaeononia caasas inyestigaret. « (S. 33.) 
Diese Nachforschang wird nun im Folgenden eingeleitet; eben- 
sowohl aas der Schwache der Beweise für die Aeththeit der Rede, 
ala durch das Gewicht der Gegengrunde, welche in den At)gabea 
der glaubwürdigsten Schriftsteller über die jene Verschwörung 
begleitenden Umstände liegen und die UnmüglichUcit daithun sol- 
len ^ da(^ eine solche Rede, wie wir die vierte jetzt lesen, wirk- 
lieh von Cicero gehalten worden sejn b((nne, und swar an der 
6Mle, wo doeb die jetst torbaiideiie hitte gehalten werden mSa- 
ees, aneht der Verf. aeine' Anaioht der Una'chtbeit za begrfindeiL 
Tgl. loabeti 8. 58— 95. Plnlaroha cntgegenatebendea Zeagnifo 
findet nSehl gleiche Beachtung mit den übrigen Zeugnissen; und 
noeh daa Zeognifs anderer Grammatiker für die Aechtheit ist in 
den Augen des Verfassers keineswegs Ton dem Gewicht , dafs 
euien Ausschlag in der Sache geben k5nnte. Nach des Veis 

, faaaera Annahme haben Quintilian und Asconius aufser der ersten 
Catiünarischen Rede keine andere in dieser Angelegenheit von 
Cicero im Senat gehaltene Rede gekannt (S. 98). Auf Zeug- 
nisse späterer Grammatiker für die Aechtheit der Rede, z. E. 
eines Priscian , legt der Verf. ebenfalls keinen sonderlichen Werth 
(S. 101). Und so kommt er denn am Schlüsse der in diesem er- 
sten Abschnitt enthaltenen historischen Untersuchung zu dem, wie 
er glaubt I hinceiehcnd und vollständig begründeten Satz, dafs 

- dm GiMm iiainn an den Nonen dea DeceiAers gehaltene Bede 
lieigelegt weiden hlnae < indem an diesem Tage dar Senat über 
dk Tcrtehworentn'daa Urtheil gefällt Die jetst nater Cicero*^ 
Namen geliebde Bede aey daher entweder untergeschoben« oder 
gMob der «weiten phiUpiNsehen Rede, »temporis et esercitatio» 
nia causa« geschrieMn. Aber nicht einmal das Letztere lasse 
sich föglich oebaapten. Denn nie. wilrda Cicero eine Rede unter 
das Publikum haben kommen lassen, welche nicht einmal bei 
»OMdioenler dodos« hülle Glanben ünden können. Weil 



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96 Bömiiche Litorfttar. 

diese Annahme mit dem Inhalt und mit der BeschafTenheit der 
Rede sich nicht verträgt , so verbreitet sich der Verf. , um dies 
im Einzelnen nachzuweisen, in dem nächsten Abschnitt liber die 
. in dieser Rede vorliomincnden historisch falschen Angaben und 
andere Irrthümer verwandter Art S. 106 fl., um dann mit S. 169 il. 
auf die fehlerhafte Anlage der Bede selbst za hommen (De in» • 
Teotione et dispositione oralionb), woran sich 8. 176 ff. der Ab* 
sdhnitt De aroplificationibas sententiarnm, dann & i83 ff. De re» 

Setitionibas kchliefst (Nachweisaag von einseinen Wiederbolnngei 
essen, wasfih andern Reden des Cicero vorkommt und daher in 
diese übertragen seyn soll). Daher denn auch manche »senlentlan 
languidae < wie sie der nächste Abschnitt S. 190 (f. nachzuweisen 
sucht. Den Beschlufs macht die sprachliche Untersuchung S. 194 ff. 
^ De sermone verbisque orationis. Der Vf. bemuht sich, die grofse 
Verschiedenheit dieser Rede im Ausdruck , ;Owohl im Allj^cmei» 
nen als in dem Einzelnen und Besonderen, in Construction , Ge- 
brauch einzelner ganz seltener Worte oder doch in seltner Be- 
deutung, und A. der Art von den wahren und ächten Reden des 
Cicero zu zeigen, und das historisch aus dem Inhalt gewonnene 
Resultat auch von dieser Seite zu bestätigen. Dafs der Hr. Verf. 
Alles geleistet hat, was bei solchen Untersnchongen verlangt wer* 
den mag, kann schon dttfse kurse Uebersicht des Inhalts ond die 
daraus ersichtliche Art nnd Weise der Behandlung des Gegen- 
standes Jeden belehren; ob aber das Resultat, das dadurch emeÜ 
werden soll| so fest und unumstSi^lioh steht, als der Verf. an 
glauben geneigt ist, wornach also von einer vierten Catilinaein 
des Cicero weiter die Rede nicht mehr sefn kdnne, daa ial, was 
Ref. noch bezweifelt, ohne damit der umfassenden vnd gediegen 
nen Forschung des Hrn Verfs zu nahe treten zu wollen. Manche 
Bedenken sind ihm bei Durchlesung der Schrift aufgestoPsen , de- 
ren Erörterung freilich an diesem Orte nicht möglich ist; vgl, 
auch Madvig Opuscc. Acadd. p. 192 not. Das erinnern wir noch, 
dafs der Verf. auch an der Aechtheit der dritten Calilinarischen 
Rede zweifeln zu müssen glaubt; S. 147. 148. So würde, da auch 
die zweite Rede neuerdings für ein Unciceronianisches Produkt 
spaterer SSett erklärt worden ist, am Ende nur die erste Cati- 
Hncria als ficht gellen kennen. Ref.. hat sieh bis jetit noch nidit 
daTon 8bersengen«h8nnett. liänehes, was gegen die Aeditheiik 
▼orgebracht worden, ist von der Art, dafs es aueb gegen manche 
andere der anerkannt ichten und durch die nfiqhaten 2^ugniasn 
der Alten bewährten Reden: des Cicero geltend gemacht werden 
könnte, wie denn Untersuchungen der Art, mit Scharfsinn und 
Gelehrsamheit durchgeführt, leicht auf unser Urtbeil einen Ein* 
flufs auszuüben vermögen , selbst wenn wir nicht in den bekann- 
ten Ausspruch eines Skeptikers willigen wollten, wornach nie 
die Aechtheit einer Schrilt , wohl aber ihre Unachtbeit sich be- 
weisen lasse. Indessen wird es doch auch hier bestimmte Griinzea 
geben, die wir wenigstens noch nicht zu überschreiten wagen, 
weil, ist einmal der Schritt geschehen und der sichere Boden ver- 
httsen, dann Alles schwankend und ungewUs wird« Ckr. Bmim* 



V 



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N*. 7. HBIDBLBBRGER 1836. 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



DEUTSCHE 8PRACUKLNDE. 

Autführl ichc» Lehrbuch der d euttchen SpracAf von Dr, J,C 
Btyte, — Fünfte jtutgabtt neu bearbeitet VM Dr. IT. IT. L- Heyet, 
aufter9fi«mtiM^ Profeewt em 4er VmhtnUäi mi Bertfo. ^ JBrffMi 
Btmit» crtto Abiktitung. Bammovtr, 18Sft. 1« Tirto^ ilir 

Ref. kannte bisher blos die deutsche Schulgrammatik von 
Heyse, die er mit dem voi liegenden Werke zusammenhielt, wo 
dann in Eintheilung, Anordnung und einzelnen Wendungen 
gleich zu erkennen war, dafs die SchulgrammatiU ein Auszug aus 
dem vorliegenden gröfsern WVrke ist. Aber wahrend jene sich 
hauplsHchUch und last ausschliefsend mit der 8pinche in ihrer 
gegenwärtigen Ausbildung Leschaltigt , geht das ausiuhrliche 
Lehrbocii tiefer ein, stellt sich auF die Höhe der Wissen, 
scbaft, verrilli dbersll Menntnifs des gegenwärtigen Standpunktes 
der Forschung, mit SeIbststiDdi(|;lieit verbondcn, und gtebt, was 
nicbt die Eigentcbafl aller neuern Werbe über die deutsche 
'Sprache ist, seine Belehrungen in klarem und ibrslicbeni Vor> 
tme, ohne der Gründlichkeit Abbruch zu thun. Statt der Vor« 
re£, welche nach Vollendung des ersten Bandes noch in diesem 
Jahre folgen soll , giebt die Verlagshandlung am Schlüsse dieser 
Abiheiinng die Notiz, der Herausgeber, ein Sohn des Verf., habe 
sich einer gänzlichen Umarbeitung dieses Werkes unterzogen und 
M'olle die Arbeit nicht übereilen, wcswej^en jetzt nur ein l'heil 
des ersten Banden ausgegeben werde, aus welchem sich übrigens 
der Geist, welcher iu dieser neuen Bearbeitung herrsche, und 
die Grundsätze, nach welchen dieselbe unternommen wurde, cr- 
hennen und auF das zu erwartende Ganze schliefsen lasse. Die 
z weit e Abtheilung des ersten Bandes (dessen erste, nebst 
der.EinIciliing , das erste Buch der Graromatih, oder die 
Ijuml* wid Schriftlebre cnthfill,) werde das tweite Buch, 
oder die l^orllchre, der zweite Band aber das dritte 
ud vierte Bocb, oder die Satz- und Verslehre, so wie die 
aas {(chlosse des Ganzen zusammenzustellenden Uebungsanf- 
geben and eiar ▼oilstandiges Begister enthalten. Die Vor- 
rede woljen wir nun abwarten, bevor wir uns auf ein Urtheil 
vber das Ganze einlassen: das Vorliegende aber, als für sich 
bestehend, läfst sich schon beurlheilen: und da es ganzliche Um- 
arbeitung eines frühem Werkes ist, so kann ein Ref., der das 
frühere nicht zur Vergleichung neben sich hat, dieses als ein 
neues Buch betrachten. Und als solches müssen %iir es io hohem 

Xm. Jahig. 1. J^efC 1 



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Grade willkommen heifsen, weil es die Resultate solcher For- 
schnngcn ins Leben einfuhrt, die in blos für Gelehrte geschrie- 
benen oder blos ihnen Terständiichen \\erken noch immer nicht 
ifi dem Grade Gemeingut werden konnten , in welchem sie es 
ihrer INatur nuch werden honnen und ihrem Wcithe nach werden 
Sollen. Zwar sind sechszehn Jahre seit dem ersten Erscheinen 
der Grimn/schcn Grammatik veriloMen : auf seiner bahn sind ihm 
Manche gefolgt: Viele auch, denen diese« Studium su tief.gieng, 
«nd die' früher ftewolint gewesen wareo , auf diesem Felde leico- 
ten Kaufes sich Lorbeero su pfluclien, find ganz rerstummt: aber 
dafs auch noch in den neuesten SSeiten sojgenanote deutsche 
Sprachlehren erscheinen, io welchen man die Spuren der vor* 
geschrittenen Zeit verf^ebens sucht, das ist wenigstens ein Be- 
weis, dafs es noch Schriftsteller auf diesem Gebiete giebt, die 
um Tier Olympiadeo Sttruck sind, und ein Fubliltami das noch 
YCeiter zurück ist. 

Nach einer Einleitung über Sprache und Sprachlehre 
überhaupt bt'f^innt S. 12. die Fortsetzung der Einleitung unter 
der Aufschriii: ])eutsche Sprache und ihre Bildungs- 
geschieh iL', die mit der jetzt crmittellen Eintheilung der 
Sprachenfamilicn des giolücn indistl) -germanischen Sprachstam- 
mes eröffnet wird: sodann wird die Uildungsgeschichte 
der deutschen Sprache ton ihren ersten Anfangen bis zu 
ihrem gegen wart igen Standpunkte, in sieben Zeiträumen , durch 
swansig Jahrhundierte Terfolgt , ein Hauptabichnitl aber, der die 

Sanse Geschichte in sween llauptheiie theilt, bei der Epoch» 
er Reformation angenommen, deren erster die altdentschoi 
der zweite die neudeutsche Sprache und Literatur umfafst* 
Sie geht bis S. 130. £s. ist eine sehr befriedigende gedrängte 
Uebersicht des Wissenswürdigsten und Nolhweodigsten , und der 
Wirsbef;ieri{»e fnulel zngltlrh , neben mehreren alten Sprach* 
proben, literarische iSachweisimgen , die mit zwechmäTsiger Aus- 
wahl das Wesentliche von dem weniger Wesentlichen heraus- 
heben, und wenn es uns auch scheinen wollte, als hatte hie und 
da eine Notiz, ohne das Buch zu vertheuern , eingestreut wer- 
den können und sollen; so wird dadurch das Gegebene doch 
nicht für mangelhaft und unbefriedigend gehalten werden. W'ir 
begleiten Torzüglich diese Geschichte der deutschen Sprache mit 
einigen Anfragen und Bemerkungen, nin unser Interesse an dem 
Werbe zu bethatigen , da die Wortlehre theils zu weniger Be- 
merkungen TeranlMung giebt, theils besser im Zusammenhangs 
mit dem System betrachtet wird« — S. ao. dünkt es uns elwM 
seltsam, dafs für die n i c h t - s ue vischen Volkerschaften der 
Käme Unsueven als CollectiTname gebraucht ist. Es soUta 
doch wohl Nichtsuefen gesagt seyn. — S. z^ hätten wir, 
der Mei kwürdiglieit wegen, den ersten Versuch einer Belehrung 
über die Sprache der Golben f^enannt: De literis et lingua 
tarunx sive Goihorum, Jlein de notis Lombardicis, quibus accesse» 
runt Specimina variarum linguarum , (dei' Franken, der Angel- 
sachsen, der Basl&e0| der Friesen , der Isländer , der Zi^^euoer 



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U. a) edttore Bon, Fulcanwy BrugtiUi* I.ugil Bai. cx o(T. Plaritta« 
Itapbelciigii »597. 8 Bo^cn in 8. — VVnfiiiu ist \*ohl bei Nerv» 
niiiig won K i n h n r d s I j e b c n H a r I s tj v s (j r o Ts c n die A us- 
gabe von l^ertz in usum schol. Hnnover. \lhq 8. nicht genannt? 
— Ist i\ohl S. 38. dif L a f s h f r g'scbe Aus^«l»e iles Nibelungea- 
liedes absichtlich uber^^angen ? Dafs die Verdolinel^ciiun^en wberw 
gangen sind, billigen wir gAos. — > Warum ist Hohl der Abdruck 
des LoUgesanges auf den heitigen Hanno nicht «ngegeb^o « dec 
im dem von Oiodfiier n»4 Brtilw^w besorf^tea Opls Uthl ? Wohl 
toww^ well der beeeert von Goldnann ungefSlirl Zm 
derselben Seite bemerken wir, daIV der neueste Herausgeber det 
Edeleleine den Verf. nkbl JBoner nennt, sondern Bonn- 
ritts, weil es noch nicht gans ge%vifs eey, ob Boner auch der 
reobte HUme desselben ist. — S. 41. in der Spracbprobe aus 
Beiraar ?on Zweier steht dekeiuen Schaden iur diu 
keinen Schaden, was wir für einen Druci^ fehler halten wur^ 
den , wenn e« nicht S. f^U. in der Sprachprobe aus dem i4 Jahrb. 
wiederhehrle. 8. darüber schon Frisch S. 5oÖ } noch mehr 
Grimm in der L<ehre vom Pronomen an verschiedenen Stellen. ^ 
S. 47« ^' bältcn wir das Neueste der Literatur über den Bei nee Ue 
Fuchs, die f;eiaile gegenwärtig sehr bearbeitet wird, anj^cfuhrt 
gewünscht, namentlich die Werbe von Jac. Grimm (Berlin 
1834. 8), ron Hoffm«nn ron Fallersleben (Bresl. 1834. 
a), von Hone (Slutfff. u. Tbgen. 1833. 8.) und was Ger Vi- 
nns in diesen 'Jabrb. (i834. Jol.) darüber ge^^l bat. S. 67. 
sollte beroerbt seyn« dafa Ha na Saebs auch m Prosa schrieb |; 
freilich nur Weniges..— S. 58. liefs sich beatimmt angeben, dafi 
V. Ikel samers Tenlsc b e Grammati ca v or i534 gedroobt 
ist; f. Veesenmayers Beiträge jBor Cu Iturgesch iobte 
der deutseben Sprache (Ulm 1797* 4) L> Absehn. S. 7.** 
S. 6i4- hätte zu der Klage über die un^lüeUlichen Verbesserungen 
der alten Kirchenlieder bemerkt werden honnen, dafs neulieb 
Paul Gerhards Lieder wieder in ihrer ursprunglichen Gestalt 
herausgegeben worden sind , und S. 65. dai's die vollständige 
Sammlung der Z i n k 1; r e Tschen Apophihe^moia f ünf Bande hat. 
Bei der Erwähmmg von Schottels Verdiensien um die deut- 
sche Sprache konnte auch sein besonderes Buch deutsche 
Yesa- oder Beimkunst (Frankf. n. M. i656. 8.) genannt 
wiplln.. Ten Pilips (so sehrieb er ^b, niebt Philipp) von 
Xükmn^ 69. erwibnten Sonderbarlttilen fCbrce wir hier noch 
eine iwebt efaarableristiscbe an , die wir iioeb nirgenda erwähnt 
gefandOfi haben. Die Schriftstelter jener Zeit pflegten , aus einer 
Art Ton'^Beligiosität , bei dem Anfange ihrer Bucher häufig tum 
Zeichen, da(s sie ihr Werk mit Gott begonnen haben, obenan 
ZQ setxen A-i2, nach Apokalypse. 22, i3. Da schrieb nun Fiiip 
von Zesen in seiner Beschreibung von Amsterdam (1664. 4-) » 
der ersten Seite Ao! aber in seiner Mythologie (der erdich- 
teten Heidnischen Gottheiten, wie auch Als- und 
Halb-Gottheitcn Herkunft und Bcgnbnisso — kurz- 
Jbündig beschrieben (Nürnbg. i68d. 8; setzt er, mit unw 



Tergleichl icher Dcutschthumelei oder vielmehr aas Hyperpurismus, 
Tor die Dedication det Buches and über das erste Uapitel AsS 
— Bei Gottsched, ivo ans der Aosdruch, yaufser einer vei^ 
fafsten Sprachlehre« auffiel, hätte, da er als Dichter und Pro- 
saist deinen besonderti Anspruch auF Ehrenmeldung haben konnte, 
seiner Verdienste um die Geschichte der Literatur (durch seine 
8 Bände Beiträge zur critischen Historie der deut- 
schen Sprache, Poesie und Beredsamkeit. Lpz. 1782. ff. 
8. und seinen Nölhigen Vorrath zur Geschichte der 
dramatischen Di entbanst Lp^ 1757* 8.) gedacht werden 
kunnen. . 

EHi h^htl werlbToller Anbang za dfr Gesehlcbte dar dait- 
acban Spracha ist: i. Uaber dia g^acbicbtlieba Entwi- 
abelong dar gramnratiacban Formen S. 9S — io4* Hiar 
finden sich in 4 Colnoinan sa klarer Uabaraicht neben einander 
«astellt diagotbitoban, altbocbdeotscban, mitlelhocb* 
dao Richen and neuhochdeutschen Formen d,er Snbitaa- 
ttve nach der starken und nach der schwachen Declination, eben 
so die Adjective , die Pronomina, und zwar die persönlichen, 
demonstrativen und die fragenden, endlich auch die Verba nach 
schwacher und nach starker Conjugation und das Hülfsverbum 
• eyn. Hier bemerken wir zu S. 97., wo es heifst , Gunst er- 
mangle im neuhochdeutschen des Plurals, da(s sich doch in der 
Formel zu meinen Gunsten eine Pluralfoiin findet, und zu 
S. 101. zu dem Interrogativ- Pronomen wer von zweien, goth. 
b Tatar« althochd. buadar, mittelbocbd. wadar, daft as swar^ 
mie btar angegeben wird, im naohocbdenticben feblt, doab nur 
dar Badaatung naab: das Wort hat dia nanbocbdaatscba 
Spraaba auch in der, frailieb wenig gabraacbtan. Form iad» 
wader. Freimund Reimar (Fr. Ruckert) sagt in seinen daaU 
sehen Gedichten (1814:) Gen'ral Wreda! Für jedwede 
Hriegestbat, die du vollbracht a« s. w. Von S. io5. 
beginnt der zweite, gleichfalls sehr interessante, * Anbang : Deut- 
sehe Mundarten und ihr Vcrhältnifs zur Schrift- 
sprache. Hier will Ref., als Schwabe, nur bei der schwäbi- 
schen Sprachprobe aus dem Gleichnisse vom Säemann (Ev. Marc 
4, 3 — 0.) ein Paar Berichtigungen anbringen. Die Worte zu 
säen werden hier gegeben um z*säa. Dies wäre richtig, wenn 
der wahre Schwabe diese Wendung hatte. Er sagt aber (*siscbt 
a Baur naus ganga und hat wo IIa saa. So sagt er aucb 

fiir Höret zu nicht Hear, sondern (in der bezeichneten Ge- 
gend zwischen Augsburg und Ulm) im Singular Hair und im 

Plural Haiiet. Dann für snete nicht g'sat hat, sondern 
g ' s ä ' t hat, ferner H e m m c 1 , nicht H i m m e I , für gehabt 
nicht g'liätt, sondern g'heet; fiir keine Erde nicht koin 
Farde, sondern koi(n) Erda; für tiefen Boden nicht tie- 
fen Boda, sondern tuifa Boda, für da nun nichts weniger 
als wie nun, sondern nau wia; für die Sonne aufgicng 
. Biabt d'SoaaS bUMnii iaobl. aondam d'Sonn' komma n 



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Jtcht; nicht verdorrt, sondern Ter dorr nt; für gebracbt 
iiicht bra cht, (so sprechen die, welche sich der SchriHsprache 
nSbera wollen > aondern braocht; endlich nicht und die (lur 

diM)« sondern nnd dvt. Steher hat der Verf. die Ton uns g«» 
tedeUen Formen aus einer guten (Quelle. Aber der Gebildete 
enthält sich in der Regel des Volhsdialebtes in diesen Gebenden, 

und kennt ihn, wenn er ihn sprechen oder schieibcn will, oft 
selbst nicht recht. Zu der nun Tulgenden eigentlichen Sprach- 
lehre sagen wir jetzt nicht mehr, als dafs wir überall das gelun- 
gene Bestreben erkennen, Hichtiglteit und lUaihcit mit guter 
und bundiger Darstelhing zu vereinigen, und dafs wir, und gewifs 
VieJe mit uns , der Vollendung des Werkes mit Verlangen , je* 
doch nicht mit Ungeduld, entgegen sehen.*; 

Ulm. H. 31 o s er. 



PHYSIKALISCHE 1.ITERATUB. 

Obngeachtet der bedeutenden Erweiterungen, deren sich die 
riatarlebre gerade gegenwärtig unausgesetzt erfreuet, ist die Li- 
teratur dennoch nicM reich an eigenen Werhen ; die meisten nnd 
wichtigsten Scbitse sind in den Journalen un4 Schriften gelehrlMr 
Geaeiifcbaften enthalten, deren Berucksicbtignng der beecbriinlil« 
Banm nnaerer Zeitschrift nicht gestattet. Inaswitchen will Ref. 
die wichtigiten Werbet die ihm im ferflosaenen Semester be* 
bannt wwmn, bnrs anseigen. 



Die Lehre von der Vohü sivn ^ umfassend die Klaslicitut der (iant^ 
die Klatfiirilät und Cohdrenz der flüssigen und festtn Körper und die 
Kryitallkunde , nebtt vielen neuen Tabellen nbtr alle Theilc der Cohd- 
»iontfehre^ intbesondere über die Klasticität und Fettigkeit von M. L. 
Fr ank cnheim t aujuerordentl. Projenwr au d. Vuift. vom BrtUou 
Br€9l, 1835. r/. M. 501. S. 8. 

Schon der Titel zeigt, dafs ein eben so "nichtiges als interes- 
santes Hauptproblem der Physik in einem sehr weilen Lmfange 
aofgefafst ist, und Ref. trägt in der Thal Bedenken, alles das- 
jenige einzeln anzugeben, was der Verf. in den liereich seiner 
Untersuchungen gezogen ha^ Es möge <la}ier genügen, nur im 
Al/gemeinen anzuzeigen, dafs in dem VN'ei ke viele Gelehrsamkeit 
enthalten ist^ der VerF. liat die Literatur über die -behandelten 
Probleme sebr Tollstiindig angegeben, und man gewahrt bald, dafs 
«r sieb nicht mit den Uteln begnügt , sondern «ttch mit dem In- 



*} Nur zwei Nebcndinii^e bemerken wir norli, numliGh zu S. 180 
(Note) dar« auch die lloliündcr in dem Wurto l<$vendif^ (leben- 
iig) <en Ton auf der WarceUylbe , and nicht in der Mittn babin, 
dann su S. 209, daff die Holliitider ihren grofMa Heetbove 
mdit Bnrbftwe, a^a4am.BnrliAve nnaareaclMn. 



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PhjfiksliMiie Utmliir. 



halte vcilraut gtoacht hat; allein eine Uebersfcht seiner Ansich- 
ten zu erhalten, iinrl einen Zusammenhnnsj in die einzelnen Be- 
trachtungen z« brinf^en, hält in der That sehr schwer. So begreift 
man unter andern nbernil haum, in wiefern M. B e a u foy* s Ver- 
suche über die Hralt des StoPses in den Bereich dieser ünter- 
sachun^en geboren, und es hättet» mit noch gröfserera Rechte 
die Resultate der F'orschungcn eben dieses treillichen Gelehrten 
über den Widerstand llussiger Milte! gleichFalU «ine Aufnahme 
Terdient Auf gleiche Weise lie^t es sfueb nach unserer nnmiT^ 
ceblicben Aniient aofser dem eigentlichen Plane eines solchen 
Werltes? vras der Verf. nach der Vorrede speciell beabsiditigti 
nämlich über den literaritchen Charakter der Physiker Urlhim 
^zu Tällpn, die dem Literarhistoriher den Weg bahnen« nnd^ ihn 
bei der Bearbeitung der Geschichte der Physik leiten sollen« An 
die Geschichte einer Wissenschafl kann sich nur ein solcher wa* 

fen , der mit ihr innig Tertraut ist, der blose Literator dagegen 
alt sich an allgemein bekannte Namen, und hann unmöglich so 
specielle W^erhe , als das vorliegende ist, für seinen Zweck als 
Quelle benutzen. Der Verf. bevoru ortet zugleich die hierbei 
iiotbige gerechte Strenge, wogegen niemand etwas einwenden 
wird; allein wenn S. i33 von Tobias Mayer dem Jungeren 
(soll heifsen Job. Tob. Mayer, denn Tob. Mayer ist der 
Tater) gesagt wirch: »Wie bei fast allen physikalischen Arbeiten 
^dieses Mannes sind die Yersuche nnhedentend, die Theorie falseb 
9nnd die Darstellung von jener Breite und affecHrter logischer 
»Conseqnenn, welche Gleichgesinnte mit GfQndlichheit so Ter» 
»wechseln pflegende so sollte inan glauben, der Name sey ver* 
wechselt; denn wer Mayers erste A'bhandlung (Iber das Phlo- 
giston, seine folgenJfen über die Wärme, über das dalton'sche 
Gesetz, (Iber die Elasticität und Dichtigkeit der Dämpfe, über 
das mariotte'sche Gesetz, insbesondere über das Inklinatarium, 
eine Arbeit, die nicht blos von Teutschen, sondern auch von 
Engländern und Franzosen geschätzt ist, un«j die bekannte Be- 
zeichnung der Mayer'schcn Nadel vcranlaf^t hat, wei- , sage 
ich, diese und andere schätzbare Ai heilen dieses Physikers Uennt, 
welcher aulscrdem die beliebte l< a - P 1 a c e'sche Hypothese von 
den Wäroieatmosphnreii der Molecülen zuerst aufstellte, was soll 
der über ein solches Urtheil denken, als hier gefallet ist, und 
obendrein in der Absicht , um dem Literarhistoriker als Norm sa 
dienen. Auch über den ebrwQrdigen Veteran G. G« Schmidt 
nrthetlt aicher das physikalische Publicum anders « als der Verf* 
m der kurzen Andeutung 9% angiebt 



Die lebendige iSlatur, von Dr. Karl Georg Neumann Berl. 1835. 
872 .S. t*. 

Dieses Buch wird von allen denen, die sich sehr für das 
^udium der Natur inlei essircn , ohne dafs sie Gelegenheit, Zeit 
und Braft haben, in die liefen der Wissenschaft einzudringen, 
mit grofsem Vergnügen gelesen werden, und eieieo fieüali fio- 



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den, vielleicht in einem solchen Grade, dalii die ernste Kritik 
Tom grofsten Theile des Fublicums mit Un>\ilieii /urüchgewitaeii 
'werden durfte. Zuv5rderst iimtafst das N'V crK das {^an/.e Gebiet 
der lebenden und leblosen Natur; die Astronomie, die (jii)sische 
Geographie, die Geologie, die gAiuu; Phjsih, die Physiologie; 
jogar 4k Ptycbologie ond ein Theil - der Geicbichte der Plii(^ 
■opht« werdea in AffP Hauptanirissen au Ige iShit. A^djjjjf Jfm 
ßim bat ^r Verf. ipb autneliiMfide Fertigkeit, am der imi^ 
flieralichen Meng» der rorliegenden Thatsachen die auffallendsten 
ber? orzukeben , luid für seinen Zweck sinnreich seu combinireo« 
Josbetoodere aber ist seine Scbreibart nicht blos klar und angenehm, 
jondero er besitzt auch die eigenthumliche Kunst, die Sätze mit , 
solcher Zuversicht hinzustellen, dafs der nicht lünlün^licli behut- 
same und mit den Sachen ohnehin völlig vertraute Leser unwill- 
kührlich uberredet wird, es sey an der ausgemachten Wahrheit 
der Behauptungen im Entferntesien nicht zu zweifeln. Snll nun das 
Buch blos zur Unterhaltung dienen, um zu ubci&ehef), zu wel- 
cben i^oigerungen die Zusammenstellung wii klicber, aber einseitig 
aufgefafster , Thatsachen fuhrt, so ist dieses ganz unschädlich, 
,«nd für viele gewifs auch interessant; soll aber das'' Werk über 
lien eiigeBtUeb«!! Standputibl der Wisatnacbaft Delebrung yind. 
€ber dhi 4rt ihrer Bchandlviig ein« Anweisung geben, ^j^ßt^^ 
-m in beider Hinsicht nicht blos unnQtx, ••ndern aogar geßBriicb, 
weil es offenbar die berfits aul eine ganz andere Weise gemacbh 
I0n Fortschritte dann bMiaeo und der gi undlicbeo NaloHorschun^ 
eine -falsche Richtung geben wurde. VVir wollen dieses, vielen 
ohne Zweifel mifsfallende, Urlheil durch einige willkuhrlich auf*|| 
gegriflene Stellen begründen. S. 144 keifst es wörtlicli: »Die^ 
»zunehmende Schwere der unteren Luitschichte gegen die obere, 
ȟberhaupt die Beobachtung, dafs die Anziehung der F.rdober- 
»iläche innner stärker wird, je mehr sich ein Kür[)er ihr nähert, 
ybat zu einer Annahme Anlafs gegeben , die allerliochstv^ahr. 
yscheinlich irrig ist, weil sie zu unmöglichen und widersinnigen 
»Resultaten fuhrt. Weil ntolieb tu dem Gruben und Scbacbten 
tdjpr . perge die Schwere fortwSbrend sunimmt, je tiefer man 
»fctaürt, bat. Juan nicht die Erdoberllficbe , sondern deren Mit* 
• »tel|MMCt sum Centrnm der Bewegung genommen und geschlos^ 
M Up^ es vermehre sich die Schwere aller Korper bis tum Mifc» 
MHj^Slibt der Erde fortwährend in derselben Prpportibo« in W^l- 
Uipiren sie sich bis zu ihrer Dberiläche vermehrt. Dies Geseta, 
9uach welcher sich die Schwere vermehrt, hat den Nanün 
»M a reot t e'schen von seinem Krilnder. *) Nach demselben hät dos 
»WasserstofTf^as nicht weil unter der Krdobei Iläche schon die 
»Schwere des Goldes; die Last des Kerns der Krde ist nicht zu 
^»berechnen ; gleichwohl giebt ihr die Veip;leichung der Schnellig> 
yfaeit ihrer Kewegung mit der anderer Sterne nur ein Gewicht 
»von etwa gegen die specifische Schwere des YVass^s. Man 

*) Anm. Der Erfinder dicM«, da« Verhalten der Gase kesMshnaUr 
. den, CkMta«a heiXal b«kaaaUich Hajrielki«* 



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\ 



IM fiyrfktllMlie Uimlar. 

»hat sich diesen Fehler zu Schulden hommen lassen, dafs man 
»ohne Grund supponirt hat , die Schwere nehme bis zum MilteU 
»nunkt der Eide zu, da doch nur ihre Oberllache die Anzie* 
yhun^ wirklich ausübt.«c 

Ref. hat diese ganze Stelle abgeschrieben, weil wohl an keiner 
andern so viele Unrichtigheilen in so wenigen Zeilen zusammen«' 
gedrangt sind, nnd weil es am meisten «iiHsIlend ist,- dsfs dio- 
lenigen, die eine Beform der gesammten Physik nnttrnehmen, 
in der Regel ihre Unkenntnifs der einfsclisten « seit mehr alt 
einem JahHiundert ausgemachten , nnd so tlelfaeh bewahrte«« 
'Fnndam^ntalsStse offen zu Tage legen. Bei den unwfigbam 
Fdtenzen lassen sich die Unrichtigkeiten nicht so bestimmt nach- 
weisen, aber kühn ist auf «llen Fall die Hypothese, dafs alle . 
HSrper, so vrie sie den Aggregatzustand der Festigkeit, tropf» 
baren Flüssigkeit nnd Gasform wechseln, auch in Licht und 
Wärme als eine vierte Slule übergehen sollen. Hiernach ist dann 
S. ii3 vdas Sonnenlicht nichts anderes, als eine dtirch die Re- 
»flexion der Sonnenstrahlen von der Erdfläclie bewirkte Mela- 
vmorphose der Atmosplinre.« Ref. mögte einlach fragen, was 
denn die Sonnenstrahlen sind, ehe sie die Erdfläche berühren, 
hat jedoch das Ruch nicht vollständig genug gelesen, lim au 
wissen, ob es hierauf eine Antwort enthält; so Tiel ist ibm aber 
aufgefallen . da(k die Planeten telbstleiiehtende 'tl5rper seyn aoU 
len. Die Schriftsteller, denen es so leicht scheint, die ganae 
Vhjwk zo refonniren,1>edenken in derTbat nicht, dnrcb welobe 
unübersehbare Menge von Versuchen, Combinationen nnd PHU 
fnngen das jetzt bestehende Gebäude derselben aeine gegenwAr- 
tige Stabilität erhalten hat, nnd daHi es ebendaher eine sehr 
achwierige Aufgabe ist, nur einen einsigen, als allgemein gültig 
angenommenen, Sats omxustofsen, und mit einem richtigem u 
▼erlauschen. : 

Utberb liefe der physikalischen IV i s s ens ch aft en in ihrem 
ZuMammenhan e von Maria Sommer vi! l€* Uebersetzt nach 
äer nMitsn Auflage dm fM^IfcAt» Origitml». Mit sAmt 9^mtwä9 4m 
Diwtma K. F. Kiöä9n. Bmtin IM»? XMI/. ii. 484 S. 8. 

Es ist bekanntlich allgemein in England Sitte, dafs die Dac 
aen in den höheren Ständen si^b nicht mit weiblidien Arbeiten 
und der Sorge filr das Hauswesen beschäftigen, sondern ihre ron 
der gesellschafllichen Unterhaltung fihrig bleibende Zeit den 
Wissenschaften widmen. Eine Folge hiervon ist, dafs die eng. 
tische Literatur eine ▼erhSltnifsmäfsig grolse Menge von \Yerken 
anfzuweiscn hat, die von Damen verfaPst sind. Dafs hiei'durch 
unmittelbar die Wissenschaft befordert werde, machte Ref. nicht 
geradezu behaupten, mindestens haben ihre literarischen Erzeug- 
nisse noch zur Zeit kein Uebergewicht über die der Männer; 
ein mittelbarer Einilufs ist dagegen nicht zu verkennen, insofern 
die Achtung für die Studien überhaupt dadurch wächst, und 
aufserdem haben viele englische Gelehrte eine bedeutende Hülfe 
in den Dienstleistungen ihrer Frauen , die sich aus natürlicher 
S/mpathie meistens denjenigen Studien gleichfalls widmen, mit 




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• 

denen ihre Männer sich beschäf^i^n. Die Yerfatterin des tor* 
liegenden Werkes, die anderweitig bereits hiniänglich bekannte 
Lady Sommerville, gehurt jedoch keineswegs unter die grofse 
Zahl derjenigen, die immer nur oberÜnchlich bleiben, sondern sie 
hat im eigentlichen Sinne eine tiefe Gelehrsamkeit in Folge ihres 
anhaltenden Fleifses und ihrer ausgezeichneten Anlagen. Aufser 
minder bedeutenden lieistungen hat sie namentlich La Place*s 
berühmte Meobaoik des Himmels nicht blos übersetzt, sondern 
Jurch eine eigenlli&iiiKehe Beerbeitmg ttirta Landeltiilea Mi» 
gän gljfih er gemeeht, alt das Origiaal war. Spittr hal na die k 
4lai|pioJblgelungefiaa Deberietaaaff Torliegeada Solwtll ?arfaftl| 
flfe laan wobl aina Tollstandige Physik, mit AwaablaCi aiaigar 
4^bschnitta aus dem Bereiche der MealiMiilif aaaaan kana* Dea 
aigentlichen Charakter derselben, die unter dem Titel: On tke 
iflßitn^f^n of the phrsical fScimcm aradiianan ist, in England mit 
groPsem Beifalle aufgenommen wurde, nnd bereits die )i\veite 
AuHage erhielt, hat Hr. Dircctor Kloden in seiner Vorrede 
•ehr richtig aufgefafst. Es ist weder ein Compcndium , noch ein 
Handbuch , sondern eine concinne Zusammenstellung des System s 
der physikalischen Hauptlehren, wie diese Wissenschaft gegen- 
wärtig in England besteht, und wer dieses kennen zu lernen 
wünscht, kann keine klarere and reichere Quelle finden, als diese 
Bchrift, woria alias hMiat büadta aaaammengestellt ist Das 
Werk ift ßMgens keineswegs laicat, und aasera Damen dSrflM 
ja nicht glauben , dafii es sieh roraagsweisa für NIehtkondiga aom 
J£rleraen einer unverkennbar sehwiarigen Wissenschaft eigne, 
Wielmehr mnfs derjenige, der es mil Nulaan lesen will, in alt^ 
Theilen der Physik sehr gut bewandert seyn. AMardiogs ist all^ 
Calcul .vermieden^ und blos in den Anmerkungen fon S. 889 Ims 
449 finden sich einige darch eingedruckte Figuren erläuterte geo« 
metrische Demonstrationen , das Werk gleicht also in dieser Be- 
ziehung sehr dem Sj-sthne üit innnde von I^a Place, allein man 
merkt oald, dafs beide aas der F'cder von solchen geflossen sind, 
die sich mit der hohof cn Analyse vollstäiuiig vertraut gemacht 
haben. Das Buch eignet sich daher nur für die Physilter vom 
Fach, oder solche, die mit dieser Wissenschaft schon in einem 
lieben Grade vertraut sind, aber diese alle werden es mit inni* 
Tergnngen lesen, um die wichtigsten Tkeila der Nalnrlabra 
^^r vollstündig so, wie aamentlich die englischen Oelebrten sia 
ai|S. eipenen und fremden^Forschungen bearbeitet haben, in der 
etgentoumliehen lichtvollen Darstellung, wie die gelehrte Ver* 
toserin sie aufgerafst bat, au uberblicucn. 

Ohngefahr die erste Ha'lf\c des Buches ist den naiiptlehren 
der physischen Astronomie gewidmet, die andere der Schalllehre, 
der Optik, der Wärmelehre, der Elektricitat und dem Magna- 
tismus, wobei die neuesten Untersuchungen über Elektromagne- 
tismus, Thermoniagnetismus und Magneto > Elektricitat vorzugs- 
weise vollständig aufgenommen sind. Das Interesse beim Lesen 
wird nebenher noch dadurch bedeutend erhöhet, dafs die Ver- 
fasserin keineswegs ihr Geschlecht gänzlieh verleugnet, vielmehr 



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IM 

« 



P^allwlittrhe UImmM«!!. 



neben tiefer Gelehrsamkeit eine vorzugliche Zartheit in der 
Darstellung und eine re^c Phantasie beurkundet, wodurch das 
todte W ort zum lehendioen Gedanken wird. Lm dieses gefällte 
Uitheil als begründet zu beweisen und zugleich eine Probe von 
der Vortredlichkeit der üebertetzung zu geben, möge folgende 
wilikRhrlich gewühlte Stelle dienen. & i8i« »Jeder nuffl b». 
nmerht haben, dnfs wenn dorch ein heUes Lieht ein alarber Ein» 
»dmch gemnoht ist, der Gegenstand für eine hnrft 9Mt nach 
»dem aehUefaen der Augen sieiithar bleibt, nnd SMn nimmt an, 
»dafs dies in Folge der anhaltenden Schwingungen dar Fibern, 
»der Retina geschieht. Mitunter wird die JRetiiia für schwach 
»ienehtende Gegenstände unempfindlich, wenn sie ihr beständig 
»vorgehalten werden; wenn dann das Aoge für einen Moment 
»abgewendet wird , so wii d der Gegenstand wieder sichtbar. 
»EU ist wahrscheinlich , dais deshalb die Eulen eine so eigenthüm- 
»liche Bewegung mit dem Hopfe machen, wenn sie im Zwielicht 
»auf Gegenstände sehen. F.s ist sehr möglich, dafs viele Schwin- 
»gungen im ätherischen Medium erregt werden können, welche 
»unfähig sind, ündulationen in den Fibern der menschlichen Re^ 
»tioa ^r vorzubringen, und doch eine kräftige Wirkung Mif die 
»•dlHv Thiere oder der Inaecten haben. Diese empfangen tiel» 
»lejBij^ iehteindrgehe , von denen wir gar nichts wissen, nnd 
•MpHlh tm^geo sie uempSndlicb filr Licht nnd Farben eejnt 
»welche onsere Augen elficiren, so dalW ihne Wahrnehmt^en 
»ds anfnrtgen, wo nnsere aufhören.« 

nie hier angenommenen Schwingonfien der Beiina, die anch 
Plateau in gewisser Hinsicht aus seinen Versuchen folgert, 
eben wie die der Gehörnerven nach der Verfasserin , sind zwar 
noch keiniswegs erwiesen, insofern wir die eigenthumliche Thä- 
ti;;ltoit der Nerven nicht genau und bestimmt kennen; eben so 
wenig l.'ilsC sich über die Ursache des Blinzeins der Eulen mit 
Gewifslieil entscheiden, aber dennoch bleibt das Gesagte stets 
sinnreich, selbst dann, wenn die Verfasserin die Sache nicht ge- 
nau und in ihrem ganzen Umfange kennt, wie mitunter z. B. 
namentlich 6. i53 bei den abnsliscben Untersuchungen über die 
Mlae und die Tartinischen T5ne der Fall ist, weil ei« sich ak 
lerdings mit der englischen und frans&iischen , aber nicht mit 
der leotschen und sum Theii der. italienischen Literatur ▼erthnl 
gemacht hat _ ^ 

Ü4b9r äi9 Naiur äer Gu»9 »der die Oetaaiefrl«. Nack Ncitfn 

und ciffeven j4n*ichitm vorgetragen von Jok* l*99nk, Spitk, K. tkgg* 

Hofrath , /4kar1cmiker und Prof d. höheren Mathem an der Luwg^ 
M€U[imilian8 - Universität in München. Münchtu lho5 f lU. u ß4 S.S. 

Ref. glaubt dem Verfasser , wclchei eine so lange Reihe von 
Jahren hindurch den Wissenschaften treu gedient hat, einen Gelallen 
ZU erzeigen, wenn er diese kleine Schrift nicht mit Stillschwei- 
gen ubergeht, tollte auch ^Jas Urtheil nicht ganz nach Wunsche 
nuslallen. Sie enthitt nfirolicb die Bauptprincipien der Natur* 
joJutosophie, nnd der Verf. beabsichtigt die ganze Pbjsih «usfuh»» 
lieb naeh. diesen eusgearbeitet behMot sa mcheo, wenn diese 



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PhytlltiilUche Lit«ra(ar. 



Schrift als Vorläafennn beifällig von Sachl^ennern aufgcnoinnien 
werden sollte. Nach genauer Ueberlegung ist aber ein solches 
Unternehmen durchaus nicht zu billigen , weil es als ganz un- 
möglich erscheinen muPs, riafs ein einzelner Mensch die unüber- 
sehbare Menge von l'hatsachen so vollständig inne haben konnte, 
um alles unter ein gemeinsames höchstes Princip zu bringei». 
Konnte doch Newton selbst nur ein einziges allgemeines Natur- 
gesetz, das der Gravitation, fest begründen, und die Phänomene 
des l^ichls zu einem Systeme vereinen, ohne dafs er es wagte, 
über das Wesen weder der Materie noch des Lichtes bestimmt 
zu entscheiden. Alle anderen Zweige der Physik berShrle der 
bescheidene Forscher nur im Vorbeigehen. Wir \« ollen daher, 
seinem Beispiele getreu, nur einzelne Theile aus dem unermefs- 
liehen Gebiete kennen lernen, und die zahlreichen Dunltclheiten 
mehr zu erhellen uns bemühen, damit vir nicht unter dem rie- 
senhaften Unternehmen unterliegen , wenn wir es wagen , eine 
ganzliche Reform des Ganzen auf unsere hierfür allzuschwachen 
Schullern zu nehmen. Versuche dieser Art beginnen allezeit da- 
mit, dafs gewisse Prämissen aufgestellt werden, auf denen sich 
dann allerdings ein stattliches Gebäude errichten lafst , die aber 
selbst unerwiesen und unerweisbar sind , weswegen der schlecht 
begründete Bau nothwcndig ein luftiger werden mufs. So sagt 
denn auch der Verf. i.: »die GrundslotTe theilen sich bei 
»ihrer aufserordentlichen F'einheit in Sortimente oder Classen ab, 
»von welchen die feinsten miasmatische genannt werden ; sie sind 
vdabei ihrer Form nach runde, ovale oder faserartig gcslaltcte; 
»und haben dabei von Natur eine gewisse Härte oder Steile.« 
Hierbei mufs man aber doch nothwendig fragen: woher weift 
man dieses alles? Noch zur Zeit weifs man nicht gewi fs, ob 
die Miasmen materielle Substanzen , ob sie einfach oder zusam- 
mengesetzt, aus bekannten Stoffen bestehend, oder eigenlhfim- 
iicber Art, ob unter sich insgesammt gleich oder verschieden 
sind, üeber die Grundstoffe , die ziemlich allgemein als das Sub- 
stratam der Korper gelten, ist man noch ungewifs, ob sie von 
verschiedener Gestalt sind, pder alle nur eine und die nämliche 
Form haben. Fs ist daher fraglich , ob der Verf. nur einen 
einzigen dieser willUuhrlich aufgestellten Sätze zu beweisen ver- 
mag; bis dieses aber geschehen scyn wird, darf er keine Theorie 
darauf gründen. 

htemoire »vr V Application de VRlcctro - Masn^tisme au inouvement de» Ma- 
tchinti. Par M. H. J a cob i ^ Dorteur des Science» et Professeur a 
Vnniver»iti imperiale de Dorpat. /4vec une planche. Pol »dam 1835. 
I L u 54. Ä. 8. 

Das Publicum ist bereits davon unterrichtet, dafs der Ver- 
fasser (früher in Königsberg , von wo aus auch die Vorrede da- 
tirt ist) seit geraumer Zeit bemüht war, den durch Elektricitä't 
erzeugten Magnetismus als bewegende Kraft anzuwenden. Aucb 
andere haben sich an dieser Aufgabe versucht, und es dürfte 
nicht leicht seyn, über die Priorität der Idee zu entscheiden, 
voraof ^s jedoch nicht ankommt , da die Mechanik schon lange 



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im PbjtiUllMlM UlMtaf. PMagogak. 

voo der magnetischen Kraf^ Nutzen zu erhalten gesucht hat, uod 
dieser Wunsch daher aufs Neue aligennein erregt werden mufste, 
sohald als Sturgeon Magnete von enormer Tragkraft durch 
einen nicht sehr starken Strom volt2*S€her Elektricitit itt erses* 
geo gtlchit bat, deren Wirhonc nach der Unterbrechung des 
elektrischen Stromes sofort wieder vernichtet wird. Dagegen 
«Bterliegt es beiaeai Zweifel , da(s der Terf« das Problem bie 
■jelst am weitesten gefordert and einen Nutzeifect von einer hal- 
ben llann^kraft wirklich herausgebracht hat. Die Bedingung;, 
woraof es hauptsächlich ankommt, nämlich die sich ansiehen^i^ 
ungleichnamigen Pole sogleich nach ihrer Bildung in gleichna- 
mige zu verwandeln , und dann nach erfolgter Abstofsung durch 
den einen magnetischen Schenkel wieder Anziehung durch einen 
nächstfolgenden einzuleiten , hat er auf eine sinnreiche Weise 
verwirklicht, und zwar so, dafs die einmal in Bewegung gesetzte 
Maschine zugleich eine Selbststeuerung erhält. Alles dieses zu 
beschreiben würde hier zu viel Raum erlordern, und es mufs 
daher die blofse Anzeige genügen, dafs eine auf das angegebene 
Princip gegrSndete Maschine wirklich ausgeführt isl* und nach 
■de r »ttf *llc Einselnhciten ToUstSndigen Beschreibung allge- 
meflHkrgestellt werden bann. Die Schrift, welche schon . in 
sei^llR^trucksicht uberall begierig gelesen werden wird, enlWT 
*i<^ch aufserdem eine Menge Ton Thatsachen über das ge- 
genseitige Verhalten der Elektriciiät und des Magnetismus | . wel- 
che die neueste, durch Faradaj erhaltenen, Resultate theilt 
zu bestätigen, theils zu ergänzen dienen. Schon diese allein 
sind Werth, die Aufmerksamkeit der Physiker zu erregen, und 
TCrdienen im Werke Sßibßi nachgelesen zu werden. ,4 

*Sfr ' > M u n c k 

^ \ ' - ' 

iir P A D A « Ö G I K. ^ ^' 

ümrift pddarogitehcr Vorltaungtn von Hnrhmrt, Q6iUng$m,üi 
der Dht9rieh*tek€m Bvohkandtung, im. kL 8. (IK u. lOS &) . 

Wenn gleich nur ein kurser Umrifs, so ist er doch iA der 
pädagogischen Literatur auszuzeichnen , weil der Verf. desselben 
yicb schon seit etwa 3o Jahren als einer der vorzüglichsten licli- 
rcr der Pädagogik ausgesprochen hat ; wohin auch seine Psjcho* 
logie gehört. Auch ist Ree. vollkommen mit ihm uberzengn 
dafs, wie er in de» Vorrede sagt, »die Pädagogik in mehreren 
Formen kann dargestellt werden; und dafs nicht blos die Voll- 
ständigkeit, sondern auch die Sicherheit der praktischen Anwen- 
dung dabei gewinnt , wenn man sich der verschiedenen Formen 
neben einander bedient;« und so war die llerbart'sche, aber zu- 

Sleich mit ihrem reichen Gehalt, schon von längerer Zeit her 
em Unterzeichneten bei der verschiedenen «einigen von Nutzen. 
Wir geben sie hier nur kurz an. Die Einleitung gibt als 
Grundbegriff die Bildsamkett des Zöglings, »und hiermit das Rm- 
ptrische und Praktische der Pädagogik im Verbültnift zur Phi> 
. loepphie an. Im it«a Abichn. wiiä Ton dev Begrfiadiuog 



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•proehen. Als Paradoxon ühorraacbt die Senteos i '^Wili Idee det 
Boebti fordert, dafs der ZSgling ei aofgebe tn tfreiten;« ein 
Grundsatz, welchen Ref. mehrfach ausgesprochen hat. Die phU . 
losophische Begründung spricht Ton den SeelenTermSgen, die 
Swar nicht ein Aggregat von Hröften sind, aber doch nach ein* 
ander hervortreten, und gibt allgemeine Regein für die lieobach- 
tung u. 8. w. an. BeK glaubt, dafs durch Zuruchfiihrung aoi 
den Rildungstrit'b, der doch unläughar in jedem Hinde wirkt, die 
Einheit in dieser Vielheit leichter und anwendbarer crfafst wer- 
den Itoone. Der Verf. befaPst die Erziehung in den drei Stu-^ 
eben: Unterricht, Zucht und Hegierung, und verweiset dabei 
^nf seine allgeoieioe Pädagogik. r tr 

Der sweilie Absehnitt gibt eine Üebersleh t aSVa llge- 
Wbinen PIdagogik nach den Altern. Für die ersten drei 
Xebensjahre aiod .nur wenige Regeki in 8 horsen G$. angegeben, 
Imebrere filr das weitere Alter bis zum 8ten Jahre. Aaf das 
VVohlwollen des Kindes nnd auf die Erweckung der Idee der 
Yollkoromehbeit wird mit Recht der 'Nachdruck gelegt, und da- 
ijkei Einiges vorgeschrieben, "irat SO thon sey, z. B. untt nicht 
dem ubelwoUendcn den Kreis, worin es froh leben kSni^'^ab* 
geneigt zu machen, wo dann ^>eine Bitterkeit die andere crieugt, 
und nur ilbn'g bleibt, aut i>lrenges Recht zuhalten.« Weiler 
lehrt der Verf.: »Aber man hat viel gewonnen, wenn theilneh- 
mendes Gefühl, unterstützt von geselligem Frohsinn, sieh mit 
dem Glauben an das Wohlwollen derer, von welchen das Kind 
als von höheren Wesen abhängt, verbinden. Alsdann hat die 
religiöse Bildung ihren BodeO| ond fordert wefter.c Der Unterricht 
tritt in jener Periode theils synthetisch theils analytisch ein, wor- 
Äber ledoch^i wie uberbaopt, von den was zorfirwechnng jener 
Idee gehffrt, nur wenige etwas sagen. In dem .Kap. Tom 
Knabenalter wird besonders von LehrgegenstSnden , und in den 
Hoch wenigeren $$. vom Jünglingsalter über das Schwierige die* 
eer weiteren Erziehung gesprochen. Der $. 79. gibt eine wich- 
tige Erfahrung an, wir setzen ihn deshalb ganz hierher: »Geht 
jetzt der Jüngling, vertrauend auf gunstige Umstünde, ungeach- 
tet aller Aufforderung, seiner Bequemlichkeit nach, so ist die 
Erziehung am Ende; und man kann sie nur mit solchen Lehren 
und Vorstellungen beschliefsen , \^ eiche auf den p'all, dafs liünf- 
tiffe EIrfabrungen etwa daran erinnern mochten, berechnet sind.« 
>'\ Der dritte Abschn. enthä'ft: PS dag. Bemerkungen zur 
ÜMandlong besonderer Lehrgegenstande; zuerst zum 
BeUgioniwiterrichf. Ee lerlangt nicht bfos Historisches, sondern 
•ich »die gegenwSrtig||jn Zeugnisse der Katar etc«, welches in. 
dessen noch nicht daS Erste ist; reines FamHiengefuh^ o. s« w« 
^ibt hierin der Familienerziehung eine Aufgabe« Auf die Wich- 
l^keit der rechten Art dieses Unterrichts deutet der Verf. noch 
einmal im folg. Abschn. 161.) hin. lieber den Unterricht 
In der Geschichte spricht das 2te Kap. etwas ausführUcher , und 
YcrdioDt besooders beachtet zu werden, haoftsachüch wegen der 



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m Pidagagik. 

trefflichen Winiie für den Vortrag and die Anordnung. Drittes 
Kap. Mathematik und Naturlehre; ebenfalls dem Mt-thodiher wich- 
tig. Von der ersleren sagt der 102.: »dafs die Anlage zu der- 
selben seilner sey , als zu artdern Studien, ist ein blofser Schein, 
der vom verspäteten und vernachlässigten Anfange lierruhrt; aber 
dafs Mathematiker selten aufgelegt sind, sich mit (hindern gehörig 
zu beschäftigen, ist natüilich. « Ganz des Refer. alte und immer 
erneuerte IJeberzeugung. — 4tes Kap. »Die Geographie ist 
•ine Msocürende WisseatchalV. « — Stet Kap. Dnterrtcbt imi 
DeaUcben. Aooli bieriii sind besondere Lehrstunden lUMhig. ^ 
6tM Hsp. Grieeb« und .Ist. Sprarche. Obgleich wenige $$. dodt 
ttele pidageg. Winke; besonders such für die Torllngtt Torge- 
sehlagene Behandlung der Odyssee. — Das 7te K^p. redet » too 
näheren Bestimmungen« hinsichtlich der Lehrgegenittfnde, der 
Individualität und der Lebensvei-hältnisse, in nur wenigen 

Vierter Abschn. Von den F'ehlern der Zöglinge und 
deren Behandlung. Das allgemeine v vom Unterschiede der 
Fehler«, im iten Kap. — vvon den Quellen der Unsittlichheit«, 
im cten Kap. — '>?v()n den Wirkungen der Zucht«, im Sien- 
Kap. — 1? von einzelnen Fehlern«, das '\\c Kap. enthält psy- 
chologische Andeutungen für den Pädagogen , <lie sich als piak- ^ 
lisch und trefTlich erweisen. — Noch kürzer spricht dei fünfte 
Abschn. Vom Veranstalten der Erziehung; nämlich von' 
der häusheben Elrsiehung und den Schulen ^ in nur fragmentari* 
«sben aber nOtsKohen Bemerkungen. ^ ' 



wttsensebafUiche Form dieses CompeDdiums dient detfL- 
jenigen f der in der Pädagogik Belehrung ffir die Anwendung 
sncbt, um so mehr, da der philosophische Verf. weniger in Bha 
simeteo Begriffen lehrt, sIs in solchen, die aus dem Leben herk. 
fMMhen« und mar lebendigen Erheantaifo hinfuhren« - j 'in^ 
- ^ ^ ^ ■■'■^ 

per Unterseichnete ist dem Publicum auch eine Antetge . 



Sieiner neuesten Arbeit in dieser Literatur schuldig $ nur eine An- 
^be ihres Inhalts und seiner Gesichtspunkte: .^j^- % | 

Lmkrbuek d^'r ffrsleAm»^«- und Umt^rritkiiUkre vwm B. H. C.'f 
- ^. SokwarZtDr.d. Thcol. n. Phito$. Grofsh. Bad* (ith. Kirchenraih ete. 
' . In drei Thcilen. Dritte umßparbtitetv /luspnbe. livuiclherg bei C. F. . 
Winter i Vniverwiüttbuchh. Rntttr Tkeil, Pädagogik oder Et'm 

»iähttmgtkmMh (XnU n. »4 &) ZweHer TMl, diu M«lM» ad!} 
< die LehrkuMt des erziehenden Unterricht», DriUtf Tktffgt 

SeknUn und andere BUdungaantinlttn. ili» S.y ^, 

Zuerst enchien dieses Lehrbuch L J. i8o5 und in der ätH^ 
Aufl. 1817 umgearbeitet, und es bat nun in der 3ten eine noA 
bedeutendere Umarbeitung erhalten. Den Hauptgrundsä'txen 
mufste der Verf. gel reu bleiben, weil sie in allen den Bereif 
cherungen und Fortschritten, worin sfch diese Wissenschaft bis]^ 
jetzt ausgebildet hat, bestätigt werden, aber desto mehr Aende- 
rungen in der Ausfuhrung und überall mehr Bestimmtheit erhal- 
ten mufste. Die drei Vorreden bezeugen den Zweck dieses Lehr- 
buches als eioes Compeadiums iür den CjUus der pädagogischeu 



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Torlesongen, welcher ?on i8o5 an ids Auge gefafst und in tin- 
unterbrochenem DurchUreisen dieser drei liaupttheilc dieses Cf» 
bius, aus imitier neubelebtem Interesse veribl^t >verden. 

Die Allgemeine Einleitung 5. i — 3".. £»il)t voreist <]cn 
BegiiÜ' der Erziehung, und ilu Vci lialtnifj» zui' \^ isstiischalt an, 
und zeigt dann die einseitigen ErziehungSHeisen aut, uitLciangcn 
mit hi«torifc|) -literarischen Dlicken , und lälst hierauf die all- 
seifige erkennen , weleke 2m der Idee einer b(Slieren Ersiehnog 
f ttbrt , die sieb uns in dem ChristenlboiD dvrsebHefsl* INe Webn« 
beit selbst nffthigt uns in der ehristiicbcn Ersitliiing die bMist^ 
Misaerlienneii» Die Theorie des Yerfik sacht diese Wahrheit ia 
der Ansföhrong Torzulegen. 

Die Pa<iagogik insbesondere stellt vorerst i — S7) dio 
wr Vorbereitung gehörigen^ anthropologi^clu n Grundsätze auf, 
sodann geigt sie« Mie die Jugend ihie drei Perioden hindurch 
entwickelt (§. — 67), vie die Einheit dtr Hraf't in die Viel- 
heit ihrer iiichtungen diese Zeit hindurch entfaltet, und wie die 
Naturart, ats das Angeborene, die Gcmüthsart, als das in der 
Seele vermittelst dieses Factors Gewordene, und der Enlwick- 
langsgang erlörscht werden k(>nnc 67 — 78 . Erst hierauf 
lassen sich die Grundsülzu der Eiziehung und Bildung (§.79 — 
101) so aufstellen, dals sie nicht blos die gemeinen sind, sondern 
euch für die bSheire Ersiebong das Ziel, den Anfangspunkt und 
die Behandlung angeben, und mehr als ein blofsea Begelwerh 
mit seinen unaiibligen Ausnahmen Termag, so dem Erzie- 
bongsgesdkfifte gesehicht machen. Die Darlegung der Mittel mit 
dar Erfassung des Gänsen, hierbei das Besondere der physischen, 
moralischen , intellectuellen Ersiehung , und ihrer Verschiedenheit 
nach den beiden Geschlechtern ergiebt sich dann weiter, llieraof 
folgt die Lehre der pf^'dagogiscnen Heilkunde (§• 102 — 117), 
welche allerdings der Erziehung taglich zu thun gibt; besonders 
belehrt sie auch über das Bestrafen und Belohnen. Der §. 118 
schliefst die Pädagogik mit dem Uebci blick über das Gan;fre und 
der Uinweisung aut den Geist derselben. 

Die Methodik bestinmit zuerst (§. 1 — /|) den Begriff des 
Unterrichts uod dei* Ijebrkunst, und zwar als einen Hauplheil der 
Erziehung als der Gesammtthätigkeit für die Jugendbildung Sie 
ist in die Allgemeine nnd Speeielle abgethmit Jene besiebt die 
Liabrbiinft auf die Eatwichlnng der Lernenden, 2) den Unterricht 
auf den Gegenstand, und neigt 3) das Wesen des Lebrens an 
sich mid in dem negenseitigen Verbiltnir« des Lehrers und des 
Sdbulers (( 5—48). Die specielle Methodik, nachdem sie ihre 
Grnndsätze vorangestellt hat, neigt das Verfebren sowohl in dem 
Grnod unterriebt, der Uabung der l^eibes- und SeelenkraU im 
Einzelnen und Ganzen — wie in dem Eachunterricht des Tech- 
nischen und Mathematischen in den einzelnen Zweigen, so dafs 
auf den wahren pädagogisch, methodischen Encykiopadismus hin- 
geführt wird c§* 49 — 99). Hen Schlufs macht die Zusammenfas- 
sung alles Einzelnen des linterrichls zum Genseo der Uildung 
(5» ioa— 109). ' , ' 



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< 



IIM JPMagOffik. 

Der dritte Theil redet von den Bild iingsanstaiten für 
die Jugend. Zuerst sucht er die Begriflfe von Privat- und 
üflcullicher Erziehung , die gewöhnlich so sehr schwanken , and 
dann weiter von der Schule und andern Anstalten festzustellen 
(§. 1 — 4). Ilicr.mt' wird im islen Kap die Privatei Ziehung ge- 
würdigt, wo dann unter Anderm auch die Verhaltnisse der Haus- 
lehrer und Erzicherinnen vorkommen (§.5 — 14)» Üas 2te Hap. 
handelt von den verschiedenen Erziehungsanstalten, unter welche 
Kategorie aapb die ISr die Kleinkinder, für die Waisen- and 
Armenkinder, und fiir die verwarlosete Jugend Hillen 
M ). Ueber die Schalen tvcht das 3teRafi. ansffibrlich und seitgemSle 
an belehren; nämlich über die Volks-, Gelehrte»«, polytechni- 
eehen Schalen, und die Anstalten für Schwach- und ViersinnigeSi 
Soweit es ein kurzgefafstes Lehrbuch erlaubt, ist das Wesenl« 
liehe über die Einrichtung und Anordnung, Disciplin, Prufaiig, 
Lehrerbildung etc. (ur die Schulen möglichst bestimmt angege- 
ben (§. 23 — 69). Das 4te Kap. zeigt die Bildungsanstalten in 
dem Organismus des Ganzen, also für die Volkserziehung und 
Nationalbildung, fiir den Einzelnen und für die Menschheit 
(§.09- — io3.) Der Verf. hat auf die hochwichtigen Fragen, 
ivelche unsere Zeit über diesen Zusammenhang herbeigeführt, 
alleidings Rücksicht nehmen müssen. Eine tabellarische Ueber- 
sicht der Geschichte und Statistik des Schulwesens ist als An- 
hang auf einigen Blittem hinzugefügt. 

Die Literatur konnte nur sparsam angescigt werden; doch 
tollte es dem Verf. leid seyn, wenn er irgend eine Schrift al- 
- lerer und neuerer Zeit, die ein Moment ßtr das pSdagogisphe 
Fachentbfilt, sollte' ubersehen haben. Auf seine eigenen Schrif-; 
ten, namentlich seine Geschichte der Ejrziehung, seine ausführ- 
liche Erziehungs- und Unterrichtslehre, sein Buch über die 
Schulen, und seine Darstellungen aus dem Gebiete der Pädagogik 
mufste er häufig diejenigen Leser verweisen, welche auf Einzel- 
nes tiefer eingehen wollen. Sein Lehrbuch konnte nicht so 
ausführlich seyn, und mufste besonders den systematischen Zu* 
sammenhang festhalten. — Mit Druckfehlern ist der Leser ziem- 
lich verschont, nur ist ein sinnentstellender in der Anzeige der- 
selben unbemerkt geblieben , den wir daher hier noch nachträg- 
lich anzeigen. Im 3ten Theile S. 58. ist in der Ueberschrift zu 
€• S9. statt verkündet sn setzen Yerbindet Aa6b L S. 54» 
i» 11. statt erregbarer zn setzen empfindlieber« * 

Oer Yerf, hofll nicht nur seinen Zab5rern, sondern aneh en* 
dem Lesern , und zwar unter den verschiedenen Ständen , dmreh 
die umgearbeitete Auflage des vorliegenden Lcsdbuchs eine An- 
leitung in die Hände gegeben zu haben, welche in die rechte 
Erziehungsthätigkeit einfuhrt, eben in diejenige, welche erst in 
dem C^hristenlhum der Welt geworden hl. Er hofft zugleich, 
dafs der unbefangene Bildner der Jugend, welcher darauf eingeht, 
in der bei so Mnnchcn noch herrschenden Mi inung , als sey diese 
Religion etwas Beschränkendes in der Entwicklung der Mensch- 
heit, fielmehr selbst die eigentliche Beschränkung erkennen werde. 

S c Ii w a r S. 



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N". 8. HEIDELBERGER .1836.' 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



S € /t r i f l e n 

über die Antpriirhe Attgusrn von Ksfe, ehelichen Sohnes Sr. K. H. 
des Uerzoys von Sussejr, auf den Titel, die Würden und HecMe 
eines Prinzen des Hauses Hannover» 

a nicht allen Lesern dieses Aufsatzes die Tbatsachen beliannt 
oder gegenwärtig scj'n mochten, welche den Ansprüchen des Sir^ 
Auguslus dEste auf den Titel, die Wurden und Rechte eines 
Prinzen des Hauses Hannover zum Grunde liegen, so beginne 
ich mit einer (Jedoch möglichst zusammengedrängten) DarsteU 
lung dieser Thalsachen. 

Der Prinz Augustus Fredetich, jetzt und seit dem Jahre i8oi. 
Herzog von Susscx , sechster Sohn Georg's III., Kuniges von 
Grofsbritannien und ChurfTivstens von Hannover, geboren den 
a7Sten Januar 1778, reiste im Jahre 179^. von Deutschland aus, 
wo er sich schon seit mehreren Jahren aufgehalten und zuletzt' 
die Universität Güttingen besucht hatte ^ nach Italien. 

Gegen das £nde dieses Jahres in' Rom angekommen, lernte 
er hier in dem gesellschaftlichen lircise, in welchem er sich sei- 
nem Stande gemäfs bewegte , zufällig die Lady Aagusta Murray 
kennen, welche, mit ihrer Mutter -ebenfalls auf einer Reise durch 
Italien begriffen , sowohl durch ihre hohe Abkunft als durch ihre 
persönlichen Vorzuge, eine Zierde jenes Kreises war. 

Lady Augusta Murray stammte dnrch ihre Eltern, — John 
Murray, Earl of Duninore und Lady Charlotte Stewart, Countess 
of Dunmore, — sowohl von väterlicher als von mütterlicher Seite 
aus honiglicbem Geblute ab; sie war, durch diese ihre Abstam- 
mung, dem Prinzen Augustus Frederich in der Seitenlinie mehr- 
fach verwandt. Das Geschlecht , welchem sie von väterlicher 
Seite unmittelbar angehörte, das Geschlecht der Murrays, über- 
haupt eins der ersten Geschlechter des hohen schottischen Adels, 
zeichnet sich noch überdies durch seine Titel und Ahnen beson* 
ders aus. In diesem Gcschlechtc ist theils der herzogliche Titel, 
der Titel : Herzog von Atholl, theils der Earif- Titel, der Titel: 
Earl of Dunmore , jener in der älteren dieser in der jüngeren 
Linie, erblich. 'Die Herzoge von Atholl waren ehemals souveraine 
XXIX. Jahrg. 2. Heft 8 . 



Iii MriflMi Ahme m te^tM» Ai^pU m aaf TM. 

Hmw ier losei Maa ; und erst kn J. 1765. haben sie di# fmi-* 
Teraioeta't dber. diese Insel an die engliscbe Krone abgetreteft* 

Es entspaim sich ein aiberes VerbeHnifa « w i e eh e m dem Pjris» 
sen und der Lady Augusta. Die Neigung ^ welcbe der Pribs za 

ihr fafste, steigerte sich bald zu einet* Leidenschaft , ^»welche von. 
beiner irdischen Macht überwältiget werden lionnte.*:^ (Worte 
des Prinzen.) Der Prinz bot der Lady Augusta seine. Hand an. 
•Und obwohl die Lady Augusta den Antrag anfangs ablehnte, dem 
Prinzen die Nachtheile TOrstellead^ welche für ihn die £rftUliMi|f 
* ieitier Wfioscbe haben wGrde, so gab m doch endlicbt oaek 
eiaem .langen Kampfe «wiseben ibrer Neigtmg ii»d ibfea Abntei« 
gen, beilegt dureb die Beredtsambeit *der Lidbe, die in ibr utA 
tn ibf sji^rach , ibre Einwilligung zu einer eb«llolM» Teriilfiddng 
.mit dem Prinzen. - 

Der Prinz versprach in einer von ihm eigenhändig geschrie- 
benen und unterzeichneten Urluinde (d. d. Rom den 2isten Marz 
179S.) der Lad^ Augnala eidlich, sie s^u seinem ebeiichen Gemahle 
2u nehmen ond sie, und heioe andere, bis an seinen Tod 9a . 
Heben» (.«i, Augostos Fredericb, promise tbee Aagnsta Mmraji 
OMid upear upw the BibUf as 1 hopefor Mtlvation in tke nwUL to 
eomef tbat I will tahe Ibee A. HT Cor roy wife, 'for better Ibe 
"worse, for Heber for poorer, in'sicitness and in healtb, to lore 
and to clitiish tili death us do part, to love but tbee only and 
Äonc other, and may God forget me, if 1 evcr forget tliec.« 
2n bemerken ist, dafs dieses Fleirathsversprechen ganz so lautet, 
wie die IVauungsPormel nach der Liturgie der anglikanischeil 
Kirche.) Eine Urkunde desselben Inhalts stellte onler demseibep 
Oatö die Lady Augusta dem Prtneen ans. . 

Bald' darauf, den 4tea April 179S, wardin der-Vrlns moi 
iie Lady Augusta su Rom von einem GetslMeben der aoglibinS« 
sehen Kirche, der sich zufallig daselbst befand, getraut. (Von 
der Krwcislichheit dieser Tiauung wird weiter unten die Hede 
seyn.) Zeugen waren bei der 'l'raining nicht zugegen ; auch war 
weder die AAulter der Lady Augusta noch der Vater des Prinzen 
tOD der Trauung in Kenntnifs gesetzt worden. 

Nach^ England in demselben Jabre (iT^^*) KttHicbgebebrti 
Wurden der Prinz onjJ dessen Gemablin «nterriebtet, daii iM- 
lelebt gegen die In Bom geschobene Tranung und gegetf die 
ehellelie Abstammung der Nachbommenscbafl aus dieser jSbe Bin* 
Wendungen erhoben werden • Wörden. Der Prinz fafste daher den 
EDtsehläfSi sieh nochmals, in London | mit der Lad/ Angttsta 



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tf» WMm «pi lUelit» «Im PviMeo Hnwvm Iii 



Ivnfn 2u lassen. Er Vttü aick -tu dietem Ende in d«r Saint 
GMfge*» Charcli ( London, Hflnover Sqatart^) dreimal tntrwim^ 
«»d et «rfo%l0 Mmiä den 4tMi I>a0bt. «79^. die Traoniig^ itt 
Ci f^cn wart wum twei Zeugen, in doraelben Hirekn» Die Unaipti 
lins d« Pfarrers , weicher daa Aitfgnbol nnd di» Trurong ver» 
richtete, berabte darauf^ lials sich die Verlobten in der Par<K;hte 
dieses Pfarrers efngemiolhet bitten. Wie sich «os dem Hircben* 
boche ergiebt, wurden die Verlobten nar unter den Nameitt 
ikogoataa Frederick und Aiignsta MufBa/, nod-nkne Beggickanng 
ihres Sfande#, aasgeroTeh nnd getraut Aocb wnrdn yon ' des 
lUfaiigUcken Bltom* 4t% Prinxen "die E^wilfignng %n dieter TrMnnf 
vedtr erbeten noch crtbellt 

Die Kinder ditter erst In Rom und dann in London fSrmIloh 
abgeschlossenen Ehe sind Adgostus von Este und Au^usta 
T^n Este, geboren Ersterer den idten Januar 17941 T^etz- 
tere mehrere Jahre später, ücbrigens geht aus mehreren (in 
meinem Gutachten angeführten) ScbriHcn und Lj-hnnden hervor, 
dnfs der I|erzog von Sussex auch in der Folge die.Ladj Augnata 
tlt fieioe rochlmäraige Gomabyn, ao wie die mit iliv .onMogtmi 
Vpidor afp aei»* eMicbeo reckirairaigon Nacbkmnmoii nnopliannti" 
fngMeken dafa er dm Sohne dei^ Titdf einet Prinzen beige» 
legt hat. - • « 

Es ist jedoch diese Ehe von dem Court of Ärches (in Lon- 
don,) dem in Beziehung aul' die Wirhsamheit dieser Ehe in 
GroT^r itan n ien — oder, wie Andere annehmeD, nur in Eng* 
land, — hompeteaten Gerichtshofe, Kit* nuU und nichtig (null 
and veid) erhlä'rt wmrden, und zwar towohl vias die in ^om alt 
wtt die kl London gttehtfkeoe TiMrang betrifft , mit der Bemer« 
koBg, dcTt liir die entere Trammg niekt einar^ ein genügea« 
der befreit (nal m^jfktkni PH>of hj Witnetses) rorlieg^. Der . 
Eoischeidungsgrnnd war der, dala die Ehe, gegen die Vor» 
Schriften des die Ileiralben in dei- l^ofiiglicben Familie bctrefTen* 
de« Gei^zes, {\%, Geo. III. c. 11.) ohne Zustimmung des 
Königs abgeschloaseA worden sey. r~ Oa^gegen igt in di^m 
ChurJ&Tsi entkäme {jetzt Königreiche) Hannover we- 
der durch ein richkerlichet Urtheil noch durch eine 
andare reehfthrSftige Enttcheidung oder ErhlXrun^ 
die UngülRgkeit oder Unwirhtamheit dertelbea Bke 
iemals tuagt »prockaa Warden» . ^ 



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116 Schriften über die Ansprüche Anguits Ton Elte anf den Titel, 



^1 



nie Ansprüche, welche Sir Au^ustus d'Esle, als ehelicher 
Sohn Sr. H. H. des Herzogs von Susscx dermalen geltend macht, 
beziehen sich sowohl auf die Eigenschaft eines Prinzen des briti- 
schen , als auf die eines Prinzen des liannöver'schen Hunigsbauses. 
In dem vorliegenden Aufsätze werden sie jedoch nur in so fern, 
als sie die letztere Eigenschaft zu ihrem Gegenstande liaben, io 
Betrachtung gezogen werden, wenn sich auch die Schriften, die 
ich sofort anführen werde, (mit Ausnahme des von mir gestellten 
Gulacht ens , ) ' zugleich über den andern Gegenstand dieser An- 
sprüche verbreiten. 

Zur Begründung und Verlheidigung der Ansprüche , welche 
Sir Augustus d'Este auf die Würden und Rechte eines Prinzen 
des Hauses Hannover macht, sind in Deutschland erschienen: 

Die Hcchtsßültiffkeil und Standeamü/sigkcit der Ehe S. K. //. de» Her- 
^ > zogs August Friedrich von Susscx, 'königlichen Prinzens von Grofs- 

* britannien und Irland und von Hannover u. s, ur mit Lidy August^ 
^ ^^urray , Tochter eine» EarVs (Grafen) und Pair's von Schottland, 

find die Hercchtigung der aus dieter Ehe abstammenden J^achkommen 
»u dem vollen Genüsse der väterlichen Standes- und Familienreeht», 
'r ■ '-4 besondere ihre Succutionsfühigkeit in den väterlichen Staat» 

Stamm- und Privatrechten. I on J. L. Klüber. In ^Dessen Ab- 
jKL handluvgen und Beobachtungen für Geschichtkunde ^ Staats- und 
^ Rechtswissenschaften. Wer Band. Frankfurt o. AI. 1834. 8. S. 9 Jf» 

Rechtsgutoef^en ^bhr di^ Msp^cKe Augustes von Este , eheliclien Söhnet 
Sr. K. //. des Herzogs von Susscx, auf den Titel, die IVürdcn und 

* Rechte eines Prinzen de» Hause» Hannover, f'on dem f'erf* de» 
vor lieg enden Aufs. Hcidelb, 1834. 8. 

Wenn auch beide Schriften in der Stellung der Fragen oder 
in der Ordnung des Vortrages von einander abweichen, so koni* 
men sie doch in den Gegenständen , über welche sie sich ver- 
breiten, in den Grundsätzen, von welchen sie ausgehn , und in 
den Besultaten , zu welchen sie gelangen , fast durchgängig mit 
einander uberein. Uebrigens hat die ei stere Schrift vor der letz- 
tem den Vorzug, dafs sie die ausführlichere ist. ; 



^ 1) Die in England über die Ansprüche dei Sir Auguitni erschie- 
nenen Schriften beziehen sich unmittelbar nur auf. da« Verhältnifa 
jjj^^ dea Sir Augustua zum britigchen Kdnigshaovc. Man findet aie 
in der Schrift det Hro. Eichhorn verzeichnet' , 



Goc 



die Würden und Rechte eioc« Priiixcn dct Hautet Ilanhorer. 117 

' Bestritten werden die in Frage stehenden Ansprüche in fol- 
genden SchrifVcn (Ich führe diese Schriften nach der alpha- 
betischen Ordnung der Namen ihrer Vcriasscr an.) 

A 

I 

Prüfung der Gründe, mit welchen von den Herren Klüber und Zarharid 
die Rechtsgültigkeit und >tandeam^ifsi>ikvii der von Sr. K. II. dem 
, * Herzog von Snsstx mit Lady Au^utta Murray im Jahr 1793. gt- 
^ »ehloMtentn ehelichen Verbindung behauptet worden itt. J on Karl 
Fr. Kichhorn. lierlin ^ lb35. 8. 

Die yichtigkcil der ^ntprüche des Obersten Sir Augutlus d'Rate auf 
Tkronfühigkeit in Cro/sbritunnien und Hannover, gegen die Cutack" 
ten von Dillon, Klüber und Z,achariä nachgewiesen von Dr. Hob er t 
^ Milohl, ord. Professor der $itaat§wi8»^ in Tübingen, Tu6. 1835. 8. 

Veber die Thronfolgeordnung in Gi oßbritannien und Hannover und die 
Ansprüche der Geschwister Fr» A, und Auguste Kmma von Kitte, von 
Ernst Schmidt d. TheoL u. b. R. Doctor, H. S, Geheimenraths ^ 
d. R. ord. äff. Lehrer u s. w, zu Jena. (Aus der Minerva besonders 
, abgedruckt.) Jena 1835. 8. ^ ^ . 

und: ' . * ; • . - • 

Ueber die Ansprüche des britischen Garde - Obersten Augustus von Este, 
"^ehelichen Sohnes des britischen Pairs^ Herzogs von Sussex ^ K. //. , 
^1 auf Titel und Familienrechte eines Prinzen in Grofubritannien und 
besonders in Hannover; wider die beifällige Deduction des Herrn 
^ Staatsraths Klüber. Fon F. A. Hü der, vormaligem Redacteur des 
• %Oppositionsf>latts. Hannov. 1835. 8. 2) * 

Man darf, ohne voreilig oder unbescheiden zn scyn , be- 
haupteD, dafs die erste dieser Schriften, die Schrift des Herrn 
Eichhorn, in Auftrag der ti. hannoverischen Regierung 
ausgearbeitet worden sey. Der Verf. macht in einem Anhange 
zu seiner Schrift Urkunden bekannt, welche er nur aas der 
ersten Hand erhalten haben kann. (Ich rechne dahjn z. B. die- 
jenigen Urkunden , welche die Ycrhandiiingen in dem geheimen 
Bathe des Königes von Grofsbritannien wegen der Niclitigkeit 
der Ehe des Herzogs von Sussex hetreiTen.) Er selbst setzt 
seine Scbrift in der Vorrede zu derselben mit einem Gutachten 
in Verbindung , in welchem er sich schon früher gegen die An- 



Z) Aach in einigen andern Zeitschriften sind Aiifsätzo über dieteii 
Gegenaland erschienen. Flicn so ist er in luehri'ren Ueteniionen 
bctprorhcn worden. Ich glaubte mich jedoch auf die namentliche 
Aufführung derjenigen Schriften über die liegende, Fru^c be- 
schränken zu raÜHsen , weiche uls Bclbststündigc Uruckschriftcn 
herausgegeben worden sind. 



iinilclie des Herzogs Ton Sussex erlilärt habe. — Dieser o£6cieiI^ 
oiitt h^lbonieieil« Charakter der Schrifl ist besonders am dat» 
vnien Yon intereise, weil inaii deshalb die Grunde, «üt treicba« 

der Yerf. die in Frage stehenden Ans|Mrache des Sir Aogastot 
d'Este vorzagsweise bestreitet, zugleich als die Hao|>tgrunde be» 
tiacbten Uann, welche die k. hannoversche Wic%n riing dies^ An» 
Sprüchen en!gcgciistt/.t. Und diese Grunde sind, dafs sich der 
Herzog von Sussex ohr.c die Zustimmung seines hönig- 
lichen Vaters ?erheirathet habe; dafs dia V4in ihm mit der 
Lady Aogusta Marray abgeschlossene Ehe eine onstandesmäs. 
tige Ehe sey«.— * Debrigens gedenke and glaabe ich, iaden ich 
die Schrifl als eine 'Parlheiscbrift beeeichiie, dem^ Hro« Verf» 
nicht etwa efneo VorwuirflaEa -niaobea. Aoch ich Mn derSchrift. 
steller einer Parthey ; und ich witrde «es mhf sur Ehre schätzen ^ 
wenn man mir das Lob crtheilte, dafs ich die Sache meinei^ Par- 
thei gut geführt hatte, wenn man mir das Lob ertlt^lte, das 
Hr. Eic hhora^onstreitig verdient.. Was pius Aeoeas tod 9Ub 
selbst sagt : . 

l'ergüiua scrvari^ bac dexlra aervata fuiuent ! * *m- * 

liemi num i# im rdrütgeiidea Falle anf Hrn. EicbbMi 4^wen^ 
^n. Er bat ^ knstehtnn seleer Perlhei nicht nn% (#Se ehnebin 
•In Jeder erwarten i^ird,,) mit Sachltenntnifs^ sondern nndK mit 

Kunst und BeredtaamUeit TertheidigL Zoweilen mofs man sogar, 
2>ei dem Lesen der Schi ilt, auf seiner llulh scyii, dafs man sich 
oicht, wo es an haltbareo Gründen iclilt, ^Uiich il^n Yorir^ ViCS 
^sflyar iStrCDgeren Prüiiiog abbeizen lasse. 

Qie fichrift des Hin. M«hl erschien, ehe ^oA fir. i^ok 
htm die eeinige Jauch Afn Uracb beiurnnt gemacht liatln. fit 
in>nnte daher Hr. Mohl w«der anf Sebrift noob anf 4if Ar 

lieigedriickten Urkunden Bucksicht nehmen. Wenn euch Hr. Hohl 
aus dem einen und f<u8 dem andern Grunde 6ciner Schrift nicht 
diejenige Vnliständigkeit geben honnte, die er ihr sonst gegeben 
beben %vüj'de, sq gehört sie doch eu den besten , ir«iche ühmr 
die in Frnge stehenden Ansprüche erschienen sind. Der^erf. 
tblgt seinen Gegnern Schritt^ vor Schritt ; er bestreitet ihre Be» 
jiMi|^ttn^en mit einer fCflhrse und mit einsr Kisrfiett, d^ bcson« 
der^.Anerkennong rerdfent^ wenn er irrt, so liegt sein Irrthnm' 
in d^n Gmndsa'tzen, ron welchen er ausgeht, and -nicht In der 
Anwendung, die er von diesen Grundsätzen macht. Vergleicht 
man beide Schriften | die des Hrn. £kbborn «ind 4Üe Um* Mo hl 



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4if Wi»r4«a uiul JUvcliia fi-iuxva dei liMiiav«f . |||| 

in Beziehung auf den Vortrag miteinander, sowird man linden, 
daül iUe ersterc mehr in dem Tune einer Streitschrift, die UIk» 
ten? mehr i« Xgn« «intr nimoichaftiidMea Ai>l>«04Uii«g «ll^ 

Die Sehrift des Hrn. Sohviid i»t, ufo aaeh traf aem Titel 

angeführt ^ird, ein aus der ZeittcJirift : Minerva, besonders ab- 
- gedruckter Allfsatz. Man wurde daher dem Verf. unieciit thun, 
'wenn man an eine Abhandlung, welche nur auf die 'schnelle Be- 
friedigung der Neugierde des grofsen Publikums berechnet war, 
die Forderung machen wollte f dafs sie tiMren Gegenstand voU- 
Mmüif^ «nd «li«#Mg 'hätte erdrtem sollen ; sumal da dem Verf., 
elf er die Abliaiidlung amrbeitete , .xm J(IOber*a Schrift ?or^ 
lag. J^Mh-eathiil dw^AofsalB tSniges, was noch immer ansle. 
ffen^st So Eählt der Verf. a» B. nliejenigcn jetzt lebenden Prin- 
zen und Prihzessinnen auf, welche, nach dem rhronfolgegesclzo 
des britischen Reichs, zur Rcgicj ungsnachlolge berufen sind. Es 
sind ihrer an der Zahl nicht weniger als 234* und sie aind sogar 
nicht insgesamt yiritim angegeben. Unter ihnen aipd aoch die 
Kinder der Gemahlin des Prinsen Httronymos, Qffzflgs'jron Hont*, 
ieiby des ehemaligen ASnigs von VITefttphalem 

ICudiich, die Selirift des Hrn. Rijdcr enthSlt nur cmige 
rasch hiiif;e\%orrcnc Bemerkungen über den vorliegenden Rechlt» 
die Bemerkungen eines Laien. Der Verf. kämpft auch hier 
m den fi#üiei) der — ohnehin zahlreich^ Oppp^itioii ; ^doch 
. mit^er gevohnlen Mäfsigant^^ ^ . 

' ■'" " " / 

Za Folge dieser Charaktcrisirung der gegen diu in l'iage 

Stehende^ Ansprüche des Sir Augustus d'Este erschienenen Schrif- 
ten, wird man es billigen oder verzeihlich finden, wcjpn in dem 
flkj^lipenden Auftatze nur d i e Grfinde geprfif^ .werden , welche 
fp^ÜP Aasiiruchi^ fton den Herren Eichhorn und Mohl ent- 
jeg|^§eiatü jfvAm amd. Chopin «nthaltea die übrigen Gegen* 
fl i w fte« heine nicht e«ch in jenen «rfiohencn Einwendungen. 

Uebrigens ist bemerkenswerth , dafs, während die Vcilhei- 
diger der Recht© des Sir Augustus d'Este in den Grundsätzen 
ond in den Resultaten voUkommen mit einander übereinst inimeUf 
knter den Gegnern nicht dieselbe Einigkeal herrscht. Denn fo 
"^ird .a. B. 4ia Anwendharheift der Ehegesetze des K. Uainover 
aaf d» V^Jiignndan B«diUfall von dem Hrn. EiehBorn verwor* 
fiM^ ifk 4^) m diem Mohl jher* ivHheidigel. (6. 83.) 
Eben ao wwd die Stmideimilüifgbiil dar fihn den Otnrans ton 



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IP .Sehftfteo über die Aaipraelie Aogiut^ von Bete Mif den ^Titel, 

Snssex mit Lady Augusta Afarray von dem letzteren Schtiftsteller 
anerkannt oder zugestanden, (S. 73.) von dem ersteren Schrifb- 
steller aber bettritten. (S. 132 {£.) So verwandelt sich nicht 
selten, wenn anan die Sache des Sir Angosl^s d*£ste Teriheidigeti 
sIa Feind in einen Dwidesgenbssen. 



Bei der Losung der Aufgabe des forliefenden AoCMtses, - 
d. L bei der PrSfung der Gr3hde, welche von den Herren Eich* 

Horn und Mohl den in Frage stehenden Ansprüchen des Sir Au* 
gustus d'Este entgegengesetzt worden sind , hatte ich die Wahl 
zwischen folgenden zweien Methoden: Entweder kojinte. ich 
der einen und der andern Schrift Schritt ''vor Schritt feigen, 
oder ich honnte die in der einen .oder in der anderb dieser 
JSchriften oder in beiden erhobenen Einwendungen ihreeoT InhaltA 
siach und.nfch ein^ von mir selbst gewählten Ordnung zusamp 
menstellen • und zu widerlegen versuchen« Ich habe die lel^m 
Methode gewShIt, als diejenige, welche mir, da der vorliegende 
Aufsatz für das Pub Ii h um bestimmt ist, die mchtigere z\i ß^ja 
schien. (Denn mein Ilestrebcn mufste dahin gehn, auch solclien 
Lesern verstandlich zu scyn, welche die über den vorliegenden 
Fall bereits eivchienenen Schriften nicht zur IIa o^r hinten.) 
Hat|^ der Aufsatz eine Procefsschrift , (eine Beplik^,) seyn solle», 
so wSre es vielleicht rathsamec gewesen , die erstere HeAodf wa 

Mbj««D. ^'^ . . ; ; , • • 

. Es wird daher in diesem Aufsätze «die Rede sejn«' 

I) Von den Gesetzen und Rechten , nach welchen der vor* 
liegende Recbtsfall zu beurthcilen ist ; ' mf" 

II) Von der Frage : Ist zwischen Sr. H. H. dem Heiy^e 
von Süsses und der Ladjr Aognsta Murrajr eine Hiraif 
Form nach gültige Ehe erweislich abgeschlossen 
worden ? 

III) Von den Hindernissen, welche der Gültigkeit dieser 
Ehe angeblich entgegenstchn. ( Impediraeotum eonseosus 
parentum — minoris actatis.) und : ' * 

^. IV) Von der Standesmäfsigkeit dieser Ehe, als der 
ß^^gwgf unter welcher die in dieser Ehe Crzengtaa 
Kinder allein auf alle StMdesrecbte ihret Vaters Aa* ' 
sprach macbea hffooeo ; 



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dB« Wti <w mmä Btocble'efaM FHmMii itt Qhm HtatfW» Hl ' • 

nft andara Worten, et verdte unter dimen Anftchfiftio die 
fVagett erSrtert werden, Aber welche unt» den'ScWflstelkhi. 
Mr und wider die AnapnMe des Siat AngaaUw d'Bite*gettrilleii * 
. wifd. Debei werde kth überall aof daa Ton mir in dieser Beehts* 
aacbe schon gesteHle Gutachten Rücksicht nahmen, theils, um 
Wiederholungen zu Terrneiden, theiJs weil ich zugleich die eigene 
Sache zu verlhcidigen habe. ' 

Ich brauche nicht erst hinzuzusetzen , dafs ich bemüht scjn 
werde, überall daa Wesentliche heran8znbel>en* Man verrätb ein 
eebladijlea Yekriiiien za der Seche, die man Yertbeiih'ßet, oder^ 
«Ii dem ÜHheile Andern*, 'llreri(b man'tieh 4iei' Einwendnogen an^ 
Wljdie, auch zugegeben, auf die Entscheidung der Hauptaai^he' 
kelfielrEiflflofSi haben, oder wenn man die Antworten häuft, wo 
schon eine «iozige genügt. 



Die in Frage atehenden Ansprüche des Sir Angustas d'Este 
werden in ^em vorliegenden Aufsätze nur Ton Sailen des Rechte 
und «war des posittfen Bechta in Aelraehtung gezogen Verb 
(Auoh die Heripn Eichhorn und Mdhi haben sich auf die 
Beebnj|pBge''bescte*aqjbt.) 'Wie auch dieie. Ansprilche, Yon an* 
dorn Seiten betrachtet, beschaffen aeyn n^gen, sie sind nicht 
JpL retten, wenn sie sich nicht als Rechtsansprüche begründen 
fassen. Sie dürfen hingegen auf ein günstiges Enduitheii hof* 
fen^ wenn sie in dieser Eigenschaft fest stehn. 

Gleichwohl ist es auch für die Rechtsfrage nichta weniger 
als gleichgültig, wie man über jene Ansprüche aus dem Stand- 
SO»^ ^ Pflitil^ ^ ^V. ^ urlheile. (Oder Tielleiehl 
IMti Ußk nur der Politfli firwlheung thun Rollen, da die wahre 
PoKtik nicht das NSiztiche ron dem Lieblichen trennt) In einem . 
Falle, welcher in das Gebiet des Verfassungsrechts gehSrt, in 
. einem Rechtsfalle , welchen auch der entschiedenste Verlheidiger . • 
der feinen oder der andern Partbei zu den streitigen rechnen mufs, 
in der yorliegehden Rechtssache also, ist es selbst für den Richter 
eine sehr schwierige Aufgabe, sein Urtheil von dem Eindrucke 
llrei SU "erhalten, weichen die politische oder die moraliache Seite . 
der aticeitigen Fragen auf ihi| macht. Ja er aoll sogar, in wie . 
feru er die Geaetze auszulegen oder ihr Stillschweigen zu * ec^ • t 
ginaen 'hat, 'das, was dem Gemeinbeaten Sherhaupt entapfieht^ 
teHlchaichtigen. Noch mehr aber werden aich* diejenigen, welche 
In die Geheimnisse der Rechtswissensch^ nicht eingeweiht sind, 



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hei dev ßeuaheilung eines Falles dieser Att dqrch allgometo# 
AtUMShlm beatiiBBieo. — l^s wird dahßv xwedimäfsig oder erlaubt 
$eyB<t der ref^tlicbcn £iort«r9ng d«r Torliegenden Sli'eiUaclif 
ISÜnigfi ühw df» |M>Utiscb« tind das morali^he (i«wi<;ht der z» - , 
beurthfÜMideo^ Aotipriiolie im AllgtMUNin ▼•«•lAisiiMUpim. 
«ig« bcioadere BelrAohhiiigeii über dtm$i^h9n Qeg^oMlmd mmdm 
in der Folge aaf besondere Yeraiilasiafigei» ?orllO«ima.) 

Da hat nun Sir Auguslus d'Este «av^rderft aicbf zq besor« 
gen, daf* man seinen Ansprüchen das Princip der Legiti«- 
mitot entgegenhalten werde. Dieses für die Erbmonarchie ao 
iricbtige Princip, — welches, io4ieiB es das Recht des Tpo der Ver« 
lassQOg SEuin Herrschen btrofenen Geschlechts mit der gesamlM 
¥#rgfiag^bail d#fl Yblkes^ mtt d^r £rbJichkei| d«r Privalmlil» 
«Uid 9iit cler Macbt angestammter Melotmi^ TeriBhli^gt, ' 
.Verfassung der Erbmoaarobte ' dovcb eine jiete und k^a^m 
irirhsame Gewährleistung sichert, — dieses Prinijp wird won 
beiden Xheilen angeiufen. VYtrui es na^h diesem Principe mit 
dem Wesen der Erbmonsirchie unvereinbar isl, dafs derjenige, 
irelclier durch die Verfassuiigsgesetze nicht zur Ausübung der 
lleiTSchergevjiU odßr jmr litigier ungsnachfolge berufen ist, ||ie 
ÜMihtFolikommAffbeit .g« eieb reifae oder ein Becbt gmg.St^gie- 
fMgilaobfelge crbogü, so |;gsUttet diesei Priiwip ebtii s« ftw^^ 
diß lUgierwigsimcbfolg^ oder das Becht gar W^^ermt^mMUff 
iMsje«igep.;^ vefta^, wekber nacb den T^tesungsgeseCM 
das Haapf oder beziebtingsweli« ein Mitglied des Herrscherge-^ 
acblaebtes ^yn sali« Nur über die Anwendung des Principes 
also i^ird in dem vorliegenden Falle gestritten ; nur über die 
i^Vage, ob Sir Augusltas d'Este, zu Folge der in «den jTaU ei»»' 
fgUageodeo Gesetze, ein Mitglied des kMgHcben liatüffHuN 
MNrmp aey oder «licbl $ff, £s liegt eheß $o sebr in dem IfiterMt 
ier lUbmonmMßf JMiee avasu*si$yiefsen, walcber im CiWH 
* 4er TbriNsfelge ffr. fM, als, Keinen mwlM^, weMge fKüfi 
Geaaet gegen mtsk bat Um bSnate diereb gm Beispiel Ibeatl^ 
(iget Verden, wi^cbes eben iet;st dk Augen von £iir0pa aaf 
§kik eiebt. 

Dagegen kenn man der Ehe, aus welcher Sir Augusius d'Efle 
abataxamt , wenn man sie aas dem Standp^akt« der Politib Wfd. 
Hgral benribeilt, allerdiaga den, Fainml maalÜMi«' daCs tie «ig 
im Feier dea ftr Angnstus ohne Zsattvmasg dejr'EUe» 
ghgaifiUofaeB 'mgriei» IM 4ie«ar Vorwurf bgmi Mcb iadewfc 



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die Wörde» uoA Rechte ei»ef Priniea 4m lle«aee HanaoTer. IW 

•eine eheliche Verbindung mit Ladj Augosta Mnrray za Boib 
kirehlich bestätigen liefe, schlechthin heimlich geschah, und daTf 
auch bei der zweiten Traoong, bei der so Loadon, nicht allea . 
d«a beobachtet wurde, was dieeer Trauung eine Toüsttfndig« 
Publicitat hQtte geben lioonen und gegeben haben würde. 

•ich bin weit entfernt , das politische mtd moralische Gewicht 
dkacs Vorwurfes zu ferkennen. Man haun die Pilicht eines Kin- 
de*^ nar mit Zustiainuog feiner Eltern eine Ehe einzugehen« 
^towohi in politischer ais in oioralischer Uinsioht nicht hoch geiMig 
anscbJagen. Auch das will ich nicht gegen diesen Vorworf g«!. 
leod roochen, dafs er nur, wenn de lege /ereniia, nicht aber« 
wenn de lege lata die Frage ist, bei der Beurtheilung der Heciitf- 
beständiglteit einer abgeschlosseneo Ehe in Betrachtung hommen 
Jioone. Denn da« würde den Vorwurf Glicht aa und für sich« 
ioiidem mur in Beziehung auf die Bechtsirage angebn. 

Wohl aber hat man, was diesen Vorwurf bethflt, einen Un« 
terschied zu maofacn, «b^ wenn von einer ohoe Einwilligung der 
£liern obgcscfalossenei) Ehe die Bede ist, die Bechte der Eitern^ 
oder ob — wie in der vorliegenden Becbtaaacbe — die Bechte 
der in einer solchen Ehe erzeugten Kinder in Frage stehn« 
Zwar mufs sich f 'uie jede Generation die Einrichtungen gefatica 
lassen , welche von den früher aufgetretenen Geschlechtern ge* 
trollen worden sind. J^arum ist der Staat nicht eine unter be- 
Stimmten Individuen geschlossene Uebereinkunflt , sondern eio 
Band 4 welches eine Generation mit der andern^ die abtretenden 
Geschlechter mit den auf sie folgenden gleichsam zu einem ein- 
zigem Geschlecht« vereiniget. Aber ist es erlaubt f ein von den 
Eltern begangenes Versehn den Hindern zur l<ast zu legen? oder 
'die Bechte dei^ ^Hioder von Bedingungen abhängig zii machen , 
. weiche das Ansebn der positiven Gesetze nicht auf das Entscbie« 
dcoste und Unzweideutigste für sich haben ? 

Jedoch, auch wenn man die Nolhwendigheit der elterlichen 
Einwilligung zu dea* Ehe an und lür sich bctrachxet, ist wieder 
zuiscben einer erst abzuschlicPsenden und einer scboo abgeschlos« 
feaea Ebe zu uxiler sc beiden. Dein Bechte der Eltern, eine Eh# 
der Kinder zu verbiodern, spricht sowohl die Politil*. als die 
JloraJ das Wort. Aber solleu sich die Beclitc der Eltern auch 
so weit erstrecken, dafs sie die Ehe, welche das Kind ohne ihre 
Einwilligung abgeschlossen hat , wieder auflösen — sogar unter 
fioer jedcA Voraussetzung wieder auflösen Uönncn ? Das 
Hecht der hathoUpches Kirchs vei'iteioi diw Ernge* Eins sehr 



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114 Schrillfltt mbvt die Aaipräfibe Aagiwi'» ?ob £ile Mf 4«b Titot • * 

gewichtige Auktorilät ! Denn, wenn auch dieses Gesetz der Ita- 
tholischea Kirche ßkit der Lehre derselben Hirche von der Ehe , 
alt einem Sakramentt, in Yerbiadnng stebl) k» ist es doch 
Ton Minnem ausgegangen, ivelche mit den Verhikaiitea und 
Interessen der menschlicheA Gesellschaft innig vestraat . wareo^ 
nnd 80 wird man doch finden, dsfs Uberbaapt die 9isclpina»> , 
gesetze dieser Kirche neben ihrem dogmalischen Grunde noch 
einen andern und tiefer liegehden Grund haben. Und , wie unten 
nachgewiesen werden wird, auch Luther war nicht unbedingt 
•fgtgwk die Gültigkeit einer ohne die Einwilligong ier Eltern ein- 
gegangenen Ehe. Wenn «ihpn, in den nitfoeren und neoesteA 
2Seiten, der religiöse and ^ moridische Gbarahter der -Ehe tom 
Tielen verkannt oder in den Hintergrund gestellt worden iüi *) ^ 
•o werden d6ch , sowollt nach dea Torschriflen des Glnristeiithpms«, 
als nach denen der Vernunft, durch die Ahschliefsung tfner Ehe 
Pflichten begründet, welche zu den heiligsten des Menschen ge« 
hdren. Ist also eine Ehe ohne Zustimmung der Eltern einge- 
gangen WQrden, so entsteht ein Hollisionsfall ; und es kann dieser 
Fallt Wehn überhaupt, docfh nicht oaier einer j^den ttf^rsoa» 
selsong gegen dsß Gültigkeit der £ke enteebieden werdeii\ i^lb 
anderes AntlitEi eh* sie gescbeiieni ein andeifs seigt jflj^wäU 
brachte Tbat.« . 

Die eheliclie Verbindung zwischen Sr. K. IT. dem Herzoge 
von Sussex und Lady Augusta Murray hat noch überdies eine 
besondere politische und moralische Sanhtion^ für sich ; sie ist 
durch einen Eid bekcsAiget worden; durch einen Eid, der kf 
•be Schrift gleiobssm b^stiget' und in den «rnstesleä Woftcii. 
geleistet. Würde. Es sej, dsfs. man wfinscbe, die«IVr Bid wte 
nicht geleistet worden. Aber, d-a der^ Schwor nti» eiam^al ge^ 
schebn ist, so liegt in ihm ein neuer moralischer nnd politisfehe^ 
Grund , die durch den Schwur bestätigte eheliche Vorbindung 
mit einem günstigen Auge zu betrachten. Man darf in morali- 
scher Hinsicht wohl behaupten, dafs, nls Beslarhung einer ehe- 
lichen Verbindung , ein Eid mehr wiege , als irgend eine kirch- 
liche Feierlichkeit, Und aoch in der. Wagschale der Politik hat 
ein eidliches Ehe versprechen , (in' dem Torliegenden FkHe^'ein 
eidlicb gegebene^ Fürstenwort,) ein nickt leichtes Gewicht, da 



8) Mit gutem Grunde klagt über diese Stininiuiig dca Zcitnlicrs F. A. 
Frey in Bcincm Kommentare über das Kirchcorcclity im liltcn 
TlMUe. (RiUiiigon. 2tc Aufl. 1824. 8.) S. 164. 



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Im dtB «uropäiscben Stantia fOa dem Eide überhaupt eio lo all« 
gtnitiotr .Gebrau eil , auob w 'Bekräftigung der Bürger« aod 
Valflrduuieo*Pfli«liteB, gMachl.wird. 



^ Et itl schwer, ISr eine 8aebe (niit WaflTen 6Aer mit GrCbi« 
den) ohne HoflEbuug des Erfolgs zu Iiainpitn.. In der rorlic- 
geoden Streitsache steht aaf der einen Seite ein Privatmann, auf 
der andern ein Ilunigshaus ; Ansprüche sollen gegen einen diese 
Ansprüche ausschlieaendc^n Bfsitsstand geltend gemacht werden}, 
eaiiihlt an einem Gericliuliofe | weiober über dieae Aoaprücbe n 
jimif^eideiii^fiBgt ^Rir^ ^ 

-flWli^,giebt et gpie ,6ereeb|%)heit, laialebe der Becbte An* 
derei^ aebet« ebne da& einee ri«bterUe|ien Urtbeike bedarf) 
itifd Str Augustos d'Este kann auf diese Gerecbtiglieit mit dem 
Töllsten Vertrauen rechnen. Aber es kann Fälle geben , in wel- 
chen diese Gerechtigkeit nicht genügt, weil zugleich die Rechte 
dritter Personen in Frage stehn. Und die vorliegende Bechta^ 
•ache dürfte in die Klasse dieser bWle gebfiren* «Es wird daher 
eriipbt iajro, hier auch die JPteg9.in Anregong^^n bringen, irie 
^^^ip4mcj^0 im yVe^ Re^tfna ferbendell nnd entschieden wer» 
ail|^4^annte. . * 

' i^li din denisobe Mch kn Jabre i8a6. WgeUlit vorde, tciw 
mifiite man daa a^ehrwürdige Gebäude der denfscben Reicbsrerb 
fassting in keiner Hinsicht, so schmerzlich, als in der, dafs der 
Untergang desselben auch den der höchsten Reichsgerichte zur 
Folge hatte ; zumal da der Rheinbond schlechterdings nichts an 
die Stelle dieser Gericbte setzte. Das Dedürfhifs einer die hocb» 
•£mi iBeiebsgericbte Terlretenden Bebarde macbte sieb baid ao 
IBblbar, dafs es anab in der dnitscben Bnndesabte anerimant und. 
mifiürXbpilt befriediget wurde« Denn es wurde in dem Grund- 
gesetse des detfUeken Bundes festgesetzt, da(s 0eobtsstreitigkei> 
ten, welche unter den Dundesgliedern entstünden, wenn nicht ein 
Vergleich von der Bundesversammlung vermittelt werden konntey 
an eine w,ohlgeordnete Austragalinstanz zur endlichen Entschei- 
dung verwiesen werden sollten; ( Art. XL) , ingleichen , dafs sich 
diejenigen Bnndesglieder, deren Besitamngen nicht eine Yolkszabl 
▼on 3oo,ooo Seelen erreichten, über ^i^ Bestellung gemeinscbafU 
lübber Oberappellationsgericbte rereinigen sollten. (Vgl. Art. XII.) 
JEineu Sebritt weiter ging die SebluTsabte der wiener MinisteriaU 
Cöoferenzen Tom Jabre 1820 1 indem sie die Bundesfersannlong 



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IM SdiriflfM ibw dB« AMpridie AagnT» toA E«t» Ml dlmi Tlltl . 

ermächtigte , Beschwerden über verweigerte oder gehemmte 
Bechtspflege anzunehmen und darauf, nach reiflicher Prüfung de« 
erhobenen Beschwerde « die gerichtliche HTilfe hei der bethei* 
ligteo Regierao^ zo bewirken. ( Art. XXIX. 8. auch Art. XXX.) 
Endlich hat ein* BondesscMQft «om 3aiten Oktober t834. für 
Streitigkeiten 'ftwitclien einer Begicrung «nd de» Lindüladeii 
oder Kammern ein 8chied«gerieht rerordnet. 

Aber, so viel auch durch diese Grundsätze des deutschen 
Bundesrechts für die Krsefzung der ehemaligen deutschen Reichs- 
garichte geschehn ist, in einer Beziehung fehlt es noch immer 
wenigstens an einer hundesgesetzlichen Behörde, welche die 
Beichsgeriebti^ verträte ; nämlich in den Becht(Hireitigkei|eil-f 
weiche linier den M^iiedern eines «nd demlbes regierendeo 
Beoaes <»der wegen eines AMpniflh» ten der Art dies ^wliegeo- 
dso entstehen k5onen. 

Nun ist mir zwar nicht unhehannt , (und es darf mir nicht 
unbehannt scyn , ) dafs man in Fnlltn dieser Art das Becht des 
Souveraines, als des Hauptes seines Hauses, sehr weit ersti-ecken 
kaaif-, zumal da sich mit der Auflosung des deutschen Reiches 
das Yerhältnifs des regierenden Herrn zu den übrigen Mtfglie- 
dem seines Geschlechts WesenlKch rerSndert h^t. Ahir*# Me- 
llen Fälle Torkommeo,^ weMben es seifalt diesem B ithm fli 
winschensweilh ersdhehitLi dafs der Streit TOir eieeei a f Hcm 
Btchter entsehteden Mwrde. (Ji, in dem Hause Braunschwetg 
hat sich erst neuerlich ein F'all dieser Art begeben.) — Auf der 
andern Seite würde es kaum thunlich seyn, eine bundesge- 
setzliche Behörde für Streitigkeiten dieser Art zu bestellen. 
Kor der Grundsatz k4$nnte fielleicht dnrch einen Bendessehlefb 
eesgesprochen werden. , 

Jedoch 9 noch bestehen in nehreren deatschen FurstenhSiN * 
eer» Stalotr, nach welchen die unter den Mitgliedern dee Fissnile 
entsteheodeft S^itigkeifen dereb Auttrige oder Sehieds- 
riehter entscheiden sind. Sollte es so schwer seyn, diese 
Hausgesetze auf eine zeitgemnTse NTeise zu nindiiiciren ? oder 
so bedenklich, die altdeutsche Sitte des Austrngal Verfahrens auch 
in den Fürstenhäusern zu befolgen, wo sie nicht aosdriichlieii 
deseh ein Gesets bestätiget worden ist ? * ^ ^ ' 

80 viel eur Einleitung« Ich komme jetst zu der Hauptaud 
gäbe, «ür R^ufung der Gründe, welche den in Frage stehenden 
Ansprdchcn des Sir Augustus d'Kste entgegengesetzt worden sind* 



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D Von den 

GcseUen und RcchteD, Dach weichen der TorlWgcude 

. RechtafeU 

zu beult heilen ist« 



Ich bin in dem oben anpjcfuhrteii Gutachten von dem Grand« 
iMtXB aosgegsn^en, dafs dat Recht des britischen Beicht adet 
Alf des briliaohMi HWgtbauses nicht aal das.K. HmnoTer 
€4Nr a«l 4a* li«a«^f ergehe K5iiigsliftiM Mt#endbef hj. Ol«* .' 
m/Mhi^tm I 'MIi iiHfliftvibar am ier irtchtllcbeii Onab* 

Ün^igMi . dfii eiacQ St^ee von ' dM aiittn und aoi ^fer dop« 
]Mflen r^htiichen fegenschaft des tiaases Hannover ergiebt, ist 
weder Ton dem Herrn Eichhorn noch von dem Herri) Mohl be- 
Ätrillen worden. Nur in seinen Folgerungen hat ihn der erstens 
ScbriUsteller (S. bei einer wichtigen Frage yerbannt and 

der letztace (&. 139.) bei eiiiar andern Frage angegriffen. Sb* 

,docIi,^^ai ileh der Aeufsening {enea Öoliaftatailers entgögtiN 
H!U0n wM «ditcklkher wifcer unten tCtne fitolle findm 

. G^giei^ Hetm Mob! crfaube icb mir an bemerlMn, dafs er «.ebO» 
Mr jSweifef and Frefen aufgeatelll kilie, welefte 'fiberdiei niete 
80 schwer za K^sen seyn mdchten. Er sagt t Man steift deir 
Satz anf, dafs eine Weigerung, welche der hÖnfgliche V^ater in 
England gegen seinen Sohn geltend mache, für Hannover gar 
n|plit TOrbanden se/, wenn sie hier niebt besonders wiederholt 
werde« .Sei einer ecbalteim Einwilligung wd nicht unter- 
ipbiedciil hm einer Terwelgerten aber* treibt «an «tie joristise&e 
Ce mey e ii% aef die SpItseJ Der sf eh wei^^de Tater wird alii 
eiöe doppelte ^eraop betraeiiteii^ der einwilligende als eine ein« 
Isd»« Ist dies fion billig? ist es gerecht? Oder mefs nielir 
'vielmehr das reine Rechtsgefuhl als die juristische Analogie für 
eine gleiche Behandlung ron Vater und Sohn in Deziebung auf 

' das^lbe Recbtsverhällnifs, eben so für eine Reiche Ansicht Ton 
der Zahl der Bechtssubjelue , mag nun eine negative oder eine 
pOBitire Wirksamkeit derselben Torliegen, sprecben?« n. s. w* 
Mb anlirorte 1 Wen» "Se. Majestit der 'H5nig Georg III. die oben 

.enMHbfe Hlage als Tater aogestelltv bitte« nod wemi auf diese 
liege die Ehe des Hersogs von. Süsses wegen der flir mangeln« 
4es Vlferliebee Einwilligung für nicbtig erklärt worden 
Wire, so küUQte Herr Mobl alierdings f ragen , wie er gefragt hat. 



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Aber so ttebt die Saobe nicht! Et wprde diese Ehe, 

nicht weil sie mit Verl etzang der Rechte der vfiterlichen Ge* 
walt, sondern weil sie mit Vcriptzung der Rechte des Soa<^ 
Teraines abgeschlossen worden war, in England angefochten 
und iur nichtig erhlürt. Das Urtheil des Courts of Arches bo- 
ruhte auf dem Royal Marriage-Act. (12. Geo. 3. c. 11.) Dieser 
aber sagt y that do desoendaot of the body of bia lale fliajeatjr 
Bing George thi Second, (olher* ihae. Ibe istne of Prinecatety. 
.wbobare marriedt or may bereafter aianyinto foreign familiesi)' 
shall he capable of contracting matrimony without the previoiia 
consent 0/ his Majestj^f his heirs or successors.<f' ' 

Wenn also der vorliegende Rechtsfall, in so fern er in ^ie«^ ' 
scm Aufsätze in Betrachtung ge2^gei|„ werden soll | lediglich und 
allein nach dem Rechte des Hauses Hannover zu beorthailen> « 
i|t,* ao ist die Fr^ge die : Welches ajid die -Qa eilen diessi^ 
Becbta ? — leb enlrtere Uer diese Fraj^ einstveile» n«B(ift Bm 
siefanng aal die — fprmcITe eed.inate^fMj^. GültigheU der^^^ 
Ehe, nur quvad formam et impedimenta^nattunonii dirimeniia^ 
Die von dieser Frage wesentlich verschiedene Aufgabe : Welche 
Rechtsnormen bestehen in dem Hause Hannover fiir die Wirk« 
samlieit, d. i.^ bewandten Umständen nach, für die Standes« 
mäfsigkeit einer Ehe? wird erst weiter unteni 'M^^^A 
Slandesmäfsigbeft der Ehe des Herzogs Ton Süsses 
sejrn wird, beantwortet w^en. ; , ^ t#i^ 1^ 

« Die Hanegesetse.i d« L diejenigen'" fliMisiieiiMrr' welche, 
auf den Torliegenden Fall änwendber sind, entscheiden anerbaM^^ 
termafsen jene Frage nicht. ( Denn da« Familien- Statut des Hausily 
Braunschweig vom iQtcn Oktober iB3i, welches allerdings von ^» 
jener Frage handelt, ist für den vorliegenden Fall, der einer • 
früheren. Zeit angehört, nicht^ massgebend» Das -Statut ist auch ' 
Hiebt dadurch eine Entscheidung für den vorliegenden Rechtfall ' 
•gtworden^ dafs der Hersog Ton Sossez, der Vater des Sir Ati|ar|^ 
^ttna, das Statnt — ohne irgend einen Yorhebalt mMneiclpet 
bat. Die Rechtsregel, dafs kein GesetB rückwirkende Kraft* brt»sjr^ 
ist deshalb nicht weniger auf das Stahlt anwendbar. Wollte mae«^ 
aber in dieser Unterzeichnung einen Verzicht linden, welchen 
der Herzog von Sussex zum Nachtheile seiner Kinder geleistet 
hätte, so wird auf diese Einwendung weiter unten geantwortet 
werden.) Eben so wenig kann man sich und hat man sich zns 
Entsobeidong jener Frage auf ein besonderes, d» i» ip Hüll^ * 
BAonorer besfebepdes Herkomnieo berafBoT. 1*- .^V ftbie»' 



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N*. 9. H'&IDBLBERGBR 16S6. 

JAHRBÜCHER D^R lilTERATUR. 



Mir^m über ttte Aneprücke Au§t§$t$ Mi Ette mtf tfMi ÜM^ 
die Würden tmd MedUe einee Prin»en dee Heueee Emmaver, 

(ForUtt.mmg.) 

Die Frage stellt sich demnach, — mit Ruclisicbl auf die 
hirchliche Verfassung des ehemaligen deutschen Reiches und mit 
Buclisicht auf die Beiigionsqualitüt des Hauses Hannover, — so: 
Gab es, in den Zeiten des deuttcben Beichti (in welche die. 
Absch liefsang der Ehe det Herzogs Ton Sussex mit Lady Auguste 
Mnnrey fäilti) ein gemeines deutschet £berecbt, nach weW 
cbem in den deotacben proteatantiscben Fürstenblnsern die G61- 
d^ieit einer Ehe su i^eoribeilen war ? • 

Die Theorie, welche ich in dem Gotacbten aufgestellt und 
verlheidiget habe, ist nun die; i) Es gab kein solches Recht ; 
die Ehe war vielmehr, was die Bedingungen ihrer GHiligkcit 
betrifft , für die Mitglieder der deutschen protestantischen Für- 
stenhäuser nur eine Ge wisse nssach^. Die deutschen Fürstea- 
hanaer hatten bii snr Reformation anter denselben Ehegesetiea 
gestanden « wie aiidere Mitglieder der iiatholiichen Kirche. Ifiia 
hSndi^ten die Fürsten pnd Stünde, welche aich für die Reformen 
tion erblirten, dem Eherechte dieser Kirche den Gehorsam auf, . 
als einem jRechte, welches mit der neuen Lehre unvereinbar sey. 
Diese Aufkündigung wurde in dem Religionstrieden , und in der 
Folge durch den westphaJischen Frieden, als rechtmafsig aner- 
kannt. Von nun an also hatte das kanonische Recht für die pro« 
testantischen Fürstenhauser- oud Stande keine Terbindende 
Brnft mehr.«).. Was trat aber oder waa wurde an die Stelle 
iteee Bechta geaeta|t ? ^el der Beantwortopg. dieeer Frage bet 
man 'xwlaehem dem Eber^chle der protestantischen Onterlbanen 
der deutschen Fürsten nnd Stinde nnd dem der dentschen pro-' 
testantischen Fürstenhäuser zu unterscheiden. In den einzelnen 
deutschen Ländern wurde dem Bedürfnisse einer neuen Gesets* 
gebung durch landesfürstliche Verordnungen — durch Eheord- 
nongen — * oder durch eine Praxis, abgeiiolfen« welche« freUich 



'4) Worte des Herm Itefcheni & 18. 
XXIX. Jahrg. 2. Heft.. 



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IM Iditifleii über 4he Anfache A«g«t4*« toa Elte «if dm TiM, 

oft sehr inlionseqiicnt , du bisherige Eherecfal nach den Lelik*en 
der protestantischen Uirche modificirtc oder mngettaltite. Aaeh 
Hl den deattcheo* jprotei^ntttelien FurstealiaiBtero halte med wui 
einen Ertats lur das eafser Kraft gesetzte liatholische EhMrecht 
Bedacht nehmen klonen nnd eoUeo ; ond um so mehr, da die 
Landeshoheit nnd die rerhindende I(raft der fjandes^esetee sfeh 
nicht auch auf die Tamilic des regierenden Herrn cislreckle. •) 
Man hätte diesen ZuccU sogar durch eine allgemeingültige Ge- 
setzgebung, — mittelst eines Beschlusses des Corporis Evangeli* 
Corum, — erreichen können. Aber höchstens in einigen Fürsten« 

^liltnsern wurde dem Mangel an einer Hechts norm filr die Ehe, 
diese als ein persSnliches Yerhaltnifs betrachtet, abgeholftn. Im 
Allgemeineh terUieb den deatsehen pi^testantischeo TSrstenhln- 
Sern die rechtliche Freiheit, welche sie datch die Verwerfung 
des katholischen RhcVechts gewonnen hatten.- Zwar richteten sie 
sich in der Rc{^el , bei der Abschliorsnng und bei der Auflösung 
einer Ehe, nach den Lehrmeinungcn der protestantischen Theo- 
logen, nach der Lehre, zu welcher sie sich ofTentlioh (in den 
Schrifl^n , welche man die symbolischen Dilcher der protestan- 
tischen Kirche su nennen pAegl,) bebannt hatten. Allein, d» 
diese Sehriften heine gesetzlichen Bestimmutigen eothiAteii, 
sondern nur den hiitshtichen Glauben der Efangelischeii dmtellea 
tollten, ^) da sie' selbst in dieser ihrer Eigentehsft, nicht ohne 
die gtsetzmiifsige Freiheit der prolcsiarifischcn Kirche auf das 

'Empfindlichste zu verletzen, als bindend und unabänderlich be- 
trachtet werden können, so kanja jener Handlungsweise der deut- 
schen Fürsten und Herren nicht der Sinn untergelegt werden, 
als ob in ihr ein Anerkenntoifs der rechtlich- Terbindendio/ 
Hrail der protestantischen LeHre toYi der Ehe zu finden wfire. 
Eine solche Deutung wurde um so unzulässiger seyn , da in ihi^ 



5) Ein gemeines denfsrhcs protf stnnfiRcfiei Elierecht gab en und piebt 
CB nur in dein Sinne, dnrsHnnn die Grundautze, von welchen 
eie Landosgeiietzo und die Praxis in den Ehesachen der Prote- 
taataa autgehn , xu elaet WitiaoMihafl vereiaigen iano und v«roi*>. 
niget hat " . ' 

fij ^lle Mitglieder einet regierenden Hauses waren reichtunni ittelbar* 
Vgl. die \on Mohl S, 87. n. Scliriflen, welche leicht noch mit 
▼ielen andern vermehrt werden kunatenl 

7) Worte des Heren Eichhorn ia seioem Kircheorecbie (G6tt. 1831. 
1. Th. S. 413. • ' «I 

* 

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die Wurden und Rechte einee Prtnxcn den llauncii llannoTer. 181 

eioe Beschran^tung der rechtlichen Fieiheit nni\ zwar der Re- 
ligion s Freiheit der deutschen Fürsten und Ileiren liegen würde. 
Nur durch eine ous druckliebe Erhinrung dieser Fuiisten und 
Herren konnte ihre Freiheit und Autonomie in Ehesachen be- 
schrankt oder aufgehoben werden. Auch das römische [\echt 
hatte für die deutschen protestantischen Fürstenhäuser, in io iem 
^ie Abschliefsung oder die Auflösung der Ehe und überhaupt das 
persönliche Verhültnifs unter Eheleuten in Frage stand, keine 
verbindende Kraft. Denn in so fern durch das kanonische Recht 
aufgehoben, trat es, als sich die Protostanten der Herrschaft 
dieses Rechts entzogen, nicht schon ipso jure an dessen Stellt. 
(Denn wie? ein Gesetz konnte* ohne eine ausdrückliche Erklärung 
des Gesetzgebers verpflichten oder ?nn Neuem Terpflichten? blos 
weil ein anderes Gesetz aufgehört hätte, Terpflichtond zu seyn? 
oder weil man eines Surrogates bedurfte?) Und, wenn auch 
das rSmiscfae Recht in einigen seiner das Eherecht betreffenden 
Vorschriften zu den Gbubensmeinungen der Protestanten voll- 
kommen stimmte, so hätte das zwar für die deutschen protestan« 
tischen Fürstenhäuser ein Grund seyn können, diesen Vorschriften 
des römischen Rechts durch die Hausgeselze verbindende Hraft 
beizulegen. Aber, weil sie diese Vorschriften billigten, waren 
sie deshalb nicht rechtlich veipflichtet, ihnen Folge zu leisten. 
Man kann eine Rechtsregel billigen, man kann sie sogar freiwilfig 
befolgen, ohne dafs man deswegen an sie, als an ein Gesetz, 
gebunden ist. Damit sie die Eigenschaft eines Gesetzes, die 
einer rcchtiieh verpflichtenden Regel, erlange, dazu wird 
etwas mehr erfordert, -r- 2) Auch angenommen, dafs es ein ge- 
meines deutsches Eherecht gegeben hätte, welches für die deut« 
scbeo protestantischen Fürstenhäuser verpflichtend gewesen wäre, 
so würden doch diese und so würde doch ein jedes einzelne 
Mitglied eines deutschen protestantischen Fürstengcschlechts ) 
berechtiget gewesen scyn , sich von der Beobachtung dieses 
Rechts in einzelnen Fällen loszu zählen, (zu dispcnsircn.) 
Denn, wer schlechthin oder in einer gewissen Beziehung keinen 
Richter auf Erden über sich hat, der ist in dem ersteren Falle, 
schlechthin und in dem letzteren Falle, beziehungsweise souverain, 
er kann sich selbst von der Herrschaft des Gesetzes lossprechen« 
Die Mitglieder der deutschen protestantischen Fürstenhäuser aber 



8) S. obea Anm. 6. 



Iti ScjfcrifiMi obar ägmpMh» Aafn|*t wmt Bite uf im Titel, 

halten in ElieMcheii keinen Bkbter auf Erden über aicli. Denn . 
den Reichjgeriefaten stand In Eheaechen eben so wen% Bber die ' 
Protestanten, als über die Hatboliken, eine Gerichtsbarlieit m«) 
Die Gericbtsbarlieit aber, welefae den Biscbdfen der kathoKseben 

Kirche in Ehesachen zusteht, war durch die Reichsgesetze in 
Beziehung auf die Protestanten ausdrücklich aufgehoben wor- ' 
den, ohne dafs an die Stelle dieser Gerichtsbarkeit, was die 
deutschen protestantischen Furstenhä'aser betraf*, eine andere ge- 
aetst worden wire« Uebrigens bekennen sich zu dieser Theorie 
von dem den deutschen Fürsten in ihren Ehesachen' snstebendea 
dispensationsrechte, welche hier nur hypothetiach anfgeateRt 
wfMrden ist und dem Znsammenbange nach nnr hypothetisch än^ 
zustellen war, selbst di e Schriftsteller, welche, Glaubensmeinun- 
gen In Rechtsgrandsätze, l\eligionspilichten in Hechtspflichten 
verwondelnd , annehmen, dafs die deutschen protestantischen Für- 
stenhäuser unter der Herrschaft eines gemeinen deutschen pro- 
testantischen Eherecbts, standen. Auch haben deutsche prote- 
atantische Fürsten, sej es weil sie die Ansichten dieser Schrift 
steiler theiUen oder nm die Glanbensnieinongen ihrer Untertfaaaen 
sn achonen , nicht selten auf dieses DispeiTsalionsrecht sich be- 
rufen und von demselben Gebrauch gemacht, wenn sie, gegen 
die Lehre ihrer Uirche, eine F^hc abschliefscn oder sich von der 
Gemahlin trennen wolllcr. Fin besonders aufTallendes Beispiel 
dieser Art liommt in den Jahrbüchern der Hef'orniation vor. Phi- 
lipp der Grofsmuthige heirathete bei Lebzeiten aeiner Gemahlin 
eine sweite. 

Berr Eichhorn atimmt (S. 49.) in dem Hauptsätze,.-^ dafa 
die deutschen protestantischen FSrstenhfinser, (oder, wie er steh 
unbestimmter und vielleicht nicht nnabkicfitlich ausdrSeht, die eran- 
gelischen Reicbsstände) in Ebetacben nicht an das kanonische Recht 



9) ö. G. Struvii jpdtia heroica. P. IV. (Jen. 1746. 4.) Cap. IV. — * 
Leitt't Lehrbuch de« dvntschen SUatArechts. 143. i 

10) J. P. O, V, 48. Vgl. §. 1. 

11) Vgl. s. B. J- II. Kr»hincr: I). de jure principia Evang«lici dim 
diTortiA Halle 1715. 4. (2te Aull. 1720.) — B. G. Stra?ii ja- 
riaprudeolia beroioa. P. IL (Jen. 1744. 4} Cap. I. ^ 14. 

12) Vgl. aber ilieaea meAwordIgca Fall: M. Luthar's •imllleha 

Schriften. Heraoig. Walch. Xter Thelk- (Halle 1144. 4.) 
a886. — T. Seckendorf: hiatoria Luthermn. Lib. III. 9wt. Sl. 
S. 81. add. 8. — Strav fai dam a. W. P. lU. % 1#— lt. 



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fcbyndflo waren, mit det obigen Theorie uberein. Wenn er 
aber binznftigt: »Auch das rSmiache Regbt koeate iie'H| Jitiee 
Sadiett niclit mehr binden, ala daa banonttobes es atoad ja aoeb 
ealc» dem Urtheiie iler Lebreii DaTon war die* nofbwendige 
Folge, dalb ea für die e?angeKfcben Reichsstande überhaupt 
keine andere Rechtsnorm von ver b i n il en d er Hiaft für die 
Beurlhcilung ihrer Rechte in Verhältnissen, die mit ihrer Lehre 
IQ Verbiodong standen, geben konnte, als diese Lehre selbst;«^ 
'-^^ io mafs ich ^egen den Grund, aus .welchem er dam r5mi- 
sehen Rechte diese verbindende Kra(t abspricht , so wie geger die 
Felgermig, die eu teiiien Vcrdersätsen sieht, den entachieden« 
alen Widerapisach einlegen. Nicht desiregen war daa eSmische 
Recht in Eheaachen fBr die deatseben pretfstantiaehen FÜrsieii« 
bSoser nicht rerpflichtend , »weil es ja auch unter dem Urtheiie 
der Lehre der evangelischen Kirche stand ; a sondei'n weil es, in 
wie fern es die Ehe, als ein persönliches Verhcillnifs, zum Ge- 
genstände hatte , durch das kanonische Recht aufser Kraft g^setxt 
worden oder wegen der Herrschaft dieaea Rechts -nie in Kraft 
geweeeo-Wir, weil es mitbin, ala die Protestanten dem £berechte 
der. helhotiaeben Kirche den Gehorsam aofkundigteo, nieht ohee 
ereiterea die Gültigkeit eines Geaetzea von nenem oder jetzt erat 
erlangen konnte. Eben so wenig ergiebt sich aoa dem Vorder* 
Satze, dafs die deutschen protestantischen F'iirstenhäuser in Ehe^ 
Sachen weder an das kanonische noch an das römische Hecht sc- 
hunden waren, die Folgerung, »dafs es nun keine andere 
Rechtsnorm von verbinde'nder Kraft für diese' Häuser in 
Ebeaachen geben konnte, ^ela die Lebre der evangelischen 
Hirohe^c Sondern aoa- diesem .Vordersatxe folgt sp fiel und nar 
ao Half daft es ron nun an keine Rechtsnorm för diese Hiiiaer 
in Sachen dieser Arf gab. . Eine Gla^ibentlehre ist * nicht eio 
Rechtsgesetz j die Dogmatik ist nicht eine Wissenschaft des 
Rechts. Nennt doch Herr Eichhorn seihst (auf derselben Seile) 
Ehesachen, in Beziehung auf die protestantischen deutschen Für* 
stenhänaer, Gewissenssachen. Wenn ferner derselhc Schrift- 
steller an einem andern Orte (S. 104.) in meinem »Gutachttfn« 
d^n Reweis TcniiiCst, adafa die Lehre der evangeliacheil Kirchs 
keinen gefidgenden Grond enthalte^ in den Ehesi^chen der dettt*- 
sehen protestantischen Furstenbädser das rSmischo Recht- 
statt des kanonischen anzuwenden ,« so glaube ich diesem Mango! 
in dem Obigen, zur Genüge ahgeliolfen zu haben. Eine Lehr- 
meinang, eine rcligiuse Ueberaeuguug ist ihrem Wesen nach 

e 

*. ' • 

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Iii . Sdyririca «Iwr So AMpridie Aufui'« von M0 aoI iha Tital^w 

Musb tiioht ein Grund« welcher, zur BefoigUBg «iiies mit dieser 
Meinong oder Uebcrzeagung ubereinati mm enden positiven Gesetaüft' 
r«obtlioh ▼erpfli«hlete« loh sUnd M der AMirbeiliiiig dflC 
»GtiUckleiit«^ in dem Glauben , dafii jener SaCs ntcbt m% aÜM 
BeMlaea bedfirle, — Jedoch ich Erfülle nar eine Pflicht der Ge- 
rechtigkeit; indem ich himrafuge , daff Herr Eieyiem hei ^ler. 
Frage, bei welcher er sich allein oder vorzugsweise auf das rö- * 
mische Recht beruft, (bei der Frage von der Nothwendigkeit ' 
der elierlichen J^inwiliigung in die Ehe der Kinder,) das Anseba, 
dieaes Rechts in den Ehesachen der deutseben protestantiscbeii 
FSrttenhäuser sogleich, ibeila aef eine heaondOe YoMchrift 
der aymboliachen Bücher, Ibeila aol ein Berhoeimeo Hulal« 
Von dieten Wonderen Entaeheidungsqaetten aber wird schioh» 
lifihor bei der Beantwortung jener Frage die Bede teyn. 

Mit dem Herrn Mohl dann ich, was die vorliegende Auf* 
gäbe betrifft, iioth in cinei andern Hinsicht nicht übet'einstim« 
men. (In wie fern er ^ wegen derselben Aufgabe die Ansichten 
dea Herrn Eichhorn theilt, enthalte ich mich, um Wie derb oliin« 
gen so Termeideuv einer Prüfung seiner Aleinung ) üerr Mohft* 
niaamt an, (& dafa die Gültigkeit der in Frage atehende«. 
£he auch nach den für die brannacbweigiach-lfinehnr-» 
giache Landeakircbe J>eatehenden Partikntar* Ge* 
setzen zu benrtheilen sey, indem m gegenul^er der Mircbengewalt 
die neichsuninittelbarheit des Prinzen Aiigustus FVcderick Keine - 
Anwendung finden Künne x Er fügt hinzu: i>Mag man diese 
oder jene Ansicht über diu Entstehung und Bedeutung des Uir* 
chenregiments eines protestantischen Landesherrn hab^n, so Ifl * 
iMier onwideripi^blicb , dafs die Gewalt, in der Kirche nw 
dem regierenden Furaten, ala aoh^bem, gehubrt, und daßr keio 
anderea Mitglied der Kirche , * alebe ea der Penon- dea Furaleo 
und dem Throne noch so nahe , irgend einen Vorsag vor den 
übrigen Laien sich anznnjalsen hat. Vor Gott sind alle Menschen " 
gleicfi , und auch in der Kircftlichen Gesellschalt gelten die welt- 
lichen Unterschiede nicht, sondern nur die Aemter und Eigen* 
achafUn, welche sie selbst in Beziehung auf ihren Zweck und 

ihre Diaciplin eingeführt bat Wollte man. ein wenden, .daGi 

der Hibreog von Suaaez aich zm* angUkaniechen Kirche hekeaB^t 
ae dteat zur Antwort , dafa allerdinga daa Haaa Hannover anek 
seit feiner Beateigung dea britischen Thronea in den Becbtsvcr- 
hältDissen des deutschen Reiches als der lutherischen Confes* 
aioa angehürig betrachtet und behaadeU wurde und behandelt 

' • * Digitized by Godgle 



wollte, dafs namentlich iiarfüi'st von Hannorcr alt 

olliWtBr LaodesbiochoC dar iatkeriscben Kircht fiuigirU.* ^ 
Mtn IMd wM mar ▼•tmiImi, weM iob midi TOn dar Oswidar* 
«IMifclitMMil dtr Grfiade, die er fiBr aewea HaoptsaU aiiflli«!^ 
•iekt 0beraeiifea liami. Eetireder, oder I Entweder moTt Her» 
Mobl jene Partibniargesetse eis hraft der Landeshoheit erlas- 
sene Gesetze oder er mufs sie als I^eschlüsse einer von dem 
Staate unthhiingigen Uirchlichen G escl Isc h n ( t betracliten ; mit 
aodera Worten, entweder muls er bei der Üetirtbeüi^og i^'f^ 
GeaoUe ron dem s. Terri^erialtjrateme oder eraufa dabei tmm 
dM f»§i GoMegieUytt^me euigebiL Unter der ersicm Vmrwis» 
gatiimg, —-.welche die riebtigere leyn roSebte, — tteed^der 
,Mbs Aogostoe F^ed^riek unter jeeea Gesetsen eben «o wenig, 
ele anter eadern landeaberrlieben Getetsen and eis unter der 
Landeshoheit überhaupt. Unter der letzteren Vorrtoasetzung aber 
%var sein Yerlialtnifs zum Staate und waren mithin seine politi- 
scben und bürgerh'chen Rechte von seinem Verhältnisse zur Kirche 
imeWiSngig* Allerdiogs sind wie Hr. Mobl erwähnt, die Men* 
•dtfn Tor Gott. einender gleich. Aber In den Ueicheii der Meo* 
sdien etelU sich ger Vieles anders, als es in dem Reiche Gotlds 
•telil. 

Zam SehloMe dieses Abschnittes noch die Bemerbangs 

Wenn man die Schriften lieit, welche die Herren Eichhorn and- 
Mobl gegen die Ansprüche des Sir Auguslus d'Ksle herausgegeben 
haben, so sollte man fast glauben, dafs es sich in der vorlie- 
genden Rechtssache von einem Strafgerichte handle, welches 
fOO dem Hause Hannover ebzowenden sej. Dean überall wird 
iMo dorch diese Schrillen an die Maxinie erinnert : In dubio pro 
rm> l pro domo Augmtta ! Aber et handelt sich in der ror- 



• 

%iy j/p. O. Art. V. §. 29. Se. (Das jus niformandi, welobe« in diesen 
' Stellen den deaticben Fnrtten und StAadon'beigelegt wird , batte 
in dem Slooe» in welcbem man et aar Zeit "df» weatpbilitchea 
Fkriedeaa fetstaad and seit den Ketten der Reforniution veraiandea 
hatte, elaen Urafnng, in welchem es alle die iiechte timfulste, 
die da« f^. Tcrritqrials^^tcni dt r Staatngewalt in KirclicnBachen 
bejle|;t. Cujut €§t regio^ «jut at rvOgia! sagte ein Ktc htsupnicliwort 
jener leiten.) Vgl. meine Sclirift : Die Einheit des ^>tuute« und 
der Kirche. Lp?.. 17!)f». H. — Auch Herr Kiehlutrn hut hi« h iur 
dir Anwendbarkeit de« 'J'i;ri itorinUviitenicti auf die kirchliche Vur- 
ia««ung der daatacbea ttiaatcu erklärt. iletsea ikirchcnrocbt. 
1, ettö ff. 



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liegeuden Rechtssache vielmehr daron, die Gegenwart eines Va-, 
ters an eine schönere Vergangenheit zu knüpfen , den Schatten 
«iner Matttr, deren Freuden .ood Leiden das Grab deelit| m 
▼enShaen, die Zohanft eines Solines dnrefa die "kuenkmumng 
.eeloer Geboftsrf chte sa erbellen. Da ist vielmehr d i e Misime 
8Q beachten : Conjugium ett rm favorahüin» Ja, es steht noeh 
überdies der Fall ^o, dafs man die Ansprüche des Sir Augastus 
d^Este nicht angreifen kann , ohne dafs der Angriff zugleich auf 
die theuer genug erkauften Rechte und Freiheiten gerichtet wäre, 
weiche den^ deutsclien protestantischen Fürsten den Aeidis|(e« 
•etien nach snstanden« 



II) Ist. * 

zwischen Sr. K. 1^. dem Hen^oge von Snssex 
und der Lady Augusta Mimray 

eine ihrer Form nach gültige Ehe 

erweislich 

•bgewfaloiteB worden? 
A) Kann 

aus den in der obigen €teiiehiolitee»Shlong an^eföhrten That- 

sacheu, abgcsehn einstweilen von der Erweislichkeit 

dieser Tbatsachen, 

die Folgeroag gesogen werden, * 

dafs die in Frage stehende Ehe eine ihrer Form nach 
(j. quoad tnoduni interpositi conseneuMj gültige 

Ehe waif ? 



Die Vertheidiger der Anspröche des Sir Augastus d*Este be- 
haupten nun aus folgenden Gründen , dafs der in Frage stehenden 
Ehe in lieziebong auf die Art und Weise, wie sie abge« 



14) c. 8. X. qui matrimonium accusare posaunt. (Maft icli- erst erin- 
nern, dafa ich die Stelle nur als eioe wiaaentchaf tliche Ancto- 
ritil anfühle?) 




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•eil lotsen worden ist, dM^£igeiiscliaft eiaer gallig«! Bko 

Er$i0n8: Der Prins Aog«ttiit FroderieK könnt«, 
•It ein Prins des bannll^erUclie'n Filratenhentet, eine 

rechtsgültige Ehe abschliefsen, ohne dafs er an die 
Beobachtung irgend einer äufseren Förmlichkeit ge- 
bunden war. Zar Gültigkeit der Ehe genügte in so fern, dafs 
der Prinz uod feine künftige Gemahlin ihre Einwilligung zur 
Ehe erUarten ; und sie haben sie mehrfach .erklärt. Mit andern 
Worten: Die in Frage slebehde Ehe würde aelion ala eine ao 
genannte Gewiaaenaehe tn Recht beatfindig seyn ; wenn aueb 
dieaer Aoadmch hier heineati^eges an aeiner 'Steile iat., da die 
G6ltiglieit jener Ehe nicht blos auf einer Gewiaa ena? aondero 
zogleich auf einer Ree btspilicht beruht. 

Der Hauptsatz, -r- dafs die in Frage stehende £iie solo 
onnsma conjogum Kraft und Gültigkeit erhalten -konnte, — folgt 
mnittelbar ana der Theorie ^ welche oben (8. 1S9.) Sber die 
Aotonomia der dentaehen Fdrateahioaer in Ebauoben an%eatelll 
worden iat. 'Zor formeUen Gflltigheit einer Ebe wiid an aieb. 
weiter niebta, ala die Einwilligung der bflnfHgen Eheleute erfor- 
dert ; sollen diese, wegen der EiUIürung ihres Willens, noch 
überdies an eine besondere Form gebunden seyn, so bedari es 
einer positiren Vorschriffc, welche ihnen die Beobachtung ge- 
wisaer Förmlichkeiten zur Pflicht macht. Wenn nun die deut> 
ncheo protestantischen Fürsten und Prinzen, waa die Abschliea« 
anng einer Ehe betraf, üherall nicht einer Becbtag^aetagebnng 
unterworfen warepj wenn aie in ^aofem keinen Richter anf Erden 
fiber aieb hatten , ao stand ea anch in ihrer Macht ond Gewalt, 
bei der Absciiliefsung einer Ehe ihren Willen auf die ihnen seibat 
beliebige Weise zu erklären, >z. B. die Ehe mit einer oder ohne 
eine kirchliche F'eierlichkeit einzugehm Wollte man ihnen diese 
Freiheit absprechen, so müfste man jene Theorie anfechten« 
Sonst atebt mit dem Grundsätze auch die Folgerung fest« — 
In dem roriiegenden Falle aber iat ea nicht sweüelbaft, da(a die 



15) Scfiiiftiteller, welche den deotachea protufaatiMhenFa raten diese 
" Freiheit vindiciren, findet man in grorscr Anicahl angeführt in 
Kläber^a Abh. über die Ansprürfie den Sir Aui^nstui d'Ksto. S. 115. 
— S. auch B. G. Struvli jariRprndentia heroica. P> II. cap. V. 
§.31. cap, VI. 9. sqq. — J. r^. Uertii Opmc Vol. U. T. III. 

p. lao. 



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I 



li8 SckrtflAB über dio Anaipriacb« Augusl'« von Jk^iie. auf de« «AuUf 

Partheien die Absicht hatten, mit einander in eine elicliche Ver- 
bindung. zu treten. Sic gelobten einander scbriFtlich und in deci 
bMtimmtesteo Ausdrucken die Treue, welche «in Ehegatte dem an- 

^dern schuldig ist. Sie bebrä'ttigten diea«s Versprechen diiroli iitmm * * 
Eid { tie bekräftigtea dwselbe Versprechen durch euie sweimlif« 
liirchliche Treoimg. pie Ehe wurde uherdiet phytiaolr roll« 
i^en. Sie war ood itt alao^^za Folge der im ersten Ab- 

'aobnitte dieser Abhandlung aufgeitelUen Theorie, eine ihrer äu^ 
teren Form nach gültige Elie. 

Zweitem : Zo demselben Betaltate wurde man auch dann 
güangen, wenn man gleichwohl, d. i. gegen jene Hieorfe an- 
nehmen wollte, dafs die formelle Gültigkeit der in Frage ste- 
henden Ehe nach dem römischen oder nach dem älteren kanoni- 
, sehen Rechte zu beurtht ilen sey. *^ Denn beide Rechte stimmeti 
nil einander in dem Grundsatze überein : Solas eontensua ßici^ 
tmpiiäs ! . Jedoch biite ich nicht zq tiberaefao, dafs ron 

diesem Argnmente hier nur bypothetiseb oder Toraosses« 
srfngaweise Gebra«cb gemacht worden Isi Zu- Folge der obeft 
anljgestelhen Theorie bedarf die Ehe des- Herabgs Ton'8lMsez 
mit Lady Au^asta Murray nicht dieser 8t(Stce, Iman sogar TOfi 
der Anwendbarheit jener Rechte auf die^e Ehe uberall nicht die 
' Bede seyn. (Ganz so halte ich auch in meinem v Gutachten « 
S. 58. nur hypothetisch von diesem Arf^umente Gebrauch ge- 
macht. Herr Eichborn thut mir daher Unrecht, wenn er mir, 
B» io3. seiner Scbrift, die Behauptung zuschreibt, dafs das jus 
^canoniqnm, welches cor Zeit der Reformation bestand^ f^r die 



16) Die pbysisc hc Vollziehung: eines Ehevemprcchens verM^niidelt ihrem 
Wesen nacb ft|M»oialia do futuro in '«fonsali« «Je |iiteaenUt d.i. 
ein KAMsverBfireehcn In eine Sho. V^l. e. M. tO. IC. da ipaaaal. 

11) Ii:h «R^e nach dciu filteren kanonisi hen Hechte. Denn van dem 
neuei^n kanoniftchen Ueclitc, d. i. >()U dem Cont:iliu 'J^ridentioQ 
kann hier, bewandten riustundea nucii, nicht die Rede fiej^n. — 
^ Doch darf vielleicht lieiiierkt werden , duU , nach einer Uulle dcH 
Piibstea Benedikt XW.^ noch jetzt ein inatrimonium aine aotennitate 
|iür eoncUium Trideotinom praeacri|ita Initnm ,< uoler gewiaaca Ba- 
diogungeo , ciue gültige £Jie aayn kana. Ygl. Fray*s krüiachan 
Kommaalar filier daa Kirchenrecht. Th. III. & 287 f. 

18) 1. 15. I). de condit et di uionttr. I. 22. §. 13. D. de duutU. intcr 
viruiu et uzorciu. 1. SO. D. de Ii. J. — c. 9. Z^i. 28. X. de 
a|Kiiiaal. c. 3. X. de chuideal. de «pens. 



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dM Wttid«B «Bd Reohle «Im Priäm 4mHwm 

Ehesachen des deuUcheo Fürsteostandes Gesetseskrallt htrfaitlWI 
habe. Nur lijrpoihetitoli haUe ich den 6aU aufgeileUt.) 

* Dtiii0n$s ObWoM in dem ersten Abschnitte der yorlie- 
genden AMiandlan^ nachgewiesen wordert ist, dafs die lichre 
der lutherischen Kirche von der Ehe weder für die Mit- 
glieder dieser Kirche überhaupt noch für die deutschen prote- • 
stantischen Fürstenhäuser ins besondere die verbindende Kraft 
eines positi?eD Rechtes habe, — mit andern Worten ^ obwohl 
dort nachgewiesen word^ ist, dalW es kein gemeines« dettf« 
sches protestentisches oder Intherisehes Ehereoht 
gebe, — > saeell doch jetst, om den in Frnge ttehendeii Beehtt» 
ftü Tön eile» Seilen in Betrscbtung su stehn, ron der entge* 

• gengesetEten Voraussetzung ausgegangen, d. i. die formelle GüU 
tigheit der Ehe des Herzogs von Sussex mit Lady Augusta IVlurray 
nach der Lehre der lutherischen Kirche oder nach dem 
•ogenanoten gemeinen deotscben protestantischen Ebe- 
rechte gepff€il werden. Die Prüfung der fiormellenr Gultigkeift 
jdmr ffnige ttehendep £he aus dieaem Standpeokte derf Im^ 
was «0 weiuger fibcrgnngett werden, da es sowohl en sieh ala 

^ wegen der hesoodereo Beschaffenheit des mrliegenden Beehts. 
Falles, nichts weniger als gletdigititig isl^ oh jene^Ehe eine reli. 
giose Sanktion für sich habe, oder ob sie derselben entbehre. 

Die Frage stellt sich demnaeh so : Was lehrt die lutherische 
Hifthe ton der Ahtehliefsung einer Ehe? wis erfordert die Lehre 
dieser liirche oder das sogennaate gemeine protestantische 
Eberedit ^ sw formeUen Gilltiglieit eiiter Ehe ? Die Beehts» 
lehrer sind tiber diese Frage behaontiich getheilter Meinang; 
imlem Einige behaupten, dals nach der Lehre der letherischen 
Kirche *or formellen GülligUeijt einer Ehe erfordert werde, dafs 
die Ehe im Angesichte der Kirche und mithin öffentlich abge- > 
schlössen and dorch eine kirchliche (oder priesterliche) Einseg« - 
nvng — per benedioiioneiD sacerdotalein — bekräftiget worden 
aejr. Andere dagegen annehmen, dafs, nach der Lehre dieser 
Kirche, snr gSftigeo Abschliefiinng einer Ehe schon die ernstliche 
^ifeoserhljirnng der PaHtheien hinreiche. Es liegt am Tage, 



11^) Vgl/ die S< hrirutellcr^ welche llirr M o Ii 1 (S. 114 f.) für dio 
eratcre und Hirr Kl über (S. 110 IT.) für die letztere iMui- 
nung anführt. — Jblin GewährHUjaun für die Ictxtero Meinung, dessen 
Gewicht beionders hoch anziitehUgen iat, da ilim das protcataii- 
tische Kirchenrecht Alle» vexdaiikl, iaiJ. Böhmer. S. ücs«ea 



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liO SehrifUn Aber die Aoif räche Attgnel'e ^00 £ete aaf dcD « .»w. , 

daft diesem Streite nicht eine juristische, sondern eine theolo- 
gische Frage Mm Grunde liege,, dafs mithin die Entscheidung 
dieses Streites von Lehrsätsen abhänge, zu welchen sich die lu- 
tberiscbe Ktrclie^ wegen der Abscbliefsong einer Ehe, bekennt. 
Eben so liegt am Tage, dafs man diese Lebrsätae ans keiner 
andern oder aus keiner bessern Quelle 8ch5pfen hSnne, als aon 
den Schriften der Reformatoren und ans den Erhlirungen .der 
protestantischen deutschen Reichsstände über das Dogma der In* 
therischen Kirche, wenn sich anders diese Erklärungen auch auf 
die foriiegende Frage erstrecken. 

Indem tdi jelit iiiv BeonUimg dieser Quellen fortgebe, mntk ' 
ieh stiTMertl fiber den/ Stand der F^age mr Zeit dor Befotw 
maiion und Sber die HnnsUpraebe, in welcbe die Frage daaMle 
eingekleidet wurde , Folgendes bemerken : Nach dem damaligen 
Rechte der katholischen Kirche konnte eine Ehe durch die blolse 
Uebereinstimmung der Partheien (solo consensu conjugum) auf 
eine recbtsbestiiodige Weise eingegangen werden , also ohne dafs 
eine Ebe so ibrer Gültigkeit irgend eine Förmlichkeit bedurfte. 
Von nannte eine solcbe durch die blofim Uebereiostimmang der - 
Partbeien eingegangene Ebe sponsalia de praesenti i e. per rerba 
de praesenti tempore s* de matrimonio statim contrahendo inita, 
und im Deutschen ein Ehe verlSbntfs« (Man theilte daher die 
sponsalia ein in sp. de praesenti und in sponsalia de, futuro ; eine 
Eintheilung , welche jedoch Luther verwarf oder in einem andern 
Sinne deutete.) Uebrigens machte das damalige Recht der katho* 



J. K. P. L. IV. tit m. S 4t ff. nn4 Ebend. D. de jnre pHndpb 
Staagalicl eirca dlvartia. Cap.II. S-i ff. Auch Herr Eichborn * 
hat «leb iln aeiaem Kirebenreebto. Th. II. §. S20.} nicht getmot,- 
die Qoltigfcelt . eiiwr Ebe unter Protestanten von der kircbltcbon ^ 
EtntegnoBg entachteden abhingig so nacbeo. 

SO) Man hat ^ in der Torliegenden Rechlcsache — sich gegen diesen 
Sats auf das e. 3. §. 1. X. de clandeatinis eponiial. berufen, nach 
welchen eine heimlieho oder nicht in Angesiclit der Kirche ho <2^e< 
aehlomiene' Ehe nicht einmal dnrch den guten Glautxn der hMic- 

' . ieute bei Kräften erhalten werden itAnne. Aller fitUchlicb! 
Denn die Stelle lautet so i »,Si qnit vcro bujueinodi ctandeHtinn et 
loterdicta ronjiigia inire prneHumiterit, in gradü prohibito ctiam 
ignoranicr, Noboies de tali cohaliltfitione suNcepta, prorHiin illogi> 
iiinn ccnseatur , de pnrvntuiu i^norantla nullttm Imbitura subsi- 
diuni.^' Die Stelle stigt aUn Mcilor nichts, nU dafH ^rgcn das 
impedimentum con$anguinilatis et affiniiatU nicht booa üdea cenju* 
gttui geltend gemacht worden könne. ^ 



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iMeheii Hirche die Gahigheit ehür Ehe niclit ?on der Zostfan- 
mng der Eltern der Eheleote ebbängig ; lo wie eecb dieteai 
Becbte aneb jetxt nocb deficiens conMmnt. parentam nicht ein 
impedraientom matrimonil dirimens ist. 

Mit Rücksicht aui diese Sätze des damaligen kirchlichen Ehe- 
rechts stellt nun Luther, der Mann also, von vvelcbem die lok 
therischc Kirche selbst ihren Namen hat, in seiner Schrift : Von 
Ebesachen, *>) i) die Lehre auf: »Weil die Ehe ein «fieoUi- 
<sber Stand iat, der dfifentliob fon der Gemeinde toll aafenonuMo 
oad beiiMinl werden, iaft billig, dalU er aocb Sffenilicber Weite 
^etttffef ttnd angeaeben werde.« Lntber. ISgt jedeeb «) binin t 
9äw£ dafa aber Mer nieht Jemand ein Wortgezänk anrichte, 
lietfteicli das beimlich Veriöbnifs, das da geschieht hinter Wissen 
und Willen derjenigen, so die Oberhand haben und die Ehe zu 
atiften Becht und Macht haben, als Vater, Mutter, und was ihrer 
8tatt sejrn mag.« Er erklärt ticb endlicb 3) in den stärksten Aua-, 
drucken gegen die Anlidrang einer Ebe, welche, obwohl beim» 
« liob abgeaeblossen, dennocb pbjtiscb tollsogeo wprden ley; ebne 
ttrigena die Nolbweodiglieil so revbennen, ^em Unweaen bein» 
lieber VerlSbniase dorob Strafen so ttenem. (§. 3o— 34. derseU- 
beo^brift.) — - Auf eine ähnliche Weise äufsert sich Melancb- 
thon , der andere Vorfechter der Reformation, in seiner Ab- 
bandlung de conjugio über die vorliegende Frage. 

Eine Erhiärung ii'ber dieselbe Frage kommt in den Artikeln^ 
▼on. der Biachöfe Gewalt und Gericbiabarkait vor, welche toq 
den protettanliujlen deotaoben ReichiMtänden,«alayorttebeni oder 
Mmöiitbrem. der lolberiteben Kirche, aof dem. Konrente asn 
Sdimalbalden , im J* t537,' angenommen nnd bekräftiget watden. 
Diäte Erklärung lautet 'so; »Item ist unrecht, dafs [nach den 
Satzongen der katholischen Hirche] insgemein alle Heirath, 
so heimlich und mit Betrug, ohne der Eltern Vorwissen und 
Bewilligung geschehen, gelten and kräftig seya sollen,« und in 
einer gleichzeitigen lateinischen Uebersetaaog : » Etiam -injoiUi 
lex tat, qnae in'genere omnea dandeatinaa et doloaaa deipOMn» * 
tionee contra jna parentnm approbatc **) (Die Stdle giebl oC-' 



21) Sic erschien zuerst im Jahre 1530. Sie steht im Xten Tbeile der 
oben a. AuB^^be der Schriften Luther« S. 89Ü fF. 

22) Ich werde die Stelle weiter unten ihrem Wortlaute nach anfährrn, 

tt} fi. Lilyri tjmboliei ecclesiae Kvangelicaa. Ad firfcm optimornm ' 
aiamplornm fesananlt J. A. H, Tittmann. Lipa. mi. B. ». «09. 



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US fleMÜMi iWr ile AüApr&die AmgfuV» Vm Site Mf djiA Tttel» 

•iFcBbM' i«r dM in einem Auszage wieder, wM.Latbers Schrift 
ton EbeMohen über die heimlichen Verldbniste in einer eiitfiibcw 

liehen DartteUmis^n^**'^) . ' 

Die Lehrsfitee, welche hiemech ¥00 den BeTormelorea tter 

die formellen Bedingungen der Gfiltigheil ein*r Ehe eufgeslellt 
und Ton den protestantischen deutschen Beichsständen gebilliget 
worden, — mit andern Worten, die Regeln, welche das s. g. 
^emeiae deutsche protestantische Ehercchl über diesen Gegen- 
etend eoUriüt, — kann man so zuSammenfasseo : Die Ehe soll 
V/enllicAf d.i. in Angesichte der Kirche abgeschlos. 
een w^erden* tienn die Ehe ist ein Sffentliober Stand, d.i. 
sie begründet ' ein besonderes ReohUrerbfiltnift, in wdIcbem.Yoa 
nun an die Ehegatten , sowohl «ur Kirche «Ii xnm Steatje« tteliB. 
Die Abschliefsung einer Ehe ist überdies ihrem 'Wesen naeh 
eine religiöse Handlung. Jedoch ist eine Ehe nicht schon i 
deswegen (de jure) als nicht a bgesc h I o8se,n oder i^ls 
nichtig zu betrachten, weil sie ohne irgend eine 
kirebliohe Feier und blos durch eine Ueberetnbanft « 
der Partheien (de focto) abgeachloseeft worden. iaL 
Sondern ein ohne irgend eine bircbliohe Feier -^:%it4 
nado pacto — abgeschlossenes EbeTerlobnife« iet nur , 
dann ein heimliches Eheverlolinifs .oder ein 'roatri« [ 
monium clandestinum in der juridischen Bedeutung, 
d i. es ist nur dann nichtig, wenn es ohne Zustim- 
mung der Eltern oder derer, weiche an die Stelle der ' 
Eltern getreten sind, abgeschlossen worden ist» Nicht 
darin also liegt in dieser Lehre der Unterschied zwischen dev 
protestanlifcben ond der hatholiscben Kirche, daTs jene Kirche 
die nndo paelo eingegangenen EhererlSbnisse (oder Ehen,) welche 
diese Kirche lur gültig bSlt, seblecbthin fSr angOlüg erhlirt^ 
sondern darin, dafi die katholische Kirche Ehe?erlnbnissc oder 
Ehen dieser Art, welche <lie protestantische Kirche nur hedin- . 
gtings weise, d. i. nur unter der Bedingung, dafs sie nicht 
ohne Wissen und Willen der Eitern abgeschlossen worden sind, 
Gkt gfiltig eraditelf schlechthin für gültig erklärt. Denn so * 
wird der Unterschied zwischen der Lehre der einen ond der 
Lehre der andern Kirche theils durch die Definition ,^ welche Lo- 
ther Ton den heimliohen> Ebererldbnissen giebt, * theila in den j 
oben angeführten Artikeln Tom Jahre i537. (in den Worten; 1 
yltem ist unrecht, dafs insgemein alle lleirath, so heimlich 
o. w. gescbehn, gel^o und hräftig seyn soii j«) auf das Be- 



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MtW€wim mni Ssdrt« Hmi Miim M tkmm Ummmvmp. Mi . 

i 

i l ltemmw bcteMmet ond b«tckrfinht. Mit eiiiMi WorlejlftO| 

die Frage, ob ein nado pacto vip^cj^an^enes F.he?erli$bnirs oder 
ein matrimonium clandestinum gültig oder ungültig sey, fällt, 
nach der I^ehre der protestantischen Hiiche oder nach dcip g. 
gMeioeo deotscbeo protestantischen Eherechte, mit der Fragt 
-Msammen«'ob ein solcbei EhcverlübniTs od^r eine solobt Eilt 
mit tdti^ ohttt Zoaanmng der Eltern der Ebeleatt eiogegebga« 
wtrdtft etj. Di« HiMhe ferbngt oder enrarttl swar rom ibm ^ 
Mitglifdern die Befolgung der Voracbrift, dafs eine Ebt Mcfct 
ebne eine birobKche Feier abgescfilotsen werden solle. Aber die 
Befolgung dieser Vorschrift ist Dicht schon an und für sich 
die;^ conditio sine qua non der Gültigkeit einer Ehe. 

Und« wit bilttB woU die Relomiatoreii sa einem aadim 
HhtoRatt, ak.itt dem hier ans ihren 8ch^^^en abgeleiteUn, go* 
langen ItSnne'n ? 81t betrachteten die Ehe aot dem Standponktt 

der Religion und Moral. Aber, von diesem Standpunkte aus be« 
trachtet ist die Ehe, -was ihre formelle Gültigkeit betriflt, an 
heine andere Bedingung gebunden , als an die der freien Leber« 
einstimmung der Eheleute. Stellt «man sich auf diesen Stand- 
^okt, so liaiKh man die positiven Gesetze, welche die G iltigketi 
tintr Ehe ron jer Eeobachtdng gewisser iufserer Iß'Önitelichkeiten 
•mpgig machf^fif sogar nur als nothweodige Uehtl hetrach« 
ttn. 80 fiel auch die Geattie dieser Art^ aas einem arfdem 
Standponkte beurtheilt, fSr sich haben m(Sgen, (und in der Tbat 
aind die polizeilichen Grunde, welche für sie sprechen, von 
einem entscheidenden Gewichte,) allemal dienen sie der Wort- 
bruchigkeit zum Ueckmantei, allemal er5ffneo sie der Yerfüb* 
rnng Thür und Tbor.* Ihnen gilt die Schale mehr als der Kern. 

— .Die Beforroatoren hatten noch überdies, sowohl in dieser ala 
io ein^ jeden andern Besiebong, die Absicht , die. Kirche, deren 
Organiaatibn und Gesetsgehung, dem Vorbilde der ersten christ* 
Heben KIrthe sn nähern. Diese aber hatte der kirchlichen oder 
priesterlichcn Einsegnung nie die Bedeutung beigelegt, dafs 
von dieser kirchlichen Feier die Gültigkeit der Ehe abhänge. 

— Uebrigens haben sifh zu dieser liehie von der Gültigkeit 
einer solo consensn eiogegajogeoeo Ehe die protestantischen Theo« 



•H) Vgl. Geschichte der kirchlichen Etniegnun|; nnd RopolAlion der 
^JEbe. YanFlAggc. l<iuMb; im 8. 




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logerf tiwih in der Fotgeseit onamffesetsl behaiinl, und tie tttm- 

men in dieser Lehre auch jetzt noch mit einander überein. 

Wendet man nun diese Lehrsätze der lutherisohen ftirelie 
— • mit aodera Worten , diese Yorscbriften des geneioen dem» 
sehen protestantisehen Eherecbts — auf die Ehe des Hersogi 
Ton Sosiex mit Lady Aognsta Mnrray an, •o^ liegt in -ihnen •» ' 
wenig ein Grand, die fbraeHe Gültigkeit dieser Ehe zu jbe s hn eU 
ten, dafs aus ihnen fielmehr das^ entgegengesetzte Behältst her- 
Yorgcht. . ' 

Abgesehn Tön dem Rechte der Eltern war diese Ehe'naeh 
den LehrsfiUsen der Inihenscben Kirche schon .deswegen ein« i 
ihrer Form nach gfiltige Ehe, weii die Parthefen nnter sich 4te ' 
Uehereinhanft trafen, als Ehelente mit einander so leben. Je- 
doch, obwohl schon dnreb ihr Wort zo der gegenseitigen Trene 
Terpilichtet , welche Religion nnd Moral von Eheleuten fordern, 
behraftigten sie das Eheversprechen, das sie einander gegeben 
hatten, noch überdies durch einen Eid, also durch eine ^^usiche- 
rang , welche einem jeden Vertrage eine besondere religiöse 
Sanction verleiht. Sie haben in dieser Ehe Kinder mit einander 
erseagt Sie traten so in ein nen^ Verhiltnifs, welches sugleioit 
f8r das gegenseitige einen neuen yerpflicfatnngsgrnnd enthielt. 
Wie li5nnte oder d8r(te"man also, — abgesehn Ton dem Rechte 
der Ellern, — an der Uirchlichen Gültigkeit dieser Ehe zwei- 
feln ? einer Ehe, für deren Gültigheit die Heiligkeit der Verträge, 
die Heiligkeit der Eide, und die Heiligkeit der elterlichen PiUch« 
len in gleichem Grade sprechen 2 



26) Ganz so erklärt sich über diese Lehre z. B. einer der ang^eiehen- 
•len jetzt lebenden protestantischen Guttcs/^elehrton , Chph. Fr. - 
T. Ammon, in seinem Handbuche der christlirheti Sittenlehre. 
§. IUI. Hier findet ninn noch fo]<;eiide interessRntc Maehricht : 
«tNach eiaeui glaabwardigen Berichte Melanciitliont (Epist. IV, 24.) 
Terlobta steh Lotber {■ «laer Pritatwabanog tot den erbetoata 
Zeugen, Bugeabagen nnd Lukas Kraaaaht mit saiaer Brant wtA 
voirsog iKe Ebe tov dem nachher felerlleh Taraastaltetea Kirch- 
gaage." • » ' 

(Die FortMBtwng folgt.) 



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N*. 10. HBIOBLBBRGBR 1636. 

JAHRBÜCHER DER LiITERATUJl. . 



SckHftm «to* die An^uiU^ Augm^a JBf/e auf dm Titel , 
Mß ffrurdem und Mtckte eAiet FrinMen de$ Hm»$€$ Hannover, 

' (ForttetMung.) 

^ Aber noch mehr ! Einj^edcnU jener Lehrsätze der lutheri- 
schen Kirche, hat der Herzog seine Ehe mit Lady Augusta Bfurraj 
auch durch eine kirchliche Trauung bestätigen lasten. Der 
Herzog ist mit aeiner Gemahlin sogar swenial, — dat ctncflid 
in Born and dat Mideremal 4a LoodoD gctrajil war&mu ' 

Die Einwendungen, eiche man gegen die eine und gegeq 
die andere Trauung gemacht hat, lassen sich in den Satz zoaam* 
ineofassen, dafa weder die eifie noch die andere Trauung 
•o voJIso^en worden tej, dafa, aie, der Abtchlie^'song 
der Ehe diejenige Pubiicitäi gegeben bUtle« welcli« 
doeb, ni^cb der Lebre nnd Meinong der prote,ttanli- 
flcben Rirebe', der Zwecb oder der Hauptzwecli dtfr. 
hircbiichen Trauung ist. ( Wenigstens sind diejenigen gegen 
die in Frage stehenden Trauungen gemachten Einwendungen, 
welche sich nicht auf diesen Hauptsatz zurücliführcn lassen, thcila 
an aich von ao geringem Gewichte ^ tbeils durch die Anwendung 
der in der yorliegeoden Abhandlung anfj^estellten Grundsätze ao 
leicht so widerlegen, daft ich sie« qbT niebl die Uotenaebeng 
über die Geb8br aotsodebneni-nit Stilltcbweigen Sbergehe.) In 
dteecr Besiebnng ist gegen die erjte oder gegen die in Bom 
geschehene Trauung eingewendet worden, 'dafs sie, wenn anch 
yon einem Geistlichen, doch ohne Aufgebot, nicht in der 
Kirche, sondern in einem Privathause, auch oh n erzeugen 
vollzogen worden acjt In derselben Beziehung ist gegen die 
iweite oder gegen die in London geschehene Trauung die 
Einwendong erhoben worden, dara, wenn aoeb dietei^ IVaoong 
eis dreiaaliget Aufgebot torimging^ und wennt sie aneh toq 
denr kompetenten Pfarrer in der Pfarrbirche and ror Zeugen 
Tollzogen wurde, dennoch der Herzog Ton Süsses weder in dem 
Aufgebote, noch bei der Trauung nnd in dem Kirchenbucbc mit 
XUX. Jabig. Z. Uafl. , . 19 

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149 Sclirilien jiibQr .die Angliche Aogail'^ von £ft(e auf den Xilelt 

seinem Tollen Namen, sonder« nur mit dem Nameo : »Au» 
^nstua FrederickfC beMiehoet worden sej. 

Ich will ofien geatehn i dala ich dteae Eiowendang t9Wol||i 
in facto lilr begründet als nach" der' Lehre der lutheriaohea 

Kirche oder nach dem g. gemeinen deutschen protestantiacfaen 
Eherechle für erheblich erachte. (Man macht eine Sache nicht 
dadurch besser, daf^ man sie durch schlechte Grunde verlhei- 
diget.) Die in Frage Stehende Ehe wurde heimlich abgeschlos- 
teO) sie war ein matrimonium clandestinum in der JßedeutUAgf 
in welcher die Intheriaehe Kirche heimliche Ehen oder £hefer» 
iSbnisse für ungültig erklärt ^ . 

Dieses mein Zugeständnifs beruht nicht darauf., da(s diese 
Ehe nicht mit Beobachtung derjenigen Förmlichkeiten abgescblos» 
sen^ wurde, weiche die Gesetze der Länder, wo jene beiden 
Trauoiigen geschahen, Torschrieben. Ware auch die Ehe dee 
Herzoge von Sussex mit Lady Angusta Murray nach den Gesetzen 
dieser Länder eine heimliche und eine' deshalb uogfiitige Ehe, 
so würde, wenn sie anders i^aF eine der. Lehre der lothertschett 
Khrche' entsprechende "Weise eingegangen worden wäre, ihre foi^ 
melle Gültigkeit in 'dem vorliegenden Falle dennoch nicht be* 
stritten werden können. Denn die bekannte Hcchtsregel : Locus 
regit actum, hat nur den Sinn, dafs ein im Auslande abgeschlos- 
senes Rechtsgeschäft im Inlande aufrecht zu erhalten sey, wemr 



S6) Diese Tbatcaehe war mir bei der Aeeorbeilnng dee „Gntachtena^ 
unbekannt. Sie ist zuerAt von I^errn Eichhorn aaa dem Kirchen- 
burhe nat-tigcwipHcn worden- (Die« zagleicTi zu meiner Vcrtheidi- 
gung , wenn irh die formelle Gültig'kcit der in Fragte stehendeo. 
Ehe in der vorlieg^endcti Abhandlung nicht ganz auf dieselbe Wei«e, 
wie in dem Gutachten" rechtfertige.) — Wenn derselbe Schrift- 
steller auch die Kompetenz de« Pfarrers, welclier die Trauung 
io London vollsog, S. 7. beiweifelt, so hat er die pelle der Mar^ 
riag«- Act 26. Goorga IL fibanahn: „Provided alwajs, that after 
the aolamoisation of anny marriage, nndor u publicatioa of baaaa, 
it almll Bot ba piacessaiyt In onpport af auch marriage , to giire 
uj proof af the actaal dlretltBg of tha partSas in tha mpaelive 
pariahaa or ehapelriaa wheroia tha beana of matrimoojr wäre pu* 
hUobcd} pr irhara Iba marriage ia hy Ucwca» il aball aal ba «a* 
. cessary to givo any pioof that the asual plaeo of abode of ona of 
tha parties, for ihc space of four waaka aloresaid , :iraa in the 
pariah or chapelry w herc the marriage was aolemaiscd ; nor shall 
any evidenco in cither of the said cases be receivcd to proTO the 

coAtrary ie any antt toachiog tha ? aiidhjr af auch asamega." 



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Üe Wälde» «ad Rtohfb cIm Priasen das HaiiM« Hannover. 141 

I 

A», obvohl nicht nach den Gesetzen des Inlandes, daeli nech 
dsMi des Auslandes , die • Eigenseheft eines setner Form nsch 
gütigen Reehtsgeschfiftes lohemme ; nicht eber den 8inn-| deCs « 
eio solches Rechtsgeschäft f5r ungültig n erachten sey, wenn es 
seiner Form nach, obwohl nicht den Gesetzen des Auslandeg, 
doch denen des Inlandes entspreche. — Ich gflie noch weiter! 
Ks ist beUannt und es wird von den Schriftstellern, welche gegen 
die Ansprüche des 8ir Augustus d'Gste geschrieben haben, selbst 
angeführt, dafs es ini Kirchenstaate keine Gesetze giebt, durch 
lfdebe Ihroteslanteni wenn sie in diesem Lande eine £be ab»'* 
•ehUeften wolleu, snr Beobachtung irgend einer F^rmliebkek 
ntSfiAichtct wurden. Gleichwohl getralie ich -mir nicht, aus 'die« 
se«i Stillschweigen der Gesetxe des Kfarchenstaates die Folgerung 
zu ziebn , dafs eine Ehe, welche in diesem Staate von Prote- 
stanten splo consensu oder auch mit irgend einer von den Par- 
theien gewählten kirchlichen Feierlichkeit eingegangen worden 
ist , uberall und in einer jeden Beziehung als eine ihrer Form 
Mcfa gfiltige Ehe' su betrachten sej. Da hier Ton der Yoraus« 
i0lBUttg ansgegengen wird « daf^ die formelle GtHtigbeit der Ehe 
des 'Hersogs ron Sossex mit Ladj Augusfa Murraj- naoh der . 
Lehre der Jutherisehea Ki^h^ so beortbeilen* sey, so läfft sich 
schwerlich behaupten, dafs der Lehre dieser Kirche oder dafs* 
dem gemeinen deutschen protestantischen Eherechte irgendwo 
durch eine Verheirathung GcoQge gsscbehn konnte, welche der 
Psblicitäl giadich ermangelte. 

Elm so wenig beruht das obige Eingestand nifs darauf, dafs der 
10 Rom oder dafs der in London vollzogenen Trauung ^ie und 
die bestimmten FSrmlichbeiteo* abgingen. Denn die lutherische 
Kirche oder das s. g. gemeine deutsche protestantische Eherecht 
verlangt nur so viel , dafs eine Ehe überhaupt im Angesichte der . 
Kirche (in facie ecclesiae) eingegangen werde, damit es io der- 
Macht und Gewalt der Ellern der künftigen Eheleute stehe, einen 
übereilten Schritt ihrer Kinder zu verhindern , dßn Kindern eine ' 
SO späte Keife so ersparen. Dieser Forderung aber kann, nach 
Zeit und Vmstipden , hiier so dort anders Genüge geleistet >verden«* 
Sondern, der einsige Grund des obigen Eingestlndnisses ist 
dtf ^ dab Ehe des Herzogs von Sussex mit Lady ^ogosti 



m) Vgl- meine Abb. : Ueber die Rechtaregol : Locus regit actum. In 
der Zeitftchrfft t Themis. Herauf. Ten BIt er«. ^ Uicr IM. litaa 



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148 Sduifteo filier die Aoepruclie Augatt't TOB Eete auf den-TItol, 

Morray weder dorcli die in Rom nbch dorcS die in London er* 

folgte Trauung diejenige Poblicitöt erhielt, welcbe flir doch ge- 
geben werden mufste, wenn sie,^ nach der Lehre der hitheri- 
sehen Kirche, auch in Beziehung auP die*" Eltern des Ehepaares 
und namentlich auch in Beziehung auf den königlichen Vater des 
Prinzen eine ihrer Form nach gültige" Ehe seyn sollte. Die ' 
Trannogi welche in Rom Tollzogen wurde , konnte, bewandten 
Umständen nach , überall niebt' im Yoreos sor Xenntnift der hSm 
Iiiglichen Eltern des ^nseh gelangen; Die b weite Trauung 
aber- wurde iwar in London , und ei«t nacb einem dreimaligen 
Aufgebote auch in der Kirche, vollzogen. Allein, da in dem 
Aufgebote der Prinz nicht mit seinem vollen Namen (with his • 
true Christian and Surname, 26. George II.) bezeichnet \i^urde| 
so Uann man schon deswegen nicht annehmen^ daTs jene Grfindii 
hinreichten, die königlichen Eltern des Priosen fon dessen Toiu 
beben in Kenntnifs su ' setzen 

Aber ^ was folgt nun bieraas? In welchem Sinne oder in 
welcher Beziebong'war demnach die in Frage 'Stehende Ebe alt 
eine heimliche und deshalb als eine ungültige Ehe — nach der 
Lehre der lutherischen Kirche oder nach dem s. g. gemeinen 
deutschen protestantischen Eherechte — zu betrachten ? Nur in 
dem Sinne oder nur in der Beziehung, dafssie, als eine heifa« 
liehe Ehe, von den Eltern und namentlich Ton dem künigliebea 
Tater des Prinzen angefochten werden bonnte. Wfire die eine 
oder $e andere Tranung mit gebfibrender PubliciUlt vöHsogen 
worden , so wSrden die Eltern — nach der Lehre der protestan. 
tischen Kirche, mit welcher auch das englische Recht, d.i. die 
( hier allein zu berücksichtigende) Parlamentsahte 26. Ge. II. uber- 
einstimmt, — mit einer gegen die Gültigkeit der Ehe gerichteten 
Klage nicht weiter zu hören gewesen sejn. So wie aber die 
eine uiid die andere Trauung Vollzogen worden war, bonnten sie 
beide einer solchen Klage K.iobt per modom ezceptTonis entge-^ 
gengesetst werden. Denn beide waren mit einer Heimlicbheit 
vollzogen w,orden, wetebe et den Eltern unmdglieb gemacbl 
hatte, die Ehe zu Terhindem. ' ' - 

Jedoch , wenn auch hiernach sowohl die eine als die andere 
Trauung in Beziehung auf die Eltern ungültig und hraftlos 
war, so hat und behalt doch sowohl die eine als die andere 
IVauung in Beziehung auf die Ehegatten, also in Bezie- 
hung auf den Herzog von Süsses und die Lady Augusts, -«ihfe 
Kraft und Wirfaamheit Zwar wenn die in Frage stebende Ebe 



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di€ WAtd«B uinI ftucly» tituß Priawii 4m Hamm |liWMM»v«r. U9 

ans dem erstem Grunde, d.i. weil die Abschlieiaiing diCltlbio 
dfti £llero verheimlichet wurde , für nichtig zu crkUiiWit"i8jra 
•oUle, to wird m •chlecblhin n^ktt d» u «ucb nicht in Beaia^ 
Img Mf das VtrbXltBlili nnter den Ehegatten oder in dem In» 
ter e n e ihrer Nächhommenichalt, aofreoht erhalten werden hSnneo. 
Umgekehrt aber, wrenn die Ehe, ungeacbl^ die AbscbHertung 
derselben den Eltern TerheimKchct wurHL% dennoch nicht weiter 
▼on den Ellern oder im Namen der Eilern angefochten werden 
bonnte, wenn also das Klagrecht der Eltern aus irgend einem 
Griinde erloschen wäre oder' durch irgend eine Einrede entkräftet 
werden kannte, (was in dem gleich fpigenden Alischnitte in Be» 
tracht ung gezogeiT werden mII,) eo wurde die in FVege stehende 
Ehe« angeaclitet sie in die Kategorie der heimlichen EheyerlOb- 
nitte gehurt, niehtt desto weniger als eine ihrer Form nach güU 
tige Ehe zu betrachten seyn ; nicht etwa blos deswegen, weil 
sie solo consensu eingegangen werden konnte, sondern auch und 
ips besondere deswegen , weil ihr durch jene kirchlichen l'rauun- 
gen eine kirchliche oder religiöse Sanktion zu Tbeil gevordei^, 
ist Die Anspri&cbe des Sir Aug^stus d'Este erhalten uuter dieser 
Yeraossetsang eine, neue 8t8tze, i;in ^rbShles Gewicht, I>ie 
Eitere des Sir Augnstns haben nicht blas die £be einander eid* 
lieh geloht; sie sind auch kirchlichr miteinander verein ir^c^ 
worden. Ihre A|}sicbt, die nnter ihnen abgeschlossene Ehe durch 
eine kirchliche Eeier zu heiligen, war so ernstlich^ dafs sie, ob- 
wohl schon zu Born getraut, die Trauung noch einmal in London 
Tollziehen liefsen. Obwohl die eine und die andere Trauung 
heimlich ▼ollzogen wurde« zwischen dem Hersoge von Sussex 
and der Lady Angnsta Muiray ging Alles ofTen und ehrlich, AUet 
ohne^ Hinterlist und Gefährde so« Obwohl bei der «weiten 
Traoiing und in dem Aufgebote« welches dieseir Trauung roraut» 
ging, der Herzog nicht mit seinem Tollfn Namen beaeichnet 
wurde, für die I>dy Augusts Mnrray war der Name und Stand 
des Herzogs schlechterdings nicht ein Geheimnilt. Unter den 
Eheleuten selbst also war die Ehe, nach der Lehre der luyiieri« 
•eben Uircbe, auch eine kircbücb-gtiUige EhCt , 



28) t^nd eben «o nach dem englischen Rechte. Vg). The proctice of < 
the law in all iUi departmcnt« etc. By J. Chitty. See. edil. 
Vol. I. P. I. (Lond. 1834. 8.) p. 55. „The Err1eiiin«tiral Court," 
(für welchen Eheaachen gehören,) „will not anniil a niarriago hy 
baaot, onlesB Ihere wer« fraud io the pubUcalion, aa bj falte 

• 



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IM Schriflen ubec die Auprüche Au(pi>t'a von Ecic aul den Titel, 

Um dieses HesuUat noch mehr ins Liclit so setMD odtT 
fesler zu l>ej;i ünden , iü^e ich über den Zweck der Uircblicheo 
Feierlichkeilen, nul welchen, nach der Lehre der lulherischea 
' Kirche oder nach dem s. g. gemeinen. deutschen protestantisckea 
SlMrechte, eine Ehe abzuschliefsen ist, noch Folgendes hinzu. 
Der Zweck dieser .FeierlicblieiUMi itt theili der, die. künftige« 
Eheleute aelbst an die religiöse Bedeutong und Wielitigkeil des 
< Verhaltnistet zu erinnern,. in welches sie za treten beabsichtigen, 
theils der, die Abschliefsung der Ehe zur Kenntnift dritter* 
Personen und ins besondere zur Kenntnifs der Eltern des Braut* 
paares zu bringen, damit diese In den Stand gesetzt werden, 
gegen die Abschiielsung der Ehe Einsprache zu thun, wenn sie 
anders hierzu den Gesetzen noch berechtiget' tyid. Der eine 
dieser Zwecke ist ron dem andern nicht nur an sich, «ondertt 
noch ia Beziehang auf die Mittel onabhingig, durch weicht 
der eine and der andere Zweck .erreicht werden kaQn und nacli ' 
den Tim der Kirche forgeschriebenen Feierlichkeiteii erreicht 
wird. Dem letzteren Zwecke oder dem Interesse dritter Per- 
sonen geschieht durch die Beobachtung dieser Feierlichkeiten 
in so fern und nur in so^fern Genüge, als durch sie der Ab- 
schliefsung der Ehe Publicität oder Ofienkuodigkeit ge- 
geben wird. Für den erstem Zweck dieser Feierlichkeiten ist 
es dagegen gleichgültig, cb. oder wie die Abschliefsang der .Eh« 
zur HenntniTa der Gemeinde gebracht worden ist f es genügt | 
wenn die künftigen Eheleute durch eine kirchliche Feier an 4m 
Pflichten erinnert worden sind, die ihnen, als Christen, in dem 
• Stande, in welchen sie treten, obliegen. So wie aber der eine 
Zweck von- dem andern unabhängig ist, so gilt dasselbe auch von 
der Verschiedenheil der Beziehungen, in welchen die foi melle 
Gültigkeit einer Ehe betrachtet werden kann. Es kann also zl B. 
einf kirchlich ?ollzogene Trauung, welche jedoch der Publicität 
«rmangelte, zwar von den Eltern der Eheleute, nicht aber TOn 
den Eheleuten selbst, ans diesem Grunde als nichtig angefochten 
werden. — Betrachtet 'man die Ehe des Herzogs von Süsses mit 
Lady Augusta Murray in Beziehung auf den ersteren Zweck, zu 
welchem die lutherische Kirche gewisse Feierlichkeiten vorschreibt,^ 



names netd for a fraadnieat pur^se. An4 in Ihai cenrC it is nat 
aveff asanaiptien ef a lIctitleM nama that will ümiUdale, M U 
ZMit kaP9 H$n MSiMMd /«r iAt jmrfMte t(f itifiwiäiug iH elAfr 



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4tt Wild« nmt Bmohf «law PrtoMa tat Uwmm llmonr lU 

WltMlet diesem Zwecke sowohl die in Rom alt dü in Londoo . 
Ton«ogtWie Trawwtg voUitandif^ Gwiuge. Di« eine und die umIm 
Tnmng wurde so voliiogeD , dilii das Ehepaar an die Kfliehteai 
«liehe et im dem neaefi Staede so erlQHen hfitte, durah eiae 
UcddHihe Feier erieeerk wurde. Weon aehoii daa Eheraripr»- 
eben , welches der Herzog von Sussex und Lady AugosU Munay 
^nander wechselseitig gegeben hatten, hingereicht haben würde, 
die Ehe unter ihnen gültig und unaufl5slich zu machen, so muPf 
juoch mehr jenen beiden Trnuung^an , ntittelst welcher diesea Ver* 
sprechen vor einem Geutlichen wiederholt und ron demaelbeu 
feierlich behraftjget. wurde, dieaelbe Wirkuag,. uach der Lehre 
der Itttheriaehen Birehe, beigelegt werden. *- El kaaa daher 
m befremden, wenn Herr Eichborn (& Ji if.) gegen die 
Gültigkeit der in Frage stehenden Ehe noch das anführt, dafii 
der Herzog von Sossex in der Folge erltiärt liabc : »Hochstdio- 
selhen betrachteten die fragliche Verbindung zwar in Ihrem 
Gewisssen als eine Ehe und die in derselben erzeugten Kinder 
ela Ihre ehelichen- Kinder. Dagegen hielt tn Sie da/är, daCi 
jene Vermahlung t aowohl in England ala in Hannover ala eine 
« ttureeblmifiige Ehe ansuaehen *tey.« Steht es denn in der 
Macht und Gewalt eines Yateri , seii^ in der Ehe erxetogtes Kind 
— in irgend einer Beziehung — ISr unehelich tu erklären ? to^ 
bastardize bis child ? (Von der Gemahlin des Hersogs wird nur 
bemerkt, „dafs sie zwar auf den Gebrauch des Namens und • 
Titels einer Herzogin von Sussex, niemals aber ausdiiirklich auf 
die ihr sonst etwa aus ihrer Vermählung eriwacbsenen Hechte 
fersiditet hahe.c) 

Mit emem Worte at|o, — das ist daa 'Endresultat^ welches 
aus der obigen Beantwortung der Frage bertorgebt, ob die Ehe 
äm Heruogs tou Süsses mif Lady Augusts Murray als eine Ihrer 
Form nach gültige Ehe zu betrachten sey, — *daa Band dieser 
Erbe wurde zwar aul eine gültige Weise geUnupft; 
weil» jedoch die Eltern des einen und des andern 
Xheiles dij& Ehe anfochten, so konnte ihrieii die Ein- 
rede, dafs sie sieb an ihrer Klage versäumt hätten, 
nicht enigegengesetut werden; Denn die Ehe war 
Ae«m//cA'abgeieJklossen worden. Es steht daher die Frage 
Ton der lormeHen Gültigkeit dieser Ehe in einer' nnxertrennlicheu 
Verbindung mit d e r Frage , ob die Ehe auch ohne Zustimmung 
der Eitern des einen und des andern Tbeiles auf eine reohtsh^ 
ständige VVeise eingegangen werden konnte, d. i. mit der Frage« 

\ , • • - 

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.IM Si^riflc» über die AatprOehe Aogul*« von £•!• iMif 4«a Titel , 



welche in dem gleich folgenden Abschnitte (III.) ausfubrliehtr 
crSrIeit werden wiitU Sollte die Ehe in Besiebong «af die Elten 
4ee einen und des andern Tbeiles — und , wie die FVege be- 
wandten Urostfinden nach noch besÜmmter gestellt werden Inftn,. 

int besondere in Beaiehung auf den kSniglicben Vater des Her- 
zogs Ton Sussex — als eine gültige Ehe zu betrachten seyn, so 
kann ihre formelle Gültigkeit schlechthin nicht bestritten 
werden. 

Ich freue mich, in diesem Resultate mit Herrn Eichhorn 
iibereinsnstimmen. »Die fragliebe VerbindongiC tagt ^eaer 
Sobriftateller 8w 119, »ist wegen fehlender Tfiterliober- 
Einwilligang keine Ehe. Ob aie , wifna dfesea EbebinderaUb 
nicht entgegenatinde , der FV>rm nach eine Ehe seyn bSnnte, 
ist demnach eine Frage, auf die es überhaupt nicht an- 
kern mt.<c Herr Eichhorn beschrankt sich daher »auf wenige 
kurze Bemerkungen« über die Gründe, mit welchen man die 
formelle Gültigkeit dieser Ehe vertheidiget habe. Man macht 
aicb wohl nicht eines Feh Ischl ussea ichahlig, wenn man in diesen 
Aeuftemngen des Herrn Eichhorn ein atillschwetgendea Zoge- 
atSadnifs der formellen Gültigkeit .der in Frage stehenden Ebe 
findet Dieser Schriftsteller bat die Sache jeiner Partbei so gut 
TertheidigLt, als dafs er die Gründe fSr die formelle Gnltigkeit 
jener Ehe nur so gelegentlich bestritten haben würde, wenn er 
sie nicht für eihtblich erachtet hätte. Auf jeden Fall hoffe ich 
seine »wenigen kurzen Bemeikungen« durch die obige Ausfüh- 
rung entkräftet so habeOf wenn ich aach, um den leidigen Ton 
dea Polemitirens zu vermeiden, den Vortrag nicht aosdrficklieli 
gegen jene Bemerkvngen richtete. Uebrigena darf niebt uneiw 
wSbnt bleiben f dhla dem Herrn Eicbborn« wenn er die Ibrmelie 
Gültigkeit der in Frage stehenden Ehe in den Hintergrand atettt^ 
das Lob der Konsequenz gebührt Dieser Schriftsteller legt bei 
einer andern Aufgabe (s. unten den Abschnitt III.) auf das rö- 
mische Recht ein entscheidendes Gewicht. Aber dieses Recht 
stellt den Grundsatz auf : Solas consensus facit nuptias ! Wie 
batta also Herr Eichhorn das Aniehn dieses Rechts bei der yoiv 
liep;enden Frage 'verwerfen kennen, ohne die Baaia aeinea An» 
griffe anf die Ansprüche dea Shr Angnstns d'Cste wankend ml 
naebeh? . ^ 

Eben eo helfe ich, durch die obige AnaflBbrong den Ein- 
wendungen begegnet 'sv haben , welche von Herrn Mohl gegen 
die formelle Gültigkeit der Ehe des Herzogs von Soasex mit 



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Lady Aogusta Muiray erhoben worden «iad. Nur da konnte ieh 
mokt raeinem verehrten Frean^e folgen , wo er rieh (S. 107«) 
in dft Reeht der breimaGliweig^lfiatbiirgvelieii LiadetliMit 
Terlor. 



B) Sind 

'die in der Darstellunii^ des vorliegenden Rechtofalles 
angeführten Thataachen, 

lö Felge woklMr 

der Herzog von Snssex mit Lady Angusta Murray 
eine Ehe abgeschlossen bat, * 

erweislich? 



Ich werde mich bei der E^rterung dieser Aufgabe Iturz f.issen. *~ 
Denn, so gewifs auch die Frage, ob jene Ehe erwcisirch oder 
erwiesen sey, von entscheidender WichtigUeit seyn würde, wenn 
ein Gericht in der Sache zu sprechen hätte, to weni^ ist es 
doch erlaubt, anzunehmen, daCi diejenigen, Ton deren Urtheile - 
der Ansgang der Sache (ur jetsi abbfingf, bewandtea Umständen 
naeb gemeint tejn ii5nnien , die bier io Betracbtang bommendea 
Hialaacben in Zweifel za sfefan. 

Die Thatsache, — die zu Folge der obigen Ausführung vor- 
auig^weise entscheidende Thatsache, — dafs zwischen dem Ueiv 
Soge Ton Sussex und der Lady Augusta Mnrray ein Vertrag ahe 
^esebloesen worden te/, dorcb welchen^ der eine Tbeil dem 
andern ebelicbe Treoe gelobte, ist streng erireiflicb. Der Ter« - 
trag- wurde 'tcbrifllicb abgeschlossen. Die Vertrag sarkonde bann 
Jeden Angenblicfi in d^r Urschrift von Sir Augustus d'EUte vor- . 
gelegt werden. — Ehen so kann die in London vollzogene 
Trauung durch das Hirchenbuch in die vollhoramensle juridische 
Gewifsheit gesetzt werden. (Auch- von Herrn Eichhorn wird 
S. tno ff. die Erweisiichkeit der einen und der andern Tbatsacba 
anerkannt) 

* * 

Nach 'dieser Lage der Sache ist es für die Ansprüche des 
8ir Augustus d'Estc gleichgültig , ob auch für die in Rom voll- 
zogene Trauung ein genügender Beweit geführt werden bdnne 




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IM Scliriftoo üb. d. iliitpriicbe Aognti « von £it« auf dea.Tilel, «.t.w. 



oder ob es an einem genugenden Betreise für diese Traaung 
mangele. Durch jenen Vertrag, durch jene sponsalia de prae- 
aenti hat die in Frage stehende Ehe ihr« Rechtsbeständigkeit, 
dorck die in London rollsogene Tranaog und icbon dnrch dite 
Tfj^oang albin hat sie noch' uberdiea eine kirchliche oder 
reiigiSae Sanktion erhalten. ' Die in Rom vollzogena Traaong 
kann ihr weder in der« einen noch in der andern Beziehang etwaa*. 
hiazofugen oder etwas benehmeo. 

* 

Uebrigena ateht es mit der Erweislichkeift der io Rom toU* 
logenen Traanng ao : Noch lebt ein ZeogCf welcher über dieae 
Traoang did beate Auakonlt ^eben kSnnte, der Geiatlichei wel- 
cher in Rom die Tranong verrichtet hat. Sein Zeognifa w3rde 
sogar mehr ala ein btofaea PHTatzeu<;nirs 8ejn, da dieser Geist* 
liehe, als ein Geistlicher der anglilianischen Kirche, mit jener 
Trauung zugleich eine Amtshandlung verrichtete. Nun hat sich 
zwar dieser Geistliche bis jetzt geweigert, ein Zeugnifs in der 
Sache abzulegen, aus Furcht, dafs er sich durch seine Aassage 
einer nach der königlichen Heirathsakte (nach der Rojal Marriage- 
Act) atraf baren Handlang beachuldigen kdnnte. **) Allein, ao wie 
achon der Grond dieler Weigerung zn einer .yermuthung be- y 
recbtiget, die ich nicht niiher so bezeichnen brauche, ao hat 
auch dieser Geistliche seinem l^iücesanbischofe Papiere versiegelt 
zugestellt, welche erst nach dem Tode des Geistlichen eröffnet 
werden sollen , schon jetzt aber zu der Annahme ermächtigen, 
dafs sie einen Bericht ?on der zu L\om vollzogenen Traoong 
enthalten. Nimmt man hierzu, dafs der Herzog von Süsses 
aelbst wiederholt und omstündlich erklärt hat, dalV er mit Lady 
Aiigoata Marraj sn Rom getraut worden aej, und erwagt man, 
dafs ein Reweia, welcher za Gunsten «einer Ehe oder sa Gan- 
sten der ehelichen Abstammung eines Hindes ge fuhrt worden 
ist, nicht mit der Strenge zu bemlheiien ist, welche man, dem 
gemeinen Rechte . nach bei der lieurtheilung eines Beweises an* 



29) Konnte aich der Geintliclic rub dirscm Grunde auch iu der 
. • vo r I i cg^e n d e n HechtHBiiciie der Ablegung- eine« Zeugniaset 
licigern 'i — Da in dietter Uechtssache nur Am Verhältnils de« 
Sir Augustus dE^tc zu dem Ilaune Hannover Iii Frage steht ¥ 

SO) Vgl. Kl über S. 60 f. Eichhorn S. l'iO fp. — K« ist in mehr 
nl« e iner Kinflicltt intcrcKHiint , die IJrtheilo dieser !•« iiku Uechti- 
gclchrioii über die Erweislichkeit der lo üom voUsogenen Trauung 
mit eiaaador ui ▼orgleichea. 




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zawendcn hat, so durfte auch die za Rom Tolltogene Trauung 
schon jetzt als erweislich oder als erwiesea zu betracbtco seyn. 
Dm genüge zur Bcaatwortung einer Krage, welchCf dir Lagt x 
ditfer Be ch tm cha luifiif blot.eiu« JNekMfiraifo vi/Sm . 

Zuc har iä. 



Poldographiiche Studien über p hüniztte^kt und puni»eh§ 
Sckrijt. Herausgegeben von Dr. fl ilh. Ge^eniu». Kntkaltend 
1. Franz Perez Bayer, über Schrift und Sprache der Phönizier» 
Au» dem Spanischen von H. Hollmann^ mit Anmerkk, von H\ Ge- 
$eniu9. 2. tV. Qßiüniut <6er die Puniiek - numidisckc Sckriß und 
dfo dmA gmif i t kmt gri/ittntheU» wMrfclirte bu9kiftm wud MUma* 
Ugmdtm. UH ^lUMograpk. Tajtim. iMp^ig , Ftgü. VM, 
11% 8. im ^ 

Dio «uigebreiteten Sprach- und Saebkenntniue mit dem durch 
^ederhefgMleltte Gesundheit auf's Neue glScIüi^h rniterilutsM 
Fbffadtongfgaiit und flsifs des Y erfs. . maeben aum Yorao» auf 
ai» diese aabwIeHge Eotaifferongen umlbMeBdes Werk sehr bo«. 
gierig, daf Er bier 8. Yf. anter deas Titel: Marmora phoerdmä 
et punica, quotquol supersunt , cdidit ei praeraissa commentatioiie 
de UUeris et lingua Phoenicunx et Pocnorum explicuit G. Gese- 
nins, mit einem Kupferbande in Fol. vorläufig ankündigt. Das- 
selbe soll einen zweiten, die Münzen enthaltenden Theil zum 
Nachfolger erhalteo* Der Yerf. machte so eben , wie die Nach- 
aabrilt & iio. tagt, eiae (neue) Reise aaob^üdlbuid , England 
«ad Tielleiebt Paris fiir seipe paläograpblsebea Zwecke, um noolr 
Yen manchen solchem AtterthamsresT^das Original au sdm« 

Da schon diese jetzt Torausgeschicliten^Stud ien, mit denen 
die inhaltsreichen Recensionen No. i34 bis 187, im Aagust i835. 
der ALZ. zu vergleichen sind, beweisen, wie sehr es dem Verf. 
om genaueste Mittheilung der Texte zu thun ist, und da nicht 
bor oie lilhograpbirten Kupfer tafeln « sondem auch die dsoi Werk 

Sl) Dafür spreoheo al lg« lu e i n g ü I Ii g 0 Gniiido. Cansa^nintrlmonil 
eat favorabili». In re doni£Stica et tcates düii:cstici adinittendi sunt. 
— S. auch c. 5. X de eo qai cngnn« it consang. c. 3. X. qiti ma- 
trira. Bc-cuaarc potsunt. e. 22. X. de testiboi. (Dem juri canonico 
sdärfte «ogar, bei dieser proceMualischca Fragte, niclU blM «ine 
.«Itaentcbaflliske ABkl4NrUai haiaulsgeii tojra.) ' 




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häuiig eingedcAcbten einzelnen Buchstaben und Worte zeigen, 
dafii der Tjerf. Aach die Hülfen der mechanischen Hoi|st, welebe 
Mopp 's palaographiflcben Werken einen so bedeafeadtn Vonög 
geben, fSr^dieeeo Apparat in atoiner Gewalt hat« co nfiaaen die 
beiden jKogesagten Weil» nicht allein wegen der Erhlirungen, 
welche von einem so geSbten Renner nicht anders 'als mit Yor- 
zuglichheit zu erwarten sind, sondern auch dadurch äufserst will- 
hommen seyn , weil alsdann auch andere Forscher die Data , 
welche zu benutzen und vielleicht hie und da weiter sa fuhren 
sind, mit Zuverlässigkeit vor Augen haben werden. 

Die an sich seltene, aas dem Spanischen übergetrageoA 
Abb. Ton. Peres Bayer fördert diese Stadien TorniUnlicb durch 
die genaue, mit der bumansten Hüfsi^ung. dargelegte Entwicklung • 
der 'Methode und Grfinde seiner Deutungen. Eben diese Grfind» 
lichlieit, Umsicht und Humanität beweist Gesenius. Er, ein Mei- 
ster der alten, erprobten Schule hat dadurch ein ganz apderes 
Beispiel, wie die Erforschung des Wahren sich ohne Leiden- 
Schall in sich selbst belohnt fühlt, zur Aufmunterung anderer 
W^ahrheitsfreunde aufgestellt , als einige neuere Versuchmacher 
.in diesem Fach, welche sich wegen einiger eigentbümlicber Ein« >| 
falle nicht entsuckt genug zu gebfirden wissen und gerade durqh 
ihre lächerliche VordringlicHkeit und Entschiedenheit Terratben, 
'wie ungewohnt ihnen noch die Kunst ist, dergleichen Entdeckun- 
gen zu machen , welche nur erst durch wiederholte , vielseitige 
Erwägung, nicht aber durch übermuthiges Absprechen über die . 
Vorgänger, zu befestigen sind.. . . 

Weil in Forschungen dieser Art fiel davon abhängt, dafs, 
wenn mühsame Vorarbeiten die Bahn geebnet haben , das Gefbn» 
dene wieder aus einem andern Standpunkt betrachtet wird, »so 
lege ich* auch hier gerne Tor, was mir bei einiBelnen Stellen zu 
Veranlassung weiterer Aufklärungen bemerkenswert b schien. Da 
nicht Viele prüfenden Antheil nehmen können, so ist es für die 
NYahrheilsfreunde desto mehr eine Angelegenheit, dafs nicht leicht 
das noch Zweifelhafte wie entschieden in Umlauf komme und 
darauf wie auf eine sichere Grundlage weiter gebaut werde. 
Wer weifs, zu welchen alterthumlichen Entdeckungen diese jetzt 
noch tfo schwierige und wenig belohnte Vorübungen den Schlüssel 
Torbereiten, da das so nahe und doch so lang ▼erschlossen ge- 
wesene earthagische Machtreich der PhSnisier^in Nordafrüia bald 
mit Sicherheit in seinen Ruinen aufzuspüren seyn wird , da selbst , 
Griechenland , und die einst von Sidoniero und Tjhern he* 

» • 

0 

^ - * I ■ ■ 

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•uelitM lotdo "udl Idr eoropIMiM Stpdkliii Mtai ; «nd^ di 
Mlbtt die begoanene tSrhls^e Ci?iKtiilioii und di« mstUebe 
Had^tioaddinoAg Mcli I8r dk Hoonluirs der VorMktti Erobe* 

mngen, wenigstens Terborgene BelNiaien hoffen läfiit SolUc es 
denn so ganz der Nachforschung unwerth seyn , dafs der eng* 
lische Gesandtschaftpredi^cr, Covell, zu Constantinopel, wie 
ich, aus einem eigenhändigen Briefe *Desselben im Brittiali Mi^ 
•eam, längst ha iheol. Journel bekaoiil mecben lionnte, von 
Jfeptea 'wichtiger, sam Tbeil gans Terloroer, griechiecber Au- 
toren Konde halle, die in der Serailtbibliotheh demela aozugang- 
lich waren, aber jelst Ttelleicht an*a Licht in bringen wiren« 

M5gen folgende einzelne Bemerkungen eine weitere 
iPortcbung einigenDafsen eileichtern. 

Die 8*59» ment beorlheilte yierseilige Miinse, Tafel I, wird 
«fibenelat: Sidoniorom | malria circnK [ ilem tororis | Tjri | . Da 
daa erate Wort nicht ist SidomSf ata Name der Stadt, son- 
dern unstreitig Dj"12jb den Namen der E i n o h n er ^iebt , 
so bann schwerlich der Genitiv matris darauf bezogen werden. 
Wird nicht vielmehr gedacht werden müssen : Sidont/5. | MaZ^r . . . | 
. atqne adeo • • . | Tjres | so, dafs ea eine tjrriscbe Munaa ist und 
Tyroa in gewissem Sinn eine Jlutterttadt genannt wird ? Zn- 

glcich aber mufi' ich sehr bezeifeln, ob in der zweiten Zeile die 
zwei letzten Buchstaben c und r seyen. Der letzte ist gar zu 
dentUcb 6 (auch auf dem Gepräge IL), der vorletzte aber ent- 
weder m, wie es vorher zweimal steht, oder sin = samecb, ao' 
dafii 3t?3 9m lesen aejn möchte. Oh dabei an AcdUb as Eodippa, 

1 oder an Acschaph , als Grenzstldte zwischen dem Stamm 

Asber und Tyrus, zu denken sey, wage ich nicht festzustellen. 
Vgl. Relands Palastina. pI 406. Dafs Tjrrns sich eine Mutterstadt 
der Umgegend «b Sss Jiennen sollte,' wire aoch wieder, so. 

scheint mirs, gar zu überflussig. Noch uberflfissiger und sogar 
anstofsig gegen die Sidonier wäre es, wenn Tyrus, die Tochter 
TOnSidoQ, sieb bezeichnet hatte als »sogar Schwester.« Und 
für diesen, schwerlich pafsenden, Sinn mufste angenommen wei^ 
den, dafii caph iiir chet stehe. Sollte nicht. eher an (Bicht. 

I, 3 f.) sn denken seyn. Das K kann leicht för J) stehen. Hieb. 

1, 10. ist es in statt 1^]^^ ganz ausgelassen. Acot wäre 

- I 

= AcotL Die ganze Inschrift sagt daHn : Siämiik* MükmF-Aotibaä 
et Acoia» (tc aoli), Tjmu* 



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* Auf der maltoeisch^ intcrifilio bilingois 6i ) erkenne 
ich dlia fioehstaben BKi M.elche auch sonit Torkomi- 
men. Aber wenn vir vovent übersetEl wird« eo tcbeiDt'doilh 
4ietee vir eils« Qberfldssig. Anf Sfeinsebriften maebt man dodi 

nicht gerne Muhe, durch entbehrliche Worte, und hier wäre 
Nadar'= vovit, oder AWer = vovcns, genug gewesen. Sollte 
in dieser gewöfinlich gewofdenen Fofmel nicht an zudenken 

aejn ? ignem thvU , oder igni$ votum JeeU sagt : Der Gelobende 
babe ein Feaerdpfer, oder ▼ielfdcbt einen Feneropfert- 
aitar gelobt '^nnd das GelObde geleistet. Im^ebriiscben ^n<d 

^ ^ÖS iriccnsa Jehovae. Leo. 24 , 9. Auch wäre TVS^ zu 

^ j • • 

Tergleichen. Lev. i, 9. 10. 17. Num. i5, lo. Brandopfer 
waren natOrlieh die bedeutenderen Opfer. 

Zu 8. 62.] Bedeutet wirbtich die Artemis oder den 

Mond als dreifach erscheinend, Tpipo^K/^oc, so würde dies 
Wort zu den Tie weisen, dafs das Phonicische nicht blos rein mit 
dem Hebräischen übereinstimmte, gehören; ,was man doch nicht 
gerne sngiebt. Das Wort ist aramäisch. Auch müfste wobi 
nVfl >o der pibelischen Bededfnng dreimacbend, ver*^ 
dreifachend = triplex oder als T^Jiaf^^j.s gedacht werden. 
Vfi^ 1 Hon. i8| S4. Immer aber fehlt alsdann das ri 

oder X alsZeieben des'Foemininnm. Der Beiname einer Güttin , 
mnfs doch die weibliche Form haben.- Deswegen wäre ich eher 

dafür, an das mehr hebräische fH^lr = m^^P als an eine 

tipbeUacbe Wortform sn denken, so da(ii das "7 in ITPlr ebenso 

als nicht b5rbar ausfiel, wie in Melliart = Minp^n^JS» das c 
des' Worts hialc vor dem km 

2tü & b^] Da jUar in chaldäischcn Namen , wie Asarhaddon 
und Salmanatar vorkommt, die doch geWifs nicht aus dem Aegypti- 
icbeo stammten, so wage ich nicht, wie S. 63. in pbonisischen* 
Namen, an^ den Osiris so denken tfnd sogar so so deuten, dafs 
Osnris , Dipnysus un,d Serapis Einerlei ei?8ren. nnd ein Dionysius 
sowohl wie ein Serapion sich als dem Oairis angehorig betrachtete, 

« 

la ebenderselben Inscbrifi wird S. 6a. Salorii 

übersetzt. Auch sonst bat der forschende -Verf. alle' ml^gKehe 

Wahrscheinlichkeiten, dafs l^on iSo/arcs überhaupt, und daher 

besonden Dsiif iolarü bedeute, gellend gemacht. Da diAseii 

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CHüpto, PalpographiadM iMlM. W 

• - * 

•ifittal atf 'gewiTt Tmotgvtetst, mancborlei Mllm ^olgerongeo 
in der archaologiichen Geschichte der Idobolatrie veranlassen 
konnte, so mache ich gerne noch auf das, was mir entgegen zu 
stehen scheint , aufniei hsam. i) Unverhennbar ist wohl , daft 
SXOn (die U«i£i«) ai« Sonoe^ - der Lebanah = der. WciCtoai 

oder der Hondtolieibe gegctifibtntein. Jet. 24, s3. 3^ 
OÜ aber toh dem Foemininniii Chamrnah ein AdjeetiTom Ckamman 

zo bilden wäre, ist mir sehr zueifelhaft. 2) Dagegen ist wohl 
uoleogbar, dafs im A. T. die Chammanim, welche der Verf. immer 
:f5r Obeliilien oder Sonnen^äulcn hält, gewubnUch im Zu« 
aammenhaiig mit Bamot = Opfertiagtboben , oder mit Ascherim 
s Hainen, die aJ« Baumgaoge oder Halleo yon Baumen . 
(O'nWK ^ aDgelegt gewesen so eeyn tcbeinen), in 

eioer Verbindung stehen / wo sie etwas Generelleres, als 
das, was sich nur auf den Sonnendienst bezöge, be- 
deuten müssen, s. 2 Chron. 1/4, 4- 34) 4* J^s. 17, 8. 3) Sind 
nach eben diesen Stellen und ancb nach Le?. ab, 3o. Ecech* 
4« 6» s Obren. 34, 7. die Cbammanim etwas, wogegen die 
Drobong |>afst, dafs ibaen nicbt nu* das fl'^ipn 'nnd ^f)^ anÜ 

"13C t sondern besonders J^'lJi das Zerhauen, wie den Baumen, 
— « _ .. . 

berorstehe oder gebühre. Es scheint demnach, dafs wir an etwaa 
nicbt Speeielles ond^ bios aaf Eine Gottheit EingescbrioJttef s«. 
denken beben. Dafür entdeckt sieb adfe dem Wurselwort Cbaman, 
welcbet arabiscb motbmafsen, per conjecturam vW opitumdo " 

dixit (Gol. Frey tag. ♦*) p. 527.) und also ohne Zweifel auch 
di?iniren bedeutet, die V\ ahrscheinlichtieit , dafs das pihe- 
üscJm Wort Chümmanim generell alle die Orakelgebeade 



*) Die nach 2 Kön. 28, 4. 6. 17, 16. neben dem Hauptbaal genannte ' 
Atherah balte ich für öiae Ita ti p tgüttia, deren Name aber 
nichta mit den Atherim gemein hRt. Die Benennang icheiat eine 

. ...Beglacfkerin anzudeaten. Deut. Ifi, 21. Dagegen iat Ton alaer 
Alberall die Rede^ welebe gepl'laost weiJa. 

•0 Gaalellaa PaljglattiNi FöL 1164 aetaft noch mahme Bawaisatetlan' 
eea Avicanna biaan naAdafa ^^^.^V^dnj fir C#n^s«liira, Mll* 
■Mtib IBriftlnaf Iat ▼oa Aficeana gebrancht waida , «o Ms d|a 
.'Wort nicht ala ezotiaeh liebandeU war. Waram Frejtag» waa 
ackan Gaatall. vallsltodlger bitte, nieht mitangiebtt weift Ich 
nieht. Wenlesteaa daa Arabiscba lin Polyglotten wir« Vallifia^ig 
nütainintnigan geveaeii.. 



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leo Ge«raim, PaliAgra^littch« Stadien. 

Bilder und Apparate bedeutet, 'welcbe in den Hainen und 
auf Hohen für den Pöl>el aufgestellt waren. Hierzu kommt 
4) dafi^ in der Uau{>t8telie 2 Kon. a3, bei der grofsen Reinignog 
unter Jqtia der Baal in Vt 4 nod 5* wo» dem Schemesh, 
dem 80I, nntereebiedeB yinrä. Em beifst niekt JDH^ 
^ dem OSC?^ tcheiot dort ond nach 2 Cbroo. fl3, 17. 

unter dem Baal «a.T t{o;(9v der ganse Himmel Terebrt 
worden- tn teyn ; wie Apollodor im Anfang «einer Bibliotbeck 
sagt : oi^avbq 9rpft)To^ tov navxo^ BBwaaxtvv no&^09. Als« 

dann folgen erst die einzelnen Himmelsgotter, Sonne, Mond, 
Wandelsterne u. s. w. Auch wei den sodann im Vs 11. erst noch 
die dem Schcmesh geweihten Pferde uud Wagen be* 
sonders genannt. Wenigatena su den Judacm war demnach der 
' 80I nicht alt ein Baal na% 1(07^ gckonimen. Und doch hatten' 
ftSe diete Idole meist von Tyma her. Noch eine Frage bleibt 
mir: 5) Wurde "J^m bj?3, wenn dadurch So! als Hauptgott 
bezeichnet wäre,' erst nach der. Artemis auf der lascbriit ge- 
nannt seyn ? ^ 

Ztt 8. 66.] Wenn aoP der M3nse mit dem Flfigel. > 
pferd BQ lesen ist 1 so machte doch nicht sa Uber- 

setzen seyn puleus miraculi, um es auf einen Gesundbrunnen 
au deuten. JH^X bedentet immer nur a^rftEiov = etwas Bedeut« 
samet. ^Der Begriff Wunder liegt in 4.em Wort selbst liicbt I 
Er hSmmt nur hinso, <^ntweder durch den Context. oder durch 
den Beitats «al .TC^a« = pemllens. «-r- Ich mSchte fragen: 
Konnte der Name der bedeutenden phonisischen Handelsstudt 
B)2pvto( nicht auch PK^SIl geschrieben seyn ? 

Ebenso verdienstlich und eigentbumlich , als mühsam , ist in 
der Abb, H. von Hrn« Dr. Gesenius selbst d^e Nachweisung einer 
Seriplara Poenontm ruitiea oder numidiau Da diese Schrift noch. . 
rober ist, so wird auch das Entsifiem schwieriger und ungew 
wisser. rDas Merbwürdigste ist -Litt D. S. 76. ein. Stein, aus 
welchem eine Folge reihe numidischer Könige, deren 
Namen man nur gräcissirt und latinisirt kennt, nach- 
weisbar erscheint und deswegen den ingeniSsen Fleifs des Verfs* 
sehr beschäftigt hat. 

I 

(Der B§9eklu/9 folgt,) 

\ 



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NMl. HEIDELBERGER . 1836: 

, JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



Dr^ OettHiuß, Paläoffraphitek« SlmUen. 

(B98CklM/$.} . 

' S. 73. ist die Enträlhielong Qn XI'^S^Ü^ r\'^2 Domus tm- 

: - I 

pmü Aomoiif 9 i. dornst Avgusla, gtwlft lelnr glfieklich w$ä 
treffend. Nor ob folgende dV^^? 

deuten bunne, ist ZMrcifelbaner, da Cp surrexU bedeuten, wahr- 
•cbeioltdi D^ll^^ foJgen, mich «of n>3 und Ron wabrtclieui* 
lieb ein Foemininom sieb bezieben fnufste. Kann vielleicbt * 
obipZD gelesen werden ? (lek bebe die loaobrift niobt Tor mis^ 

Zu S. 76. 77.] Ist es die ricbtige Leseart, dafs ^J3D 

• oder viermal Torkommt, so' wurde docb picbts binderOf 

* Domino dhdnoUonii «• oracuU su fibertetoen. In der Thet iber 
« slod dio %8ge dieser Sebrifl soai Theil to onregelmiftig, daft 

kb ffcr die Lesart ongewifs so seyn bekennen mors. Gerade 
in Litt. E., wo Tollstä'ndig stehen soll, erscheint docb der 

mittlere Zug mit seinem Strich gegen die rechte Seite auf dem 
Kupferstich anders, als S 8a im Text, and dort weit eher einem 
Y ata dem )3 äboUcb* Ist io den swei Uamakeriseben Inscbrtftea 
S. 77« '\T2D 211 lesen, so 'erinnert dieses Wort sonSelist an dio 
Bedeutung: rccoudilns. Doch, ich enthalte mich, weitere Grunde ' 
des «is;(Siy anzugeben. Hoffentlich werden mehrere Data be»« 
sonders aoa IjiordafrUia aUmäblicb mebrere Mittel snm £otscbeideD * 
gewSliron* 

' • Einigemal erscheint auch die Gottin niljnCj) Ast arte. Ist 
^ tielleicbt gesetzt für die swiscben l and s schwebende Aiis«- 
spracbe des X\ ^ Vergleiclien wir das dem Hebriisdien 
Gorrespondirende Jjic^ so würde dann eine Dea abundaniiae 
•ogeseigt seyn. 

Zo Erklärung des pi« 'j!^'' auf der zweiten Cfpritchen In* 

scbrift habe ich schon in nnscrn Jahrbüchern i834« Aug. S. 791. 
.flMine Tormiiihiiog aagegebeo. »Eia Zeichen per^miiro — •« 
JOfK. Murg. S. Heft. 11 



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Mehrere der numidischen loacbriften macben wahrscheinlich, 
dafs man auch AbbreTiatoren gebrauchte* £ine neue Yev- 
ihehning der ScbwierigbeiteD für sichere Elntrathselaiig» 

Noch schlimmer ist die durch den Berliner Lectionsl^atalog 
Ton 1Ö32. und durch die Hall. ALZ. i835. No. i36. hlar ge- 
machte Entdeckung, dafa sog^r in neuester i^cit Inschriften 
unterschoben werben. 1 884. hätte eine Ton Malta nach Paris an 
die asiatiscbe Gesellschaft gebrachte Pfaoenido-graeca Cyreaaiea 
Inscriptio, worin die commonio boooram als Quelle «Uer fiechU 
flchalTenbeit angepriesen ist, Herrn Dr. Gesenins zu einer tot» 
trefflichen Abhai.dlung über die Geschichte der Karpoliratianer 
Veranlassung gegeben und ihm wahrscheinlich gemacht dafs die 
Inschi'ift im zweiten Jahrhundert erdichtet worden scy. Da die 
Yei'breitung der offenbar uhachten Aufgabe von Paris kam und 
mit der Betriebsoimheit d^r Sei Simonislen für die 
communio bonorum zusammentraf, so wagte ich Jn ansem Jahrb* 
schon im' Aug. 1884. S. 787. den Verdacht, daft die FSIschung 
▼on ganz neuer Zeit und Set. Simonistisch seyn machte. Mit 
cincmmal entdeckt sich nun, dafs sie von Malta aps allerdings 
erst in neuer Zeit, mit mehreren andern, ersonnen und eingc- ' 
schwärzt ist, üm so mehr mochte ich die Frage wicderftlen : 
Hangen diese Mjstiiicationen nicht mit den M|rsteneo des St. Si- 
mooismos zutommen? « 

Hier kann Sehtengeist, im Mittelalter rabbinistische Gewinn« 
sucht manche dergleichen Seltenheiten hervorgebracht haben, an 
denen sich der gelehrte F'leifs lange ermüdet. Ich* gestehe, bei 
den von Perez Bayer so gelehrt commentirten Münzen die 
skeptische Frage nicht unterdrücken zu können; ,Sollten bei 
^ner .der Mfinzen unhundige^n neuen- Regierung, wie ^ie^der 
llahbabaer wer, MSnzen von sehr Terschiedenen Inschriflen, nlao 
hach Terschiedenen. Stempeln, in ebendemselb'en* 
Jahre gepuii^t worden seyn? Der zweite Theil von dem zu 
hoffenden grülseren Werk des Verfs. wird gewifs die Lösung 
dieser Zweilel iördern* 

Dr. Paulus, 

Nachschrift. Wegen der oben beröhrten Talalh bezieht 
sich schon Hopp auf eine Korans •Stelle. Deswegen erlaube ich 
mir Boeb, dieselbe wenigstens soweit zu erlSutern, als die Spvat 
einer dreigcstalteten Göttin dadurch wie verschwunden Ist 



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GeMBittt , Pttll«Kfm|iliUche Sla4i«i. - MM 

Der Roraiv giebt in Sara 53. Vs 19. den Arabern zu beden- 
htn^ dafs sie GSlIinaen (weiMiche Wesen als gStlUeli) tstvImv 
ten. Er fragt dagegen s Habt denn Ihr Menlchen»ninnlielie 
Kinder, 'Er (Gott) 1^ weibiiobe? (Ab Orientale settl Er, 

'wie auch sie selbst f dat Weiblich^ «nriSch and argtimentirt daber 
nach den gemeinschaftlichen Volhsbo^riffen gegen die Verehrung 
•weiblicher Goltheitcn.) Uebcidics sagt Er ihnen Vs 23 : »Sie 
sind nichis als Namen. Ihr babt-sie benannt, Ibr and Eure 
Yüter.a Aof welobe ÜUmoor aber Er deutete, sagt der 

Tis 19 « 

,,Habt Ihr dena gasehea Allel nad dl« Odaal 
y' umä Mannt dia OriUa, dia aaehhaeaiaaada.f ** 

SrRj oii/f ^f^^ 



^^^f &Äj\i5l 



Der Sinn ist: Diese Güttinnen sind Euch nie als solche 
sichtbar geworden. Ihr habt sie nur gedacht und, Eurer 
jUeinang n,acb, ihnen Namen gegeben, d. i. Ihr habt Worte 
geben I statt der Sachen (wie es die Metapbjrsik aller Culte fo oft 
thut.) — Dies ist Mohammeds Sinn, Zweck und GedankenBoeanw 
menhang. Dns, Archäologen, aber Sherlafat Er leider! ans mit. 
der Frage abzumühen : was war denn den altes ^Arabern ale 
Allat, und Odsai und ManaJ eine Güttin? 

TkVVk AUat stammt ohne Zweifel Ton dem Worselwort 

^Sxb Castell. Fol. i844' I^i^^s bedeutet her?orschi mraern, 
emicare, wie eine Perle', die daher, auch J^ulu und Laail heifsL 
Diese Bedeutung deutet also auf einen sanftleucb4endea 
Stern* < So konnte wohl der berTorschiniinernde Neomond be» 
seiohnet werden. Schwerlich ist damit die hXtxxa einerlei, Ton 
itelcher Herodot sagt : KaXioev» Aaavpio» ti^v Ktp^o^vxi^ 
MvArrra [wahrscheinlich als Snb^Q gignere facicns] Aoarfiot 
de KkLxxüL^ üf^oo« de MiT(>,ay [wahrscheinlich nach jiOCe nd^terj 
Alitta war demnach wohl der mildleuchtende Stern Ve* 
fiss. Nach Beidari s. Hottin gers Htslor. odent. p. «3i* edlL 
wurde dies Idol in Thaiph verehrt. 

Alodsai wurde na^ßb ebendemselben Beidavi von den Horei- 
«aehaCen SU Medina verehrt Oer Prophet habe den Chalid Wa- 
Hteoln hingesi^kti vm das Idol sa serbreohen, aas deesep 



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Wurtf0l (Unterlage) ein Weib mit lao^dileppeiiden Haaren her» 
vorgekominen aej, weldle [vermulbUch eine Pdeiterin] er ge* 
tSdtet habe. Ob Odtai ron die Starke, oder Tbn VlTP 
Trösterin andeutete, zeigt sich vielleicht noch aus andern 
Quellen. 

Manat steht ohne Artikel. Nach der Etymologie kann et 
einen Theil, portiO| bedeoteo« Manat soll nach Beida?i zu Me- 
dioi f erehrt worden aejn. In der Sara heiftt aie die Drittel 
die Nach hemmende» Sie wird aÜio aof die swei anderen all 
Torbergehende bezogen ond ao b5nnte sie freilich die La na 
im dritten Viertheil bedeuten, wenn AUdt daa erste her« 
Yorschimmernde , und Odsai das zweite stärkere, den 
Vollmond, bedeutet. In jedem Fall ist dann doch nicht wahr- 
acheinlich, dafa siei die den eigenen Namen Maoat hatte, dann 

doeb Überhaupthin Talatb nVflf weichet nicht die Dritte, 
tondern ohne foe^inine Endigung nur Drei bedenteti genannt 
worden tey. 



1) M. Acci Plauti Bacchide». 4d eodicum Palat 

integra icripturae discrepantia reltquorum librorum tdidit Fridericua 
Rit$e helius , Profasor f^ratislaviensis. Halts Sasonumg. in Ubraria 
Orphanotrophci t XX f l u. 181 j^. in gr. 8. 

2) M. Atti Plauti Bacchide». Ad eodicum Palatimontm ßdtm cum 
numerorum notatione tdidit FfideriMmß RiUchtlimB, lleMi S am* 
paun «Ic. IV amtf 96 ^. in gr. 8. 

Wenn man In neueren Zeiten auch mehrfach um den ersten 
der lomisclicn Uomiker bemüht war, wenn man Sprache und 
Ptosodic und Metrum mehr als früher berücksichtigte und ins- 
besondere letzteres einer genaueren and sorgfältigeren Untertu* 
cliung zu unterwerfen begann, wenn telbtt der Charakter dea 
Dichters mehr Anerkennung dnd eine gerechtere' Würdigung 
fand, to war doch die Behandlung det Textet im .Gänsen,* ein« 
seine Veränderungen und Verbetternngen abgerechnet , doch noch 
immer auf dem früheren Standpunkte stehen geblieben, jeden- 
falls durchaus keine sichere und zuverlässige Grundlage für den- 
selben vorhanden, mithin das bisherige Verfahren mehr oder 
minder ein principloses zu nennen, da es eines festen .Grundes 
entbehrend I dadurch dem Zufall preisgegeben war und aomit 
selbst hebe Siohefbeit und Zuverllittigheit darbod Wer tüsb mü* 
Pientus niäer behsont gemacht, wer die britiaebe fiebaadlnng 



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m 



des Textes mü Jahrbonderten , d. i, mH dem Wieder»iilteb«ii der ' 
alten Lilentnr und der Erfindung der Bttebdroelierbonst mit * 
MfinerlNuneiB Pliclw Terlblgt hatte, dem honnle dies nielil rerw 
Rolfen bleiben ; am wenigsten merm Heraatgeber, der bereits 
In- andern Leistungen Shnlicher Art den freien Geist seiner bri- 
tischen Forschung auf eine so rühmliche Weise bewährt hatte. 
Er sab Yor Allem die Nothwendigkeit ein, dieser Unsicherheit 
•in Ende an roacben, die wabre und sichere, d. i» arbnndücli 
treoe Grandlaga des Textes ausznmitteln and diesen selber naeh 
dao Yeriimgen OMbrerer Jabrbnndertei Ton aHen den wUlkOtirw' 
licbeii Aendemagen, welebe die Folge jener prindplos^n Bo« 
kaadlungs weise waren, befreit, wieder anf aeine wahre Gmnd« 
läge aarüchzufubren. Die Folge seiner deshalb angestellten Uo* 
terSQchungen ergab das sichere Resultat, dafs die beiden pfalai- 
acben Handschriften, welche Camerarius zuerst benutzte, als die 
reinste und unverfälschte Quelle des Plautiniscben Textes zu be^ 
traebten sind, in sofern diese Handsobriften allerdings als siem- 
Uicb reine Abecbriftefr dea durch idbere Ungonat entstellten Ür- . 
textea sa betraohti(n sind nnd ron den wnibQbrIicben , eigen* 
miditigen Yerfnderungen , wie sie in den fil^rigen Handsehriften 
und alten Ausgaben des Plautus in giufserer oder geringerer . 
Zahl angetrofTen werden, frei geblieben sind. Und eben darin 
liegl^i auch abgesehen von andern Vorzügen, der hohe Werth 
dieser Handschriften , zumal im Yergleicii mit den übrigen, so- 
wohl italischen als dentschen^ über deren BesobafiTenheit wir 
demnScbst noch einiget NIhere anftthreo wollen« Dm Kritiker 
aber wird ' es «nter aoloben ye|>hiltnissen sor Pflichr, an dieto' 
Handschriften, als die reinigten und auverlässigsten Ueberliefe- 
rungen des Textes sich möglichst anzuschliefsen , und nur da 
von ihnen abzugehen , wo offenbares Verderbnifs obwaltet ; dann 
wird freilich der Weg der Conjecturalkritik einzuschlagen seyn, 
mit Berücksichtigung dessen, was in früheren Ansgaben ii\ ahn* 
licher Weise Torsncht worden ist. Leider ist von diesen beiden 
pfÖaiseben Handschriften , ' welche .bo Anfiing dea Jahres i6a3. 
mit den Übrigen haadachriftlichen ScbStsen der aHen Palatina- 
nach Rom wanderten, nur die eine, welche von da 1797. nach 
Paris geschleppt worden war, von letztei*em Orte 1816. in ihre 
alte Heimath zurückgekehrt ; die andere mufs noch in Rom in 
der Yaticana sich befinden ; sie wird gewöhnlich seit Camerariaa 
alt Codex f^ttm bezeichnet , die andere glSokUcherweisn hierher 
jyirlakgohehrtt; Wiiaho nicht, wie die andere, den ganaeh Plaolns, 



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MO PlMti Bacchidcs «4. «itackl. 

A h. alle Ewansig Stücke enthält , sondern nur die zwölf letztem^ 
ilt behanat unter dem Namen Codex Decurtaiui* Beide Codicet • 
•iBd woM früher schon fergltcheii . worden , ^der letalere eeek 
iheilweite ia neueren Zeiten aeit seiner BSokhehr in die HeU 
nath ; aber die' Vergleichiingen waren, nicht mit der Sorgfalt 
und Genauigkeit anj^cstcllt worden , die erst den Werth der 
Handschrift in geliui ij^es Licht setzen und ihre Bedeutung , ihre 
Wichtigkeit für Waederherstcllung des wahren Plautiniscliea 
Textes nachweisen konnte ; im Gegentbeil durch ungenaue Ver» 
gleicbung und in Folge dessen, durch iieine konsequente fie» 
«iftsung war die Unordnung und Verwirrung fast eher vermehrt 
worden. 

Wir haben diese Bemerhongen abstebtUob'Toransgeschickt, 
um unsere Leser auf den Standpunkt zu stellen, von welchem 
.aus sie, in Betracht der bisherigen Ijcistungen und in Vergleich 
mit der bisherigen kritischen Behandlung des Plautus^ nun vor* 
liegende neue Bearbeitung- eines Plautinischen Stucks zu betrach» 
ten haben, die- gleichsam als Vorlauf er einer Gesammtansgabe - 
des Plantus, sugleich den 'Anfang einher neuen Testesrecensiea - 
macht, in sofera hier zuerst der seit dein Erspheinen deft Editio ^ 
Princeps des Georg Merula i472' vielfach interpolirte und will, 
kührlicb veränderte Text auf seine wahre, urkundliche Grund- 
lage, wie wir sie eben bezeichnet haben, zurückgerilhrt ist, und ' 
demnach in seiner ursprünglichen iieinheit urkjindlich getreu vor 
uns liegt : die nothwendige Bedingung aller weiteren Untersu» ^ 
chnngen ..über Sprache, Prosodie, Metrum und dergl, aä« des 
Dichter^« ' Ueber das in dieser Hinsiebt vom Herausgeber beob- 
achtete Verfahren haben wir Folgendes su berichten; 

Nachdem derselbe diese wichtige Grundlage des Plautinischen 
Textes, der keiner der früheren Herausgeber, selbst die nicht 
ausgeschlossen, welche im Besitze dieser Schätze waren, aber 
me ireilich nicht recht zu benutzen verstanden, die gehörige Auf- 
merksamkeit zugewendet,, ausgemittelt batCe, war er zuhäebst 
bem&ht, aus den Ausgaben des Pareus von 1619 und i6e3. ^ 
ganze Varietes Script urae der beiden Pfälzer Handschriften ra{%. 
liehst genau zu sammeln, unter steter BerSchsicbtigung dessen, 
was in den Bemerltungcn eines Camcraiiiis, (irutcrus und Sciop- 
pius, welclic von diesen Varianten ebenlalls Gebrauch gemacht 
hatten, vorlag ; dann verglich er selbst den andern nach Deutsch* 
bnd zurückgekehrten Codex (den sogenannten Deeurtatus), um 
daraus sich über die in den. Ausgaben .der genannten GeiehitMi 

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IMaiiii BacchideN cd. UUiivh) 



167 



aos dieser Handschrift aiifgefShrten Lesarten volle Gewifshcit za 
TerschafTen, und daraus auch dieselben zu berichtigen u. dgl. in., 
wie dies z. B. namentlich bei Parcus der Fall ist, welcher, indem 
er auf den Velus Codex hauptsächlich Werth legte, datuber 
den andern, der ibni doch an Alter, Gehalt und Werth gleich 
sieht, vernachlässigte und zurucliselzte. Uiescin Uebelstande' hat 
nun Hr. Prof. Ritsehl durch eine ganz genaue Vergleichung ab- 
geholfen, und so freuen wir uns billig, dafs die Benutzung einet 
Deutschland nach Jahrhunderten wieder gewonnenen Schatzes in 
die Hände eines Mannes gefallen ist, der den wahren Gebrauch 
davon zu machen verstand und damit auch den V> erlh dieses 
Schatzes gehörig zu würdigen \^ursle. 

Aber Er blieb dabei nicht stehen ; er gab zugleich den vpll- 
ständig aus Handschriften wie aus den älteren Ausgaben, die 
einen britischen Werth haben, gesammelten Apparat von Varian- 
ten , weil er dies , wenn auch an und fiir sich höchst Instige und 
beschwerliche GeschäQ, doch für noth wendig hielt, um einen ^ 
▼ollständigen Ueberblick 'und damit auch ein richtiges Urtheil 
über die einzelnen Ausgaben zu gewinnen, deren gröfserer oder 
geringerer Werth dann von selbst sich ergiebt und unser Urtheil 
über die Leistungen der früheren Herausgeber bestimmen niufs. 
Darum unterzog sich der Herausgeber dem mühevollen Geschäft 
der genauen Vergleichung der früheren Ausgaben ; er theilt uns 
dann die Resultate dieser Vergleichung mit , woraus zugleich am 
besten der Ursprung des Iradirtcn Textes sich ernennen und 
nachweisen lälst. Dafs ein solches Verfahren allein der Kritik • 
Sicherheit und Grund geben und somit der^Wissenschaft wahr- 
haft frommen kann, ist einleuchtend ; aber es verdient auch um 
so dankbarere Anerkennung, je mühevoller uni beschwerlicher 
es ist, and je leichtsinniger in dieser Hinsicht von gerühmten 
Kritikern, wir meinen nicht blos der früheren Zeit, wo man noch 
nicht so bestimmte Forderungen an den Herausgeber zu stellen 
gewohnt war, sondern von Kritikern unserer Tage verfahren 
worden ist, welche Ausgahen auf Ausgaben häufend, mnc unse- 
Jigc Verwirrung und Unsicherheit in die 'l'extesUritik gebracht, 
deren verderbliche F'olgen erst später noch recht hervortreten 
werden. Wir könnten dazu Belege aus roancheu. der hiesigen 
Handschriften anführen, welche zwar in ,den Vcrzeitiinissen der 
benutzten und verglichenen Handschriften "prangen , vtähiend sie 
doch nur auf eine höchst oberflächliche und leichtsinnige Weise 
eingesehen und 'verglichen worden sind. Die, welche diese Hand- 



riaoti BacchidM ed. BiUcbl. 

Schriften benutzten, haben allerdings nicht den Gebranch won 
ihnen gemacht, den sie hätten machen sollen, oder Tielmehr sie 
wollten nicht diesen Gehrauch davon machen, weil ihneo dio 
Hube zu Fiel und das Geschäft «i beschworUch war. 

* Doch wir kehren su onserem Heraotgeber sorüok, der ia 
der Vorrede- über die frühere Behaadlyog der Kritik des Plentae 
•ich aof eine hSehst belehrende Weite Terhreitet « ao daft wir 
nicht umhin fiSnnen, einige Hauptpunkte daraoe herTorsohebeo, 
Terweiscnd auf die ausführlichere kritische Geschichte der Be* 
liandlung des Textes der Plautinischen Dramen , welche der ^ 
Hr. Verf. in einer eigenen Abhandlung, für Weiber s Bbeiniscbea 
Maseom beatimmt^ mit mehr Anafuhrliehkeit im Eioselnea üelen 

Die swSlf lelstern StSche dee Plaotoat* anter denen did 
Bacehidei die erate 'Stelle einnehmen, worden um i498. in Deotaoh- 
land in einer Handschrift entdeckt, welche im folgenden Jahre 
nach Rom kam, wo, wie der Verf. glaubhaft machen zu können 
glaubt, Lipsius im nächsten Jahrhundert sie benutzte. Diese Hand- 
acbrift, einmal nach Italien gebracht, wurde alsbald durch andere 
^Abschriften, weiche aioh dann dorch Italien verbreiteten, rer» ^ 
Tielfiiltigt} aber man begnügte aicb. leider nicht nut einer biofaeii 
und* genaoen, Ahichrift, aondem man änderte ond- verb ea ae rto i 
wie man meinte,* den Text, sum grofWn Naehtheil desselben, 
wie dies schon aus den Klagen des Herausgebers der Edilio 
princeps erhellt. Man blieb auch nicht hei diesem deutschen, 
nach Italien gebrachten Urcodex stehen , sondern benutzte noch 
einen andern^ zur Zeit des Bas 1er ConciUums in dieaer Stadt ^ 
i43t— 1433 jof gefundenen, sowohl jenem als den apiter bekannt - 
gewordenen pfiilsiachen Handaehriften aehr £hnliclwn Codex, wel» 
eher selbst die Qaelle der übrigen Qandachriilcli geworden iat» 
80 entstand eine italische Recenston, welclie durch zahlreiche 
Interpolationen entstellt , das Zurückgehen auf die Urquell^ and 
den daraus zu schopfenden Grundtext immer mehr erschwerte, 
da sie in den Handschriften des funfs^ehnten Jahrhunderts wohl 
ao ziemlich vorherrscht Nun ibigte, nachdem wabrscheinlioh 
die echt eraten, in lahlreichereQ Handachrilten bekennteia nnd 
•och weit häufiger ahgeachriehenen Stucke t bereit« getrennt im 
Draek erachienen waren , im Jahre 1472 die erate ToliatindigeL 
Ausgabe simmtlicher zwanzig Stucke '^urch Georg Memla. Der 
kritische Werth dieser Ausgabe ist je nach den verschieden- 
artigen Quellen | ans denen aie geiiosaeo iat, ?erfohieden, und 



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I Plaoü Bacchidet ed. Riiichl. 1«9 

wenn der Tent einiger Stucke in reinerer Gestalt herTorgetreten 
ist, to erscheinen andere in einer desto schlimmeren Gestalt 
Dieser Editio princeps schlössen sich im Ganzen die folgenden 
Herausgeber, bald mehr, bald minder in einzelnen Abweichungen 
ao ; das Einzelne "darüber wird in der oben bemerkten Abhand- 
lang in gr^fserer Ausführlichkeit und im Detail behandelt seyn. 
Erst Pylades, dessen Ausgabe des Plautus i5o6 zu ßrixen er- 
schien, schlug einen eignen, von den Bemühungen seiner niicho 
steo Vorgänger wesentlich rerschiedenen Weg ein, er benutzte 
zuerst zur Bil<tung des Textes Handschriften , die freilich der 
eben bezeichneten italischen Classe angehorten, er nahm zuerst 
•iif' die Metra des Plautus Rücksicht und suchte eine genaue 
Yersabtheilnng einzuführen, wobei er freilich ans unvolikomm- 
ner Kunde der Gesetze des Metrums and der Prosodie nicht 
immer glucUIich war, und durch sein willkuhrliches Verfahren 
(obwohl dieses im Ganzen noch lange Zeit in der Hritik des 
Plautus geherrscht hat) in manchen Irrthum verGel. Die näch- 
sten Bearbeiter des Plautus folgten entweder seinem Wege, oder 
sie kehrten auch theilweise mehr zur Editio princeps Eurück ; 
erst mit Cjimerarius beginnt eine neue Periode für Plautus. Die 
Verdienste dieses Gelehrten um Plautus, wenn auch von Manchen 
überschätzt, lassen sich nun grofsentheils darauf ^uruckYühren, 
dals er in dem Besitz Zweier alten Handschriften, eben jener, 
beiden Palatini, war, welche frei von den Interpolationen der 
italischen und der daraus geflossenen deutschen Handschriften des 
fünfzehnten Jahrhunderts, uns auf die ältere Urschrift, die auch 
in dem oben erwähnten, in Deutschland zuerst gefundenen und 
Ton da nach Bora gebrachten Codex erhalten ist, zurückfuhren, 
und eben darum -auch sowohl unter sich als mit diesem Codex 
sehr ähnlich sind. Was die eigenen Leistungen des Camerarius 
betrifift, so ist durch ihn allerdings manches Gute für Plautus 
geschehen, obwohl auch manche Nachtheile nicht ausgeblieben 
sind. Was dem Pylades nur theilweise gelungen war, die rich- 
tige Abtheilung der Verse, ist Ton Camerarius in höheren^ Grade 
zu rühmen ; doch konnte auch er bei unzureichender Hunde der 
Metrik und Prosodie manchen Irrthümern nicht entgehen ; er 
verstand die treulichen Handschrilten nicht ganz fo zu benutzen, 
wie man es füglich erwarten konnte; er unterschied nicht immer 
genau oder versäumte es wenigstens , genau anzugeben , was 
Lesart der Handschriften, und was blofse Conjectur oder blofscr 
Einfall sey ; and wenn der Text des Plautus durch ihn mittelst 



l'Uuii BaccliiUü« od. UiUchl. 

jener Hülfsmittel wirklich an unzähligen StcHen eine bessere Ge- 
stalt erhalten hat, so bann er doch^nicht ganz von dem Vorwurf 
freigesprochen werden , manchemJEinfall eines Pylades die haofL 

' aobrifUicbe Lesart bintangesetzt^su^ habeo, also in Ourohfübnuig 
der darcb die beiden Uandscbriften ihn gebotenen Leeartea 
nicbt oomeqiient genug verfabfen so aeyn. Noeh Weniger Troat 
wbrd man aber in dieser Besiehang bei den nachfolgenden Bear« 
beitern des Plautus finden, deren Bemühungen für den Piautas 
nicht den Erfolg gehabt haben, den man wohl einigermafsen er- 
warten konnte; denn ihr Verfahren war im Gänsen mehr will*' 
kiUirlich und eines fesien Principe ermangelnd. 

M5gen diese Angaben genügen , die Aufmerksamkeit dta 
Pnblikams' auf die veraphicbene * Icrtlische Geicbtcbte der Be- 
bandfcing des Planlos , in welcher diese und andere damit In Veiv 
bindung stehenden Punkte näher behandelt werden sollen, so 
lenken ; wir haben nun noch einige VYorle im I«csondern über 
die vorliegende Ausgabe der Uacclüdes beizuliigen. 

^ Wie bereits bemerkt worden, geht der Herausgeber auf die 
fiteste und reinste Qnelle des Textes« wie sie sich in den pfäU 
»sehen Handschriften erhalten ^at, zurück | und liefin*t una ^ 
diher die Bacchidea in einem gans nach diesen Handschriften * 
nach möglichster Treue und in mSglicbster Genauigkeit gebiU ' 
deten Texte, der nur da, wo jene Codices offenbar sinnlose und 
falsche Lesarten bieten, andern Hüli'sniitteln sieb zuwendet und 
sodann auch theil weise einige Conjecturen aufgenommen hat. Dafs 
dies nicht ohne Noth-^ g.escbeben und dab dabei die grdfseste 
Torsieht beobachtet worden, kann bei einem so besonnenen Kri- 
tiker, wie der Herausgeber ist, erwartet werden, auch ohne un- 
sere aoidrficßiebe Eemerkung. Unter dem Texte befindet sich 
die Totlstindig gesammelte Yarieta« Lectionis in möglichster KSrse 
aufgeführt. Es glaubt übrigens der Herausgeber in diesem Ver- 
suche hinreichend bewiesen zu haben, was aucli die Abiiandlung. 
Ober die kritische Behandlung (\es iMautus noch in ein beileres 
laicht setzen wird, dafs der Text des Piautas, obwohl von ge- 
wiaeen Yerderbniasen keineswegs frei, in einer so verdorbenen. 
Gestalt nicht auf uns gekommen aey, wie wohl die Meisten bisbor 
SU glauben geneigt sey'n mochten. (Vgl. p. XXII*) Die 8. XXIV* 
versprochene Abhandlung über die Plautinische Prosodie, wk>rtn 
demnach die schwierigen Fragen über Hiatus, PosititMi u. A. der 
Art zur Erledigung gebracht werden sollen, wird eine fühlbare 
Udie auafttUeUiy und ifcugleich in vielen Fällen der iUitik die 



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IM 



sichere Grundlage verschafTen, welche genaue und richtige Attf*" 
iiBSuag der Sprache und GraminaUb mit Einschlufs der Protodie 
wmd MeCrtk immerhin zu geben fwioag« Mit noeh mekr Vfrlan« 
gm mahlen wir der weil«r«a Forttetsung des begonnenen 
Unteraduneoe in der gleic&en Behandlung der abrigen StOobe 
'Am Pinntos , deren Tesl noch niebt enf seine ursprfingltche Oo- 
stalt zurückgeführt ist, entgegen sehen. 

Die onter No. 9. aufgeführte hleiner« Ausgabe anlertcheidct 
eich dadurch von der grufseren, dafs sie mit Weglassung der 
unter dem Teit der gröfseren Ausgabe stehenden Kritischen Be* 
merkungen und Varianten blos den Text, ohne alle weitere Zu- 
gabe, so wie er in der gröfseren Ausgabe gestallet ist, liefert, 
jedoch mit Hinzufüguog der Accente auf den einzeloen Worten ^ 
was einige Aenderungen in den Formen nothwendig gemacht hat ; 
nufserdem liommen nur wenige Ab'weicbungen von der grSfseren 
Ausgabe und zjirar, nach der ausdrQcklichen yerstcberung , nicbt 
•bsieblsios gemachte , Tor« Darnach ist also woM auch auf dem 
Titel der kleineren Ausgabe nicht absichtlos ytili statt des auf 
dem Titel der gröfseren Ausgabe btflntllichen Acci gedruckt. 
Auch Ref. hält Jenes für richtiger und hat sich in diesem Sinn 
schon früher für die Schreibart Attius erklärt. — Druck und 
Papier sind durchaus' befriedigend. - 

Wir verbinden damit noch die Anzeige einer Handausgabe 

eines andern Plautinischen Stücks, bei welchem eine ähnliche 
Grundlage des Textes anzutreilen ist ; 

Jf. i#ea| Pfonli fSpldi9U9» Ad Camtmii vtUnm toiktm n € 9ifm> 
vU Frid9rieu9,J aeob, DiMeimr Le6feca«it* Imbecat tmud 6i*2jä- 
palam de Rohden, 1885. r//f tu 41 S. in gr. 8. 

Es ist nörolich der Palatinus vetus, oder die eine vollständige 
der beiden von Caraerarius benutzten Piaizi^chen Handschriften 
(denn der Codex Deeurtatus enthält bekanntlich dieses Stück 
«iebt, da ei^nur die bw^U letzten Stfieke. des Plaulns umfbfst)', 
welehe dem Teste dieser Ausgabe' im Ganseii sa Grande gelegt 
nlly und cwar nacb 'den Angaben, welche sieb 'in der Ausgabe 
des Pareas zu BleustaÜt 1619 finden. Se sehr dies aoch zu bil- 
ligen, so konnte doch in dieser Beziehung noch nicht bei Ge- 
staltung des Textes mit der Consequenz, die allein dem Texte 
eine ganz feste und aiebere Qpuodiage so^gebea Termag, mrie 



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r 



in F. de Mandeltlob, Möm. sur la contUt. g^logi^M 4« l*Albe. 

dies in i^er eben angezeigten Ausgabe der Bacchides der VmU itf, 
Terfahren werden, indem dazu erst nocb eine genauere Vergfei- 
chnn§ der Handschrift selber nothig wäre, die zugleich den 
grSfseren Einflafs der Conjecturalkritik zu hemmea vermag. Aul 
TollttÜodige oder aocli nur, theil weise Sammlung eines liritischea 
Apparats mittelst Yefgletelranf[ aller Aosgabeii oder Haiidselirifte% 
ond Mittheilang der ao gewooneoeo Betoltale liat aieli dar HeroM. 
geber eben so wenig eingelasaen ala aof die ErblXrong ; er gielit 
den Text in der eben bumerliten Weise, unter demselben kri- 
tische Noten zur Rechtfertigung der von ihm aufgenommenen 
Lesartea oder mit neuen Vorschlagen zur Verbesserung des Textes 
ao wie mit Angabeo der -in den einzelnen Versen Ton Plaotaa 
•ngewendeleii Metren * Aaph sind im Teste überall die Aeoente 
«nf die euiselneo Worte gesetst 

Chr. Bähr. 



fr, d€ Mandelslo h, Memoire »ur \a Constitution geologique de VAlb« du 
Wurtemberg f pvec des profih de Witt eAaia«. (^ütrtubomrg 
42 I». 4, ttvee 3 pü, de proJUs,) 

Diese wichtige Abhandleng, welcbe för deo wfirttembergi- 
schen Jara endiicii dasjenige liefert, was die Arbeiten Ton Me- 
rian, Thurmann, Thirria und Voltz für den schweizer 
und französischen Jura und die Vogesen, wurde zuerst 
im Jahr i834 in der Versammlung deutscher Naturforscher za 
Stuttgart Torgetragen und unter dem Titel » Geognostisebe 
Profile der schwäbischen Albe für die Freonde das Verfik go- 
dffvebt, ohne io den Bachhandel sa liommen, — daranf rom 
Verf. erglnst-vod bereicbert, rem Volti^ mit ZosStsen tersehoB 
ond so in ihrer jetzigen Form in den Ilten Band der Memoires 
de la Socicle cChisloirc naturelle de Strasbourg aufgenommen , 
woraus sie nun (wie alle Abhandlungen da?on) einzeln abgedruckt 
in dem Bachhandel erscheint 

Auf der ersten Tafel theilt der Verif^ ein gcA^gnostucbci 
Langen. Profil der Alb aüs W*,iiacb NO.| ond swei QueesuPn^ 
fitef i^ines OOS NW. nach 80. über Esslingen nnd Ulm^ daa 
andre tob N* nach 8. über die Fildern und Neobnrg an der 
Donau mit, welche nach denjenigen Barometermessungen enU 
worfen 'sind, die der Verf. selbst mehrere Jahre früher iir grofser 
Aoaahl in Verbiadaog mit Professor Scb übler angesteUt hatte. 



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F. 4t lIuid«Uloh» M^in. aar U coMtit gtekigi^M 4t VAlkt,^ ^tS 

FHese Profile geboren zu den genauesten und interessantetteiTi 
öie wir bis jetst besits^o; sie seigen ans tiefe Einsenhangea 
tprfl^r GebirgMtrecben, fon teobrecbten KfMen begreost, ia 
•ioism bis jetzl nor ielteo gebannten HafisUbe* Qfe^welte Tafel 
giebt einen inlerettanten Gebirgsdörebacbnitt in einem nacb Brann« 
lielile abgeteuften Sebaebfe in dem eriisenfitrnilgeh Eisenerze bei 
Wurmlingen, und das Profil des Hohenstauffen ; — die 
dritte Tafel ein ideales Profil sämmlichev einzelnen Gebirgs* 
acbicbteo nacb ihrer relativen Mächtigkeit, mit Einschreibung der 
io jeder Schichte ▼orkommenden Tertteinemngen , so weit dei; 
Verf. geglaubt bat, ibr Vorbonnieo aoa eignen BeolNwbtangen 
oder nach sa?erUiiilgeren Angaben jait Genanigbeil n bannen« 
Der Text liefert den weiilofigeren Comnentar na dieaen TaMn« 
IMe wSrttembergische Alp bestebf ans Keuper und darüber 
liegenden Bildungen. Die Richtung der Kette geht von SW. 
nach NO.: Tom Hegau aus gegen NSrdHngen in Franken. 
Sie ialtt hu Ganzen, wie ibrer einzelnen Soiiicbten in der Ricli. 
tang ihres Streicbena iom Heuberg-Znge zwischen Tuttlin* 
gen and Dabiingen an,* ifo aie 3ioo' 8eeb5be hat, aaeb NO*f 
and erreicht bei NSrdling^n ihr tiefttaa -Nif eaa. Ihre nord* 
weatllche Seite fillt ateil t/b in die bia looo' tiefen Thalgrunde, 
während die NO. -Seite sich allmählich senket. Die ganze Alp ist 
dorcb eine einzige Hebung als ein weites Plaleao mit ron der hori* 
SODtalen ubersll nur wenig abweichenden Richtdng der Schicbteii 
emporgestiegen, nicht durch Aufrichtung der Schiebten entstand 
.den. Mar in der nnonttelbaren Nihe platonischer Bildungen wei* 
chen die Schichten siiweilen etwaa mehr von jener Bicbtnng ab« 
Der Steilabfali der Kette an ihrer Nordwestseite entspricht hei» 
neawegea der inneren Strohtnr der Gebirgsachfchten , sondern ist 
lediglich^ das anfsere Profil. Viele basaltische Ausbruche begleiten 
sie, verzüglich im Hogau, die unterirdische Hraft verrathend, 
wodurch die Helte gehoben worden ist, die in dessen Nähe aber 
auch ihr höchstes Ni?eau erreicht. Im weitern Verlaufe längs 
^ I^. Steilahüillea mSgen die basaltischen Aosbriiche nicht 
4p ta Tage gegangen aeym Die tiefen , nach dieaem 

H hf i l i tip i t a gii < |eii deh Qaeer-ThSier sind därch jene Hehong ent» 
atandepe^tiatü'?' in deren WSnden' man die fast horizontalen 
Schichten nicht selten von Basailgä'ngen durchsetzt sieht, wäb* 
re^ die Längen - Thäler im französischen und schweizer Jura 
durch Biegung und Aufrichtung der Schichten entstanden sind. 
Diceea SteilabM beglettfora abet. femer greCiM Verwerfungen der 



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m F. llMd«liloli, IMm. «MT 1« «oMlit. g^losiqse ie l Albe^ 

Schichten nm Göppingen her, zwischen Eslingen, Aalen, 
GeitHngen ond Reutlingen, wodurch stellenweite der Beoper' 
•n 400^ 5o6' tiefer bleibt, ,als jeneeiu der Grenze dertelbeftb 
Diese Verwerfungen haben aoch den Liai und die Jorabildiin^tt 
mit betroffen, so dafs dnrch dieselben die Lies* Schiebten em 
Fufse der Gebirgswand zu Tage hamen und dem Angriffe der 
Wasserströmungen ausgesetzt wurden, >vclche durch die Empor- 
hebung der Hette aus dem Meere zu einer Zeit entstehen mufsten, 
wo der ihr entgegenliegende Schwarzwild sich bereits ge« 
hoben halte und. 4^ an ihr abflieftenden Wasser wieder aaf ihren 
NW« Abhang zdrSekw arf« Der Erfolg war, dafs der in die Helfe 
hinabgesonbene Gebirgstheil sich hier mit seiner ganzen Schichten« 
folge erhielt , und mit seinen oben vorragendtsn festen Kalh« 
schichten selbst die Gewalt der VYasser brach , während diese 
an die am Fufse des oben gebliebenen Theiles ausgehenden, 
leichter zerstörbaren Liasschiefer anprallten, solche mit fortrissen f 
die darüber lagernden festern. Halbbildungen tinterhöhlten, zer- > 
trfimmerten und die Triunnidr an tiefem Stellen hin ond wieder 
ebsetzten, wie man sie* zuwehen in zo''' hohen Lagen indet 
Daher die Erscheinung, daOi man an einigen Stellen mit Bohiw 
ISchem den Kcuper noch in 700' Teufen nicht erreichen konnte, 
wo er in der Nahe schon in 200' getrofi'en worden war. Da 
inzwischen jene heftigen Stiomungen nur bis nach vollendetem 
Abflüsse der Wasser danern konnte , so nahmen diese Zerstdnm* 
gen auch ein baldiges Ende. 

Die -in 4er Alp rorhandenen Formationen sind der Heiiper.| 
der lies »Sandstein, Liae-Kalh, Lies •Schiefer, der Oberiitt* 
oder fiiMn-Stndstein, der Unleroolith mit l^senrogenstein, der 
Bradford« ond Oxford -Thon, der Coralrag, bei Ulm der Porl- 
landstein, dann die Bnhnerze, tertiäre Sül'swasserkalke u. s. w. 
Da für diese Arbeit das Vorkommen der Versteinerungen viel • 
genauer als bisher erforscht ond die in dieser Beziehnng unsi- 
cheren Arten gänzlich übergangen, da ferner die rcrwandlen Ar» 
lieüen der obengenannten Geognosten dabei berSchsichtigl wor- 
den« so darf man die hier gebotene Aofstellnng der einzelnen 
Gebirgsschicbten mit Beziehang anf ihre analogen in England. 
Q. s. w. als bei w eitem begründeter l)etrachten , als was bisher 
in dieser Beziehung darüber bcliatwit genjacht worden war. Die 
inzwischen erfolgte Vollendung des Zie tcn 'sehen Werkes setzte 
den Verf. ferner in den Stand, sich rücksiohtlich sämmtltcheri 
dort Torhonnender Arten ieichl Verständigen zu hjSnne^ 



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F. d« Ji«nil«l«loh , Mtini. aur ia cootlil. g^logiqoe de TAIbe. IIS 

Nur der untre niergciige Theil des Oxfordthones der Alp stimmt 
ia seiner Mineral- Zusammensetzung , seiner geringen Festigkeit 
und seinen Verfttoioeriingeo gänzlich mit dem OsLford - Thone der * 
liriiiiz^titcheD mid schweizer Jora liberein ; die Ycrtteine- 
rUB^eo der obern .»aohtigen Helktteinacbicbten des wflrttember- 
gticlien CHTordthones (des Terrain ä chaiUes 6er F^anche ComU?) 
finden sich nar zom Tbeile ««ob in letstern wieder, zoin Tbeile 
sind sie dem deutschon Jura eigenthumlich und verleihen ihm 
nach Voltz's Ansicht den Chai ahler eines Hochsee -Gebildes, 
während die des dortigen untern Oxfordtbones, wie die det un- 
ten Lies, eine Küsten - Bildung andeuten. 

Neoh der Charakteristik der oben genannten neptoniscben 
Ndttogen geht der Verf. so der der baMlliicben fiber, welche 
bald als. Kegel,, bald alt Gangaoafubrabge» in den Thalem am 
NW.* Abhänge der A I p aäf^relen. Et ist bliebst merltwtirdig , 
dafs jene Kegel aul emer Basis von horizontal gebliebenen Schieb« 
ten des untern Oolithes zu ruhen pflegen*, in deren Innerem ihre 
Maiae mitbin emporgestiegen und darüber sodann so schnell er- 
tlnrrt Mjn mufaten, dafs diese Masse nicht mehr darüber herab- 
fliegen honnte. Weit rerbreiteter, alt der BaäaH selbst, sind 
die betaltiaeben Ronglomerate, in deren Mitte er ebenlalla sn« 
weilen Gänge bildet; nie eraeheint er in SXolenfonn. Einzig m. 
der Nähe dieser Basalt • Gebilde kommen auf der sonst Wasser* 
armen Afp unversiegbare (Quellen vor, so dafs man aus lelzlern* 
mit aller Sicherheit auf das Vorhandenseyn der erstem schliefsen 
linnn. Die dichten Basaltgange scheinen die Wasser weniger 
dvrcbsnlassen, als der por5se Coralrag der Oberfläche. Die Ba* 
teile bieten noch einige sehr bemerkenswerthe - Erscheinongen * 
dar, nimlieh i) dafs sie, anAer einer Torberrscbeqden Menge 
iebarfeobiger Malb-BroebatSehe, einzelne ebgerandete "Granit-, 
Gneifs-, Tbonscbiefer- und Porphyr- Geschiebe ton gleichblei- 
bender GrSfse, wie solche etwa in Flufsbettcn vorkommen, ein« 
geschlossen enthalten die sie weder bei ihrem Durchbruche so 
abgerundet und gleichgrofa mit aus der Tiefe gebracht, noch 
lugiich^ c[er Oberfläche Torgefonden and eingeschlossen haben 
k&atii^P^^in diejenige Geschieh -Ablagerong der Art, wofon 
de eie^ amh am Hi|;licbsten ableiten liefsen, anf der eiitgegefr> 
geeelztm, der SO. -Seltener Alp, unr looo' tiefer liegt, als die 
Basalt- Breccien selbst an der NW. -Seite. 2) Aufserhalb der 
Alp, da wo die Jurahildungen bis auf den Lias hinab zerstört 
worden . Mod, so dais die BasaU-Autbrücbo nui' durch den Lia' 



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116 F. de Maiideltlab, M^ai. iiur U coMUt gMßgjLq^ü de TAibe. 

herTorkommen , sieht man oicht selten scharfeckige Jarakalb* 
Bruchstücbo io den Basalt. Brecciea eingeschlossen, welche ohne 
Zxt^ifel aus einer Zeit herrühren, wo der Jurakalk dort noch Bwi 
dem Lim lag. -3) üfancbe dieser Jorebalk-Eintcblutse n& ilirea 
Veftteiaemogen sind gans «of^erSaderl gebliebeat eadere saaft 
ffiiili5rnig krystälKniscb oder selbst doloniitiseb geworden ; die 
Belemniten des Liasscbiefers sind zuweilen gebleicht, wenn dieser 
auch schwarz geblieben. So yerhält es sich auch mit dem anste- 
henden Jnrakalke , wo er mit den Uasallen in Berührung gekom« 
men; bald ist er finvera'ndert , bald späthig und selbst stängelig 
gewordeOf wie swiscben Neuffen und Grabstetten, bald 
bart, spHMe nnd bellkliogend. Wo der Jornbelli rotho oder 
violette Farben seigt, bann osan mit Sieberbeit auf' die Nibe fo«. 
Basalten seblielsen. Einige ßasaltbegel neigen anP ihren ^uppea • 
Jura -Dolomite ohne alle Versleinerungen. 4) Der. Sufswasser- 
kalU von Böttingen bei Münsingen, mit dem von Stein- 
beim übereinstimmend, ist von Basalt -Konglomerat bedeckt und 
gaoB verändert und dient vortrefilicb, das Alter des Basaltee 
wp wie der Ensporbebong der Alp niber sa bestimnieD, indeai 
er selbst mit derselben bis so $436^ geboben worden ist. 

' Den Bescbinfs maebt eine Aofalhlang der Pflansen, welobo 
der Verf. auf den etnselnen Gebirgsschicbten beobachtet het; 
Wenn aber beabsichtiget werden sollte, durch solche Listen 
scharfe Grenzen zwischen den Floren verschiedener Formations- 
Glieder zu ziehen^, so mür&ten wir ungläubig bei unserer bisbe» 
rigen AfMicht beharren, dafs. auch Schiebten rerschiedener For» 
tnationeo (iind selbst Tön terscbiedener ebemiscber Zoiampieiii 
entrang) gewisse pbysibalisebir Eigenscballea« " weiche f3r die 
TegeCation viel wichtiger sind, als, die cbemiscbe ZnsaranieBse»- 
znng an- und für sich , mit einander gemein haben können , wo» 
durch denn auch eine Verwandtschaft der Floren bedingt werden 
würde. Denn wir sind oft genug in der Lage gewesen, Pflanzen, 
i^elche als ganz besondern Bodenarten eigenthümlich angehörend 
beseichnet worden waren , auf daron sehr abweichenden Gebirgs* 
sebiebten in Sppiger Vegetation sn treffen. — Im Cebrigell hetoa 
wir lediglich sn bedanenii dafs diesem rortreff lieben Werbe nicht 
änch eine geognosllsche Charte, wenn aoch fn noch eo hietnen 
Mafsstabe zu besserer Verständnifs mancher Erscheinungen bei- 
gegeben worden ist, und wir sind überzeugt, dafs dieses Werk 
zur Aufklärung der Juraverbältoisse in Deutschland Ton wesent- 
li cbst em Matieo s^a werde« 

H. 6f. Breiiii. 



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N*. IS. . ' HBIDBLteERGRR 1636. 

JAHRBÜCHER DER L11*ERXTÜR. 



PmrpmfMin tf«r BMiligen Uvrt Po99i9 und Cniift im Um%km* 

Dieses Werk soll zehn Bände stark werden ; bereits sind 
deren vier, erscbienen ; der erste, welcher mir zur Anzeige Tor- 
Itogl^ JMt a5i4 Seiten, 6 Blätter Vorrede, und anf dem Titel ist. 
mm gtMgls dafi das« Qoch «i Heil «od Troit, m Betoll- 
mag -mid ünledialtiinf bestimmt Mjr; dala 'et entlMilte, jlie Ge^ 
ainge, Legendeis- eed Yolhssagen idler ^iten end ftation%n si^ 
Ehren der Apostel, Märtyrer und Heiligen, wie auch der gott- 
seligen Männer und E^rauen ; Biographien der Heiligen in alpha- 
lietischer Ordnung ; Angabe der einem jeden Heiligen geweihten 
IVige, Haaptorte und Flauptkirchen ; literarische und kritisohe 
iMbweisimgen über alle auf das Heiligenleben des Katboltcinmii 
be^ügliobeii Sobrifleii, VerseielMitfse der ▼orsügliehsten Heiligen» 
Uldel't'Kupfenitiebe nad Sjmbble; Seblldeningeii der geiitliebea 
Orden ; allgemeine NeHsen fiber dichtende and bildende Hnnü 
im Katholicismus. 

Besagtes elstes Bändchen handelt nun von drei und dreifsig 
heiligen Namen, männlichen und weiblichen, bis zum heiligen Bo^ 
nifacii|8 ioelnaifef woraus gleich abzunehnrfeo ist, dafs nur ein 
Tbeii Yoo dem, waa allea auf dem Titelanhang speoificirt wurde^ 
bonnle geleistet worden aeyni da im Dorchsehiiitt anf jeden Ar» 
tibel wmr echt Seiten' kommen, und diese fieicbrialinng dadarob 
aodi TergHSTsert wvrde,' dafs einem jeden Heiligen, einee oder 
mehrere, bisweilen beträchtlich grofse Gedichte gewidmet und 
vorangestellt srnd als erste feststehende Bubrik. Die zweite 
Bubrik enthält das Biographische, hier im Buch am schwächsten 
ai^ftl^tttet»^ Die dritte das« Kirchliche, dem sich aooh aufser. 
J^em, was auf dem 'iltel Terapröcken ist, Nachireiiangen über 
^tfjlpyen, Stiftungen , Congregaüoaen, Ordern« a.w. antehliefaen 
aSRen. Di^ viMe Rnbrifc begreift Allea oder loH aNee.Lllcra* 
rifche begreifen , wb in Poeiie und Prosa auf den Heiligen Beeng 
bati"!^ fünfte Bobrik ist überschrieben: Artistisches, Ikono. 
graphisches, symbolische Attribute, Embleme. In diesem Gefach 
wird maii billigerweise am wenigateo YolisUuidigkeit erwarten; 
XXUU Jahrg. 1. Haft. . 



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» 

et sollten unter andern allda 6im mmhaden 6culptttreii, Gemäldti 
Kupferstiche o. t. w. , die die yereckiedenen Heiligen darttellen, 
aagefdhrt wmdea, eia Ca le r a eli M eii, weUlMif wmm m «Mb iai 
Reich der MSglichheit ISge« schon allein die .Kräfte eines AuIom 
enfireib^n infilSrta 

Billig hätte die zweite Rubrik der Lebensbeschreibungen am 
ausführlichsten behandelt werden sollen, sie ist aber leider hie 
und da g^nK zu Nichts eingeschrumpft. Z. B. bei der heiligen 
Agnese sind nur fünf Zeilen, welche besagen 9 dafs ihre Lebens» 
gesduehte io der mitgelMken Legende too Mosegarlen naeH 
den besten deberlleleningeit tren ersihlt nire, nebsl einer Bin^ 
veisneg anf^neeh en anderes neneresBnc^^ dagegen prangt en 
laiiger Gedtebt von Kesegarlen hiebst noeb nwei andern Gedielu 
ten, die ich swar der heiligen Agnese Ton Herzen gönne, aber 
sehr den Baum von i3 Seiten bedauere, welcher zu ihrer my- 
thisch .geschichtlichen Ueberlieferung gar schSn hätte benatzt 
werden hfinnen und sollen; denn obwohl ich die Lieder Ton 
meist neuern guten Dichtern ^ worunter der Herr Heransgeber 
selbst befindlieb ist, beinssw^s tadebi will, so bitten sie doob 
dem Interesse nnd Gebalt necb, nicht dem VPicbtigem im Weg 
Sieben,^ sondern eigenüicb nnr snletst dem uberflSssigea RawBe 
aoheimf'allen sollen. 

Denn das Poetische liegt ja schon in dem Stofi an sich 
selbst ; es horamt also nur darauf an , ihn glüclilich an*8 Licht 
na i(5rdern. Die Legenden vornweg sind kernpoetiaeh , die. He* 
roengescbicbten des Christenthums desgleicben comentisch, sie 
müssen di^se £indnicke ohnfeblbar gewfibren, wenn es dem Be>» 
dnhtenr gelingt, den alten scbliebten Ton su tusffbn, wo es bei^ 
naeb leicht ▼erscbmerst werden kann, wenn man hiebt gleiek 
daa eor Hand bat, was jetzige Poeten dabei empfunden oder 
wenn nicht empfunden , doch aus ihrer Leyer geklemmt haben. 
Die Neuern sind niberhaupt, wo sich's von Legenden handelt, 
ga;r zu freigebig mit Versen. Volltsthumlicbe unpoliite Prosa 
wäre Toransieben, als übereinstimmender mit den <|^Uen, saob- 
gemalser, da gewifs Tide Sagen mit dem 8pracbg#wand^4em 
nrsprüilgKcben nnlrennbar Terbunden sind* Jedoeb bin ich mal 
der Literatur der Martyrologien , Legenden, Cbreoihen o. e* w» 
nn wellig bekannt, um sagen sn bSenen, wie nnd wo der Herann- 
geber genuthigt war, rohes Material selbst zu verarbeiten, oder, 
im Fall gewesen ist, gute Bearbeitungen zu benutzen, oder end* 
lieb sich mit den alten Texten begnügen können« Jcdco£[dls. 



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Po€ftie and ttuntt, von lUfeMeaa. ITt 

gehe ich die ^oAieD Schwierigtteitea ein, besonders in ßeziehang 
auf die Klippen der Modernisirung. 

Darum, als ich den Titel: Nachtviolen, sah, bangte roir na- 
iQrlich vor. einer modernen Handhabung dieses ältesten Stoffes^ 
und war *aicbt Wenig erfreut, so viele tcbflftbare Notizen in einer 
i6 geftlllgen, twecbmfilkigen AAordAOAg getemmelt sa findeo. 
fihir Ulfe, wie gesagt, dh Odiononiie d^t Ginaeii mebi* tum 
yöitbeft det Mjrtblich.bfstorbeli-Uographischeii verweilet wer- 
den sollen, damit nicht, neben diesem Werk von lo Bänden, Jef 
Leser doch gcnotbigt bliebe , in andern Büchern sich die Er^tfn* 
Clingen zu soeben. 

Also vornämlich die niaonicbfaltigen literarischen , kirchli- 
chen nnd artütiteben N6tizen , die der Herausgeber im to vielea 
Werben, Orten find Quellen berangebrecbt her, verdienen allen 
al0|gfieliert Dank und Bewnnderaog Hir die Antdaner In folebem 
Geicblil. Wae die Grttndllebbdt anbelangt, ttebt mir kein Dr- 
theil darüber zu ; ich zeige es nur als liiebhaber an , da mich 
die Unternehmung anmuthet und in Ver\%'underung setzt in Be- 
tracht unserer Zeit, der ungünstigen, die so viele politische Hei- 
lige zu verehren hat, dafs durch deren laute Credo's jene abge» 
icbiedenen Seelenbaacbe einige Mube beben werden, vernommen 
M weiden« 

t>et soll xwar bei Leibe niobr eAtmiitbigen, wird aber den 
fleraosgeber, wenn er Im Publikum nicht. die Verdientenelt* 

itebme finden sollte, doch vielleicht ermüden, da sein Untei'neb* 
men ihm ausgesprochnen vollen Zweck nach für einen Einzelnen 
cigentttch zu grofs ist. 2o grofs nenne ich die ünternehraufigf 
ecbon wegen ihrer unendlichen Breite ; nämlich : soll eine Le- 
gende neubelebt betvortreten und den Leser in ihr Wunderele- 
üt€at hlnetnsieben , so iat dnrcbaoa vonngtben, dafa ihr eine ge- 
wiaae Aiisdebnoog verlieben" wird som Behuf einer blnignglicbea 
tiriftSfen DaralÜlong , beaondera in Deirelf der Aotlon, dee Ant- 
limelie^ des Colorits, der Haltung u. s. w. , deren Beseelung allein 
im Stande ist, den Leser zo überwältigen. Schränkt man hin-^ 
gegen die Erzählung auf 3 oder 4 BlÄtter ein^ (man denke sich 
B. unsere Genoveva auf so kleinen Baum eingelturzl), ao irird 
aie aid^ gaii^ trocken und wirkungslos ansehen und gelesen wer- 
den, öbngelSbr wie ein Begister oder ein Inbaltaverseicbnira. 
'Nur bei Mamen, wo ea an überliefertem Stoff gebriebt, durlto 
et sn enScbuldigen sejn, aicb ao knrs so fasaen, wie hier ge- 
icbeben ist. Die breitere Behandlang aber wfirde bei der I«eglen 



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• > 

ton Heiligen beiderlei Getohleebte , . die wir heben, beiliaig •«£ 
bönderl Binde von dem Haiiber des gegenwfirltgen Bandchene, 
BUtlaofen, und mfifste elso ans mehreren Ursachen wieder ifi*t 

Stechen gerathen. Immerhin hat. er einen mächtigen Schritt vor» 
wai'ts gethan nach einem Ziel hin, Jas noch ferne steht. 

Die hatholische Kirche von oben herab dürfte es wohl ihrer 
Werth halten, eine neue allgemeiaei umfassende, sngängliche;, 
anmulhende Bearbeitung der Legenden und Heiligengeachioblen 
SU Yeranlatsen. Wenn bmu an irgend einem Zipfel des grofoen 
Luxus, den die Birohe in Rom und anderwi^ts treibt f etwae 
hinweg na'hme , elwa irgend ein unnStses hottharet Geilft mit 
Juwelen besetzt daran wenden wollte, so wurde das schon Mittel 
genug darreichen, nicht nur zur Aufmunterung von halben Un- 
ternehmungen, wie bisher zufallig geschehen, sondern hinrei^ 
chend, um die ganf^e. Masse der Heiligen aufs Neue su belebiNif 
die jetnt sum grofsen Theii wie SalsMulen uns mit starreil 
Blichen ansehen. 

Alsdann wäre auch nooh oin Weiteres fiher Oi|;artismiis^ und 
die Anordnung des Gänsen zu überlegen. Der Herausgeber 
glaubte die erste und zweite Rubrik, das Mythische' und Ge- 
schichtliche streng auseinander halten zu müssen ; das mng löblich 
seyn, z. B. bei den Kirchenvätern^ hier im isten Band beim 
heil. Ambrosius, Augustinus, St. Bernhard u. s. w. , welches histo» 
riscbe Personen gewesen sind , fruchtbare Schriftsteller, Selbst* 
biographen und Veranfasser einer gansen Literatur über sie ; hin. 
gegen bei den unbehanntern legendischen Heiligen und Urhei- 
ligen, wire nach meiner Meinung diese Maxime ganz unstatthaft, 
ja sie würde die betreibenden heiligen Figuren in ganz kläglichen 
Stand setzen ; in der biographischen Abtheilung wurden sie zu 
dürren Mumitu eintiochneoj in der mythischen ganz ia Ossiani* 
sehen Nebel zerÜiefsen. 

• 

Ich breche hier ab, im Gefithl, dafs guter Batb theiwr iat^ 
und mit dem Wunsche, dafs ein profunder Geist, orientirt in 

diesem Gebiete und mit den eriorderlichen Kenntnissen verseben, 
nach mir d^s Wort nähme, den verdienstvollen Herausgeber wür- 
diger ZU loben und gerechter zu tadeln ,. als ich im Stand war« 

• C. K ö s l e t\ 



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Medicin. ibi 



ÜBERSICHTEN und KUBZE 



M B 5 I iD f N. 

jiUgemeine Anltiiimg tum Kinder - Kramk§m€xamen von J. C. LihiMekf 
Doctor der iieilk., Prof. dtr FVauen- und Kinderkrankheiten an der 
Wimer Hochtchuie und Direetor de* Kimä^''Krmmkmim»Uimt§, 'I'im, 
M Gerold, 1832. yiU u. 82 8. 

mir Cur teino 

ZubSrer and fuc jüngere Amte bestimmt hat, fo terdient sie 
doch ibret ionern QiBliait« wegen ein» allgemeinere Berücktiob- 
tigong. 

Der erste Abschnitt handelt Ton der Untersuchung binsicbt* 
lieh der Disposition des Hindes , bedingt dnrcb das Alter, die 
€k>nstitution , das Geschlecht, das YemperaMnl, die Lebenaart« 

die ererbte Anlage , die Idiosyncrasie , die vorausgegangenen 
Krankheiten^ Wie schon Billard und viele Andere, theilt er das 
Kindesalter in zwei Perioden, deren erslc durch die erste l)er»\i- 
tion und deren zweite durch den Zahn Wechsel begrenzt ist, und 
erwähnt die Kranhheitcn, welche in der eisten und in der zweiten 
am häufigsten vorkommen. Das TempeVamcnt ist nach L. im 
Kinde entweder reizbar oder träge, das erste besonders em- 
pfänglich IBrConruJsfl^nen, Congestionen, acute ftranhheilen und 
epidemisch -herrsehende fiebei^halDte Anaschllge, das andere för ^ 
Pbjsconie | Scropheln , Warmbeaehwerden o. s w. 

Der «weite Abschnitt betrifft die Gelegenbeitiiiraacben , na« 
mentlich Wohnung, Jahreszeit, Klima, Endemie und Epidemie 
<fast SU liars! Hef.)i die Nabrungsart, das Verhalten, den 
Schbif, die Bekleidung, Gemuthsbewegangen«. 

Der dritte Abschnitt gilt .der Untersuchung der Symptome, 
und aeiehnet aich durch Eigenthumlichhejt und Beictibaltigheit 
TOrtbeilbaft aus. Der Verf. bespricht hier den' Unifiing des Kor- 
pers, die' Abnahme des Ümfangs, und erklärt eine plStzliche Ab- 
nalniie nebst einem schnellen Einschrumpfen des Baoches als ein 
sicheres Zeichen des Hydrocephalus acutus, indefs eine auffal- 
lende Zunahme und Fettbeit aufweinen chronischen innern Was« 
flerltopf deuten. 

Nächst dem berüciisichtigt L. die F'arbe, dre Temperatur, 
die Lage, Jlallung und Bewegung des Horpers. Je mehr Will-' 1 
buhr in der Bewegung, desto besser der Zustand des HmnUen. 
Die Lage des Kindes läfst sich auf 2 Hauptverändci ungen redu. 
ciren r auf ein Strecken und ein Zusammenziehen. W*> 
diese beiden miteinander wechseln, da ist schon ein Zustand von 
FicbeiTeizuog. Der Verf. schildert das Verhalten des Kopie* 



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I 

und Sbrigen TheUe det 4K^rpert in den Krenldieiten des Kopfes . 
der Brasi u. s. w« Von besonderer diagnostischer Bedeutung sind 
die Hände und aocb die Füfse, letalere besonders bei Gehirn. 
QOd Beeebafiectionen. Die Beschaffenheit des Kopfes, die Pby* 
siognomie, dieser Spiegel der bindlicben Seele, die Augen, die 
Mase, der Mund, das Zähnltnirschen , die Haltung und weitere 
Beschaffenheit der Zunge u. s. w. werden nach Gebühr gewür- 
digt. Viel I^cdchtungswerthes sagt der Verf. über das Schreien 
und über das Athmen, in sofern diese diagnostische Zeichen i#i . 
Kindel lii anhheilen werden lionnen. Zu hurz handelt der Verf. 
vom Husten, und erwähnt den sogenannten Wolfs- oder Scbaaf* 
husten gar nicht, der so oft für Croup genommen wird. Richtig 
gewürdigt wird der Puls, das Saugen, der Durst, das Erbre»* 
eben, der SCubl, der Hani, die TVanspirsiien, der Mief, über 
welebe Terriebtangen im gesunden niid braiAea Zoetende genA. 
§ende Belebreng gespendet wird.- 



fVn«l«CMt de «Mflilae l^fratnai mgnUm^^hm* jtfatsrt Joen. Wt%%. Pra* 
•e«tlr«» B* ProfMt.fypit e — a u rlanto. MAS. 

" Nur aus den citirten Schriften und der Anordnung des Stoffes 

Sebt her?or, dafs dieses Werkchen gleichzeitig mit dem vorigen 
ie Drucberpresse verlassen hat. Auch dieses ist oicbt ohne Ge« 
balt, sondern als ein beachtungswertber .Beilias »r Palbolo^ie 
der Binderbrenbbeiten sq betraäileo» Zwar enuali et mir we» . 
nige, dem Verf. ei^entbumlicbe Beobacbtungeu , dagegen bat ee 
4m Vorspg, dafs bier ancb der Werlb der Aoscultalton , der 
Percossion und der Mensuration in diesem so dnnhelA Gebiete 
der Nosologie nicht ynbeacbt^t gelassen worden ist» \ 

— 

BsflwHhing-cn über den Brand der Kinder, f'un Dr. ^. L. Richter, kön, 
preufg. BegimenUarzte und vieler gehhrttn Ceselhckßften MÜ^lißdM 
Berlin 1^, Verlag von Enalin, Fl u. 22 S. in 4. 

Der Vipfß, von dem wir scbon im Jabre ijB28 eine gedi^ 
geoe Monographie über den Wasserkrebs der Kinder empfingen« " 
Cat seit jener Zeit wiederb^U GelegeAbeif gehabt, diese Kranluieb 

^nd die mit ^ ihr verwandten Formen zu beobachten und seine 
früher geäufserten Ansichten über diese eigenthiiinliche Kra/ikhait 
grofsen Theils bestätigt zu finden. Er betrachtet den Wasser- 
brebs, von welchem er drei Arien : den scorbutischen, den 
gastrischen und den metn statischen annimmt , den Brunü 
der ii ufsern G eschlccht sthei I e kleiner J^adchen und 
den ürand der Haut bei Neugebor nen als drei Formen 
' einer und derselben Krankheit, für welche er mit Martini den 
Attsdrupb Gangiaena irifanUU$ als den ihm am meisten geeignet • 

ecsefaeineoden eeibebalten bat, weil dieser die Naior der Prank** 
beit, die nacb B. Brand aber beine Erweioniiog des 4^e« 




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m. 



w€he$ Ist, wie Hesse, Ulatsch und Vyieg»nd woliim, roli- 

kommen entspricht. 

Sehr {genügend ist die Symptomatologie angegeben. Als ur- 
sachliche Momente nennt der Verf. : eine zweckwidrige Nahrung 
und Pflege , vorangegangene schwächende Krankheiten , eine 
schwache Constitution. Die Prognose gründet sich auf das Alter, 
die Ursachen , die Verbreitung des Uebels , das Stadium deir 
Hranliheit.^ Im Allgeroeineo vermochte die Kunst his jetzt nicht 
Tiel gegen dieses .üebel, und nach des Ref. Antiehl haaptsiehKeh 
deslialb, weil es imoier aus einem durehaos geknieblen Organis» 
mos lierTors|iro[»t , in welchem die Lebenskraft dem ErlSscben 
nahe ist 



fVoher rührt die unnatürliche Sterblichkeit der Kinder im ersten [jcbent' 
jähre, und wie ist diesem Vebel vorzubeugen ? JSach Krfahrungt- 
gtundedtztn bearbeitet von H. Bodenmüller ^ Dr. d. Med. und Ober- 
4imtsar»t zu Gmünd. Scbw. Gmünd. Verlag der Gebrüder Raach'ichen 
BuMandlung. 1836. X und 137 8. 

* Wir verlangen von der Hcilltunst nicht allein, dafs mit ihrer 
Hülfe die Krankheiten geheilt, sondern auch dafs sie verhütet 
werden. In einem hohem Grade »och wiid diese Anforderung 
an die Staatsarzneikunde gemacht , deren Hauptaufgabe es ist, 
alles zu beseitigen, was der Gesundheit und dem Leben des 
Menscbengeschiecbts gelährlich werden kann. Hies zu erreichen 
ist schwer, da unsere besten Absichten durch Vorurtheile, In« 
diffcrentismus , lodolmi, Aberglauben n, s. w. zu Si^band^n ge- 
naebl werden. Will man diesen entgegentreten « so- sind die 
nedieiniscb - popqtiren Schrillen jricbt gani su entbehren « mit 
Wife derer, wenn sie in einem falslicben Style abgefafst sind, 
viel erreicht werden bann. / 

Oer Verf. sacht die Ursacheji der ungew5bnltchen Sterblich- 
lieft bei den Hindern im ersten Lebensjahre anschaulich sn roa* 
eben, und pebt die Mittel an, wie diese. mindestenr beschranht 
werden dfirtle* Beides ist ihm im Ganzen gelangen , und es is^ 
keine Frage , dafs diese SchriA viel Gates in mrer Weise he^ 
wirken wird. Aber wir sind überzeugt, dafs mit Hülfe einer 
solchen Abhandlung weit mehr erreicht weiden hann, wenn da# 
Aeufsere, der Styl und die I-)arstenung mehr zur LeUliire einla- 
den , wenn Provincialismen vermieden sind und die Sprache edel 
gehalten ist. Von Verstofsen da^ej^en und von manchen Kehlern 
ist die vorliegende Schfilt nicht ^an^ frei, Menigsleus linden wir 
Scroveln, Clistir, shrnvulös, oblit teriren , verhür- 
ne'n (?), Burhave, Hyppocrates, Gich truhr (?)| Kin- 
del chaischen (?), Kindswasch u. s. w. 

Hie und da giebt es 'auch Widersprüche, indem unter an- 
(ferti S. 95. sub I. der Punsch beim Tanzen angerathen und aut - 
derselben Seite sub vor getstigeo Getränken gewarnt wi^d.. 



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Iii • ^ « -Mcdkia. 

Ref. kann es nicht billigen, wenn der V«r& 8L 
nigen der Kinder mit Lange (!) anter gewima UmttjbdM 
empfiehlt, wenn er abgemattelea Ubdem micb tebweren Eatbin^ 

düngen Cardiaca, namentlich mit Zimmet Tersetzten laoeo 
Wein (!) geben will and S. 98. als Grundsatz auFstellt, dafs 
man Kindern im ersten halben Lebensjahre kein 
Fleifch geben solle, indefs er seinem Buche als Motto vor» 
gedruckt hat : Das Kind trinke das erste Jahr hindurch seiner 
Matter oder einer gefunden Amme Milch. 



1) Veber die U'irkwmgm und den Gehrauch der Bäder, buonder» der See- 
bäder »M Doberan, — Auch onter dem Titel : Medieinüeke Beobaek- 
tungen und Bemerkungen von J. D. W. Sachse, grofsh. mecklenhurg- 
schwerin' schem Leibarzte u. 5. w. Erster Band. Heber liäder, besonderg 
in Beziehung auf die Seebäder bei Doberan. Berlin in der Ai- 

eolai'schen Buchhandlung, XXIi und 337 S. 8. 

1) DU Seebäder mtf Kerdemey, IPangcroog und Helgoland , nebit topo- 
graphüehen und geognostitchcn Bemerkungen über diese Inseln der 
Pierdsee. Von Dr. Ad Leop. Richter^ Begimentsarzte de» künigl.. 
preufs. 5fen Vhlanenregimente^u, 8. w- Berlin 1033« bei Tk» Ckr, i>. 
£fif<iii. Fl u. 95 & 12. * . 

In heinem .Lande ist der Werth der BIder- ond Brannen- 
eoren mehr gewSrdigt, alt in Denttchlandi wo aoch Seebider 
eingerichtet und besucht wurden, mr Zeit, wo man in andeni 
.Undem hieran noch nicht dachte, ond dies rerdient um so mehr 
Anerhennang, alt antcr Taterland nur weniget Hoatenland hat. 

Die forliegende Schrift beginnt mit einer tiittoritehen Skisge 
und einer Angaoe der Badliteraturi die tich durch Vollitfindigkeit 
aaizeichnet* - Dann folgen Analysen des Wassers der Nord» imd^ 

Ostsee und allgemeine Bemerkungen über die Wirhangen der 
Seebäder, die durch ihren Kochsalzgchalt die Haut reizen und 
reinigen, in den Kreislauf dringen und Ausscheidungen befordern,- 
iurch ihren Gehalt an Oxygen den H5rper beleben und höchst- 
wahrscheinlich durch elektrische und animalische Bestandtheile 
wohithätig eingreifen. Unterstutzt wird diese Wirluing durch 
das Belebende der Seeluft, deren Analyse hier ebenfalls niitge- 
theilt wird , aus welcher hervorgeht , dafs die Luft am IVleeres- 
gestade 85 Theile Oxygen und^ i5 'l'heile liydrogen enthält. Die 
Winde scheinen nur einen geringen Eioflufs aut die Teinperator 
des Meerwasters eo haben, der Nordwind es nicht hfilter, aber 
aalsiger , eo machen. Die Temperator TOn Doberan ist api einige ' 
Grad F. h5her, als an Englands Rüsten. Die MSIIe des Seebadet 
bedingt die belebende Wirkung auf die Nerreesphlre, die herab» 
stimmende ond doch stärkende auf's Blutsjttemi dem ganaeft 
Organismas eine hdhere Energie verleihend. 



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Die Wirkungen der Bäder nach ihren yerachiedenen Anweo« 
dongsarten in Beziehung auf ihre Temperatur und in Bezfebunf^ 
auf die Zeit, wo gebadet wird, machen den Gegenstand einet 
Bapitds im Bmthe aiu, ood werdtfa nach, eigancr und Iremder 
Erfahrttig geicbilderl. Ebenso wird bier der Vorbereitang^cur, 
des Terbaltent ror,. in und nacb dem Bade« der Datfer det 
Bades und der Badciir gedacbl, wobei wir indessen auf das 
Bucb selbst verweisen müssen and' nur soviel bemerben « daf« 
Alles, was Berücksicbtigong Terdieot« bier besprochen wird. 

Trinlien lafst 8b das Seewasser in der Scrophulosis« bart« 
aaebigen F'lechten, Erwachsenen 3 — 3 Weingläser, Kindern einSv 
rerordnend. In .den holländischen Seebädern ist der Triabze» 
brauch allgemeiner, und bei weitem grofsere Quantitäten werden 
hier von Hindern und Erwachsenen getrunhen. Dafs Uinder sich 
leicht an das Seewasser und besser, als Grofse, gewöhnen, kann 
lief, aus Erfahrung bestätigen. Noch gedenht der Verf. der 
Uebergiefsungen und der Anwendung des Seewassers mit Zu- 
sätzen von Kräutern. Das Bedecken scrophuloser Geschwulste 
wu §• w, mil Seesalzkissen, wovon Bef. vielfältig grofsen Nutzen 
•ah, bitte bier wobt firwlbnung verdient 

Besondere Abschnitte sind dem Gebrauche der Bäder, be- 
sonders der Seebfider, bei Gesunden und in verschiedenen Brsoli» 
heilen gewidmet Schwangeren gestattet er Seebider bei vor- 
handener Neigung bu Fehlgebarten. Gegen den in manchen 
Gegenden heimischen Schlendrian, Schwangeren das Baden na 
Terbieten, erklärt er sich mit Recht 

Ein Kapitel handelt vom Seebade bei Doberan, wo seit iSio 
eine Schwerelqnelle, eine mariatische Bittersalz- und später anea 
eine Eisen<]uelle entdeckt and eine Struve'sche Hunstbrunnen- 
nnstalt errichtet wurde, über deren Beschaflenbeit der Verf. 
sich weitlatjftig äufsert. Schliefslich sucht S den Vorwurf za 
entkräften, dafs die Ostseebäder ?on denen derfdordsee an Wirk- 
samkeit übertrofien werden. 

< .f I Der Verf, der tweiten Schrift giebt den Nordseebadem da- 
geflfe^n nnbedingt 4en Vorzog vor denen der Ostsee wegen ihres 
grofsern Salzgehaltes, und wegen des hier nie mangelnden WeU 
leaschlages, allerdings beachtungswerlhe wichtip;e Momente, weiche 
aber zugleich auch darthun, dafs die Nordseebäder nicht für alle 
Kranken unbedingt passen. Die Ifidicationen und Contraindica- 
tionen der Seebäder werden angegeben und abgewogen. Im All- 
gemeinen findet l\. sie angezeigt bei Schwäche und Beizbarkeit 
der Haut, Bbeumalismus , Nervenkrankheiten ohne materielle 
Grundlage, Scrophuln (oft beruhen die Nervenkrankheiten auf 
Scrojpbuln und weichen bei einem dem geniäfsen Verfahren , mit« 
hin tst der Aasdrach : NervenQbel ohne materielle Grundlage, zu 
nllgtaiein nnd nicht gans richtig. Bef.) , Flechten , fehlerhaftem 
Wonatsflnfs (hier leisten Seeb i dtr Grofses.. Bef.)« minnlicber 
Impotemc^ Alterirende Mineralwasser neben dem Gebraoch der 



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0 



IM Pbitotopbie. 

^SoewMser zeigieiii fßA aelur wurksam oad ferdiaae« gawid nidbt 
ao anbedingt verboleo m wwleiii ala der Yarf. et tmit. 

B. empGehlt wo BiSgtich wÜirend der gjSfsten Floth sa 
baden , nie gana o0ditarn Bad so gehen. Sobwangeren vtiv 
bietet er ea dorebana (?!). 

Nach diesen allgemeinen Bemerbangen schildert er Norderna^, 
Wangeroog und HeleolaDd. Im entern Orte badet man täglich 
nur eiomal wfibrend der Floth, ».Helgoland dagegen nur wfil|* 
reod der Ebbe^ 

Heffelder. 



PUILOSOPBIB.- 

eMmtktm ei<r den dem Mensehen angehomen reUgid$9H ff^ttnunjt - Bt- 
9timmung»- Grund, ^on Ii v. K — & ßiannheim. Schwan - und Gdto^icAa 
Httfbiuhkamdhmf. 188«. S. gr. 8. (l*reU 1 fl. II kr.) 

Diele Schrift, von «elcher der VerTaaser nur eine gans . 
kleine i^naahl Exemplare auf eigene Kosten hat drucken laaten, 
biete) eine kritische Beaprechuog dar über daa bei HofiT in jUann- 
^ beim im J. i834.- erschienene Werkehen .von F. Groos : »Die 
eeislige Natur des Menschen.« Die Wichtigkeit des hier abge- 
bandelten Thenia*s ward fiir den Verf. der vor uns liegenden 
Schrift, der sich in derselben durth^'än}:;ig als einen ern&tcn, 
unpartbeiischen , dabei christlich -philosophisclien Wahrheitsfor- 
scher ausweist, eine iocliencle Aunorderung , sein ihm von der 
Natur verliehenes kritijsches 'l'alent in ThätigUeit zu setzen und 
auf die gewisse/ibafte Untersuchung der dort besprochenen grofsen 
Fragen zu rer wenden. . * . 

Mittelst der Fon ihm bcwirliten Anwendung der Lehren des 
Evangcliuroa auf die in obbesagtem Werkchen über die geistige ^ 
Nator dea Menachen aufgestellten Principien« die er, grofstenthena 
billigend , eommentiri, ble und da auch mo3iilcirt oder auch In . 
Zwetfel siebt, iat ihm nun der dortige religi5se Vernunft -De* 
terroinismut der natürlichen Religion zum biblisch «ebriatlicbeu 
und dadurch sn einem poaitir- religiösen Philosoj)hcm geworden, 
welches er nur Prüfung und Deherzigung der Unparlheiiacbeo 
der öffentlichen Bekanntmachung für werth hielt. 

Wir wQoachen dieser Schrift des religiSsen Denkers, die, 
frei von jedem philosophischen Sektengeist, für nachdenkende 
Menschen als trustliche licktGre so sehr geeignet ist, so viele 
aufmerksame Leser, als nur immer die kleine Anzahl Exemplare 
gestatten dGrfte. 

F. O r o o 9. 




» 



« • 

Bfitrtäufige Grundlf^umg au einer SpraehphiloMOphie ^ wm Dr. & Si9i^u* 
Btrlim» 6m Beektold und Bart je, 1826. nii wui 86 5. 8. 

Die Spradiphiiosopbie ist bisher ZfLfdbttrabt und allgegMMfi 
bearbeitet worden. Hier ist der Verf. so weit ina Emgatoe g^v 

KBogen^'^dars er fa'mmtjiclie grammatilialische Best im mannen einer 
Prufong anterwiift, woraus ihm eine Hategorientafel hervorgeht, 
welche in z\«ief acher Hinsicht an die Kantische erinnert, sowohl 
durch ihr Zerfallen in vier Tlieile, von ^enen jeder drei Uoter- 
abtheilungen endiitit, als auch dadurch, dafs die Degrifle der 
Qualität, ßelation und Modalitnt in ihicr Eintheilung die wich- 
tigst^ Bolle spielen. Es liegt in der Natur der Sache, dafs eine 
aiu deii reif) fonDeUeD Bestipimungen der Sprache gebildete 
Kat^gorientelel inehr AebnHclilieit mit der Haiatiicbeii,. als 
irgeod einer .andern beliain« weU tfanl bei der Aolanebung spioer 
Belegoneo ebenfallt 'nach "der 4tfetbode eerfq^r, die reinen 
FDirniffi des Deokprocesses , ohne Bucksicht anf seinen Inballi 
darzusteilen« Kant blieb nur hinter der Vollendung aeines grnfsen 
Geftaiibens weit j^uruck, indem, er onter allen Formen des Den- 
kens uod Redens bios die Verbindung der ßegrilTe zam Urtheii 
berücksichtigte. Hätte er seinen Weg allseitig verfolgt, so würde 
er auf eine vollständige T^^'el sammtlicher Sprachformen als Ka- 
tegorien gekommen seyn, dagegen alle anderen Erfinder von Kate- 
gorientafetn sich nicht frei zu machen wufsten vom vorgefundenen 
Deak-Inhalt, und daher, Hegel und Krause so gut wie Ari- 
elotelea« ihre Kategorien nur durch Reduhtian ttamtlicher Bcb 
griffe ni die leersten Abat««ktionen und allgemeinalen Onirersnlien 

gewännen, iMfbei aict denn am Ende an der alle tiefere Spekula- 
pn bindernden Sandban|t der ^Ovalß,- dee 8e/nf , ^Weaens oder 
abstrakten Ens still ballen mnTaten, iin welcher mnt so meiater- 
helt ypruberltthr« ^ 

Die Kategorientafel ist das Augenmerk doa Yerft. , und er 
behandelt die Sprachpbilosophie ^um ihrentwillen* ^r will durch 
die Erforschung der Sprache eine «oUata'odigere Kritik des Er- 
henntnifs Vermögens zu Wege bringen, als dies Kanten durch die 
blofse Kritik unserer auffassenden Vermögen möglich war (S. VI 
und Vll.) Ohnerachtct der schalzenswei ihen Leistungen eines 
Bernhardi, Ä. VV. von Schlegel, A. W. von Flumboldt, Bopp und 
Becker habe jedoch noch Niemand ergrundet, was die Sprache 
dem Menschen bedeute ? und welchen Werth sie als solche an und 
I8r aicb habe? Sie bezeichne aber in der Totalität ihrer mogli- 
'd^n Farmen alle Auffasaungs weisen des menschlichen C«steS| 
^. h* all» mSglichen Formen , unter welchen ein gegebener £in. 
druck zu iTinem erfölUen Bewafataeynamoment aicb ceslaltCi d. h. 
dasjenige, was Kant als die reinen Begriffe oder die Kategorien 
dm Denhfcrmßgena bezeichne (S. 43^. 

Es bat bei den Pbilosoplien bisher eine Art Ton Scheu ge- 
borrtcbt, in die jdnnkl« Keeunnr der -8|>rachor(|»niya<M'« bineioa0«* 



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Philotophie. 



geben; es schien fast eine Furcht zu walten, die künstlich ge- 
bauten Abstraktionen, auf welche sie ihre oft leicht serbrechlicheo 
Gebaiide stutzten, möchten den reinen wttdan.Athein der nackten 
Biatiir nicht ertragen. Man ergriff immer dat Mittel, mit schon 
savbr ffcbiideten Tertigen Kategorien an die Untersocbnngen der 
SprachSategorien sn gehen, um jene nnr nicht über diese einzo- 
bmsen. Und ? on diesem Fehler ist der Verf. auch nicht gans frei 
sn sprechen, indem er Kategorien, wie Subjekt, Objekt n* a. m* 
anwendet, um Sprachformen, welche doch nach seiner eigenen 
Theorie die wahren Urkategorien sind, und daher weit klarer,, 
als jene, im menschlichen Geist Torhanclen liegen müssen, durch 
jene zu umschreiben. Was kann herauskommen , wenn man immer 
fortfahrt, das Hellere, Klarere und Gewissere durch das Trübere, 
Verworrnere und üngewissere verdeutlichen zu wollen? So z.B. 
nennt der Verf. das Substantir Uaumanschauung, das Verbum 
Zeitaoiobauung, and stellt Adjektiv nnd Adverbium swi^cben beide, 
da doch die Verba Sehen, Wandeln, Fliegen , Schreiben, Wachsen 
der RaümaDScbaijnng eben ko wohl, als def Zeitanscbaoong be» 
dürfen; da docb die reinen Raumanschauangen Grofs, Weit, Eng, 
Gerade, - Rmmm , Rund, Eckig, Platt, Dick keine Substantiya, 
sondern lauter Adjektiva sind; da doch die Substantiva Gott, 
Geist, Ursache, Zufall, Noth wendigkeit, Gesetz, Freiheit, Einheit; 
Verschiedenheit nichts von Raumanschauung in ihren Begriffen an 
sich tragen, wenn man dieselben rein aufifafst. Das Streben des 
Verfs. war zwar , die bisherigen verworrenen BcgrifTe von Sub- 
stanz, Accidens, Thätigl<eit u. s. w. auf die bei weitem klareren 
Ton Raum und Zeit ^rückzuführen. Aber er bedachte nicht, dafs 
die in uns allen vorhandenen BegrifFe von Verbum, Substantivum, 
Adjehtivnm an sieb selbst Vollkommen so hlar sind,' als die foa 
Banm nnd Zeit,' nur dafs wir letstere dorch Arithmetik, Goo- 
metrin nnd Mechanik starke die ersteren gar nicht coltivirett; 
Thätfn wir es, so würden diese jedem Verstände eingegrabenen 
Urkiii^gorien alle künstlich gebildeten bald eben so im Gebrancb 
verdrängen^ wie die in der Natur gegründeten AttraktionsgesetsO 
die Cartesianischen Wirbel uod ähnliche künstliche Abstraktiotaon 
verdrängt hieben. 

Aber es ist als* ein Verdienst hervorzuheben , dafs der Yerf, 
den Gegenstand- nur erst einmal so individuell und an der Wur/.el 
angefaftt bat, wie bisher Keiner. Sein Versuch hätte vielleicht 
vollkommner ausfallen können, hätte er sich nicht so sehr von 
der Vorliebe für das Schema der Trichotomie hinreifsen lassen^ 
dafs er auf 4er Tabelle z. B» coordinirt : 



Singular. " BMtininiler 'Artikel. 

Ferner : Indicativ. Conjattollv. % 

Ferner : Geniüv. * llativ« 

ferner: hth. Du« 



Plnml. 
Imperativ. . 
Accntativ. 
Bs. 



mit Aiitlitinng aller' daswischen lallenden Glltder.' 



I 



PbUMophie. 18t 

Die Formen der Sprache sind ein zartverscblnngenes Gewebe^ 
bei welcbem die Zweifle und Sprofslinge des einen Stammes oft 
in den anderen hineinwachsen, und flössen Formen annehmen, wie 
z. B. das Verbum im Particip nch adjektivirt und die Formen des 
Adjehtivt sich anei^^net,. im li^oit iv aber iich lobttantirirt und 
die Fornieo det fiobttantiTS Mifilbmen geschieht jvird. Ist aber 
damit gesagt,- dafs Particip und Inliniti? Hiebt als achte YerbaU 
formen anzascben sejen ? Der Verf. schliefst so (S. 59 ) und he» 
Ibigt dadurch ein Verfahren, welches dem ihnlieh ist, als wenn 
der Anatom in der Beschreibong des Nervensystems nur das in 
soliden Massen abgesonderte Gehirn und Bilchenmarh beriichsich- 
tigen, aber olle in den übrigen 'i heilen des Leibes verzweigte und 
verwachsene IMerven vom Nervensystem ausschheCsen wollte. Auf 
diese Weise bekommt der Verf. seine regulate Tafel voll 'l'richo- 
tomien da, wo die Natur einen den anatomischen Gebilden ähnhV 
eben viel verschlungenen Organismus feiner Zusammenhänge vor 
Augen stellt * 

Ein Haupt vcrhällnifs, worauf der Verf. viele Formen zuruck- 
fSbrt , ist das des Lebendigen und Leblosen, welches sich auch 
als das des Subjektiven und Objektiven, des Intelligenten und 
Bewurstlosen , des Thätigen und Leidenden darstellt. Dieser Ge- 
gensatz wird im Activ und Passiv des Verbi, in der ersten und 
dritten Person des Pronomen, im persönlichen und. sachlichen Ge» 
schlecht nachgewiesen , und also doreh die Gruppe dieser Formen 
daajeoige GrondverhiUnift der Wirhlichheit beteiehnet| nach weU 
ehe« ich mich als lebendige Person in der Mitte einer materiellen 
Welt erbHehe , welche Aber anfser ihrer Materialitä't fihnliche mir 
gegenüber tretende lebendige und intelligente Personen , gleich 
wie ich bin,- in sich enthalt. Fs ist dies das Grund verhältnifs der 
eoncreten Raumanschaunng. Ein anderes Badikül verhältnifs , wo- 
nach der Verf. eintheilt, ist die Zeit mit ihren drei Dimensionen 
des Vor, Nach und Zugleich, welche, in die Sprache der Bewe- 
gung übersetzt, das Woher? Wohin? und Woherum? sind, und 
daher auch die Hategoiien der Ursache, Wirkung und Wechsel- 
wirkung aus sich entwickeln, welche den Casu&bestimmangen des 
Substantivs zum Grunde liegen. 

' Am Ende leitet der Verf. alle Kategorien ans dem einen eih- 
sigen Gegensatz von Subjekt und Objekt ab, aus deren einfachster ' 
und erster Beziehung die Anschauungen von Zeit und Baum ent- 
springen sollen. Aber die Definitionen zu diesem Behuf sind theils 
zu enge, theils zu weit, und die Construktion ist eine verfehlte 
zu nennen. Denn die Definition der Baumanschauung : sie sey 
die absolute Getrenntheit (S. 72.) oder die Sonde rung 
der Einheit als Individuum (S. 54.)i pafst mit eben so viel 
Becht anf das blofse ZMetujMtem ; die der Zeitanschaaung : sie. 
•ejdit Einheit des Gesonderten (8« 72.) oder4ic Einheit 
Äte Getoaditrteo als Haiidlonf (8. o40f P*^*^ *^ 



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Iii QninuMittk^ nni Wirterbfieher. 

viel Recbt auf die blolW arltfcmetiscYiö AdditiOD. Da gegen leitet 
er .den Begriff der Zahl aus dem Im Baam Angeackauten her, ala 
eine Beziehong der Sonder ung'd es t\aums auf die K'itk» 
heit (8. 64.)/ da doch die Zeit durch das einfache F'oi-lruckeit 
der Gegenwart aus Vergangenheit in Zul^unft das ganze Zahlen- 
System vollständig prodocirti ohne irgend einen Baum za Hülfe 
SU nehmen. 

Ungeachtet dietcr groften Mangel kt die SchriH Jedem aelü 
zu empfehlen, welcher sein Nachdenken attf diese schwierigsten 
Gegenstände der logischen Forschung zu richten liebt. Denn der 
Ausdruck ist kurz, sachlich^ Aristotelisch, und oft tief treilend in 
•einer Einseitigkeit. Die schrofle Einseitigkeit ist im ersten Anlauf, 
den man in einer Sache thut, nicht unzuträglich, indem ein ein« 
zigea grelles ,~ von einer Seite in ein Labyrinth strahlendes und 
heftige Schatten werfendes Licht oit besser orientirdn kann, als 
eine Meng^ schwacher uod allseitig hin und her wankender Irr- 
flämmeben. * ' 

TreiTend und wahr sind einzelne kritische Bemerkungen 
über die Kantische Kategorientafel, z. B. (S. 60.), dafs die Ka- 
tegorie Unmöglich, eiche die INoth wendigkeit einer Verneinung 
bezeichne, liein Correlativum von Möglich sey, wozu sie Kant 
gemacht bat, sondern unter die Kategorie der Notbwendigkeit 
gebore ; dafa ferner Unwirklichkeit oder Nichtseyn der Wirklich* 
Beit keinen GcKenaafeEi aondern eine Unterabtheilong derselben 
bilde. Ferner rügt er mit vollem Recht« dafii keine Pronominal- 
beatinmongen. in der Mantischen Tafel vorkommen, denen di« 
Sprache eine^ gro(ae and naentbehrliehe Stelle unter ihre» lleab» 



El§mentarbuc h der lateinisc htn Syntax für die drri niedcrn (?) 
CiasBen der Gymnasien, in deutschen Parallelen zu Jacobs Lesehuche, 
nach liamshomt Schulgrammatik , mit Hinweisung auj neun andre der 
vorzüglichsten Sprachkhren nebst einem deutich - lateinischen H ort^' 
registwr wm Dr. C CA« Ooltlle«^ If t'/*«. Leipzig 1835. Hahu'sek^ 
FerlagsbuMmmttmmg. nSi twtf MI 4|L H 8. ^ 

Der Hn Verf. hat schon früher eine Praxis der lateinischen 
SfDtax in zusammcrjhängendcn Beispielen aus der alten Geschichte . 
für die höh er n Classen der Gymnasien herausgegeben, und in 
so fern dem Höheren das Niedere entgegensteht, sö hat er daa 
mliegende Buch den niedern Claaaen bestimmt. Gew5fanlidlv 



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OrmoMMiUlMii um4 WörtetMtlMv. IH 

pflegt man znisclien oberen und unteren Classen zu unterschei- 
dra, ond namcntiicfa, %venn wie hier noch eine Zahl der Classen 
emihot ist, to tvird es sprachgcmafser sejn, ron den di ei 
«nl«r«» Glaiseir ab von den drei fiiedtr«li Ciawftt tu reden. 
— Dm OMb etlbet serfSlH Meb 4ien drei «Hiera Gtenen in drei 
Ttreoliiedene Coree, die ^vnlMillAiiirMger Sfttfenfdge einge- 
.ridrtel eittd niid von der Veibindang einaelaer Worte tfutgeheod 
mit ftoiBiiikneiihlingenden freien Erasahlongen schliefWoI Bei deit 
üebu n gi na cben ist jedesmal tbeili e«f die Scbttlgrammalik tcmI 
Bamshom verwiesen , theils auf parallele lateinische Uebtin^s» 
Stucke in Jakobs lateinischem Lesebucbe. Zwcckmä'l'siger Weise 
sind die lateinischen Wortbedeutungen nicht unter dem Texte, 
sondern in einem abgehängten Wortregister angegeben, Weit der 
Anfänger eine genauere Nach Weisung fon den einzelnen Wort-» 
formen bedarf , die sich passender im Woitregister als nnte^ 
dem Teile geben fäfst, •nd iveM auf diese Weise aacb zur sorgt 
HIKg e f ToHbeivitMig die panimle Anleihing gegekm kL lnä 
fiebrigen eeMnea de« Bei; die ehn^hieii Omt9 tm bürt oÄsf 
in wenig reicb kt de» ' eietelaen Plsragrapbeii ^ Sd difb -eid iicil 
in Einem Jahre sämortUeh vei braocbeSt 'Wni m^ciiigllM tnt 
ecbrtf Illeben UebeMItmig fCr ein zweites oder ga^ efal 
drittes Jahr minder geeignet sind, weir siob , wie bebeiittt| 
schiirtlicbe Arbeiten der Art gerne fortpflanzen. — In etnenh 
Anhange sind noch nachträglich za den Citaten ?on Bamshorn 
die Grammatiken von : Bleibimhaus , Broder , Aug. Grotefend 
apsfuhrliche Grammatik, Aag. Grotefend Schulgrammatik, G. Fr, 
Grotefend, Krebs, Schulz, Weifsenborn und Zumpt in den gleich« 
ieafenden Paragraphen citirt, und der Hr. Terf. ist hierin mit 
seinem Boebe selbst in Widerspracb getreleii, indem er Citate 
mk iolcbeii LebrbülBbenii die ofieebar fSr dl» obtnr nm6 mir 
flir die obera Cbaeea di¥ Qyimiasieii beetimolt tbid (wie Atig« 
Grotefend s AusHSbrliclie Grammatik and Vr«HbettbMi*e 9yidtaL% 
seinen Uebersetzangen, die er IQr die unter D Clessen bestia^te^ 
hu beifSgen lassen. 



* 

Ml4m9mimrhu9k dtr f rleeAlscAan Spretif , fir'vkt imkrtnwm 
- UarhtxKtX , und e^neai «alftldsd^ren H'trtngkUr- esrvdh» «ms 
J. C Mtim^ Oberprd€9pior am StuiigmrUr l^fwes^aai. ffWfir MM 
Ittng. /. und // Cwnu oder Etemtntar- wmd fiSSifledb. f fffrarf. 
' B9Ubtrg!tr'99k€ f^0riag§MUkmmdlmmg. lM5w • 

Eine mit vieler Liebe und Sorgfalt zusammengetragene Samm- 
lung ?on Beispielen zum Ucbersetzen aus dem Griechischen in's 
Deutscbe. woron die ei*ste Abiheilung mit dem ersten und zwei* ' 
tea Curtoe Torliegtr.. Oer erste Cttcsot schliefst sieb in seinen 
BtiipMea nn 4lie Tersobiedeaen Abicbnitte der griecbiiclien For* 



0 



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m 



in€nlehre an, wobei auf Jie Gramroalik von Buttroann und auf 
■ die in würtembergischen Schulen vielfältig gebrauchte WcclUier- 
lin'sche hingewiesen ist. Bei jedem Satze ist der Autor ange- 
deatet, aus dem er genommen. Wenn .der Herautgeber aber 
hierdareb etwa, wie di0 Yorrede sagt, bewirkea will« daCi msIiob 
' lAer der SchSter die Sthrideteller tolle beooen lernen -rwenig* 
•teoa dem Nemea neeb]« eos denen er die gtiechitcbe Spraelie 
erlernen solle, so hätten ttatt der AbbünHingen Luc-Phtt. D^»d% 
und'dergL die vollen Namen mOmen emgesch rieben, oder eint 
JSrklämng dieser Abbrevietoren für den wifsbegierigen Anfänger 
müssen beigefügt werden — Der zweite Carsos enthält kleine 
zusammenhängertcJe Lesestuche^ wovon immer ein genaueres Citat 
(mit Buch und Kapitel) die Quelle angiebt, aus der jedes ge« 
nommen ist. — Auch diese Lesestuclie gehen in st uien weiser Form, 
indem sie bei den Adjectiven beginnend, abermals durch alle 
Bedetheile, und bei dem Verbum durch alle Genera, Modi und 
Tempora darcbgefuhrt sind, wobei am Schlofs lo «sopiscbe Fe» 
Mo filr die Zosemmenstellang- der Irregaliren Verb« dieomu 
Die sweite Abtbeilang , oder der notih m erwaitende die and 
4t# Cwsos, soll niobt neob diesen grammatibsliscben Rüebsiditeo 

Crdnet sevn, sondern stufenweise AusziSge Sns Tersohiedetai 
oren erbelten, so dafs jedes Mal das aus einem Autor Ge* 
nomroene gsns beisammen steht ; und zwar sind dem dritten 
Curse Aclian , Herodian , Diodor, Plotarch, Apollodor bestimmt,, 
und dem 4^en 5 Arrian, Appian, Xenophon, Isohrates, Plutarch, 
Lucian. — Die LesestucUe des zweiten Cursus sind ihrem Inhalt 
und ihrer Form nach aUe sehr gut gewählt, und Ref. mufs das 
' Ganze als eine dankenswerthe, gelungene Arbeit anerkennen, und 
der Yerf. hat mit Recht seine Arbeit mit einem Motto aus Iso- 
lirslet gesiert, worin gesagt ist, dafs In allen Dingen niebt trSget 
Beharren in dem Bestebendenr, sondern regsame Bewegung snm 
yenoeben des Beswen ersprieftUch sey. 

f Osr 0ftaAI«/i /•igt.) 



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* 



N*. 13. HEIDELBERGER 1S36. 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR, 



GrmmaHken und WSrierbüeher. 

Bcknlgrammaiik tftr ' rftiif«eAf ii 5pr««il«. Fom Dr. Karl Ferdt^ 
' Mmtf B«e Jb«r , UttgUtd 4u V^nkfmHer GtlsAff «« - Ftnhu für deut$€k9 

mäm^Mt BuMmMmg* XII mm4 Iftl A «cM C TUfttMi. 

Die Verdienste des Verls, um deutsche Grammatik und Sprach^ 
atudien überhaupt sind Allen , die sich für diesen Gegenstand in- 
ter«uirenf zu bekannt, als dafs Ref. nothig hätte, in dieser Be» 
sSeboag (UMr den .Verß Moh •iissutj>r€cheo , den er fiber seia 
Lob trfi«befl*hilt Dm sebnell «of eimder folgenden Aaflagea 
dinier SeboIgmoMMtUi — > -die erite encbieo t83i — beweitea 
•neb, welche Anlnabme dem Bneb verdienter Weise im Pabl^ 
Imiib wa Tbeil geworden ist. Diese dritte Aiülage hat ubrigene 
Tor den Torbergehenden als neu bearbeilete ^manche Vorsiige in 
Beziehung aaf grdfsere Klarheit und genauere Sondeiniogi be» 
sonders in der Salzlehre. Auch ist durch zv^cchmhTsigerc Ein- 
richtung des Druckes , wornach die Beispiele von den Hegeln 
oder dem Texte der Grammatik durch yerschiedene Schrift ge* 
schieden sind , vieles an Klarheit gewonnen. Ref. will übrigens 
nicht in Abrede stellen, dafs das' Buch, trotz dem Titel: 
Schul gramraatik — wegen seiner strengwissenschaftlichen Dar* 
eCtUangsweise, and seinen genaoeo Jogisi»en Disiindionen ,^ nicbt 
Jeder msbole« nenentltcb bei minder Torbereileten Sebfilem , gans 
oequem ^osa^en wird, dsis Tielmebr jeder Lehrer selbst eili- 
ge wisses Stadinm bedürfen wird, am mit dem S|steme des Ver^ 
sich vertraut zu machen« Zum Gehrauche der minder vorge- 
rueUtern Schüler indessen mofs Ref. auf ein anderes Bacb des 
Hrn. Becker, auf dessen Leitfaden für den ersten Un« 
' terricht in der deutschen Sprachlehre, Frankfurt i833, 
aufmerksam machen, den er in seiner eignen Schule nnt Erfolg 
benutzt hat. Und über die Art, wie der Verf. den Schüler in 
sein S3'Stem der Grammatik eingeführt wissen will, hat er sich 
selbst in seiner: Methode des Unterrichts in der deut- 
schen Sprache (ibid. i833.) ausgesprochen. Durch den Ver- 
folg des von Becker eingeschlagenen Wegs wird nicht nur lilr 
di0 bester« HeantniA der Matterspracbe selbst |;ewonnen wer» 
den, sondern noeb iSr die Grammatlb im Allgememen in ioftra 
•ie ali eio witseniebaiUicbei System sa betracbten ist. 



^Xm^ Jnbig. B. Heft 



13 



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i»4 QiMMlilKft wd W#rttrlMMb«r. 

SehvUn, von Ifilkelm 99^€ifscnboru, Profeumr am Csfuraonam » 
JWwff fft filMaac&» Äfft J. ß-. IfaiMelc«. IMA. 

Der Verf. (lat sich zum Ziel gesetzt, die neaern ForMslnM» 
•gen über elnz«lne Tbei^ ^ GMOMiNilik fou llffdger, Etsler« 
Gernhard-u. A. und über die allgemeine Sprachwissenschaft 
Tou Becher, Herling, Schmitthenner , Hofmeiiter 
8« w. in einem System der lateinischen Syntax zu vereinigen^ 
ond ao den grammatischen üaterricht io den alteo hlatsiachea 
' Sprachen mit der Uolerrichtsloim , die man in neuerer Zeit für 
die Muttersprache gewonnen hat, in Uebereinstimmung zu setzen. 
VVer sich — wie Ref^ schon gethan — in gleicher Absicht be- 
maht, der ^^'n^ leicht die Schwierigheiten erhennen., welche 
sich bei eirin solchen Arbeit tausendfältig darbieten. Und ei 
leidet Wühl Leinen Zvxeifcl, dafs die Arbeit des Hrn. Weifsen* 
born von vielen Lehrern wird zurückgeschoben werden, ifttlohir 
gewohnt sind, in ihrer Syntax die Tenebledenen Syiftaxe de» • 
einzelnen Wanhrtnen oder Worlarten — ibte SyvitaxSf QttA* . 
Jllvi« Dative, Accwtifi vui. w., ibr Syntai^ Pronominiiiii , Ad^ 
jeotiTorum n. w. zu terftdgen, wo bei jeder einzelnen äm 
der Wort* Att oder Wort- Form beruhenden Begrifl^bestimmung 
ttllea hierauf nezugliche unter einander torgetrnf^en. wird , ohne 
grofi Bttcksicht darauf zu nehmen , welche grammatische Bedeu- 
tung' eine solche Wort- Art oder Wortform als Thcii eines 
Satzes hat. Dagegen hat TIr. W. eüie andere Richtung einge- 
schlagen. Er sucht das von jeder einzelnen Wortform Gesagte 
an der Stelle einzureihen, wo, in Re/iehung auf den Bau des 
Satzes, die {^leichmäTsigc grammatische liedeutung der' 
Wortformen als Glieder, eines Satzes in ßetracbt bommk 
Dafs schon dadoreh, weil hierbei Yiefea, wat biaber betsanunen 
stand, sieb zerstreut und zersplittert,. dem Bucb bei Mancheoi 
der Eingang erschwert wird, ist wobl naturlieb. Wenn übrigent 
BeF. auch gerne zugesteht, dafs mancbe einzeine grammatika* 
lische Verhältnisse nacb dieser allgemeinea Grundanstebt bei 
Hrn. W. klarer erörtert sind , als dies in andern Grammatiken 
der Fall ist ; so mufs er nichts desto weniger dem Buche den 
Vorwurf machen, dafs Cr im Ganzen eine Mate, lichtvolle Anord- 
nung vermifsle. So leichlich auch das Rasonncnient ist, was 
zum verbindenden und einleitenden Faden für die kurzem Re- 
gcFn dient, die den Spracli^t ht üiicl» angeben; so wenig stellen 
sich diese mcislenllieils in der Art her, dafs sie in einem natur- 
lichen Zusammenhang gleichsam von selbst auseinander gewacb« 
sen und mit einer gewissen Nothwcndigkeit neben einander W9 
Steden acbeinen, sondern Tiehnebr wie Hunstlicb an^inandei- ge<^ 
reiht aasseben, wodnrcb besonders der minder Erftbrene aehwer 
eiilen klaren Ueberblick gewinnt,. Vm z. B. nur Eines zn eiw 
wähnen, so sucht Hr. W\ den Satz aus dem Yerbnoi to'ent- 
' wickeloi^ wie dies Becker in seiner xsoerst eracbienenen deul» 



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V 



S«l|Cn Grammatik (Frankfurt 1829. 1B2. ) gethan hat, dnd 
hieraus dann die übrigen Satz Verhältnisse und Satztheile itbsHi* 
leiten. Abgesehen davon, dafs Becker in seinen spätem Arbeiten 
Ton dieser Entwicklung mehr abgegangen zu seyn scheint , 80 
reiht sich auf jeden Fall bei Hrn. W. an diese RntwicKJong 
yieles unklar Geordnete an. Kr bebaadelt z. ü. auf diesem We^* 
di« PronoflliiM, 4i« alt Snbjeot« 4m 8atMS erscbainen kda- 
mm^ wkmt Torwirrl gMA ^Mit »aeh totobe Fälle f im dMii di»' 
FMMMiMi in »iljeoliTUelier BnlMlang gebrandet find. tM 
tegteidiin Verstofse gogeir klare kmrdrnmH^- Kefacii ikA nottk 
sehr yiele mMWmi. — Jedoek bl IM der Meinong. dnft di» 
BemühtMigcn de». Hrn. W. , io so Ibra dadurch eine wiMen» 
iel^ftKebere Form der Syntax Tersacbt wurde, Anerkenntiog 
Verdienen, wem! er eacb den Yeifuch nicht fdUig gelongea 
iKMineo baan. 



' tkthA*UttMHkt$.t9r0tMnä99 tf'irUrhueh der allen, mitUerm 
'mnd neuen ifeogrophh^ eine Beigahe au jtda» dSfiifiaft-lafefiil-^ 

iekm 9for(erhtiche, Mit Berüetk$icJ)ti^un)if der baten altern und' 
Iteneetm .iMlfimittcl ausgearbeitet und mit der Angahe der Quantität 
tetiehen von Dr. G. A. Koch, Gymnasialtehrvr. Ltipzig , Hakn*§ei§ 
^, FirlageHandtung. 1859. 10 Üogen. gr, (2fl. 24J(r.) 

Ein mit fieler BMie Msammengetragene« Namen* Register, 
nkln nor fo* Lindem, ydlltem, SMdlen^ Flfiifen, aoiiderar aneb 
TOB Bieben« Ftecben« MrPer», Mldalcv», Abteien und andern 
Ueinern Ijottaütä'ten , z", B. To%»r (TutHm LotuMnensisJ u. s. w. 
£• sind dabei, ^ie ache» daa eben angeführte Beispiel zeigt^ 
niebt blot solche Namen ^aofjg;enomroen , ton denen sich eine 
alte klassisehe Benenrtung naohiieisen lafst, sondern auch solche, 
' die der alten Zeit ganz hcind «ind, selbst Namen aus der neuen 
\?elt, y^ie Chile, Mciiko und dergl. Durch dieses Streben 
nach Universalität ist die Arbeit sehr schwierig , und es blähen 
daher nicht unbedeutende Lokalitäten neuerer Zeit übrig, deren 
Benennung nach der in der Einleitung aufgefilhrten Tabelle fon 
£nduiigen (wie sie auch andere deutsch- lateinische YVörterb& 
eher haben) an ergänzen sind. Während z. B. Bern (Stadt 
mnd Manlod) aofgetülnl abid, ist Tbnrgau (Hantob) fibergani- 
«en, iroU aber die weit davon entfernte Staadt Torgan ange^ 
miiirL GeograpbfaeKe Notizen aitad im Allgemeinen keine wei^ 
teren beigefugt, als dafi» neben dem Namen: St. (Stadt), 
- Mar ktfl. (Marktflocken), Fleck. (Flecken), Fl. (Flufs), Ini. 
• Insel) ood dergl. sich b'eündei. Nur bei gleichnamigen Orten 
in f erschiedenen I^ändcrn ist auch die Lage angegeben. Höchst 
selten beünden sich ohne diese Veranlassung solche Notizen, wie 
sc. B. Irak -Arabi, türkische Prav in z in Asien, Babylonia, ae. 
^ Die wirklich classiscben Namen (wie das eben angefahrte Ba* 
lijioaia) aind %od den andern ^lurcb ein eiogeacbaltetes Hreuz (f ) 



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IM Omatllkto mi WirtttbidMr. 



unterschieden. — Ich weifs nicht, ob der Vcrf* darin recht ge- 
than hat, dafs* er von ^viiUlich classischen liokalitä'ten den bei 
uns gangbaren Namen meist ganz, übergangen , so dafs der Schüler 
Ä. IJ. den Näinen : Theben oder Athen, Nnuplia vergeblich 
sucht, indem blns die uns minder gangbaren Thiba, AthinitTh, 
N a p o l i d i B o m a n i a u. s. w. aui'gelührt sind. Und sollte das 
Werk mit Tollem Bechte eiii ? ergleiehendet W($rterbach 
'keifsen, so dOrAe es wolil oicht'so gänilteh arm an geographu 
•eben Notizen scyn , ja es dürften wobl aoch Namen i9ie^Mfycena§ 
ond dersK nicht fehlen | obgleich sie in der gegenwärtigem 
Geographie nicht mebr an ?orhandne Lokalitäten sich knüpfen. 

Durch diese Ausstellungen will Ref. denr Hrn. Verf. Jedoch 
nicht die Anerkennung entzielfen, dafs er seine gewifs sehr ' 
.schwierige Arbeit mit vieler Mühe und Sorgfalt dorchgefiibrf 
hat. Uebrigens will Bef. hierbei noch auf etwas aufmerksaiQ ma- 
chen, was man nicht leicht in diesem Buche suchen wird; näm- 
lich auf einige werthvollc grammatikalische Notizen über die 
Construclion der lateinischen Städtenamen, die von dem Verf. 
S. XI rr. in der Einleitung dargelegt sind. Es ist dabei ein kost* 
bares Fragment aus den Vorlesungen B eisiges abgedrucbt| 
worin dieser verdienstvolle Gelehrte sich über den sogenannten 
« ortlichen Genitiv der Städtenamen ausspricht. — Die von Fr. 
Bosen (in seiner Prolusio Corporis Badio|m Saoscritarum. p. 12.) 
ausgesprochene- Ansicht , dafs w diesen Formen (domi, Corintki, 
Romae alt RomaiJ ein Locali?as so erkennen sej, wie er mit 
der Endigung i im SanskHt ' statt finde, bat wohl auch aoCIier 
. Hofifmann (Jahnas JahrbScher. 1828. i. 8. 18 ff.) ond Aog. 
Grotefend (Schulgrammatik S. 219.) manchen Anhänger gafoa- 
den. Beisig spricht sich aber dahin ans, dafs in diesen Forroea 
ein alter Dativ zu erkennen scv, so dafs domi aus domui her- 
vorgegangen wäre, so wie auch in den Wörtern der zweiten 
Dcciination der Dativ die Endung oi ursprünglich hatte, welche 
vor der RiiJührung des Ablativs auch in der Bedeutung des 
Ablativs auf die Frage wo gebraucht wurde, und zwar im Uebri- 
.gen in die Endung 0 sich abschliff, ,aber bei den Ortsbestim- 
mungen das I festhielt, und den Laut des o verlor. — Wenn 
Ref. das Rechte sieht , so, liegt das Wahre in der Vereinigung 
beider Ansichten. Wir wollen den Locatir des Sanskrit mit der 
Endung J, und die Verwandtschaft der Ursprung liehen lateinii» 
achen und gnechischen Formen mit **der Sanäkritsprache« aner» 
kei^nen. Alsdann haben wir ferner anzunehmen, dafs eine Casus» 
form auf i ails dem Sanskrit in« das Griechische und Lateinische 
Sbergegangen ist. Dieser Casus auf 1 stellt sich im GriecbiacbCtt 
unabweisbar als der Dativ heraus, nur dafs bei n und m in der 
isten tiod itcn Dcciination die spätere Zeit das 1 etwas abge- 
schliflen hat, und dafs es nur bei wirkliciren Localformen wie 
01x01 und dergl. festblieb. Aufserdem nun, dafs der Dativ in 
der sonstigen Satzverbindung seine eigentbumliche Bedeutung als 
Gebefall behauptete und ausbildete, hatte er daneben noch jene 



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Qfinuiuiliken uaii WörtarbiMh«r. IHY 

alte locative, weiche sich nicht nur in Carthagim ^ Laceduemoni, 
domi, ruri, Anxuri , Tiburi, sondern auch in Rotnae erhalten hat. 
Der Locstiv war also anfünglich mit dem Dativ zusammenge- 
mengt, und hat, sich später wieder in den besondern Formea 

¥eidhau9 eh. 

- • - / 



« TWins Laiiniiati» Lesicon comilio et cura Jacobi Facciolat i , opwm 
tt ttudio Jtgidii Foroellini, Jiummi Mmmmri Patavini , lucubrU' 
$mm. — Secundum Tertiam Editionem, cujut cv^am get$it Josephug 
Furlanetto, Ahumniu ejusdcm scminarii , correctum et nuctum laboiü 
variorum. Editio in Germania prima. Cum /*rivil. Ih^;. Sur. ScfnicC' 
bergae, $umpt. e< typt» C. Schumanni, MDCCCXWI— \\\V. IV Voll. 
Fol. T. I. 652 pp. T. II. 710 pp. T. III. 688 pp. T. IV. 588 und 
. \L pp. Jede Seite tu 3 Columnen. Subfcriptiontproit 30 Itihlr. 
Mt dem Vebergange des Werks au« dem Scbomaon'scliea Yerlig Is 
der Halin*sehto Verlagthaadlaag Im Leiipslf, aaf einige 
feit emirsiKt Mff St B4iilr. 

Ref. hat in diesen Jahrbüchern die Erscheinung dieses Wer- 
kes auf deutschem Boden bcwillhommt, er hat verschiedene Lie- 
ferungen desselben auslührlicher beurtheilt und Bemerhungen 
* üjber das Ganze und über Einzelnes niedergelegt , als Winlic für 
dte Fortsefsoog ; er ha^ sich sefreut« daft es nun, theils durch 
daii aUniblige Erscheinen, thdls fli^rhaupt dorch den im AUgc- 
mciiiirn ▼erbältnifsmiftig hilh'g gestellten Sobscriptionsp^ets , fielen 
deutschen Philologen zugänglich geworden, die bisher es ver- 
gebiich wünschten ; dafs es durch deutschen Flcifs und deutsche 
Gründlichkeit so bedeutende Vorzüge Tor dem Original erhalten 
bat, dafs das Originnl von Niemand weiter gewünscht werden 
kann, der die deutsche Ausgabe kennt ; er hat aber auch über, 
das Mifsgeschick gesprochen , welches die gleichnuiPsif^c Bearhei- 
tong, wie sie anfangs beabsichtigt war, und wirklich realisirt 
wurde, unmöglich gemacht hat, und sich am Ende dahin erklärt, 
dafs, hatten wir auch weiter nichts, als einen Abdruck der dritten 
Ausgabe des von Fnrlanelto besorgten F'orcellini erhalten, dies 
tchoB als ein Gewinn f8r O^ntscnland so achten wSre, da es 
aieht nur io Hinsicht der Ausstattung im AeuTsern die in Padha 
ond London erscbieaenfen Aosgaben fibci-trifn, sondern, selbst 
bei dem Preise Ton 3o Reichsthalcrn^ g^^^n die -crstere, die 
56 Rthir«, und gegen die von London, Melche 76 Bthlr. kostet, 
den Vorzug der Billigkeit des Preises behauptete. Jetzt, da das 
Werk Tollendet ist, glaubt Ref. wenigstens dio Anzeige ider Vol- 
lendung dess^ben in diesen Jahrbüchern schuldig zu seyn, wenn 
auch eine in das Einzelne eingehende Recension, die dies oder 
jenes fehlende Wort aus einem Schriftsteller oder einem Glossar 
crgünzte, die einzelne Bedeutungen oder Stellen nachN>icse, die 
diese oder jene Etymologie oder ein Citat berichtigte, bei einem 
Werbe dieser Art und dieses Unilanges, hier nicht prwartel irer- 



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QndMiaiili^ und WörierbüdMr. 

den dai und auch keinen Zweck haben könnte. *) So wie das 
Wet'k vor uns liegt, ist es in hohem Grade ▼erdienstlicb , und, 
weil es durcbaot lateinisch bearbeitet ist, ein Gemeingnt für das 
gfinsi gebildtle Eoropa, anck wenn wir Nichts dUran corrlgirM 
oder dasQ beisteneni ; nnd wird 'einmal eine neue Apfligf nwbig , 
so wird die n^oe Tfrlagshandlnng nicht. anterlassen, eine -Bevlst 
sion zu veranstalten , da sie gerade auf diesem Gebiete mit rohm* 
▼oller nstiglieit seit Jahren sa* wirken gewohnt ist. 

In einer am Schlüsse des Werkes, ror dem 4ten Bande, 
▼om I. Febr. i835. datirlen VoiTedc erklart sich der frühere 
Terleger ( Hr. Schumann) über da& Schicksal desselben Im Laufe 
des Erscheinens in einem Zeiträume Ton 7 Jahren. Er habe, 
sagt er, die Sache mit liicbe nnd den besten Hoffnungen unter- 
nommen, aber bald mit Umständen und mit Menschen bittere 
Kämpfe zu kämpfen gehabt. Sein Plan sej gewesen , das von 
Vielen gewünschte Werk um einen billigen Preis, und von deut- 
sehen Gelehrten vervollkommnet , dem Publikum anbieten zu 
hSnnen. Er habe an Hrn. Rector Voigtlanüer in Schneebers einen 
treffliehea Hatiptredactear gewonnen gehabt , der oher nirat «b« 
* dea Anfangt des zweiten Buohstanyns ^rlel^tft» Dieser haho 



ührieens den YerrollkommaangSBlan' so sehr ins GroTse angelegt 
flehaot, daik die Tollendung des Werkes in derselben Weise. 
Saarn abzusehen gewesen wäre. Schon zu jenes Mennos Leb* 
Seiten habe sich auch Hr. Rector Hertel in Zwickau engesehlos*. 

• sen, der dann, um die Vollendung früher möglich zu machen, 
eine Anzahl ausgezeichneter Gelehrten zu Mitarbeitern warb, und 
Jedem die Wortermassc eines Buchstabens übertrug. Aber die 
Praxis machte den woblausgesoiincnen Plan zu Schanden. Die 
Mitarbeiter zögerten und zauderten, die Herausgabe stockte, die 
Künfer muntcu, Uebel wollende verlüumdeten. Sollte nicht das 

. begonnene Unternehmen ^anz scheitern, sq mufste derZerstSck^ 
Inogsplan der Arb^t auigesebeo, auch ^di« angemessene Efwei- 
tnrang dea W.erhes^ hei Seite gesetsi nnd Ein Mann, deir Ma(S|» 
. halte, lur die Leitung und Vollondong dns Gnnneo gewonnm 
Verden* Dieser fand sich in der Person def Hrn« Karl L^n« 
Inann, der, in der Erwägung, ß% sey nicht ein neuer TheajusnM 
Linguae Ijalinac zu gründen, sondern das Foreelltnische ans guten 
Gründen geachtete und gewünschte VYtiU in einer möglichst ver- 
besserten Gestalt, aber nicht in einer L niai beitung. zü geben, mit 
rastloser und bis ans Ende uiicrmüileler 'rliritigheit die Herausgabc 
forderte, es -zwar vielfach verbesserte und bereicherte, aber 
Ooch nur, wo ollcitbiire Fehler iiu Original Maren oder ein Zu» 
&atz entschieden auf allgemeine Dilligung rechnen durftt;. lJq4 



*) Wir kriODlcii sc. H. ans tineiu aUen GlotBnr Wörter in elcinl^eli^' 
Attsabl rnidi BacbiraKcn : aea den BuclMtaben T t vewlHianm^ 



brtirae, f^'X^^ p'va; ; die Schrei Im ni; vttumcn lür bitumcn ; untor, 
umiiia für humor, humUiaf an« Q die Wörter quqrtori ^ nraftdAo- 
Vi&rte^ quimqueplum, «iwMMn nn4 



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GrauiMtUkea aa«i Wöriorbachvr. hi9 

so wurde CS mGglich , dafs die diei ietztt^a üuuJu im Grunde 
nicht mehr Zeit erforderten^ als der erste •Hein.- Wollte nun 
•Wr Jmmi MMitiWa, m teyen die letvteii 'fbeilo itiermuttei^ 
Hob Mandelt, nod der Beqw^geber habe im Grnode Uoe die 

• Bolle .de$ Corrector« übemomineii , so wurde er sehr 4rren. Et 
ist fielltielir feef keine Seite ohne wcrihvolle Bemerkungen und 
Nachweilnagtfh geblieben, und die. Nnmen buttmanit, Mderlein, 
ISaHhiii, Heindorf, Sfalding^ 8chSts, Bothe, Ltodemane , Beiei% 
Weber, Kritz, Gor^nz, Passow, Bceml, Herzog, Orclli, Ranii» 
horrr, B6tticher, und vieler Ändern, io wie einer Menge Klterer *. 
PhtMogen (Burmann, Einesti, Buhnken, Schwarz, I)ral<cnborcb| 
Corte, Da visio«, Reiz, Gesner, Heyne, Buddimann, und Andere) 
begef^hen dero Bliche in den cipgehlammet icn Zusätzen (Iherall ; 
eine Menge Wörter ist aus den n^aaufgefundencn Htassihcrn und 

.IdSöhrlf^ eingeschaltet, eine Menge Citatc neu od-er herichlipt, 
ttnd dSe Correctur tnit grofser Sorgfalt gehandhabt , wenn ^loh 

Mob fgsMk bier mvl de efai Y^nltoh fiüdet, wie Famitecto fQr 
Forlenetlo, Locenii. lur Locan. and dcrgl. 

,DaU die Zugaben 2aih Forcellini, z. 'ß. die scblechtlateini- 
•eben oder nnlateiniichen WSrter, die sontt in die Lexika eafge» 
nommen 'warest daa alpbabetitebe Verseiohnife der lateioiscben 
Sehriftsleller and ihrer Werhe (mit vielen Verbesserungen und 
Zusätzen), das chronologische VerzeichniPs derselben nach den 
Zeitaltern, die Vorreden, besonders die gekehrte Abhandlung von 
Cajetan. Cognolati, die Tteles Wirblige aus Inschriften beib(ingfc 
mMd erörtert, nicht fehlen, yersteht sich wohl von selbst. 

Un4 iö wollen wir denn dieses fast 700 Bogen Sterke Werk«-' 
welches jetzt eine Zeit lang für den Pr<?is von Hl hin. zu haben 
iit, denjenigen aufs Neue empfehlen, welche den gan'zei^i Umfang 
4let ronrisciren Sprachgebrauchs, so weit er his jetzt lexikalisch 
ermittelt ist, entweder als Sprachforscher oder als Herausgeher 
von alten SchrifUtellern, in den Kreis und Bei*eich ihrer Studien • 
zu ziehen haben. Denn hat man auch den Gesner sehen l*hefauiiie 
i>der den Robert Stephaniscben ron Birrius, so Winj eine ÜMh 
tage VergMihi^g genügen, wie vielt handert Arüfael ForeeNfii 
mehr giebt Wir habeB nor von «po bis zotn Schlosse des U ^V) 
nachgesihlt , ond bei Bob. Stephanus 20, bei Gesner 18 Artikel 
irefmifst ; der Behandlung der in allen drei Werl.en befindlichen 
■ Artikel nicht zu gedenken. Dafs man {ibrigcns hier weder die 
systematische und philosophische und geschichtliche Atiordnung 
dei> Bedeutungen, wie bei Freund, noch die unsystemntische 
Bequemlichkeit des Gesner'schen Thesaurus, <ler die Epitheta, 
oder überhaupt die Wörter (Substantiva , Adjectiva, Verba) , die 
mit jedem "Wort verbunden vorkommen, alphabetisch gereiht bei 
den einzelnen Artikeln mitgiebt, — dafs man beides hiei nicht 
^auchen darf, wird man, auch ohne da(6 wir e& susdrüchiicb nach« 
weisen, von selbst er^warten. 

Ulm. . G, IL Mater. 

• • > 



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BBLLBTA18TISCHU UTKRATUB. 

Gedichte von Hugo Hagendorff. Mit einer 5Su9ikb€ilag9 V9n An- 
dolph Gern lein. Berlin, Stfihr* 



Die PersSnlicbheit dieses Sängers ist ans den vorliegenden 
Gedichten nicht mil derselben Sicherheit ermitteln , wie z. B. 
uns Ilr. Ferrand die seinige in so viel anspruchlosen Jugendliedern 
ohne Schminke und Aflektation darlegt. Mehrere Lieder des 
Hrn. IlagendQrff tragen allerdings das Gepräge einer nicht ange- 
lernten EmpGndungs- und Anschauungsweise , ^ ohne sich jedoch 
auf eine bedeutende Stufe der Poesie ' zu erheben. Darunter 
Bahlen wir das artige Lieddien »Wontcfa« 8. 89, deittB Schlpla 

tdoch krifliger seyn kdnnte; das hSbscbe Gemfilde »dieHSble« 
6a, das Oed »der.Iiebetstern« 8. 195. und da» leiste Ge- 
dicht »das Testament,« in welebem der arme Singer sidi nicht 
entachlie(een liann, aeine Leier auf einen andern Tererben so 
lauen. 

. toll in rharon*8 NadMtt 
Auch ich dereinst hinein, 
. Ski leget mir sar Seite ^ * . 

IHe tnne Leier hmIb. 

Und nelne Erben mftgen 

Bekommen, waa ich sang. « 
Oft unter ichlechtcn Klängen 
lat aucifein gater Klang. 

Schlecht sind die meisten Klänge seiner Leier nicht*, aber 
häufig einer Leier abgeborgt, die man leider die alte Leier 
zu nennen pflegt; denn dazu ist bereits eine Manier geworden, 
die einst als der bizarre Ausdruck einer seltenen Persönlichkeit 
überrascht hat und an dieser noch immer gefällt, weil sie dort 
ein Ausilufs dichterischer Schopfungskraf^ war, die sich auch 
noch in anderen als in jenen gewaltsamen Dissonanzen zeigte, 
aie ab^r, Ton fremder Lippe jiacbgehallt, allmäblig uncrträ^ich 
wbrd. Einige Proben, die anf*8 Geradewohl dem Meinen Bn^ 
ee t nommen auid, m5gen beweisen 1 dalSi Beferent nicht ao bert 
«theilt 

S. 7. hebt ein Lied an : 



Der Wind Nchliif^ hoch die Wellen, 
Das Schiff orseufzte drqm, 
yJMk aber^aari anmutbig 
Und sehlörrte Tbee mit Rnm. 



S. 54. geht der Dichter im blassen Mondenschein am '— Gal- 
gen vorüber, wo die armen Sünder den »schaoerlicben Beiben 
sangen.« 

,,Wn« willtt dn unter den Todten f 
Rief ein Gespenst mir M, 
„Stör' doch nicht unser Vergnfinen, 
Und lafa uns hübsch in Buh f" 



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BcUeUitUiche Literatur. . •* ^101 

Ihr Herren, wm mtmm Ikr Mkb^ ' 
Sprach Bähncklnppernd mein MllM« 
Wenn Ihr also spektakelt 
In mitternichiUchor Stund' u. w. 

Aber Alles ist nur ein Traam und_ die Pointe dieses » ITKn- 

Sens« besteht darin, dafs sich Herr |2ugo »ohne weiten^ an 
en Hals seiner Geliebten »hängt.« 

& 64» leton wir: 

Grorte AMembl^ war liente» 
Am Tkeetiach anfaMi wir. 

8. 98: 

„Willkommen, lieber BfSdirl 
Ruft mir ein Fremder sa» 
. Uad eine Dame flötet 1 
GMUMBt Voos pertfi to« f - 

,,£h bien ! beginnt die Oame» 
Ich bin die kleine Marie, 
. "^^'Die Sie ■© oft i^etchBakeU 
AU Kind auf Ihniaa Kaie.*' 

Bei Gott ich kenne die BaMaB» 
Seh' ich aie an genau — 
Da« Kind and der Quartaner, 
' Bind werden — r Hann and na« ! 

Es wird genug seyn. Besseres, als Ton den Liedern iionoen 
'wir Ton den Romanzen des Verfs. sagen, die zwar aucb Ton 
jenem absichtlich nachlässigen Tone, der oar das Geqie kleidet, 
iiidit firei , dpcli tfel weniger »anlmrt tiod , all jene. Nament- 
lich seielinen aioli dorcb Kraft ond Emst die Romansen foa 
livdvig dem Eisernen aus (S. 149—^157.). Das Beste in der 
Saniininng ist jedennoch ein Lied, 'dem nur am Schlüsse der 
rechte Aosklang fehlt. Es heifst .Yaterlandsgrufs und stellt die 
Gefühle als getrennt einander gegenüber, die jetzt ofvohl in man- 
cher Junglii^brttsti bald friedlich bald feindlich | zusammen« 
wohnen. • • . " * 

Am Ufer dee Flasaea •afiea 
-Zwei Männer, an Jahren alt, 
. Geblaicht die epdrlichen Locken, 
GebaB|(t die tiala'ge Geelalt* ^ 

ller Blae fing an an tprecken 

Ton ihrer Jugendzeit, , 
^ Von fernen Tagen, von feraer 

Entichwundncr Seligkeit; 

Von aeiner JugcndgoUeblen, 
^ . Vea eelacr Manneskraft» 

Und wie der Wechsel dar Jakra 
Dia Alles dakhiiMIt 

Ihm flössen dabei die Zähren. 



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BtOttrivtUcllc UlmUir. 

' Oiqr Antfr* levfkl», mit Hti» 
Hielt «r dl« Thrnnen zurück t ' 
,\ Veri^cblich Ut Dein SchiMO 
Nach antrem Juf^nd^liirk. 

„Wut 8olIcn die citela Kiii|pa 
Um Liebe und Lebenslust? 
Es keimen gar BDilr« Wunsche 
la dier bektedieftan Bro»! 

Und näher rückt er dem Andern 
Und drückt ihm clühend die 11 and; 
„leb denke mit Wehmutb iuimer 
Am mter Vaterland !** 



^Dieses Lied ist wärmer und wahrer, aU alles Andre, was 
uns der Verf. mitgelheiit hat; es erregt Hoffnungen ?on seiner 
Muse. 



D9§ Sekweisers /llpenhorn. Gedichte von Karl Sttifs^^, Si.Quttm 
UH^ üem. Hubtr und Coa^ lU «. *l. 8. 

DI« Sammliinf^ ettthätt Gemischte lAcder^ Winterlieder, BaU. 
laden und Romanzen« Vaterlinduche Gedichte and einen Nach- 
trag. Sie sind anderswo schon sehr streng aber nicht ungerecht 
beurtheilt worden , und es InTst sich aufser der chrenwerlhen Ge- 
sinnung allerdings zu ihrem a'slhetischen Lobe wenig sagen. Doch 
Tcrdienen einige Lieder vor den 'andern Aasxetdiyrtliig. Wir heben 
daa l&leine Gedicht: An einen Dichterling, nus: 



Ich will dich nicht henei 
Dar« du ein Haus gemacht« 
tJtod unter vielMi Leiden 
-.Bs ie III Sliad gebracht. 

ÜQ hattet viel gu(ragca 
Aua weiter FcrQc her ; 
Du mnfstest lang dich filaga»; . ' 
Die Steine sind gar schwer. 

JcCKt steht* da« Hafts rorade 
Da, wie ein SchlöfNfihen blank ; 
Oocb lat ea ~ Jarameraeliade«!-«- 
Ton keiaav Seala liveMial. » • « - 

Dies Lied ist niebc dme Seele und dfeee bat sich hier eiir 
besseres Haus gebaut, 8|s in, rieten andei^n Liedern des Yerfs., 
die nicht eben seelenlos, aber * nicht allznfein gesimniert sind. 
Auch genSgt es bei einem Gedichte noch nicht, dafs eine Seele 
darin wohnt $ es muft auch "einen Geist haben. 



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Der FertehoUene. ISachfafs tntt Italien in swei 09tiligm, Scrttl«- Im 
Cammitnom bei MittUr. im. 137 S. kl. H. 

V 

Ein Vorwort des Verfs.,^ Georg Grafen Blankensee, 
Ml ooa, daft dies Gedicht während der Aliwe a enhett des Heraus« 
gmiert Tom Droclione., schon IrulMr M Breslau unter dem Titel 
»der W andrerer« et^schienen sej. Mannigfache freandliche 
Würdigung in kritischen Blattern stellte das Fiedvlrfnirs angemes» 
senerer Ausstattung und Form heraus. In solcher läfst der Dichter 
dasselbe jetzt erscheinen. Es enthnlt in sehr losem poetischen 
Gewand Betrachtangen und Schilderungen aus jenem getobten 
Lande, die thcilweise recht anziehend sind, aber klarer und ein* 
dringlicher ausgefallen wfiren. wenn es der Verf. mit der Form 
Strenger genoffimen bitte. Diese efnfSrinigeii, Irochlischefi Tier« 
stocke, die der Dichter nach gänslicher WülbSlir bald t-eiot, 
bsid Hiebt reimt , ericbeioen swar gl fir Aog^ und Ohr sebr be«^ 
mmk^ sind ei aber beneswegss lÜr den Gedanken, der sich ««i' 
jffn breiten Bette sa lange reckt . nnd dehnt, bis er sich aus** . 
nnht. Wir wählen zur Probe auf gut Gluck eines der vielen 
Gemälde , die das Gedicht enthält Es ist die Schilderung Nea- 

Eels (S. 69.)! aof welches der dichtende Wanderer einen Scbeide- 
lick wirft: , ^ 

Jetzt xiinlck noch schwoirt der Blick 
Von des Srliiffea holietn Borde 
Bq 4em neuen Syfcariii, 
Stadt Toll achimpierndcV Paliate« - 
Ueberragt von hoher Vote« 
Pie dea.Glansea Unternebnen 
'Freier Kraft Geföhl and Regan, 
Wie du« Elend aoll bevAhmcn, — ' 
IjelMNPagt ven prächtigen Villen, 
ScblSasera, Gärten, lanb'geB HSIfcen^ — 

Wo dee Norman» (a) tapfrer Getat 
|a der Sinnlichkeit Gelüatea, 
In dea Nich tath im (h) Frömmolai 
Bchmachentartet und entgliedert ^ 
Ua* in Mord nnd Abfall widert, 
ÜebereäH aiii Klöetern , Thurmen, 
* ' Lichten Spitsen, f^oldig^ glanxond, 

IJod der Nacht der üntak omben, — 
«adt Mit YolMMlabaBB Galten, 
0e Jle Wandatoden liaMni faiaeni 

• . . Du T^fedo, Santa iMMla,- 

Mcrvelitna, üherfnllct 
Mit den ghicklicheo Geaellen, 
• Üic xor ehn«n Erde haoaen, 

s Fröhlich karge Riaaen afeliitMiinn, 
Nkhfa «la ai<;h ihr ci^rn nrnnciV^ 
%Vaa. gaimülh'ge Ueiaen .gmin«n , ' 
Hirar spottend oft^ varacbwel^a,. 
Und, wie aie der Muae frölMany ^ 
Dee EHreil^ea Mähe hAhneri; 

Du vor allen, königlicher * 
Gnrtcn mit kryatallntn Strahlen, 

Taoitend aui gratfitnen Schalen , ' ' " 



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204 - fiolkUklUcJie LiienUar. 

Schaltcneängen, Gluth sa mildtm, 
Mit der GAtier Meistorbildcrn« 
In der Blumen farb'jrcni Schmelze, 
■ Knotpcn, Bläthen, Wandelttcrnen , 
Die oa schmucn (|?) und ergötsen, 
' ' Während DfiTte mit den Tönen ^■ 

Oca Gewühles Luai vecschoaea. a. •. w. 

Lebt denn wohl ihr holden RHdcr, » 
DaftTerteliwImmend , aoott Terglimmaiid ! — — 

. Et ist achade, daCi ao .rtel Anichanuog und Gefühl sich In 
•o ungelenke Sprache und verschwommene Darstellung verliert, 
'sumaL da es dem Verf. keineswegs an der Fähigkeit , sich deut. 
IhÄ so machen, gemangelt 2U haben scheint, sondern er recht 
eigentlich das Opfer der gewählten metrischen Unlorm gewor* 
den ist» ' . ' ' 



Om&i9 mti Pmnfkra$em otes tfsr heUtgm QudMi§ iVsasn 7)ett«aM«ls 
«ft AmmMtmugm. Fon Jf. BHtrau9r, Predifftr dtr wamgtXktkm 
Gm^imde J, und H, Confution ua jBrdtz, Er$t9r Tk§U* Ordtm» M 
J. J. XimnieJi ISSft. gr. ^ FI tmd S. . 

^ Diese Schrift beswecht nur Erbannng, und ihr gereimter 

Test, der im ersten Theii die nentestamentfiohen Geschichten ?on 
der Messiashoffnung und der Geburt Johannis an his snr Aafer- 
weckung Ton Jairus T6chterlein und nur Heilung der swei Blin* 
den in zwei und fünfzig Darstellungen enthält, und von gelehrten 
und sehr zwecUmäTsig ausgewählten Anmerkungen unterstutzt 
wird, macht, wenn wir das bescheidene Vorwoit hören ,^ keine 
poetischen Ansprüche, v Die vorliegenden Gemälde und Para- 
phrasen,« sagt der Hr. Verf., v haben keine andere Absicht, als 

.einen Beitrag zu liefern, dafs die IJebe und Hochachtung ge^en 
die Urknnden unserer heiligen Religion nicht erkalte , dafs viel- 

" mehr so Manche « die die wbel nsch vollendeter Confimiationsseit 
nor als ein Schulbuch betrachten , mit dem sie sic]i bereits ab- 
gefunden haben f in dem Büchlein eine Veranlassung la'nden, der 

, Aufforderung ihres grofsen Meisters nachzohommen , und fleifsig 
zu forschen in der Schrift, damit sie erkennen, welch eine reiche 
Fülle göttlicher Weisheit, die sie gering achten und deren Segen 
sie sich selbst su rauben in Gefahr ^ind, in ihr enthalten ist.« 

Aufrichtig gesprochen, glauben wir nieht, dafs eine .IJnft* 
Schreibung der biblischen Kraftworte, und wenn sie auch weit 
poetischer wäre, als die wohlgemeinte Reimchronik des Verfs. 
einladender scyn könnte, als die unmittelbare Sprache des heili- 
gen Geistes selbst, wie er in der Schrift und durch dieselbe 
redet und wirkt. Welche Paraphrase kann z. ß. die göttliche 
Bergpredigt Jesu lichter und anschaulfcher machen ? Unser Verf. 
imit mit der seinigen sieben und dreifsig Grofsoktavseitcn. Was. 
wurd ein Confirmirter leichter Versncht sejrn wieder su lesen , 
den Matthias oder diese seine ümsehreibuog. Hier ebie Prob^ 
eos derselben (S. t4e*) : • 



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MltlrMitdl« LttMlvr. W 

* Wicdcriitn dn« Volk belchnnil apricbi 
£rn«t und mild der Herr : « 

„O wohnet nicht 
" . Heine Abaicht tcy, für ewig zu orkIarc|i, 

Was ciirh Moficfi und Prophcteo lallHs«. 
Zu zer«tören kam ich nicht; 
Zu Tollenden nur und zu crfüllea 
Dct GetelscB Lch r' und WilleB, 
- Ist mir grorHC heiTgo Pflicht. 
£rd* und Himmel werdeo eh* im Sturm verwehet, 
Eh* ein Pnnktehen am Oeeets «ergchel- 
Wn« von Gott und Pflicht euch Musea lalirl. 
Ewiglich niM Wahrheit sirli brwiihrt. 
Frevelt ihr auch nur an ■einem kleinaten Theil, 
O eo aehmilert aelbat Ihr eurer Seele Heü 
Die von diesen wahrliaft göttliehea ChsaelVM, . 
Auch da« Vnbcdcutindiitc verlrtzen, ~ 
ÜVerden in de« Himmelreich« Verein 
Wahrlieb nor iie allerblelDaten tjn ! 
Die nur, welche de« Ge«etze« Siticnlebren, 
Wie durch Rede, ho durch Thtit und L/elica ehren} 
Und mit ihrem Lichte zum Vullkommncrcn , 
Wie*a ibr Geiat aie beifWt, immer weiter gehn^ ^ 
Würden zu der höhern (leistcr Lelu n 
In dem Himracl reiche herrlich «ich erbeben 1 

Solche Paraphrasen können allerdings w tofern zur beiligea 
Schrift zuruchführen , als sie eine grofse Sehnsucht erregen,' dat 
lautre, unumschriebene Wort Gottes unmittelbar zu vernehmen. 
In dieser Beziehung; greift l\ci. mit wahrer Begeisterung nach 
einer andern Schriit, welche einen ähnlichen Zweck hat und 
einen frischen 'IVunk aus der hiromlischeD Lebeosquelld seibat 
verspricht. Es sind dies die 

Ptrlen der heiligen Schrift. Eine tägliche Quelle christlicher Rt» 
bauung. Mit K. //'. Privilcgio. St^tgort» Vtirlag von G* id9^ 
Kbing. 18G&. Xlf^ und 322 S. ». ^ 

Ein schlichtes Spruchbach, aber mit Sinn and Takt ange- 
legt, and zu einer Einleilurif» in das Bihelstudium wie zu eineni 
Buckblick auf dassellie gleich geeignet; allen Christen deutscher 
Zonge gewidmet. »In einer Zeit,c< sagt der ungenannte Heraus- 
geber im Vorwort, iJ^vie die unsrige, die eine ungewöhnliche 
Bewegung der Geister ankündigt, und wo eine vielleicht allza- 
freigeoi&e Literatur durch Sammlungen , Auszüge und Blumen- 
Icten ftlkr Art in die Weite greift, wird, es erlaobt sejf^, sich 
aach in 'der Elihe ooisasehen, und ans dem bbAiwralea viid iif>* 
TcrvrelMioliifen Sobntse der Chritteoheir, aut dem geofienbarten, 
gAliebea Wort, einen Heil der Perlen anfenpelmien , die in 
ihm zu Tage liegen: — Perlen der Bibel, beiner beaondern 
Gonfetsion, beiner Parlbeifarbe , keiner kirchlichen Satzung, son- 
dern der {Quelle entnommen, die allen Zeiten, jedem Alter und 
Geschlecht zugänglich, anveränderlich lauter und heilsam zur 
Gesundheit fuhrt. Bei so manchem Reichthum, der arm läfst, 
bei so mancher Gabe, die eine Last wird — hier in der Ucppjjj- 
beit £iütclier Ileiouogeoi dort io dei* Yerwirroog blofser Begi 



riffc, 



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in den mühezoUen Kä'mpren einer Welt überhaupt, die so weni^ 
Haltbares bietet — wer forschte nicht nach Licht, nach Trost, 
da, HO Beides nicht verweigert wird in dem Evangelium — 
um so mehr jetzt, wo eine geistreiche Feindseligkeit, mit Ge- 
schmack und scheinbarer Sicherbait ^T^rlMiode», den Fels der 
Kirebe Cbrisli %u untergraben, o^er eioa plaMi|ie FrivoliUt ^ 
B^ilige zu feniareinigen suobl?« 

Da das kleine Buch weder eine« dogroat it eb e a «ocb einen 
apologetitcbeo Zweck bat, ao darf man tieb niobl Terwiindeni, 
daff es kein System von Bibelwabrbeiten entbilt und grorseatheila 
nur solcbe Sprüche aufgenommen sind, die entwedei; lur tiA 
alläio einen LeltttatB bilden, oder iri ihrer Vereinzelung Wenig* 
stena nocb,- immer verständlich sind, auch ohne dafs der Zosam« 
ittenbane, in welchem die Schrift sie giebt, zu Bathe gezogen 
2a werden braucht. Es ist der Hern von Worten, auf welche 
der Ausspruch Christi angewendet werden kann : ich bin nicht 
gekommen, das Gesetz aufzulösen , sondern zu erfüllen. Gröfsere 
Beweisstelleo und geschichtliche Abschnitte \%ar^n schon durch 
dea Raum ausgeschlossen ; aber dennoch beschränkt sich das 
iileioe Buch nicht auf die im Alten und ^icuen Testament ent- 
haltene Vernunftmoral ; es umgeht die positiven Lehren des Chri« 
iteotbomi^ und aowebl die messiaoisclien Weisaagungen , als die 
Ldire Toa der^ubema(urUehen Gebart Jesu, ton seiner /^ufertte- 
bnng« die Labre von -der Erlösung der Reehifertigung dnrcb de« ^ 
Gfaubau Ii» a. w. sind durch charakteristische Bibelstcllen hervoc^ 
geboben oder doch zum mindesten angedeutet. Hein Buch des . 
Alten und des Neuen Testaments ist ganz ubergangen ; dafs sclbal * 
die didaUtischen Apohtypha des ersteren benutzt sind, läTst ver« 
tnuthen, dafs die Samitriung von einem I^aien herrührt. Manche 
Bucher konnten freilich der Anlage der Schrift nach nur eine 
kleine Ausbeute von "Gnomen und Sprüchen liefern, denn des 
Herausgebers Hauptaugenmerk mufste immerhin die christliche 
Sittenlehre bleiben. Ea scheint den Sammler hierbei das richtige 
Gefubi geleitet zu haben, dafs in unsrer Zeit der Zugang x^ 
den paaitifen Lebren des Christenthums durch sie gesucht wafw 
dio mitSkv wd mebt rnngekekrt. Wer eimnal die erkaboe Voval 
JaMf und sein out deraeibeu ideatificirtes Lebe« mit Deb8rie»> 
gttng kennea gelernt balt dem wird es geradezu unmSglicb Hf^ 
zar Hiowegraumang historischer und dogmatischer ocbwierig- 
keilea jeu Erklärnngsmitteln seine Zuflucht zu nehmen, dofob 
wakb« 4im Labre und das Leben Jesu- in sittlicher Besiab^ftg 
Mlf irgend eiae Weise verdächtigt oder gefährdet werde. 

Den Anhang und Beschlofii der Schrill fassen zwei schlichte, 
idmstliche Gedichte ein,, wovon das Schlufslied einen alterthümli* 
eben Anstrich hat und seinem Hauptinhalte nach schwerlich neu 
ist. Das Buch ist schon ausgestattet und wobüeii, SO da(a ta 
fieb sum aligemaioalen Gebraucii« empiiehit. 

0, S ehw aö. . 



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-IIÖMISCKB LITERilTVB. 

tfr«««tl Otuhii9 Bmenäatione» Orotianae t cmliet Pört§n»i atih- 
f90 fM^4$99 dueiae , quktu» aoltmnia tcholae prwincialU Porfrfifit 
jytfixmdr. MDCCCXXXy. memoriam avnivtrtariam {naugurationia »uire - 
ttttte ko» ( CXCil. annus facta« pie rvcotentis inditunt et ad vraiionc» 
•t rttitntioncs diaeiputorum auditndaa hivilant Hector et Cotltgiitm «rAofoe 
rtgia« Portensii. Sumbttrgi, typu C. A. Ktoffenbmekii' htOCCCXXf^. 
§10 S. in gt. 4. 

Wer sich io mnuaX näX Orosiut, ttneni früher «o fiel gew 
lesenen and daner aucli so viel(ar)) ahgescbrieLeiien Autor, näh«r 
beschäftigt hat, oder durch seine historischen Forschun^^en auf 

' denselben zurücl^gcwiesen worden ist, hat wohl bald zuri>enüf;e 
"vou der schlechten BeschaHenheit des vorhandenen Textes, auch 
in der besten Ausgabe, der Ilavercamp'scheu, sich überzeugt, 
und wird darum dem Hrn. Verl', gewifs Danh wissen, dals «tr die 
ihm durch dieses Programm dargebotene Oelegenhcifc benützte , 
«OS elfter zu ScholpforU' tefiodliclieD HandscliriA des Oioskut 
wetebe walirtclieliilieh um die Milte des zwSlAen Jabrliiiiidtrtt 
fOO'Erabeflüliert^ dem Abte des Benediblinerkloiteca B^u« f** 
welcbtm .4er Codex stammt, geschrieben worden« (ier eint Beibt 
ton besseren' Lesarten mitthcHt und damit weitere Verbasiemngen 

' Qhd Berichtijgungen des Textes verbindet, an die sich zugleicb 
manche schätzbare, den Sprachgebrauch dieser späteren Zeil, der 
Orosius angehört, und die Graramatih betreffende lienicrUungen 
anlinupfen. Denn bei dem grofsen Ansehen , in welchem Orosius 
bei den Schriftstellern des Mittelalters, zumal in dem ersten Ab» 
schnitte desselben steht, da diese ihm zunächst folgen, ihn zum 
Sftereo ausschreiben, fand sich der Veii'. und mit Becht, veran* 
lafst, auch auf diese zurückzugehen, und einen Otto von Frei* 
singen, Vlojceos fon BeatTafs« Pk^ecolph von Ltsieuy u« A. so 
Batbe zo ziehen ; und die von ihm mitgethenteo Proben zeiget 
' tlttrdingi , wie erspriestich ein solches verfahret dem Tcacte 
Vresen« ood welche Wichtigkeit die genannten SchriltsleUtTf %t 
oft ganze Stellen wortlieh aus Orosius entlehnt , für die Bit» 
duog des Textes bei Orosius haben* Ref. bittet in dieser HUh 
sieht auch Bariba Bemerkiioeen zu vertleicbeo in den Admrai* 

h\% Handschrift «elfaak^ aioa weither der Vtrt «wen Thml 
seiner Verbesseningcn nahm, wird auf^s Genai^ste bescbriebtft 

und' erscheint wirklich nicht werthios. Merkwürdig ist, dafs die 
- vieibespi'ochene und bestrittene Aufschi ift des Garfzen^ Hormesta 
Mundi , in derselben ganz iehlt. Sollte das Gleiche bei näherer 
Prüfung auch in andern llandsclu ilten angetroffen werden, sa 
liefse sich daraus eher ein Schlufs auf das späte Alter dieses, 
TOn fremden Händen dem Ganzen (das auch von spätem Schrift- 
ttelltro.det lUtttlaltert mit dem diesen gebräuchlichen Titel 
Chronica dlirt wird) beigtlilgtcn, vtrstSmmellen Titels au^en, 



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den iMTir am wenigsten mit ?on Colin (in Ersch und Grnber 
Encyclop. III, Bd. V. S. 5i3.) für ein Verderbnifs aus Orchestra 
erklären mochten : eine Behauptung;, deren Unpassendes schon eto 
Caspar Barth in den Adversariis XXXVI, 17. nachgewiesen, wo 
er zugleich lieber an eine Contraction aus Pauli Orosii omnes hi» 
storiae denkt ; gerade wie auch Hieron?inus einmal sein Chronicon 
ttnter dem Namen emnimoda küioHa anrShrt. Näher dem WorUaat 
OrwMU, liegt, allerdingt ito Deotaog «oe OrosU moasto mumM . 
Trübsal der Welt, wie ein neuerer GetchicbttforMiher Aber- 
^eetst« nSber noch als d^e von Scb5nem%f[in (BtbL bist litenPetr« 
. Latt. IL cap» V. p. 404«) ""4 Andern TevsQcnte Deatong aus Orbis 
miseria oder Or. jm ista i. e. Orosii mundi historia. Dafi in der 
Pariser Aasgabe ?on i5o6 die Aufschrift stehen soll: De miserim 
, hominum per peccatum ab initio , darauf wurde Ref. noch kein - 
besonderes Gewicht legen, da ihm dieselbe von neueren Händen 
gemacht jua sejo scheint, und keineswegs Yon Orosius selbst 
stammt. 

Endlich erlaubt sich noch Ref., zu dem, was der Verf. 8. 4 
und 5. über die Ton ihm benutzte^ in der Bibliothek zu Scbulpforte 
befindliche Ausgabe des Vincentius Bellovacensis bemerkt, einen 
kleinen Nachtrag nebst Berichtigung zu liefern. Derselbe bt näm- 
lich geneigt, diese Ausgabe (ohne Jahreszahl und Druckort) noch 
über die Menteliana von 1478 zii seteen und' ihr ein bSheres Alter 
. lusnscbreiben;- Würde derVerf beide Ausgaben, wie Ref., tot 
, sieb gehabt beben , so bitte er sieb durch den Augehscbein bald 
flberzeogen hdnnen, dafs diese Ausgabe in die Zeit nach der 
Menteliana von i473 gesetzt werden mufs. D^s zu Schulpforte 
befindliche Exemplar oesteht nach der Angabe des Verls, noch 
eus sieben (statt neun) Bänden, indem der zweite Thcil des 
Specttlum Historiale und das' ganze Doctrinale fehle. Die hiesige 
Unirersitätsbibliothek besitzt diese Ausgabe, die wir, wie bemerkt, 
unbedingt nach der Menteliana (von welcher ebenfalls ein schönes ' 
Exemplar hier vorhanden ist) setzen, vollständig, und zwar in 
zehn Bänden, indem nämlich das Speculum naturale drei Bände 
fSIll, während der Verf. in dem Exemplar zu Schulpforte nur. 
swei Bande nennt, die er genau beschreibt. Aber ^ben aus 
dieser Beschreibung sehen wir, dafs diese zwei Bfinde nicht der- 
selben Aussähe,'' wie die (Snf anderif, «ahgebSren« sondern ein 
.S|Mfterer Abdruck sind, yon den» Itben falls ein schSnes Ezempla«^ 
Mif welches gans die Tom Verf. segebene Beschreibung pafst, 
. auf ^er hiesigen Univcrsi tätsbibliotbek sieb befindet. Hält man 
diesen Abdruck des Speculum naturale^ gegen den der andern 
Ausgabe in drei Bonden, so erkennt man leicht das höhere Atter 
des letzteren Druckes in drei Bänden , der aber, neben die 
teliana Yon i473 gehalten , doch später als diese erscheint. 

jChr. Bähr. 



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JAUBBÜCHEA D£B LIT£BATUB. 



Schriften 

äe9 HenogM nm Suuex, auf den Titel, die WMen und Beekie 

einee Prinzen de» Hause» Hannover. 

lU) Von den UioderoiMeo , 
welche 

der ReehttifttltlgkeU der Bbe 

Sn K. H. des Herzogs von Sussex mit Lady Augusta Murray 

ungeblidi enfgegeutehen ; 

• ins besondere 

S ' von di^r dem Herzoge zur Abschliefsun^ dieser Elie 
%ichl eriheilten vitterliehen £iiiwiUiguDg. . 



Der Rechtsguitigbeit der in Frage stehenden Ehe stand , naifti 
der Behauptung derer, welche die Ansprüche des Sir Augustus 
d^Este betlreiten, das Hindernifs, ( d a s impedimentam matrimo* 
mi,) entf;egen, daft die £be ohne Zustimmong des. 
1i5niglicheD Vatefs desQerasogs ab'geschlotsen warde. 
Bemders jffuf diesen Grand stutaen tich die Gegner jener An* 
fpHMie. fir iftrd Torzngsweise oder allein filr nnenchfitterlich ' 
geMten. Einer desto sorgfaltigeren Prüfung wird er 'in der TOIV ' 
liegenden Abhandlung zu unterwerfen seyn. 

Ich gedenhe übrigens nicht eines andern Rhehindernisses, 
waldiet bei' der in Frage atebendefi Ehe vielleicht in Betrachtung 



aZ) Ein Ehehioderoirs ist ein Grund, aus welchem eine Ehe, ob sie 
webl fakliech mdglich oder gegeben Jet, dennoch entweder 
aaUeehthia eder bedlngongeweiae widerreehllleh. Art. In dem 
Ba^ib diaea EhebiDdemiaaea^witd alae die ]6be, ala eine That- 

\ aaehe eder nla ein /tacfam, Terauageaetat' (Diea.gelegeBllicb rar 
' BaatfaManna «Im Begrilb »'dar vea aiehrerea fcbriflatallefn fblaeh 
aufgefarft wird ) — la dem ?pf%aa'AbaebBllla war de Ibele» hier 
iai de Jare dia Bede. 

mX.Jafcit. t.Hefl. .14 



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SM * SdiriftcD nber^ifo AMiprücke AsgiuU f Este Mmi d«li TiUK, 

lioinmen kannte,'— dafs der Herzog von Sussex, er ^fih 
Terheiratbele, noch nicht das 2iste Jahr seines Alters zuruckg!9> 
legt hatte. Denn theils ist die Misderjabrißkeit, (welche meii 
nicht mit der Dninundigbcit Terwechseln darf,) fSr steh überall 
nicht ein gesetit liebes EbehiDdernifs, theila war der PHns, 
ala er sich Terheirathet«! nach dem Rechte aeinea Haoaea, aller* 
dings volljährig. ") 

Die Vei ihi'idiger der Ansprüche des Sir Auguslus d*Este 
behaupten nun i) dafs der Herzog von Sassex in der Eigen- 
acbalt, in welcher er in der vorliegenden Rechtssache allein zu be« 
trachten ist, d. i. ala ein Prinz des Haasea Hannover auch ohne 
Zaatimmnng seiner Eltern eine gallige Ehe abachliefim 
honnle. Sie behaupten a) da(b aaeh unter der entgegengesetzten 
Voraussetzung die in Frage stehende Ehe fBr rechtsgültig zn 
erachten seyn würde, da sie von dem V'ater des Herzogs, als 
Churfursten von Hannover, niemals für ungültig erklärt oder 
überhaupt angefochten worden ist. Jetzt die Gründe | auf wei^ 
eben die eine und die andere Behauptung beruht* 

i) Der Herzog von Susscx war in der gedachten Eigen- 
' Schaft befugt, sich auch ohne die Zustimmung 
seiner Eitern zu verheirathen. 

Die Rechte , welche bei der Reortheilang der Gültigheit der 
in Frage stehenden Ehe — in Beziehung auf die ihr abgehende, 
elterliche Einwilligung — möglicher Weise in Betrachtung ge- 
sogen werden können, sind das römische Recht, , das hano- 
nische Aecbt« das einheimische deutsche gemeine Rechte 
das so genannte protestabtiache Elherecht. (Ich gedeohe 
nicht auch des englisohen Rechts, tVir sind in Deotacbland unä 
nicht in England.)- 

Nach dem römischen Rechte können Rinder^ welche unter 
der väterlichen Gewalt stehn , nicht ohne die Einwilligung ihres 
Valers eine gültige Ehe eingehn. Rein Zweifel also f dafs die 
in Frage stehende Ehe, da der Herzog von Snssez zur Abschlies- 
aoDg derselben nicht die räterlicfae EtnwiUigQng erhalteo halte. 



88) Vgl. das „Gntacfatea** 8.n. — Auch Ilerr Blehham fegt (S. 106.) 
■nr dictfea ElieMBdemiri kein Qawiclit. 

84) 1^ 2. 9. D. de ritu niiptiarum. Vgl. Glück' t Erläuteraag der Pan- 
dekten. TbeU XXUI. S. 29.- 



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nach dem romischen Rechte eine ungültige Ehe war, oder^ in 
der Hunstsprache, dtfs ihr nach diesem Hechte ein wpedimenton 
Mtrimontt äirimeni entgegenstand. Denn der Herzog von Sosses 
Stand dattalf, als er sich rerbeirsüislef onslreitig noch oiiter 
dtr Gewali seines Vaters. — Aber, so gewifi aoeli das rSmiseh« 
Becbt in der Regel eine Quelle des gemeinen deolschen. Beoblei 
ist, so leidet doch diese Regel anter Anderem bei der Frage 
eine Ausnahme, ob die Gültigkeit einer Ehe von der Zustim- 
mung des Vaters des einen oder des andern Ehegatten abhänge. 
Denn, was diese Frage bctriflt, hatte in Deutschland nie das 
rdflMSCbe, sondern nur das kanonische Recht, welche diese Frage 
«ndeft, als das rdmiscbe Recht, entscheidet, G^setseskraft* £• 
auig sejQ, .dafs das rtaiscbe Beebt, lo so lern es der Tatsrii* 
eben Gewalt die oben gedacbte Aosdebnuog giebt , dem InteresM 
der deotseben Fürstenbfinier gans besonders entspricht» **) Aber 
das ist kein Grund, von der Regel abzuweichen, nach welcher 
das kanonische Recht dem römischen, in den F'nilen eines unter 
ihnen eintretenden Widerspruchs, vorgeht. Das ist eben so wenig 
ein Grund , anzunehmen, dafs man in den deutschen protestan« 
tischen Fürstenhäusern die Gültigkeit einer Ehe in Deziehang 
euf die vSterUcbe Einwilligung nacb dem rSmiscben Recbte an 
bonrtbeilenllabe. VVeAn aucb die deotsebeifprotestantiscbeo Beicbs* 
^stände erklärt betten, dalk sie in dieser Lebre das baAeniscbe fiocbt 
mifsbilligten, so lag doch \n dieser ErltlSrung nicht schon ihrem 
Weesen nacb, (nicht schon ipso jure,) eine BekröTligung oder 
Wiederherstellung des gesetzlichen Ansehns des römischen Rechts« 
Htersu hätte es einer zweiten ausdrücklichen Erklärung bedurfl^ 
An dieser fehlt es aber. (Wir werden onten sehen, dafs Hers 
Kidiboni gleichwohl eine Erklärung dieses Inhalts oacbweiseo sa 
Ubneo glaubt.) 

Vorausgesetzt, dafs man die in Frage stehende Ehe nach 
dem kanonischen Rechte^ d. i. noch dem Rechte der katholi- 
schen Kirche beurtbeilen konnte oder wollte, so würde ihre GuU 
tigkcit in Besiebong auf die der Ehe abgehende räterlicbe Eiü* 
irHligung- g^gen einen jeden Zweifel gestcbert sejn. Denn bo» 
benntlicb sollen sieb nacb diesein Becbte die Kinder awar niebt 
ebne die Einwilligung 'oder gegen den Willen der Eltern rer- 
bebwtben $ ebe KI«go aber auf Vernicbtang der Ebe versagt 



U) Wie Harr Mobl 8. ISl. bemerkt. 

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212 Schriften über die Aotpruche Aoguara Ton Este auf dea Tital, 

dieses Recht den Eltern, wenn sich die Kinder gleichwobl, ohne 
jene PfHcht zu beobachten, verehelicht haben. Deßciens con* 
sensus parentum ex jure canönico noo est impedimentuid matri* 
inonü dtrimenff, sed hoc impedimentam est impediens tantam. **) 
Gerade diese Vorschrift des kanonfschen Bedhts wnriSe ?Qn deo 
Reforinatoreii anf^efoclttmi* 

Was man gewohnh'ch das gemeine deutsche Privat- 
recht nennt, ist zwar eine juristische Wissenschaft und 
ein dem deutschen Juristen unentbehrlicher Theil der Rechts« 
Wissenschaft, aber nicht ein Recht, d.i. dieses so genannte ge* 
meine deutsche Privatrecht enthält zwar Rechtsgroodsatsej 
— dio GruDdsat2e, anf welchen die Gesetze der eioxelneii de^l- 
•cben Lander und PfOTtnsen beruhen, (SmndsStse, welche «ot 
diesen Gesetzen und aus deren geschichtlichen Quellen abgeleitet;!« 
cur wissens'chaftHohen Auslegung und Ergänzung derselben 
Gesetze benutzt werden honnen und zu benutzen sind, — nicht 
aber, (wenn auch mit einigen Ausnahmen,) Gesetze, d.i. nicht 
Vorschriften, welche schlechthin und unabhfingig von den Landes« 
und Ortsgesetzen , (also absolut und nicht blos hypothetisch,) zur 
Entscheidung einzeber Rechtsfalle angewendet werden kdnnten. 
Dasselbe g.ilt auch ?on der Wissenschaft, welche man daa 
deutsch« PriTatRirstenrecht su nennen pflegt. Sie ist ebaDfalla,^ 
abgesehn Ton einigen wenigen in ihr Gebiet einschtagenden reicba»' 
gesetzlichen Vorschriften, weiter nichts, als der wissenschaftliche 
Schlüssel zu den llausgesetzen oder Familienstatuten der einzelnen 
deutschen Furslengeschlechler. Ich weifs zwar wohl, dafs man 
diese ^Behauptungen für sehr gewagt, ja für hetzerisch erklären 
wird. (Und ich mufs mich diesem Tadel aussetsen, da eine volU 
•tändige Begrfindang dieser Behauptni^gen hier nicht an ihrar 
Stelle tejrn wSrde, Tielmabr eine eigene Abhandluiig erforderia.) 
Aber« wenn Gesets und Herkommen (consuetndo) überhaupt .die 
ainsigen Quellen des positiven Rechtes sind, wie lälst sich wohl 
ein gemeines deutsches Privatrecht oder ein gemeines deotschei 
Frivatfürstenrecht aus diesen Quellen ableiten? Namentlich schwei- 
gen die Reichsgesetze von der elterlichen Einwilligung zur Ver- 



86) In diesem Satze stimmt das Cohciliniu Tridentinum (Scss. 24. de 
rcrnrm. matr. cap« 1.) mit dem früheren Rechte der katholischen 
Kirche, — mit dem, welches zur Zeit der Reformation ia Kraft 
, war , — tberela. c. ^ X. de lapl. e. IS. lEt de tpoosal» e. f. X. 
de-condit appos. 



^üü Ly Google 



HEffdlm «ai lUclito ümm Fnameu dM Umim« Humw SU 

1« 



faeirathung der Kinder gänzlich. Auf ein aUgemeioM deutsches 
Gewohnheitsrechl aber kSnnle nur derjenige bei dlitem Ehebia* 
dtniisse wiallen, welcher towobl mit der Lehre von dem Be» 
mäm Gewobnb^recbU «U mit dem Zttiammeabange an* 
bcluiiml w8r€, in weiebem jenes Ehebindemift in Deotscbbmd 
■Mt der Vertcbiedenheit ' der cbristlicben Glanbenebebenolnisse 
Siebt. Stellt man übrigens die Frage so : V^on welchen Grund- 
sStsen gehen die deutschen Landes- und Orts^eset/.e, und eben 
,BO die Hausgesetze der deutschen F'ürstengeschlechter in der 
Lehre von der eiterlichen Gewalt aus ? « und nur jb o gestellt 
gehört die Frage in das Gebiet der Wissenschatten, welche man 
des gemeine (einheimische) dcatsche Privatrecht vnd das df^ntscbe 
Mretförslenreobt nennt, — se bann die Ajitwort auf diese Frag» 
nur m Gunsten der in F/'age stehenden Ehe ausfallen. Nach 
dem einheimisch deutschen Rechte war 'die väterliche Gewalt von* 
jeher nur eine Vormundschaft, (oder, nach einem jetzt sehr be- 
liebten Ausdrucke, nur ein Mundium,) also wesentlich verschie- 
den von jener patria potestas des römischen Hechts, welche ihren 
n^eprunglichcn Charakter, den eines Eigenihumsiechts, nie gans 
Mg%i9» Wie honnte man aber krait dieser blos Vormund* 
•diafllioben Gewalt einem Vater .das Recht suschreiben, den Hin- 
dern Einwilligung zu ihrer Verbeiratbung scblecbthm su ver- 
tagen oder oine von den Kindern ohne seine Einwilligung einge- 
gangene Ehe schon deswegen als nichtig anzufechten?* 

Von allen den Hechtsquellen, welche bei der Beurtheiiuag 
dee vorliei^enden Recbisfalles in. Betrachtung kommen konnten, 
(s. 8. Aio.) Ut jetst noch eine einsigjo- übrig» — dae so ge- 
nannte gemeine deiitsche protestantische Ehereekt. 

Indem ich jetzt zur Prüfung der Ansprüche des Sir Augustes • 
d'F^te in Beziehung auf diese Rechts (|u eile fortfl;che, 
will ich, um den Ijcser nicht zu ermüden, nicht das wieder- 
liolen oder^beoutsen, was ich oben über die Nicbtexistenz eines 
gemeinen deutschen protestantischen Eherechts gesagt habe. Ich 
will vielmehr, in Besiehnng auf das in Frage itebende Eliebin- 



Zl) Ich kann raicli wegen dieses Satztg auf kt intn besKcrii Gcwäfir«- 
mann, als auf Herrn Eichhorn selbst, beriiffiv. Die Srliriften, 
in welclifn er diesen Satz aufstellt und hrp^niiulct, hat ir Ki^lÜHt in 
der Abhandlung über die KUx: dvM II(M7.u^k \oi) Sukmcx S. 95. aii- 
gefäbrl. ä. auch MittermatGr's Grundiütze do« gemvinen^cul- 
■chea l'rifairecbU §..314. ' ' ^ 

- Digitizedb]/ 



Zi4 Schriften liber Aie Anapräche Aagiui's von EmU auf den TUfll, 



dernifs, (jedoch nur, um jene Ansprüche gegen dieses Ehehin- 
derDÜs deato entscheidender zu vertheidigen,) zugestehn oder 
TOraustetseo , dafs es ein solches Recht gebe and dafs die £lie 
des Heraogs von Siissez mit Lad/ Augasta Monray nach diesM 
Bechte so beiirlheüeii sey. .Mtl aadern Worten, ich will io'Be^ 
siehang auf die vertilgende Uatersochong anaehinen, dafe die 
Lehre dkr lettieriscben oder, was dasselbe ist, (da beide 
Kirchen, die lutherische und die reformirte, hier mit einander 
übereinstimmen,) dafs die Lehre der deutschen protestan- 
tischen Kirche zugleich das Gesetz sey, nach welchem die 
UeahtsgSItiglieit der in Frage stehenden Ehe zu beartheilen aej. 

leb will noch weiter gehn ond ennebmen , dafs' die flecbtt. 
goltigkeit dieser Ebe sehlecfatbin oder^ unbedingt von ihrer 

IJebcrcinstimmung mit der Glaubenslehre (oder Dogmatil*) der 
protestantischen Kirche abhänge. Ich will also nicht den Unter- 
schied bsruchsichligen , der zwischen den moralischen oder 
religiösen und den rechtlichen neding'jngen der Gültigheit 
einer Ehe eintritt, so of^ und so nachdfücknch auch dieser Un- 
tersebied von den Beformfetoren , und namentlich von Ijother, **) 
geltend gemacht wurde. Nor so . viel will ich mir bei diesen Za« 
gestandnissen' aushalten, dafs man snr PrSfbng des in Frage ste- 
henden Ehehindernisses nicht das . Vornrtheit mitbringe, als ob 
eine ohne Einwilligung der Eltern eingegangene Klie schon in 
dieser ihrer Eigenschaft, d. i. schon deswegen ungültig seyn 
müsse, weil sie mit Verletzung der einem Kinde gegen seine Ei- 
tern obliegenden Pflichten eingegangen worden ist. Allerdings 
gehören tlie Kindespflichten zu den heiligsten Pflichten der Moml 
und Bdigioni und Ich würde der Letste sejn, welcher die Hei« 
Itgbeit .dieser Pflichten angriffe^ Aber indem üeb das Kind ver-^ 
lifSrathet, fibemimmt es sogleich Pflichten gegen dritte Personen. 
Hann sich das Kind von der Erfüllung dieser Pflichten los^ähieo, 
weil die llandiung unmoralisch war, durch welche diese Pflichten 
begründet worder sind ? oder siiul die Ansprüche dritter Per- 
sonen deswegen weniger gültig, weil sie aus einer unmoralischen 
liandlung des VerpÜichtetep entstanden dnd ? So steht der Fall ! 

Diesem allen nach ist die Frage « ob die Ehe, welche ein 
lUiid ohne Einwilligung seiner EUtem abgeschlossen hat, dem ge- 



M) 8. «• B. LttthMB Werke in der a. Ausgehe. Th. X. 8. VBÜ 818 
m. 888. 



üiyiii^ca by 



iMmeo deolachen prote^Untitoh«» Eber^cht« oapb eine gültig 
Sbe Mf« eine rein Ibeologitche Frage, eine Frage der prpr 
tettanlitclien Dogmatill. (Gans so stellte ticb'aodi ^ine 
andere und ähnliche Frage, welche oben S. i3. aurgeworfeo und 
beantwortet worden ist.) '* 

Di|9 Antwort aof diese' Frage ist zuydrderst aua ^ep AffpiTtjli 
mngen so entiebnaii, welcbe in den Sebrillen 4|fr Bioilbrmatorev 
~ In den Sebriften Lntbert und Melancblbonf — über 4m Pbf- 
liindemiA der nur Abic|ilieraiing einfr Ebe nicht ertbeiNen .elter- 
lieben Einwilligang Yorhoninien. Mari hann diese Aeufserungen 
auf vier Hauptsätze zuruchfubren. (Ich werde jedoch nur den 
Tiertcn und letzten Satz ausführlicher begründen , da dieser Satz 
TorzQgsweisc in die vorliegende RecbUiache eingreiji. W^ei| 
der übrigen Sätze wird es genügen , wenn ich roich auf die 
ßdiffiften XiOtbers im Allgemeinen berufe. Vgl. oben S. i49#) 

1) -E1tern beben das Reeht, ibre HInder an der Ab- 

schliefsung einer Ehe zu verhindern. ( Dcficiens con- 
sensus parentum est iiu|)e<)ifiuMitum niatriiiioiiii impcdiens.) — In 
diesem Satze stimmten die Ueformatoren mit der hatholischen 
Kirche- uberein. Sie machten dieser Uii-che uberbaiipt nur den 
Vorwurf 4 dafs sie die eiterlicbe Gewalt in Beziebeng anf die Ebe 
der Kinder niebt weit genug attsgedebnt babe. 

2) Die Eltern sind jedoch nicht unbedingt be- 
rechtiget, eine Ehe zu verhindern, welche ihr Hind 
eihzugchn beal)sichtigct. Ihr Widerspruch ist vielmehr 
nur in so fern zu berücksichtigen, als er avti einem genügen- 
den (ron dem^ Wohle der Kinder zu entfehoenden) Grunde 
beruht In dem entgegengesetnten Falle, wenn alao die Eltern 
ans Eigensinn oder ans einem nicht zu billigenden Grunde der 
Ton dem Binde beabsichtigten Heir^tb widersprechen, kann ihre 
Einwilligung von der höropetenten Beh5rde ergänzt (supplirt) 
werden. — Oa die heilige Schrift Neuen Testamentes den Kin* 
dern nor in allgemeinen Ausdrücken gebietet, dafs sie ihre Eltern 
ehren und ihnen gehorchen sollen , ohne der Pflicht, sich tiitlit 
ohne die Einwilligung der Eltern zu v.erehelichtn, namentlich zu 
gedenken , '*) so wurden die Reformatoren der ' moralischen 



il^) Eine ili-ulierung des Herrn tii« Ilhorn in der oflanß:cfiihrtcu Srlirilt 
S. 5^. könnte tiein Irrthuuiu «erUilrn, als ob im Nfiii-n '1 t>8ta- 
m^nie 4«e Kiadef« diese J:*Aicjlit a.ut()xuckiicb auftrlcgi würile. 



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SI6 Schriften aber die Aatprüche AogaetV ?ob £ile aui des Titel, 

Grundlage der elterlichen Gewalt vergessen haben , wenn sie jenes 
Recht der Eltern nicht von der gedachten Bedingung abhängig 
gemdcht hatten. 

3) Die Eltern sind berechtiget, eine^Ehe, welche 
^at Kind ohne ihre EitiwilKgang , heimlich abge- 
schlössen hat, als nichtig anzufechten. Dagegen steht 
ihnen dieses Hecht nicht zu, vielmehr ist ihre Klage 
versäumt , wenn die Ehe zwar ohne ihre EinwiUi* 
gung, aber Sffentrich abgeschlossen worden ist«' 
(Deficiens consensae |>arentum ist also, nach der Lehre der la* 
theriscben Bircbe« nur bedingiings- oder besiehongsweite 
•in impedimentam dirimeni,) — Jedoch erhlSren sieh die Refoi^ 
natoren nicht eben so bestimmt Aber die Frage, oh in diesem 
Satze unter einer Ehe nur' das' matrimoninm nndo s. solo consenta 
initum, oder aber auch eine Ehe zu vcrstehn se?, welche zwar im 
Angesichte der Hit che, jedoch nicht mit der OefPentlichkeit ein- 
gegangen worden ist, dafs die Eltern aufgefordert gewesen wären^ 
gegen die Ueirath Einsprache zu thun. Zu Folge seines Grundes^ 
(es ratione praecepti) ist der Sats allerdings auf Fülle der lets» 
teren Art aossodeliften, ' Auf der endem Seite ist nicht so fiher« 
lehn, da& die Reformatoren anfangs geschwankt sa haben achei* 
nen, ob sie die Lehre der hatholisehen Kirche rou der Ehe, ala 
einem Sakramente, (mit welcher 'die Lehre derselben Kirche von 
dem vorliegenden Ehehindernisse in einem wesentlichen Zusam- 
menhange steht,) beibehalten oder ob sie diese Lehre verwerfen 
sollten , dafs sie wenigstens auf die kirchliche oder priester» 
liehe Einsegnung schon für sich ein grofses Gewicht legten» 

4) Wenn sich das Kind nach hßimlichf ohne oder 
gegen den Willen der Elterny yerheirathet hat, so 



Herr Eichhorn «ftgt : „Anch dat römische Recht (1^?) fordert Ja« 
* - wie die christliche Moral, dafs die Kinder die Einwilligung bei- 
der Eltern suchen sollen.*' Und er bezieht sich , wegen dieser 
Forderung der christlichen Moral, auf Epliea. III, 20. VI, 1—3. 
Allein die crsterc Stelle handelt mit keinem If^orte 
von d«n Früchten der Kinder gegen ihre Eltern; in 
der lotsteren Steile aber arniahat der Apoatel die 
Kiadejr nnr las ^iig§m0imßn, den Eiters geherann an 
•eya f. 

4U) Apulogia A. C. „Si quis luatrimoniam volet aacramentum vocare, 
disi eroare tarnen a priertbna Olb (a baptlaaM etc.) debet, qnaa 
propria sunt sIgna N. T. etf annt teatimoala giathie et peccetenMi«*' 



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die IH^en ond Rechte eine« Prtoaeii des Ueueee IIuiBover. Iii 

lionnen diese dennoch die Ehe nicht in dem Falle als 
nichtig anfechten, da die Ehe physisch vollzogen 
iforden ist, am allerwenigaten aber dann, wenn in 
der Ehe Kinder erzeugt worden sind. *') — Sowohl 
littlber all Melanchthpn erklären lieh ßu£ des Eotaebiedeoile Ii3r. 
diese Aosnebme ?on der im 3ten Setie* eiifjsestelltea Begel ; sie 
bdieiiplen, ood gewils mit galem Grande, deft men, oeeli deo 
Vofsdirifteih der cbristliohen Moral, in einem Kolli st ob ef alle 
dieser Art die Ehe aufrecht zu erhalten habe. »Auch wo es so 
ferne kommt,« sagt Luther unter Anderem, vdafs die Kinder 
über das Gelübde heimlich ein Leib worden sind, ist's billig,' 
dafs man sie zusammenlasse, und väterliche Gewalt die Hand 
abthqe. Wie wohl ein Gesetz Mosis Gott anch in solchem Fall . 
das Kind dem Vater Torhehielt, wie/ 9 Mos, m, 16. 17» lö. ste- 
het 1 VFenn eine Piroe hetohiaTee wird von Jemand, so soll er 
ak begaben und sor Ehe behahen ; will aber der Vater nicht, so 
•oll er die Morgengabe aosricbten a. s. w. Aber stt der Zeit lag 
nicht viel an der Jungfrauschaft. Weil aber bei unserer Zeit 
ein grofser Ekel ist, eine verrückte zu nehmen, und gleich 
£wp eine hohe Schande gerechnet wird, dafs also das andere Tbeil 
dieses Gesetzes', von väterlicher Gewalt über die verruckte Jung- 
Iraa, demselben Kinde gefahrlich und schädlich ist, so bleibt 
*byiig das erste Hieil, dafs sie der behalte, der sie geschwächt 
]iatt€ Eben so erklärt sich Melanchthoo in seiner Abhandlong 
de eonjugio. **) ,»Vetusta jura pöttolant consensum parentna in 
sponsalibus, ut, cum -noo accedit ooiisenans parentam, concedant 
etiam ante commixtionem rescindi desponsationes. Nec longiorem 
dispatationem addo, cum constet in ecclesiis harum regionum 
aervari, ut coosensus parentum requiratur et desponsationes judi- 
coatar irritae refragantibus parenUbos* Sed ad biücium jiidicam • 



' 41) Vgl. sa dem letzteren Satze : I. 22. C. de nuptiis. Nov. 117. cap. 4« 
in fin. c. 12. X. qoi filii aiai legitimi. O. L. Bdhmeri priae. |« 
. CBD. $. 842. ' « 

41) S. Dcaaen Schriften nach^ der oben a. Aungabe Tb« X. S« 8M« In 
andern Stellen drilclit eich Lnther noch eUrfcer ana. 

'41) d.i. «eine pnolla vitiat«. So aogt dio altdeotMhe Volkoapfafthe von 
einer Wittwo, die alch wiedervorbeirathet« — aio habe Ihren Will- 
veeaita venicht. 

* 44) AhgUnAt in- Dessen Öpp. Witteah. Ififl* ^oh P. 1. - • 



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t 

. S18 ^chriflen über die Aof prüch« Augati'« too Elte «af dta Titel» 

pertioet considerare, ubi parentes probibilem caoum htbeaati* 

' ubi non sit probabilis causa. Scienduin et hoc est, post concu- 
bUum non posse rcsci/uU conjugia auctoritate parcnlum ; et fieret 
injuria desertae muUeri.^ Dieselben Ansichten findet man audi 
in den Schriften der spätaren und der jetzt lebeodeo proteatan* 
iMOheft GoUMgelebrten. . - . . ^ 

Ztebt Aan bei der Torliegeadea Frage ferner dtejenigea . 

Brlilaningen zu Rathe , welche von den deutschen protestanti. 
sehen neichsständen in dem Jahrhunderte der Reformation über 
die Lehre and das Recht der protestantischen Kirche erlassen 
«ardeo, so stimmt die einzige Steile dieser Erhiärungen, weicbe 
in jene Frage eiatcblägt, mit der Lehre der Reformatoren auf • 
' ilaa Vollkommentte iSberem. leb babe diese Stelle sebon .obea 
(8* i4s.) bei einer andern* ^rage wSrtlicb angeföbrt Was dort « 
▼on dieser Stelle in einer andern Besiebong gesagt worde, da& 
* sie nor eine Wiederbolnng der Lebre der Heformatoren eadiafte, 
gilt Ton ihr auch in Beziehung auf die vorliegende Frage. Ich 
werde jedoch auf diese Stelle weiter unten zuruckkQmmen und 
sie dann aa$fubrlicher in Betrachtung ziebn. " , 

Endlich, die Becbtslebrer sind Ober die Torli^jgende Frage 
allerdings getheilter Meinung Jedocb, wenn ^ man, enivä gt, 
daPs nur Wenige unter ihnen alle die besondcccn Falle oder Aaf* * 
gaben berachsichtigen , welche unter der allgemeinen Frage von 
dem Ehehindernisse der ermangelnden vaterlichen Einwilligung 
begriffen sind, .so ist der Zwiespalt unter ihnen nicht so grofs, 
als er auf ^en ersten Blick zu scyn scheint, d. i» so lassen sieb • 
die Meinangen dieser Scbriftsteller fast insgesamt mit der in dem 
Obigen autetnandergefetzten Lebre der protestantiscben Kirehe 
vereinigen. Auf jeden Fall ist die I«ehre dieser Mircbe der eln^ 
zige Prfifstein für fene Meinungen. — Es wurde micb viel zu 
weit fuhren, ich mufstc ein Buch schreiben , wenn ich die Mei- 
nungen aller dieser Schriftsteller aufzählen und beui theilen wollte. 
Doeb darf icb die beiden SchriitsteUer nicht mit StilUchweigen 



49) 8* r, AninioD iii der a. Scb. S. 136. ^ • 

ig) In doa gcbfillen. Aber die Aneprdelie iee Sir Aagaatae d'EaU iadtl 
maii eiae gruTae Aniahl juristiecher Schriftsteller, die eicb über 
diese Frage' erkl&rt babcn, angefubn. Viele Citate deraelben Art 
giobi aneb GlAck In seiaBn' ErfaaCeniage« der Paadebiea. Tb. 
XXIU. 8. 2» ff. iaa besoadei« a 49. 99. 



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M IQMm Mi Btdbte tlM PriMW littNM Bmmv^^ III 

ttergdiDi apf dmn^ AedQmnmgBii Herr EteUioni. bei der foiv 
L'egendea Frage euhom so gruHwres Gewicht legt, da tieli diese 

Aeufserungetf antnitfelbar auf die Ehe in den deutschen pro* 
teatantischcQ Fürstenhäusern beziehn. Diese Schriltsteirer sind 
Moser und Putter. Der Erstere erklärt sich (in seinem 
Familienstaatsrechte Th. II. 3. 7. vgl. Eichhorn S. 52.) dahiof 
»dafs sich ein der Aogshurgischcn Confession und, unter deren 
Sehiita des Beiigions- und des Westphälischen Friedens .^eoies» 
•ender Reicbsstandi in Geifissena* folglich auch in Ehe- 
sachen , nach dem zu richten und richten.su lassen haben , waf 
«MT Zeit des geschlossenen Reltgions« and Westphiltschen FHe* 
dens, denen allgemeinen Lehrsätzen der Augsbnrgischcn Con- 
' fessions verwandten , (denn singulare und extravagante Hupfe und 
Meinungen hat es allezeit gegeben,) gemafs gewesen ist ; und dafs 
dei' Kaiser qua cus^os et ejbecutor legum publicarum , die lUtho* 
tischen aber, qaaCpmpaciscentes, deshalb ein jus perfectum haben.« 
Der Letster^ bemerkt^ (in seinen primis lineis juris prirati 
princ 67. fgL Eichborn 8.5i«) dafs Fragen des Eherecfits, 
-welcbe das Ebeband betrefiren« bei den E?angeliseben blos nach 
der heiL Schrift und den symbolischen Bfiohern so beurthetlen sind, 
leb unterwerfe mich diesen Auliforilälen. Aber, in dem Obigen 
ist ja gerade angenommen oder vorausgesetzt worden, dals man 
die Lehre der priotcstantischen Kirche als die Norm zu betrachten 
habe, nach, welcher die Rechtsgiiltigkeit der Ehe des Herzogs 
Ton Sussex mit Lady Augusta Murray — in Beziehung auf die 
elterliche Einwilligong — so beorthcileo sej. Ich fiige nur noch 
eine einzige Anhtoritüt binso, — die eines SchrillstellerSt den 
Hoser -geirlfli nicht zu den »singularen und extravaganten KSpfenc 
rechnen wurde, eines Mannes, -für welchen Herr Eichhorn ge- 
Vifs von derselben Pietät, wie fiir Putter, eroriHen seyn >vird. 
»Ob consensum in matrimonium a parcntibus injuste dcnegatum,« 
sagt G. L. Böhmer^ (in seinen principiis j. can. §. 869. 370.) 
»liberit jus est, in judicio -ecclcsiastico * conquerendi, idque de' 
eonsenso' parentoni supplendo implorandi; — Qaodst s)M>nsalibns 
«ne eonsenso parentom celebratis, (vel matrimonio clandestinoi 
vgl. $. 35b. ^o6.) accessit coneohitus , et ritiata ac sed'octa ad 
iBOosiMmmandufn aiiArimontom agit ; caosa redtt ad eonfliclnni 
foris pnrenfura et juris vitiatae, in qua, quoad ea de re jure 
particulari nihil cautum est , hajus jus potius habetur ob laesio- 
nem et s&tbfactionemi non nisi honesto matrimonio praestan- 
danu' ^ Sin rite^ •conaumaiaU sunt benodictione sacecdotaÜ« (si 



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M BehriJlea ober die Antprädie Aagntt'« tob £«le aaf dM Til«l , 

Vel corara parocho alieno vel absque proclamatione, vgl. §. 356.) 
tobsittit matrimonium inter contrahente«, nee paren^ibui jim 
cbminiiDi jus dator ad iUad aonollaodiiiii agondLc 

Wendet man ndii diese GrnndsStse der protestantiselieii 

Dogroatik oder des protestantischen Eberechts auf die hier in 
Frage stehende Ehe an, so ist die RechtsgülligUeit dieser Ehe, 
auch wenn man die Ehe des Herzogs von Sussex mit Lady Aa* 
gusta Marray schlechthin als eine heimliche Ehe betrachten will, 
nioht zweifelhaft Es iftod in dieser Ehe ein Sohn vnd eine 
Tochter erzengt worden« Der Sohn, Sir Augostot d'Bit», Ter. 
theidiget in der vorJiegenden Sache düe Rechte dieser Ehe. Wen 
auch wegen dieser Ehe ein Yorworf treffe, Er ist frei Ton einer 
jeden Schuld. 

2) Würe aoch der Herzog von Snsscx nidit befugt ge- 
wesen, sich ohne die Znstimmang seiner 'filtern in 

verheirathcn , so kann doch deshalb die Ehe, die er 
mit Lady Augusta Muiray eingegangen ist, in Bezie- 
• hung auf das Ronigreich Hannover jetzt nicht weiter 

angelociiteo werden. Denn die Eltern sind mit Tode 
. abgegangen, ohne dafs sie diese Ehe in der lo eben 
erwShntdn Beziehnng angefochten hätten. 

Bei diesem Argumente fiir die Ansprüche des Sir Augustus 
d*Este — welches übrigens ?on den Gegnern dieser Ansprüche 
ebenfalls bestritten wird , — wird, zweierlei Tofansgeaetzt ; ^ 
erstens, daCi zwischen dem Herzoge Ton Sossez nnd der (ladf 
Aognsta, Harray eine, #bgesebn von der elterlichen Einwillignogt 
gültige Ehe abgeschlossen worden war; nnd zweitens, daft 
diese Ehe, wegen der ihr abgehenden elterlichen Einwilligung, 
nicht schon von Rechtswegen und ohne dafs eine besondere 
rechtsUräftige Ei hliirung hinzukam , als nicht geschlossen be- 
tracliict werden luimile. Die erstcre dieser Voraussetzungen 
ist oben begründet worden. Es ist gezeigt wbrden, dafsu diese 



47) S. Eichhorn § 37 --40. Mohl S. 124 fT. Wenn ich den ernteren 
SchriftKtelier recht vci stehe, — denn es ist hier nicht so leicht, 
ihm zu folgen, — 8o giebt er jedoch das vorliegende Argument 
am Ende (S. 119.) zu und behauptet nur, dafM ch keines annulatO'' 
rischcn ErkeontnisHcs bedurft habe, um der in Frage stehenden 
Ehe ihre Kraft ood Wirlmaiukeit in Haaaaver sa entziehn. (Dieee 
Behaaplang wlid weiter naten gcprAfI wetien.) 



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^ill1(jidw«iiBiifctefiwMH«teHM«ftBMovtr. m 

$ 

lahOD Icraf^ <lcr hMmn IMStMaatfamnong eine gültige Ekf 
wmti dtft ihr ^berdiet, alt einer physitch follzogeoen Ehe, ^le 
BgeiMdMift eiaer gültigen Ehe um so weniger bestritten werden 
könne. Von der letzteren Yorausselzuog wird gleich hei nach 
die üede sejrn. 

Des Argument enthült theiia eine Thettacbe;, — die Tiiet*, 
Sache, daßi die in Frage stehende Ehe niemals Ton deib Tale» 
des Hersogs fon Sossex in Besiehung anf das HSnigreioh Bau» 
Bcnrei* und in Beziehung auf das in Hannover regierende deutsche 

Fürstenbaus angefochten worden sey, — iheils eine rechtliche 
Folgerung, welche aus dieser Tbatsache abgeleitet wird. 

ZoTScderst Ton jener That Sache. — Es braucht hier nicht 
aof die FVage eingegangen so werden , ob es einer fSrroKohea 
gerichtliehen Rla|;e bedurft bitte ,oder ob eine amtliche Erblarong 
Sr. Majestät des Königs Georg II. hingereicht haben würde, der 

in Frage stehenden Ehe ihre Kraft und Wirksamkeit in Bezie« ' 
bung auf Hannover zu benehmen. Die Gegner der Ansprüche 
des Sir Augustus d'Cst haben nicht zu behaupten oder zu be- 
weisen vermocht, (und doch ruhte auf ihnen die Beweislast!) 
dafs diese Ehe in Hannover jemals auf die eine oder auf die an* ■ 
dere Weise iur nichtig erklärt worden sey* Sie berufien sich 
nor darauf, i) daib die* Ehe* des Hersogs Ton 8ossex mit Lad/ 
'Augusta4iarraj in Hannovef niemals als eine in Besiehnng anf 
das regierende Hans wirhsame Ehe anerhannt worden sej, (wobei 
sie selbst die Hülfe des bannSverischen Staatskalenders nicht ver- 
scbmä'bn,) und 2) dafs das in London vön dem geistlichen Ge- 
ricbtsbofe gesprochene Urtheil der Gültigkeit dieser Ehe auch iiv 
Hannover entgegengesetzt werden könne. 

Die erste Einwendneg ist in Ibcto Tollhonunen richtig. Eben 
de s wegen hat Sir Angastos d*Este fSr jetzt nur Ansprilche, 
weO die Ehe seiner Eltern bis jetzt noch nicht in Hannover 
anerhannt ist. Aber eine Einrede znr Entkräflung dieser An- 
sprüche kann hieraus nicht entlehnt werden. Oder man müfste 
einen Anspruch, der nicht verjährbar ist, — die Klage eines 
Sohnes anf das Anerkenntnifs seiner eheliohen Abstammung, 
für ferjihrbar halten. 

Wegen der sweiten- Einwendung besiehe ich mich sn?9r* 
derst aof das, was ich oben (S, 7.) über die Quellen angeführt 
babe, aus welchen die Entscheidung der vorliegenden Bechts- 
Mche ahzttloiten ist. 60 wenig die Gesetse Grorsbritanoiens in * 



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tu Schriliea üUer die Antpruche Aagu«!*« too EtU wf dm Titel, 



Hannover Terbindende Kraft haben, eben so wenig kann den 
Urtheilen der britischen Gerichtshofe, — der Anwendung jener 
Gesetze auf einzelne Fälle durch diese Gericbte, — in Bmnoter 
die Kraft Bechtens bfigelegt werden; Meli kann (dem Herrn- 
Eichhorn S. ii5.) zugeben, doft eine Ehe, welche* Jemand io 
dem Lande-, wo er sehen Wohnsits hat, (wo er aasschllefs« 
lieh ein suhditos perpetoos ist,) abgeschlossen hat, überall 
für ungültig zu erachten sey, Mcnn sie in diesem Wohnlande 
hraft Gesetzes oder zu Folge eines richterlichen Erl^enntnisses 
ungültig ist. Aber der Herzog von Sussex war sowohl in Han- 
nover ala in Grursbritannien ein Inländer. Man kann aus dem 
Verfahren, welches gegen die Ehe des Herzogs in Grofsbritan- 
nien eingeleitet wurde, allerdings den Schlnfs (die^ praesamtio 
facti) sieho, dafs der königliche Vater des Hersogs diese ^he 
in einer jeden Besiehung mifsbilligte. Aber auch die Vermo* 
tbung lälsX sich verthefdigcn , (und sie hat sogar eine praesamtio 
juris, d. i. das iur sich, dafs sie zu Gunsten der Ehe gereicht,) 
dafs Se. Majestät der Hunig die Ehe seines Sohnes in dem 
Lande bestehen lassen wollte, dessen Verfaisungsgesetze seiner 
Vaterliebe nicht Ziel und Mafs setzten. Uebrigens war in der 
Becbtssache, welche durch das mehrerwähnte Urtheil des geiat> 
lichea Gerichtshofes entschieden wurde, sogar der Gegen- 
stand des Streites ein anderer, als in der Torliegendeo Bechts» 
isdie. Jenes Urtheil erklärte' die Ehe des Herzogs iron Süsses 
snit Ladj Augusta Murraj in Beziehung aaf die in Bom und 
in London vollzogenen Trauungen für nichtig. In der vor- ' 
liegenden Rechtssache aber beruht die formelle Gültigkeit dieser 
Ehe hauptsächlich auf der blofsen Uebereinkunft der Partbeien 
und auf der physischen Vollziehung dieser UebereinkunfL 

Ich* komme jetzt zu der rechtlichen -Folgerung, welche 
•ich aus der bisher erörterten Thatsache ergieht. Wie man 
auch sonst über ' die Kraft und Wirksamkeit des in Frage ste* 
henden Ehehindemisses urtbeile, nur von den Eltern, nicht aber 
TOn einem Dritten, bann dieses Ehehindernifs geltend gemacht 
werden. Wenn daher die Ehern mit Tode abgegangen sind, 
ohne die Ehe, welche da*s Kind ohne oder gegen ihren Willen 
eingegangea hatte, anzufechten, so ist diese Ehe, was die elter- 
liche Einwilligung be^rifift, welche ihr abging, schlechthin gültig« 
Es ist alsdann anzunehmen , dafs die Eitern andern Sinnes' ge- 
wofdeo iiod| daß sie dem Kinde den Fehler ireniehea hskita»* 
Iis dtossB estecn stimmen lAla die Bedile mit eiasndsr M b ewh i^ 



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die >Vunte|i i&nd Bochte «ioea Prinzen de« Hvite« HannoTer. 

welche in der vorliegenden Rechtssache nur überhaupt .in De« 
tracbtang gezogen werden honnen, das rumische Recht, dat 
liABonisQbe üüd das so genannte pi otettantische Eberecht. Die* 

- ^eWeo ^tze ergeben sich anmittelbar aal dem Grunde des in 
Frag^ steh«iMien Ehehiadernissea, dkl. aut dem rechtlichen Weten 
der «Iterlicheo Gewalt. Diese Gewalt ist eiii tchleehthin per» 
iSoliches Recht j sie kann nicht auf Andere fibertragen werden |' 
sie geht nicht auf die Erhen tind Rechtsnachfolger der Ellerii 
über. Das blofse Stillschweigen ist zwar in d^r Regel weder 

■ Einwilligung noch Mifsbilligiing. In diesem Falle aber ist es als 
Einwilligung zu deuten, weil der Giiitiglteit einer Ehe eino^ 
BechtSTermutbung zur Seite steht, (lo dt^bio pro matrimonio.) 

Zar Erläotemng- ond Bestätigung dieses Resnitates noch ' 

Folgendes : Man gebraucht so oft den Ausdruck , dafs eine Ehe 
(oder ein anderes Rechtsgeschäft) ipso jure oder von Rechts- 
wegen nichtig sey, ohne mit diesem Ausdruckte immer einen ge- 
nugsam bestimmtem Begriff zu verbinden. Eine jede £be, wel* 
eher ein trennendes Ehehinderniis entgegensteht , ist in dem 
«Sinoe ipso jore nichtig, dafs sie, wenn sie für nichtig erlüÜrt 
wird, schlechthin nioht die rechtlichen Wirbongen einer Eha 
berrorbringt, gleich als ob sie niemals abgeschlossen worden wir«. 
Dagegen tst'in Deutschland keine E3ie, -d. i. heine Verbindnng, 
welche ihrer Form nach (quoad modum eontracti matrimonii) als ' 
eine Ehe zu betrachten ist, in dem Sinne ipso jure nichtig, dafs 
sie wegen eines ihr entgegenstehenden Hindernisses, ohne dafs et' 
• eines richterlichen Erkenntnisses bedürfte | als nicht geschlossen 
M betrachten wire» In Besiehaag a«f ^en TorNegicnden 



48) Km hier elnachUgenden Stellsn des ramlsch^ Reebta wsfiaa weiter 
miteB angefflHnrt werden. 

4») S. Glück '8 Erlüiitcning de r Pandekten. Bd. XXIII. S. 5«. — Uih- 
leln : Uvber das Recht, die Gültigkeit einer Ehe anzufechten, 
welcher ein trennende« Uindernira entgegentleht. §. 18. Die Abb. 
steht In deoi AroMve far die civllialiseiie Pfasit. Heraoag. von 
Linde ete^ im XITtea Bde. ( Ileidelb. 1881. 8.) 8. 88 ff. 

50) Der Satz des erstem Periodoti leidet bei dem matriinonio putativo 
eine Aainahme. — Bei der Anwendung des in dem letzteren Pe- 
rioden enthaltenen Satxet ist die Vorfrage die: Welche Verbin- 
dnag ict, M Folge in den Fall «inschlagenden Gesctee. Ihrer 
«enn aacb ala eine Ehe an hetanchten f 8.- den Ahscbnitf U. 



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BMbUfaU ifct ]»00oiidm der letztere Setz von W^slitigheit. , Er 
•tebt iii dem heutigen Europa mit dem gesamten Zoatande der 
bSrgerlicIien Geselltcbaft, pit der religiSsen und der politischen 

Bedeutung der Ehe in einem so genauen Zusammenhange, er 
hat überdies das Ansehn des l^anonischei) Rechts und das der 
protestantischen Dogmatik so entschieden für sich , dafs er so- 
wohl überhaupt als in der Torliegendeo Rechtssache in seiner 
gaozen Strenge in Anwendung zu bringen ist. — Ebea so leicht 
bann die Zweideutigkeit, welche in der Eintbeilong der Ebe^ 
biiideraiMe> io (SffeDtlicbo und PriTatbiodemisse liegt, zu 
einem Irrtbnme Terleiten. Das Ebebinderoifs der ermangelodea 
«Iteriicbeo Einwilligung ist zwar In d'em Sinne ein SffentKcbee, 
dafs es anf einem öffentlichen Interesse ^ auf einem Interesse des 
Staates und der Hirche, beruht, nicht aber in dem Sinne, dafs 
^s von einem Jeden geltend gemacht werden konnte' oder da(a 
es der.Bichter selbst Yon Amts wegen zu beachten hätte. 



91) & Q. L. BeeliaieTi principia jaria caa. S- Eicbliora'a 
SlrebaaMcht. Th. II. % 454. 458. — Die aagllMhea^Scbriflalaller» 
CBlackatoae ia 4. GannDaatariaa aa tha lawa af Baglaad. B. L 

Cb. 15. und Chitty in d. General Prarticc of Iba law. Vol. I. 
P. L p. 62.) — auch die G^actxe GrofsbriUuiniens — erklären sicli 
Aber diesen Satz nirlit ro bcRtimmt, als ku wünschen wäre. Waa 
Herr Eichhorn (S. 21.) über dienen Ge^rnntand ^n^t, dürfte 
^chon dadurch widerlegt werden, dafii die britische Hcgierunj^ ea 
für nothwendig erachtete, die Ehe de* Herzoge von SuMaa Ter 
dem kompetenten Gerichte für nichtig erklären xu laateo. 

M) Das Ehehlndornifi itt also seinera Grande nach aber nicht in Ba* 
siefanng auf die Verfolgung dcRselbcn ein öffientlicheii. Dieser Ua» 
taracbied ial voa Uerm Hohl (.S. III.) überaeben worden. - 

(Die Forttetsung folgt.) 



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N*. 15. ' HeiDBLBBRGBR 1836. 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 

Schriften über die Aiittprvche August'» von E»le auf den Titeij 
if^ Würden und Rechte eines PrmSten de» Hause» Uannorer. 

(Fort9et9ung.) 

. yVean nan, — anlangittd den forliegendea BechUlalJ| 
die Ehe de» Hersogt Ton Süsses und der Lady Angnsta liarraj 
lelMMi sa Folge des Ehe? ersprechens i welclies sie eioaader ge- 
lebtot' und« indem sie als Eheleute mit einander lebten, doreh 
die That bekräftiget hatten , als eine ihrer Form nach gültige 
Ehe unter diesen Partheien zu betrachten ist, — wenn diese Ehe 
Ton den Eltern des Herzogs von Sussex in Beziehung auf Haa- 
nover oder in Begehung auf das4o Hannover regierende deutsche 
Fuirstenhaus, niemals angefochten worden ist, — so folgt aut 
dem Obigen, dafs dieser Ehe, ancb foraosgesetxt, dafs die Eltom 
btreobliget waren, sie als nichtig ansafechten, jctst, mob^dom 
Tode der Eltern, weiter nicht das in Frage siehende Ehehin^ 
'dernifs entgegengehalten werden bann« tian kann noch weiter 
gehn und sogar behaupten , dafs diese Ehe überhaupt nicht und 
in keiner Beziehung von den Eltern des /Herzogs von Sussei, 
als solphen, jemals angefochten v%oiden sey. Das ofterwahnte 
Urthal des geistlichen Gerichtshofes in London erklarte diese, 
in GemäPsbeit der königlichen Heirat hs ah t e (12. George HL) 
fSr' nichtig. Diese Akte aber macht die Gültigkeit der Ehen 
der Prinzen des britischen HSnigsbaosea. nicht von der Znstiioh 
flsong der Bitern oder des ,Taters desjenigen Prinzen, igt 
•icb «a >erheirathen beabsichtiget, sondern allein Ton* der'Zo^ 
Itlmmnng des jeweiligen Königs ron Grofsbritannien 
abhängig. Das Ehchindernifs, von welchem diese Heirathsakte 
bandelt, y^at in Deutschland bis auf die neuesten Zeiten unbe- 
kannt. Es ist seinem Giunde und seinen Folgen nach ?oa 
ganz anderer Art, als das der einer Ehe abgehenden elterlichen* 
Einwillignng« 



&3) Erat in einigen der n,«uecten Statute deutscher Füratenhäuser, s. B. 
In dam kdn. haiariacben FamUieoatafute , kommt dieaea Ehehln- 
deraif a irer. 



XXIX. Jahrg. %. Heft. . . 1& 



SM» Sobriften über 4ie Aitpriiclie'Ai|g«il'9 roa £»te auf dea TM, ' 



Ich habe, iin^ die Aofinerltsamlieil des Lesers nicht zu rer- 
Streuen, in dem Obigen nicht zweier spccieiler Grunde gedacht, 
dvrch weiche Herr Eichhorn die Nichtigkeit der Ehe des Herzogs 
Ton Sossex mit iisdy 'Augnsta BfoiTaj, wegen der zu dieser Ehe 
Ton dem Tater des Henogs von Sussex nicht ertheilten Eiowil- 
ligung darzuthun versucht bat. 



Der erste Grund, den meo alt den eigentlichen Stuts- 
pmM des Angriffe! hetrachlen darf, welchen Herr Eiehhoro 
gegen die in Frage stehende E)ie in dieser tiUneicht gerichtet 
hat,»*) — lautet so: (8. 47. 49. 60. 63. 61.) 

1) Die Lehre der protestantischen Kirche ist allerdings die 
einzige Bechtsnorin, nach welcher, was die Ehen in den 
protestantischen deutschen Fürstenhäusern betriflt , die das 
Eheband (das vinculum matrimonit) hetrefienden Frageo 
SU entscheiden sind. . Aber diese Lehre reicht auch folU 

• Kommen hin, alle diese Fragen, und namentfich die Tor- 
Hegende, zu beantworten, besonders wenn man erwägt, 
dafs in den authentischen Erlilarungen der protestantischen 
Hirche über das Eheband zugleich auf das römische 
Recht »Bezug genooimen« wird*. , ' 

2) Die hieur ein«chlagenden authentischen Erhlimngen dieser 
, Hirche sind in den SchmalhaldisQhen Artikeln' vom Jeb^ 

i53e. enthaUen. 

3) In diesen Artikeln erklären die dentschcfi froteitsatischen 
Reichsstände unter Anderem : » 

»Item ist unrecht, dafs Insgemein alle Heirath, eo 
• heimKch und mit Betrug , ohne der Eltern Vorwissen 

. ^ und newiiligung geschehen, gelten und krüilig sejn 

sollen.« . ' ' ^ 

• »Nun wurde zur Zeit der Reformation, nach dem kano» 
nischen Bechte, die fehlende Einwilligung der EHcm nur 
lur ein aufschiebendes Ebehindemifs gehalten« Dieter Grund* 
latz wird hier ausdrücklich rertrorfema * 

4) Nun erklären aber die protestantischen Reichsstände weiter 
in denselben Artikeln und in den jener Stelle unmittelbar 
▼orausgebenden Worten: 

64) Mao wird ulir daher Tcrzcibn , wenn- ich bei dai^ Prüfung dissea 
QcuadM betottdeia lange Terweile. 



4to WM« IlMhIi «Im Pffilis« to HMiMt HtwMvw. Wt 

•Solche JomdUilioD, — die Jurisdiktion in deli Sa- 
dbes, waklie nach dem päbstlicheii Redü in das 
iotam ecoMaitioiini gekSrea, vna aonderKek die Ehe- 
aaeken atnd , — > haben «die BiaiMfh aoch nur ant 

mensclilicfier Ordnung an tieli hraelit ; die dennoch 
nicht sehr alt ist , wie man cx CotUcc und \ovelIi8 
Justiniani siehct, dafs die Ehesaclicfi da/uitjal f^ar von 
waltlicher Ohriglicit gehandelt sind , und ist »cltliche 
Obrigkeit schuldig, die Ehesachen zu richten| be- 
sondern, wo die Bischöfe unrecht richten f oder nach* 
Uisig sind, wie auch die csfnooes sengen. Darnm lit 
man auch, solcher \lurisdiblipn halber, den BiscbSfeil 
, heinen Gehorsam schuldig. Fnd dieweil sie etliche 
unbillige Satzungen gemacht und in Gerichten, die sie 
besitzen f brauchen, ist weltliche OberUeit auch dieser 
Ursach halb schuldig, solche Gericht anders zu be* 
■ stellen. Denn je das Verbot von der Ehe zw ischen 
GcTattem unrecht. ist, so ist auch difs unrecht, dafs,' 
wo swei geschieden werden , der unschuldige Theil 
nicht wiederum heirathen solU Item, dafs ingemefio^ 
etc. (Nun /folgt die schon oben angefihrte Sulle.) 

, »Es soll also, wie der pjanze Zusammenhang» der Stelle 
zeigt , das römische Hecht unmittelbar an die 
Stelle der bisberrgen Praxis treten, weiche die^ 
gebtlichen Gerichte eingeführt haben , in der Anwendung 
dordi Verweisung der Ehesachen an Gerichte, die fon der 
weMIchen' Obrigkeit besteNt Iverden, gesichert.« 

5) Nach dem römischen Rechte aber ist eine Jede Ehe nich- 
tig, welche ein Hind , das in der Taterlichcn Gewalt steht, 
ohne- die Eiowilligang seines Vaters eingegangen bat| und 
zwar io dem Sinne nichtig, dafs sie, ohne dafs es eines 
ndkterlicbeu Erkenntnisses bedurfte, als nicht eingegangeui 
als .uogSUig und hraflloa zu betrachten ist. »^ec Ttr, nee 
mor, nec uuptiae, nec malrimonium, nec.dos intelligitni^c 
• jct. pn h de jiuptü^ 

Mithin 

ist eafb die in .Frage stehende Ehe, da sie von dem Refü 
90ge im Sasaex,' als er tmtk der TalerliGlMfli Gewalt an* 
terworfen «rdl% und gleichwohl ohne die Einwilligung seinea 
. Vaters abgeschlossen worden ist, in demselben Sinne nichtig, 



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m SchriftM fiber üs AMpHra^ Angwl'i. von BMs wat 4m Titel» 

d. i. sie ist, als nicht abgeschlossen sui betrachten, ob sie 
woU von dem Vater des Uerxngs (in Besiebung aaf Hau- 
n'OTer) memalt angelockten worden ist oder wenn sie «Mb 
Ton dem Vater des Henogt niemalf angefochten worden 
seyn sollte. ^ 

Man sieht leicht, dafs, wenn ans diesem Baue, welchen sein 
BaMmeister mit so vieler Kunst oder ZoTcrsiohtlicbkeit anfgelubrt 
hitf auch nur ein Stein keransgerissen wird, der ganae Ban 
snsaMienfBlle. Jedoch anf diese Weise will ich den Einstors 

dieses Kunstbaues nicht zn hewerhstelligen snehen. Ich glaube 

vielmehr darthun zu kSnnen , dafs von allen den Vordersätzen , 
auf welchen der Schlufssatz , (die conclusio) beruht, auch nicht 
einer, — entweder an sich oder beziehungsweise d* i« oder als 
Qrund de^/ Schlufssatates, — haltbar sey. 

Denn : Zu i.) So lobens- oder bewundernswerth auch die 
Vorsicht ist, mit welcher Herr Eichhorn den Ausdruck : Sym- 
bolische Bücher der protestantischen Kircke, vermie. 
den hat, so beruht doch seine ganse Argumentation in letster 
Instanz darauf, daCi die Erklärungen, Welche die deutschen pro« 
tesiantischen Beiehsstande in dem Jahrhunderte der B^formation 
Aber die Lehre ihrer Rirche erliefsen, die Eigenachaft eines S/n»-' 
holes, d. i. einer ständigen Glaubensregel ffir die protestantische 
Kirche hatten und haben sollten. Aber, was wurde wohl Luther, 
der die Schaale seines Zorns so oft über die Juristen ausgofs, 
sagen, wenn er, dem Grabe erstanden, sähe, dafs diese Be- 
hauptung von dem Herrn Eichhorn — noch im igten Jahrhunderte 
— aufgestellt n^Cirde ? Enthalten denn die s* g. symbolischen Bücher 
der protestantischen Kirche etwas anders, als Erklärungen über 
die if einungen, zu weicken aick die Kircke sa der Zeit, da 
diese Erklärungen gesckakn, kekannte? katten oder lollteo 
sie irgend eine rerkin&nde Kraft für alle Zukunft haben? — . 
Jedoch es sey, dafs man den oben angeführten Erklärungen der 
protestantischen Reichsstänüe das Ansehn eines Syniboles beizu- 
legen habe, ist denn, was Ehesachen betrifft, Uein Unterschied 
^zwischen der Gewissens- und der Hechts frage zn machen? 
Selbst hiervon abgcsehn,' wie lautet die oßen (unter 4.) angeführte 
Stelle? Sie lautet so, dafs es der weltlichen Obrigkeit fiwj«^ 
stehe, über die Fragen, welche dann einxeln anfgettellt werden t 
Ordnung tn treffen. Dn will loh nun lur .Jetift noch n^ht fragen, 
ob und wie dseee Ordnung in der Yoriiegenden Bakhitng anf 



eine für die deutschen protestantischen F ürstenhäuser bindende 
W«iM getroffen worden lej. AUtemal halte, wie oben gezeigt 
worden ist, der Hersog von SuneXf kraft seiner Selbsttlüedigkeit 
w ElMfeehen, dee Redil,'8ieh too dieier Ordeong lotsuiahleii» 

Zu 2.) Herr Eichhorn drücUt sich nicht mit der ihm sonst 
eigenen Genaiiigheit aus, wenn er behauptet, dafs die Erldnrung, 
auf welche er sich bezieht, in den Schmal kaldiscben Ar- 
tikeln enthalten scy. Diese Erklärung steht nicht in den (von 
latS^ern anfgesetsten) Scbmalhaldischen Artikeln, tondeVn in einem 
Toa diesen Artikeln ^Tertchiedenen Aufsatce (tractatus) Ton der 
BiscbSfe Gewalt und Gericbtabarlieit , den Philipp Melanehthpn, 
(^ilial einem andenr AofiMtze fiber die Gewalt ond das Primat 
desPabstes,) zu Schmalkalden ausarbeitete. Nun wurde zwar 
dieser Aufsatz in dem Abschiede, der über die Verhandlungen 
des Schmalkaldner Konventes abgefafst wurde, allerdings bcstü- 
tiget. Aber, auf jeden Fall steht das Ansehn dieses Aufsatzes' 
tiefer, als das der Scbmalkaldiichen Artikel. Der Aufsatz betrifft 
nicht den Glauben, sonder nur die 'Verfassung der Kirohe. (Non- 
pertinet ad fidem sed ad- disciplinam.) Er war nur ein Nachtrag 
so den schon vor der ErSliPnang des Konventes ausgearbeiteten 
Artiheln ; auch wurde er nicht Ton allen den Theologen ant€r- 
zeichnet, deren Namensunterschrif^en unter diesen Artikeln stan« 
den. Melänchthon selbst urtheilt über seine Arbeit, (nicht ahn- 
dend, welches Gewicht dereinst Herr Eichhorn auf sie legen 
W«irde,) so: »lussi snmuSf ne plane nihil ageremus et xatpa 
sfpörasia essemuSf componere aliquid de Petri seo Pontificis Ro- 
Vttni et de potestate et jmrisdictione episcoporam« Hase scrip» 
ynediocrUer et ezhiboic *^ 

S. J. G. W al cliii introductio in libras ecclesiae Latlieranaia ajrin- 

bolicut. ( Jenae , 1732. 4.) Itb. I. cap» 6. • - 

M) Vgl. Viti Lud. Serkendorf comroentArtu« de Liithcranisnio. 
^ Lib. III. Sect. 16. §. 55 ^Die hier einschlagendo Stelle des Ue- 
eesfct lautet lo : ,,Deninarh wir onsere trciTiicbc Gelehrten der 
heiligen biblischen Srhrift allhier zufiammcngf'Rctzt , die sich von 
'allen Artikeln unserer ConfesnioM christlich unterrodet : So Hcynd 

. - sie durch gnädige Verleihung Gottes cinhulligruh mit einander 
übereinkommen in allen i'uncten und Articnin, iium.iiaen unsere 
Confesiiion und Apologia, die wir ayf dem Reichstage in Auge- 
burg babeo iibergebeo, innehält, allein dafe aie elacn Articnin he- 
laagend d« FlabaCoa an Rom Primat« etwaa waitar mid basser ga* 
stem, wie demaMbe iakllt.** 

' • * 



üiyiii^ca by GoOglc 



tSO Scliriftea über lUc Aaaprüche AagaAlii voo £ate auf dta Titol,> 

• 

Zn 3) Herr Eichhorn giebt den Sinn der Stelle: vitem 
ist unr#L>ht, dafs in^emein alle Heyrath, so heimlich und mit Be». 

• twgf« ohne der Eltern VorwiAseo und Bewilligung geachelmi 
geltvo nnil krälüg ieyn sollen;« nicht gctreolii^li mieder^ 
wenn (S. ^3) er sagt, daft durch diese Erklarong der snr Zeit ' 

1 der ReforniBtion geltende Grondsets des kanonischen Rechts | 
nach welchem -die fehlende Einwilligung nnr ein aofschichendes 
Ehehindernifs war, verworfen worden sey, oder wenn er die 
SteHe an eyieui andern Orte (S. 56.) sq deutet, als ob sie die 
Lehre verwerfe, »dal's es als ein allgemeiner Grundsatz gelten 
solle, dafs alle lleiialheo, sjelbst diu, welche heimlich mit Be- 
trug geschlossen woi dcn , gültig und hräftig sejn sollen«! Diese 
Deutung der Stelle fuhrt unmittelbar (per argumentum a coiw 
trario) «a dem Schiasse, dafs rielmehr die fjshiende Einwüligong 
der Eltern s<;hlechthin ein impedimentam matrimonii diriment 
sey. — Aber das ist nicht der Sinn der Stelle! Diese rerWirft 
vielnaehr.den Grundsatz des kanonischen Rechts, nach welchem 
eine Ehe un{i;eac-hlct der ihr abgehenden elterlichen Einwilligung 
gültig und wirhsani sey, nur in so lern, als er von dem hano- 

' aischen Rechte allgemein und ohne Kinschranhung auf> 
gestellt wurde. Sie läTsl also eine striche Ehe ausnah meweise^ 
(io dem Falle der physischen Vollaiehang dea Ehevertdhoisses) 
elleräings bestehn. DaCi das der wahre Sinn der Stelle sey, er* 
giehfe sich schon aus ihrer Wortfassung. Dei^n die Stelle erhlirt 
den Sats, dafs eine heimliche Ehe gelten solle, nicht insge- 
■ mein, d. i, nicht schlechthin und ohne Aufnahme für wider- 
rechtlich ; sondern sie tadelt das jiaiioniiche Hecht nur deswegen, 

, weil nach demselben eine jede heimliche Ehe insgemein und • 
nwht blos a u s n a h m ew eise gelten und Klüftig seyn solle. (Herr 
Eichhorn hat das Wort : Insgemein, gänslich iibersehn!) Eben 
io sehr, ja vielleicht noch entscheidender, spricht- för diesen Shm 
die Quelle, aui welcher die ganze Stelle geschSpft'- ist Denn, 

• wie f Melanchthon , der Verfasser des Aufsatzes , bitte seine 
eigne f«ehre, hätte die Lehre fjuthers (s. oben) so ganz ?er. 
gessen hunnen , dafs er die hcimlicluu Khen schlechthin für 
nichtig crlilarl hiilte, ungeachtet er und Luther den die Gul- 
tigtu;it dieser Ehen entsprechenden Grundsatz xJes lianonischen 

• Rechts nur in der Allgemeinheit, in welcher er Tön die- 
sem Rechte ausgesprochen wurde , gemifsbilliget hatten ? oder 
wie bitten die (wie Melanchthon in einem seiner Briefe bemerht, 
ohnehin streitmuthigen) Theologen, Welobe dip Aiifsati» onter. 



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dü« Würden uuii fttsiil« via«« VnuAvu du« liauno« linttoavor. Mi 

seiebneten, einer solchen Neuerung ihren Ueitall seheniiea ken- 
nen ? einer Neueraog, welche sich zwar durch |>olitische, nim- . 
msroiehr aber durch Grunde der Heligion vertheidi^en lieCs 

Zu 4«) ^19 ist wohl noch von eine« namhatten Ue^bUge« . 
Mrteo. oiaa so iiAbaitbare ISehaaptong eitfj|estelU wordeo, als 
di# ist mit. welcher Herr Eiebborn ber?ortrilt , mdem er .dta 
obta aagefiBbrteii Stellen des t Anftelses roo der Biscbdfe Gewalt 
vad Jirisdibtion« dea 6iifli unterlegt, dafs Bon,^in .der Lelire 

' Tpn der elterliohett Biowillif^unfi^, das rftmisehe Roobt 
unmittelbar an die Stelle dos kanonischen Hechtes 
treten sollte. Man kann sich zwar recht wohl erklaren, wie 
sieb Herr Eichhorn genothiget sah, das Wagstück dieser Be- 
haoptung zu bestehn. Ibui war^ wegen des Umstandes, dafs der 

''liSnigUdM Yaler des UenMgs von Süsses die in Frage stehende 
Ehe im BeatielNUig auf Haneover^ nieoials angefochten hatte , sehr 
«nheiddieh sn llttthe. Das einsige Mittel, das sich ihm darbbt, 
diicen Stein des Anstolses aia dem Wege su rimnen, war das,* 
den Torliegenden Fall anter die Herrschafu des rSmischen Rechts 
zustellen. Aber, es konnte iiitn nicht entgebn und, (das beweist 
die HunsT, mit welcher er zu seinem Ziele gelangt!) es entging 
ihm nicht, dafs das Ansehn, welches das rüniischc Hecht, ais 
eine Quelle des gemeinen deutschon Rechtes bat, nicht hinreiche, 
auch dm Anweadbarbeit jenes Rechts auf den vorliegenden Fall 
sa rettoo« (S. oben 8, i3i.) Hiersa bedorfte et emer beioodern 
roohtsbriltigcn Erldarsng, aufweiche man sich als auf eine Wio- 
d o rh e i ' sfe llung der rerbindenden Kraft des rSmisehen Rechts in den^ . 
das Eheband unter Protestanten betrefTendnn Sachen berufen konnte. 
Diese Erklärung nun war^ wenn irgendwo, nur in dem oftgedachten 
v Aufsatze über der Bischöfe Gewalt und Gericlitsb^'Ueit zu 
finden. — Um zu dem Resultate zu gj^angsnf das sr suchte» bo* 
ruft sich Herr Eiebborn auf den ganzen Zusammenhang 
dar Stell e«« Meint er damit io Tiel, dafs die Stelle des Codes 
mmd der NoreUeo Justinians Erwübnnng thue ? Aber diese lao- 
Setssammlungen werden in der Stelle ausdrücklich nur aus dem- 
Grunde erwibnt, weil aus denselben hervorgiiig, dafs ehemals 
Ehesachen lür die weltlichen Gerichte gehörten. Oder meint er 
damit die in derselben Stelle enthaltene Aeuiseru'ng , dais <lie 
wellliche Obtigkeit schuldig sey, solche Gerichte, (die Gerichte 
der Discböfe in Ehesachen, ) andern au bestellen ? Aber ist .denn 
hier auch nur mit einer Sylbe Yon dem Rechte die Rede, nach 
wetohom die f oo der Obvigbeit emsuuetaenden GericlHo spfcohen 



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m MriflMi iier die AMpräcIw Angiiat*« ?w Eile Mff TMel, 

Sellin? »Aach die Worte- der 8telle,c wtn Herr BMlMni 

(S. 53.) binasQ, «in welchen das geltende Recht — >' dofs eine 
heimliche Ehe gelten und hr.if tig seyn, also eine Ehe seyn 
solle, — verworfen wird, drücken den Grundsatz des romischen 
Rechts (s. zu 5 ) aus.A Aber drucken sie nicht eben so wohl 
den Gruodsats des kanonischen Rechtes, drSchen «• diese» 
nicbl sogar oomittelbar — und nicht blos folgerangs weise — aosT 
Was folgt also aos jenen Worten ? Weiter nichts, als daft sir, 
wenn sich die «Stelle für die Anwendbarkeit , des ^ rSnuscheft 
Bechts erkidrt hüttCf mit dieser ErklXrnng Tereinbar seyn würw 
den. Jedoch, wSren aach die Grunde, mit welchen Herr 
Eichhorn seine Meinung vcrtheidiget, mehr als blofse Schcin- 
griinde , ihnen stehen andere Gründe entgegen, welche nicht ge» 
Stalten, die Stelle auf blofse Vermuthungen iind Deutungen hin von 
einer Bekräftigung des römischen Rechts so Tcrstehn. Oer Au^ 
salB« in welchem die Steltö enthalten, ist, wnrde nicht ton eineai 
*Bechtsgelehrten, nicht ron einem Romanisten, er worde ron 
einem Gottesgelebrteif ahgefafst In dem Aofsatse wird 
{Iberall der theologische und kirchliche Gesiehtspanbt fest> 
gehalten. Bei der die heimlichen Ehen betreffenden Streitfrage 
ist nicht blos von der Einwilligung des Vaters, sondern von 
der Einwilligung der Eltern die Rede. Es ist aber bekannt, 
dals, nach dem romischen Rechte, ein Kind zu seiner Yerheira* 
thung nar der Einwilligung des Vaters und nicht auch der Ein- 
willigung der Mutter und auch jener nur so lange bedarf, als es 
unter "der väterlichen Gewalt Steht. (Es wurde gevifs Vielen 
willkommen gewesen seyn , wenn Herr Eichhorn seino Behanptung , 
S. 53. — dafs auch das römische Recht fordere, dafs die Rinder 
die Einwilligung beider Eltern suchen suUsn, — ^diu'ch eine 
Geset/.stellc unterstutzt hätte.) 

Zu 5.) Es ist vollkommen richtig, dafs nach dem romischen 
Rechte eine Ehe, welche ein Uiqd, -das onter der väterlichen 
Gewalt steht, ohne die Einwilligung seines Vaters abgeschlossen 
hat, -sogar in dem Sinne nichtig ist, .dafs sie — etiam sine sen* 
tentia judieis — als nicht geschlossen so Betrachten ist; (Das* 
selbe gilt, nach dem r9knischen Rechte, von allen trennenden 
Ehehindernissen.) Es soll hier ferner die Frage an ihren Ort 
gestellt bleiben , ob man den deutschen protestantischen Reichs- 
ständen die Absicht beimessen konnte, sich auch diesem Grund- 
satze des römischen Rechts zu unterwerfen, einem Grundsatze, 
der eben so Jwenig mit der religiösen* Bedeutung der Ehe als 




mM imm h Uicu a 4et StMtet fminlNir ist - (Die BVtge w^He, 
iMwandteii Umttlmdeii naefc, eint m.lUsige Fk*^ tejm.) Aber 

der Streitpunkt ist in Beziehung auf den vorliegenden Falle der: 
Wenn sich ein in der väterlichen Qewalt stehender Sohn ohne 
£invvilligung seines Vaters verheirathet hat, der Vater aber um 
die Heirath gewufst oder, (was in dem vorliegenden F'alle aileM 
in Bttraebtung kommt,) die Heirat h in der Folge in Erfahrung 
gebraehl und gleiekwobl gegen die JSbe iMiaea Widenpmeh ein* 
§elegl bell — kann eine toldM Ehe oeeli dem Tode des Tetere 
^ee dritteik Penonen ab niebt geaebleiiee .iielneiitel oder noeh 
alt mebtlg angefochten werden ? — Oa ergiefat eleh epa aet foU 
genden Gesetzstellen , dafs schon das StilJsebweigen des. Vaters 
als eine Genehmhaltung (ratibabitio) der Ehe des Sohnes oder 
der Tochter zu betrachten Mj und düher die Wirkung habei die 
£lie giiilig so. mackea : 

f* II. D« de etaltt kominiiai. »Retpondit, eam, qoi Tirente 
patre et ignoranU de conjanet^e liiiae eonceptet est , 
licet pOft mortem sfi natüs sit, justam filiam ei, ex quo 

conceptus est, esse non vidcri.« (Also — per argumen- 
tum a conli*ario — der Sohn wurde für ein eheUi^bes 
Kind zu. kalten gewesen seyn, wenn der Vater die Hei« 
rath seiner Tochter in Erfahrung gekrackt kattc, okne 
ieioe MifsbUligung so infsenu) 

L 7. §. 1 . D. de sponsalibos. » In sponsalibns etiam consentot 

eorura exigendus est, quorum in nuptiis desideratur; intel» 
% ligi tarnen semper filiae patrem consenfire , nisi ei>identissime 
disseniiai, Juliünus scribit.« (Also, wenn von einem Ehe« 
Verlöbnisse, — und noch mehr, wenn von einer Ehe — 
die Frage ist, ist das Stülsckweigen des Yatert ali Za- 
atiumnng zn deaten.) 

1. 5. C. de nuptiis. »Si, ut proponis, pater quondam manti 
toi, in cujus fuit potestate, cognitis nuptiis tuis non contra-- 
ditity vereri non debes, ne nepotem suam r^on agnoscatc 
(Die Haoptstelle ! Wenn, sagt das Gesetz, wie dein Vor« 
trag lantet, der Vater deines reratdrbeiieo Mapnes, in 
dessen Gewalt dein Mann iltand« ß^S^n «vre fike, welcke 
er in. Erfahrang gebracl^ kalte, lieinen Wtderspnick ein- 
gelegt hat, so best dn nicht za besorgen, dafs er seinen 
Enhel verleugnen werde.) 

Jedoch, in dem Grnndsatze, — matrimoniom sine consensu 
patrisfamiliat initom consensa patris «re ezpfeüo.etre taeitOf ex 



uigiii^od by 



2M SchrüUn über dip Aa^^äclie Aiigttut't fM Mf des Tllel, ^ 



jure Romano, convaletcere, sinii di« Aufleger dtft rtolMAM 

Rechts mit einander einverstanden. Aber oun entsteht 

weiter die Frage, ob die — aasdrucklicbe orier stillschwei* 
gende — Genehmhaltung des Vaters auch rückwirkende 
Kraft habe^ ob sie also die Ehe toa der Zeit ihres Abschlusses 
«a bekräftige, oder ob sie die Ehe nur für die Zukunft, d. i 
nur ton der Zeit an, da die Genehmhaltiiag erfolgt iit, giltig 
nache, also s. B. mir won der S^it ao, da der Vater dioHeinitk 
teioea Kindes in Erlahning gebraebt bat, obne nun gleidiwobl 
Widerspruch gegen die Ehe au erheben. (Diese Frage ist für 
. den Torliegenden Recbtsfall nicht olme Interesse. Denn es ist 
nicht juristisch gefvifs, wenn Se. Majestät der Hpnig Georg III. 
zuerst ?on der Ehe seines Sohnes, des Herzogs von Süsses, 
Henotnifs erhalten habe.) Und bei dieser Frage spalten sieb die 
Meinungen der Ausleger des rdmiscben Becbts. Der Streit stebt 
ao : Macb dem Ülteren Reobte, und oocb naeh d^m Recbte der 
Pandekten, scbeiat die Meinung dea-Torsug su ?erdieiien, naob 
welcber die Gentbmbaltong d^s Vaters nicbt ruökwirbeode Krafk 
batte, besonders, wenn man erwagt, dafs in den Pandekten 
nirgends der Satz als ein allgemeiner Grundsatz aufgestellt 
wird, dafs ein Rechtsgeschäft durch dessen Genehmhaltung so 
bekräftiget wei'de, als ob es gleich anfangs mit F^inwiHig^ng der 
das Geschäft nnn genehmigenden Person abgeschlossen worden 
wäre, ratihabitionem retii;o trabi ad teoipns initi negotii. **) Nun 
spricht aber das neuere Recht, die 1. s5. C de dönat inter n* 
rum et nxorem (?gl. I. 7. ad Sctum Bfaoed.) diesen Grundsaia 
allgemein aus. Es fragt sieh also und das ist der Streitpunkt: 
Ist der Grundsatz in der Allgemeinheit, in welcher ihn das 
neuere Recht ausgesprocheu hat, anzuwenden ? oder sind von 



51) S. Glttok'a BrUutcrung der Fantfekten. Th. XlLllf. S. 2» ff. ^ 
Dera«lbe 8chriflat«ll«ir Ut a. a. O. auch uli«r 4 i e Frage su ver- 
gleichen, Ton welcher sofort die Bede aeyn wird. Er fuhrt n* 
gleich die Schriften Anderer über dieae Frage ao. ' 

58) I. 13. $. 6. D. ad 1. iol. de adniler. I. 65. $.1. D. do rku nuptia- 
mm. l.6a.D. do jnre 4otium. I* 0. 8. C. de uuptlla. ( Judecb'lst 
au benerfcea , dafe ksiae foa dieeea Stellen den ^Is auidrüclilleb 
enthält -Man kaan ihn aar ana diesen Stellea fSlg cm; und' der 
Sehlufa nochte sogar niaochea Zweifeln nnlerworfcn aeyn.) 

Wenn auch in mehreren BruchaUIckcn der Faadakten hesoojdrre 
Fragvu nach llafsgabe dieoes Salsea entachleden werden, so lautet 
doeh keine ditaer Entschelduagen ao , als eh sie auf einer ratio 
daeldeBit goaaralls beruhte. 



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ik WIMM «ad BmM« wiam tr'MMm äm Umms Hii»Tir M 



ihm die Fälle auszunehmen, in welchen das ältere Hecht der 
Ogtiebmhaltnng nicht rückwirkende Hrait beilegte? macht also 
M— l itiiieh 4ilt Fall cfiner dttrch die — ausdrückliebe oder iliU« 
Mhwtijwiid — GeMkwbiilNing de« Vatert btkriftigtM Eh« chM 
ämmOme TM dtr Raget ? Die VcvlheMl^er der letttere^ -Hei* 
ming berttfeo sich haaplafiohlich' dtranf , daft- ein tpileree 
Gasetz, in welchem eine allgemeine Regel aufgestellt werde, 
nicht diejenigen VorschrifVen des bisherigen Rechts tiulhebe, 
durch welche einzelne unter der Regel begriffene Fa'Ile anders 
entschieden worden sind. Allein dieser Grund ist keinesweges 
standhafV. Vielmehr, wenn bisher eioe gewisse Rechtsfrage in 
ehiMlnen Fälieo (fon dea Gatetzen oder Ton den Gerichten) bald 
so baM anders enfschieden warde, well et am einem allgemeinen 
GkrottdMtse cor EnMcheidong dieter Frage feUte, ond nan ein 
neves Qengtz das, wae biiher fehlte« ergänzt, so Ist der Grand- 
salz, den dieses Gesetz aufstellt, auf alle unter dem Grundsatze 
begriffenen Fälle anzuwenden , wenn anch das bisherige Recht 
einzelne Falle dieser Art anders entschieden hat. Alles dieses 
gilt aoch von der vorliegenden Rechtsfrage. Man hat also anzis« 
nehmen f dafs, nach dem römischen Rechte, eine ohne die Etn-^ 
wittigong des Vaters abgeschloeseno Ehe dorch die — aosdrdoh« 
Hebe oder ettllaehweigende-— Genehmhi)ltang des Taters gan« 
so hehriftigM Werde, als ob sie gleiob anfangs mit dessen WUleii 
ahgesehlossen worden wire, dafa mithin namentlieh die Ehe des 
Herzogs von Süssen, da und in wie fern sie von dessen Vater 
stillschweigend genehmiget worden isi, selbst wenn man die Gül- 
tigkeit dieser Ehe nach dem rümist hen Rechte beurtheilen konnte 
oder wollte, in Beziehung auf die väterliche Einwilligung auch 
nach dem römischen Rechte* einer schon ursprunglioh ahf eine*, 
gültige Weise abgeschlossenen Ehe gleich so .achten se/. 

00) Dia Vartbeidiger dieser Helnnng berufen sich aoch^Aberdiea l)aQr 
das pr. J» de aaptil«, la den Worten: , Juttas nupllaa int«r aa 
civf« Kamani contrahnat, «ivc imtrcu familiarnm slnC, aive fiUI 
familiaromf dam tarnen, ai filli fmniliaruin aiat , ciinHonoiim ha- 
beant parcntum , quoroni in potcstnte sunt. Nam hoc ficri debere, 
et et^iÜN vt nuluralie ratio Kiiaih't ; in tantum, ut jussus parenturn 
praeevder e debeut.'* Allfin . «üre diefif Stelle auf »lic Genihni- 
haltoog zu bi'ziehn , so würde keine Ehe per ratihnhttioneiu patria 
weder pro futuro nuch pro praeterilu liekräfligct werden könaeu. 
— Sic berufen aich 2) darauf , dafs in der 1. 1:5. C. tit. luud. selbst 
' eine Ausnahme vorkomme. Allein dieses Argument lafsi sich auch 
gegen die Vartheidiger jener Btaianiig wenden. 



üiyiii^ca by 



I 



SM ^cliciftcn über die Anepräche AagMi'a Eeto ftftf den TUel» 

Herr Eichhorn hat sich dnmit begnügt, den Grandsatz 
aofzastellen und in seine ganze Ausfuhrung zu verweben, — daCi 
nach dem römischen Beebte eine ohne Kinwilligung des Vatcra^ 
(des patritfamiliat«) abgeachlossene Ehe alt nicht abgeschlofie^ 
n betrachten sej» Dir Einschrfinliaag« mit welcher dieaer 
Qnmdsats allein richtig itt, hat er nicht gedacht. Ich hänn 
iricht annehmeai dafa* üim diese Emschrilnkung otthehannt wavw 
Idi d^arf nicht enaehinen , dafs tae ihm bekannt war. 



Derselbe SchrfAsteller beruft sich, (S. 76 ff.) um die Un- 
gültigkeit der Ehe des Herzogs von Sussex mit Lady^ Au^usta 
Murray wegen mangelnder väterlicher Einwilligung daneathiuii 
noch auf die Praxis des deutschen Furstenrechts. , 

»Et' lil^t sich iwafi« bemerkt Herr Eichhem cinleitingi» 
wciee, »diese Praxis irar auf einen^eina^en.Fall grunddto,c (der 
aichf wie sich in dem Folgenden neigen wird, in dem Hanse 

Wurtemherg begab,) »aber dieser ist auch so vollständig 
en tscheid er\^d , dafs er dazu vollkommen genügt. Der er» 
fohrne Moser begnügt sich daher mit Recht, nur diesen, aber 
eben auch als- .einen entscheidenden, zum Belege dfs GninJsalutr 
dee deutschen Furstenrechts ansuföhren t 

» daft hei den Erangelischen , so fem der Vater in die Ehe 

nicht eingewifligct habe, .dessen bestimmter Wider- 
spruch die Ehe nichtig mache.<<c 

SfT einladend ist diese Einleitung, da£s. ich versucht bin\ bei 
derselben stehen zu bleiben pnd den Leser mit der Prufong det 
Falles, aof welchen sich Herr Eichhorn bernft, ganslich sa ver- . 
schonen. — .Denn wie? bann man auf eine einzelne richter» 
liehe Entscheidäng überhaapt eine Praxis gründen? Wenig, 
stens (Ins römische Hecht erklärt sich ganz anders über das Ad- 
sehn des Gerichtsgebrauches. 

»Imperator Severus**' — sagt die 1. 38. D. de legibus — 
-arescripsity in ambiguitatibas, quae ex legiboa proficis-* 
crnitor, consnelndinem aut reriiin ptrpttuo simiiiier 
dicatarum auciaritaiem rim legis obtinere.a 

Mit Recht fordert der Kaiser Severus in dieser Stelle von einend < 
«I) Meaera FamOieaslaalaraohl. Th. U. & U ff. . 

* * uiyiii^ca by Google 



die Wördea und Kechiis. ein«« Priuea dM lUniii UMBAver. ttl 

* 

Gerichtsgebrauche, welcher die Kraft un<l Gültigkeit eines Ge» 
•etzes haben soll, dafs er aaf rebus perpetuo similiter judicatis,. 
d. i. auF einer langen Beihe gleichartiger richterlicher Kntschei- 
dongen beruhe. Denn es wurde um den Eipfluff der Wissen- 
•eluiff auf die Praxis , (die obneliin nicht mit einem Gewohnbeile* 
Mcble Terweebaeln iet,) getchelm eeyn, ween mImmi eine 
•inaige Ealtebeiflvog <v Begrfiadong eleet (Üiideiiden) Geriehl^ 
g^evdiet btareielite. — Deeh ee sej, dafe meii tcbon eef ete 
reretnseit etebeiide mbterliche Entscheidung ein Gewicht legen 
konnte oder voUte, wurde man das auch bei der vorliegendeo , 
Frage thun dürfen ? Die Mitglieder der deutschen prqtestanti- 
schen Fürstenhäuser hatten in Sachen, die das Band der Ehe 
betrafen, so lange das deutsche Reich bestand , i^eioen Richter 
auf Erden über sich. Hat sieh gleiebwohl oder sollte sieb gleiob* 
'fpolil ein einaeloet deuttcbet protetlantiithet Firtteabaot dieeer 
fVeilieit ia eiaeai cinaeben Falle begebea habeoi * wie ^blbmli 
faitMe irgead eine FVdgerang zam Yertbeie oder' suaa Naobtheüe 
der übrigen deutschen protestantischen Fürstenhäuser abgeleitet 
werden? Selbst in Bei^iehung auf das Haus, welches sich jener 
Freiheit in einem einzelnen Falle begeben hätte, würde das in 
der Sache gesprochene Urtheil nicht als für andere Fälle mafs« 
gellend betrachtet werden können« — Ich konnte hinzusetzen, dafa 
ja,* wie Herr Eiobhem selbst sage, der waoiiere Moeer, (den ich 
gewiCii rnebt weniger, als Herr Eichhorn, verehre, er streite' 
fibrigOM mit mir o^er gegen mich,) nur lo viel behaaptO) 
edeft bei\den Evangelischen, in so lern der Vater nicht in die 
Ehe etngewiliiget habe, dessen bestimmter Widerspruch 
die Ehe nichtig mache,« dafs also Moser überall nicht von dem 
Falle handle oder sein Herkommen auf den Fall beziehe, von 
Welchem in der Rechtssache des Sir Augustiy d'Este die Rede 
ist. Jedoch, so gewifa mich auch die Darstellung des Herrn 
Eichhorn zu dieser Einwendung ermächtigen wurde, so mufs ioh 
dock, nach Pflicht and Gewissen, dem Herrn Eichhorn hier aa 
Bfilfe kommen. Herr Eichhorn \af^ Mosers Worte in einem 4ns» 
ange gegeben and so die 'Stelle an seinem Nechlheile ini Harae 
gezogen. Moser sagt nur gelegentlich, und ohne auf jden Fett 
im Hause Würtemberg besonders Rücksieht zu nehmen : »Ein 
anderes ist, wenn etwas dergleichen geschiehet, und die Eltern 
sehen es zwar nicht gerne, consentiren aber doch tacite oder 
ex post' darein»« Freilich spricht diese Stelle in einer andern 
Beaiehang gar a^akl aam Yovtheile meines Herrn Qggaeri» 



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Schriften über die liUprAche Aagiur« ▼<« £ate aof den Titel, 

Gleichwohl will ieh micli darch jeoa Emleitong nielit in 
dem Grade anziehen und fesseln lassen , dafs ich nicht aocb aof 
die Beschaffenheit ies Falles einginge, aof welchen Herr Eich- 
horn seine Praxis des dcutscheo Fiiritearecbies gründet. Interdum 
niperfllM non nocent ! 

leb, will den F«U mit dentelbtn Worten (mon mattk ait 
einigm Abknrsangen) ersühlen , mit welcben ibn Harr SioMMm 
•rsablt bat, damit dar Lestr die Partbeien detto leicbter einaate 
etttgegenilallen bdoiM. (Die Quelle, aO weleber di«ieri6ebrilU 
steller getcb5pft hat, ist J. J. Moser^s teutsches Staatsrecht. 
Th. XIX. Ijpz. 1745. S. i55 flF., wo die Proccfsakten — jedocb 
leider! sehr onTollstnndig — abgedrackt sind. Auch mir^stasid 
baiae andere paelle zu Gebote.) 

Haraog Leopold Eberhard von Wurtemberg- Mompelgard , 
geboren im Jabre 1670« liefs sieb im Jahre 16969 noeb bei Leb* 
seilen seines Vateris, wübread er sich bei seinem Agnaten, daa 
Sersoge ven Wilrtemberg-Oels, in SAletlen airfbtell, anIWbaib 
Landes, in Polen, mit Anna Sabina Hedwiger tränen. 

Nachdem Herzog Leopold Eberhard durch den Tod i»cines 
Vaters im Jahre 1699. zur Regierung geUommen war, wirkte er 
zwar eine kaiserliche Standeserhühung aas, durch welche die 
Hedwiger zur Gräftin von Sponecb., die mit ihr ersengtea Kinder 
ap Grafen and Gräfinnen Ton Sponech erklärt worden $ aber wm 
derselben Zeit hob er imeb das gemeinsdiaftlicbe Znsammenlebes 
mit ibr auf, jedtcb ohne sieb dsrcb ein Con^eistoriom Toa 
aebeideo sn lassen. Er lebte seitdem mit der T6ohter ebiea 
Hauptmanns de l'Esperance , der geschiedenen Ehefrau eines 
Ton Sandersleben, mit welcher er mehrere naturliche Kinder er- 
zeugte, welche unletdem Namen de TEsperance erzogen wurden. 
Die geschiedene von Sanderslebcn starb 1^07. Seitdean lebte der 
Hersog mit einer Schwester derselben nnd OrsAngte auch mit 
dieser mehrere Kinder', die ebenfalls den Namen de l'Esp^ranee 
erbiellen. Im Jabre 1714. liefs er eich doreh das Coeaitloriom sn 
MSmpelgard Tön der GHi$n ¥on Sponech sebeiden, snd nadi 
Arem bald daraof ci folgten Tode mit der de TEsperance tränen^ 
die ihm auch nachher noch einen Sohn gebor. — Sowohl die 
eine als die andei-e Ehe wurde der Gegenstand eines Rechtsstreites, 
welchen die Würtembcrg-Stattgartische Linie zuerst mit dem 
H^soge Leopold Eberhard, and dann, nach dessen Tode, mit 
der Jüngeren de TEsp^ranee und riiit den in beiden £bes er» 
lesgtott lUodem rw dem ReidübafiEttbe fübrtii 

* 

« m ' » 



dl» WAidw mwA lUsiite «Ins« PriMum im Bamm HaiBover. 999 

Wurlemberg- Stuttgart behauptete in diesem Rechtsstreite 
iMt ^er ersten Ehe« der mii det Griiio von 

i) urefl die Tramm^ ron «in>ni inhompetefiien PAnrer,* 

s) ohne Einwilligung ^^^5 Vaters, 

3) gegfo die H«iierertr5gei (der in die Seelze eipaobUgfUMl« 
Tttnülenvertiag, der Vertrag vem X 1^17, letOete $0: 
»Haben .aw^ Mermit, eis an «ich lelbstee löblich , Fifaral* 

und bilHch, die fernere VVrordnoDg gethan, daft keiner 
unter Ihren Furstl. Gn. Gn. Gn. Gn. Gn. Sich ohne der 
andern — — Halb, Vorwisseu » WilltMi und Belieben, 
sumal aber nicht aulser dem FürstHcl\en Stand | f erben* 
rathen aoll noch vii^*«) 

4) btimlicb geschehen aef. 

" Unter den in dieser Sache Tom Reichshofralhe obp^cfofsten 
Erkenntoiaaen , (es sind deren mehrere,) enthält das letzte^ in 
der Form eines vom Kaiser genehmigten Voti ad Imperatorenif 
lolgende die eigentliche DefinitiT-SentenB bildende Stelle : 

»So haben Ihro Raiseriiche MajeatSt nochmala alle« grSnd- 

lich nntersuchen nnd sich sämtliche Acta und E\hibita 
aller Theile alicruntcrlhäRigst referircn Lassen, nicht aber 
anders finden honnen, als dafs beiden Ehen die Erforder* 
^nisae jeioer rechtmäTsigen Ehe abgeben , and ob complicata 
erimina, sowohl auch denen in Teotachland in obeer«. 
?a»lia eeienden, nie aneh denen geaelnen geaohriebenen 
und in dieaem Fall von denen Angabtn^g^hen Gonfee* 
eioBaverwandten telbat reci^irten eenonieelien Bechten 
für null nnd nichtig zu achten , auch die daraus entspros- 
senen Kinder für unehelich zu halten sejen.« 

Am diesen Thataechen ^lun, (welche , so wie aie Herr Eich- 
boiii dargestellt hat^ — mit einer einsigen Aasnehme, Ton wel* 
eher gleich hernach die Rede sejn wird, — mit den von Moser 
bjrbannt 'gemachten Akten ? ollkommen ubereinstimmen , ) zieht 
min dieser Schriftsteller den ^Schlnfs : l>ie Berufung anf das von 
den Evangelischen selbst in d'iesem Fall recipirte 
hanonische Recht, kann nur^ wie sich auf den ersten Blich 
ergiebt, anf die zweite, mit der jüngeren de lEsperance ge» 
achlosaeae. Ehe bezogen werden. Dieaer Ehe stand das Hinder- 
ni£i der anfaerehelichen Schwägerachaft, nnd swar dasderSchwä« 
gecaeheft de^ erstes Omdet entgegen , ehi Hmdemifii, welches im 



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' 140 Scbriften üb. d. Aatpröche Augiui't von EiUo oaf den Titol , «.». w. 

Anfange des i8ten Jahrhunderts von sehr vielen Juristen für 
iodispensabe) erachtet vrurde, weil man diesen Grad als verboten 
nach dem gSttlichen Bechte betrachtete. Der ersten Ehe 
•Und dieses oder ein ähnliches Hindernifs nicht im Wege. Da. 
gegen sind die* Worte der kaiserlichei» ResolotioDf in welelm - 
ein- Enticheidbngigrand von def ObserTtni in Dealteli« 
land Bergeoommen wird, auf die erate Ehem belehn* £rwigl 
man nnn, daft WUrtemberg- Stattgart in seiner Klage haltbare 
Michtigkcitsgründe mit an sich onhaltbaren gehäuft hatte, so kann 
man die kaiserliche Besolution in der in Frage stehenden Stelle 
.oder in Beziehung auf die erste Ehe nur so deuten , 

adaft swar die IVaonng durch den kompetenten Pfarrer 
kein wesentliches Erfordemifs einer gültigen Ehe sej, wobt 
aber eine insgebeim .ohne Wissen der Eltern. 

durch einen fre mden Pfarrer bewirkte Traaung, 
durch welche es möglich gemacht wird, eine Che gegen 
■ ' den Willen der Eltern scheinbar in kirchlicher Form 
zu schliefsen, während der kompetente Pfarrer die Trauung, 
da ihm kein Beweis der. elterlichen Einwillignag vorge- 
legt werden konnte, versagen mnfste, ohne allen Zweifel 
fiir nnwirksam gehalten werden müsse, ond keine Ebe . 
begrSnde.« (Eicbborn S. 85.) 

»Dafs die Wirkungen der Nichtigkeit ipso jure einnjef l eten seyen,« 
fährt derselbe Schril\steller l'ort, «bezweifelte mithin (?) der 
ileichshofrath ebenfalls nicht. Denn der Vater des Herzogs hat(e 
niemals auf Annullation geklagt, er hatte nach der Behauptung 
Ton Wilrtemberg. Stattgart I ohneracbtet er erst 1699. starb) von 
d|er im J. 169$. geschlossenen Yerbindnng nie etwas erfah- 
ren; es war Baker nur dadurch gewifs, dafs er nieftoala einge?» 
williget habe, dafs weder Herzog Eberhard Leopold, noch Georg' 
von Sponeck jemals zu beweisen versucht hatten, dafs dessen 
Einwilligung ei folf^t sey, Ja auch dieses zu behaupten nie gewagt 
hatten. Es ist mithin (?) klar, dafs die Ansicht des Aeichs- 
hofiratbs diese war : 

»Wo nach den Grandsitten der ETangelischen eine Veiw ^ 

bindnng wegen fehlender Einwilligung der Eltern nichtig 
sey, finde die Regel des rumischen Rechts ihre Anwen- 
dung, dafs Jeder sich zu jeder Zeit hierauf berufen 
könne, eines annallirenden Erkenntnisses be- 
durft es nicht.« 

Cl^if ./'or|.«cU«iig' folgh) , 



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N*. Iff. HEIDELBERG l^R i836. 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR/ 

I » 

Muiflm üä&r die AntßHMke JM^mte Tm 'EHe tmf den Ttelt^ 
Me WSigdm md Rechte einee Prinaen detrBmieee Wmumer, 

• 

So weit Herr Eichhorn I — Ich lasse der Hanst, mit wel- 
cher er den Ben eis für 3ic in Frage stellende v Praxis« oder, 
•wie er sich im Verlaufe der Rede ausdruckt, »Observanz«' ge- 
•luiurt hat, die gebührende Gerechtigkeit widerfahren. Ich wünschte 
nur, daft die Kui^st mit der Wahrheit Utod ia Hand gingen 
Aiiei; icli gleabe, mdem ich das Letztere leugne, ihm ebenfailt 
die gebShrende Gereehligiieit widerfahren sa laiten. Ich erlaobe 
mir, unbeschadet der Achtang, die ich tdnst fSr Herrn Eichhorn 
hege, die Behauptung, data der Qeweis, den Herr Eich- 
horn hier zu iübrun veraucht hat, ganzlich ver- 
fehlt ist. - 

Die kaiserliche Entscheidung spricht nicht mit ausdruck- 
liehen Worten TOn der elterlichen Einwilligung. Sie macht- 
üherheopt nur einen einstigen Entacheidungsgrund namhaft, 
(den, w^her in den Worten Ob mnItipKcata crimioa, Hegt,) 
^nnd bezieht sich' im Uebrigen anf ,die in Deatschland in Obser« 
Tens tejenden und auf die gemeinen ond in diesem Fall ?on den • 
A. C. Verwandten selbst recipirten Rechte. Was hatte nun Herr 
Eichhorn zu beweisen ? Er hatte zu beweisen , dafs Kaiserliche ' 
Majestät, indem sie sich auf die in Deutschland in Obser- 
yenz seienden Rechte beziehe, (denn von dem jure cano«' 
nico, nach welchem das impedimentum deficientis consensus pa- 
rentnm nicht ein trennendes Cbehindernifs ist, kann hier nicht " 
^ie Bede seyn,) den Bechtsiatz gemeint habe, dafs eine ebne 
die Einivilligung der Eltern' abgeschlossene Ehe nichtig sey. 
konnte und durfte sich nicht mit dem Beweise begnügen, dalb 
die Stelle diesen Sinn haben kSnne; (denn wie Yiele Deutungen 
hüonen möglicher Weise einer so allgemein gefafsten Stelle ge- 
geben werden?) sondern er mufste beweisen, dafs dieser Sinn 
mit der Stelle zn-verbinden sey. 

Wie hat nun Herr Eichhorn diesen Beweis geführt? So, 
dnft er «ieh auf die Hlaggr.ii nde , (auf die fuodamenta 
ageodi,) beruft, aas welchen Wfirtemberg«fi|^attgart die £be 
JSßLUkeg. S.Hell. 16 



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Si2 ScbrittcD über ^ie Auprüttbe AvguU von £«te auf 4bii TM t ^ 

des Herzogs Leopold Eberhard mit der Gräfin von Sponecli an- 
gefochten hatte. »Auf diese Hlaggründe,« (s. oben) sagt Herr 
Eicbhorni »bezieht sieb der Ton der Observanz in DeuUchland 
hergenommene Entecheidon^sgrand , den dritten (die Pacta ^ 
femtUae betreffenden) Grund aoageoommn, welcher oben enge» 
geben worden ist, den dät Jßrhenntnifa aber bier, wo et tkh 
blos um die Nichtigkeit handelte , nicht berührt, weil- ^ ebaa 
deshalb nicht hierher gehörte. Der Reichsho&ath ba^te diesen 
Grund in seiner früheren Erklärung und in dem Vortrage, wel- 
cher d^r haiserlicben Entscheidung vorausgeht , allerdings be* 
rüchsichtiget. Begreiflich konnte aber aus diesem Grunde nur 
abgeleitet werden , dafa mithin die Ehe mit der.Gräfin von Sponech 
nach den Hausgeaetsen eine angleiche Ehe eey. Aach untenchlad 
der Reichsholrath diese Einwendung g^n die dnccesiiooftflhl^* 
heit des Georg von Sponech, da wo er ihrer gedenht.c (Nitti« . 
lieh durch das Wort: « Ueherdies.« ) »Die drei übrigen Hla^« 
gründe, auf welche sich Wurtemberg zum Beweise der Nich- 
tigkeit berief, ergeben dagegen, wenn der Reichsholralh in 
diesen nach der allgemeinen Observanz ein hinreichendes Molir 
£ahd, die, Ehe für nichtig zu halten, als die allerdings notorisch 
SU allen Zeitep tod den Efangelischen anerkannte (!) Hegel, 
»daOi ein matrimonium sine coniensn parentum dam eoraln par^ 
ocho incompetente inilom nichtig sey.a- (8. 8a f.) 

Ich antworte: i) Es ist nicht einmal ausgemacht, 
' (non cgnstatO dafs Wurtemberg-StUttgart die in Frage % 
stehende £he aus allen den oben angeführten Grün« • 
den u'hd namentlich auch wegen der ihr abgeheadan 
fiterlichen Einwilligung ala nichtig angefochten 
habe, so zurersicbtUch das auch Herr Eichhorn behauptet Dia 
Klagachrift ist in Moaer'a Staatsrechte, unaerer einzigen 
Quelle, weder abgedruckt noch in einem Auszuge gegeben. In 
den von demselben Schriftsteller mitgelheillen neicbshofraths« 
erlienntnisscn wird der elterlichen Einwilligung mit keinem 
Worte gedacht ; eben so wenig in der Relatio ad Impera* 
torem , auf welche die mehrerwähnte baiaerliche Entacheidang er- 



62) Die Icafserliche Retolalion macht — praeter mnltipllcata crimiaä 
gar keinen Enttcheidungtgrand namhaffl ! . 

68} So steht getcbriebcn ! Man niufs jedoch annohmen , daf« htcr . 
^Wean** tüt «da** gesetst sey. Sonst würde die Bedingung den 
giaaea Beerela lenlOfen. 



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AMgte. AUtfrdilIgfl ist es wahrscheinlich , daft in ihn jf|pinft ' 
f«rh«idkingeo anch dietea NiokCagkeitsgnifidtft gedacht mr&en 
Mf. D«itii Wortambei^^^toltscrt berief eich Auf dieeen Nlditig. 
iM»Hfgrand in swei Dedntilionen , die et In direer 8eelie doreli den 
Droeb behannt macbte. •*) Aber «dr Beurtheiiong eines gefuhr- 
tan Bechtistreites genflgt es nicht, dafs man den Grund der Klage 
im Allgemeinen Uehne ; man inufs auch wissen, in welche Worte 
er gel'afst, wie er ongegrifTen und yertheidiget, ob und wie er, 
wenn die Klage auf mehrere Grunde gebaut war, mit den ubri» 
gfB MlaggrOnd^n in Verbindung gesetst worden ist 8oMt feblt 
e# ginsUcb an einer eiobem fiaais für die Beurtbeilnng der 8eobe 
V mtä der Gründet aoe ^»elober sie eo öder endere enUebiedea 
worden ist Den Beweis bierzo liat Herr Btob|iorn selbst geiie^ 
Ibrt. Er rerbioilet rein. pro «netoriute drei Klaggrunde zu einem 
einzigen Entscheidungsgrunde , damit dieser desto fester stehe, 
2) Auch zugegeben oder Toransgeeetzt^ dafs die in Frag« 
•lebende NiebtigiieitakUge auf die oben angefahrten vier Kbg- 
grfiflide gebaut war, so ist docb eben ao wenig und noch 
«•aiger attsgemaobt, dafs die baiaerliobe BMolntion ^ 
•ttf den Hlaggrunden 1. a. 4. (matrimoniom cfandestimim sine 
COnSOTSU parentuiii coram p. i. initum) nnd nicht anf dem Klag, 
«gründe 3. (pacta domus) beruhte, dafs man also die Worte 
der kaiserlichen Resolution : »Nach den in Teutschland in obser* 
?antia sey enden Rechten,« auf jene Klaggrunde, nicht aber auf 
dienen Hlaggrund zu beziehen habe» Für nichtig, d. i. filr * 
ungSttig in Beziebung auf ihre bürgerlicben Folgen und oa- 
MotKeb in Beziebung anf die Nkcbboffiroentcbaft, honM 
die Bbo acbon deswegen erbifift werden, weil sie nach den Haus* 
gesetzen^ widerrecbllieb war« Es standen ibr in so fern »die 
in Teutschland in observantia seienden Rechte« entschieden ent- 
gegen. Ja, der ZwecU der 'Nichtigheitslilage war unmittclbac 
nicht etwa der, das Ebeband aufzul5sen, (die Ehe war längst 
vor Anstellnng der Klage geschieden worden,) sondern vielmehr 
doTf die SB ec ees i oosiäbigheit der in dieser £be erzeugten Kinder 



64) Mo«er in dora n W. S. 166. 194. Herr Eichhorn bezieht «ich 
(S, 80.) Husdrücklich auf die letztere Stelle, 4nit deiu Zusätze : 
„Diete Klaggründe kommen in den Aonzügen 'bei Moser in ver- 
schiedenen KlagwdU'iftcn >ur; mau übcrfiieht sie am besten in den 
S.1M. excerpirten.** (Aach diese Aeuiserung des Herrn Eichhorn 
. kann den Leser leicht an ebem Irrtbame verleiten ! ) - 



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244 ScJuifien über die Afip'ücbe Augiui'a von £8U auf den Titel » 

anzufechten. Darum fugt auch die kaiserliche Resolution zu dea 
Worten, dafs .die Ehe für null und nichtig zu achten, unmit- 
telbar hinzu, 9 auch flie daraus entsprossenen Kinder vor unebe* 
lieh zu halten seyen.« **} Was in derselben Rcaolatioa weiter 
ffilgt, bandelt ebenfalls nur Y6n den Kind er nr. 

3) Es läfst sfcli mit.enlsobeidenden Gründen dar* 

thun, dafs die Worte der kaiserlichen Resolution: 
»Nach den in l'eutschland in observantia seyenden 
Becbtcii,« nicht mit Herrn Eichhorn auf das impe* 
'dimentum deficientia conaensus parentum et clan« 
destinitatis besogen werden können; dafs sie also 
«af die Widerrechtlichkeit der £be nach den Haae- 
gesetzen* tu beziehen sind. ^ 

. Nämlich : a) Die kaiserliche Resolution spricht- von in obscr- 
vantia seyenden Gesetzen. Eine jede Folgerung^ die man aus 
diesen Worten zieht, um dem Ehehindernisse der mangelnden 
elterlichen Einwilligung die Eigenschaft eines trennenden £be-i 
bindernisses iur den vorliegenden Fall zu erstreiten, ist* so lange 
• eine leidige Petiiio principii, fla man nicht nachweisen bann, dd* 
fieser Satz nach dem dentschen Euvst^nrechte a<;bon vor dieser 
Resolotion in Observanz «war. Herr' Eichhorn sagt aber selbst, 
dafs er sich wegen der von ihm behaupteten Praxis oder Obser. 
\enz nur uui den l'all berufen könne, welcher djirch diese kai* 
serliche Resolution entschieden wurde« ^ 

b) Die kaiserliche Resolution spricht von den in observantii 
•ejenden Bechfen 'Sberbanpt, und nicht bW von den die dettt* 
scben protestantischen FSrstenhSnser oder alle A. G Vef* 
wandte verpflichtenden Gesetzen. VYelmehr nnterscheidft aie 

genau zwischen den in Deutschland in observantia seyenden und 
»den gemeinen geschriebenen und in diesem Falle v o i? den 
A.C.Verwandten selbst recipirten kanonischen Rechten. Wie - 
konnte man also die ersteren Worte auf das Ehehindernifs der 
mangelnden elterlichen. Einwilligang beziehn , da doch Niemand : 
.behaupten kann und wird, dafs dieses Ebehindernifs auch gegeo 
die Eben in den deotscfaen katholischen Fursteahansero und 
llberhaiq>t gegen die Ehen unter Katholiken geltend gemacht 



m Et darf aiebt nabenMrfct bleiben, d^ Raff BidAen, da wo ev 
diese Stelle abinckan Mbt, (S. 81.) die letHerai Wena wctg- 

galaaaan bat. ^ 

• » 



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üt WifdMi aa4 tUsehU eiacf PriiiBra 4m IUiiim IImmtw. Mi 

Werden k5nnte* Dagegen trittt weder dieie nooli 4|i IPMrign • 
Einwendung die Dentvng, nach welcher die ofterwabnten Werte 

, avf die Pacla^fanHliae, anf den HansTertrag Tom Jahre 1617« sa 

_ besielien sind*« « 

c) Qoilibet optimal rerborum ^ suorum interprcs ! In der 
Belatio ad, Imperatoren! , auf welche die haiterliche Betolution 
erfolgte, (im Eingange,), wird schon der tim heiligen rSmi^ 
neben Reiche herhSmmlichen Observans« gedacht Aber 

nnr in der Beziehung, daHi diese Observans nicht gestatte, na* 
turliehe (nicht in einer standesmäPsigen Ehe erzeugte) ^ Kinder, 
zum Präjudiz des ex pacto et Providentia niajoruiu rechtmäfsigcn 
iNachFoIgers zu legitimiren. Von der Täterlichen Einwilligung ist 
we^Jer in dieser Stelle noch anderwärts die Bede« 

d) Der Kaiser -und der Beichshofrath honnte die Entsehei« 
dnog, dafs die Ehe des Herzogs Leopold Eberhard für nichtig . 
zu erachten sey, nicht auf das iropedimentum deßcientis consensus 
patris gründen. Denn inDeziehung auf dieses Ehchin- 
dernifs stand dem Kaiser und dem Heichshof rnthc 
überall nicht eine GerichtsbarUeit in der Sache zu. 
Dieses Ebehindernifs war ein hirchJiches llindcmifs; über die 
Hraft vnd Wirbsemkeil desseiben waren, Katholiken vnd Prote- 

. stauten mwiespfiltiger Meinung; das Kirchenrecht der, erstem and 
.die reichsgesetÜiche Religionsfreiheit der letztem entzog ei^e 
jede dieses Hindernifs betreffende Frage der Cognition der Beiehs» , 
gerichte. — Auch Herr Eichhorn sagt, (S. 0|.) dafs der Reichs- ' ' 
hofrath nicht berechtiget gewesen sey, in der Sache ein die Ehe 
annuUirendes ErUenntnifs auszusprechen. Doch er hilTt sieb da- 
mit , dafs die Ehe des Herzogs nicht erst der Annullation be- - 
durfte, dafii sie « su Folge des römischen Rechts, ipso ^re 
nichtig war. Aber — wo steht denn in der katserlichen Beso»* 
lulion etwäs von ^eser ipso jure eint|«tenden Nichtigkeit? DCr 
Baiser erklart yielmehr, da(s die Ehe für nnit und nichtig m 
achten sey. Dem Herrn Eichhorn begegnet es hier abermals, 
dafs er seine Meinung der kaiserlichen Resolution unterlegt, eine 
Hypothese durch die andere unterstützt. Ja , selbst angenom- 
men, dafs sich die protestantischen Reiehsstände — durch die 
Scbmalkaldischen Artikel — dem römischen Rechte in Bezie* 
bung auf dieses £l|||||indernirs unterworfen hätten, würde diese 
Erblnnipg den llaiser^erknüchtigel haben, sie auf einzelne 'Fülle 
amwwesd^? wiirde in einer solchen Eikläning ein Verzicht 



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M# MrifUii öbcff 4k AMpiAehe AvgMl^t v«b £fU aaf dwi Titel, 

^tkgen haben, welchen die Protestanten auf ihre Unabb&OgigMl 
TOB der katteriicben Gericht»birkeit geleitUst baiten 2 

Endlich ^) Wuitemberg- Stuitgart behauptete swar, daCt 
des^ Herzogs Vater bis zu seinem Tode keine Kennlnift vtHi der 
Ehe seines Sohnes mit Anna Sabina Ucdwiger erhalten habe, 
dafs mithin aus seinem Stillschweigen kein Schlufs auf eine dieser 
£he ertheilte Genehmigung gezogen werden könne. Aber voq 
der Gegtaparthei wurde dieser Behauptung widersprochen. 
Wenn aleo a«f jene Behaaptung «od «uf das Ebehindernils der ^ 
iMogelfiden elterlichen Einwilligung ein Gewicht^ gelegt worden 
wire und besondert ein s6 entscheidendes, wie Herr Ea^hbom 
annimmt, so wäre vor «Uen Dingen auf Beweis und GegenbewA ' 
SU sprechen gewesen. 

Mit einem Worte also, die kaiserliche Resolution tagt in 
der hier einschlagenden Stelle nichts mehr und pichts weniger, 
ah dafs die Ehe des ilersogs Lieopold Eberhard , ..«ia sie gegen 
die Hensgeietse, ohne die Einwilligung .der Agnaten und noch 
daiu mit einer Biirgerlichen eingegangen worden sey, dem Beicht»- 
herkommen Dach ßir nali und nichtig, d. i. für bürgerlich un* 
wirksam erachtet wercfcn müsse. Die Frage Ton der väterli- 
eben Einwilligung zu berühren , trug sowohl der Beichshofr^th 
als der Kaiser gerächtes Bedenken. Das Still^bweigen , da> sie 
über diese Frage beobachten , ist um so bedeutsamer, da die 
Frage einenekt to nihe lag, .und andererseits von to gh^fter 
Bedeutung wer. . « 



IV) Von der 

Slandesmäfsigkeit der Ehe 

des UerAogs vou Sussex mU Lady Augusta Murruy. 



Die Frage ; Wenn ist die Ehe eines deutschen Fürsten oder 
Grafen dem gemeinen deutschen Bechte nach eine Standes- 

W) S. M esar hi 4am a. W. S. 195. Freilich kann dieser Widerapracli 
nur eurch eine bei Rfoear eageführto Deakaehrin bestätiget wer- 
den. Aber 41« Thatsaehet dalk WArtemberg- Stattgart jene Be* 
banpluag nurgattaUt b«be, beruht anf Maar baaaaren AuhtaHlit. 



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märsige Ehd ? — ist sw es ntir daoa, wmi aucli die Gemahlin zum 
Iwben Adel gehorti oder ist «ie et aobon dann , wenn die Gemahlia 
Mar freier Geburt od»r wnigatens' einem akadlicben Getehlecbte 
dee nMeren Adelt entaprotten iat ? — diete Frage lat aobön . 
an oft f in DrochtcbEilten und tot Geriebt, ?erbandelt worden , 
dafii tieb Ibr banm eine neoe Seite abgewinnen läTst. Selbst was 
die geschichtlichen Thatsachcn bctriflft, welche in diese Frage 
einschlagen, sind die Ahten fast vüllstÜMdi^^ inshuirt. Auch Herr 
Eichhorn hat nicht vermocht, neue Aufschlüsse über diese Frage 
SU geben. (Das ist und das soil hein Vorwurf seyn* Ad im« 
poasibilia nemo obligatur.) Daa Gewicbt tcines Namens lag scbon^ 
Mber in der Wagtebale der atrengeren Meinung. — Ich ge« 
denbe hier nteht meb dea Herrn Mobl. Denn sn meiner Rreade 
gebe idi mit Sbm, meinte Terebrten Freunde i waa die Standet* 
mgfsigkeit der Ebe det flersoc^t ron Bastes' betrifft, <Ha|id in 
Harn]. 

leb beschränhc micb daher auf einen mÖglicbst zusammen» 
gedrängten Bericht von dem Stande dea Streitet , welcher über 
jeM FVage gefttlirt wird/ 

, Nach dem ältesten deutschen Bechte war nur dio 
Ehe eines Freien mit einer Un Ireien eine Mifsliei- 
rath, d. i. eine Ehe, welche die Rechte des Mannes v^eder 
dev Fran noch den ilu* erzeugten Kindern ntiltheiltc. Zwar 
gab es bei den. deutschen schon in der geachicbtlicheu Urzeit 
di0tet Volbet eine Abstufung oder Hlassenordnung unler dip 
Fs*€ien. Sogar finden ticb tebon Iruhxeitig' Sporen von der 
Vertcbiedenbeit der Stande , welche noeb jetzt in- Deotscbland 
besteht nnd mit den Namen : Hober Adel , niederer Adei , ge- 
meine Freie, ( BSrgerstand bezeichnet zu werden pUegt. AHoio, 



%T) Spuren von diesem älteiten deuttchen Bccble haben sich in deui 
jarc canonieu «rhalten. - 

g8) Nur bc-i den Sachten Hclicint «elion in den ttlleoleii Zehen auch 
Gleichheit de« St an dt« /u einer voHmilti^en Khe erToiderlich 
gewesen xu seyn. S. die Sfell« au« Adams \uii lirnn. n UirchcU' 
geachichtc in Pütt er'» Schrift nbir MÜHhi iinilhen deuUcher Für- 
sten und Grafen. S. 12. Üo» h upriehl 8elb*t diese Stelle nicht van 
den bürgerlichen Wirkungen einer vttstandeamArsigen Ebe 
bei den Sacliton. Sie godenbl aar der Strafen» die taf eiae 
aeiakalSbc gesetat waten. ( Hätte ea dar Strafen badnrft, wenn 
die Bbe niahtig geweaen wita f ) 



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246 Sehrifle« Aber diD AniprAcbc Aoguift voB^Eite mf itm Titel, 

dieser Untercchied der Stäode,' obniiklii •rtl In der Folge 
bestimmter hervortritt , scheint sich ursprunglich überall nicht 
auf die Vcrsthicdcnlicit der Abstammung, sondern nur auf die 
Verschiedenheit der Besitzungen — ins besondere auf die Ver- 
schiedenheit des Umfangcs der ßesitzungca der Freien besogeii 
zn haben. Wei- durc|i Glüch oder Verdienst zu dem Besitse einer 
Herricbofk (einer Dynastie) gelangte 9 geborte eben «o su dem 
'fcrsten Stande, wie der, nelcKer^eine Herrfcbaflt ererbt battcu 
Umgekehrt, der Besitzer einer -gr^fseren oder hieineren (afond* 

* lierrschaf^, (einer Dynastie oder eines Bittergutes,) trat in den 
Stand der gemeinen Freien zurück , wenn er die Herrschaft 
veräufserte oder auf eine andere Weise zu besitzen aufhorte. 

. (Kommen doch selbst in sehr neuen Zeiten Beispiele vor, dafs 
Einzelne sieb nicht mehr Herren von schrieben, nachdem sie ihr 
^Üttergot oder ihre Grundherrschaft veraiiTsert betten.) 

X Mit der Zeit kamen andere Begriffe in Uralenfi 

stellten sich die Verhältnisse anders. *•) Der Unter- 
schied der SliiiKle, welcher bisher auf der Verschiedenheit der 
Besitzungen beruht halte, erhielt noch eine andere Grundlage, 
die Abstammung. Zum hoben Adel wurden nicht mehr blos 
gereohnet ,* welche' eine Dynastie besafsen oder ein Beicbsamt 
tarnt den dazu geschlagenen Besoldungsgutern >erwaUeten , soo* 
dern ancb die, welche, Fon ^ihnen abstammend, desselben Scbildet 
und fielmes waren. Der Bittergntsbesitzer gebSrte mcbt als soU 
eher zum niederen Adel; er mufs^e noch tiberdtes ron Ahnen 
abstammen, welche ebenfalls zu der Klasse der Grundherren ge- 
hört hatten. Alsdann aber vererbte er seinen (auf ein Rittergut 
qder auf ein llofamt sich beziehenden) adlichen Namen und sein 
Wappen auf alle seine INachhommen, auch wenn diese nicht 
selbst Grtmdhern^n waren. Der Keim zu dieser Veränderung lag 
schon in der ursprünglichen Grundlage jener Verschiedenheit der 
Ständet Ueberau, wo sich ein 'Adel aus der nngleiehen Verthei- 
li^ng.des (Grundes tind des Bodens entwickelt 'hat, 'findet man 
dieselbe Erscheinung. Denn der Gmnd und Boden wechselt ^ 
nic^t so leicht seinen Herrn, wie bewegliches Gut; das Grund- 
eigenthum verschlingt sich gleichsam von selbst mit den Banden, 
welche die Mitglieder einer, und derselben Familie zusammen* 



69) Man kann diese Veiundcriiiig auch so knni beseldimitt t Oer ding- 
liche Allel verwandelte sich in einen pcrsönlicheo 'o4er der 
groadhcrrliche Adel in'eiaen Qeburtaadel. 



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difo Winlw lud B^ikim eiaes PriMM «Im H^mm Ummyw. 

halten. Doch in Deutschland kamen noch einige Eigenthumlicb* 
, keilen der Volksrechta hiozu, welche zu jener Veranderong we« 
leotiich bettragen roafsten. Denn nach diesen Rechten wer clfr 
FemüienTerein ein besonders enger Verein ^ wurde des^ was ein 
Mitglied der Familie Ton den Yorfiibren ererbt batte« sogar ali 
Gemeing«! 6ßs gesainren>Geschlechts betrachtet. Endlicb abaii 
' — • die'leltte fedöcb nicht die geringste Ursacbe, — wirkten hi^ 
derselben Richtung auch das Lehns- und das Ritterwesen. So ge» 
Schah es, dafs sich der Korporationsgeist mit dem Familiengeiste 
yereinigte, den ursprunglich auf der ungleichen Vertheilung des 
Grandes und des Bodens ^beruhenden Unterschied der Stände im 
einen auf der Verschiedenheit der Abstamnuipg bert^enden sa 
verwandeln f ohne daia übrigens die iltere Grandkge ..von dev 
neoen ganslicb verdrangt wonden wSre. (Det Kampf swiseben 
dienen beiden Priricipien, sein Znsammenbang mit dem Rechte 
des Kaisers^ den Adel zu ertheilen, das Resultat des Kampfes, ^ 
diese und ähnliche Gegenstände gehoben in eine Geschichte dea 
deutschen Adels.) 

Diese VerÖHiderung hatte nicht schon ihrem Heesen 
nach die FolgCi dafs von nnn >an^ eine £be zwischen 
Personen eines v^rscbiedeneti Standes eine Mifsbei» 
ratb sejn mnfste. Es bitte z.B. die Bbe einfs 'Fürsten oder 
einet FSrst^mafsigiki qiit Einer vom niedern-Adel oder vom 
BSrgerstande aocb ferner eine ebenbSrtige Ebe in der juridischen 
Bedentong, d. i. in der Bedeutung seyn honnen, dafs die Ge« 
mablin und die Kinder des Standes des Mannes und Vaters 
schlechthin theiihaft geworden wären. In England, wo es ebenfalls 
ein^ Gebar ts- und nicht blos einen grundherrlichen Adel 
«nd swar sowohl einen beben als niedern Geburtsadel giebt, hat 
• man aocb| was die Eben' des hohen Adels betrlilk| niemals auf 
den Stand der Gemahlin RScbsicbt genommen. Dasselbe gilf von 
. denu. altfranzdsiscben beben AdeL (Ton non an werde idi in 
diesem Berichte allein Eben des hohen deutschen Adels — 
der Fürsten und Furstenmafsigen — in Betrachtung ziehn.) 

Aber eben so gewifs ist es, dafs dieser ücbergang 
d^s grundherrlichen Adels in einen Geburtsadel die 
deutschen Fürsten^ Grafeji und Herren veranlassen 
bonnte und mufstOi GemahTinnen nur .ans ihrem 
Stande, d« i. nnr ans anderen fürstlichen nnd gräfli- 
chen Hiusern zu wählen, ja dafs diese Haaser ge» 
^ neigt und gemeint sejn mnfsten, eine jede' andern' 



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S8t * aOttt Hwi ittt iU A ipffj yie A«gw«'t VM-EMe Mff Titel, 

Mh9 für ein« Mifrheiratb su halten. Denn der aügemm» 
BM ÜrMclMa ^ FanuKen- nnd dea- Ror|NMrationsgeiitei — 
jiioht sttvgtdeiilMD, Miobe dfe Eotatebanf^ dleaer Ansiebfra md 
diaiet Strebena beg3n«tigen mnffieni' lag in der Slellong dteaer 
Familien, ala regierender o^er nach der Landesbobeit' 
ringender Häuser ein mächtiger Grund , sich nicht mit anderen 
Ständen zu Terschwägern. Sic wollten den nicdern Adel , wie 
die Stadlbürger, ihrer Hoheit unterwerfen oder es war ihnen 
dieser Plan bereits grofsentheils gelungen. Deshalb mufste sie 
teibst der Gmadsatz des älteren deutschen Rechts, dafs die Bbe 
einm Freien niid einer Unfreien eine Mifsheiralb aej, io dieaer 
Aaiiclil beatirbte Demi der niedere Adeh war in allen gHUäerofl 
dentacbeo Ldbidm nicbt mebr VeiohafreL Antb fiindeft 
diese Analcblen, wie atcb aoa den ReebtabQehem 4ea MitteU 
alters ergiebt, sehr bald bei den RechUgelehrten Anklang; viel« 
l«ic]U 'aus demselben Gmnde. - " ^ 

Es tram jetst darauf an, diese Ansi<€bten in ein 
gültiges Recbt zn verwa^ndeln, diesen Interessen 

durch eine verpflichtende Rechtsnorm zu entspre* 
chen, — also den Grinnlj»alz zu sanhtioniren , dafs die Ehe eines 
deatschen F'ürslen oder Grafen nur unter der Hddingung eine 
achlecblbin rechtlich wirksame Ehe aey, wenn auch die Gemahlin 
zu d^ro bohcn Adel gehöre* Denn, nicht nur stand diesen An» 
eichten, und Interessen das filtere Recht, (welches von Herrn 
Eichbof n gar aehr in den Hintergrund gesteift wird , ) entgegen ; 
aondern aucb , dafs eine gültige Ehe, ron Rechtswegen und 
denee probetnr contrarium, alle recbtliebe Wirbungen einer 
Ehe hervorbringt. (Die Dcweislast ruht also auf denjenigen, 
welche zur VoUgüUigheit einer solchen Ehe die KhcnburtigUeit 
oder Standesgleichhqit der Ehegatten fordern. Doch werde icb 
von diesem Satze in der Folge keinen weiteren Gebrauch ma- 
chen. Mir ist es um die Sache und nicht blos um den Sieg 
fibee die Gegner zu tbun« Nur so viel wird i^rlangt, dafa man 
nicht fon einer in vorana gefafsten Meinung -ausgebe, um sie dann 
dnrcb das positive Recblt bestätiget zu finden.) 



70) Seine Ui^ltzung'cn waren überdies zu einem grorMen 'l'huile l^n> 
deslchne. „ Cx scciindo in tertinni deaccnderunt clj |ieuni luicalcs 
Prinri|)cii , cum Epiicoporum üebant homiaea;^' aagi der A. V. de 
l>€Bcf . Cap. I. §. 8. « ' • 



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di« Wärdea und RecliU «io«« PrinM« «!«• Uau«m ÜASMVdr. t8t 

Ich nehme einstweilen an, das es nvei Wege gab, 
aaf weichen jener Grundsatz in eine Vorschrift des 
gemeinen deutschen Bechts verwandelt, dafs er elit* 
Wolter durchwein Reicbsh«rkoin'm«n oder d urch 
A0iei§g4$9i* bekräftiget werden konate; Wemgitent 
gtb et kein drittes MilleL Denn ron den Hnotgetetsen de» 
denttoben Firsten • «ad GrsfengesebJeebter kenn kier niekt die 
'Bede seyn. Denn diese sind nkbt eine Qöette des geoieia«a 
deotscken Rechts. 

Et ist einstweilen der Fall als roSgiich vorausgesetzt wop- 
dsa, dafs sich ein Bcichsher hemmen hätte bilden honnefi| 
neeli weleheet Ebenbürtigkeit tit die Bedingung der Standet* ' 
»iftigkeit einer FSrttenebe sn betrachten gewesen wire. Ab et 
selbst die reektiiche M9giickkeii d,er fcnttteliung ei»dl 
so leben Herbomnent kann mit- triftigen Gründen be« 
stritten werden. Herr Eichhorn nimmt es mit seinen Be- 
baaptungen über das Herkommen sehr leicht. Aber man hat in 
defi neueren Zeiten angeJangen, .die Bedingungen, von welchen 
des Daseyn oder die Erweislichkeit eines Heriiommens oder Ge« 
WohnheitsVechtet abhängt, scharfer su. bestimmen. Ein Ge* 
wioluibeitsreebt setst seinem VVesen * nach die rechtiielie Einheit 
decer Torans, doreb deren Handinngen es begründet werden selL 
Diese mSsten mssmoien entweder »elbst sor Gesctsgebnng be» 
recbtiget oder doch' derselben Getefegebung unterwerfen seyn. 
Aber die deutschen Fürstenhäuser standen kraft ihrer Aatono« 
mie in ihren Familienangelegenheiten vereinzelt da. Was in dem 
tioen Fürstsnhaase oder was in mehreren oder io vielen Fürsten« 
bäiitem ans irgend einem Grunde Rtcht.ens war« war desvegee 
niobt ench io den übrigen Rechtens; gans so\ wie man ans einer 
Vorschrift , in welcher die Rechte mehrerer , ja seihst der mei» 
sten .deatSGben'LÜnder mit einander 6bereinstimmen| niiAt eine ' 
Begel des gemeinen deutschen Rechir ableiten kann. — Jedoch, 
auch hiervon abgesehn , angenommen also, dafs das, was in ein- 
zelnen deutschen Fürstenhäusern geschah, zur Begründung eines 
allgemeinen Reichsherkommens hingereicht hätte, so gehen doch, 
was die vorliegende Frage betrilVt, den Thatsachen, aus welchen 
das Retchsberkommen absaieiten wäre, die £igenscbaftcfn. ab. 



71) Vgl. 1. «a. §. 1. I». de leffibna. (iSbia aebr «ickUge Stelle fir 
diew Lahre I) — Hnfelead'a Beitfige ana «erichiigung der. 
podtlTeir Beebtswlsseasebaft. L St 1. Abb. 

- ' • ' ' * - — - 

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■ M MfiflM' iln» 41« AMprMo Aagatfb von Etta a«r des Vttol, 

welche tte den Gesetzen nach haben mü(st6n, um den Beweis 
•biet Gewohnhäitsreehtes begrandeii so hinnen. Es ist wshr^ 
dsT« in den bei weitem meisten PSilen die deouehen Fürsten ttnd 
Grtfen ebenbflrtige Gemahlinnen * gewählt haben. Aber diese 

Falle sind bei der' Torliegenden Frage nicht in Anschlag so brin- 
gen Denn die Wahl einer ebenbürtigen Gemahlin hann eben 
' so wohl als ein freier Entschliifs — als ein actus merae fa* 
cultatis — betrachtet werden. (Par parem eligit.) Oder wenn 
diese Wahl durch die Hausgeietze geboten war, so beruhte sie 
auf eiftem besonderen Bechtsznstande. Sondern nur die Fälle 
hdiiien Ton den -Yertheldigem der einen odet der andern Hei* 
nnng benntst werden, in welchen eine Furstenehe wegen dar 
MichlebenbOrtigheit der' Gemahlin mit Erfölg angefochten oder 
ungeachtet der NichtebenburtigUeit der Gemahlin für ToUgultig 
erachtet wurde, ohne dafs übrigens die Hausgesetze einen genü- 
genden Entscheidungsgrund enthielten. Stellt man aber den Streit- 
punkt 8O9 und so ist er zustellen, so fehlt es gänzlich an jener 
Ucbereinstimmttng unter den hier einschlagenden Tbatsa- 
oben, — an jener unilbriiiitas actuom^. ohne welche kein Ge> 
Wöhnheitsrecht erweislich ist. Wenn auch mehrere Fälle für 
die Meinang angefilhrt werden binnen, nach welcher die Ehe 
eines Fürsten, nur wenn die Gemahlin ans einem Geschlechte 
des hohen Adels abstammt, für vollgültig zu hallen ist, so giebt 
CS doch andere Fälle, welche die entgegengesetzte Meinung be- 
stätigen, . 

' Wenn also die «Torliegende Frage durch das gemeine deotsche 
Becht entsohieden worden ist, so bann die Entscheidung nur in 
den Reich sges et Ben' enthalten »eyn. Das einzige Reichs* 
gesetz, welches sich über diese Frnp;c erklärt, ist die kaiserliche 
Wahlhapitulation Art. XXII. ^. 4. Die Stelle lautci so : 

vAuch sollen und wollen Wir nicht den aus unstreitig 
notorischer Mifsheiralh, oder einer gleich Anfangs einge* 



72) Auf die einzelnen Fälle kaiia Ich hier, naeh dem Zweclm dieser 
Abhandlung , nirht cingehn. Da« Ui*fliiUat~ ist ohn^hia bekannt * 
genug. Du8 Einzige will ich bemerken, dafs die ältetlca Fille^ 

Mclchc in die > «»rlitgcndc Frage unbestritten einschlagen , erst 
- aus dem löten Jahrhunilii Ic «Ind , — dafn die Fällr, in welchen 
schon Irtilivr und zuerbt die StandcNuirirciigkLit einer Furslcbcho 
bestrititü wurde, iasgctauii die niclit freie Abkttaft dar Ge- 
mahlin betrafen. 

• üiyiii^ca by GoOglc 



die ürUeo aad ftechU cioea PrisseB 4et llwiii HsanoYor. 

^gAOgeoeii morganatifclieii Heirath , «rteugten l(m4er «uici 

Standes des Reichs, oder aus solchem Hause entsprossenen 
1^ Herren, 2u Verkleinerung, des Hauses, die väterlichen 
Titel, Ehren und Würden beilegen, v viel weniger diese!« 
ben zum Nachtheile der wahren Erbfolger und ohne deren 
• besondere* £io¥iü%iliig für ebenbürtig und sucoMMonißttiig 
erblaren^ «Qch wo dergloicben vorbia b«reiu geecbebcfat 
•olehes (Gr nnll und nicbtig antebo «ad oobtMu So ritl 
•bar .dia* ooeh erfordarlicha nibere. Ba8tinuiioii|f aabetrüfl^ 
s was eigentlich notorische Mifsheirathen Seyen , wollen Wir 
den zu einem darüber zu fassenden Begulative erforderli- 
chen Reichssch^ufs baldmöglichst zu befordern Uns angc- 
legen seyn lasten.« (Dieser ReicbsscbluTs ist oiemala er« 

■ w . ■ V ■ 

lob braaebo ptcbl «rst sa bemerbeo, dafii dieeo Gtsetsst9ll# 
die Hauptfrage so gol wie' nneatscbieden Üfst; Ja man bann nooli 

weiter gehn und sogar behaupten, dafs in dieser Stelle die Haupt- 
frage nicht einmal berührt werde. Denn die Stelle betrifft 
^die. StandesroärsigUeit der Fürstcnchen nicht etwa an und für 
•iöb, sondern nur in Beziehung auf das kaiserliche Be- 
aei^VAtrecht der Standese'rbohong. Sie sichert nur die. 
Becbt« und Fraibeiten der ainaeliian deutschen reicbsstiindischM 
Blnser gegen eine jede BeeintrScbtlgnng, welcbec sie Ton Sölten 
den Kaisera wegen des ibm sustebenden Recbls dar Standes» 
•erbohung ausgesetst seyn könnten; ^ Wenn man ans dieser Ge- 
setsstelle Folgerungen zur Entscheidung ziehen kann, so sprechen 
diese Folgerungen für die Ebenbürtigkeit (oder Vollgültigkeit) 
der Ehe eines Fürsten mit einer Gemahlin, welche aus einem 
Gescblechte det oiedern Adels abstammt. Denn die Stelle wurde 
auf Yeranlassnng einer Ehe , welcbe ein deutscher Fürst* nUt 
.-^ioer Burgeriicben abgescblossen battOi der Wablbapilnlation 
einferleibt« Wfirde inan überdies die AusdrScha: »Vnstieil^ 
BOtorisebe Mifsbeiratb»« .»eigentlicb notoidscbe Mifsbeirath « ge- 
wfibll beben, wenn man Ton der Anstebt ausgegangen wäre, dafs 
beide Theile vom hohen Adel seyn müfsten, wenn eine Für- 
atenehe alle rechtliche Wirkungen einer Ehe haben solle? 

Das Endresultat ! Em> gab wedei^ ein Beiobsb^rbommen nocb 
•in Beicbsgesets, welobas .die dentscben F5n|en, Grafen' und 
Hmen bat der .WabI einer Gemablin auf ibren Stand d« t auT 
dan Ifoben Adel besebrinbt bit^a^ Sogar bann man aus der An- 

geführten Stelle der Wabliuipiittlitton dfe ()ositive Folgerung ab* 



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leiten, dafs in Beziehung auf die Standesniäfsiglieit einer Fur- 
•tenehe kein Unterschied zwischen den Geschlechter» des hoben 
wni denen des nieder» Adels "ktattfinden solltei Nimnt omo hietihi , 
dafs ms» in DeuUobland den Adel anderer Staaten deoticben Dr» 
a|inmgs dean eingebornen Adel von Jeber g^leich geaobtet bat, so 
igt die StandesmfifMgbn't 'der Ehe des Herzogs ?on Sassex mit 
Ladj Augusta Murray d lmii gemeinen deutschen Rechte 
nach Iteinem Zweifel unterworfen, selbst vorausgesetzt, (wovon 
weiter unten die Rede sejn wird,) dafs, Lady Augusta Murray 
aiobl ans einem Geacbleobte des beben Adels entsprossen wM. 



Eben so ergiebt sich aus dem Obigen das Resultat, dafs bei 
der Frage von der StandesmhTsigUeit einer Furstenehe zugleich, 
ja vorzugsweise, das b.esondere Recht eines jeden einzelnen 
deutschen Fürstenhauses in Betrachtung zu ziehen sey; 

Es haben jedoch die Gegner der Ansprüche des Sil* Angostnl 
dtSste. steh nirgends anf ein Uansgesefee oder Fantlienstatat des 
Haases Braunschwetg- Lüneburg oder des Hauses HannoTer b^- 
mftn und eu bei*ufen Termocht, welches för den rorliegenden 
Fall mafsgebcnd wäre. Dagegen beziehen sich die Vertheidiger 
jener Ansprüche einstimmig auf einen aus der Geschichte des 

V Hauses Hannover entlehnten Fall, welcher der Standesmälsigkeit 
der Ehe des Herzogs von Sussex entschieden (sogar per ai'giu 
mentum a majori ad minus) das Wort spricht« 

leb will den Fall mit den Worten des Herrn Htüber enib- 
len, da dessen fieriebt soeb vom Herrn Eichhorn (S. i69.) als 

*rieblig aaerhanfit ' whrd. **) « Der^ Erbprins Georg Ludwig Ton " 
Braunschweig -Calenberg oder Hannover (in der Folge Ktfrfurst 
-Ton Braunschweig - Lüneburg , seit 1698, und unter dem Namen 
Georg I. Konig von Grofsbritannien und Irland, seit 1714) ^*cr- 
flsablte sich den ai. November 1682. mit Sophie Dorothea Gratia 
TO» Wilhelmsburg. Oiese war eine Tochter aus der morga. 
oatiecben Ehe, welche der Uersog Georg Wilhelm zu Celle 



Da ich, wie billig, nicbt mich, soiulcrn nur die Sache zu \er- 
ÜMidlgen gemeint bin , so bexieho ich mich wegen eines IrKhums, 
in dem leb mich nach der Schrifi de« Uemi EhEhlMm'<S. 16i.> 
befladea soll , (darcb die Bemeriung , dafs der Hevsrig GOBig WU^ 
beim SU Celle eelne' Ehe In der Fojge krafi eixeoen Bechts ia eine 
■taadeHniTsige verwandelt an ,habea ach eine») blee auf die 
flsitill dse Rem KlAber. 8. 181. Äam. 8. 



. die Wärrita <tMA Rechte «ine« Primen des Uausc» liafiMf er. 

ist Jabrtf #bl4k mit eindfii Frjfulein vom f raffzosUche n ge« 
meinen Adel geschlossen halle, mit Eleonore Desmiers (oder 
D*£tmiers) d'Olbreuse, geboren 1666. Anfangs wurde sie l'iiiu« 
ieia fon Harburg, gleichwie ibre Mutter, (als des Heizo^t Ge^ 
mahiia mr Maben Hand,) Frau von Harburg tituiirt, .bM flU 
Jdk 6tpMttb«r »674. lUiier Leopoia L Mutttr und Tocbttr «H«' 
de». fitoalNi Grifimieii von l^iUiehMhurg im i^m GnÜMtltiid «w * 
kok DUtüii Titel ffihrle die M«tttr bii sn ihre« 
Tode i» Jahre 1713.« Diete Sophie Dofothee Grfiftn . 
Toa Wilhelmsburg ist die Stammmatter de» gesamten 
»Doch blühenden Hauses Hannover. 

Wie sucht nun Herr Eichhorn die Auhtorität dieses Fallet 
feil entkräften? — Man durfte erwarten, dafs er, sonst mit HG1£k 
■littebi äosgestattet , die Andern nicht zu Gebote standen, auch ' 
ita^'ditien Fall neue Aaftcbluase gebe» würde. A|ber ^ieie 
Brwartong gebt moht In Erluliong ! ( Und eine getSusebte Hoff« 
ming geht leicht in Verdacht fiber I ) Herr Eichhorn sagt : (St m6S.) 
»Die Anerkennung der Gleichheit der Ehe des Erbprinzen Georg 
Ludwig mit der Gräßn Sophie Dorotbee von Wilhelmsburg be- 
weist nicht das geringste<i( (nemlich iilr die Behauptung, dafs 
die Ehe eines Prinzen des Hauses Hannover mit ein<;ra Fräulein 
TO» nioderen Adel, nach dem Uerkommen dieses Hauses^ eioo 
Haadeimäruge Ehe iey(> tdenn es wurde eben bei dieser 
Verinüblang die Verabredung mit ^dem Veter dea'Erb» 
frkisen« dem Herzoge Ernst August, und mit dem Agneteu« 
dem damelt regierenden Heraog^ Anton Ulrich Ton Braunichwetg- 
Wolfenbütlcl getroffen, dafs die Gräfin von Wilhelmsburg den 
Titel Herzogin von Braunschweig-Lüneburg anneh« 
men solle.« Er setzt (S. 166.) hinzu: »Gegen diese Ehe 
kennte keine Einwendung erhoben werden, nachdem Vater and 
Agnaten ibre Zustimmung ertheilt hatten, dafs sie als eine 
gleiche Ehe geschlossen werden solle.« (Hier Terwandelt sich 
also die Verabredung wegen der. Annahme des fürstlichen 
•Titels, in eine Zustimmung «ar Gleichheit der£he. Herr 
Eichhorn ist ein Meister in der Koiisti die Hand zu ergreifet, 
wenn ihm ein Finger gereicht wird.) 

Ich frage nun: 1) Aus weither r)uclle hat Flerr Eichhorn 
die l'hatsacbe entlehnt, dafs' der Heirath des Erbprinzen Georg 
Ludwig diese Verabredung oder Zustimmung vorausgegan- 
gen sey ? auf welche Auhtorität stützt er sieb wegen dieser '1 hat« 
Sache ? Er beruA sich, (mit Herrn Uiuber, 8. i8i| welcher diese 



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Ifii SdirUtM üh. i, AMprfiche A«giiU*a VM Etto aaf do^ Titelt •••.w. 



Thatsache ebenfalls, ohne Arges dabei zu denken , anfuhrt,) le- 
diglich und allein auf Putter« Nun sagt zwar Pütter ( über Mift. 
Ji^rathea deotscker Fürsten and Grafea» 8. iBj f«) allerdii^t : 
»Die 'Tochter des Herzogs Georg Wilhelm « Sophie Dovotbee, 
Mbrte'/^^ ihre Holter, den Namen Gri^A toi^ Wilhelmthorg , 
bis dieselbe i68e. bei ihrer Verrolihlnng mit dem damaligen Erb- 
prinzen Georg Ludwig von Hannover, in Gefolg einer sowohl 
mit dessen Vater Ernst ^ugust, als mit dem damaligen 
Herzoge Anton Ulrich von Braunschweig- Wolfen- 
hütte 1 getroffenen Abrede^ den Titel Hersogin von Braun- 
iohweig und LSneborg annabm.c Aber eine nrkundliclie oder 
•bse tonsl glaabwSrdige AoktorltSt Hir diese »Abrede« findet man 
betIPStler nicht. PSiter hemft- sich nur auf Moiers Staatsreoht 
(II, loo.*) Allein in diewm Werbe kommt von einer soloiieii 
Abrede auch nicht ein Wort vor. '*) Dafs übrigens Putter f Är 
s^ch keine Auktoritnt in der Sache ist, versteht sich von selbst. 
Putter halte seinen Gewährsmann für jene Nachricht um so raehp 
nennen sollen, da er in diesem Falle als testis in propria caijsa 
betrachtet werden bann. Denn er bekennt sich eben so, wi^ 
jetzt Herr Eichhorn« in der L^hre Ton der Standesmäfsigkeit der 
Ehe eines deotschen Fiirsten zu der stren^slen Heinoog* — - e) Man 
mfiffte mit dem Ceremonielle« welche die deotschen Ffirsteo« 
hXiiaer und die Linien eines nnd desselben Hauses gegen einander 
beobachten, wenig vertraut sejn , wenn man annehmen wollte, 
dafs die in Frage stehende Ehe ohne Wissen und Willen 
des Herzogs Anton Ulrich als eine standesmälsige Ehe abgeschlos« 
sen worden sey. (Ich spi;pcbe nicht von dem Vater des Erb. 
prinzeo. Die Heirath war zugleich, sein Werk. Es ist nicht 
einmal wahrscheinlich, dafs mit ihm wegen der 'Standesmafing* 
lieit ider Ehe eine besondere Yerabredong getroffen worden wey*y 



M) Bei Fütter kommen zwar a. a.,0. noch andere Citato vor. Oieae 
beaieba sich aber anf die Genealogio der Familie d'Oibrense. 

(D^r ßeschlu/a folgt.) - 



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N*. 17. HBIOBLBERGBJI 1836. 

JAHRBÜCBER 1>£R LlT£RATUiU 



Mr^m Met Oh ßaufurMn» Amgmf» vm BtU dm tUHf 
WtHm wM BeOU« «Am» Mwcm 4e» BMfun Wmiimmr. 

Aber, dafs der Herzog Anton tJirich nicht i»{dert|Mrach,- 
■'genügt nicht, diese Ehe zu einer nur ex consensu agnaUorum 
sWe ex pacto standesmäfsigen Ehe zu machen. Das Arpumeot 
beweist za fiel ; denn man kSnnte mit demselben alle die Fälle 
beseitigen , in welchen eine anschlich anatandesmäfsige Ehe einea • 
Fürsten oder Grafen ohne Wider8priil;h den Agnaten für 
itandeamfirsig eracbtal worden wäre. Man brauchte nur daa Still« 
ichweigea der Agnaten ata eine Einwilligung sa deaten. 
Sondern daraof kommt es an, oh der Herzoj; Anton Ulrich' om 
aeioe Zustimmung zu der Vermählung des Erbprinzen und 
zwar aus dem Grunde befragt worden scy, weil der Ehe die 
Cigcnscbaft der Standesmnfsigiie il ab^^ehe, ob und wie 
er sich auf diese Anfrage erl|lärt habe^ und überhaupt, wie die 
Verhandlungen, ihrer Form und ihrem Inhalte nach^ beschaffen 
waren , weiche der Verpiählang dea Erbprinsen Toransgingen. 
Aber über alle dieae Omstande sind wir nicht anterrichtet Die 
Grilin Sophie 7)orothee war eine reiche Erhtoehter. Man 
dariP daher wohl rerrnnthen, dafs der Heraog Anton Utrieh, an» 
statt seine Rechte zu wahren, nur zur bevorstehenden Vermah- 
lung des Erbprinzen GlucU wünschte. Mit einem Worte also, 
so wie derPall für jetzt steht, beweist er zurGcnüge 
das Herkommen, auf welches sich die Vertbeidiger der An^ 
•pröche dea Sir Apgnstna d'Eate bemfen« 



Endlicb, sagen die Vertbeidiger dieser Ansprüche, auch wenn 
man die StandesmhTsigheit der Ehe eines deutschen Fürsten ron 
der Abstammang der Gemahlin aus einem Ge&cblechte des hoben 
Adels abhängig machen konnte oder wollte | ao Wurde dennoch 
die in Fragif atehende Ehe dea Uersoga vpn ^ouez £8r eine 
ttnndeamlfiiige Ehe^sa erachten aeyn. ]>enn Lady Aogvatn M» 
rnj stammte Ton cpner Familie dea hohen aehotliaohen Adelt 
XXn. Jahrg. «. Haft lY « 



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M Mrifloi ober ü» iMytieb« Aagwl'« toi Sit« Mf den UM, 

•Ik. Ihre Voreltern wet^n souTeraiae Herren der Intel Man* 
Sie zählte onter ihren Ahnen selbst KSnige. 

Keiner von diesen drei falaischcn Gründen , aus welchen der 
Gemahlin des Herzogs von Siissex die Eigenschaft der Ebenbür- 
tigkeit vindicirt worden ist, hat vor den Augen des Herrn Eich- 
ham Gnade gefunden. Ich iverde jedoch nur die Einwendungen 
einer ansfuhrlicheren Prüfung onterwerfen , welche Herr Eich« 
liorn gegen den ersten -Grand erhoben hat. Bei der Yei^hei* 
digung des zweiten Grandes werde ich mich auf einige Bemer- 
hungen 8ber die gegen denselben gerichteten Behauptungen des 
Herrn Eichhorn beschränken. Nicht als ob ich diesem Grunde 
mifstraote oder ihn für unerheblich hielte. Sondern weil ich 
nicht die Zuversichtlichkeit theile, mit welcher sich Herr Eich« 
hörn auf ein den deutschen Juristen fremdes Gebiet, auf das des 
englischen Rechtes, wagt Man konnte mir sonst den Vorwurf 
Aachen, dafs der gut erzählen habe, welcher ans ^der Perne 
honime. Endlich; der dritte Grund ist seinem Wesen nach 
nur ein Neben grund. Er hat nur den Sinn, daft das Ge* 
schlecht, aus welchem Lady Augusta Murray abstammt, ohnehin 
ein Tjcschlecht des hohen schottischen Adels,- sich nocl) überdies 
durch den Glanz seiner Ahnen vor andern Geschlechtern dieses 
Adels auszeichnete. Da der Adel überhaupt auf den Wogen der 
Ö0enllichen Meinung schwebt, da auch in dem vorliegenden Falle 
so viel auf Ansichten und Meinungen ankommt, so. durfte auch 
jener dritte Grand von den Vertheidigern der ^nspriSche des 
Sir'Augustus d*£ste nicht ganz mit Stillschweigen übergangen 
werden. '*) 

Dio Einwendungen, welche Herr Eichhorn gegen den Satz 
erhebt, dafs die in Frage stehende Ehe des Herzogs von 
Sussex auch deswegen eine standesmäfsige sey, weil die Gemahlin 
des Herzogs von Sussex aus einem Geschlechte des hoben schot- 
tischen Adels abstammte, — lauten Ihrem wesentlichen Inhalte 
nach so : (S, i43 ff.) Man kann und Herr Eiehborn will zwar 
tiii^bt behaupten, dafs die Ehe eines tlentschen Fürsten mit 
einer Gemahlin nicht deutscher Abkunft nur dann eine Standes, 
mäfsige Ehe scy, wenn die Gemahlin einem souvcraincn Hause 
angehöre. Aber, stammt die Gemahlin nicht aitf «inem solcbea 



7d) Auch in dem „Gutachten^* habe ich den awciloo und den drltSBB 
' Gtrund nur gelegentlich erwähnt. ' ^ 
* • • 



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Haute, sondern nur ai|S einem ad liehen Geschlechtc des Aus- 
landes ab, so muri ztvischen dem Adel ihrej Gesohieohts 
■■d dein^ hohen deutichen Adel weaigttont eine poH* 
k^mmene Analogie eintreten» Allein an einer solehtn An^^ 
logie fehlt es in dem torliegendeo Falle. Denn i) »Der hohe 
deutsche Adel ist oder war ein »herrsehender, c( (Herr Eich- 
horn will sagen, oder hätte sagen sollen, ein regierender) 
Adel, nicht so der schottische. Zwar hahen die englischen und 
schottischen Pairs Sitz und Stimme im Oberhause, (jene Mann 
för Mann, dtese nur durch eine Anzahl Vertreter, die sie aus 
ihrer Mitte ^wfihten ; ) eine politisch allerdings bedeutende Stel* 
htngl Allein clie englischen qfid achotlisehen Pairs werden da« 
doroh nicht sa elnera herrschenden (regierenden) Adel, da sie 
in fieciehang auf die Rechte über ihren Grondbesilz fiiemals eine 
Stellung gehabt haben , welche der eines deutschen Landeshen n 
verglichen werden l^onnte. 2) Beide , die schottische Paii ie und 
der deutsche hohe Adel, sind ganz vbrschiedenen Ursprungs. Es 
ist ganz ungegründet, wenn man den Unterschied zwischen der 
englischen oder schottischen ISobilily and Gentry mit dem deut. 
sdben GagensatiBe »wischen hohem vnd niedren Adel vergleichen 
wUL Jene sind gleichen Ursprungs und gleichen Gehortsslandet 
onti erst seit neueren Zeiten durch den Titel und die an diesen 
getinupften Bechte verschiedene Stufen eines Standes geworden.' 
Hoher und niedejer deutscher Adel dagegen sind nicht Stulen 
eines Standes; sie sind ursprünglich dem Gehurtsttande 
nnßh verschiedene Klassen, und nur die Benennung Adel ist 
auf eint Klasse der Freien und Dienstleute, die von jeher vom 
Adfl unterschieden wurden « in neueren Zeilen ausgedehnt wor» 
^en, and dadurch der BegrifF eines niederen Adels entstandeui 
welcher arppruoglicb dem deutschen- Bechte gans fremd isL So* 
wohl in England ab in Schottland ist der Begriff der Pairia 
aus dem normannischen Feudaladel hervorgegangen. Die 
I\echte der normänuischLn Lehnsbarone waren, selbst in der Zeit, 
wo sie noch ihre vollständige Bedeutung hatten, vOn welcher 
jetzt la^t nichts, als das Gr undeigenthum übrig geblieben ist, 
TOa den Rechten des deutschen Herrenstandes seit der Entste« 
buDg der Landeshoheit wesentlich verschieden.« Endlich 3) »würde 
HeiT Eichhdrn schon das sehr bedenklich finden « dafs sich jn-Be- 
siehuog auf die englische und schottische Pairie, die seit Jahru 
linndarlaa besteht, nicht ein einziger Fall einer YvniMIhlQng 
mit dem deuUcben Füi'Steostaade nachweisen läTst , der för 



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M SdueifiMi iber AiMprfidM Abgalt'« Elte Mf am Titel« 



gleich gegolten hatte. »Der einadge Fall,« fährt Herr Eichhorn 
fort, »welcher ans behanat ist, spricht yielmelir-gegeii die 
Gleichheit einer solchen Verbindong. Wir meinen die im 
Jahre 1791* geschlossene Verbindung des lotsten Markgrafen Ton 
Ansbach und Baireorh mit Lady CraTeir, Tochter eines Grafen 
von Berkeley, aus einem Geschlecht, welches im Aller der Pairie 
und des Adels überhaupt , dem Murray'^chen völlig gleich zu 
Stehen scheint. Allerdings sind uns genauere Nachrichten über 
diese Vermähluhg nicht zagänglich gewesen ; gewifs aber ist, 
daf^ sie nicht als eine gleiche geschlossen f^orden seyn 
bann« Denn Lady Craven nennt sich in ihren .eigenen 
Eingaben bei der dentschen BnndetTersammliwig, die sie wegen 
Forderongen machte, welche sie als 1/Vittwe des Markgrafen 
habe, nicht eine Terwittwete MarkgrSffn Ton Ansbach 
nnd Baireuth, sondern Prinzessin (Fürstin) Berkeley. 
Sic kann mithin nur in morganatische Ehe mit dem Markgrafen 
getreten seyn ; jener Titel efncr Fürstin beruhte, wie fruherhin 
in üiTentlichen Blättern aagegeben wurde, 'auf einer baiser» 
lieb«« SUadeieri|-6b.og.« . 

Ich will gegen diese Einwendungen des Herrn Eichhorn 

nicht das rügen, dafs er sie zu einem guten Thcilc ohne Beweis 
gelassen hat, so oft er auch selbst seine Gegner zum Beweise 
aulTordert. Ich weifs recht wohl, dafs ein Vortrag, in welche 
allgemeine Sätze auf einen einzelnen Fall anzuwenden sind, nicht 
so gepanzert auftreten bann, wie ein Vortrag, in welchem diese 
Satze für sich zu begründen sind« Sondern ich gehe sofort «nf 
die Sache selbst ein. 

Ich stimme nn't Herrn Eichhorn vollkommen uberein, wenn 
er die Entscheidung der vorliegenden Frage von einem nach den 
Regeln der Analogie zu führenden Beweise abhängig macht. 
Nur hat man, sowohl überhaupt als ins besondere bei dieser 
Frage nicht die unwesenjt liehen Aebi^licbkeiten oder-Unähn^ 
lichkeiten den wesentlichen gleichzustellen. Denn sonst wurde 
man den Grundsatz selbst aufheben 1 dafs die Ehe eines deutschen 
Ffiriten mit einer Gemahlin , welche nicht deutscher Abkunft war 
nnd nicht aus einem souveränen Hause abstammte, dennoch eine 



19) Man sehe die Protokolle der deutschen nundeBVcrtanimlang (Ii 
der qaartaiugabe). Bd 19. Ter^l. mit Bd. 17. S. 50. 

Anm. des Herrn Elchhern. 



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« 



die Würdisn unil Uochtc eiae« Priusen de« lliiai»et Haaiiover. 2U>i 

itandesraliTsige Ehe seyn konnte. Der Adel, ein Stand, dessen 
Vorrechte lediglich und allein aus den positiven Gesetzen abge- 
nommen werden können, hat einerseits überall, d. i. in einein * 
jeden einzelnen Staate, wo er besteht, seine Cigenthumlichkeiten* 
Aadereneits aber bleiben, wenigstens was den Adel in den Staaten 
deatschen Urtprongs betriift, oocfa immer gewisse dem Adel . 
dieser Stuten gemetnsaine Eigenschaften. übrig, welche* den Adel 
* des einen Staates dem des andern Staates zu vergleichen ond ta 
den geeigneten Fullen gleichzustellen ermnohtigen. Wenn daher 
(zu 1.) Herr Eichhorn behauptet, dafs zwar die Ehe eines deut. 
sehen Fürsten mit einer adlicben Gemahlin nicht deutst;her Ab- 

• honft eine standesmäfsige Ehe sepi könne, dafs jedoch der 
Adel, za welchem die Gemahlin ihrer Abstammung nach gehorCi 
in dem Yaterlande der Gemahlin ein regierender Adel seya 
mSsse, so scheint er mir diis StandiesmSrsjgkeit einer solchen Ehe 
jron einer an wesentliolien, ja von einer oniii5gliisben Be- 
jlingang abhängig gemacht zu ^aben. Von einer nnwesentli* 
eben Bedingung ; — - in dem VTesen eines Erbadels liegt 
nur das Merkmal erblicher jtolitischer Vorrechte ^ d. i. solcher 
Vorrechte, weiche sich theils auf die W ürde des Standes thcils 
auf die Ausübung der Staatsgewalt beziehn, und in dem Wesen 
eines hohen Erbadels nur das Merkmal, dafs dieser Adel durch 
seine Vorrechte dem Throne am nächsten und höher steht, als 
eio ai|derer Erbadel , der neben ihm in demselben Staate bevor- 
rechtet ist. Zu Folge dieser tterbinale ab^r waren*, (denn hier 
brancht nur von' den Zeiten de» deutschen Reiches die Rede zn 
seyn^) die schottische Pairie und der hohe deutsche Adel einander 
Tollkommen gleichzustellen. Auch die scholtibclien Pairs stehen 
- ihrer Würde und ihrem Range nach dem Könige am nächsten. 
" Die Grafen von Dunmore, von welchen Lady Augusta iMurray 
unmittelbar abstammte, werden von dem Könige mit dem Titel : 

« Consin an((eredet. Die Geschlechter der schottischen Pairie sind 
el^n so reichsstlndische Geschlechter, wie die deutschen reicha- . 
Iilrstliche^ Geschlechter diese Eigenschaft hatten. Der niedere 
Adel oder die Ritterschaft bat dagegen weder in Schottland (noch 
in Grofsbritannien) kraft eignen Rechts Sitz und Stimme auf den 
Reichstagen, ganz so wie sie dieses Recht auch auf den dcüt- 
scben Reichstagen nicht hatleii. Aber bleibt nicht noch immer - 



17) Er fugt ndch nherdies (S. 144.) sorgliah hllnu^ »,4cn Unstindsn 
'•^ nach vÜDlIeldit." , 

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m Schrifteo über di« Antprüch«. Auguti't voa EtU auf don TiUl, 
• •• • 

der Unterschied zwischen einem deutschen ReiehsfUrsten und 
einem schuttischen Fair üi>rig, dafs nur jenem die Landes» 
hoheit zustand? Mau kann antworten, daU selbst dieser Untere 
•obied in einem gewissen Grade verschwinde, wenn man' dii 
ckemaKge Verfassung der schoUischeo Cieiit in Antobleg Mfegt; 
Auf jeden Fell aber betrifft dieser Untersebieii nicbt di« Art« 
londern nur den Grad des politiscben Einflusses des einen und 
des endern Standes. Die Pairs beben als Lorde of tbe manor 
bis au( diesen Tag gewisse Hoheitsrechte. Von einer unmog« 
liehen Ik-dingung, — was Herr Eichhorn mit der einen Hand 
giebt, das nimmt er mit der andern. Der Forderung, welche 
er hier an die Ehe eines deutschen Fürsten mit einer adlicbeu 
GelYiahiin des Auslandes stellt, wenn* die EhU standesmäfsig seyn 
•oll^ konnte^ be wandten -Umständen necbf hie und mrgende Ge- 
niige gelebtet werden« Denn in keiiiem andern enr<^patsohuu 
Staate deutscben Ursprungs, als im deutseben Reicbe, gab ec 
efnen regierenden Adel d. i. einen Adel^ dessen- poKtiseb« 
Vorrechte sich auf die Landeshoheit erstreckt hatten. Das* 
selbe gilt auch fon der Gegenwart. — W cnn Herr Eic^ihorn 
ferner behauptet, dsSs in Schottland — nicht aber in Deutsch* 
land — der hohe und niedere Adel »gleichen Ursprungs und 
gleichen Gebnrtsalandes sey, so mufs iob (zu 2.) diese Behauptung- 
gSnzlich ina Leugnen stellen. Wie oben ausföbrlich geseigt worden 
ist^ gab es in Deutsehland ursprGnglicb nur einen Unterschied, d«r 
darcb die Geburt l>egrijndet wurdet den swiscben Freie^ und Uo«. 
Ireien ; und eben so sind bis auf diesen Tag der bebe und der 
niedere Adel nur Klassen oder Stufen desselben Gcbui tsstandes, 
(Das ist ja eben der Punht, um welchen sich der j^anze Streit 
über die Standesmäfsigheit der Ehe eines deutschen Fürsten dreht. 
Herr Eichhorn nimmt das als entschieden an, was der eigentliche 
iiegenstaud des Streites ist.) Wie sich in Schottland der hohm 
Adel von dem niedern durch seine 'IHtel und durch eein Sit«, 
und Stimmrecht auf äem^Beichstage unterscheidet, so unterscbtud 
er eich im deutschen Reiche durch seine landesherrlicben .unil 
reichsstindiscbeo B^hle yon dem nfedern Adel Ja, in Schott, 
fand ist die Scheidfinie zwischen diesen beiden Adelshlasseu sogar 
noch schäller gezogen, als sie es im deulschen Reiche war. Denn 
im deutschen Reiche gab es Eamiliea des hohen Adels, welche 
die Reiclisstandscbaft ohne die Landeshoheit, (z. B. Schonburg,) 
oder diese ohne jene, (z. B. Bentinb,) hatten. Dieselbe Analogie 
wiederholt sich in der Geschichte der allmäligen Spaltung de< 



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deuUoh«n md des icbotttfciien Adelb In einen hohen and niedern 

Adel. Herr Eichhorn verwechselt, zu meinem lie freuKlen , Schotte 
land mit England, wenn er (itn Ursprung des schottischen Adels 
aus dem normannischen I^'eudaladci ableitet. Erstreckte sich 
deoo die Ucrrschalt YVilliamls ^des Eroberers, Herzogs der Nor- 
nandie und Koniges von England oder die seiner Nachfolger je» 
malt über Scboltiand ? In Schottland ipng der Adel . aot der 
Yerfastong der Clane herfor, in welchen das Volli getbeilt war« 
(Das Getcbledit der Murraj's ist ein altscbottischet Geschlecht.) 
Es gab in Schottland der Sache nach schon jn den SItesten SSeiton 
einen Adel, welcher aus den Häuptlingen der Clans bestand ; et 
gab sogar einen hohen und niedern Adel , da die Clans ihrer 
Macht nach gar sehr von einander verschieden waren, wenn auch 
dieser Unterschied erst später, als Adelstitei in Gebranch kames 
ond die neichstagsrerfassnng eich feststellte) bestimmter herror* 
trat Bei dieseir £ntstehang des scbottascben Adels spielte eben sO| 
wie bei der des deutschen Adels, die Grundherriicbheitt — der 
grSfsere oder geringere Umfang d«s Gebietet, das der Clan fnaa^ 
hatte, eine entscheidende Rolle. Was in dieser Beziehung 
in Schottland geschah, wiederholt sich in der Geschichte Fries- 
lands sogar von Wort zu Wort. Auch in Friesland be- 

ttand eine der Verfassung der schottischen Clans ganz ähnliche 
Verfassung. Auch hier entwickelte sich mit der Zeit aus dieser 
Verfassung ein hoher und ein niederer Adel , ein Unterschied 
zwischen den oiiichtigeren und den minder mächtigen' Häuptlin» 
gen , zwischen den Besitzern gr5feerer und denen kleinerer Grund- 
faerrschaften. Du Verhiltntfs des Häuptlings zu seinen Stammes« 
genossen und das des Grundherrn zu seinen Gruiidhörden sind' 
von einander nicht wesentlich verschieden. — Endlich , (zu 3.) es 
scy, da($ sich hein Beispiel von einer Ehe eines deutschen Für- 
sten nachweisen lasse, welche, ungeachtet oder weil die Gemahlin 
vom hohen englischen oder schottischen Adel war, von 
Rechtswegen für standesmäPsig erachtet worden wäre ; es genügt^ 
dafs sich kein Beispiel für das Gegentheil anluhren Jäfst ; es ge-. 
jiugt , d/fh es, ^älle giebt , in welchen die Ehe eines dentschea 
F&rsten mit einer Gemahlin aus einem Geschlecbte des hohen 
franzosischen Adels ohne Widerspruch für standesmäPsig 
erachtet worden ist. Nietuaud ^ auch Herr Eichhorn wM 



W) VffL Wlarde'e GMchicble von Qstfriesliad« 
'«^9») Vgl. dM „Oulachlett** §. SS. 



f 



PU Selirillea Aber dttelMprocIi^ Aagatl*i«MlSitoMir«MTiltl« ' • 

nicht geneigt seyn , die Ban^e lose so maeben , welche die N». 

tionen des heutigen Europa gleich als eine einzige Nation zosam* 
menhalten. Jedoch , ich habe nur gesagt , dafs es für die TOr- 
liegende Rechtssache gleichgültig sey, ob sibh ein Beispiel 
jener Art nachweisen lasse oder nicht ; ich habe nicht gesagt, 
dafs es kein toiches Beiflpiel- gebe. Gerade der Fall, den Herr . 
Eiebhoni selbst anfuhrt I seogt f;egen ibo. Freilich oichl nai^h 
dem Berichte, den Herr Eichhorn Ton dem Falle gegeb^ hat ! 
Aber dieser Bericht i#t so nogenaoi dafs es mir schwer wwd, 
hetn härteres Urtheil 8ber denselben aasznsprecben* Das Pülili- 
liom urlheile ! Herr Eichhorn sagt : «Lady €ra?en nennt sich 
in ihren eigenen Eingaben bei der deutschen Bundesversammlung, 
die sie wegen P^orderungen machte, welche sie als Wittwe 
des MarhgraFcn habe, nicht eine verwittwete Marhgräßn von ' 
Ansbach ond Baireoth, sondern Prinzessin (Fürstin) Berkelej«c 
Er besieht si^h deshalb aof die ProtohoUe der ßundesversamoU 
long. (XVII, 5o. XIX, 84.) Allein diesen Protokollen 
eind die Eingaben der Aarhgrafin nicht abgedrnckt| 
und ehpn so wenig wird ip diesen Protobollen ans*, 
drücklieb angeführt, wie sich die Markgräfin in ihren 
Eingaben genannt oder ünterzeichnet habe. Aber noch 
mehr! Die Stellen der Protokolle, auf welche sich Herr Eich* 
horn bezieht, lauten wörtlich so : 

»Die Eingaben 

Nummer 25, eingereicht am 29. vorigen Monats,« 
(April 1825.) »von Dr. Hicpe dahier, UevoUoiäch* 
tigten der Prinzetssin, Berkeley sn London, 
Wittwe des letzten Markgrafen Ton Ansbach 
und Baireuth, Vorstellang in Betreff einer jährlt» 
, eben Wittbamsforderong.« * . . ' 

etc. etc. etc. * 

werden der Eingaben • Commission zugestellt.« ßd. XVU. 

i^Der Gesandte der freien Städte, Herr Dans, selgt an, 
dafs die, die Bedametion der Prinsessin Berkeley 
sn London, Wittwe des letzten Markgrafen ron 
Ansbach und Baireoth, betreffenden Acten, dem zum 
Aosträgalgerichte gewählten gemeinschaftlichen Obcrappel- 
lationsgerichle der freien Städte zu Lübeck, zugcfertiget 
worden seyen.« Dd. XIX. (Man wird der Vorsicht Go- 
^rcchtigkeit widerfahren lassen, mit welcher HevrEichhom ' 



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, • .die WunleD and Bechte eiMs JPonien dm Uaoiet HaiiMV«r. SM 

die Worte dieser Protokolle : »Wittwe des Marbgrafen 
Ton Ansbach,« in der oben aogefuhrtea Stelle aeintr Sokciil 
Y ersetzt hat) ^ 

Abo — i) wir wissen nicht authentisch, wie sich die verwitt- 
wete Markgräfin von Ansbach und liaireulh in ihren Eingaben 
unterzeichnet habe ; 2) wir wissen noch weniger, dafs sie sich 
in ihren Eingaben nicht eine verwittwete Markgräfin ?on A. und 
B», londern Prinzestin Berkeley genannt habe; 3) wir miisaea 
sogar xn Folge der angeführten- Stellen annehmen, (denn achoa 

• der Verdacht, daft in diesen Stellen das Bnbroiii der Eiogabea 
unrichtig beseichnet sej,* wurde eine emate R8ge Terdienen,) 
dafs Mk die Rehlamantin Markgrä'fin Ton A. und B. genannt 
habe ! — Herr Eichhorn fahrt fort : » Der Titel einer Fürstin 
beruhte, wie früherhin in üffentlichen Blattern angegeben 
wurde, auf einer kaiserlichen Standeserhöhung.« Wir wollen den 
Herrn Eichhorn wegen dieser Ton ihm aufgestellten Behauptung 
nicht mit den Fragen behelligen : Wie heifsen diese Blätter ? wie 
laotea die in ihnen enthaltenen Nachrichten t lag ihm BerKn ao 
fern , dafs ec d^rt nicht hütte Erhtmdignngea eiaii^n hSnneo 7 
w. s* w. Anstatt sa fragen , wohen wir antworten. Die Mark«, 
grSfin Ton Ansbaeh, fruhinr Lady Craren, hat Denlitchriften her^. 
aosgegeben, an deren Authenticitat niemals gezweifelt worden ist« 
Sie sind zu I^ondon und dann (in einem Nachdrucke) zu Paris 
im J. 1826. unter dem Titel erschienen : »Memoirs of the Mar- 
gravine of Ansbach, formerly Lady Craven. Wrilten by herseif. 
II VolL 8.« Zu Folge dieser Denkschriften führte die Marlu 
gräfio bia zo ihrer «weiten VerheiratHung den Titel s Ladj Crii?eii| 
den Namen ihres ersN» Gemahls. Sie Terheirathete sich «mit dem 
Markgrafen bald nach dem Tode ihres ersten Gemahls, 
aof einer Rei-se in ferne Lande, in Lissabon. Sie selbst 
giebt Ton ihrer zweiten Verheirathung (I, 258.) folgende Nach- 
richt : »As, by the death of Lord Xiraven, I (elt myself released 

^ from all lies, and at liberty to act as I thought proper, I ac- 
ccpUd the band of the Margrave witbout fear or remorse. Wo 
Nrere married in the pi'esence of one handred persons, and 
atteiided by all the finglish na?al olBcers, who wero qaite'de« 

• lighted to assist as wittnesses.« Sie war .viel zn hochmbthig^ 
(high*minded) als dafs sie eine vorli^afige Standeserhdhung ge- 
ancht bitte oder ängenommen haben wurde. Gleichwohl wurde 
sie, wie sich aus denselben Denkschriften ergiebt, überall, auch 



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M ^ * 

von -den kSniglielieB Yerwandtep Uum GMahli^ MarligHifia 
▼on Antbaeh «Aerkaimt; 

Jetst nXfch ein Wort vön der^wellenambraosten Ipsel Man! 
— A «gutta fämray^ aagan die Vertheidiger der Anaprocbe 

des Sir Augusttis d*E^te^ stammt miI» einem Gmehleclite ab, weW 
chem die Insel Man gehoile. Diese Insel war einst eine sou- 
vcraine llerrscbaft, ein kleines Königreich. Sic wurde sowohl 
auf^d^n Weibs- als auf den Mannsstainm vererbt. Lady August« 
Marray ist also aus einem einst sonverainen Geschlechte entspros- 
sen* Sie hatte kraft dea Erbrechts, welches ihr an der Insel 
Man snstand,, (in her own right,) einen Anaprach aof alle die 
Wurden und li^orrechte dieses cWchleehts. Nun hat zwar ibr 
Geschlecht in den peveren Zeiten seine Sonverainetitsrechte' und 
späterhin auch seine, Eigentbumsrechte (beziehungsweise in dem 
J. 1765. und in dem J. 1825.) an die Uione England freiwillig 
(durch einen Verkauf) abgetreten. Aber auf die Würde und 
die Ebenbürtigkeit des Geschlechts hann diese Abtretung um 
deswillen keinen Einilufs haben, weil überhaupt ein souveraines 
Haus mit der Souverainetät nicht auch seine persönlichen Vor» 
rechte ?erliert. — Die Einwendungen^ welche Herr Eicbbora 
gegen 'diese ScblnHireihe erbebt sind vorzugsweise gegen den 
Ssts gerichtet f dafs die Insel Man vormals ein souveraines 
Besttztbum des Geschlechtes war. Nun bat zwar Herr Eichhorn 
diesen seihen Widerspiuch auf Urkunden gegründet, welche er 
im Anhange zu seiner Schrift bekannt gemacht hat. (Und das 
Publiluim hat alle Ursache, ihm für die Bekanntmachung dieser 
Urkunden f die wenigstens für Deutschland neu sind« dankbar zu 
sejn.) Aber ich lurchte, dafs diese Urkunden gegen' den Pro* 
daoenten beweisen. Es ist allgemein anerbannt und es wird von 
Herrn fiicbhorn selbst angeführt, dafa die Insel Man (bis zum 
Jfthre 1765 ) als ein von England verschiedenes liSnigreieb be- 
trachtet wurde. Nun behauptet Herr Eichhorn zwar, dafs die 
Insel nur in Beziehung aut tlie Krone England die Eigen- 
schaft und den Namen eines besonderen Königreiches gehabt habe; 
und ei' fragt, welche Souverainelatsrecbte denn den Uerren der 



80y So zJi. Blaekstbne. S. auch : The peerage of Scotlünd. Bj Str 
Robisrt Douglas off Gleabarvllle. S«e.~Mil. BAabargli. 
VsL I. 181i. Fol. 8. m. 



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die Warden und K«cht« einet Prinseo dee Uauee« Uaanttvw. Sli 

■ 

Insel Man zugestanden hätten. Aber man bann diese Prag« 
auch umUehren. Da die Insel ein von England verschiedenes Kö- 
nigreich war, welche Iloheitsrechte verblieben dem KÖnigCy 
da er die Insel, (s. Eichhorn im Anhange S. LXVI.) »una cim 
Begaiiis Regaliiaiibus Franchesii« Libertatiboa Porlobtts Marit el 
fMombua ad Portum. ralionabiliter et debile pertinentibiis Uoma« 
^ia FideiitatibiM Witrdis MaritagUa Belerlie Eacaetis Forltfecturie 
^aiCs Straifii jCuriit Baronum Visibtia Franciplegiis Cietis Hiindria 
Wappentacchiia Wrecco Marls Htnera Plambt et Ferri Feriis 
JUercatis Liberis Consueludinibus Pratis Pasturis Bostis Taicis 
Chaceis Landis Warennis Assartis Purpresluris Chiniina^iis Pis« 
Cariis Molendinis Morls Mariscis Turbariis Aquis Stagnis Vicariis 
Tiis Passagüs et Cois ac aliis Commoditatibus Emolunientis et 
Pertinenciis qaibascamqQe ad Insulas Castrum Pelam et Dominium 
predicta qualitercumque pertinentibus sive spectantibus simni cum 
patronäto Episcopatus Insnie de Mao, nec oon Feodis' Militum 
AdTOcatiooibttS et PatronaUbns Abbadfemm Prioratnum Hospit%- 
Itom Ecclestarum Yicartarum Capellamm Cantariarum ac alioram 
Beneficioriim Ecciesiasticorum quorunicunque ad easd^in Insulas 
Castrum Pelam et Dominium similiter perlinentihus.« — also 
obne irgend einen die Regierung und Benutzung der Insel be- 
trefifeoden Vorbehalt zu Lehn gereicht hatte ? Itonnte der 
Konig nach einer solchen Bclehnung andere Hechte in Beziehung 
auf die Insel Man in Anspruch nehmen, als diejenigen, welche 
•Ofden Pflichten ^beruhten, die dem* Vasallen , als solchem, su 
Folge des Lehnsbrifsfes und nach dem gemeinen englischen Lehn* 
rechte oblagen ? (Wobei ich mir den Tadel erlauben muft, 
dafs Herr Eichhorn den Unterschied zwischen Souverainetäts- 
und landesherrlichen Rechten gänzlich unberucUsichtigel gchissen 
bat») Jedoch Herr Eichhorn fügt ( S. i5i ) hinzu, dafs die Insel 
ein blofses,' oder, wie er sich an einem andern Orte (S* i53.) 



fit) Herr Eichhorn leognet aoeh , dafe die Herren der laiel den Titel t 
Sovereign Lard of tbc lele of Man, geführt hAttoo-; Jedoch ohne 
■ich d^hnlh anf irgend eine Aaktoritit sn bemfeo* Ich hana 
mich für dae Gcgentheil wenigtlene auf da« Anm. 60. a. W. bo- 
siebn/wo es S. 192. 153. heifst : He (der Hemog von AthoU) tue- 
ceeded to the ao«frei|giil|f of ibe lele of Mao« 

8t) Man ▼orgleiehe dieooa Iiehoabriof mit aodera diO'I^ohae der engli- 
' acben Krono betreffenden Lehnsbriefen, und*^dio Im Texte vertbet- 
digto Bchaaptong wird aicb noch mehr heransitellen. 



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Süd SchriftAB ttb. d. Aoaprüche August'« von Este auf dco Titel, a.«.w. 

aosdrücUt, ein gewahnliches Ritterlehn gewesen sey. Er stufst 
diese Behauptung thcils darauf, dafs das Lehn einst von Hein-^ 
rieh IV. einem Ritter (dilecto et fidcli militi suo Johanni de 
Stanley) Terlieben wurde , thcils darauf, dafs das Lehn ein feu. 
dum Itgium genannt werde ! Aber, wird denn die Beschaffenheit 
einet Lehne» dorch deli Stand des Beliehenen bt^stimmt ? Stand 
damals der Titel ond die Würde eines Ritters mit dem Adele» 
ränge in irgend einem Zosammenhange ? Ist "ein feodam ligiam 
etwas anderes, als ein LeKn, welches den Vasallen Terpfliebtet, 
dem Lehnsherrn gegen einen Jrden, Niemanden aasge- 
aommen, Lehnsdienste zu leisten? 

•Das Resultat brauche ich aus dieser Ausfuhrang nipbl erst 
sa siebn« Die Sti^odesmafsigkeit der Ebe des Herzogs ton 
Sussex mit Lady 'Aogosta Morraj ist obnebin am wenigsten b^ 
stritten worden. ^ 



I bave ^one ! — > IcH babe mit Lust gearbeitet Denn ich 
gleubte eine gnte Sacbe so rerlheidigen. Denn ich vertbeidigte 
di^ Ansprficbe eines Mannes, den ich schfitse, weil ich ihn per> 
iSnlicb SU kennen das Glich habe. 



88) Dar BegrilT einet feudi ligii ist xu bekannt , ola dafs ich mir er- 
laal^n dürft«, die gegebene Defialiion doreb Citatc sn rechtfer- 
tigen, beaondera da ich gegen einen ao rechtek und igen Gegner 
atreite. Oocb darf leb einer Stelle Erwfthnung thnn, die In einem 
altenglieehea Reebtabacbe vorkomnit und den Begriff anf dieeelbe 
, Wdiee bestimmt. Sie etebt in dem Tractatos de leglbna et eon- 
snetndinibu» Angline tempore Regie Henriei II. eompusitus. Lib. IX. 
cap 1. Abgedruckt in einem Anhango xii der englischen lleiclie- 
und Recht8<;ir8chichtc des Herrn l:'rof: Phillip pa. I. Bd. fierl. 
1828. 8. S dascibet S. 41&. 



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SckriflM ftbw. Aalag« iiail ttuiditn« vm Imauateltra. M| 



I) O. FerritB, de» AlM». CondiitüUon» V mr Vitat de» maitont gui 

leur sont destinces tant en France qu*en Angltttrrt, $ur la nece$9it4 
ti'cn crter de nouvellcn cn Fronet et stir !e mode de conatrurtion « prc- 
J^er pour ces maisuns ; 2° sur le rc^'inie hygn nique et moral , auquel 
et» malade» doivcnt itre soumi$; 3* »ur quelques questions de mälccint 
legale ou de Icgislation relative» d leur ^tat civil. Pari»^ chez Mr/me 
Huzard (nee f allat la Chapelle ) , libraire. 18^4. 019 .S. 8. Mit 
% PUmtm und 9 TahOUn. 

8) R. Pa»quier, E»iai »ur le» dhtributions et le mode d'organitation 
d*apri» tin »ysteme physiologiquty d''un höpital d'alitn^» pour 4 — 500 • 
tnalaäe» , prtcMv de Vtxpo»i »uecinet de la pratique midicale de» alit- 
mi» de Vio»pice de Vy4ntiquaiUe de Lyon, dtpui» le 1. Janvier 1821— > . 
. 1. Jmmv, im. Lyon, ImpHmsHa da LöoU Pwrik. 18to. 52 5. 8. 



(Fortietsoog der im JanunrhcTtc 1836. angeaeigten ScbrtfteD ühat 

IrrcjiantUUen.) 

Ab Fortactsaog der im letalen JiBnarliefte angeieigten vier 
Schriften ^ber Irrenanstalten aus Deutschland, Belgien uh^ Rtiff* 
land folgt hier die Anzeige zweier rianz5sischcn. 

i) Ferras' SchriA ist in Form eines an das conscil g^n^fttl 
des hotpices gerichteten Beriohles abgefafst* Ans Auftrag dieser 
Stelle uofl in Begleitung' einef inswiioben ansgetretenen MitgUedeg 
dereelbeni Breton, von welchem die Nottsen Aber die Admi* 
niatration der englischen Uot^tliler Terfafat aind, hatte Ferms 
iSb6. die Hospitäler und Irrenhfioaer von England ond Sehott- 
land besucht. Erst lOS^. ward das Resultat dieser Reise dem 
Publikum ubergeben. Die erste Abtheilung ist den englischen 
Anstalten gewidmet. Dem Wohlthätigheitssinn der Engländer, 
welchen F. aus ihrem Nationalstolz und persüniicben Selbstgef ühl 
ableitet, läfst er alle Gerechtigkeit widerfahren. Sodann rühmt, 
er die dort herrachende grofae Reinlichkeit. Tadelnd erwähnt ee* 
dot Bananlage ihrer Hoapitaler, der mangelnden Badeinrtchtnng, 
indem s. B. daa reiche Hoapital so Mancheater mit 170 Betten 
nor eine Badwanne besitze.^ Uebrigens ist Allea fiher Form, 
Bauart und innere Einrichtung dieser Hospitäler Gesagte buchst 
dürftig. S. 3o. Die Aufnahme der Kranken ist in Frankreich 
weniger Schwierigkeiten. unterworfen als in England, wo denen, 
welche Beiträge onterseichnen', ein Praseotationsrecht eingeräumt 
UL — & 53. Innere Hauspolizei ist in den englischen Uospitalei'O 
eniwedfr nichl Torgeai^rieben oder wird nicht gehandhaht ^ 
S. 63. Der WSrterdienat jal im Vergleich mil 4m^' welcher ia 
f^ppohMiih dttvA die barmhersigeo SchwMtarn ausgcubl wirdt 



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IM ScMflM fibeff AaUig« «iid BtaritbtQOg T«a InwMtoUilta, 

sehr schlecht, obgleich F. S. 281. zngiebtf daft die Wärter la 
Frankreich allzuscjileeht besahlt sejen und obwohl er ebenda- 
selbst die geistlichen Orden für den Krankendienst in einer Irreo- 
anstalt verwirft, weil sie durch mifsyerstandeneDf irenn'aock 
gat gemeinten, religi5i«n Eifer« voso schon die Ordenstracht 
mitwirke, die Gemüther der Irren mehr aufregten als beruhigten. 
Ref. glaubt , dafs die Irren an die letzte sich bald gewöhnt haben 
werden, und dafs die andere Schwierigheit durch strenj^e Unter- 
ordnung der Schwester n unter die ärztlichen .VorschriHcn , ohne 
welche alle Barmherzigkeit doch nur Schaden stiften wurde«, zu 
beseitigen sejm mSsse. — Gelegentlich des früher unter Lawrence 
und spater unter. Tirrel zu so grofsem Ruhme gelangten , Lon« 
doner Augcnhospitals bemerkt F. S. 89, dafs in Frankreich . biuilg 
die Augenheilkunde ganz unwissenden, nicht einmal zur ÄusSbung^ 
der Medicin autorisirten Personen uberlassen sey. — Ferraa' 
Tadel gegen die Stellung der Pharniaceulen in den englischen 
Hospit(ilcrn , S. /j5 , ist ungegründet, wenn sie, ^ie Ref. glaubt, 

meist wirlilicbe Acrzte sind. S. 5o. Die anatomischen Sanim- 

luogeis in England sind , trotz der Vorurtheile gegen Leichen- 
Sffoaagcn, vollständiger als in Frankreich« Mit Reckt wird^ 
•9 6b 64. Radelt , ' dafs ?iel^ englische Irrenanstalten nach dem 
Master toh .Geffingnissen etngericbtet « S. <i6 , dafli die ieinzelnaii 
ikbtbeilttngen nicht gehj(rig getondert sind, woTOn nur die An* 
atalt zu Nottingham eine Ausnahme bilde. — In St. Lul;as allein, 
8. , wo die liOgen und j:;eruohlo8en Abtritte gerühmt werden^ 
soll die Zahl der Frauen giüfser als die der Männer seyn. — 
8. 104 i. sind statistische Tabellen von 7 englischen Anstalten 
mitgetheilt. 

Die «. Abtheiinng handelt ion den Irrenanstalten in Frank<> 
ftnuk. Angeregt ward ihre Verbesserung zaerst 1766 durch da 
Hemoira von Tenon. Aber erst 1791, iit Folge eines dureb La» 
roobeiaueauld der Assemblee Constituante erstatteten BeriebteZt 
gesehah Einiges. Selbj»t jetzt besteht nur noch eine kleine 2iahl 
Heilanstalten, die meisten Irren >NCrden, nach Ferrus* ZeugniPs, 
auf eine beklagenswert he Weise mifshandell, viele mit Verbre- 
cbem zusamraengesperrt und an Ketten gelegt. Unter den Man- 
iMlfii} welche sich das-Loos dieser Unglücklichen besonders ah* 
goiagen seyn liefsen, nennt Ferrus, aufser den beiden oben 
wibnten^ Tbouret, Amard, Pinel, den Administrator Desportea« 
SU denen^ zumal auch Esqnirol «u rechnen ist. I^io 6. lao bia 
180. geliefarla Beschreibong franzosischer Irrenanstalten iiC do 



I 



VWrfIte nd FtHifsitv. Sif 

Mutter TOn trotolb^in^keit. Voo der IrreiMiiittell Marerfille bei 
llancjv 8* 179t weift Femit.lietne andern Nacbriclileii, alt die, 
wdelie in dem i5 Jahre Torber ertobieneneif Dictionn. det te. 
- nM. entbatten tind ! Aotflibrlicher , besondert in Bezfebung anf 

Statistik, werden die Irrenanstalten zu Charenton, die Salpetricre 
and das Bicetre behandelt. Dem letztern, der Anstalt, an wel- 
cber Ferrus wirkt, ist eine besondere Beschreibunp; von S. i8i • 
bit SOI. gewidmet. — Sehr richtig behauptet F. S. 191, dalt eine 
re^elmaTsige Klasseneintheilang zur Behandlung der Irren oner-' 
KTtiiob itt. Eine eigene Ablbetlnng wird Ifir die* aliönet 
nelt gefordert, welcbe Hang sum Todtteblag oder Üiebttahl - 
baben. — 8. 9o3* eifert Ferrut, und Ref. ttfmint ibm Tollhoniam 
bei, gegen die totaler Treonbng der HeiN und Vertorgungsantttlt 
an zwei verschiedenen Orten, namentlich mich deswegen, weil 
sonst das vergleicliende 'Studium der verschiedenen Kranhhcits- 
stufen für den Arzt verloren f^in^c. Weniger einverstanden ist 
Bef. damit, dafs die verschiedenen Geschlechter und Stände in 
Terschiedenen Anstalten anfgenommen werden sollten , deshalb 
nlmUebi daft die Anstalten nicht so grofs würden, dem ArtHe 
iniiner noeb eine vollttlndige Kenotntft der einzelnen Kranken 
ibrtg bliebe und die Ablheilnngen aicb nicht so telir ▼enriel*' 
Ibcbten. Wenn aber f'emit die Sebwieriglieit det letzten Ponbtet 
S. 2o5. unubersteiglich nennt, so glaubt er sie doch durch seinen 
eigenen Plan besciti{»t, von dem er S. 21 3. rühmt, dafs er lur 
die beiden Geschlechter, für alle Stände und Klassen zugleich 
passe. Uebrigens huimte eine eigene Anstalt für die hu^ern 
Stände nnr in der Nabe grofser Stadt c mit Erfolg errichtet wer» 
den* — Alt Maiimmii einer fSr ein' Gescblecbt teit einem Arzt 
beetimmten HeHanttalt tcbtSgt F. i5o*— soa Hranke Tor und das 
Doppelte für eine'Anetalt mit beiden*" Getcbleehtern. P8r Heil* 
bare und Unbeilbare einet Geseblecbtet It5nne die Gesammtzahl , 
wie im Bicetre, aof 6^ — 700 steigen, obwohl er die geringere 
2iahl von 4 — 5oo Kranhen vorzieht. — 8. 208 ff. beschreibt F, 
den seinem Werhe angehefteten, schon 1827 von einem Archi- 
tekten Philippon ausgearbeiteten Plan, für den er die Strahlen« 
form gewählt iiat. Auf eine Kritik detselben kann sich Bef., ohne 
weitlaaftig so weHen^ nicbt einlassen and bemerkt nur knrz, 
' dafs er dietem die von Es4|a|rol yorgeseblagenen einzelnen l^ii»>> 
drate rorzi^ben würde* — « Logen Werden 8> si3. ßr eine Refl« 
aostalt V49 (tir eine vereinigte HeÜ-'imd Megeanstalt V101 und 
^ .wo Epileptische aufgenommen werden, V14 der Gesammtzahl , 



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272 Schriften über Anlage und £inriefaluag vom IrreMUMteltea» 

* • 

t 

ScMafsäle dagegen für Epileptische, damit man ihnen bei einem 
Anfalle zu Ilülie Uommcn könne, für die imbecilllcs, fiir die 
ooheilbareo, nicht allzu unruhigen Kranken, für Melancholitcbe. 
•od BeconTalescenteo gefordert. — Eine besondere A bt heil ung, 
•ection d'^preoTe, ecUiigt F. S. 319. vor für sweifelbefi Gamüllie- 
lirantie , die in Folge einer Himefatiundosg oder eioet Rantches 
nur Torubergehend deliriren, die von ihren Yerwlindten ala Itranfc 
ausgegeben werden oder die tfcti so ttellen. Ref. nSebte diese, 
namentlich in der Nähe grofscr Sfadte,>sehr zweclmiäTsige Ab- 
tbeilung noch überdies für diejenigen Individuen bestimmt wissen, 
deren Gemütbszustand zweifelhaft ist, nic]it weil die Krankheit 
angeschuldigt oder simulirt wird, andern weil sie uberhaopt 
acliw^r BQ ernennen itt, wohl gar disfimaiirt wird, wie in so 
nancben Fällen der s. g« mania äne däiiio. *— S. fto6 f. dringt' 
F* auf bessere Heizung in den fransSsnehen Irrenanstalten, Er 
Terlangt sie aber nur fBr die Versammlangssale nnd glaubt, dalli 
sie fSr Schlafsimnier . und Logen entbehrlich und es wichtiger 
wäre, die Kranken vor Feu(;hligkeit und dem daraus entstehen- 
den, unter ihnen so hHufigen Skorbut zu bewahren. Dabei ist 
zweierlei betrübend , einmal , dafs die französischen Irrenanstalten 
wirklich in einem so verwahrlosten Znstand sind, -wie Ferrus 
der Wahrheit geraaTs angibt und sodann, dafs Ferrus 1 der naek 
eioer Zeitungsnachricht zam Inspecleor general dieser Anstalten 
im gansen* Lande ernannt ist, der Feochtigheit und ihren ubeln 
Wigen «nh einer so spärlichen Heizong begegnen will, die doch 
gewifs nur in den sudlichen Provinzen Franlireichs ausreichen 
mag. — Ein garcon de scrvice ist noch S. 329. nicht einmal dem 
schlechtest bezahlten Ilandweiksgesellen gleichgestellt. — Cha- 
rakteristisch für den auch unter den Irren sich nicht verleugnen- 
den National- Uoterschied ist der Ausspruch S. 334: »prescpie 
tous les fous sont vains et orgueiUeuz.c — Die Winterkleidoog 
dev Irren im Bicetre besteht aas dem Naohlafs der Todten oder 
den Lompen, welche die dort verpflegten alten Pfründner weg* 
'werfon, die Fn&bedecknng aiu Holischohen. Selbst zor Zeit der« 
Cholera -Epidemie waren nicht einmal bessere Weine für die 
Kranken zu haben. Ks tehlt an Zeitungen, Büchern und Schi^ib- 
matorialien. Gewifs ist die schlechteste Anstalt noutscliiands nicht 
armseliger daran als jenes Bicetre in der Nahe -von Paris, wo im 
grSlateo Koth die höchste Civilisatioa thronen soll, — 

(D^r B9$cktuf$ folgt.) 



• • » 

% 

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f 

* 



N*. 18. HBID^LBERGBR 1836. 

JAHRBt^CHER DER LITERATUR. 



Sehriflm über .Anlage und Binriehiunp een Jmtumeiatten , 

von Ferrus und Pasi^ uie r, " 

Dem Ausspruch JS. 25o, dafs der klinische Unterricht ohne 
, allen Anstand in den Anstalten für männliche Irren eingeführt 
werden könne,* roScbten Irots des Beispieles mit Bicelre noch 
einige Zweifel entgegensaaetsen tejit. ^ (Segen die Forderung 
TOD ' fitqoirol , den Aerabten eine anelngetchränfate $le!lanf^ 
gpbeD| bemerkt F. ebendaselbst': iJe proelame, comme mes con» 
Ireres, Tiitilit^ da principe, mais je demande ji^nmoyis cfae 
BOtre aatorit^ soit limitce, quelle ne Wtende ou nc dcvienne 
cornplc'te que dans le cas ou Ic medecin am a j)rouve qu il n'abu- 
sera _pas de son pouvoir et qu'il Texercera avec autonl de di|* 
crelion que de lalcnt et de sa{»acile.« Dazu henierht Hef. in 
Beziehung auf die Form, dafs F., wenn- er einem Meister wie 
Esquirol widersprechen will, wenigstens klarer seyn sollte, und 
in Besiebang wsJi die Sache, dafs die französischen Anstallen zu. 
bedauern sind, wenn die irsiliche Autoritit, statt erweitert, be- 
schrinkl werden sollte. s55. giebt sich F. MSbe, die Noth-. 
wendigUeit eines eigenen Arsles-för diese Anstalten darsuthun, 
abermals ein Punkt , in welchem die deutschen Anstalten den 
franzosischen voranstehen , und_ da es dieser Panlac so viele 
giebt, so darf ipan dem französischen inspecteur güiitiral wohl 
wSoichen, dafs er sich bei seinea deutschen Nachbarn etwas um« 
sehen mSchtc, von deren Leistungen er mit keiner Sylbo spricidf 
obwohl er Italien, Spanien and Portagal in dieser.Beasiehung er» 
wSbnt. — Arbeit ist nach F« qjir im Biceire, der Salpetriert 
and 'in der Irrenaastalt St. Ton su Ronen im Grofsen eiiigeföfart 
(Nach der unten angezeigten SchriflT ?on Pstquier auch in' der 
Lyoner Irrenanstalt.) Im Bicctrc sind die Kraniten mit Graben, 
Gartenarbeitj dem jMauren und Tunchen, mit Schreiner-, Schlos- 
ser- und ZiiAmcrarbeit , beschäftigt. Zu den thuglichsten Arbeiten, 
rechnet F. das Seidenh^speln u/id die Leinweberei ! — Als ein 
Beweis französischer Artigkeit mag es gelten, dals F« S.a6d, nach- 
. dem er |ieh bitter über die llilshandlangen bescRwert bat , d^l 
XXIX« Jehl«. S. Hafl. "18 



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ai4 8«lürifteii fiber Aalige mnä EkuUhUnmg \oa Irrcinnif Uta, 

bei einigM Nevang^koromeneD todtlicbe Folgen hatten, hinza« 
fugt: »Fern sey von mir die Idee, tiieraas eine Anklaf;e bilden 
III woUeo, da ich die Schläge «nd Waiiden, deren Opfer die 
Irren sind, nnrnfigUch filr einen Mangel an HmnaniUlt halten 
^nn.* Uebrigeat tragen die iwi* dieser Gelegenheit wem Verf. 
geniachten Vorschläge das Gepräge einer dnrclfans mensehen- 
freandlichen Gesinnung. Im letzten Rapttel 8 967 bis 3o4. 
handelt F. von der bürgerlichen Stellang der Irren. Er beklagt 
es, dafs die franzosischen Gesetze, obwohl alle Bestimmungen 
rüclisichtlich der öiTentlichen Entmündigung , doch keine solche 

^ enthielten, wodurch den Irren, so lange sie in der Behandlang 
« waren, ihre Rechte und überhaupt eine zweckmafsige Lage ga« 

.. Millrl wfii«. Diesem Uebelttande absohelfen, tbeilt er ein Tön 
Hm. Breton in s» Artiiieln abgefafiites Gesetzes • Projekt* mit 
Dafe Fm wie npeh kein andrer Arat (Andentnngen gab* ({brigenii 
schon Esquirol ) , diese' Materie aosfÜhriieik bebandelf ond* die 
desfallsigcn Lücken auszufüllen gesucht hat, ist ein grofses Ver* 
dienst, wohl das grufste der ganzen Schrift. Gesetzgeber sollten 
• im Verein mit psychischen Aerzten diese Sache weiter prüfen 
. und auf Mittel sinnen, durch welche, ohne die der VViedergene- 
song ott so binderliche SfiPentliche Entmündigung, die Bechte . 
der Kranken sowohl als ihrer Angehörigen geachutat werden. 
Obnediea ist es hast, heUbare Irren alsbald nacb dem Ausbrach 
ibrer Hrsnkbeit zu entmiindigeni wSlaend' auf der andenl Seile 
Gsfistttien nStkig sind, dafs dos VennSgen des Brenken niciit 
yerschleudert werde. Für die Kronhen , welche in Anstalten auf- 
genommen werden, könnte vielleicht die gesetzliche Bestimmung 
getrofTen werden, dafs sie, eben durch ihre Aufnahme, ohne 
förmliche Entmündigung , als de facto entmündigt anzusehen 
etyeui dieser Zustand aber durch die Entlassung eo ^tso wie* 
der aufhöre? Die Aufstellung eines Corators, welche nur nach 
llmüicher Entmündigung erfolgt, ki^note Tielleidit aacb ohne 1 
j diese Statt haben ? — Dem Werbe sind, auter den beiden Pia» I 
neu, staliatiscbe Tabellen Qber die Irren sMnmtlieher Departe* { 
•menie angehängt, worin die ^bl der Irren, die Irrenanstalten, 1 
die Summen, die bereits verwendet wurden und die, deren es 
noch bedarf, angegeben sind. — Bef. glaubt, dafs diese Schrift 
manches Gute und Brauchbare enthalte , dazu aber die Hälfte 1 
des Volumens hingereicht hatte und gesteht, TOn einem Manne, ■ 
wie F., etwas' Gediege^ierss erwartet «an haben. 



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• 

%) Pasqaier. Die Beschreibung, ^welcbe der Verf. im 
'«raten Abschnitt seiner kleinen Scbrilt vom hospice de TAnti- 
^IHe Bu Lyon giebt, rnnfarst den auf dem Titel angegebenen 
Ztitrpmii' aeloet hoaiNtalürstlicben Wirbeoa. Es iak dieie Anitalt 
sm* Aofeabmo ron Irren « Ton Verrficbten, Ton Uantkranben und 
TOD nnbeilbaren IVeObaf^en beiderlei Geaobleohts beatimmt Diril 
girt wird sie durcb einen aus lo Notabeln der Stadt Lyon beste- 
- heoden Verwallungsralh. Wenige oder gar keine Kranke werden 

♦ gratis verpllcgt. Die jährliche Fensioo variirt zwischen 3 und 
800 Fr. Die Lage auf dem Uerg Fourviores ist gesund, gestattet 
ober weder bequeme Spaziergänge 9 nocb die nüthigen Abtbei- 
limgeni kaum dafr dio beilbaren Irren Ton>^n unbeilbaren g^ 
trennt werden konnten. Der Verf. fubrte Beaobfiitifsog etil and- 
▼orbannte dio fetten. Am 1. Juli i8oi. waren )8a Irren Im» 
hoilbire'ond *4 beilbare) in 'der Anatalt« api Endo dea Mirof 
1609 war dio ZabI auf 936 gestiegen. Dio Zabl der Weiber war 

. beständig grofser. Ueber Lebensalter, Stand, Heimatb, Forum, 
Ursache, Ab. und Zugang und über den Sectionsbefund in 11 
Fällen werden tabellarische Ucbersichten mitgetbeiit. Die Zahl 

- der Geheilten so wie der Gestorbenen betrug etwa Vs> Bemerk, 
benswerlh scbien dorn Verf. das öftere Zusammentreffen von 

' Momen mit gowSbolicben aeroful^n Conatitutiooen. Mit Erlolg > 
liefe er Blnt aaa der arUria t0mfi0rali$* In der 9« Abtbeilnng 
werden dio Forderungen für eine neue Anatalt oHSrterf* lo dorn 
angehängten Plan ist, wio bei dem der yorigon Scbrift, die Streb» 
lenform gewählt. Die einzelnen Abtheilungen einer Irrenanstalt ' 
sollen unter sich zusammenhängen. Solche fordert der Verf. Jür 
Epileptische, für Heilbare, fGr Unheilbare und für licconvales- 
certten , sodann Unterabtheilungen für ruhige und unruhige , für 
sohlende und niobt sableode Krankoa Die Logen will er mit 
Btrob oder Matratsen aoatapesirt und nach jeder Ricbtung 3 Metroi 
' groTa beben» . Im Wideraproch mit F« verlangt or b«rmberäi;e 
Brfider «od Sobweatern « wenigatona Ctor Aofaivbt über daa 5brfg|^ > 
"Wlrterpenonale.' Noaea ontbllt das 9cbriftcben , snmal in 
•einer 2. AbtheHong , wenig , doch sind die auf Erfahrung ge- 
gründeten Benicrkungen deutlich und kurz Forgetragen. 

Roller. 



« 



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21t> ' Hopp, Urkunden zur Ge8cbichte^4cr eidgenöM. Bünde. 

Urkunden zur Geschichte der cidf^enössischen Bünde. Heraus 
gegeben und erläutert von J. K. hopp, Professor, Lucern, bei Xaver 
Meyer, 18o5. 8. XX und 206 S. 

Dal Boch det Herrn Prof. Hopp liefert einen merkwürdigen 
Deweis, dafs die Schweizergeschichte einer neuen Forschung be> 
darf,* ungeachtet einer der berühmtesten Geschichtschceiber un- 
serer Zeit den groPsten Theil seines Lebens, seiner Hfa'fte, seiner 

Studien der Geschichte der Schw,eizereidgenossenschaft gewidmet 
hat. Man war an die Richtigheit der Darstellung von Johannes 
V. Müller und an die Untrii{;lichheit seiner Ansichten gewisser- 
mal^en schon sa sehr, gewohnt, dafs es nicht möglich schien, . 
eine vollendetere Geschichte der Eidgenossenschaft zu liefern.' 
A^er schon in den beiden letzten Decennien wurde durch die 
'YeH[ffentlicKung von früher nicht beiiannten Urkunden, beson- 
ders duröb das Solothnrner Wochenblatt und einzelne CantonaU 
gcschiohteh, zur neuen Foi^chang angeregt find durch die Ur^ 
künden , welche hier Hr. Kopp herauspjegeben hat , wird darge- 
than, dafs Johannes von Müller bei der Darstellung von der 
Entstehung; der Schweizei eidgenossenschafl , nicht frei von vor- 
gcfafsten Meinungen und Ansichten wie auch befangen durch Vor- 
liebe und Abneigung, Vieles anders darstellte .als es^in der 
Wirklichheit geschah, dafs er die Quellen, besonders den von 
ihm «ehr überschätzten Tschudi, nicht immer einer kritischen ' 
PHiInng unterwarf, dafs er die Benutzung der Urkunden, welche 
der mittlem Geschichte allein eine feste und sichere Grundlage 
geben mSssen , entweder vernachlässigte oder dieselben ihm nicht 
zugänglich waren ; dafs er endlich der glänzenden Darstellung * 
und dem rlietoi ischen Effect nicht selten die Wahrheit und die 
Richtigkeit der Thatsachen aufopfeite. Mit dem Panier für W'ahr-. 
^heit und Recht , ohne lohrednerischen l*on für das Vaterland , 
ohne Hafs gegen Oestreich, ohne Scheelsucht gegen Narhbar- 
Cantbne, vertiche^t Hr. Kopp, habe er ron neuem die Geschichte 
' der Eidgenossenschaft durchforscht , und das Resultat seiner For^ 
schungen gedenkt er in einem besondern Werke, dessen erster 
Band, welcher die Zelt von 1278 — 1336 oder die Entstehung 
der eidgenössischen Bünde umfassen soll , nächstens im Drucke 
erscheinen zu lassen. Als Voilnuler dieser vofi der INIüllei 'sehen 
Schweizergcschiehte ganz abweichenden Darstellung der iiifesten 
Geschichte der Eidgenossen , giebt Hr. Hopp 81 zum Theil bisher 
durch den Druck nicht bekannte Urkunden ^die- Ö2Ste gebort 



uiyiii^ca bj Googlc 



V 

«laer spSteren.Zeit an) und fugt (2a2o liSrzere o^er längere Er- 
IMirttogeo, worio sich fast aberall eine heftige Polemik gegeo 
Tüfiiidi ond Johanhei ¥• Mfiller aiuspricbf. 

Ob nun >viA;Iich durch die neue Geschichte der Entstebting 
der eidgeoössischeo. Bünde der frühere Theil der Scbweizerg^ 
tchichte yoo Job. t* Muller gans vcrdanbelt werde^ darfiber lafst ^ 
sich erst urtheiten, wenn das Gescbichtswerh des Hrn. Kopp 
• selbst erschienen ist Nach der Vorrede und den Nöten zu dieser 
Urhundensaninilang zu schliefsen , laTst sich t^rwarten , dafs Herr 
Kopp, TOo ganz andern Principicn und Ansichten ausgehend, Tasl 
überall mit Tschudi und Müller in Widerspruch geralhcn wird. 
Wenn auch der u'npartheiischc , mit den Quellen genau vertraute 
Geschichtsforscher Müller s Behandlung der Geschichte nicht niu* 
Sterbaft iinden hann und zugeben roufs, dafs derselbe ons Liebe 
som rhetorischen Schmuck und in seiner lebhaften Auffassung 
den Erei|ptssen iind Zustanden' hSulig eine' Färbung gab, welche 
ihnen znirerlassig in d^r Wirklichkeit fremd war ; so darf man 
doch auf der andern Seite die aufserordentlichen Verdienste des 
grofsen Uistorihcrs um die Geschiehtf seines Vaterlandes nicht 
verkennen. Wenn wir sie auch in den Ei liiulerungen /u dieser 
ürhundensammlung nicht anerkannt finden, da es in der Natur 
der Sache lag, dals hier nur Streitiges vorkam; so zwcU'elo wir 
doch nicht daran, dafs Hr. Hopp TOn ihnen durchdrungen ist 
und sie auch in seinem Geschichtswerke anerkennen wird » da er 
durch seine Studien mehr als viele Andere in den Stand gesetzt 
ist, SU beurtheilen-, was durch Muller für die Schweiterge» 
sdiichte, selbst fSr die frühem Zeiten , geleistet worden ist. 

Die in dem* Vorworte auftgespuochenen Ansichten enthalten 
▼iel Vortreffliches t und sehr wahr ist die Bemerkung, dafs die - 
Entstehung der eid^enSssischen 9üode aus den Zustanden Deutsch. - 
Isnds in der damaligen Zeit ihre Erklärung findet und' ohne grwiA- 
iiche Henntnifs derselben jene nicht richtig aufgetafst werden 
kann. Auch das, was Hr. Kopp S. X If^^. über den voilrcllli- 
chen König UudoIF \on Habsburg sn^t und wie er sein \A irken 
auflarst, dürfte sich gewiis des Bciialles der Gesehichtskundigen 
zu erfreuen haben ; dagegen Widerspruch mochte er linden , 
dafs er Udnig Albreoht nicht 'weniger hoch als dessen Väter Ru. 
dolf stellt. — S.XVI : »Dieser Purst, su dessen gerechter Wür- 
digung die Forschungen noch nicht geschlossen sind, ist der 



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238 ' Kopj), UrkundcD cur GeicbIchU der eldgenöf«. Bünde. 

letzte deutsche Hüiug , der, Wirhen und Gluclf seines Vaters 
Rudolf vor Augen, mit kräftiger Hand die Einheit des Beiches 
zu, erhallen, die Hoheit des Oberhauptes zu schirmen, und 
überallher die Hechte desselben wieder zu gewinnen bemüht 
W|r y freilich bei vielfachem Widerstreben und starkem Gegen- 
drach^ streng« furchtlos, unerbitllioh. Nicht die Städte,' die Y5U 
her; ihn hafsten die Crofs^n, die Fürsten^« Zur Rechtfertigong 
•seiner Ansicht kommt Hr. Hopp in d^n Erllatemagea zn dea 
ürhunden mehrmal auf Albrechts YSfirhen and Charahtar «urtislt« 
und zwar fast immer mit heftigen Aosfallen gegen Tschndi ond 
Muller, dafs sie diesen vortrefliichen Fürsten nicht allein mifs- 
kannt, sondern auch wissentlich und absichtlich der Wahrheit 
* entgegen verleumdet - und gelästert hätten. Sind auch Tschudi 
and Müller nicht frei Ton jnancben Uebertreibuogen in der Dar- 
stellang von Albrechfs feindlicher Gesinnung gegen die Wa|d- 
stidte, so^^ht doch Hr. Kopp auf der andern Seite so weil^ 
wenn er, Albrecht, der nach seinen Handlangen und nach Schil* 
derungen anverdacbtiger Schriftsteller ^et i4ten Jahrhunderts, 
nicht zu den ▼nrtreflPlichen Fürsten gerechnet Werden hann , des- ' 
wegen von aller Ungerechtigkeit, Anmafsung und übertriebener 
Hätte frei sprechen will, weil sich aus den Urkunden, welche 
die Schweizerlandschaften betreffen, solches nicht nachweisen 
iäfst. Aber über UngerechligkeUen und Gewaltthätigkeiten stellt 
man keinen Brief und Siegel aus. Die Yorliehe zu Konig AU 
brecht macht Hrn. Hopp ungerecht nicht allein gegen Adolf Yoa 
Nassau, sondern auch gegen das luxemburgische und baierische 
Hoos. Adolf ?on Nassau, Heinrich VII.,, Ludwig der Baier waren 
Ireiltc^ darauf bedacht, sich vor allen Dingen eine Hansm^cht 
zu gründen und setzten darüber nicht selten die kaiserliche Würde 
zurüch ; allein iiatte Budolf von Habi^burg nicht das Beispiel 
dazü gegeben, hatte sein Sohn Albrecht nicht mehr als irgend 
oiuer der genannten drei Fürsten überall nach VergroTserun^ 
seiner Haasmacht gestrebt und hatte derselbe dabei immer die > 
besten Mittel zur Erlangung seiner Zweche 'gewühlt? Da AI» 
brecht den deutschen Fürsten Terhafst war, giebt Hr. Kopn sogir 
dem Verdachte Raum^ dafs der KSnig nicht durch die PHvalr^pb« 
seines Neflen Johann ullein fiel. 

Ein zweiter Punkt, worin Dr. Hopp, auf seine Urkunden 
gestützt, ganz von Müller abweicht, ist über die Zeil und Veran- 
lassung der Entstehung des eidgenössischen Bundes. S. XVI* sagt 

» 

* m 

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lUp^, Urltoiideii aar Qcadiiclrts der "ciigenöM. Uttode. 

' * • 

Hr. Kopp : »So lange die K5nige Rudolf und Aibrecht mit den 
allgemeinen Rechten des Reiches die besondern ihres Hauses ein- 
trikrbtig aufrecbt zu halten wufsten, war in diesen Thälern weder 
iD Bund, noch ad Bewe^^ung sa deakea s allein sobald die nach- 

' Iblgeodeo KSpige, i^u Forderong der eigenen Sache, för notb- 
wendig erac)KeteO| io den Waldstidten HeUborgs Uindgräf« 
ielialU-fieeble eofsnbebeai deweb Yogtei- Gewalt zu brecbeo, 
und flun aogar semen GmndbeaiU wegsuerhennea (welober'Dnicb 
Gegendracb JierTorrief, von andern weifli die Gcfschicbte nichts); 
da folgten rasch Bündnifs, Wechsel voller Uaaipi, endlicher Sieg 
der Landleute.« 

Als ein ausfuhrlicher Commentar zu dieser Stelle sind die 
meisten . der £rlauteriingeii zu den Urkunden anzusehen. Die 
clironologischen Bestimmungen haben unstreitig duroh die Zu- 
tammenstelliing der tJrhnnden a^br Tiel gewonnen and die Zeiu 
bettimmiingen, wie ai6 Johannes y. Möller , bauptsicblioh nacb 
Tscbndi, für. die ersten Zeiten der Eidgenossenschaft gegeben 
hat, mSasen meist verworfen werden. Der Anfang der Eidge- 
nossenschaft fallt nach dem Tod Rudolfs während der Regierung- 

^•Königs Adolf. Weniger aber dürfte man als zuverlässiges Er- 
gebnifs der Forschungen des Firn. Hopp ansehen, dafs Adolf von 
Nassau -und Heinrich VII. von Luxemburg zur Forderung ihrer 
eigenen Sache es für nothwendig erachtet hätten, die Ungerech- 
Ugheit «1 begehen, in den Waldstädten Habsburga Landgrafa* 
rechte aofsnbeben. Dafa Üabsborg die 6chirro?ogtei in Schwfs, 
Un iMid Unterwaldea besessen , wird woM 'Niemaifll beatreiteo* 
Der Beweis aber^ dal^ die Grafen fton Habsbnrg Landgrafsrecbte 
hi den ^rei WaidstSdten gehabt, was Hr. Kopp behauptet, sdieint 
uns noch nicht vollständig gefuhrt. Waren wirklich die Habs- 
burger Landgrafen (Iber die Waldstädte gewesen , so müfste fia- 
turlich die Entstehung der Eidgenossenschafl von ganz anderm 
Gesicblspunkt«, als bisher geschehen betrachtet werden. In 
dem Bündnisse der drei Waldstädte unmittelbar nach RudoU*8 
Tod 1391 (die Urkunde dai-über ist 8. Sa fg. milgetbeilt) findet 
da^ Hr. Kopp nichts Becbtsniifaiges ^ jondem gar manchec 
jkc frtt re f i s chei , nnd weil er Ton der VoraiissetKang, dtfDi Haha* 
borg Jandgrilliche Rechte in den WaldatMdten gehabt, ausgebt, 
stellt er die Fragen S. 35 : » 1) Da die drei Tha'let* nicht Herren 
der Gerichte in ihren Marken sind , wer gab ihnen das Recht, 
den Gertchlsberi'o in der Wahl seiner Richter durch was immer 



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I8f Kopi» , UrkBoden mr QmMMt 4ut M§mäm. Binde. ' 

Itir BedingungeQ betchriUikea zu wollen ? und da der BMHk 

barm unbestrillen von dem Landgrafen gefibt ward , ond rtm 

dieser oben ichterlichen Gewalt den drei Thalern noch riel we- 
niger etwas an^vohntc, woher haben sie Befugnifs , diese land* 
graiächaUlicbcn Uecbte sich anza^ignen ? « 

Wat ^hr gegen die Ansicht des Hm* Kopp von den Und- 
grafschaftlichen Reebten H^bsburgs in den WaIJstadten spricht, 
ist der Umstand, dafs nirgends, soviel bekannt ist, die Habsbur- 
ger sich Landgrafen von den Waldstädten nennen, obschon sie 
sonst ihre landgrafschaülichen Rechte über Eisafs und ihre gräf- 
lichen Rechte über ?erschiedenc Orte niobt unernähnt lassen. 
Dafs in den Zeiten des gpofsen Interregnums der Graf Rndolf 
Ton Uabsbarg als StelWerlreter der ii(Siuglichen Gewalt laodgraCi 
Itebe-Bechte in "den Waldstfidten ausübt, wie nach Urkunden 
8. 9 fg. behauptet wird, beweist doch noch nicht das erbliche 
Recht dasu ; und wenn in einer spatern fiSeit aosdrSeiilich das- 
selbe von Albrccht und seinen Söhnen in Anspruch genommen 
wird, so ist zugleich dabei doch auch angedeutet, dafs dieser 
Anspruch ihnen bcstiiilen wird. x 

Ueber die Sendung des Land?ogtt Otto von ^Oehsenstein 

giebt Hr. Hopp No. a5. vom J. 1393, 3o. /März aus dem Stadt- 
archiv liuceiii eine sehr wichtige Urkunde S. 42 ^ woraus man 
erführt, dafs der Landtriede von Lucern auf drei Jahre beschwo- 
ren .war, aber ein Urlige von den Waldleuteo währte. Letzleres 
wird durch die Urkunde No« ^t. vom 10. April 1298 näher ge* 
seigt. Nun folgert Ur. Kopp S. 43 r »Die Geschwornng dei 
liandfrtedens Terpflichtete zur Besuchung der Landtage i^mI der 
Landgraf war das Haut Oestreich ! also weigerten sie sieh 10 
schweren.. — Jetzt' erst erhalten die Bündnisse vom i« Augnst- 
monat und 16. Weinmonat 1991 ihre foHe Bedeutung ; aber Her- 
zog Albrecht halte bereits den liund seiner Gegner gebrochen 
und auch Zürich war mit ihm am 26. und 29. Aug. 129a zu 
Frieden geliommen. Erst am 3o. Wiiitermonat 1297 konnten üri 
und Schw)'z erbalteui dafs ihnen Honig Adolf den Btief Kaiser 
Friedricfa*s II. vom J. 1240 nicht bestätigte, \soodern (aufTallend 
genug) wörtlich als seine eigene Urkunde auMteUte«- AuP- diese 
.Weise evscheint die Sendung des Landrogts Otto von Ochseo- 
steiu durch den Herzog Albrecbt in ihrem wahrem Lichte und 
Ttchadi und MSller fQhllen das UnnatSrltche nicht, alt sie aa- 



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tSl 



.nahmen, KSilig Albrecht habe eine (wenn \?ahr, ganz abeo* 
theaerliche) Botschaft angeordnet.« ilr. Kopp meinte hatte HSnig 
▲tbreoht «Uo Waldleaten irg«nd «Iwas über GebQhr sogmaUiet« 
ikm wäre es ein Leichtes gewesen, das amsnföhreni was spMtr« 
im J. iSs6, niclit mehr mit Brfolg Tereiiefat werden honate« 
Däh Sbrigens Adolf Ton Nassau Friedrioh's II. Brief rom J.' i^b 
ab seine eigene Urkunde aoMtelitef sollte Bm, Hopp nicht a«& 
lallend teyn, da es hehaontlich nicht selten geschah, dafs die Ur« 
Itunden und Privilegien früherer Haiser von den spätem wört- 
lich, als wären sie ^ron ihnen zuerst ausgestellt worden, erneuert 
wurden. Es ist daher manchmal schwierig, zu bestimmen, weU 
eher Kaiser der erste Aosslelier ?oo solchen UrkaniieQ war, too- 
deoen man nor Emeuerangta kennt. 

Bei der Url.unde No. 34 1 ausgestellt i5. Mai i3o2, welcho- 
einen Blich in die aus der Landgrafscha(\t zerbröckelte Vogtei* 
gewalt, in das Genosseorecht einer Gemeinde, und in die mehr 
und mehr aufhoramenden Beibungen zwischen beiden, gewahren 
soll, bemerkt Hr. Hopp S. 63, dafs die Vogtei Hussenach bei 
dem gleichnamigen Bitterhaose X^nd swar noch bis zum Jahro 
i3i4): nnd nach Jessen ErlSschen an Weither von Totttkon^ 
dann an Heinrich Ton Hunwile, und endlich 1409 an das Land 
Sehwyz gelangt sey, ohne jemals bei einem Gersler gewesen 
zu se^n. 

Dieser Umstand benimmt der Sage Ton Teil, weiche Job*' 
T« MiUler noch sa retten socbt, jedcHiistorische WabrscheinlielN 
lieit, so dafs man nunmehr mit allem Fng und Recht ungeachtet 

der Tellskapelle und der Tellenplatte Teil s Geschichte 'unter die ^ 
Volksmährchen rechnen kann, da sie jeder historischen Grund- ^ 
läge entbehrt. Es wäre hier zu weit in das Einzelne einzugehen : 
es soll hier nur erwähnt werden, was Hr. Kopp durüber vorge- 
bracht hat, die geringen Ualtpunhte der Erzählung zu erschüt- 
tern. Zwar findet Hr. Hopp S. 44. in dem Tellenliede, -daa 1740 
gedruckt ward,* mehr Uebereinstimmung mit dem wahren Her« 
gaoge der Entstehung der Eidgenossenschaft und richtigere Zeit* 
folge als bei J'scbudi und Muller, allein was die Ersahlung von 
Teil und dem Land?ogt Gelsler betriiTt, so kann sie nach dem 
Stillschweigen der gleichzeitigen und nach den Widersprüchen 
späterer Quellen, nicht als historisches Factum betrachtet wer- 
den. Wilhelm .Teil s SchuTs, den der Lncerner Diebold Schilling 

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281 Kopp« Urkandon lur GeachiclitA'der eidgviiäM. Biado. 



fn'f Jahr i334 letzt, wird ron CyuX durch Aotkralseo von «wet 

X im i3i4 umgeändert: eine ähnliche Verfiilschung hatte sich 
derselbe schon in dem Manuscripte Schiliing's Früher erlaubt, 
indem er Einiges, was dem Rudolff ven Uabsparg zag^- 
schrieben wird, ausgekratzt, und dafür Albrecbt von Oest« . 
reich hineingeschrieben hat. Tell's Schafs setzt das Urnerspiel 
1396, Tschudi und MüUer 1807, Cysat und Andere i3i4* Bofii 
mid fitterlifi, di« trs^o, welche der Tellessege erwShne«, geben 
bcia Jahr an, doch ietaeo sie de» SehnA hettimlDt in' die Zeil 
TOT der Sehtacht bei Mergaiteib Johanii fon Wiofarthor, de* 
SBeitgeoeate, ud Jmtinger, der älteste Chronikschreiber der« 
Schweis, wissen nichts von Teil. Rufs, der Abschreiber der 
Chronik Justinger's , schiebt mitten im SaU die erste- Meldung 
Ton dem Schützen ein. Bei ihm und dem Urnerspiel bat der 
Landrogt keinen Namen, bei Etterlih heifst er Gr i Ts I er, bei 
andern Spateren Gefsler. Diebold Schilling nennt den Grafen 
von Seedorf als solchen | der das Ziel setzte. ErwSgt man 
eile Umstände, welche gegen die Erzählung Ton Teil und Gefsler 
.sprechen*, tö wird man kein Bedenken tragen | dieselbe als eine 
dnrchaos wigescbiclitlidie so verwerfen. Die Yertbeidiger der 
Glanbbaftigkeit derselben liefsen sieb nicht ?on den GmndsiitBea 
der*bistoriscben Kritik, sondern von einem mifsyersUndehen Pa- 
triotismus leiten. ** . . 

Wollte man die Ergebnisse, welche ans den mltgetbeilten 
Urkunden gewonnen worden, nnd nur die wiebtigeren Streit» 
fragen, welche in den Erläuterungen zur Sprache. gebracht sind^ 
aufzahlen und darauF eingehen, wie Hr. Hopp seine Ansiebten 

zu begründen gesucht hat j so niüfslen die Grenzen einer Rc- 
cension weit überschritten werden. Wir begnügen uns. Einiges 
von dem Bedeutenderen aus'jehoben und dadurch auf die VYich- 
tigkcit des Uebrigcn hingewiesen zu haben. Uebcrall ist ersieht« 
lieh, dafs es Grundsatz des Hrn. Hopp ist, der allen Bdifall ver- 
dient, die Chroniken, vorzüglich die unsicheren Berichte det 
spater Lebeoden, an den gewissen Angaben der gleichzeiti^n 
Ürkondeii zu prüfen und nicht, wie Tschodi und MSIler umge- 
kehrt getban haben', bei der Würdigung und Benutzung der 
spätem Chroniken nach denselben die Urkunden zu deuten. *. 

Es ist kein Zweifel , dafs eel dem tob Hra. Kopp eii^e- 
scblegenen Weg die SebiPeisef^escbiebKe imcAdlioii riel gewinnen 

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Abeken, Cicero in «einen Briefen. 288 

bann. Dicte TOn ihm herausgegebenen Urkunden und die beige- 
fugten Demerkurtgon mfissen nicht nur in der Schweiz, sondern 
auch in Deutschland gr^fses Interesse erregen. Es werden daher 
Viele mit dem I\ef. mit grofser Erwartung der baldigen Erschei- 
Dong des Geschichtswerkes von der Entstehung der Eidgenossen- 
schaft entgegensehen, worin Hr. Hopp die Resultate seiner For- 
schungen im Zusammenhange darzustellen und seine Ansichten 
näher zu entwickeln versucht hat. Möge der Hr. Prof. Hopp, 
der zu solchen schwierigen Forschungen wahren Beruf zu haben 
scheint, nur immer bei seinem Wahlspruche für Wahrheit 
und Recht festhalten, ohne vorgefafste Meinungen die That- 
Mchen aus den zuverlässigen Quellen beurthciien und das Gute, 
wo es sich findet, anerkennen ; er wird sich dann gewifs auch 
des Beifalles der Unbefangenen und der Freunde der historischen 
Wissenschaft zu erfreuen haben. 

Aschbaeh, 



Cietro in seinen Briefen. Ein Leitfaden durch dietelben, mit Hin- 
treisung auf die Zeiten, in denen sie geschrieben wurden. — f'on 
Bernhard Rudolf Abeken, Rector und Professor am Raths- 
Gymnasium zu Osnabrück. — Hannover 18S5. Im l'erlage der Hahn-' 
sehen Ilofbuchhandlung. X und 441 S. ,gr. 8. 

Ein Buch, wie es gewifs schon Mancher gewünscht und auch 
Bef. schon lange vermifst hat. Üafs ein solcher Leitfaden bisher 
nicht versucht wurde, davon lag die Ursache zwar gewifs nicht 
in den neuen und mühsamen Forschungen , welche ha'tlen ange- 
stellt veWen müssen, da Cicero's Leben so lief und vielseitig 
erforscht ist, dafs sich auf diesem Gebiete schwerlich neue Ent- 
deckungen machen, sondern höchstens einzelne Thatsachen noch 
berichtigen lassen: allein es erforderte doch eine Thäligkcit, die 
vielleicht dem Einen nicht lohnend genug, dem Andern wohl 
auch nicht gerade nothwendig erscheinen mochte. Hr. A. hat 
aber den rechten Standpunkt aufgefafst, indem er sich vorzüglich 
Lehrer höherer Gymnasialklassen dachte, deren Amt eine ge- 
nauere Bekanntschaft mit Cicero uncrlüfslich macht. Nach Auf- 
stellung einiger beherzigungswerthen Grundsätze über das Stu- 
dium der Alten, als vorzügliches Bildungsraittel , bemerkt er, 
dafs nur zu oft die E>klärung einzetner Ciceronischer Wcrko 



Djgitiz 



■Ii . Abeken, Cicero io «einen Briefen. 

• • * 

nicht den erwarteten Gewinn bringe, "weil man Schriften wtihle, 
für (leren Inhalt sich die Jugend zu weing iiiteressiren l^unne, 
und weil njan, nach- der gegenwärtigen, sehr verwerllichen , 
Sitte« gegen Cicero oft in Beziehung auF seinen Charaliter [und, 
setzen wir UnSQf in Beziehung auf seine Philosophie] der Jugend - 
oft durch wegwerfende Urtheile eine Abneigung befzobriagen 
ioiDhe, and ihr der liana nirgend« als ein Ganzes, in der-fie» 
leaebtang seiner Zeit und seiner Uingebnng (welche Vieles in» 
gleich eriilirt nnd entschuldigt oder rechtfertigt) erscheine. In 
dei* Erwägung nun, dafs wohl so mancheoi Letirer, der nicht 
Neigung und Zeit genug hat, ein eigenes tieferes Studium ans 
den Briefen des Cicero zu machen, die am tiefsten in sein Leben 
und seine Zeit blichen lassen, ein Buch willkommen scyn dürfte, 
das die Briefe des grofsen Hömcrs unter eine falslichc Uebersicht 
brächte, und so deren Lelitüre, so wie die der eigentlichen Werke 
des Cicero, indem es Alles unter den rechten Gesichtspunkt. * 
stellte, fruchtbarer machte — - in dieser Erwägnng .übernahm 
Hr. A. das Geschäft, mit eben so viel Liebe zu seinem Gegend 
stand, als Kenntnlfs Ton demselben, in der Uebersscugung , da(h 
ein historisches Ganzes, wie es die Ciceronischen Briefe bilden, 
recht sehr geeignet sey, heranreifende Jtinglinge zu bilden, ja 
von dei" rechten Seite dargestellt und oufgefafst, wohl die Wir- 
kung haben hünne, sie von der politischen Schwindelei unserer 
Zeit zurückzuhalten. Nach ciuer kurzen aber Irefl'enden Wider- 
legung Martyni- Laguna's, der die Lektüre der Briefe Cicero's . 
von den Schulen ausgeschlossen wissen wollte, weil es gefährlich 
ie]r,*so vi^le Beispiele von Verderbnifs jeglicher Art der Jugend 
Tor Aug' nnd Seele au bringen, entwickelt der Verf. noch, wiA 
der Lehrer das ?orliegende Buch auch benützen hSnne, nm^uirch 
sweckmäfsige Privatarbeiten und Aushebung einzelner Rubrikto , 
aus demselben TorgerSck^ Schüler nützlich zu beschäftigen, und 
wie es überhaupt znm Privatstudium ' in den Bibliotheken der 
Gymnasien niedergelegt und gcbraiiclit erden kuiine. Wir finden 
diese Zwecke wohl vereinbar. \A enn der Verf. übrigens auch 
nicht sagte, das vorliegende Werk sey in sehr verschiedenen Zeiten 
innerhalb eines Raumes von sechs bis sieben Jahren entstandeni 
es würde doch -gleich in die Augen' springen, dafs das Ganze 
nicht vollkommen aus £inem Qwp geniacht und geflossen ist. 
Es ist deutlich wahrzunehmen, wie das Buch bei weiterm Vor- 
iolireiten immer mehr aA Gehalt der Bemerkungen, an 'tiefem 

■ 

.» ✓ 



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Abekcn , Cicero in leinen Briefen. 285 

Eingehen in die Charahterisirung der Zeit und der Personen, nn 
Lcbhaftighcit und Interesse der Darstellung, so wie der Verf. 
selbst an Vertrautheit mit seinem Stoffe gewinnt : und so ist denn 
das Werl* überhaupt ein interessantes Buch geworden, dos wir 
Mehrern, als nur dem genannten Publil^um, empfehlen möchten , 
Denen jedoch nicht, welche nur neue überraschende Resultate, 
oder paradoxe Behauptungen, die <]en Stempel der Genialität und 
der Originalität tragen sollen, für ihren verwöhnten Gaumen 
scbmackhaft finden. Andern Lesern wird denn auch vielleicht 
gerade die Abwesenheit Dessen angenehm seyn , was wir auf un- 
serm Standpunhlc zuweilen vermifsten, nämlich erstlich im All- 
gemeinen einen etwas philologischem Anstrich des Buches, so- 
dann im Besondern die Nachweisung einzelner wichtiger älterer 
und neuerer Schriften, worin die hier behandelten Gegenstände 
weiter besprochen und ausgeführt sind. Namentlich wür<len wir 
es für zwechmäfsig halten, Studierende, die dieses Buch benützeo 
sollen, bei dieser Gelegenheit manches nützliche oder werthvolle 
VV'erh Uennen zu lehren, besonders da die Nichtachtung und 
Nichtkenntnifs der Literatur bei unserer gegenwärtig studierenden 
Jugend (der Ref. spricht von der, die er kennt) ein Erbübel ist, 
das mit der Gemeinheit des Studierens blos um der Prüfung 
willen , und andererseits mit der Dünkelhaftigkeit unserer Bi od- 
studiumsmenschen, Hand in Hand geht. Doch wir* verweilen nur 
noch kurze Zeit bei dem Buche seihst^ um unsern Lesern einen 
BegrifT von seiner Einrichtung zu geben, und schliefsen daran 
einige wenige Bemerkungen, da wir uns in einer Zeitschrift, wie 
die unsrige ist, vor zu grofsem Detail eben so, als vor ausführ- 
lichen allgemeinen Betrachtungen, hüten müssen. 

Da wir vor dem 38sten Lebensjahre Cicero's (J. d. St. 606. 
V. C. 68.) keine Briefe von ihm haben, indem erst mit diesem 
. Jahre seine Correspondenz mit Atticus beginnt ; so giebt eine 
Einleitung von i6 Seiten, von dem Geburtsjahre Cicero*^ an, 
eine, freilich nur Inirze, fast untabellarische oder aphoristische, 
Uebersicht über die Ereignisse der frühern Jahre, nach den Jahren 
der Consuln annalistisch aufgeführt; wobei übrigens nicht blos 
Cicero's Leben , von welchem wir aus seinen frühern Jahren oh. 
nehin nicht \iel wissen, sondern vielmehr die Geschichte des 
Römerreiches selbst, die innere und äufsere, den Inhalt bildet. 
Das Ganze ist so kurz gehalten, dafs wir sogar wegen einiger 
Umstände aus Cicero's Leben auf Ersch's und Gruber's Encyklo- 



290 Abelen, Cicero in seinen Briefen. 

pädie verwiesen werden. Aber gleich im ersten Abschnitt (J. R. 
(,85_689.), überschrieben: Cicero strebend nach der 
höchsten Wurde, wi?d die Darstellung lebendiger, die Lek- 
Iure des Buches interessanter und anziehender, ob wir gleich, 
wie gesagt, nicht gerade auf Neoes oder Auffallendes stofsen, 
ciivzelne Combinalionen oder Berichtigung von Daten abgerech- 
net, und Reilexioneji, die sich, fruchtbar genug, durch die Art 
der Zusammenstellung und aus ihr ergeben, — Zweiter Abschn. 
Cicero einflufsreicher Consularj*) J. R. 692 — 694. — 
Dritter Abschn. Cäsar's erstes Consulat; J. R. 695. — 
Vierter Abschn. Cicero in der Verbannung, J. R. 696. 

— Fünfter Abschn. Cicero's Herstellung; J. R. 697 
bis 702. — Sechster Abschn. Der Proconsul Cicero; J.R. 
7o3. 70/4. — Siebenter .\bschn. Cäsar und Pom pejus; 
J. R. 704 — 706. — Achler Abschn. Cicero während Cä- 
sar's Herrschaft; J. R.* 706 — 710. — Neunter Abschn. 
Cicero, Antonius, Oclavius, (von Cnsar's Tode bis zu Ci- 
cero's Tode) ; J. R. 7>o. 711. — Zugabe : Cicero's Geburts- 
stätte (S. 43 1 — 434.), von einem Neffen des Verls., dem UÖo. 
preufsischen Gesandtschafrs- Prediger H. Abehen, in Rom; eine 
danbenswerlfee Beilage, wozu man sich nur ein lilhographirtes 
Blättchen wünschen möchte, da die dazu empfohlene Karte der 
römischen Campagna von V\'eslphal nur in Weniger Händen ist. 
Zur höchsten Noth liönnte das DlÄltchen dienen , das ReK seinem 
Cicero de Legg. (Frcf. Brönner. 1824.) beigegeben hat, und das 
zu S. 154. (nicht 896, wie darauf steht) gehört Den Schlufs 
macht ein brauchbares Register, welches in der ersten Columne 
die sämmtlichen Briefe in der gewöhnlichen Ordnung , in der 
Z¥^eiten dieselben in der chronologischen , mit fortlaufenden Num- 
mern, nach welchen sie durch das ganze Buch, etwas unbequem, 
allein citirt sind , in der drillen die Seltenzahlen dieses Buches 
enthält, auf welchen dieselben berührt sind, da das vorliegende 
Buch eben eine Schilderung von Cicero's Leben aus iseinen Briefen 
giebt, und alle darin berührt, von vielen auch die besonders 
wichtigen und charaUterislischen Stellen ausgehoben und einge- 



*) Vergleicht uian diese Ucbcrschrirt mit der Torigcn , so füllt auf, 
dafa in der ersten nur das Streben, nicht dai Erreichen der 
höchsten Würde angegeben ist, während die z>vcite schon andeotct, 
dats sie vorüber sey. \ 



Digitizc 



Abelen, Cicero in feinen BMcfen. 



287 



flochten sind. Wir hätten übrigens noch ein umgekehrtes Vor- 
zeichnifs der Briefe nach chronologischer Ordnung gewünscht, 
wo die gewöhnliche Ordnung in der zweiten Columne stünde, 
und aufserdem ein Sachregister (ür den augenblichlichen liedarf, 
wenn man zu wissen wünscht, wo irgend eine üegebenheit aus 
Ciceros Leben und Zeit besprochen wird. Und nun schitefsen 
wir noch einige BeroerUungen und Desiderien an, die wir uns 
bei der Lektüre des Buches angezeichnet haben. An einigen 
Stellen schien uns der AiTsdruck nicht ganz richtig, was bei einem 
auch für Studierende geschlichenen Buche vermieden seyn sollte; 
Z. B. S. 3: sein Vater lebte gerne auf dem Lande und 
den Wissenschaften, — S. 26 : Sind nicht seine Werke 
ein Zeugnifs, dafs geistige Bildung Wurzel gefafst? 
(sc. hatte). — S. 82: Ich werde mich darin zu schicken 
wissen. — S. /19: Das gute Vernehmen, was er begrün- 
det halte. — S. 52: Cic. ahndete in diesem Frevel den 
Grund grofserUcbcl für den Staat (von Grund kann hier 
nicht die Rede seyn: er war Ursache, Veranlassung, (Quelle). — 
S. 75: In welchem Alles in den Händen jener Macht- 
haber und ihrer Creaturen (sc. war). — 8. 276: Hein er , 
der — lebt, blieb — unverlebet. Hier mufs es entweder 
lebt, bleibt, oder lebte, blieb je heiPsen. — Sachbemer- 
liungen mochten ^ir machen zu Stellen, wie S. 36, wo von Ci- 
cero's Verfahren in der Catilinarischen Verschworung zu wenig 
gesagt ist. Ist auch gleich in den Briefen dieses Jahres diese 
Begebenheit wenig oder kaum berührt, so kommen doch später 
Anspielungen genug vor, so dafs in der Schilderung des Jahres, 
in dem die Sache selbst vorttel , wohl mehr davon die Rede seyn 
durfte. — Oeflcrs steht Gemeinwesen oder Staat (z. B. S. 4i> 
42.), wo Verfassung, Republik, republikanische Verfassung sieben 
sohlte. — S. 64. steht P. C. Sulla. Diese Art, romische Namen 
abzukürzen , so häutig sie sich findet , ist ganz unstatthaft. Ein 
Christ mit zween Taufnamen mag es so machen : aber P. C. Sulla, 
M. '1'. Cicero, C. J. Caesar, ist falsch. Denn die Namen der 
Gens (Cornelius, Tullius, Julius) müssen ausgeschrieben 
werden. — S. 66. wird das Gedicht Ciccro's über sein Consulat 
80 erwähnt, dafs der Unkundige meinen mufs, wir haben Nichts 
davon, als das Bruchstück in dem genannten Ürit;le (wo es aber 
28, nicht 29, hcifsen sollte), da doch de Div. I, 11 — i3. ein 
grofses Stück daraus steht. — S. 82. sieht ein übler Hcxamelpr- 



288 



Abekcn, Cicero in seinen Briefen. 



schlufs : und den Beifall der Guten; wir empfehlen: und 
der Würdigen Beifall; ohnehin sind die Guten die Opti- 
maten. — S. 9O ist an einem von Vofs übersetzten homeri- 
schen Verse das Vaterland in eigenes Land verbessert: 
heimisches Land scheint vorzuziehen. — S. i54. Uonnte zwar 
Cicero von seinem eigenen Briefe valde bella sagen , aber die 
Ucbersctzung sollte ihn nicht sehr schön, sondern sehr 
hübsch heifscn. — S. i52. sollte idXXa statt -vaXka stehen. 
VVo Cicero's ürlheil über die Griechen berührt wird, S. 96, 
sollte die Preisschrift über diesen Gcgenslend von P. O. van 
der Chys (Gandavi 1O26. 74 S. /|.) angeführt scyn ; und wo * 
von Cicero's Verhällnifs zu Ilortensius die Bede ist , besonders 
bei dem schwierigen Punhte, wo Cic. über ihn sich ungünstig 
öufsert (S. ii5.), halten wir die Schrift von L. C. Luzac (De 
llortcnsio oratorc ^ Ciccronis aemulo. Lngd. Bat. lOiO. 161 S.) 
- citirtf WO dieser Umstand S. 61 — 75. mehrseitig erwogen wird. 

Zum Schlüsse möchten wir noch gerne eirie bedcuten<lc An- 
zahl gelungener Stellen , interessanter und wahrer Bellcxionen 
ausheben oder wenigstens anzeichnen. Z. B. S. 82 ff., S. 60, 
63. (eine schöne Schilderung der Tiage des Staates mit der^ 
Exposition einer Tragödie verglichen), S. 6q, S. 117, S. 278 bis 
976, 279 fF.) ; oder einige Bechlfertigungen Cicero's gegen VV'ie- 
land (S. 323. u. a. O.) oder 291 it., aber wir finden heinen 
Raum dazu, und honnen hier nur noch wiederholen, dafs uns 
das Buch', je weiter es vorschreilet , desto besser gefallen hat, 
und dafs wir es mit Ueberzeugung empfehlen können. Die Ver- 
lagshandlung hat es trciliich ausgestattet. 

Ulm. G\ //. Moser. 



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N*. 19. QBIDBLBBRGER 1836. 

♦ • • 

JAHB9ÜCHER D^R LITERATUR. 



eedi0hi9 von R FerrantL Am« Sammlung. Btriin. Stuhr, 18Sd. 8. 

Biese neue Sammlung lyrischer Gedichte des Yerlt»! die 
Bef, nach •einer NoTeUentaniniloiig zur Hmd genoinnieii ^ Iimii 
sor Beititigaiig des Prtheilf dienen, was er fiber die leUleie 
gefallt bat. Sie beweist in der Tbat« dab aUci Wahre a^d Ne* 
tSrIiehe in jenen Novellen dem Diehter, ami die Unnatur nar 
dem Zeitgeschmaclt angehört. Die Lieder dieser Sammlung sind 
nicht nur gewählter, als die der ersten , und bei vielen ist ein 
Fortschritt in der Hunstbildung benii'rhlich ; sondern in ihnen ist 
Dur selten eine Spur von jenem krankhaften ilochmuth und Uohn- 
gelichel zu bemerken) welche in den Liedersammlungen so vieler 
jungen Dichter Mode gewoiden sind, und einige Produkte der 
ersten 8aromlnng entstellt haben. In der That ist auch nicbtt 
nnbildlicheri als die blinde Nachahmung nicht nur eines Dichter» 
Ions, * sondern einer ganzen DichterindiTidualiiät ; das Publikum 
bat dieses ISngst empfunden unrT wendet sich deswegen bereits 
mit Ehe) von den loillcn li^eburlen der Hcine'schcn Miise, 
die diesem Dichter selbst am v\ idei liclistua seyn müssen, ab. 
Mochten sich auch die Dichter selbst endlich überzeugen lassen. 
Gewifs ist unser Verl', auf dem rechten Weg. Seine ganze Poesie 
ist wieder den einfachen« naturlichen FVcaden und Leiden der 
Jugend, ihrer Hoffnung, ihrer Liebeslust und ihrem Liebes* 
hummer zugekehrt, und w8hrend andfe, um sich interessant so 
machen , frech heraussingen : 

Ich habe oft geliebelt 
Ant meiner Pilgerbaha — 

und ; 

Ich habe sogar om Manche 
Ein Stondchtta fast gemiant — 

so spricht es für utisern Diobter^nicbt wenig , dafli er diese gante 

Sammlung von Jugcndliedern Einer und derselben Geliebten de- 
diciren kann. Jene gewohnten Gefühle begrüfsen wir auch in 
Jugendgedtcbten immer wieder gern und sie erscheinen uns neu, 
sobald sie von jungem Lebpn irisch durchempfunden und von 
neefadiobleqdeu Geiste mit Wahrheit dargestellt worden 
Mm, Mag. •.Heft 19 • 



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190 Ferrand, Gedichte. Nene S«iiiiiUaag. 

sind ; nur des lleucblens noch so kunstvoll geschraubte Beime 
über dieaelben Gegenstande lassen uns kalt und widern uns an. 

Der Dichter yergleidit a«iBe Lieder beicheideii mü desEia- 
tagsgeschopfbn des FVuUioga': 

Ach, der Tig hat e«eh «rndnAa. 
Und der Tif der eaeb gebneht« 
Wild eneh eterbend mit eleii nflba 
In die dunkle Tedeanaebt« 



Und mil atOiani, baogeu dfanee 
Sehu leb euer hekree ^pleli 
Aber Uef Im.Heraea inneu 
Behl ein leiaee Webgefibl. 

Wie iiur gaul^elt auf nad aieder, 
Säle beraneeht vea Dufl aad Ueht« 
Ckinkelh meine kleiaea Lieder 
Um ihr Blamenangeaicbt. 

üeberhaupt knüpft der Verf. seine Lebensgefuhle anPf Aa- 
niuthigste an die nächsten Naturerscheinungen. Lieblich besingt 
er das erste Blatt des jungen Bosenstraucbes, der so lange ge- 
hraaht hat : 

Die kleine Blüthenlnospe 
Keimt aus der Blätter Grön, 
Und quillt und schwillt allmählig 
Um prangend zu erblnhn ; 

Bli sie in särsem Beben 
Die grüne llulle sprengt. 
Vor holder Scham erglühend , 
Sich langsam vorwärts drängt. ^ 

Erot lauscht ein rothct Dl&Ucben 
Bang schüchtern nur hervor : 
Noch zögert sie — bald steht sie 
In vollem, daft'gen Flor. 

80| tagt der Sänger , hat auch Er lange gekrankt | und 

— dieem klelae Uedekea 
Ifft wobl daa erate Blatt, 

Das aoa der vollen Kaeepe 
Sich ettll geateblen hat. 

Aber alle Bimsen , die seiner Brust entblubt sind , sein Eiflbeil 

und sein Lied, weiht er seiner Liebe. Im »ersten Scbneee 
grüfst ihn in den kalten Winterflocken ein holder Frühlings* 
träum, denn in der Stunde, wo er Sie zuerst gesehen, wirbelten 
die Flocken, wie heut lin »Stubchen sb TerioieUieiif« ttoem 



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^tr naifsten Lieder der fitmoilaiig, treibt er «Im Seli»erS| 
d«n bdteo Gast, der to lange darin gehaaset hat, aoff und v«iw 
ngt dm'^tols, der ihn glfickliob lo «achen fertpricbti dafii 
er, in tüTteB Trmm eiogewiegt, «eiiier Tadler Ucfaeo Ittno, den 
Eiogaog : 

W«g mit dir , dich Itanni* ich nimaier, 
Vm4 dich kenoeo mag ich aioht I 
Wag I Mrf MfeablfMeaaeltonier 
Lalat* iah froh mnd ^wn Vtrstelit — 

Kommt ein Mädcheo drauf gegangen, 
1b den Haar dea K|»heuliraaa ; 
Dmkla IfOckaa, blaieha Waagen , 
la dea Aagaa Tbiiaeaglaai. 

Es ist die Erinnerung; doch auch sie weist er ab; ala 
ilt ibm albonahe ? erwandt mit dem Scbmers. 

Ilal war labaC mit afiftam Kaaaa 
Jetat aa malnaa Baaaa aiebt 
Bietet mir da« Maadea Baaaa f — 
Haffanagl wie remiiftt icb diebl 

Diese heifst er bleiben, doch auch nicht aui immer; sie soll 
den Dichter nur trösten, bis ihre schönere Schwester, die Er* 
fullang, ibm nabt». D|i kommt dieae eadiicb in Gestalt der 
Liebe* 

Aaf aaa, nrlne heltara Uader, 
Macht*« balianat I Ihr I^ale, wilit, 
DaTe In OMiaem Uersen wieder 
8ob4(B bcaatal daa Stabcban iat I 

Hier ond da verfuhrt den Verf. die Leichtigkeit, mit welcher 
er politische Vergleichungen anstellt, in gehaltlosen Bildern, deren 
Vehikel zum Theil nur der Wortwitz ist, wie z. B. |S« 18 : 
»Drehst du dich in schnellem Tanze, Tanzt das llcrz in mei> 
ner Bmtt.« Ein tanzendes Uerz giebt nur eine läcberliobe Yor* 
•teilongi Feraer 8» 76, wo ein Hfindedroeb der Geliebtea tageii 
eoüi wee 4eBi Oiebttr daa Hers bedruohL Bbeaio B. §94 t 

Du wundvrholde Jagerin , 
Do trafst mit gutem Glück, 
Da achaaat mleh aa — • weh t a web I 
' Nach ba««ar' trifft a«ia Blick f 

Mit diesem unscbSnen Bild und Scbrei endet ein tonst scb9» 
aes Gediebtj das ein jagendes Madcbea schildert and- recht aogv* 
wfkm fwliWil. Uiberbeopl getiagen dem Diebter eng einge^ 



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m 



F«rffcuui, GMUeiitc. £<ieae SamnlaDg. 



rahmte Bilder am besten. So ist eins der yorzuglichslen Lieder 
dsa kurse : > . 



Kreiicbend flirrt die Wetterfahne 
Auf 4®ni Giebel hin and her ; 
Dnnkla WoHran stekn «n Hlninwl 
Trtbe nnd Gevitlarackwar« 

Durch die weite Strafte wlrbell 
Wild der Stnnnwind Stnnb «nd Sand. 
Fenaterlndinfiügel aefclagan 
Krachend an des Haases Wand. 



Men»cbeo mit durchwehten Kleidern 
Hasten sich im lasehen Lauf , 
Sehen oft mit oehenem Blieko 
Zn dem dpnkeln HimoMl auf. 

Prohead* breiten sich die WelirsB 
Finster an dem Himmel ans ; 
Eiasle» grofse Tropffba fallea. 
Halb Terwehl vom Stnrmgebrans.' 

Aeh, mir' wird so seltsam bange, 
Wird so schanriff« vcUerslill, 
Und mir ist, als mniH* ich weinen, 
Da der Himmel weinen will. 

Zu den gelungensten Gedichten zählt Ref. das kleine »Müde 
bin ich!^ S. 41. v Morgen« S. 48. »Wolhenzuge« S. 49. sBliU 
thenkeime« S. 5i. »Wunsche «r S. 77. Unter den vielen Lie- 
dern 8. 100 ffl sind einige von wirklich poetischer Aosgelaneii» 
heit $ andere fallen ins Licherliche. No. 3i. heifst : 

Auf der Gasss ruft es : Ein Dieb ! Ein Dieb 
— Abh&nden knm mir dar yeiBtand , 
Dn, Hftdchen» liast meia Hera sntwnndt — 
Ich acliane dich an, mein, aälbes Idab, 
Und schreie mitt ein Dieb! ein Oieb! 

Das ist denn doch wahrhaftig eine Uebersetzang jensi Spott* 



reien verföllt denn Hr. Ferrand saweilmi auch io die Ibi Uebrigea 
von ihm ganz abgelegte Ifenier der hdhnendf o Tersweiflung. 
Und so schltefiien die wilden litoder mit dem etwas unappetitli- 
oben Bathy welchen sich der todesmatte Dichter gelten läfst, 
Sardellensalat zu essen und dann wieder zu trinken und 
zu küssen (S* io5.). Ein andermal | aut Veraolaamng ^j^ f^ 



Biurm. (a SOS.) 




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I 



wThslMs Terdniilielteii Aogtt und teiMt tritte -bremiidia 
JAdktm fceii i Mi t er sich, ob ar eher dw Auge trooluieD oder ^ 
dal Jicbt putten toll (S. 90.). 

Uebel reimt sich auch mit der Dedikatioo ao die Geliebt» 
- der Vers 91.) 1 

Ba gebt mir wHd Im Kopf harom t 
Mala Kind« wie biat da aa himmliach dämm. 
8a dvmm« aa dämm I own glaubt aa'kaam. 

In denselben Ton stimmt der Schlufs des Liedes vTraum^ 
bilde ein, wo der Sänger, welcher träumt, sein Liebchen walU 
fiüirte mit einem Andern in die schattigen Gänge eines Macbti« 
gallenbaine, wo ihre boaenden Worte in einen HoTs ersterben 1 
wie ein Besessener spricht (8. 99.) : 

Da apranf^ ich auf Toin Stuhle» 
Da lag (las Glas zcmtiickt — 
Herr Gott, ich schnappe über, 
Herr Gott, ich ward« v«rrficktt 

» Doch sind dieses nur seltene Mifstöne, die sich zufüUig auf 

wenigen Seiten vereinigt finden nnd im Verlaufe des Liederstro- 
mes nicbt wieder aaftaoeben. Der letste Mifshlang dieser Art 
steht 8. 196, wo ans der Verf. in abgestandenen Heine*scben 

Phrasen xuschnarrt : « 

Pathetisch in Scntcnsan 

Spricht meine Nachbarin ; 

Der dort reifAt schlechte Wiixe, 

Der niuiDit sie geduldig hin. 

Das ist eine fade Gesellscbaft ! 
Oer dümmste aber bin ich. < 
In stillem, dummen Sehnen 
Dank ich noch immer an dich ! 

Sofort yerlafst den Diobter der Da'mon der forSbergebend 

gehegten Dummheit, und er ist wieder der liebenswürdige, 
wahr empfindende und schildernde Jüngling. Davon zeigen die 
schonen Lieder »Vorbei!« S. 12^. >, Am Strande« S. i5^. vDas 
Fischermädchen« S. 160. »Im Walde« S. 166, wo, in einem- 
idyllischen Liede, der Sänger uns ein Fürstenhaus im Purpar« 
sdiein des Abends flammend mit der lieblichsten Staffage zeigt. 
Aucb die Gedichte »Im Herbste« S. 190* und »Todtenopfer * 
seiebnen sieb ans. Sie schildern in einracfaeoi rührenden Worten 
den Schmers der Jugend, ober die Yergünglidikeit, deren Wer- 

» 

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mmgiBeichen si^h auch schon ihr TorttiDdHch fnachen. Acb^ 
vergMW ! O vti^ehe ! mt das Schlagwort dieser hMm L iede r» 

Ansprachlos und unter hemen aaszeichnenSen Titeln teufen 
unter den lyrischen Gedichten einige Romanzen mit : ^ der Quell,« 
»der Bing,« »die Moorjungfrau,« »die ISixe,« »Honig Athaulf's 
Tod (S. ai3 — 282.), und früher schon »die Glochen,« S. 55. 
»das Fräulein von YViodeck,« der Zweikampf zu Worms c (8. 55 
bis 68.). Die beste von diesen episch - lyrischen Dichtungen ist 
»det Fraulein von Windech.« Eto Terirrter Bitter mit müden 
RoMe kommt auf daa sertrummerte Scblofa Windecb (am wett- 
lichen Abhänge des Scbwarswalds , wenn wir nicht irren, gele» 
gen, und auch sonst durch seine Sagen behannt). Er tritt in 
ein Zimmer, wo er beim Lampenscheine ein holdes Frauenbild 
sitzen sieht. Er tritt in ein Zimmer, wo er beim Lampenscheine 
ein holdes FVauenbiid sitzen sieht. Er bittet sie um Herberge, 
und sie nickt ihm YVillhommen. Sie eröffnet ihm, dafs sie die 
letzte Tochter ihres Hauses ist, nnd \^ie er nach ihren Eltern 
fragt, deutet sie auf zwei uralte Ahnenbilder an der Wand. Ein 
duftiger TVnnbt den sie ihm reioht, erfSUlt ihn mit wunderbarer 
GInth ; er wirbt um ihre Minne. 

• 

l>a riditet von dem Setial 
Die Jungfrau u'ich empor, 
Sie winkt — die Bilder treten 
Aus ihren Rahmen vor. 
Und führen aus dem Zinuner 
Den hocherataunten Mann — 
Br kann nIeM wldanieban, 
Die Jnagfraa aehwebt Toran. 

Die Spukgestalten leiten den Ritter in einer Kapelle zum Altar, 
wo die gespenstische Jungfrau ihm ein goldnes Ringlein reieht 

Bang scimut er in ihr Auge» 
Ihr Blieh tat Ifalt und todt, 
K«ia Atliam bebt, den Busen, 
Ole Waage liibt fceia Roth, 
Und doch naiwebt die Blebbe 
Ein wunderbarer Reis — 
Hr Rchlägt, Ton 6rao*n bewilligt. 
Mit betieader Uaod ein Krens. 

Da eauo*t dnidi die Kapelle 
Bin Wiadsfofa eisig balt — 
Verweht eiad die Geotalten» 
Wie Nebelier «arwnUt. 



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Die alicn Maoern wankfn 

* In wildem Sturmg-ohran«, 

Oer Kitter «inkt zu Uudeo, 
Die Keneo löecheo aua. 

Am Morgen erwacht «r ans dem bengen Treom « wirft sich auf ' 
sei» fioü mnd flieht die gmoeofolle Borg. Aber ein •tiliea 8eb. 
neu 9 eio tiefee t ttnmmes Lied renehrt ihn, ond er stirbt in Ge- 
drnihea en die Ueiie tehtfne Maid. 

Von den lyrischen Gedichten nennen wir noch »das Haus« 
chen« (S. a64f besonders Mo. 3. S. 366.) i »die Sage,« S. 867* 
»War' ich wie die Blome« S. 269. »Todesahnung« S. 978. 
»Der Itolitwandier« 8. «84. nnd da« Schlofagedicbt »die Hin- 
derweibetC ans welcher Ref., dem ans vielen dieser warmen - 
Lieder seine eigne Jugend entgegengetreten ist, von Hersen be- 
jahend, die Worte wiederholt} 

i Ob wohl ein Andrer Antheil nehmen wird 

An meiner Liebe wichr^en Nichtigkeiten, 
An dumiuer La«t und lüclierlicbeui Sehers, 
An >ielea heiraen Thrftaen am «la Nichla, 
' äm halleni FraodejauohMa am ain Nichta, 
Ab atarram Orinm« dar 1^alt dia Draal darabkraaifft. 
An atlilaai Weh« daa lala* am Harsea aagt* 
Ab aliUar Lnal mit ihfwn rrihliagaliehBla, 
Ilad wia alch LIaha aoBal aach aaigaa amg — 
Ob AadfB auch erfroo^n und achraemen wird, 
Waa oft BMiB Hers mit Lual und Leid erfüllt — 
M wiaai^* «a wähl, dmsh ieli arwarl* aa Bichl. ' 

O* iS c h w a ö* 



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■ 



296 Grieohiiclie nad Raiiiit«liailil|«inl«r. 



ÜBERSICHTEN und KURZE ANZEIGEN. 



ORIBCBI6CBB ukd RÖBflSCHB LFTBRATUR. 

*JLm(u>tvo\j Atßt(^<d> i{ MfTa/ütc^(l;cu<r»tüv 9vvayviyvf. Antonini Liber a l i» 
Trnnsformationum Conffcrics. Graeca e codice Parisino ouc- 
tiora atfjue emendatiora aiidit , Latinum üuil. Xylandri interpretatio- 
fiem, annotationes integraSf ejusdcm Xylandri, Abraham, DtrkelHf 7%* 
Galii, Th. Haunckeri, Henr, ^ethcykU, §§UUm» fliMfn 9t mm» 
jt^U Gtorg» J€n9ik0m$ Eotk, ph. ür, wmn. philtiog, Up», md, 
konw* «cAolac Hkomamme eoUega. Jttodmut H. f^tTht^kU Kic€wrmi9 im 
diaUütM AnioninianQ$ et hdifti eopiotiuimi» Idptian In lÜraria Dg^ 
eHoM, 1881. ItXir und m S. imgr.S. 

Diese Ausgabe, deren Anzeige, durch Ycrschiedene üm- 
stände verspätet, wir billig nachzuholen haben, gehurt unter die 
Glaste derieiiigcn , welche alles das in sich zu vereinigen spchen, 
was för RritiE und Exegese ? on einiger Bedeutang in den frü- . 
hertn Aosgaben gelastet worden; diese demnach entbehrlich sn 
machen und Ungleich durch eine bessere und vollständigere Bear« 
beitnng su ersetzen bestimmt sind. Dafs solche Collectivausgaben 
in unserer Bücher- und Ausgabenreichen Zeit eine wahre Noth* 
wendigkeil worden , wird Niemand in Zweifel stellen wollen ; sie 
werden es aber insbesondere bei Schrifistellern , die, wie eben 
ein Antoninus Libcralis , nicht so haiifij^ als andere Classilier ge- 
lesen werden, die mehi' in den Häntlen der Gelehrten sich be- 
lindcn und daher auch nicht so oit von Neuem edirt werden 
können. Es wird daher in Anerkennung der Nützlichkeit, ja 
Nothweadigheit solcher Co|lecttT.Ausgaben., sich hanptsico« 
lieh am die Art und Weise der Aosfuhrong handeln, durch 
welche dieser Zweck erreicht werden soll, in wiefern nSmIich 
nicht eine rudis indigestaqne nioles uns aufgespeichert werden soll^ * 
wie dies z. 13. in einei* Ausgabe des Thucjdides, die erst in ihren 
letzten Abschnitten einer besseren Anordnung sich erfreut, der . 
Fall ist, anderer solcher Sumnilungen zu geschweigen, sondern 
• eine wohlgeordnete Zuftamnienstellung und Verbindung der frü- 
heren Leistungen zu einem Ganzen, in dem zugleich die fehlen- 
den iMittelglieder ergänzt, einzelne Lüchen ausgefüllt sind, und 
■ dgl. m., geliefert werden soll. Gerade in dieser Beziehung nun 
glauben wir der vorliegenden Ausgabe das beste Zeugnifs er« 
theilen zo kOnnen, da hier nicht hJos die Leistungen der Vor« 
• gfinger zu einem wohlgeordneten Ganzen Tcrbunden sind, son« 
dern auch der Herausgeber, zur Erreichung des Torhin bemerktm 
Zweckes eigene Bemerkungen überall beigefugt hat, welche deo 
Zweck haben, einzelne irrige Angaben, die sich in den Anmer» 



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Iiungen der frübmn Hmofgeber finden, sa bvriolitif^ii, odtr 
deren Mittheilungen ku yerfoUstandigen und mit weiteren Nach« 
weisangcn aus der neueren liiteratur zu verinehr«i, mu»L Mii« 
seines früher Uebersehene nachzutragen u. dgl. m. 

Was zuvordcist die Gestaltiinf^ des Textes bctriflt, so suchte 
der llt'iausf^cber vor Allern eine Grundlage desscÜ>en durch die ( 
sorgfältigste iiciiut/ung des schon von IJast in der Lettre crilique 
benutzten und nachher noch einmal von einem nun verstorbenen 
Freunde des Herausgebers , Schuttig, aui's Genaueste verglichenen 
Pl j ^ e r Cödex, der. seitdem wieder in seine alte Jleimath, nach 
fiffMMlberg , zurücligebebrt ist^ zo gewinnen; auob Ref. bann 
ans Autopsie das gSnstige Urtbefl, dßM ein Best Ober diese Hand- 
' Schrift fällte, nur bestätigen, and er ist fast geneigt, die Hand- 
ielMaft, welche Bast dem sehnten Jabrbnadert anwies, in noch 
^tSIm^^ Zeiten suruchsuverlegen , wenn er nämlich dieselbe mit 
andern, welche in das zehnte Jahrhundert geboren, Tergleicht^ 
Unter den hiesigen Ilnndschriften , d. h. den griechischen, die 
aus dem Vatican über Paris hierher zurilclif^ehommcn sind, ist' 

. sie unstreitig die älteste, die es darum geuifs verdiente, die 
Giundlage des Textes zu bilden, selbst ^enn noch andere lland- 
icbriften dieses Autors vorhanden waren, was unseies Wissens 

. Iteinesweps d<ir Fall ist. Nur an einigen offenbar verdorbenen 
Stellen sind Verbesserungen von Bast oder Schifpr aufgenommen 
Worden i eigentB Vermutbungen wohl mehrfach mitgctheilt ^ aber. ^ 
ntuf;an |dne|if eihsigen Stelle io den Text gesetst. 

^j^M (Br^a Erklärung geschehen ist, lesen wir in folgenden 
tVprtea ang^entet, S. XIV: »In singulis yerbis et locutionibua 
espticandis pnieterquam quod accuratios ^ortractavi, quae sin* 
giuari qaadam ratione ab Antonino posita essent, ad hoc maximo 
animum applicui , ut indagarem poetieas voces, dictiones, sea« 
tentias ; qui labor quoniam antiquiorum poemata plernmque re- 
spevit , cnarrator nosler neipie ojierosus erat ncque jucunditate 
carebat. lies vcrr» bistoricas paritei- alque m> tholoi^icas data 
oj»ci a persecutus sum , cum iis singularia (luaedam et de «juibus 
dubitari possit , compreheudi aut cum ad leclionis venfatem 
cruendam casdem alicujus momenti esse viderem.« Nun waren 
^ swar allerdings die mythologischen Punkte in den Gommentaren 
Ton filuncker and Verheyk snm Tbeil mit grofser Ausftibrlicbkeit 
bebandelt worden; der Herausgeber suchte indessen durch <An- 
fSübrafigf^n ans den neuesten Schriften über Mythologie nod Vap* 
weisong^n auf dieselben, da in diesen doch meistens der Gegen« 
stand Ton einer ganz andern Seite aufgefafst ist, als in den Noten 
dar genannten Gelehrten, ferner durch sprachliche oder auch , 
graromatischü nemerl.nngen , durch Erhiarung dunkler und schwie- 
riger Steiie.) den Conunentar zu verv«dlsländigen , in welchem 
nun den wilitlich (und mit Recht) abgefbuchtcn Noten von \ylan- 
der, Ileikelius, Gale, Muncker, V'crheyii und A. <lic eii^enen des 
Herausgebers fast auf jeder Seite sich anschliefsen. in das Kin- 
salne prüfend einzugeben, liegt aufser dem Zweck dieser An* 



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IM 



OffkoMtelM mU fitalMlM Utermtar 



zeige ; sonst würde Ref. allerdings bei mehreren Stellen teihe 

Gegenbemerl<unf5en vorbringen , oder einige Berichtigungen von 
Citaten (wie z. B. p. 344 i wo statt Herotlot III, iii. zu setzen 
II, III. oHor p. 25!5 , wo statt Herod. VllI, 3. zu setzen VII!, 
Iii; desgleichen p. 171 , wo statt Herod. I, 1 4> zu lesen I, 36.) 
oder weitere Nachweisungen bei mehrern PunlUcn nachtragen. 

Zu diesen I<,eistungcn gesellen sich noch die ausfuhrlichen ' 
einleitenden Untersuchungen, welche in die Prnofalio aufgenom- 
men worden sind und hier über alle die PunlUe sich verbreiten, 
welche sonst in eigenen Prolegomenen behandelt zu werden pfle- 
gen. Der Heiausgebcr beginnt damit, dafs er die früheren Aus- 

Ssben der. Reihe nach, wie sie erschienen, auffuhrt und wür- 
igt, worauf, zugleich am besten der Standpunkt ersichtlich wird, 
den ein neuer Bearbeiter des Antoninus zu ergreifen hatte. Ntfn 
wendet sich der Verf. zu dem 'Autor selbst und su dem Inhalt 
Qnd Charakter der hinterlassenen Schriften. Ersteren setzt er 
mit -Saxe anter Antonin den Frommen um 147 p. Chr. Umfat^ 
Sender aber auch schwieriger war die Untersuchung über den 
Inhalt der Schrift, und die darin vorkommenden Mythen, deren 
Ursprung der Verf. bis in die Irüheste Periode zurüch versetzt, 
um dann ihre weitere Ausbildung und Verbreitung, so wie die 
später entstandenen eigenen Sammlungen solcher Mythen, von 
denen uns eine in der Schrift des Antoninus glücklicherweise bei 
dem Verlust so vieler andern erhalten worden ist, nachzuweisen. 
Wenn wir auch von den verschiedenartigen, theilt allgemeineren 
tbeils tiefer liegenden Ursachen, welche solche Mythen erseilgt 
nnd herTorgernfen haben 1 absehen wollen, so wird es sich haopU 
sachlich dämm handeln, die Zeit aussumitteln , in welcher zuerst 
diese Classe Ton Mjrthen. die früher untermischt mit andern Tor- 
hommeh, ihre eigene Ausbildung und Ausbreitung erhielt; wsnn 
solche {Mythen , deren Gegenstand Verwandlungen waren , von 
andern ausgeschieden, in eif»encn VYerhen behandell und gesam- 
melt wurden, und somit einen eigenen Mythcnlireis bildeten. Der 
Verf. hat diese Untersuchung mit vieler Umsicht und (lenauigUeit 
efuhrt, namentlich da, wo es galt, die (^>uelle»i , d. i. die frii- 
eren Sammlungen nachzuweisen , aus welchen Antoninus den 
Inhalt seines Werkes entlehnt hat, und es ist ihm auf diese 
Weise gelungen, fiberall , mit wenigen Ausnahmen, genau die 

«Hellen nachzaweisen , aus welchen Antonin geschöp it hat. I>as 
esnitat dieser Untersnchung x stellt sich sehr zu Gunsten des 
Antoninus und zeigt die Wichtigkeit seiner Schrift, in sc»l'ern sie 
allein uns den Innalt mancher wichtigen früheren Werke , die 
verloren gegangen sind , erhalten bat ; auch scheint dieser Schriit. 
steller in dem, wn«; er aus diesen älteren Werken in seine Sanim& 
lung aufnahm , mit solcher Gewissenhnff ij^keit and mit solcher 
Treue verfahren zu seyn, dafs er selbst die Worte derselben 
hie und da beibehalten oder in seine Darstellung übertragen 
mochte. (Vgl. p. XLII.) Auch erklären sich daraus manche bei 
Antonin vorkommende dichterische Redensarten und Ausdrücke, 



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«iMalnä lonismen QDd dergl. m. (p. XLVII.) Alle diese Ponlit« 
• lalt-^er Verf. auf eine völlig erschöpfende Weise hehendelt In« 
teressant ist die Vcrgicichung , welche sich zwischen Anlonin und 
Ovid machen löTsl , da wo heitle f;leiclic Mythen behandeln, und 
die Verschiedenheil nicht 1>I()S in einzehien Worten und tlt'i^lei- 
chen AbweichuriL^en , Mifulerti in der f^nnzen IJohan(ilnn{»s - und 
Darstcllungsweise lie;:^t: ein ( le^enstnnfl . <lcr auch hier von Neuem 
einer gründlichen F^rürlerung unterzogen wortlet» ist (S. \IJV ff.)| 
auf die wir verweiseo wollen , was dort über die oi^e Kunst 
det«attBMMe« 4>tebter0 io' leiner Aoewehl der für seinen Zweck 
pe^pehjen Wtben eo^ wie in geschickter Behandlang derselben 
te u ie ih t wiinoi nnterschreibt Ref. gerne. Der Scbluis der Vor-' 
r«dl w fl iill '^faie Reihe sehr schiftzbarer Verbesserungen des 
fWteet Too Hermann dem Herausgeber mitgetheilt. 

In Absieht auf 4ie iaftere Eiprichtong des Werkes bemerken 

yy'ir noch /'^all' auf des Herausgebers Praefslio ein 'Abdruck der 
Vorreden Ton Muncker und Vcrheych folgt ; dann der griechische 
l'ext bis S. 53 ; darauf die lateinische Uebersetzung Xylanders 

(die >^ir !iel;cr unter den Text unmillelbar gesetzt , oder vielleicht 

ganz wej^^elassen haben würden) bis 8. ()6 : nun foli^en die An- 

notationes der auf dem 'Iilel genannten liearbeiter nebst den 

eigenen des Herausgebers ; S. 325 fl'. Vcrheyh's I'.xeursirs in dia- 

lectos Antoninianas bis S. 34o, dann einige Addcnda und aus« 

führliche ladices. 
» 



Cmroli Frtderiei Hermannif professorig Marbttrgensi», Progymnai^ 
• matum ad Jristophunia F.quitcs Schediatmata tria. Mar- 
bwgi tumtibM Cbrittiani Uarthe. MDCCCXXXF. S2. 4Ö und 34 & 
in 4to. 

Eine Kritik dieser in einselnen Programmen zuerst erschie» 
aenen, und hier, da sie einen gemeinsamen Gegenstand betreffen, 
zu einem Ganzen yereinigten drei Abhan<llungen , welche sich 
zwar zunächst auf die Ritter des Arislophanes beziehen, aber 
dabei so vieles Andere aus dem Gebiete der griechischen Ge- 
schichte und Alterthunier enthalten, wird man von dem Uftter- 
zeichneten , der in dem Verfasser derselben einen vieljiilirigen 
Freund und früheren Collegen verehrt, nicht erwarten 5 wohl 
aber ein« Anieige, besüromt, Ober den reichen Inhall dies«r8obrHI 
einige, wenn anch karse Andeutungen in diesen BlXtteni , welch« 
foleM Ertobeinangen am wenigsten mit Stillaehweigen Qbergehea 
durf(Mi|mederzulegeny indem nun durch den erneuerten Abdruck diese 
bieber Tereinselten Programme, und wir freuen uns dessen, auch 
einem gr5fseren Publikum zugänglich geworden sind. M5chte 
nur ein Gleiches recht bald auch mit den übrigen Programmen 
des Verfs. geschehen , in denen eine Reihe der wichtigsten Ge- 
genstünde aus dem Gebiete der griechischen Antiquitäten oder 
der attischen Philosophie l»ehandelt ist. 



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Die erste Abhandlung vorliegender Sammlung , geschrieben 
als Programm jtur Eroilnung der Vorlesungen auf der Universität 
Marburg im Sommer i835, handelt: De inj ums , quas a Cleone 
Aristophanes passus esse traditur, zunächst mit Dezug auf zwei 
Steilen des Dichters aufweiche es bei dieser Streitfrage ganz 
besonders aobommt, und die deshalb auch hier auf's Genatteste 
besprochen werden: Acbarn. 377 — 38i. und Yesp. ia84— 1191« 
Die genaoere ErSrterung beider SteUen fahrt «if ein gleicnee 
Resultat f »ot, qnae in Acliementibiit oommemorehtar Cleomt 
injuriae , non Aristophanem eed Callistratiim (f8r den Ai^istophanea 
die Acharner schrieo) tangere itatuamus, qoae in Vespit, Eifoi« 
tiboi posteriora esse contendamaa, dentqne nihil Testigii remaneel, 
cur privntae potius ofl'ensionis quam salutis publicac causa Ari- 
stophanes in Cieonem aggressus esse videatur« ( p. 32.). Der 
Verf. hat diesen Worten am Schlufs seines Programms eine wohl 
zu beherzigende liemerliunf^ beigefügt, die wir, weil leider so oft 
auch in unsern Tagen noch immer dagegen gefehlt wird, nicht 
unterlassen können, auch hier zu wiederholen: vVos autem, 
Commilitones , identidem mooemus, ne, quae conti*a yeteres ao- 
ctoritatet diipoteotur, quamris sj^eoiosiMima et a •agacittfuut 
Tiris proposita, incaate amplectamioi ; raro eniin quidquam anti- 
quitus traditnm est , quin aliqnid veri anbiit ; jjuod na temere 
objiciatur, sedulo caTendum ett.« 

Die sweite Abhandlung behandelt einen höchst wichtigen, 
aber auch sehr schwierigen und dunkeln* Gegenstand des attischen 
Staatslcbens, nemlich die Frage nach dem Wesen und der poli- 
tischen Stellung des attischen Ritterstandes und dessen Verhält* 
m'ssen zum Dienste zu Pferd im Kriege : Disputatio de enuitibus 
Atticisy auf das Geburtsfest des Hurfürsten geschrieben im Juli i835* 

Wenn sich nach den vom Verf. beigebrachten Stellen das 
Vorkommen der iTintlc; in der vorsolonischen Periode durchaus 
nicht wegleugnen lafst (wie irrig von Larcher und Andern ge- • 
schehen), so gewinnt dagegen die Vermuthung des \ erts. einen 
hohen Grad von Wahrscheinlichkeit, dafs nämlich die früheren 
Iffnei^ in der Solonischen Verfassung in die Stelle der alten 
Patricier, der Eupatrtden, getreten, und selbst vor Spion schon 
eine politische Bedeutung gehabt, oder Tielmehr diese slaitt der 
blos Uiilit£risohen gewonnen. Wir müssen demnach wohl den 
Stand deji Init^l^ in Athen von den su Pferde, als Soldaten, elf 
Reiter dienenden innd^ unterscheiden ; » nostro jure contendere 
nobis Tidemor,« sagt der Verf. am Sohlufii des dritten AbsohoiltSi 
»classi equestri dum equestribus copiis apud Athenienses noo 
majorem occessitudinem intcrcessisse quam in Romana re publica 
extremis temporibus fuisse constat : ut nec equitos ex una tantum 
classe equestri caperentur, neque id potissinium huic classi prae- 
cipuum esset, ut equcstria stipendia mereret ; idque discrimea 
paulatim etiam in sermonis usum Iransiisse apud veteres videtur, 
ut qui eques militaret, eum inntvBiV vel innta clya» dicerent, - 
qui autem in classe equestri oenserelur, %nv innäiiu %tktlv prae» 



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fliicarent neqTie InndSoi Tocabulum anrpiam ad Temm eqmUtaito 
'transferrcnt.vt Diese Behauptungen werden noch weiter besthtigt 
durch die folgenden Erörterungen uher die Hippaichen, welche 
die Heiterei aushoben , über die Ilippotrophie und den Dienst 
zu Pferde, was als eine Leiturgie angesehen wurde u. s. w. , über 
den Senat, Tor welchem, nachdem die Aushebung geschehen war, 
die Dokimasie der Reiter, die (wie zu Rom ?or den Censoren) 
•fidr^-^MIÜlMii eioeii feierlichen Aufzug hitllMf TörgenomnMn 

Sonal, ab oberste AdmieittratioM- «nd Pinane- 
Midfde «iei die aanse Aaftichl fiber die bedeetenden Sttsiniei^ 
die der Staat auf die Reiterei verwandte, — » etwa vierzig Talente 

Slich nach Xenophon — zu fuhren hatte, obwohl aoeh 00 aoeh 
er die Ausgaben für den Einzelnen bedeutend genug *WBren , 
so dafs nur Vermögende den Dienst zu Pferde im Feld uberneh- 
men honnlen. (Vgl. p. 29. vgl. p. 89.) Den Normalstand der Peiler, 
früher wohl wechselnd und veränderlich, 8el^l der Verf. seit dem 
ersten Jahre des peloponnesischen Kriegs auf tausend (p. 36.); 
und so kommt er, nacbciem er alle Verhältnisse berilchsichtigt , 
und den Gegenstand nach allen seinen 1 heilen, so weit es bei 
dem.üaiigel nfiberer Nachrichten m^lich, beleuchtet hat, im 
lettteiitAbieboitte wieder auf Arialophanea und auf die Stellung, 
mekbcr die UttttXq In dem gleiohiiamigeo StSek diesaa Diohteva 
eiMWJueoft» zurück ; und bemerkt dabei, dafs men hier ja nicbt 
den politischen, durch SoloQ in die Yerfinaong gebrachteo 
Staed; 'der . innf i( denken solle, sondern an die zu Pferde die« 
oenden, jungen, vornehmen Athener, die insgesammt des Aristo« 
pbanes politische Gesinnungen theilen mochten, die wie er gegen 
Cleon eingenommen waren, und in diesem Sinne gegen Cleon 
auftraten oder vielmehr von dem Dichter sachgemäls aufgeführt 
iFverden. » Aristophancm certe nihil aliud luovil,« sagt der Verf. 
S. 4^) equitum nomine fübulam inscriberet, quam quod idcm 
io re publica aentiehat, quod ilii se sentire per illius judicii ocm 
C|i^j[^^ declarärerant« aade spem conceperat fore, etc.^ Doch 
mM 'iUufft di^ , ganze Unteriachnng lesen und dem Verf. Schritt 
Vcir Schritt folgen, da wir hier omr einige Hauptpupkte dert^bii^ 

, ;Aa€b^die letzte Abbandlong, welche den Chafahter mea der 
bedentandsten Hanner Atheoa in der Zeit des peloponaesisctiea 
Kriegs, -des Haoptea der aristokratiacben Parthei, eben ao gerecht 
als wahr würdigt, und daraus so maoohe.AiifaebiiSMe zur rich- 
tigen Auffassung der Geschichte des genannten Krieges ableitet, 
wird die verdiente Anerhennung nicht fehlen, zumal da sie zu- 

Sleich einen so wichtigen üeitrag für das bessere Versländnils 
er Ritter des Aristophanes liefert. Dies ist die auf den Ge- 
burtstag des Kurprinzen un^l Mitregenten geschriebene Disputatio 
de Persona Aiciac apud ArUtophantnu . ^4 



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dri^toitli» Politieorum Ubri octo ad recm*ionem Immanuelit Bek- 
ktri f9€0gmUi, Critieh tditontm priorum tuhiidiit colleetis auetugua 
apparatu eritieo fileniuimo instrus^t prolegomem» tramfatione Germa- 
nica et commentarits enarravit indicibus locuptetissiniis adornavit Adol" 
phu» Stabriut, yoluminia primi fascicuiut primm AddUa tunt 
JrM9t9li9 r§rmm pubticarmm fragmtn^m 9 C«r«to Stukrio 
mnmßtm accurate coUerta emendata «xp/ieolO» Lfalf— tUMU^Ui Cantf 
MDCCCXÄXFL 80 S. kL Fol, 

' s 

Da der Herausgeber seine Grundsätze in eioer ipiter, wabl^ 
scheinlich mit der leisten Lieferung des Ganzen, zu erscheineo- 
dea Vorrede näher su entwickeln verspricht, so beschränken wir 
uns bei Anzeige dieser eisten Lieferung auf einige Andeatongen 
Ober Anlage und Charakter dieser neuen Bearbeitung, mit Bezug 
auf die in dem Umschlag enthaltenen Notizen des Herausgebers, 
der von seinen Studien des Aristoteles schon mehrfach die rühm- 
lichsten Proben dem PuMihum vorgelegt hat , und nach eigener 
Einsicht und Prüfung des iu der vorliegenden ersten Lieferung 
>virhlich Geleisteten. 

Dafs eine neue Bearbeitung des Aristoteles, dem man sieb 
in neueren Zeiten- billig mit mehr Aufmerksamkeit zugewendet 
Iwl, anerwCnscbt , oder gar darch den neuen Berliner Abdruck 
flbcrflStsig geworden sey, wird woU Miemand sn behaupten eia* 
ftllen ; in Gegenthetl^ wir glauben« dafs das >Bed8rriii(li einer 
neoeo britischen Bearbeitung des Aristoteles sich jetst dringender 
und notliwendiger als je herausstellt, und begrufsen darum freudiff 
«Inen Versuch , der mit einer der, des reichen und mannigfack 
ansaebenden Inhalts wegen , am meisten gelesenen SobrilWn des 
Aristoteles hier gemacht worden ist 

Der Hr. Herausgeber sucht durch diese neue Ausgabe einen 
doppelten Zweck zu erreichen. Zuvörderst wollte er eine Aus» 
gäbe liefern, die aufser einem möglichst berichtigten Text, nach 
der neuen Bekker schen necension, zugleich eben diesem Texte 
die ihm in jener Ausgabe noch fehlende diplomatische Grundlage 
verschaffe, indem sie deshalb den gesammtcn kritischen Apparat 
aus der Bekker'schen Ausgabe (welche durch die Benutzung von 
neun bisher unverglichenen Handschriften allerdings wesentlich 
gewonnen bat), wie ans den beiden frSher erschienenen Special- 
ausgaben, der 8chneider*icben und GSitling'schen, von denen 
eine jede durch besondere britische Miltbeilungen einen eigenen 
Werth besitzt, keine aber einen vollständigen kritischen Apparat 
liefert, keine demnach von dem Kritiker entbehrt werden kanttf 
übersichtlich in möglichster Vollständigkeit und Kurze susammen- 
stelle , mit Einschlufs der Abweichungen, die in diesen drei Aus^ 
gaben selbst, so wie in der von Horai , im Texte voskommen ; 
es kommt dazu noch eine neue Veigleichung derjenigen unter 
den alteren Ausgaben, die in den genannten neueren Ansgaben 
gar nicht oder doch nicht so, wie es hätte geschehen sollen, be- 
nutzt worden waren (wie z. B. die dritte Basler vom Jahr i550| 
die Moreliana ron i556, die sweite Tictoriana)| obscbön sie iiir 
^die Hritik m wtMntUchtm Werth sind. 



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GciochUchc uod liümiache Literatur 



lo diesem Sinne hst nun der Herausgeber eir^e Zusamroen» 
Stellung des kritischen Apparats geliefert , lo welchem die liesul« 
täte der Vergleichung ?pn teebisehn Handtchriflen , mehreren 
•Itett lateiniscoen DeberietKongen nod etliche und Ewanzzig äU 
termi -ond nevemi Ausgaben niitgetheilt aind| nnd nwar nntev 
dem Text aaf Jedel* Seite, auf einen infsertl gedrängten Baum 
beschrinkt« was nur durch Anwendung gewifscr Zeichen und 
AUlürsongen, die auf S. III. und IV. angegeben sind, möglich 
irerden konnte. Je schwieriger und' mühsamer ein solches Geschäft 
im Ganzen zu nennen ist, je mehr Anerkennung wird ein solches 
Verfahren ansj>rct hon können , da es allein der Wissenschaft 
wahrhalt iioiniuen, und der Kritik eine teste Grundlage, dem 
Text einen sichern und zuverlässigen Boden zu Terleihen vermag. 
Ein solches Unternehmen wird daher wohl auf Beifall rechnen 
können, zumal wenu die Ausführung, in den folgenden Liefe- 
rungen, deren Erscbeinen . wir seiner SSeit anteigen werden, aof 
eise gieicb befriedigende Vf eise geschieht ond nneere Erwartungen 
anob . ferner erfSUt. werden. Die beiden nücbaten Lieferungen 
foPen^den Rest des Textes enthalten, der hier bis Buch III. Cap. X* 
fAtf i|nd somit den ersten Band dea Gänsen füllen; ein zwei- 
ler Band soll einen Commentar liefern, in welchem aufser den 
oSäii'gcn sachlichen und exegetischen £rkUrangen| auch das Krif 
tip^ genan erörtert werden soll. 

Der andere Zweck ,^.den der Ueransgeber durch diese neue 
Bearbeitung zu erreichen sucht, bclrifTt weniger den Gelehrten, 
ala das grülsere, gebildete Publikum, dessen Aufmerksamkeit hei 
dem vagen Geiede und Geschwätz über Politik, wie sich dies 
heutigen Tags so oit breit macht, bei dem verworrenen Treiben 
unserer Zeit und den politischen Träumereien und Schwindeleien, 
zurückgeführt werden soll auf den grofsen Denker des Alterthums, 
detaeo Mraitiges, gesondea« unbefangenes Ortbeil, dessen fester 
Siim em liMen geeignet ist, uns fiber dleae Gegenatände cufsiu 
Uiren, ilben dieiin der Politik rorkomnenden Fragen uns grfind» 
tteii am belehren und damit den acbwindebden Anaichlen neaerer 
Träumer oder böswilliger Demagogen in entgegnen. Um diesen 
Zweck einer VerbreilMs beaaerer, gesunder Anaiobten in der 
Politik desto eher erreichen zn können, war es nothwendig, ^iae 
deutsche Ueberset/un^ beizufügen, welche dem Texte gegen- 
über aui jeder Seite abgedruckt ist, indem durch eine lateinische 
Uebersetzung diese Absicht nicht wohl hatte erreicht werden 
können. Da nun die früheren deutschen Lebersetzungen , wie 
wir gern glauben, nicht genügen konnten, zumal da sie meist 
nicht nach dem griechischen Original, sondern nach der lateini- 
■oben Uebersetzung gemacht waren , mitbin den Charakter und das 
mÜnelle GeprÜge einer Aristoteliachen Scbrift keineswegs in der 
ttaehblUlttgijivlMMinen liefsen, so sah sich Hr.Stahr in der Lage, 
eine* i|eiiti;:4^tsche Uebersetsnng gehen zu müssen. Und diti» 
Ueborsebung ist allerdings so, dafs sie möglichst treu an deo To» 
lieh oiiscblielkeiid I ohne in .weitschweifige Umacbreibungea sa 

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SM Grleehkclie nn4 AöiuiMshe Litemtor. 

Tcrfallen oder in eine dem Genius unserer Sprache zawiderlaa- 
fendc Kurze, soodern getreu und in einer klaren und reinen 
Sprache den Worttimi wiedergebend, aaf gerechte Anerkennung , 
smnal bei den greften Schwierigkeiten, die sich hier-^ fiberäl 
^bieten, recbnea bann und ihren Zweck so errelcbeii wohl 
geeignet ist. 



Lmdovieo Primo Hovariae regt potenttttimo augnitUtimo ProUetfi 

Clementissimo et Theresi ae Kegtnaey patronae gratiosissimae fori 

Senioiü quinque luttra JcUciler peracta pie gratulatur L'nivvrsUaM Ltt* 
ovieo' taasimiliau^u Minaemm, addita Dh$€rtation9 ^ qua prohatun 
• 9€tcrum artifieuw opera veterum poetarum carminibua 
optim« expUcari. Monachn Men$9 Oet^bri MDVCCXXÄf^. 
in gr. Fol. ntbvt 5 Tujdn in Fol. 

Vorliegendes Prof^ramm, durch ouPserc Ausstattung nicht min- 
der ^ie durch seinen Inhalt ausgezeichnet , zur Feier der silbernen 
Hochzeit des Königs von Baiern, Diesem Namens der Universität 
München uberreicht, zeigt in seinem ^^issenscha(tlichcn Theile an 
einigen eben so wohlgewahlten cils tiefl enden Beispielen die Be- 
deutung und ^Yicbtigkeil der griechischen Dichter für die Erklä- 
mnff der Werke alter Kunst, die hinwiederam eben so aaf manche • 
Stellen der alten Dichter, Epiker, Ljriker, wie Tragiker ein Liicbt 
werfen, das freilich nur für den leachtetf der die Werbe der 
alten Hilfst mit Aufmerksamkeit stodirt und andererseits auch die 
Dichter, nicht blos der Sprache, der Grammatik, der Dialekte- 
Verschiedenheiten und ähnlicher Dinge wegen, sondern auch am 
ihies Inhalts wegen liest. Denn nur auf diesem Wege wird es. . 
möglich scyn , zu einem vollständigen und richtigen Vcrstnhdnifs - 
der Werke der alten Poesie \vie <ler alten Hunst, die in so infii- 
gem Bund mit einander stehen, zu gelangen. Und von dieser 
innigen Vorbindung giebt auf's Neue Zeugnifs der Inhalt vorlie- 
geoder SchriA:, welche, während sie einigen zum Theil gar nicht, 
sam Tbeil ganz falsch terstandenen Kunstwerken des Altertbiims 
ihre wahre Deotang ans den Werken griechischer Poesie giebt 
ood so den wabren Sinn derselben «ofscbliefst , zugleich als ein 
neuer Beleg dienen kann, welchen Einllofs das Studium der Ar., 
chäologie nnd die sorgfMtige Betrachtung der Werke alter Hunsl 
anf die gesammte AlterthumswissenscbaÜ und stinäch&t auf das 
Versta'ndnifs der alten Dichter aufsert, aus deren Schöpfungen 
die Künstler den vStofI zu den ihrigen entlehnten , indem sie in 
Erz oder Stein oder im Gemälde die Darstellurigen der Dichter 
zu versinnlichen und bald mit mehr bald niit minder Freiheit 
nachzubilden versuchten. Mochte doch dieses i*rogramm , indessen 
Verfasser wir leicht einen unserer Meister hellenischer Sprache, 
Wissenschaft und Kunst erkennen , mit daao beitragen , diese in- 
nige Verbindong unter den Werken der alten Honst nnd der 
alten Poesie and ihre gegenseitige Besiebung anf einander, die 
allein sn einer wahren und richtigen Anfiassnng beider (Shnn 
küui, recht anaefaanliGh sn macbeo. 



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N*. 20. HBID^LBBROBR 

I 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



GrieeJUMche und Römische jU(ermHtr» 

CB«te&lai/fO 

Die zu diesem Zweck gewählten Beispiele sind treffend und 
bezeichnend, die Erklärung der Bildwerke bei dem klaren, deut- 
lichen Vortrage so anziehend , dafs wir gern dem Verf. noch 
weiter, als die engen Grenzen einer Gelegenheitsscbrift ihm Ter- 
Matteten, gefolgt waren. 

Im ersten Abschnitt wird eine Scene ans den Bädern des 
TItiii ta Rom, die nacli den grSfteren franiOtitchen Werk« 

jTDescriptioa des balns de Titus etc. Pari» 1786 pl. 47.) in einer 
Abbildang auf Taf. L beigefugt ist, ans dem Homerischen Hymnin 
auf die Ceres erläutert. Wir erblichen sonach hier die Demeter 
xov^oT^ofpoq mit der Aehrenluone sitzend, auf ihren Knien der 
Knabe Demophon, und neben der Göttin die Magd Jambe. In 
zweiten Abschnitt behandelt der Verf. ein Vasenj^ema'lde aus der 
durch Millingen (Rom 1817, Fol.) bekannt gemachten Sammlung 
von Coghill, wovon gleichfalls eine Abbildung bcigerigt ist. Da 
das Gemälde ofTenbar auf Wettkampfe zu Wn^tn sich bezieht, 
so werden hier Pindar's Hymnen zu Rathe gezogen und daraus 
das Gemälde sowohl in seinem Ganzen, wie in seinen einzelsten 
Theilen aof eine so belHedigende YVeise erhlärt, daß die mehr» 
fteben Irrthfimer, die Millingen bei Deotung dieser Darstellang 
besangen bat, von selbst in die Augen falleo. Das dritte Bei» 
•pul ist ein b'erhulanensisches Gemälde, auf Tab» IIL dargestellti 
und nach Sophokles gedeutet auf Odipns mit Ismene und Antigone» 
Hier ist freilich die Uebereinstimmang zwischem dem Dichter 
und Kunstler nicht durchgängig ; auch scheint uns der auf dem 
Bilde dargestellte Greis nicht blind , sondern sehend zu seyn. 
Doch bescheiden wir uns gern dieser Zweifel , da hier überhaupt 
schwerlich Alles je auf emen Punkt gefuhrt werden kann, der 
aufser dem Bereiche alles Zweifels liegt. Die vierte Tafel ent- 
bält wiederum eine Scene au» den lindern des Titus, die hier, 
Segen frühere; aber offenbar unricittige Erklärungsversuche auf 
nidra und Hippoljtas bezogen nnd ans dem behanüten Stüdt 
des Eoripides im Einselneo zu erhiffren versncbt wird* Ref. hat 
nv einiges Bedenhen bd dem Eros änrtfoif der hier vorffo« 
, stellt sejn soll. Eine andere Deutung weifs er übrigens selbst 
nicht so geben. Auf der funf>en Tafel finden wir ein herrlichea 
8yaplegma ans Thon, das der Verf. aus Griechenland mitbrachte, 
wo er es bei seiner Anwesenheit auf der Insel Patmos zum Ge- 
schenk erhalten hatte. Die Deutung dieses trefflichen Kunstpro- 
dniits, das auf der hieinea Intel riisjriii gefanden wm*de| geben^ 

' XXIX. Jalug. Haft..» 20 ^ 



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hier Theocrits Adoniazusen. ist Venus und Adonii. Im 
letzten Abschnitt wird die berühmte zu Florenz befindliche Statue 
«laes Mercurius , die auch auf Tab. V. abgebildet ist, bebaodelt 
^and auf s schlagendste gezeigt , dafs die gew(Shnliche DeotaDg auf 
^deo genannteo G«tl «imchtiff seja «Sait; Verf. glaoEl in 
dem berrlidien Bflde Tielmebr« mit Besag aaf eine Stelle im 
Nonnus X, 117 IT., den Ampeloit eiMi oer Sttjrt im Gef<iri|t 
des Beocbtiet w erhenaen. 



Lueiani Cat aplu8, Jupiter Confutatui , Jupiter Tragoedui^ 
Alexander. Recentuit et illtuiravit Carolut Jaeobit z ^ philos. Dr» 
hiptiae, eumium feeit C F. KdUer. MDCCCXXXF. XI F und 16» & 
im gr. 8. 

Diese Ausgabe einiger interessanten Stucke Lucian*s reiht 
sich früheren Bearbeitungen einiger andern Stücke Lucian's (deren 
auch in diesen Blattern gedacht worden) an, und mag sie selbst 
in gewisser Hinsicht noch übertreffen. Wir erhalten in dieser 
Ausgabe einen vielfach berichtigten lext, zu dessen Wiederher- 
stellung Ton dem Herausgeber bei den drei ersten Stucken eine 
G5rlitzer. aaoh Mlier schon bei der Vitamm Anctio benntste 
Bendschnft, bei dem Alexander, der in dieser Handicbrilt febl^ 
aiNff Wiener (wovon die eine Hr« Scbabait Terglich) ond eine 
Wolfi»nbuttIer, wozu noch die Lesarten des von Jacob achoo 
henutzten Pariser Codex S954« kamen, benutzt wurden. Genaae 
Kenntnifs der Sprache Lucian*s und ein richtiger Takt liefsen den 
Herausgeber bei der W^ahl streitiger Lesarten nicht leicht das 
Richtige verfehlen, und so ist allerdings ein kritisch berichtigter 
Text zustande gekommen, wie ihn keine der früheren Ausgaben 
zeigt. Dazu kommt aber noch ein sehr sorgfältig ausgearbeiteter 
Commentar, der in möglichster Kürze die wesentlichen PunktOi 
die einer Erklärung bedürfen, behandelt und sich eben so zweck« 
mafsig als gleichmälsig über Sache, Sprache« Grammatik o. dsi 
in den anter dem Test stehenden Noten« die sneleicb aocb & 
britischen Mittbeiluogen enthalten, verbreitet nnd dadarcb diwe 
Ausgabe sa einer enpfehlenswerlhen Lektüre fBr ai^ehende Pbu 
lotogen und überhaupt für alle diejenigen macht, welchen es um 
ein gründliches Studium der griechischen Sprache« um eine ^e- 
' naue Kenntnifs des Sprachgebraachs and dergl. m» au thun ist. 
Ob nun aber bei der Ausdehnung dieses Commentars diese Aoa- 
gabe für Schulen sich eigne, mögen Schulmänner beurtbeilen ; 
für das Privatstudiuin wird sie gewifs gute Dienste leisten. Wir 
sehen daher mit Verlangen der gröfserea Ausgabe sämmtlicher 
Werke Lucian's, mit welcher der Verf. jetzt beschäfligt ist, ent» 

g»gen, zumal da uns in derselben nähere Aufschlüsse über die 
andschriften des Lndan^ so wie ober die Tom Verf. bei seiner 
Kritik befolgten GrondsClae mitgetheilt weiden sollen ^ nnd wir 
mit dicbeibeit einen durcbsos beriebtigten Text dieses SUbrift» 
steUers, an dem es noch immer fehlt, erwarten klonen. • 



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^ Bwfc-Wtrtb fd|i< t e g» ii d # r 1kiisgaba 'ferhlftli. genant^ dot^h die 
küblrdclian Bemerlnifi|en frdlieh noC^weadig ge 'ar m i tat Register, 
ileiieii am Bcblafi npocli einige dem Hei antgefer BtM fc dm a» 

chong mitgetheilte Verbesserungen von Sc'liäfer angelilogt sind} 
«sie betreffen einige Stellen des DiodoruSf Dionysius nnd Hera» 
tlotas. Die früher schon gda'ufserte Ansicht, dvfs VI, 12a. ein 

fremdartiges Finschiebsel sey, wird hier von Neuem wiederholt, 
nnd mit Auslassung dieses Hapitels die Stlueibm l em[)rohIen : 

(wofür Schäfer AXxuaiort'<^"ui oder 'AXxfieojn'^ai lesen will) — 
toav ^vielmehr ijauv] piaoTipai'j'Oi (cap. i23.)' Hef. hat zwar 
auch euii|jgi Anstofs an mehreren Worten des verdächtigen Kap., 
mtd ciledlB?'3Q7. Siilifr fknsgabe niber angegeben ; indefs kann 
^ di^iM'VWdAdtt npcb nicht in der Weige begründet seben« 
^Aaft darant ein Heiflte' erfolgte, das gaaM Kap., wie s^H. aaeh 
imerdings Bekker getban, aus dem Text auasttsebeiden. Die 
vyntattica ratio, -welche natb Scbäfer*a AnsiebC zu der eben be- 
'Bierkten Scbreibang nötbige, bann nach nnterm Erjnessen diea 
nicht genügend darthun, namentlich jenes ti ^'do, worüber wir 
Härtung, Lehre d. griech. Partih. I, p. nacnzusehen bitten. 

I^eicht und gefällig ist der Verbesserungsvorschlag VII , 30 : 
OC^Tjafli^ av Tt aiv ^ovkoi^r^v tvyi^tiv (für '/\;ir,o<x\.i; dv xt, tcö 
^. T.) expetens alit/uifl fr, mlim togatum. So hatten mich sum 
Theil schon Schweigliäuser, Steger und ein Uecensent in der 
Jen. Lit. Zeitung vorgeschlagen. ^ In der offenbar Terdorbeneo 
;Q|#Ua IV, 29. hleibt idiirer bei der Leaarl des Codex SandrofU: 
i%w^i.a%jkvaß(mm ^namüdu, was wenigstena einen Sinn giebt, 
wenn ea auch Interpolation einer ändern Lesart sefn sollte , deren 
'8|Niren in der verdorbenen Ynlgata ^icn^tifaTivs liegen. Bef; 
Termuthete einmal ff%.in^'^99% aucli Negiit ist darauf verfallen» 




CaraN Ifaritaaffamlly «Aigr* Ums. legi* ««oeslt 'pMUlsIt ala. €Ma- 
■safafis tfa «rte 'valamai ania«ei»lea. Fort 1. mewdi» €uri§ 
ntrmetütm» Par» II. /ff. nana primum aceaterunt. Dorpati , ex offi- 
da« Jsatoiia J. CMfiiManl. MBCQCKXXy. XLiF 8. m gr. F9U 

Diett Mirih, sootebtl aio Programm, detten eiatar Tbeil 
jqImhi io jninder ir^kommner Gettau im . Jabr» ißoi* eracbien , 
jtmMal klar in «inem gr^fseren Umfang nnd in einer VQllalSn- 
.digbait, welche den darin behandelten Gegenstand zu dem Ganzen 
«iner liflcbst schitibaren Monographie abschliefsk Waa dar Taril 
A, III. am Schlüsse da» Voawoi ts darüber bamaRkl« mag aach 
bieV eine Stelle £nden : »Jam igitur seni, antequam proficiscatur 
e vita, sarcinulas coiligere incipienti, haue etiam opellam , juve- 
nilem fateor , quodammodo ad iinem perdoctam , data opportu- 
nitate expromere liceat , aequos arbitros optanti quidem at severos 
jndiceai ol aerot ditcat, plana comprobana aoraom Solonis illud: 



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fijQ(iax(D S'aUi TtoX'kä Btdaox6^evoq ^ non reformidanti« Ein 
solches Urthcil aber hat der Verf. wohl nicht zu erwarten , da 
er den Gegenstand selber mit so viel Belehrung für Andere and 
mit möglichster Vollstaad igkeit abgehandelt hat. Er giebt näniP 
lieh im ertlen Tbeile eine Art tob Gesdiicbte der Mnemonilii 
ausgehend Ton Simonidea, dem angeklicheo Erfinder dieter Kimati 
Bippias and andern Sophisten, denen vielleicht mit mehr Recht | 
yio nicht die Erfindung, so doch sicher die AosbUdung dieser 
Kunst beisnlegen ist, eilt darauf sa den B5mern, bei welchen 
allerdings mehr darüber yorhommt, und so stellt dann der zweite 
Theil zunächst nach den Angaben des Cicero (d. h. des Auetor 
ad Uerennium) und Quintilian gewissermafsen eine Theorie der 
Mnemonik auf , mit den erforderlichen Erörterungen über das 
\Tesen und den Zweclt diesci- Kunst, ihre Behandlungswcise und 
dergl. m. Im dritten Theil berührt der Verf. einige Ansichten 
der Alten über die Mnemonik, um daran seine eigenen anzu* 
knüpfen über daa Wesen und die einseinen Tbeile. dieter Honst, 
die sieb auf die Gesetze der Ideeaasociation atiStzt, und daranf 
im Einzelnen aufznfaaaen und nach ihren einzelnen Theilen sn 
behandeln ist. Drei Epimetra enthalten einipe recht schätzbare 
Zugaben: I. De recentiorum arte mnemonica. U. De 4retini 
opere mnemonica. UL De Tolomin^ qnodam anecdoto ei^gpimeoti > 
nmenonici« 

Wir benutzen diese Gelegenheit, um ooeh an eine andere 
Gelegenbeitssefarift desselben Hrn. Verfk so erinnern 1 deren Inbalfe 
zwar verschiedener Art ist, aber TOn einer gleich grfindliebea 
und belehrenden Behandlungaweiae dea Gegenstandes seogl t 

Caroll Afar^snt fsrnii, aug, Ruts, imp* a com» publL eU, Pro- 
Mo 9omti$un$ I. Jtsasmivnsai nutmontm kfpotoitHonm aiaserw 
a Ntrom uoft» ad fkmtimam wu^forom, qiU im jMnsso Joadomko ssr» 
MNiliir. IL PtoboMUa oHUom Mtfomm. Dorfti MDCCCXXIUF. 
Sg tigßoima meadomioa J. C gflAgnmaeaf LU A im gr. thL 

Der erste Theil giebt eine sehr genaue Beschreibung einer 
Ansahl rSmiseher Haisermüuzen, die in dem Museum zn Dorpat, 
dessen erate Anlage wir ^n. Bemühungen des Verfs. Ferdanken, 
ond das jetzt fiber fiinftaosend Stfich s5hlt, sich befinden. Der 
zweite Theil enthält britische* Bemerhnngen Qber einselne achwie^ 
rige oder verdorbene Stellen des Horatiot» Tellejns, Tacitua, 
des altern Plinius (wobei auch Lesarten einer Petersharger Hand* 
Schrift zu Buch XXXV. mitgetheilt werden) und andern 8obrtf|}» 
stellen, in welchen manche Verbesserungen und Berichtigungen , 
zahlreiche kritische und grammatische Bemerkungen mitgetheilt 
werden, welche den groiseren Umfang dieser Schrift wohl er- 
klären. 



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GrieehitclM und Roiuitclio,Lit«ratiir'. 

Ovidii IS'asonia Met amorpho$ei. Sach f^os$en» /4u9wahi Mit 
erklärenden Einleitungen und mit einem mytholog^iichen und f^cü^ra- 
^' pkittktm R^fUitr, Zmm Gebrauche für Schulen ' herauagcgcbcn von 
"! Wtli» 89h. F9ld$mu9ek. ^mUnAe, Chr. A*. AffiUtr'feA« Ho/buch* 
' '^ Undhrng, 18M LXfFm»dZtl9. im gr. 
. 

Vorliegende Bearbeitung der Metamorphosen Ovid's ist zu- 
nächst iiir den Gebrauch auf gelehrten Schulen bestimmt, io 
welchen diese Dichtungen und zwar mit der nöthigen Auswahl, 
selesen werden, da wohl jetzt, wie der V'erl. richtig bemerkt, 
Ijjßf SchoJmlKBiitr so •ieoilicb darüber einig geya durften , dafs 
mm Ovidi üttiiiiorphoMa nicht iiiiT«rkiinit mH der Jtigend 
limi Miwitt Tieimelir, weim der auf der einen Seile so 
gewianeode Nolim nicht dorob moralische Nachtheile ani der 
andern Seite zerst(>rt werden soll, hier eine Auswahl statt finden, 
müsse, die dem Schuler das Passende und Geeignete daibietet| 
alles Andere aber, was einen nachtbeiligen Eioflufs befürchten 
lafst, übergeht. Es wird, sich demnach bei einer Schulausgabe; 
der Metamorphosen hauptsächlich darum handeln , welche Stücke 
als die geeignetsten auszuwählen, wie die Auswahl überhaupt 
vorzunehmen, und die Behandlung einzurichten sey, um daraus 
den möglichsten Nutzen zu {gewinnen. 

Unser Verf. glaubte in der Wahl der in seine Bearbeitung 
aufzunehmenden Stücke und in deren Beihenf'olge aufeinander, 
mrornach sie zugleich zu einem Ganzen werden sollen, in weU 
cfce— ^ dnreh die gemachten Auslassungen entstandenen Luchen 
»m e c hwinden ond ein gewisser Znsammenbang der einielnen 
StMie so tinander hervortritt, aicli znnichat an die ton Vofa 
hei seiner Ueberselzung getroffene Auswahl halten zu müssen, 
weil sie vor andern den Vorzug habe, «dafs sie, ohne den Cha- 
flnhler des Ganzen sn rerwiachen, nicht nor die schönsten Schil- 
derungen der Metamorphosen ausbebt , sondern zugleich das im 
grofsen Zusammenhange des ganzen Gedichts von einander Ge- 
trennte in der Art zusammenbringt , oder Einzelnes von einer 
grofsen Parthie so aushebt, dafs die Abschnitte ein rundes Ge- 
mälde bilden und grofsentheils jeder für sich als ein Ganzes er« 
scheinen* (S. VI.). Auf einzelne durch die Bestimmung dieser 
Ausgabe nothweodig gewordene Abweichungen von Vosseos Ans« 
waK werden wir weiter unten sarfichhommen , wenn wir im 
JHlMaii den Inhalt «nd Charakter dieSjCr nenen Ausgabe — was 
flns nach den Gesetnen dieses Instituts bei eine» Prodnhte des 
Inlandes allein amteht — anzugeben haben, um so wenigstenc 
dnnch . einen getreuen Bericht eine garechte Würdigung diece« 
dbnsgahe und des in ihr Geleisteten zu veranlassen. 

Gleich nach der Vevrede folgt eine einleitende Untcrsuchmift 
»über Ovid's Leben und Schriften« in zwei Abtbeilungeo, 
deren erste biographische Notizen über den Dichter liefert, 
and zwar mit der ausdrüclilichcn Bemerkung des Verfs. , dals 
dar» nicht sowohl neue Forschungen über die sum Tbeii dao- 



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Mn LebcnsTerhiltiiitte det Orid <ntbalt e n Hjf»^ Miten not 
ein« klare, fafslichc Zusaameottellong DflüMi, wu tos 0?id*t 
•igcnen Schrifleo darüber so •oloehiiieo aej, weshalb auch mit 
' ^eglatauiig alles weitern gelehrten Apparats oder sonstiger Nach* 
weisongen nur die betrefTenden Stellen Ovid's raitgetheilt werden, 
wie es fili die Hlasse jüngerer Leser, denen diese Ausf^abe über- 
haupt bestimmt sey, angemessen wäre. Nachdem in dieser Weise 
über Ovids Gehurt, Erziehung, housliche Verhältnisse and dgK 
das Nolhige bemerkt worden (wobei wir ndr erinnern , dafs die 
S. XVlil. genannte einzige Tochter Ovid*s , nacb Loers Unter« 
üichang in Welober'a Rmn. Muaeiiiii I, i. p. isSaeqq. irfehff roa 
^r dritten Frau, aondem wthmhdnHeh tm der sweiliM wn»| 
mh vielleicht nicht einmal Pertlla Meft), Mft mit a XnL 
ekle weitere Untenrachon^, die ebenflills bloa nach den a«f dieses 
-Gegenstand batSglichcn, wörtlich hier abgüdrttehten Stellen Ofld'0 
geführt ist : über die Grunde der Verweisung des l>ichter8 aus - 
Röm. Dieser Gegenstand ist freilich ron der Art, dafs wir woM 
Kchwcrlich je darüber: vollhomraen aufs Heine kommen wci^» 
den , jn (Jafs wir wohl im Ganzen wenig über das hinauskommen 
lionnen , was schon früher MasSon and Tiraboschi anfgestellt 
haben. Und ihnen nähert sich auch unser Verf. in dem , was er 
durch sorgfältige Behandlung und Vergleichang aller an! diesen 
Gegenstand bezuglichen Stellen Ovid's herauszubringen gewufst 
hML £r hält es »r wnhrscheialich, düTs Orids CntforiMnig« dn 
sie In di^lbe Zeit mit der Yerwebviig der Mm attf die laitl 
Trimenu fäXit, einen Zasanmienhaflg damit Imtte oad l em i t ie 
dem Verdrtiaae des ▲ogttstos über liat leichtfertige «nd atrsC» 
trOrdige Benehmen seiner Enkelin lag ; Ovid mocnte tnmerbia 
S^nge irgend efner die Ehre des kaiseriiolien HiMes und dea 
Anstand verletzenden Handlung der Jolia gewesen seyn ; das Anf* 
decken eines solchen Aergernisses aber vielleicht für ihn eben so 
nachtheilig erscheinen als lur die kaiserliche Prinzessin, die hifw 
sichtlich ihrer Sittlichkeit und weiblichen Ehre bekanntermalWn 
nicht in dem besten Ruf stand. Mitwirken mochten allerdings 
anch die schlüpfrigen Gedichte des Ovids, znnächst die Ars Ama* 
toriai die darum auch ein kaiserlicher Befehl aus den SfTenllichen 
Bibliolheiieit Rems eatfemte, so deft wii^ Ant wM fibef die asif« 
Ihliende Erhaitnng dieecr Gediefate (die ie e e dt m Rasithangea • 
tm den Tonüglicheren Prodoecioneii des Oeid gehören) womim« . 
mufsten, wenn nicht das grofse Anaehcn «dta Ond dal genee Mit* 
lelalter hindiirch, wo er Tielleicht am meisten mrter allen rumi* 
sehen Dichtem gelesen , und darnoi auch am öftersten abgeschrie» 
hsn wurde, dies erklärlich und begreiflich machen könnte. Mtf« 
wirken also zu Ovid*8 Verbannung mochten allerdings seine 
Gedichte, deren nachtbeiligen Einflufs auf die Moral auch einem 
Auguttus, der so sehr auf Erhaltung oder vielmehr ZarücklSI^ 
ruog der Sittlichkeit bei seinem entarteten Gesohlechte bedacht 
war« nicht entgehen konnte; aber sie waren gewifs nur Neben*. 

seebe ; die Haoptiaobe lag tieler and awetfelaobne in Faoutten» 

• 



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I 



Griociiiacli« luid fionischc |«iter«ior. diJ 

m 

▼erbältnissen des kaiierlichen Hofs und der gereizten Majestät 
Daraus aliein erklärt sich auch wohl die gr^fse Kntfernung des 
Dichters von Rom an einen der äufsersten Punhto des römischen 
Reichs im Osten, und in eine so unwiithbare Gegend, wie die 
Ton Tonil gewesen scyn mufs, das wir nach dem Vielen, was 
darüber in neueren Zeiten gesagt worden ist , am ehesten mit 
SchafTarik an der Stelle des beutigen Mankalia suchen wurden. - 
Unser Verf. hat sich darüber nicht näher erklärt. S. XXVllL 
wird auch die angebliche Grabschrii^ des Ovids , gefunden ■ in 
der Nähe bei Kiew, angeführt ; sie steht bekanntlich in Burmann*s 
Antholog. Lat. II. ep. 227. und ist daraus auch in die neue üear* 
beitung der lateinischen Anthologie yon H. Meyer übergegaqgen, 
hier aoer unter die Carroina suppositicia mit Recht gesetzt (No. 
i56o. T. II. p. iQi. und Annotatt. p. 124-) f denn Ref. gar 
nicht zweifelt, dafs alles das, was über das Auffinden des Ovidi* 
sehen Grabmals, der Inschrift u. s. w. erzählt wird, in das Reich 
der Erdichtungen gehurt, und diese Grabschrift untergeschoben, 
eio Machwerk neuerer Zeit ist. 

Die andere Abtbeilung dieser den 0?id betrefTenden Cinlet- 
fang yerbreitet sich besonders über die kunstvolle Anlage, die 
geschickte Behandlung und den Charakter der Metamorphosen, 
über die dabei benutzten Ouellen , die Schriftsteller, die vor Ovid 
in Prosa oder in Versen ähnliche Mythen behandelt oder gesam- 
melt haben (worüber wir jetzt durch Koch in der Praefatio seiner 
Ausgabe des Antoninus Liberalis so genaue und vollständige F>5r- 
terungen erhalten haben, die zugleich das Verdienst des Ovidius 
ond die geschickte und kunstvolle Behandlung der Mythen durch 
diesen Dichter, zumal wenn man damit andere Dichter vergleicht, 
die in denselben Gegenständen sich versucht, recht ins liicht 
setzen) und über einige ähnliche Punkte, meist nach Jahn; und 
am Schlüsse gedenkt der Verf sogar des Ansehens, das Ovid im 
Mittelalter durchweg genossen hat. Wir mochten als besonderen 
Beleg dieser Behauptung insbesondere noch auf den im Mittel- 
alter so angesehenen Vincens von Beauvais verweisen , der im 
siebenten Buch seines Speculum Historiale einen vollständigen 
Auszug aus Ovid giebt, einer Menge anderer Züge zu geschwei- 
gen. Wir würden selbst in dieser Beziehung auch noch der 
griechischen Uebersetzung der Metamorphosen von Manuel Pia- 
nudes, welche neuerdings durch Boissonade zuerst bekannt ge- 
worden ist (Paris i8d2. 8.) gedenken, da sie, wenn auch gleich 
für die Kritik des Ovidischen Textes ihr Werth nicht so hoch 
anzuschlagen ist, doch einen Beweis von dem Ansehen dieser 
Dichtungen und ihrer grofsen Verbreitung geben kann, und im 
Ganzen doch verbältnirsroäfsig nur wenigen Productionen Rom's 
diese Ehre zu Theil ward , in's Griechische übertragen zu wer- 
d^n» — Kürzere Angaben über Ovid's andere Diebtungen, die 
erhaltenen sowohl als die verlornen oder untergeschobenen , be- 
schliefsen diesen Abschnitt , an den sich S. XLV fl. anreiht : 
»Ueber die Einrichtung des Textes dieser Ausgabe.« 



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US Chri«cliiMbe and Römifclie Ulmtiir. 

Wir htbm tdbon oben bemerht« ^tft der Terf., V^mimV^^mM 
•einer Antcäbe, d«Hili triftige GrSiide bestimmt, sa Cronde ge^ 
legt hit $ da aber seine Ausgabe einen gane anderen Zweek nat, 

als Yossen's Uebersetzang, nnd mithin bei derselben ganz andere 
Bucksichten sa beobachten waren, so zeigten sich bald roancbe 
Sebwierigheiten , welche die Nothwendigheit herbeiführten, in 
einigen Fällen abzuj^ehen, einzelne Aenderungen Forzanehmen, 
je nachdem Zweck und Bestimmung der Ausj»abe es erheischte. 
Von diesen Abweichungen und Aenderungen , wie sie nach den 
einzelnen Abschnitten vorgenommen wurden, giebt hier der Verf. 
genaue Rechenschaft, um so jedes Mifsverständnifs zu beseitigen 
und so jede Verwirrung, die dadurch etwa in der Kritik ent» 
stehen k({nnfef zn ' ▼erbeten. Der Text selbst 'in den sechsig Ab- 
schnitten, in welche die Aoswabl serfM« ist groftentheils naeb 
der Jabn'sebea Becension^ weil sie der Verf. (und mit Bechl) 
fEr die beste anter den Torhandeneh hielt , ^geben ; mft wenigea 
Aosoabroen und nur mit grufserer Freiheit in der InterpnnlitioOf ' 
was durch Zweck und Bestimmung dieser Ausgabe einer 
Schulausgabe — gefordert war. Und wahrlich, bei keiner Art 
Ton Ausgaben hat man mehr auf die Interpunktion zu sehen, als 
bei Schulausgaben , zumal wenn sie , wie wir dies doch immer 
noch im Ganzen für das zweckmäfsigere halten müssen, ohne 
Noten oder Anmerkungen sind ; denn dann mufs oder soll viel« 
mehr die Interpunktion o(t die Stelle einer Interpretation ver- 
treten , die wir in dieser Art bei dem Schüler gern zulassen ^ 
wibrend eine rerkebrte «der onsweekmiftig eiageriefatele InteiN 
pnktioo vieMaebe Naeblbeile bringt, daä des SebiUer Jeiebt 
▼erwkrrt oder sa Inihämeni verleilet 

Jetst erst folgt der letemisehe Temt nach den ehitdnen Ab- 
edmitten, eorreet gedreckt, aber ohne weitere Noten oder An- 
merkungen, an deren Stelle nor eine Jedem Abschnitt vorange- 
stellte sachliche Einleitung getreten ist, welche den Schuler mit 
dem Gegenstand, den der Dichter behandelt, bekannt macht nnd 
ihm so die nothipjc Einleitung giebt, dem Lehrer aber manche 
Bemerkung und manches Dictat ersparen kann. Diese den Schuler 
zugleich anregende Methode der Behandlung scheint uns wohl 
der Beachtung werth. Aus gleichen BScksichten ist nun auch 
am Schlüsse des Ganzen ein sehr genaues und umfassendes My- 
thologisches und Geographisches Begister voaS.2i9ff. 
beigefügt, welches naoh den besten Qaellen ansgearbeitel, alle 
in den aosgezogenen Abschnitten vorkommenden Eigennamen | 
mjthologiscber oder geographischer Art, amfaAt, and mit der 
nSthigen Erklärung, wie sie der Schüler zum richtigen Verstäud- 
nifs bedarf, begleitet. Denn der Verf. hat die gewifs richtige 
Ansicht, dafs auch das sachliche VerttändniA beim Lesen der 
Alten in der Schule zu berücksichtigen sey, mithin keincswe^^s 
von dem Lehrer^ gegenüber dem Schaler, als eine Nebensache 
betrachtet werden darf. Dos "Verkennen dieses so wahren Satzes 
hat Öfters dem Unterricht in defi kiassischea Stödten tiefe ond 



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Griechltche and RAmitehe LIterator. 



•It 



harte Wunden geschlagen ; denn der Schiller, wenn er bloi in 
grammatischen Dingen festgehalten wird , rerliert leicht den Sinn 
and den Eifer für das Altetthum und für die klassischen Stadien, 
denen er zugewendet, und für die er mit Liebe, aber nicht mit 
Abneigung, die in jenem Fall so leicht ihn ergreift, erfüllt wer. 
den sollte. Von Seiten der äufseren Aasstattuog kann diese Scbnl- 
aosgabe nur empfohlen werden. 



Commentatio de C. Salluitii Critpi Hiitorifirum Lib. III. frag' 
meutity es hibUotheea Chriitinae Suecorum reginae, in Faticanam 
trantlatiMf atque Carminia Lat ini de hello Aotiaeo »ive Alexan' 
drino fragmentOf ex volumine Hereulanenai etndgata, Iterum edidit 
Joannea Theophilua Kreyaaig. Miaenae^ aumtibua et tyjna C. E, 
Klinkiehiü et JFiL MDCCCXXXF. XIF und 249 5. tn gr. 8. 

Ei zerfallt diese mit seltener Sorgfalt and Vollständigheit 
bis in das geringste Detail ausgearbeitete Schrift in zwei ihrem . 
Inhalt nach verscniedene und getrennte Theile, in welchen der 
Verf. eine neae, ungleich vollständigere und umfassendere Bear- ' 
beitung der von ihm schon früher behandelten ond auch in eignen 
Programmen durch den Druch bekannt gewordenen Gegenstände 
dem Publikum ubergiebt. Von dem ersten Theil ist bereits in 
diesen Jahrbb. 1829. p. 827. die Rede gewesen, in sofern nämlich 
das dort angezeigte Programm des Verfs. über die in Tatii«ani- 
ichen Handschriften, ehedem der Königin Christine angehörig, 
befindlichen Stücke aus Sallost*s rerlorenen Historien , hier wie« 
derum abgedruckt erscheint, aber mit vielfachen Bemerkungen, 
Zusätzen und dergl. erweitert, so dofs Vollständigkeit and Ge- 
nauigkeit des Ganzen Nichts vermissen läfst, zumal da Alles und 
Jedes berücksichtigt worden , was seit dem Erscheinen der frü- 
heren Arbeit über diese Fragmente bemerkt worden war. Eia 
Gleiches können wir auch von dem andern Theile des Buches 
▼ersichern, welcher die in herkulanensischen Rollen entdeckten 
Bruchstücke betrifft, worüber bereits im Jahr 1814 eine Abband« 
lang des Verfs. als Programm erschienen war. Dafs der Gegen- 
stand, der hier auf's Neue behandelt, mehr als hundert Seiten 
einnimmt (S. 117 — aS6.), auf eine durchaus vollständige and er- 
schöpfende Weise behandelt ist, bedarf wohl kaum noch einer 
besondern Erwähnung. Zuerst kommt die Praefatio des ersten 
itah'enischen Herausgebers, Nie. Ciampitti, nebst dem von ihm 
gegebenen Text andf den dazu gehörigen Annotationes ; dann : 
Auctarium Caroli Feae p. i53 fl., aus dessen Vorrede zur Aus- 
gabe des Horatius abgedruckt, dann ein Abdruck der hSch&t sei^ 
tenen, i83o za Forli erschienenen Schrift : Frammenti di Rabirio 
poeta, tradotti da Giulio Ignazio Montanari , und nun erst folgen 
die eigenen Leistungen des Verfs., der sich nicht blos auf einen 
höchst getreuen and kritischen Wiederabdruck der in jenen Rollen 
entdeckten Versen ssmmt den muthmsfslichen Ergänsangen be- 



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Mfligl half 1». welchen alle hier in Bctraobl konomtodeo Piuku^ 
mm aeyen gesdiioliUich - utiq— riaotiT oder gtammatitcher odey 
•praeUicber Art, erläutert werden, auch alles Nothiga ü^er dan 
Fond selbst bemerkt and die Frage über den wahrscbeinlicben 
Verfasser dieser Verse besprochen wird. Der Verf. entscheidet 
sich mit Weichert und Andern für Uabirius, -was auch Bef. daa 
Annehmbarste scheint. So findet man in dieser Abhandlung, wie 
auch in der vorausgehenden, Alles ?ereinigt und zusammengefafst, 
was über den Gegenstand zu sagen war. Bei diesem durch eine 
solche umfastende Behandlungswelie Temleftten , bedeoteoden 
fJinfang des Bochs tind die Register, nsmentUbh I6r Ae Tielea 

Kminstlsclieii und spracblichen Bemerkofisen , ' die MsMll voiw 
Bflieo, eine ssbr erwÜMchte, ja tmentbehriiohe flogsbe^ 



Fortehungen im Gebiete der Rtymologie und lateinitc ken. Gram- 
matik, mit besonderem Hinblick auf Zumpt't SpracMehrt und Fhreel- 
Umf§ Lenfcm. Avfat ü^* Fm Frmnw 9F9if8gerber, IVo/eMoc 
«B <^ymiailiMi mm Offentwjg» JTariimA«, B^MtmiHni 99m ITüMm 

Bmtpv. im, ms. 9. ' 

Dieses Programm, wovon uns nach den Gesetzen des Instituts 
nur ein liurzer Bericht zusteht, behandelt einige nicht unwesent* 
liehe Punkte der lateinischen Orthoepie und Orthographie, 
insbesondere mit Besag auf die in den nettesten Grammalikea 
derUber sufgestelUstt VorseiinAe« und ssü BerMisiekligung dsir . 
neaesten Forachiiiigcs dsrSkeri imM ledoek fiberaU sur di^ slü 
Qvelle sofSeiigegsiigeo wisd, welcbe sHm seleben Uetarsveb«^ 

El sine feste Basis geben and za siniss sidieni Resaltat fuhren 
D. Wenn wir die woblbegrSndeten Beaierkanffen , welche in 
dieser Abhandlung über einzelne Diphthongen, Vokale ond dergl. 
oder über die richtige Ableitung und Schreibang einzelner Worter 
gegeben weixlen, zur nähet en Durchsicht den Frennde« tateini- 
seher Wortforschung und Sprache anempfehlen, und mit Verlan* 
gen den weiteren Forschungen entgegensehen, so wollen wir doch, 
als Probe wenigstens, auf die ausführlichere Untersuchung über 
Jupiter S. 3o ff. aufmerksam machen, das unser Verf. für Dio« 
Fsler, Vifter des Liebls and des Tages, erklart, wobei m 
Biu, Liebt, Tagf als die «Woffsol betracMel, dlo skb iss eltsa 
▲bIstiT Mi, Tag, eriiailen, und die dsm «eiter im dto fMw 
Scbiedenen daron stammenden Werten und QSitemsaien Terfolgt 
wird. Sonach würde die riobtige Sobrsibeng das Wortes Jsiptter 
«sd aicbt Jnp^iter seyo. 

Ckt. Bahr. 



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MATHBMATllL 

UMmek der 4rUkm§tik umd tUnm G-mHrU für dk mimmw Klantu 
ätr apmnmim i m ii fc rt wm'C, O. S^Mk^rt, OiirltW mm Cgmum 
«Imts» MmbL .BmUm fMrntM mA wvUgi k$L Q. BOmm Vmk 

m 

Allerdings giebt es viele Lehr, und Schulbucher der Mathe- 
malib. Bei alledem zeigt sich gerade iii diesem nereiche der 
VFisseoscbaft reger Eifer und immer neue Thäti^Ucit. Ks ist 
natürlich. Denn ei tind der Sdiolen tiele, in welcnen, nnd so- 
nit Mch der Lebrer viele , Ton welchen Matbemetili gelehrt wird. 
Beinihe jeder Lehrhodi tlellr daher eveli eCne Beehlfertigong 
IKr aekw Exittens aüf , ond ftir die Be|pr6adang dea Beehtea, , 
arit aeinen Brüdern zu Markte gelMn Wä dürfen Der gewöhnliche 
OfWnd für dai Erscheinen einet neuen Lehrbuches ist der be* 
hannte, dafs keines der Torbandenen helriedigt and genügt habe. 
Der Grund ist einfach und wahr. Aach das beste Lehrbuch 
wird manchmal der IndiTidualilät eines Lehrers nicht zosagen. 
Geht aber der Entschlufs^ ein neues 'Lehrbuch zu schreiben, nur 
noa dem negativen Grund der Nichtbefriedigung hervor und stellt 
der Verf. nicht ein gutes eigenthumiicbes Werh auf ; so wird 
die Rechtfertigung schwer gelingen. Der Lehrer soll Repräsen- 
%ml derjenigen Wisaenachaft aeya , die er lehrt ; er aelt sie ^ 
irfebt tue und mtnA einem Lehrhnehe lehren: er aelbst aoU 
TSelmehr Organ der Wiaaenachaft aejm. Sie BMib in ihm lehen« 
Skm hiar in der Anschaannc aeyn. Ist diaa der Fall , so steht . 
er Qher jedem Lehrbuch. Das Buch ist der todte Buobstahe^ 
Lebao ond Geist wird dorch ihn dem todten Zeichen einge» 
baucht. Das Bach ist Skiaze, ist ein Abdruck des Bildes, wel* 
ebes in ihm lebt, ihn begeistert. I^t auf diese Weise ein Lehr« 
hach entstanden , ao ist eine weitere Rechtfertigung aaioar £att* 
aleoz überflüssig. 

Bef. hat mit Freuden bemerkt, dafs das vorliegende Lehr- 
hoch von dem Verf. nach diesen Ansichten bearbeitet ist. Man 
•erkennt in der Art, wie der Verf. den Gegenstand, welchen er 
so lehren hat, darstellte, zugleich dafs er den Stoff, den er in 
dem vorliegenden Werke bearbeitete, klar anfgefalat und wohl 
imr ehd n eh t hat» Daa Lehrhoeh lat aleht ana dem oben genannten 
Grande der UnfaeemshbeiMt der verbandenen Lehrbf eher enii 
etanden (der Verl, lüht jedem Tolle Geraehtigheft widerflihren) ; 
aondern deswegen, weil er ein Lehrbuch haben wollte, dae aeiner 
Lehrmethode, seiner Darsfellungs- ond Denkweise en^priSobdi 
Ein solches Werkaeog in der Hand .einee-tiicbtigen Lehrers kann 
nur Gutes leisten. Der Verf. ist von seinem schSnen Berufe des 
X«ehreas durchdrungen, und jeder, welcher das Gedeihen ua4 
Aufleben des Studiums der Mathematik auf Gymnasien wünscht, 
wird mit Vergnügen die Worte der Vorrede , welche die Eügea« 
acha^o eines guten I#ebrbu«het| und die l^ehrmethiede d« Vecül« 



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SI6 MAÜwmaiik. 

bezeichnen, lesen. Dafs das Gedächtnifs bei dem Unterrichte in 
der Mathematik eine untergeordnete, der Verstand und die Ur- 
theilskraft die Hauptrolle spielt, ist langst abgeinacbt. Dafs aber 
das Gediehtsift im Bekakes der eianal aniMiiiid^Mi nnd be- 
wSewnen LehFsStttf fondglich Afiti^ seyii mii», in efai* bis Jetzt 
leider biöfig ganx unbeachtete Anforderung. Das GedScbtniH iit 
bei dem Studium der Matberoatih nicht weniger n5thig, als bai 
Eriernang der Sprachen, und y/as die ßegeln bei Erlernung der 
Sprachen sind, aas sind die Lehrsatze bei dem Studium der Ha» 
theroatik. Auch diesen Umstand hat der Verf. nicht uberseben | 
obgleich er ?or gedankenlosem Auswendiglernen warnt. 

Das Bucb iat mehr zur Repetition« als Fräparation , bestimmt; 
Zu dem Ende sind Anhänge mitgegeben , welche die Uebuog in 
dem Erlernten zum Zwecke haben , besonders in der Geometrie. 
Der Inhalt des Werkes selbst umfafst einen zweijährigen Cursus 
von vier w5chentlichen Stunden , und ist für zwei Klassen (Quarta 
und Tertia) eines Gymnasiums bestimmt. Schade, dafs die Aus- 
dehnung des Ijehrbuches dadurch ziemlich beschränkt ist. Die 
Winke, die der Verf. über die Art und Weise, wie das yorlie* 
gende Lehrbacb bei dem Unterrichte beniilst werdtti joll , giebt, 
Mnd djirchana baachtenswertb. Das Werk selbst iü ekifr aabr 
^lUittigen Aiiloahmo von Seiten der Lehrer wardig. 

Was aun die Art, wie der Verf. seine vorgelegte Aufgabe 
ISa^e, betrifft ; so ist EUitwieblungsweise , Spraclie find DarateU 
lang gut und klar* Sehr gute und ayttematiacbe Anordnung , ein 
•ieberoa metbodSsohes Aufsteigen Ton dem Leicbtoren zom Schwo» 
IM 9 Consequenz in Ableitungen ond Schlüssen, stempeln das Buch 
zu einem wohlgeordneten Ganzen. Dabei ist die Behandlung des 
Stoffes einfach nnd klar; die wesentlichen Begriffe deutlich ent- 
wickelt. Wenn nun auch nicht alle Begriffe, weiche ballen ent- 
wickelt werden können, und besonders bei der streng sjstemati* 
sehen Behandlungsweise des Verfs. hätten entwickelt werden sol- 
len, gegeben sind; so mag dies dai^in seinen Grund haben, dafs 
sich viele Begriffe im Verlaufe des Unterrichts von selbst bildea 
ond entwickeln, viele Definitionen aber den Unterricht erschwo» 
ren. Wenn Ref. gerne die streng sjstematisobe 3j»liaodlanga» 
weiae, die io dieaem Boebe herrtoM, aoerhennt; ao darf, er 
der aodern Seite aveb beaMrken, dafs er glaubt^ der ¥erf. aey 
in seiner Darstellung manchmal zu abstract geworden^* während 
das Gegentheil wohl zum Vortheile der Schüler die Brauchbarkeit 
diaaes Boches erhöht hätte. Doch dies ist vielleicht nur indivi- 
doelle Ansicht des Ref., dem die abstracte Sprache beaoodera 
für das reifere Alter geeignet zu sejn apheint. 

Schliefslicb tbeilt Ref. noch eine burze DarsteUung des In- 
haltes, die wir am Werke selbst ungerne vermissen, mit. Die 
Arithmetik zerfallt in zwei Bucher mit Anhang. Die Geometrie 
in vier mit Anhang. Der Verf. unterscheidet in der Arithmetik 

drei 2äfalitofaii ; wofon die erste die Addition (Sjrotbeaia) 



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Mathematik. Sil 

und Subtraction (Analysis), die zweite die Multiplica tion 
(Synthesis) und Division (Analysis), die dritte das Potenziren 
(Synthesis) und Depoteoziren (Analysis), welches in das Ra- 
diciren und Logarithtniren zerfullt, umfafst. Inhalt des ersten 
Buches selbst ist die systematische Entwicklung der hierher ge- 
hörigen Lehrsatze. Der Anhang zum buche giebt die Kegeln 
für die Ausfuhrung der hierduich nüthi^en Geschäfte, in allge- 
meinen Zeichen (Bachstaben) wie in Zabieo und lehrt das Ver- 
fahren der praktischen Rechnungen. 

Das zweite Buch enthält eine weitere Ausfuhrung des im 
ersten Buche angegebenen Inhalts. Es handelt daher von der 
Zerlegung der Zahlen in F'actoren ; Primzahlen und relative 
Primzahlen. Positive und negative Grofsen , und die Rechnung 
mit ihnen ; Brüche ; Lehre von den Verhältnissen und Propor- 
tionen. Wurzelgrofscn. Im Anhange findet sich die Cebertra- 
gang des Vorhergehenden auf allgemeine Zeichen ; ferner Rech- 
ouog mit Decimalbruchen. 

Das erste Buch der Geometrie handelt von den Linien und 
Winkeln an und für sich und io Verbindung mit den Figuren ; 
von der Congruenz der Figuren. Das zweite handelt von den 
Linien in den Figuren, und zwar in geradlinigen Figuren und im 
Kreise ; ferner von der Verbindung der Figuren, besonders mit 
dem Hreise, und Aufgaben hierüber. Das dritte Buch von der 
Bestimmung der Figuren an Gestalt, und zwar vom Verhältnisse 
und den Proportionen , von der Aehnlichkeit der Figuren , von 
deo Strecken (Linien) in den Figuren; Aufgaben hierüber. Das 
vierte Bach bandelt von der Bestimmung der Figuren an Grofse 
(Flächenraum) und zwar Vergleichung der Figuren mit dem 
geometrischen Produkte, dem Rechtecke, Inhaltsberechnung der 
Figuren, Verhältnifs zwischen dem Inhalte der Figuren, pytha- 
goräischer Lehrsatz Darauf folgen die Anhänge zu diesen Bu- 
chern , welche weitere Lehrsätze und Aufgaben enthalten. Druck 
und Papier sind gut, ersterer correct, die Figuren sind in deo 
Text eingedruckt. 



' L^hrkuek der Arithmetik und der Anfangsgründe der Algebra für Gymna- 
•ien und höhere Lehranstalten, von J. C. H. Ludotoieg, Artillerie- 
Capitain a. D,, Oberlehrer der Mathematik und Physik an dem Gymna^ 
aium Bu Stade. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Hannover 
1825. Im Berlage der Hahn'schen Hofbuchhdl. XXll u. 893 S. gr. 8. 

' Der Erfolg hat sich für das vorliegende Lehrbuch günstig 
ausgesprochen. liegt uns hier die zweite verbesserte and 
Termehrte Auflage vor. Das Lehrbuch hatte eigentlich den Zweck, 
als Leitfaden dem Unterrichte des Verfs. an einer Militärschule 
zo dienen. Die Stellung des Verfs. hat sich aber geändert, und 
so mafste ihm der fernere Beifall, welchen sein Lehrbuch in 



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tIS ««tHeiMfllt. 

* 'ieinein frSheren Wirkungsbreite fand, mn so ange i t ehm g i ' seyn, 
da es bald die zweite Auflage eriebte. Der Verf. ist in Avtaru 
1>eitung and Darsfcllong der Grundoperationen tTbibaat s Grand- 
rift der reinen Mathematik« gefolgt, ohne, nach seiner AenÄe- 
rung, nur nachzuahmen. Die Aoordoang ist dieselbe | ide ifi 
der ersten Auflage geblieben. 

Als Verroebrung hat die zweite Auflage die Theorie der 
Kettenbruche (eine Theorie der Kettenbrüche ist diese Erwei- 
terung nicht wohl zu nennen, denn sie umfaPst, wie natürlich| 
Skuv die ersten BegrifTe und Satze der Hetteuhruche) nebst deren 
Torzugliohsten Anwendungen in der Arithmetik und niederen AU 
gebra, die Auflösung unbestimmter Gleichungen des ersten Grades 
und Aufgaben, die auf solche fuhren, erhalten. Die Lehre von 
den Proportionen hat eioe bSrzere Darstellung erhalten, da der 
Verf »der Meinung einiger IBatbeaiatiber : da» eine rollständi^e 
Abhandlung der Proportionen SberASssig sey, nicht beitreten 
Jianm« Dem Ref. ist die erste Auflage nicht sof Hand, des* 
WSgSn liann er dem Leser über die Verbesserung, welolie die 
Vorliegende erhielt, nicht berichten. Die Termehrang scheint 
Sweckmärsig. Wenn nun in der Bearbeitung des Torliegenden 
Werkes der Fleifs und Eifer, womit sich der Verf. dem Studium 
seiner Wissenschaft ergeben hat, nicht zu verkennen ist, und 
man deutlich sieht, dal's es dem Verf. ernstlich darum zu thnn 
ist, das Studium seiner Wissenschaft zu erweitern und zu be- 
leben ; so darf auch der Ref. aus Liebe zur Wissenschaft und 
im Einklänge mit dem Streben des Verfs. die Bemerkung machen, 
dafs Hr. Ludowieg die Brauchbarkeit eeines Lehrbuches um Vieles 
dnreh bürsere Darstellung ilnd scharlere 'Entwicklung seiner 
finitionen gesteigert -bitte. Da das Werk ein Iiehrbnofa 'iit , so 
ist Kfirfte su empfehlen Das Werlt wäre bei gleicbem Inbelto 
(et omfafst 893 Druckseiten) kleiner und dadurch wohlfeiler ge» 
worden« Die Aufstellung genauer Definitionen ist mit eine Haupt» 
Forderung. 80 rermifst Ref« die Entwicklung des Begriffes der 
GrSfse, wahrend 3 §phen Ton der Grofse handeln, so ist der 
Begriff der positiven und negativen Gröfsen , die er §. 11. auf 
die Bedeutung des Einstimmigen und Widerstreitenden zurück- 
führte, nach des Ref. Ansicht nicht umfassend genug, so scheint 
die Erörterung über das Zahlensystem, die in der Anm. 21. 
gegeben ist, nicht ganz passend ; so finden wir den Begriff der 
Aoditioo, die $. 24- gegeben ist, vorerst su enge, wenn sie sieb - 
•nr auf Zählen Jiesic£t, und gleich nachher , wo sie mit Aggregat 
parallel gestellt wird, zu weit. 

Diese Einzelnheiten entscheiden jedoch über den Werth 
seines Werkes nicht, und es wird den Bef. freuen, wenn ämt 
Vetf. bei einer spftern Auflage die gemaobten 'BenMrbungen bo^ 
rOcbslobtigen mOcbte. 

Aobliefslicb theiien wir hm den Inhalt des Werkes mit. £t 
mntm in ttiif Abiehi^tt. . 



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Bir erite Abschnitt handelt Ton' 4mi Gffiniiofyeratfioim 
der ArHhmetik und deren nächsten Anifendniig ; von 4tn Zahlen^ 
IHpi ^er Numeration, Yon den ?ier Species in geozeti, positiven 
nnd negativen Zahlen, von den Eii^enschaftcn der gnnzen Zahlen 
hinsichtlich ihrer I heilhai l;eit , von den lU"chnunfi;s:ii ten mit ge- 
wöhnlichen und mit Decinialbrüchen , von der Auiiüsun^' einfacher 
Gleichungen des eisten Grades mit einer und mehreren unbeliann- 
ten Gioisen. ^ 7— -175. — Der zweite Abschnitt handelt 
ron den Pottnsen ttnd damit in Verbindung stehenden Bech* 
mBgßamtk. PatemistilBer Zill >aMi tinr jämwmt beruhenden Ope. 
— t i ewf fcbebong in An ^^Mdmt «nd Aoiilebea der Oirt MUaNw 
iel, Glekhnngen des zweites Grades. Dritte Potees mid dlMI 
•Wnrsel. Erhebong in Potenita «nd VVorzeUusziehen im Atlge. 
meinen. Rechnung ndt iPoteneen ond VVurzelgrofsen, WurMl* 

SrSfsen. $. 176 — S8a. ^ Der. dritte Abechaitt ihaadel^lSMI 
en Verhältnissen , Proportionen vad Progressionen^ and zwi# 
von den arithmetischen und geometrischen Verhältnissen und Pro- 

Eortionen, arithmetischen und ^geometrischen Progressionen. §. 383 
is 443. — Der vierte Abschnitt handelt von den Hetten- 
brucben und unbestimmten Gleichungen des ersten Grades. §. 444 
bis 474« — Der fünfte Abschnitt handelt von der An wen- 
dong der Gleichungen und Proportionen auf praktische liechnungs- 
arten, als da sind Begel da tri, de ^oque, Bedactions-, Ge- 
leUsebafts-, Misobungsrechnoag. Einfache and eniemiiengesetgte 
m4 SUnszins-Becbanu. ^475*-5iff. Drach undlViee 

TUontiteh ' praktUehet Lehrbuch der bürgerlichen und kaufmännischen 
AriihmttOt im ttrtm gönnen üt^fange. Mit Btrücktichtigung der Müm-, 
'Mtaß' mid 'OmMit'FtHtaiidtm wXkt dfalseAs» HtaaUn. ZunäekH 
mm Mtib9iuäHrMkt huondtn /8r Lt&rsr v&u FriedrUk iKronek^^ 
Itiknr mm kJSmigl SekmU^^ ^ StmUmmr «ad oa dsr iSladl-TtsItcfw 
sdhdr la abaaMHT. MtttmrTML ihodit^ gämmIMk mmgearMUU wm4 
sfir' serawerie Jwigmim, 

Aach antar dem haaaaiarca Titel : 

fllesfeliwA- proMlNAfS ii9iHktak der vier Crrundreehnuvgen mit gunten 
• g a U iiit ii iis l asa aad AsstealMcAin. BHt Berüektichtigvng der 
mm^, ü^- aad CMbAS- ^srMlate aibr dsa«««Aen Staaten, 
teialsl aaai MIsiaalirrlsftS iaMadne f§f LOnr^ Friedrick 

Krmmpke, r rtfi^ ffirftaBfniiii (9mtmw artÜ aa d» ifaei- 

g»* iS fi shi lu m flnnoasr. ZweUe gimwUeh amiartsffsfs aad eü^ 
vermehrte Auegabe. Hannover 1886« lai ^erkigit der HjjiifVsüa iliffi • 
hmkkmdbmg^ XJtFi a. 618 & gr. a - . 

Scbrilt toll aacb dem Standpunkte, ?on welchem der 
V« bei der AoMrbeitoag -Mefftng , fHid aacb dem Zwecke, weU 
dm er mb dabei fonetttti bewtbeUt ««vdta. Hienmf mmkt 



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mit Recht jeder Bearbeiter einer Schrift Ansprach. Diese An* 
sieht allein setzt uns in Stand, ein Werk nach Verdienst zti wür- 
digen. Denn auch in iler Begründung der ersten £iemeotQ eiaef 
Wissenschaft hann solches erworben werden. 

Bei der Beurtheilung der Torliegenden Schrift ist es daher 
nSthig, in einen engen Kreis zurückzutreten. Der Verf. hat, aaf- 
gemuntert durch den Rath acbtungswerther Schulmänner und 
Schulfreunde« und dum weil ar ein Lehrbuch besitxen wollte^ 
Mdoroh er« teinec Anoohtieii eattpreebend , Ontenricbt aa e»> 
tbeilee Im 8leiide wäre« mmäoktl des vorliegende Lebrbneh ant^ 
gearbeitet Dabei hatte er einen iweiteo Zweck, Lebrem an 
Volksschulen ein Werk in die Hand zu geben , das ihnen Rath 
und Selbstbelehrung verschaffen mdge* Der Erfolg hat die MShe 
des Yerfs. belohnt. £• wurde eine zweite Auflage ndthig. Er- 
muntert durch die gunstige Aufnahme will er nun seinem Lehr» 
buche einen grüfseren Wirkungskreis TerschafFen, und hat es 
daher so bearbeitet und gänzlich umgearbeitet, dafs es mit dem 
ursprunglichen Zwecke auch den allgemeinem Terbinde : auch 
für jeden Erwachsenen, der sich selbst unterrichten will, brauch- 
bar zu seyn. 

Das Lehrbuch kann also dem besonders dienen, der nicht 4 
in der Lage war, einen grundlichen Unterricht m dem TOrlie- 

Eg I Zweige des Unterrichtes zu erhalten oder die dargebotene ^ 
mbeit nicht benStst hat Der Verf« hat eich besondere 
t« DeotKohkeit mit Gründlichkeit sn Tierbindett «od sieht 
nur den tich selbst Unterrichtenden so lehren« was er thoo toll« 
sondern auch die Art und Weise zn zeigen, warom dies gerade 
•o und nicht anders gethan werden solK Bei dieser Lehr metbod|i 
ist Weitläufigkeit nicht zu umgehen, weswegen auch das vorlie» 
gende Buch ziemlich grofsen Umfang hat. Den Zweck, welchen 
das Lehrbuch veiheifst, erfüllt es; und derjenige, welcher sich 
. dessen zu dem genannten Zwecke bedienen will , wird in ihm 
Über die Ausführung der Grundrechnungen seine Belehrung finden. 

Das Buch zerfällt in fünf Abschnitte, wovon der erste Ab- 
- schnitt von dem allgemeinen Begriffe der Zahlen und ihrer Be- 
zeichnung (Numeration) ; der zweite yon den vier Grundrech- 
nnngen und der Art, sie auszufahren; der dritte vom Rechnen 
mit Zahlen , welche mehrerlei Sorten enthalten ; der tiert» voa 
des gewSboliehen Brfichen and dem Reebnen mit ihnen | der 
lOnfle TOB den DecimalhrSohen ood dem Reebnen mit ibneo 
bandelt UehnngsstScke sind in den Text im reicher Anzahl , was 
n loben ist, nofgenommen, und ihre Beantwortung ist in einem 
baeoadern Anhange angegeben* Daa Aeufiier^ dea Baobes ist 
gat aa^eatrttet. 

Ife Oetiinger. 



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N*. 21. HBIDBLBERGBR 1836. 

^AJIRBÜCHER DER LITERATUR. 



JNe Ersiehung de» Menschen auf seinen verschiedenen Mterssinfen. Ueher- 
»ettung des ll'trkes : „De Vtducation progressive ^ ou Etüde du eoun 
de la vie par Mdme Becker de Saussure," von A. von Uogguer 
und K. von Wang cn heim ^ mit einigen Anmerkungen des Letzteren, 

' Erster Theil. Hamburg, bei Friedrich Perthes» 1836. gr, 8. (JK^i 
wid 378 S.) 

Wir begrnften dieses Werk, als eins der wichtigsten in der 
pädagogischen Literatur, das wSrdig war anf deutschen Boden 
TerfdlaoBt wbl werden, und hedauern nuri dafs es uns nicht schon 
aogleich nach seiner Erscheinung , und auch jetsl durch die 

Uebersetzong nur der Erste Theil bcbannt geworden. 

Die Cebersetzong H^set aich gut, und der Geist der Ver£M» 
•erin läfst aich daraus in seiner Tiefe und HIarheit erkennen» 
Mt Anaerhungen erliutem dabei Manches, und enthalten auch 
Fig^ee aus den christiiob-iihilosnphischen Denken ihres geist- 
■iieliau Teels., welcher sich dabei anf die Abhandlung von 
Eschenmayer , die moralische Weltordnung, welche 
als Anhang angefugt ist, ö(ters bezieht. In einer kurzen Vor- 
rede geben die deutschen Bearbeiter uns l{unde über die edle 
Yeriasserin, die Tochter des berühmten Naturforschers de Saus> 
sure, und als Mdme de Mecker die Verwandtin und Freundin der 
Frau TOn Stael , eine von früher Jugend auf vielseitig gebildete, 
und snr Schriftstellerin in diesem Fache innerlich berufene Frau» 
Wir bitten nur gerne noch mehr Ton ihrer Biographie gelesen* 

Die Vorrede von ihr selbst für diesen islen Theil giebt deo 
grofsangelegten Plan ihres Werkes an, \%ovon indessen der yor- 
liegende iste Theil ,»eio für sich abgeschlossenes Ganzes aus- 
UMChtvC Dieser nämlich behandelt die sittliche Ersieh ung 
der erslea Kindheit Die Aufgabe des Ganzen ist »din im 
Laafe eines ganseo Lebens fort^hreitende Ersiehnng. Der 
ste Thed, »welcher das, was die Rindheit angeht, TerTolIstSn- 
digen soll,« ist bereits i83s erschienen, aber hier noch nicht 
mitgetheilt Die erste Periode des Kindes findet die Verfo., wie 
sie die Natur finden la'fst, in der Zeit, wo das Kind vnoch ein 
Wesen ganz eigner Art ist, — und wo ihm noch die Reflexion 
fehlt,« d. i. vor dem 4teo Lebensjahre« aber sie rerlängert diese 
XXDL. Jahffg^ 4. Heft 21 



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m 



Die £caM«^f AU«ic^«a, 



Periode noch bis zum 6ten Lebensjahre, »wo tlas Kind sehon 
alle die geistigen Anlagen hat, welche der Menschheit uberbanpt 
Ttrl^ehen sindfC velchcn Abschnitt Rc£ aar dann gansjulvu. 
gemäPs findet, wenn man ihn nofh etwas weiter, bis sar bei» 
kannten Umiahnang o. w« anadehnt üabrigeaa findet er et 
besser, die erste Natnrperiode als ehien Havptabtcibnllt ffitt dto 
Erziehung sa betrachten, weil die '3 ersten Lebeosjshre grade* 
für sie die wichtigsten sind. Die Verfn. erkennt das auch prak« 
tisch an, unerachtet sie zu ungenau sich ausdruckt, wenn sie 
von dem Kinde wahrend dieser Periode sagt : »es lebt nur, wie 
Neugeborne und Thiere, ein Leben der verschiedensten Empfin- 
dungen, Bilder, Triebe und Gefühle.* Das Menschenkind lebt 
nie ein Thierleben, in dem Neugebomea lebt schon der Mea* 
schengeist auf, and so ?erscbieden ton nnsem Yorftellnngen die 
seinigen in dem allmühligen Erwachen aoa jenem Leben des tie^ 
aten Tranmea aejn mSgen and gewffr aind« ee efedieim deeb 
das in ihnen, was das hervovstrebende Venranftweaan ▼on ]cdem 
Thierwesen augenfällig unterscheidet. Das erste Sehen des Hin* 

des, selbst das Schreien, das Lachein doch wer bemerkt 

das alles schöner als die Verfn. ? Und wie bestimmt erklärt sie 
sich über die Wichtigkeit der ersten Erziehung, y deren Einfioft 
aof die Entwicklung der Anlagen , welche die Seele gleieh bei 
Ihrem Eintritt in die Welt orspriingUeb eHaett, aaiwaifsiieh 
ist!« welches sie dorcb die Erfabrangen bs de« Ilblinhiiilff> 
schulen anfter allen Sweifel gesetzt siebt» 

Der Plan der Verfn. war Anfangs, i'dic Geschichte des sitt- 
lichen Lebens zu entwerfen, und dabei so viel als mSglich die 
Bessernngsmittel, welche sich uns für die verschiedenen liCbens* 
weisen darbieten, ansageben, and aie wollte ftber die Jahre der 
Ilindheit schnell hinweggeben, aber die nSbere PHBIing leigte 
Ihr, dafit die Erziehnng der Kindheit noch heineawegs doreb die 
ScbHfhteller erschfSpfr seVf sie fand da em siemlieb fmangebaofte 
Feld ;« und sie setzt hinzu: »die Denker haben die ganz klei- 
nen Kinder fast gar nicht in's Auge gefafsf* u. 8. w. Dieses 
letztere ürlheil ist auf die deutsche Pädagogil^ nicht ganz anzo- 
wenden, sondern dahin zu mildern, dafs noch Tiel darin zu thun 
hey. Auch in England ist die Animerksamkeit der Ersiehoni^ 
aaf die erste Entwicklung der Anlagen geriehtet; ntenr lese mie 
die ersten der Briefe (Iber Erzteboirng t«n Eliaabetl' 
ITamitten, welche 8ebHfMellerin mht geMe n«bt» itr^lM 

• 



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Ton A. Roggner und K. v. Wangcnhelm. ASS 

Gcnlerin sehen. ^) Aber wahr ist et leMer, dafs unsere Pbilosö- 
phen und Pädagogen, in allen ihren Lehren über die Menschheit, 
Hör grode das Kind nicht kennen ; auch noaiseau bannte es 
nicht, auch Pestalozzi kannte es nicht« 

yVW setzen ganz besonders in den Angnben zu dieser Kennt- 
nUt den Werth dieses Buches, und danken deshalb der Verfn. 
für folgende f.rinnerung an die Frauen : >»Dars sie ganz gescliickt 
«ind, die geringsten Sparen aufzufassen, und die leisesten WiL 
lensrichlungen zu errathen , sich aber doch oi\ mit einem gleich* * 
sam sympathischen Verstandnisse begnügen ; dafs ihr Gefühl sie 
schuurgrnde dem, was praktisch ist, zuführt, wenn sie aber 
einmal durch eine rasche Prüfung bestimmt worden, sie sich 
wenig darum kummern, Zu nlf^cmeinen Resultaten zu gelangen.c 
Ton sich selbst sagt sie, dafs sie sich lange und ernst mit der 
Erziehung beschäftigt habe, «aber,« bekennt sie, »ich hatte 
meine Kinder studirt, ohne zu glauben, dafs ich die Kinder 
itodrrt hatte, und alle meine Beobachtungen schienen mir nur 
indiriduelle zu seyn.« 

Ei)€n in dieser Hinsicht wollen wir dieses Buch sorgfältig 
durchgehen , denn solche Beobachtungen können wir nur yon 
einer solchen mutteilichen Frau erhalten. Das Erste Buch 
enthalt ihre Grundsätze iür alle Erziehungsperioden, welche „als 
den letzten und höchsten Zweck des Menschen anerkennen : die 
Verpflichtungen, welche ihm sowohl das göttliche Gebot, als 

die Verfassung der diesseitigen Welt auferlegt. Wenn man 

sich mit den Mitteln der Erziehung zu beschäftigen anfängt ,c 
fährt sie fort, ,»und wenn man bedenkt, dafs alles darauf an- 
I(omme, auf den Weilten des Zöglings einzuwiiken, und seinem 
Gemuthe für das ganze Leben eine wohlthätige Bichtung zu 
geben, so entdeckt man erst, dafs dem Erzieher nicht nur ein 
grenzenloses Studium des menschlichen Geistes unentbehrlich sej, 
sondern da(s er auch die Ordnung kennen müsüe, in welcher die 
geistigen Anlagen und Vermögen sich zu Kraiten entwickeln. Es 
stellt sich uns ein solches Studium nicht als eine roüssige Spe* 
culation dar, sondern es erscheint darin die Grundlage oder das 

ttk «III 

*) Dio Anzeige dieser schönen Erziehangischrift , oder vielmehr von 
der deutschen Uebcrsetzung deraelbvo, diircli welche sich Or. F. A. 
Meier, Jena VSSt. Turdicnl gemacht hat, ist von Ref. in untern 
Jährb. btrcH« hu J. 188G. gegeben worden. 



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tu, 



Die £ni«liaiig det Menachen, 



Wesen der Erziebangskunst selbst.^ — Es roiilli den Pädagogeo 
freuen , dieses Urlbeil grade Ton einer Frau zu boren. 

Das Zweite Bucb hat sie dem Studium der a ersten uod 
das Dritte dem 3ten Lebensjahre gewidmet« Wenn die Yerfn. 
zum Schlüsse der Vorrede sagt : vmao fingt ao eiazosehen, daft 
mao, um die Erfolge der Erziebung sa sichern, die ptfcholo» 
gische Methode , oder mit andern Worten , dieGetetie entdaduHi 
müsse, nach welchen sich das Indindaom nun sittlichen WesM 
entwickelt so trifft sie damit grade das, worin dermal«! die 
deutsche Pädagogik ihre Fortschritte gewinnt. 

Die Einleitung gibt diese Grundsätze noch näher an. Das 
Studium des mensclilichen Herzens soll dessen Veredlung zum 
Zweck haben; und so sucht die Vcrfn. »die Mittel aufzufinden, 
durch welche unsere Stimmungen erhoben und geheiligt , und die 
Stille der Seele, so wie die Entwicklang ihrer Thätiglieit begün« 
stigt werden mSgen. Vorzugsweise ist es die Geschichte der 
Seele , deren Umrisse sie sich zu zeichnen Torgenommen batw* 
Wenn wir non gleich keine Gesehichte der Seele, wie sie unser 
8cl|ohert dem Pädagogen gewährt, hier suchen wollen, so sind 
uns die von jedem Systeme frei gehaltnen Tiefblicke einer mut« 
terlicben Seherin desto willhommner. Man bemerltt wohl eine 
Unbestimmtheit in dem Urtheile, »dafs die Entwicklung der 
menschlichen Anlagen und Fähigkeiten, die aber keine Grenze 
habe, die Aufgabe der Erziehung sey,« gleichwohl, und mit 
allem Recht, verlangt wird, »ihre vorübergehende Macht solle 
den Grund zu der dauernden Herrschaft des Gewissens legen,* 
welches doch> eine heilige Grenze sieht: indessen bestimmt die 
Terfn. seihst das auf jedem Blatte befriedigend, hauptsächlich 
durch die Hinweisung auf die Religion, die, wie sie es in zwei 
Worten ausspricht, »entweder Alles ist oder Nichts.* 

Die Grundidee der Verfn. ist die Erziehung durch das ^ 
ganze licben hindurch. Und das ist die rechte. Sie ist 
grofsartig, und giebt allem, was hei der Jugend gethan wird, 
den höchsten Gesichtspunkt und den sichersten Weg au* »Nur 
die Hand, welche die Erziehung leitet, soll wechseln.* Als die 
drei Lebensperioden sind angegeben : i) die Hindheit ; e) das 
Junglings- und Jungfrauen* Alter, 3) die^elbststlndigkeit, woria • 
das Individuum seine VerTollkommnuiig seibat übernimmt Das 
Unterscheidende der ersten Periode wird indessen zu schai f ge- 
nommen , wenn gesagt wird, ,» dafs in derselben die Erziehung 
durch gewisse Kraite geleitet werde, weiche deoea des. sai ersie- 



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voB A« V. UoggUGr Buü k. v. Waageoh«iaa. SS5 

heDden IndiTidutims uberlegen seyen.« Das ist rtttr scheinbar; 
die Natur bleibt sich gleich, sie wechselt nur die Form. Denn 
schon auf den Säugling ist ja, M^ie auch die Verfn. anerkennt« 
der erxielMode Einflufs von grofser Wichtigkeit , und im hOherm 
JiBgendnlter sind die Eiawirkaogen und Gegen wirknq§en nar^ 
iy^^a gebt alles melbr dnrch den Verstand, dort mehr 
tii-\ EAen dabin fQhrt anch . die wohlbegrfindete 
f'^e^fb., »dafs es Anlagen giebt, welcbe TorzSg- 
lich aosgebildet werden müssen, theils weil sie unberucbsichtigt 
sehr bald Yerloren gehen würden, theils aber auch, weil durch 
ihre Ausbildung das ganze Werk der Erziehung erleichtert wer- 
den kann.c — iDid Mittel bestehen in einem Anfange von Ent. 
^ficblnng wahrend der Kindheit; denn da, wo man den Willen 
^liiaimilhgi darf, erleichtert jeder erste Fortschritt die nächst 

9lhSS «an ia der Gegenwa»! die Zohonftf wie in dem Hafm 
4Se Aehre «ebliche,« folgt bienms, wie auch : »daCs der Einflnfs 
der Stern, wenn er zum blos moratiscben geworden ist, mit 

um so grÖfserer Vorsicht angewendet werden müsse, da er selber 
sich ta'glich vermindert, und doch in der Zeit, in welcher er 
noch geübt werden kann, dem ganzen Leben des ZogUnj^s die 
Richtaog zu geben hat.« Der Blick auf das Lebensganzc hinaus 
zeigt aach, «wie hochwichtig es ist, in dem kleinen Zeitab» 
iriinitte, der swisohen dem jungen Mädchen und der Gattin liegt, 
dem Herzen künftiger MMer darch die Gefühle ond Gesinnun- 
gen 'der FMmmigheit ' eine feste Stutze zu gebende and «den 
grofiwn Gedaoben der Plliebt« in der frommen Seele jto befe- 
stigen. 

Erstes Buch. Erstes Kap. Zweck der Erziehung. 
Ueber die Bestimmung des Menschen macht sich die Verfasserin 
durch die Bcgrifie »Glück« und dgl. und durch Verwechselung 
des Eudamonismas mit Eigennutz (Solipsismus) viel Muhe, deren 
sie auf« dem jetzigen Standpunkt unserer Sittenlehre hätte über- 
Wben sefn hÖonen, indem sie ohne alle diese Discussionen nur 
das binnsürlleii brandlte, was sie eis das Ziel in dem biblischen 
Worte V Herrlichkeit « zosammenfafst (wosu sich unser sch5nes 
"Wort »Gottseligkeit c in Lnthers Üebersetznng wobl noch besser 
eignet). Der bekanntlich so vage Begriff ron » VoUkommenheit 
führt uns nicht so weit. VVi»' würden daher bei dem 2len und 
3teo Kap., welche den Begrifl' der Vollkommenheit mehr fühlen 
Mcbweiseii als erhliren nnd bestimmen, nicht Terweüeo, 



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m 



menn nicht eben die gefühlte Grundidee sich in mehreren Stelleo, 
(»esonders WO die VollbomroeDhelt in ihrer v Beziehung auf dt« 
niltfirlicbeo and gesellschaftlichen Ungleichheiten « betrachtet winL, 
jlcUS« aoisprüchei »Die Macht des ChriiteelbniM i»t es,« welelM 
enf das Urbild bioieigt, und Liebe se demaelb^tt mtMtkL Ai* 
der Vertcbiedenbeit der Anlagen Ailgl« »delli es IQr'fiM«!!» 
seinen Zögling npr ewe TdUtg beftinmile, ganz eigefiMUMMi 
Art von Vollboromenheit gebe, und daft diese gleMflaü^SMü 
gefühlt werden, dafs sich also der Erzieher im Voraus ein ge- 
misses harmonisches Ganze denken müsse, das er zwar nie ge. 
(Ch^ul hat, wozu ihm aber das Kind in den lielienswürdij^sten 
und interessantesten Augenblicken seines Lebens nach und nach 
«elber das Material liefert.« Und, aeteen wie hinzu, nur dci^eaiQe 
Ersieberwird des Ideal viehtig ersehenen, der die Weibe so sol- 
chen Seberblicken erhalten haL Dann erst lertit er mwtkn/^Jk'^ 
rechte llaaik einbaltefi,« damit er die EigenlbfisriifllllMkdte»Z(l||^ 
iings ia' feinen Torxüglicben Anlagen, »die er oA enlMn^lnl«MWfr 
Itindheit wahrnehmen kann, und die ihm dann eine Indioation 
gieht, welcher nachzugehen von der grofsten Wichtigkeit ist,« 
SO bildend hervorhebe, vdafs sie mit andern wahrhaft tüchtigen 
Eigenschaften im Einklänge erscheine.« Ja wohl mufs eben darum 
»die religiöse Bildung der Mittelpunkt und der gemeinsame Stamii 
'eller Zweige und Aeste der Ersiehung Hfpkf nnd ihr Grad kenn * 
in jeder Epoche den Pnabt genen beseiehnen, bei welcbem §n* 
viüe eedre EntwicUnngen gehemmt werden miiisen.e Anch iii 
»die Harmonie in dem eignen Bnten dee InditidnnnM« nieht dh 
einzige, sondern auch sn der mit seiner irdiseben BeeHmmnng 
soll er erzogen werden. »Es wäre daher unpassend, die Aus- 
bildung der Fähigheiten über die Grenzen hinaus zu treiben, 
inncrhall) welcher sie im wirklichen Leben ihre natürliche und 
regelm&lsige Anwendung finden.« Eine Anra. von Hm. Wa»* 
genbeim giebt dieser wohlbegründeten Vorschrift einen bestimm^ 
teren, äcbt pädagogiMben Sinn. Eben eo bederf der riebtign 
Qnindsats: »Nichts,* was en eicb uniobnldlg ist, bleibe dens 
Meoscben fremd, welcher dnreb Emiehung gebsidel wm^n woU^ 
einer bestinmitereo Dentnng. 

Wichtiger noch sind die drei folgenden Hap. ron dem Ein» 
Hufs der Kl Ziehung auf die Kraf t des ^Yillen8, von den Trieb? 
federn, von der Vernunft, und von dem religiösen Gefühle in 
dieser VVirksanilieit. Wenn uns der Pedantismus philosophischer 
£i)ratejmii|^er von 4iei|im üiifomn Pnnbtt ant elMtmliler ffraiWle» 



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von A. V. Uf»ggaer uad ML. v. Wiioge«l|ciui. 317 



lehre Eorück weiset, so fuhit die getunde V^emunft der Verfn. 
den Erzieher zurüok in dero vollesten Glauben an das freie 
Weten des Geistes, welches aber nach Naturgesetzen schon in 
Jen Kinde melir nnd mehr heryorstrebt , auf die Thätiglieit hin, 
tredwrch er dem veehten Freiwerden schon von Anfang die Rieh- 
iMig gie^, M «Ml güllielMa ifUktt. Eint Theorie «her die 
IMif ■ n Rilttrhraft , oder bcttimiiiter der erstehenden Bio«* 
igjghung , nilr4er Weiheit wird man ohnehin hier niehl snehM, 
aber das PrahHaeh^ hierin, dai aneh In jenem hlNieren Sinne das« 
Pralitische ist, wird man auf jeder Seite finden. Das sagen schon 
die Forderungen, welche hier an diese Thäti^Ueit gemacht wer- 
den: sie soll den Willen des Zöglings i) starltcn, 2) festif^en, 
d) nach oben richten. Die Schwache, die Launenhaftigkeit, die 
V«rderM|^ des Willens erzeogen die hüufigsten Klagen, und 
dHH^Ti; iSlIii und soll der Erzieher wiiken. Er hann die Triebe« 
dnreh wnlnhe der Wille oft-entaehieden wird, »leiten nnd regie-^ 
Ml, indem er soldie GefShIe, tieigongen, Gewohnheiten imifii 
s« ertreehen nnd tn pflegen wissen, welche dann dienen.* 
»Die Erziehung hann sieb also nicht h*uhe goim^ mit den Trie(>« 
federn des Willens beschäftigen, indem sie die Kntwichlung der 
rerschiedenen Kräfte leitet; denn der Kiullufs der blinden, in- 
atinktmäfsigen Triebe, der unbegreiflichen Sympathien und Anti- 
|MlMettv' der guten und schlechten Neigtingeni die in uns hcrr- 
•ehen, aind die geheimnifsTolle Quelle der meisten onserer Ent- 
adMQ^ihj« Wie wahr! nnd wie Yiel tiefer föhrt nns das in das 
Ibiitollder Endehnng ein, als alle jene Mheren Theorien ! Aher 
Äe nenesien fVnechnngen der Piqrehologen haben die dentsche 
PÜdegogik wirklich schon in diese tiefere Wirksamkeit einge- 
leitet ; und ihr Endurthcil ist dasselbe, was die Verln. d(<niit sagt, 
»dafs das religiöse Gefühl die mächtigste Triebfeder sey,« wel- 
ches wir aber lieber so ausdrucken, dafs es Eins und dasselbe 
mit der Triebfeder der Vernunft und der Pflicht sej, nur in ihrer 
fiftfcefnn pmd im Stillen auch fortdauernden , ja in ihrer reinsten 
dltfilalt. "^^Wegt es in der flacht dea Erziehers, die moralische 
Jpfiii|i| dlAtä Hmdet sn ateifiern ?€ fragt die Verln. and ant^ 
iHMel'Wscheiden : »ich weift es nicht, wohl aber, daft es ihnen 
sehr leicht wird , diese Energie zn rermindern.« Es liegt mehr 
in dieser Antwort, als es im Anfang scheint, denn sie ist nicht 
durch eine mathematische Formel von — und -j" enlltrnften. 
Ueberhaupt empfehlen wir diesen ganzen Abschnitt zu weitcrem 
fiiaehdenken. lÄshin gehören auch die passenden llotlo^s zu diesen 



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8 ttipllelat das too Tkomas a H«apit wVmm ti^/kkn G»^ 
•cKift tej, stSrker sa werden , alt wir selbst ;« das Ton Rirarol 

»der Mensch gefällt sich im Ra'ionoeroent des VersUDdes , weil 
es sein MeisterstücU ist, und wendet sich Tom Gefühle ab, das 
nicht sein Werk ist, er glaubt sich der Gewifsbeit dadurch za 
aabern , dafs er sich vom Mysterium entfernt;« und endlich das 
ton Cellerier » das BewuPstsejn der menschlichen, durch Uulft 
TOB oben oiiterstfitslea, fiebwicbe ist der eigentbSmliche Cba^ 
nkter des Cbristeo.€ Das tu wenig sagende Wort »Scbwicboc 
verbessert indessen alsbald die Verla, selbst, indem sie segl; 
»daa Uebel liegt so tief, als dafs ea Ton Henscben ausgemerit 
werden k5nne ; < und Mebreres. sagt sie weiterhin. Mao wird 
auch nicht übersehen, wie die Yeifn. einen der besten pädago- 
gischen Gedanhen ihres grofsen Landsmannes Tcrbessert. J. J. 
Rousseau will bekanntlich, dafs sein Emile in den Verfugun- 
gen, denen man ihn unterwirft, keine Willkuhr, sondern Notb^ 
wendigkeit (der Nator) erkenne : unsere Verfn. erhebt aber dieii^ 
mß einer moraliscbea , so daia das fUnd die Pflicht erkeano^ 
»welebe es ao siemlicb in das Verstindnila aller übrigen Pflioblfo 
einfilbrt, denjenigen so geborchen, welchen der jBioiwl ^ei^ 
Schicksal anvertraut hat.« Und damit stimmt snsammen, wa^ 
wir weiterhin lesen : y Der Erzieher soll dem Kinde gegenüber 
das seyn, was Gott der Menschheit gegenüber ist.« Pestalozzi 
aagte diese Wahrheit kürzer: vdie Mutter sey dem Kinde Gott ! & 

Dieses Buch konnte nicht schöner schliefsen, als mit den 
herrlichen Gedanken, dafs es unter denen, welche andern Lehren 
als deoen des CbristenÜuuDS folgen, «war ohne allen Zweifel anch 
lagendhafle Menseben giebt, dalk aber nor der wahre Christ 
orostbeft OD der Veredlong' seines Innern in Tollen Umfange ar^ 
beitet — So scheint es die Aufgabe der Eraiehnng sn seyn , das 
Menschenleben zu heiligen, indem sie den himmlischen Schätzen, 
welche Gott in der SchSpfung niedergelegt hat, nachspürt und 
ihre Kraft in wirksame Tbatigkeit setzt.« 

Das zweite Buch wendet diese Grundsätze, wie oben gemel- 
det, auf die ersten Lebensjahre des Kindes an, und fordert also 
sunächst die Mutter auf, ihren hohen Beruf hierin sa erfüllen» 
%t9 sollen die Kinder ait Verstand beobachten, weil sie Torsoga« 
weise dazu geeignet sind ; «nd »wollen junge M3tter einen so 
aehSnen Zweck sich vorsetsen lind erreichen, so kann ihnen die 
Fuhrung eines genauen Tagebuchs über die Entwicklung ihrer 
Uindor nicht genug empfohlen werden.« (Ref. hat in seiner 



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von A. Hoffgaer und K. Wangenheioi. 



Erzieh ungsl ehre das Wichtige aber auch das Angenehme 
dieser Beobachtungen den Müttern an's Herz zu legen gesucht , 
aod mit Beispielen erläutert.) Unsere Verfn. bemerkt, dafs in 
dem Werke von Guizot, /<» annales de feducation. Vieles ent- 
halten sey, vwelches zum Mustcrbilde für die Kunst, ein Kind zu 
durchschauen, und seine Art zu seyn auf die wahren Quellen 
zurückzuführen, dienen könne,« und dafs der gröfste Theil dieser 
Beobachtungen in der gekrönten Preisschrift : Leiircs sur l'educG' 
tion domestiqut par Mdtne Guitot ^ wieder erschienen sey. Bef. 
bedauert wegen dieses Lobes im vorliegenden Buche um so mehr, 
' dafs er diese Schriften, die den gefeierten Namen tragen, nicht 
zur Hand hat. Das Belehrende, welches die so wohlthätigen 
Kleinkinderschulen in dieser Hinsicht haben , ist von unserer 
Yerfn. nicht aufser Acht gelassen. Bei den Beobachtungen, 
welche sie mittheilt , z. B. über die Entwicklung des Gesichts- 
sinnes , hätte Bef. doch Einiges nach den scinigen zu erinnern, 
indessen würde das hier zu weit führen ; und so auch bei dem, 
was in Betreff des Unterrichts vorkommt, der in Deutschland 
von seiner erziehenden Wirksamkeit besser gekannt ist. Lieber 
TCrweisen wir auf so manche IrefTliche Winke, wie folgender 
ist: »Man darf auf den musikalischen Nachwuchs in Familien 
sogar die wahrscheinliche Vermulhung gründen, dafs die Ver- 
schiedenheit der musikalischen Richtung in grenznachbarlichen 
Völkerschaften nur das Ergebnifs der ersten Ausdrücke seyn möge.« 
»Der Gesang, der für kleine Uinder ein so kräftiges, schmerz- 
stillendes Mittel ist, könnte also auch dazu dienen, in ihnen den 
Keim eines angenehmen Talents zu entwickeln, auf dessen Aus- 
bildung zur Kunstfertigkeit man vielleicht zu viel Gewicht legte, 
ohne den moralischen Einflufs desselben gehörig zu würdigen, 
den die Alten ofTenbar besser erkannten und leiteten als wir.« — 
So auch: »Ueberwinde das Böse durch das Gute! das ist die 
bewunderungswürdige Vorschrift des Evangeliums, in welcher 
das Geheiranifs der Erziehung enthalten ist. — Es ist von hoher 
Wichtigkeit, dafs man im Voraus darüber mit sich einig werde, 
welche Anlagen man pflegen und ausbilden will. Dabei alles der 
Natur anheimgeben, hiefse : auf Gcrathewohl alles, was sie ge« 
säet, aufgehen und wachsen lassen. Dies ist das Unpassende in 
der negativen Erziehungsweise, in deren Lobe sich so Viele ge- 
fallen.« Die Verfn. zeigt dann klar, wie eben diese von Rous- 
seau aufgebrachte Erzichungsweise vque rien ne soit fait,« grade 
die schlimmsten positiven Einwirkungen hereinzieht. Auch höre 



IM Die Eniehuig iea Meatchea, 

nan sie gegen die CMa GewtlMMt, Mb Wkiäm m ^kf^i-md 

eu oft aufzuregen ; and dergl. m. Und so 0chlie{lit sich das 3te 
Kap. mit einer wohl zu beherzigenden Wahrheit : w Daher bann 
auch das Studium des Hinderherzens lehrreicher für die Crgrün- 
4«ng des eignen Herzens werden, als man denkt.* Das 4^6 Kap. 
necbt bei dem Anfang dee sten Lebensjahres betonders aaf 4k§ 
ilfMpatble a^fa wff bü Bi i vnd das 61« giebc daiMt fotemauit 
Mgernog«», woM «fai enittea Wott gegM die U LMmma ^ 
md die Ei fe ra tteb te l eiea gesproebea wird , womit dkr Iffliiar oH 
an fbren Rfefaen dbel Katidel«. Dh 6ta llap. redet von 4em 
Sprachenlernen der Kinder gegen Ende des aten Jahres, mit 
guten ReHeicionen auch für das Grammatische, ohne jedoch ans 
hierin etwas Neaes zu geben. — Um einer beiläufigen Bemerkung 
sa gedenken, so ist es nicht ganz richtig, dafs S. i44* c^^n Mytheo 

Griechen gaes die Idee Ton einem Vorleben der Seelen aAp^ 
ge a pro eh en wird $ wai PJaton darSber aagt, ttekt aogtr mit ielim 
pfdegogUcbett Ideen kn Znsammenbeng* 

Drittes BoelL Et ist das reiofabaltigste. Wh* bOnnen in» 
dessen nnnsre Anceige dee Inbalts hors fassen, well derselbe dit 
Smndsa'tze, die wir in den yorigen fanden, praktisch ausführt, 
Ond wir dieses mehr im Ganzen empfehlen müssen. Das erste 
Kap. beiehrt über die Gewohnheiten des Kindes im 9ten Lebens- 
jahre, und wie man die guten begründet, z. B. Reinlichkeit^ 
Schamhaftigkeitf Achtung des £igenthums. Das ste Kap. bat den 
wichtigen Gegenstand , wie man das Kind zum Gebovsam gew6hnt^ 
■nd das Toranitebende Wort der M. Hamilton, »die PfKehl 
. des Geborsnms Ist ^ einsige, welebe kleine *lHnder verstellen 
Siidei Kier einen tretf Heben Commtfntar, weleber die Dinweii* 
dangen gegen diesen Grundsatz gerichtet, and den entgegenge» 
setzten leider so sehr befolgten Grundsatz Rousseau's alsobald 
schon durch die Erinnerung abweiset, »dafs man sich auf diese 
(von ihm verlangle) Weise selbst von dem Gange der Natur ent- 
fernen würde, dem er doch so genan au folgen wähnt « (Damm 
«rtbetIteB wir oben, dafs Bousseaa das Kind nicht kannte, and 
'diwselbe mfissen Wir von den liebannten Fbilantbropisten nrtbei- 
ItA ) Die Verfn. »fügt noch ein Strafgesetsbneb lir sweijalirige 
Kinder binsa,«.das, wenn damaeb rerfiibren wird, fSr ^ &i* 
bnnft ein birteres MiefiKlssig macben d6rf^e.« Das ist der 
wahre Philanthropismos. Es besteht nur aus wenigen Worten , 
und zeigt, wie die Freundlichkeit mit dem Ernst verbunden von 
dem Uogeborsam leidit heilen bann. Dabei wird die gewöbniicbe 



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▼OD A. 1tofg«cr and K. Wang«nheini. 



S81 



falsche Behandlung gerügt. Im 3ten , 4tenf 5ten und 6ten Kap; 
wird das dritte Lebensjahr pädagogisch betrachtet. Zuerst wird 
der Thä'tigkeitstrieb des E{indcs den Erziehern als sehr beach- 
tongswerth gezeigt. Von der Benutzung dieses Triebes sagt die 
Verfn. , »sie dürfte wahrscheinlich dereinst zur Axe werden, um 
die sich die Erziehung zu drehen hat;« von der deutschen Pä- 
dagogik dürfen wir es rühmen , dafs sie schon langer her (seit 
Heusinger) nach anerkannten Vorschriften ihn so benutzt, 
üeber die Wahrhaftigkeit der Binder giebt die Verfn. ebenfalls 
treflliche Dlicke, Winke, Warnungen und Lehren. 60 z. Ii. wie 
das Kind »den Schlüssel zum mütterlichen Herzen kennt. — 
Besonders sind die Schlauheiten der kleinen Madchen so neckisch, 
und die Liebkosungen, von denen sie begleitet sind, so ▼erfüh- 
rerisoh, dafs man den Ernst, mit dem man sie betrachten sollte, 
nur zu leicht vergifst ; man lacht vielmehr über solche Ki iegs» 
listen, und erzählt sie wohl gar in Gegenwart ihrer Erfinderinnen 
Andern. Dies ist ein Fehler, der grofser ist, als man gewohn- 
lich glaubt.c Ferner gegen die pedantische Uuchstäblerei (eigent- 
lich tiefere Unwahrheit) heifst es, »dafs die Worte erst durch 
das Individuum, das sie ausspricht, ihren Werth erhalten, wel- 
cher also ebenso verschieden ist, als diese es sind.« Ueber die 
Einbildungskraft in jenem Lebensalter enthält das 5te Buch sehr 
interessante Beobachtungen. Es begegnet uns da auch manche 
Bestätigung der unsrigen, z. B. »das ganze Daseyn dieser Kleinen 
ist dramatisch ; ihr Leben ist ein freundlicher, lange und absicht- 
lich unterhaltener Traum. Unaufhörlich sind sie die Erfinder 
neuer Scenen, sind ihre eigenen Decorateurs und Acteurs. So 
veHliefsen ihre Tage in beständigen Fictionen , und sie selber 
sind, wenn auch kindische, doch Dichter.« — Das 6te Kap. redet 
»von dem Gewissen vor dem 4*en Jahre;« wir nennen es da 
noch mehr das moralische Gefühl, denken aber dabei mit der 
Verfn. hierin ganz dasselbe, und finden das Wort Gewissen sogar 
goitau bezeichnend, weil es an den heiligen Ausspruch erinnert, 
vdafs das Herz des Menschen verdorben sey ; ein Ausspruch, 
der, wie die Verfn. fortfährt, zwar hart, ja empörend scheint; 
wer aber vermochte daran zu zweifeln , dafs der Mensch in der 
'J'hat sündhaft sey ? wessen moralisches Gefühl konnte so abge- 
stumpft seyn, dafs er nicht sich selbst verurtheilen müfste ? • 
80 verwirft die christliche Verfn. v jene schlaffe Moral, die den 
Werth der Handlungen nur nach dem gemeinen Mafsstabe der 
Unsitte bestimmt, wekho die Welt zur Sitte ausprägt ; « sie zeigt 



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«rf dk lM»tifM«a BMbMhtaifseo U», tb 0idK tber diM 
•Mb 4to Enjikar wm M eingeheade oad aiwitUgtiifle' Aa» 
«eisong. 

Statt »das Gebäude der moralischen Erziehung auf dem tr3«- 
gerischen Grunde einer natürlichen Reinheit der menschlichen 
Natur aufzuführen, das dann zur Zeit der Fluthen einen grofsen 
Fall thut<( (Matth. 7, 27.), fuhrt nun diese Belehraog im 7tea 
mad 8ten Kap. auf die religiöse Ersiebtmg « als den ewig festen 
Ipraad. Sie nimmt in dieanr Ersiateig «swei vdradiiede^e (?), 
woU j» ttnlenglMridcndü ZivvediA an s srnnt den, in dm» Wnda 
GeitthU der FHIminighnir m w«cImmi>, und dbum den, et in dM 
8taad m ttlMn, denjenigen wa aniworlen, weMe San diese Qe» 
fnlile dadurch rauben mochten, dafs sie die Wichtigkeit des Ge- 
genstandes derselben leugnen.« ReF. glaubt jedoch für die reli* 
giose Erziehung beides vereinigen zu müssen. Eben darum stimmt v 
er vollkommen der Verfn. darin bei , » dafs diese Erziehung früher 
beginnen müsse ^ als der Zdgliag in das Alter der Beilexion ein» 
tritt.« Denn wahr ist es : »wenn es eine besliminte Zeit BIr 
den Anfaag der fieügion im Mensohen giebt, wenn eioli Um An- 
hag' niokl in d«n die Kindheit einhOHenden NeMwoHieo wlierl^ 
wenn es Erinoenungen giebt« die üller sind ek ein, dann Ist ela 
nneb iiiclit mehr die nnsertrennliehe Gefthrtin nnsers Deeeyns;« 
welches die Vcrfn. anschaulich darlegt. Es ist das Leben in der 
Allgegenwart Gottes, es ist »die Herstellung des innigen und 
heiligen Umgangs mit Gott;« wohin die frühesten Gefühle das 
kindliche Herz einfuhren soiien ; und »nur das Evangelium ist 
der einzig bekannte, eiasig sichere, der einzige Weg, auf wei» 
•harn das Heil für aas an findea ist»« Indem aach hi« .baeoa» 
4ers dia Verfti« gegen Boasseaa spraelwn mafste, erwirht sie 
•ieh das Verdieast am ihtaa Landsmann « dafs eie dwse seUianaa 
$eile aaiaes Einflasses soh wicht. »Welehe andre SUk^ä, sagt sle^ 
tele die einer glücklichen Kindheit kdnnten wir wShIe«, nm 
solche (fromme) Eindrücke initzuthcilcn ? — Wer wie Rousseau 
die Macht dauernder Erinnerungen und frühester Gewohnheiten 
durch einen Knalleffekt, durch einen Theaterstreich ersetzen will, 
hiMnt das menschliche Herz schlecht.« Und war das Kind kennl| 
weifs mit der Verfn., »dafs die Religion, die sein Hera darein 
diuigt, den gliiokKielwa dmmhter dieses Allasa anniarait, aad ' 
4ah aiit dessea misehaldigen Aag^egeahtilea veitodet;c and 
$ß dai ganaa Lehen hindatah. — - Dakar die acMen BeH|iaa» 
begrifie si^t das 8te Kap. fiel Gutes , weleh^ jedaoh durah 



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von A. Hoggaer und H. WaBgttMn. IM 

unsere deattche Methode, die das fromme Gefühl in den klaren 
Begriff^ und auf das Historische zu erheben versteht, noch Ter- 
bessert >verden kannte. Von dem 9t en Kap., «religiöse Gottea- 
▼erehrong« müaaeo wir dasselbe sagen, und darum wurde das 
Beiwort b«i IM MiM'Miffallen, denn wir suchen den Begriff 
der GottdvürclMng m Mh im d«r FfftenugMl dtt Uimiu m 

CMiini HindMl iMtSi^heo TbatitelMii snmmnengefafst ,« wo»' 
durch sich das Game der Erzichaii|f dieses Alters um so deutli» 
eher Torlcgt. Da findet denn auch Bef. den Punkt ausdrucklicher 
angegeben, worin er nicht einstimmen kann , weil die feinsinnige 
Beobachtung durch eine unrichtige Beilexion irre geleitet zu seyn 
scheint Wir bebeo daher diesen Punkt hervor. »80 ofiesliert,« 
ketfal et 8. 367 , „ die Seele nicht gleich in den ersten Tegeir midi 
4n Gebart ibce Attribate.« Wir finden dagegen, &mk Mk tdum 
■enAldUr Meh der Gekvl im den» Sahen and 8olu«ieB dee 
Bindet etwM offenbart, '«iaa nur der Menaehenteele cniioiiiflit, 
wfibrend die Tbierseele flick Ton Anibng ganz anders finfsert. 
Man beobachte nur das erste Sehen des Kindes mit jedem Tage 
weiter, so wird man das eigentlich Menschliche als etwas Frei« 
thäiiges in seiner continuirlichen Entwicklung bis zur yerstä'ndigeit 
Anfmerksamkeit nicht veriiennen« Eben dieses Stetige finden wir 
nach in der fliittiminfeernng ; der erste Lebenaaebrei des Kindea 
in die Knoape aeiner Spieelikrdt. Aoeb kteaen wir daa niobt 
MtoNdhreiben, «da& »die Mitwirlmng dea Wüena tum Anfnelu 
wmm der Eindrüelie siahl nothwendig aejr, und daft die 8eale 
den Hindea Lvit -ond ünloat empfände, obne dafa die Intelligent 
dabei thatig wäre.« Denken wir uns nur nicht den W^illen wie 
bei dem Erwachsenen , sondern sein Beginnen in der Freithä'tig« 
keit, so finden wir schon in dem ersten Hinsehen des Kindes, 
und iMid in nebreren Aeufserungen ein Aolmerksamseyn und ein 
Fühlen« welches als das Element dar freien Willenstbatigkeit, 
g leielMM i ab daa ds daa Matbematihera , odar aia der Kt i w ti ' i a b 
dm BeMibera^aaaiiaeken iat- Denn die.Seele iat lieheit aeweU 
ikeer Bitffte, anitliio aeeh der geistigen, ale «neh in den Seil- 
■eaieiiten, wMim eecb in der Entwlelilnng innner ein «id die.» 
selbe Wesen. Deshalb können wir auch der Einbildungskraft 
keine » unumschränkte Gewalt in der Kindheit« zuerkennen. Nicht 
nur das Naturgesetz der Stetigkeit, sondern auch das der Gleicb- 
aelwiag wallet in des £otwiebhing, welcbea letslere der Mei- 



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mig cl«t iMtfülMitM Araüt Ifrd^ «of iiithi aUi di» VMw 
htraft* («109 MeinoBg, die in mei» iootarbuwn FocA •mtltk 
hm einen unserer Sitertfn PüdagogeD TOrfcoBiint) , daft »dat Hiad 

in Beziebiing auf die Schneiligl<eit seiner Fortschritte mit gros« 
sercr Fähigkeit aasgerüstet sey, als der Erwachsene«« Die Kraft 
ist immer im Gleichgewicht mit dem, was sie aufnimmt; und ao 
iU es im Wacbsthum« Allerdings wächst das Kind in seines 
Mle» LebenswMbM ap atark, dafs e» bald su einem Riesen 
Virde» hSnnla« aber dieae Kraft aimmt ala amiabMade ibü 
jfldaaa Taga ab, wihtaad sia aia fast|gaftda mabr aaainiail, oai 
io UaSbl dia Pibighail diäter argaaitdiaa Hraft (im gesuadia. 
Zotlaada) diaielbe, d. b. aia Uaibl in glaftabaan TertiiUliiia tbrar 
Gröfse za dem, was ibr sja ihrer Entwiclilung dargeboten wird« 
Ebenso verhält es sich mit der geistigen und psychischen Kraft, 
welche sich in der physischen entwickelt« Die Grofse ist etwaa 
Balativet ; das Kind bann grdfser und fabiger aeyn als eio 
deres, aber aa iat nie gW^fsar and Abigavf ab ea faablafM;gaar bi 
f ai f an i AUev aay» wird. 

Doch galta» diaia BaOeziaiiaa venigv data ?arlia§aaJav 
Baabe, ala ein» Tbeana^ laalabe dar Mnrn Keaaiaift 4m 
Biadat iai Wege aubt, oad Rai freut aicb Tiekaabr^ daft die 
daiD Pädagogen to wiebtigen ßeobachtnngen dieser Erzieberii» 
übrigens nicht dadurch sind altciirt worden. Damm schliefst er 
auch diese Anzeige mit nicht alterirter Freadc. Aof den letzten 
Blättern dieses Ersten Bandes lesen wir noch eine schone ächiU 
deruag tob den Erwaaben des Kiodaa aaler den Menscbao* Dm 
baifil et anlar Aadarem : Bevor et aoob aeia Uandabeo M ga» 
bMMidMa waOto« «nd darcb Balaaiwig dar IMage, di« aeaab« die 
Vavttallwif dar WarbUcbbek tbrea thrnyoM gairoaae« hatte ^ 
ShM aaboa a«a dar Wölbe, die ibaa dia Wate verfagHtf ata Gen 
ganland entgegengetreten , der in ihm särtUcbe Gefühle arwedh^ 
IKeier Gegenstand ist die nusdrucksvolle Physiognomie eines daa 
Kind anlächelnden iMenschen. Bei dieser neuen Erscheinung^, wendet 
üch seine Seele einer andern Seele zu , und zu einer Zeit , wo et* 
noch nichts unterscheidet, erkennt ea Jabon das Wesen seiner Art.«- 
Mil aolebem LiohtUiebe redet diaiea ganae Boab au den fiw i ia ba » 
rawun dea ,Hiadea ; die felgdndei» Tbeile laaa w r ans da a aailaa 
Büdaagageiil f9r dia fdgandaa Labenaaiteff erwaKeo* 

F3a die gaiataottea Amnerliungen werd e n die liOaar HM» 
Tan Wangeaheim danken. Die Beortheilung der phaloaopb^' 
&Ghea Abb* toq Eacbenmajer liegt nicht in des Ref« Bareiabw 

S c h w a r 9, 



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|ie||fitla von Böbner ubA Cbwel. • Sl§ 



CoiinNi0 A Mfiit a4 HmHcii« Pil. Plt Vrknndin itr iMmAm IGU 
Mitf Raü€r von tComrad 1. 41« HdmrUk HL 911 -918. In kwzem 
JuMügen und IfachwtUunf^ itr Httttm* iM tfe abgedruekt finif. foik 
.1^' itf Aatm Friedrieh ttUhmer, MifgHed der Oe$eVtehaft f9r §^ 
lere dmtgeke 0e9tkktki»kmtde, Sktmk^ «. ai. M Fm rflm«lnq9% 
. mh 4. JKJ^il mmdUiS. • >' i ' ' 

Acigreeto dkr«iali^<e»*ir^«atjM Mtniomm, Die UHamäm 9immtk 

> ,^ltdMr Karolinger in kurzen Jussüg^n , mit Nachtoeimaig der Buekerp 
in toelehen eolehe abgedruckt $ind. Von Dr, Johann Friedrich 
' * Bihmer u. »: tv, Fp-aul^wi a. M» b§i FiramB Furtmtrafp, 4« 
XFl mȊ 200 S. i ^v 

9) JBtgteta chronologieo - d^hmatica Ruperti ftegi* Bomanontm. /fuimtg 
' aue den im k. k. Archive zu Wien sich befindenden Beichiregistratur- 
küekeru vom Jahre 1400 bi* 1410. Mit Henüttunfr der gedruekten 
Quellen. Von Joeeph Ckmel, regulirtem Chorherrn de» Stiftet St, Ftp» 
, non, und Archivar im k. k. geheimen Hau*-* Hof - und Staat»- Archioß 
Mu H ien, Frankfurt M. bei Farrentrapp^ 1884. 4. FUl i&. 244 & 



Mm kt mm Bewtitt wie 8c lii a >l i t m gtgeowSrtig mit 

ia ÜMliolilMia tMt, dafr wSkreiid die gehaltl»* 
Bücher, welche die ohnehin schon so grofse Bucberrnassi 
ohne allen Gewinn für die Wissenscbaflt vermehren , von unsem 
rahlreichen (belehrten Blältern recensirt werden , ein so ä'ufserst 
wichtiges Werk, wie Böhmers Haiserorkunden onstreitig sind^ 
io viel Ree weifs, nar kr swei derselben beurlheilt worden itt^ 
■iwliBh in 6m GMwgw gelehrten Aiiwigen nod » dee HeHk 
9rfMii lilerttMellwig« Jekob Gnoso, fon dam Um Rtctnoia» 
kl dan aistar» latrihri, hat, wia Tan lim «sa apwaHais watv anb 
8 aa M waataife mm 4tm B9bm«r*tchen WaHw gespfOcKiv, uni 
ۥ als eine der erfreidichsten Erscheinnngen unserer IMmAwr 
begpufat. In der Uallischen Literaturzeitung hingegen ist das- 
selbe von einem grämlichen Manne recensirt worden, der, an«« 
lähig das Ganze zu würdigen, an Einzelnheiten klebt ^ und ea 
Verf. aium Vorwurfe macht, dafs ihm eine Araahl UrbMM 
4an , die ia ainar siaailfcä aobekannteii DrecbschriH «bgedruebt 
aMaVf anlfaagta lü.- Aaf atn Haadert lUaaien vtAm odaai 
w a a lgar kcarat aa M aiaam lolalian WaHi» akar ger nielM. as^ 
iH» ü aap U aaba kl« Mh aiie der Zataaaiaaatallbag «ad Ifoen 
seichnong der noch vorhandenen Kaiserurliunden einmal ete kn* 
fang gemacht und eine Grundlage gewonnen ist, die sich nun leicht 
berichtigen und ergänzen lafst. Wer gedruckte Urkunden kennt, 
die dem Herausgeber entgangen sind, der tbeile sie ihm mit, 
okae daabalb mit ihm an reabten. 



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Dt BSbnierfiehe Werh niclil 90 lielMiiiit geworian n 

seyn scheint, att es zn wtr^en Terdient, and selbst ArchiTbeamte, 
was man kanm glaublich halten sollte, kaum yon dessen Existenz 
wissen , geschweige sich mit dessen Inhalt bekannt gemacht haben, 
ao furchtet der Verf. der nachstehenden Beurtheilung am so we- 
niger den Vorwarf, er tboe etwas Ueberflussiges , indem er dat 
frugliohe Werk nochoMlt reoenairt, als er damit sugleicli eiat 
Ameige der teitlier ersehieneneo Urhanden der Karolinger «od 
Cbmefa Ürbondeii Heilig Raprecht'a verbiodet, die| ao Tiel er 
weiTa, nooh gar nicht recensirt worden aind, 

Bec. apricht aeine innerste Ueberseugung aus, indem er die 
▼orliegenden drei Werke anbedcnklicb lur die wichtigsten er- 
klärt, die seit längerer Zeit für die Geschichte des Mittelalters 
erschienen sind. Er will andern Werken ihren Werth nicht ab- 
sprechen ; aber es sind doch immer mehr oder weniger subjekti?e 
Ansichten f welche in denselben aufgestellt werden , wahrend Q 
dieaen nur allein die Urkunden aprecben. Sie können deewegfa 
ikvoo Werth nie ?erUeren,.and werden asaeh neben der grofWn 
Wmndenaaiamlong , ,6ie gegenwirlig TOibenitet, wM, immm 
OMntbehrlich bleiben. * ^ 

Aap die aebr lesenswSrdige , aber keines Auszugs fähige Vor>* 
rede, worin Hr. B. umständlich und mit vieler Sachkenntnifs von 
dem spricht, was bisher für das Sammeln und Verzeichnen der 
Kaiserurkunden geschehen, sowie von dem, was zu thun ist, um 
den dermaligen Standpunkte zu genügen , folgt eia VerzeiohnÜk 
der benutzten Bucher, s4o an der Zahl) wenn BeOi richtig g«^' 
sihlt hm. Von oigentUehen ürkandenaemiUMigea vnd Werlieii, 
«oritt 9km gaMere-Aniahl Urkunden «hgedmcht iat« dicftcA 
Hm. B* wohl nor wenige entgangen seyn ; dagegen iat die.2nhl 
der D8eher- worin einzelne Urkunden ahgedmcbt sind, aehr hm» 
tra'cbtlicb ; es ist aber nicht Eines Menschen Werk, und wären 
seine literärischen Kenntnisse auch noch so umfassend, dieselben 
alle aufzufinden. Hierzu ist die Beihülfe Anderer unentbehrlich, 
ond es ist zu wünschen, dafa recht ?iele Gelehrte, fern von ge-.. 
iehrtem Neide, Hm» B. die von ihnen aufgefundenen Urkunde« 
■aelbweiatn mSehteo. Grimm iai anoh hier fpit lobonawiMigm 
Baifpiele foningegangen. 

(D9r Beieklufa folgt,} . 



« 




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S\ 22. HEIDELBERGER 1836. 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



Begetta van Böhmer und ChmeL 

Bec, der sich weder so umfassender literarischer Kenotoliaa 
HyMBen liftAn, aoch dem eine Bibliotbek, wie die Gottinger, ta 
Gebote itebt, will wenigstens ein Scherflein sor Vermebmng des 
getammelten UrknndenTorratbt beitragen « indem er Hrn. auf 
Dionya Albreebt*a Btttorie Yon Bobenbarg auAnerlliam macht, 
eili Buch, das er swar Yiicht ons eigener Ansicht kennt, aus dem 
aber SchSpflin in seiner Alsatia ülustrata II, 208. Kaiserur künden 
nachweist. Aus einigen gedruckten Werken sowie aus einer 
Sa Bände starken Deductionensamnilung hat er Hrn. B. ebenfalls 
eine Ansabl gedruckter Urkunden nachgewii^sen , deren Namhslb» 
■Mcbung er hier umgehen zu müssen glaubt« 

Die Urkunden, welche Hr. B. in dem ▼orliegenden Werke 
tmeichnet bat, umfaSlen einen Zeitraum Ton rollen vier Jabr- 
bvnderteui nSmlieb von 910 bis i3i3. Es ist dieSf wie Hvw 
tnft^nd bemerkt, die Periode, wibrend welcher eine deutsche 
Centrairegierung mit Wirksamkeit bestand, and allmählig veriiel. 

Auch aus einem sprachlichen Grunde scheint der gewählte 
SSeitabschnitt sehr zweckmäfsig. Bis zum Jahre i3i3 ist die grofse 
Mehrzahl der Kaiserurkunden io lateinischer Sprache abgefafst, 
und die von Hunig Konrad IV. am a5. JuH 1240 ausgestellte Ujr* 
kuode dfirfte wohl die älteste deutsche seyn, die von eihem rtf- 
miwbeB nSnige oder Heiser ausgefertigt worden ist. Mit Ludwig 
dt» Baier tritt auch binsicbtlicb der Sprache ein Wandepnnkf 
da ; aebr Tiela seiner Urkunden sind deutsch. 

WIbread die Raisemrfcunden mit Konrad f. beginnen, bSreu 
die Urkunden der Karolinger (von denen Bec. spater sprechen 
wird) mit ebendemselben auf. Dieses Verzeichnen der Urkunden 
desselben deutschen Königs in beiden Werken rührt daher, dafs 
Hr. B. seine Ansicht über den Beginn einer neuen Periode in 
der deutschen Geschichte geändert hat , und jetzt der Meinung 
iat, Honrud L, der Verwandte Ludwigs des Kindes, der wirklich 
Ui allmi Zeiten ultimoa Harolorum genannt wird, gebSre nicht mi 
dim dcMcbeo Harolhgern , und eine neiio Pariode mid die bo» 
niX. Jabt«. 4. Hell. 18 



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IkfMl» TO» Mhmut iui4 duaiL' 



•dmmtere Aussonderung eines Deatschlandt am dem serßiUenden 
Frankenreiche beginne erst mit den Begenten ans dto sächsischen 
Hense, also mit Heinrich L Ree* ist mit dieser Aneicht toIU 
hemmen einverstanden. 

Die Zahl der von Hrn. Tfraeichneten Urkunden betrfigt 
5420, gcwifs eine sehr bedeotende Zahl , wenn man bedenkt, wie 
mühsam dieselben aus mehr als 240 Werken zusammengesucht 
werden mufsten. Eine nicht unbeträchtliche Zahl davon ist noch 
nicht gedruckt, indem sie in den dafür nachgewiesenen BucherOf 
wie. namentlich in Andreae Oppenheimium, Gemeineres Begens^ 
borgler Chronik, Jager'a Geschichte der Stadt HeiJbronii ond 
T. Lang*« Begesla Boiea- mir iaa Awngt angagehefl wesdea^ 
weshalb Hr. B. dabei anoh meistens »Extract« aetit Avch 
ttttt die Gesellsobaft ISr lltere deotscbe Gescbwbl* eine lienf 
liehe Anzahl nngedrocbtev Kaisenvkanden , welche Hr. aiit 
dem Beisatz »Abschriftlich in meinem Besitz« Terzeichnet, und 
die später in der groljsen Urkuadensammlniig gedruckt werden 
sollen. 

Einige Urkunden , wie namentlich die Verordnung Friedrichs II« 
gegen die Autonomie der bischöilichen Städte vom Jänner ^ie3|^ 
imd dessen Bestätigung der von K5nig Heinrich den Fürsten aal 
Worms am 1. Mai &s3ii ertheilten Concessionen TOm Mai ts9ft 
finden sieb unter Terscbiedenen Angaben von Zeit and Ort tcc^ 
' zeichnet. Diese Terscbiedenen Annahmen dürfen nicht beApemden« 
nnd erklären sich sehr emfacb doreh die. Annahme, dafs Friedrich 
sich Tcranlafst sah, von diesen Urkunden später and an einem 
andern Orte einige weitere Exemplare ausfertigen zu lassen. 

Der vor Kurzem gestorbene t. Lang hat es getadelt, da£s. 
die Urkundenauszugc in deutscher, und nicht wie seine Begestai 
Boica in lateinischer Sprache abgefafst sind. Weit entfernt,, im, 
diesen Tadel eintnstimmen^ findet Bec» dea Gebraacb dar dm^, 
acben Sprache sehr swechmSfeig. Wollea vir Deatadbe denp me 
die lateinischen Rinderscbube austreten« und ipii ein Deatsisbcv 
f8r Dentacbe über deutacbe Aügelegenbeitea niohi deiits«|b aehnesf 
hen ? Soll er sich nicht lieber in seiner linttersprache klar and 
deutlich ausdrucken, als in einer todten Sprache unbeholfen und. 
unklar! Die Meisten, welche Hrn. B.'s Haiserurkunden gebrau- 
chen, sind doch wohl Deutsche, und die wenigen Ausländer,, 
' welche sie lesen wollen, m5gen sich die Mühe nicht verdriefiief», 
laisen , Deutsch m lerjien. Bec würde auch dea ia^teiscbeot 
Titel des W«rka weggelassen haben, wabsend man jeli^ «ipbt 



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wcifiii öb MO et als Regest« Begum Romanorimi odbp oaMü 
4iM Titeis «die Urkunden der römische« Hfiniyre citiren eolL 
SNW Wl Hl*. & cbn Bec ^eee Beaeirinng ■ifil|telb*<l*f ^taemä 
it«Merl« dePe ih» Här laleteieolie Titel mi einer ReiM ia 
Aeplvelell eelHP nÜsM geweeeni iedem die freoaSatelwB G«> 
leltf^len dereiit ettekee, Ire» ei* ir«Ne^ «nd ihb so gefaUiger geu 
weeen seyen. Allein dieser Zweck hätte sich darch mündliche 
odeir ichriftUche Erklärung eben so gat erreichen lassen, nnd 
Hrn. B.'s Werk blieb, des lateinischen Titels ungeachtet ^ den 
Franzosen neeh wia vor verschlossen , weil die Haaptseche, die , 
VtkundenanszCge, in deutscher Sprache abgefarfl «ind« 

Hie ond da bat Hr. B. eine Oeboede to nmttt rom ihm Im- 
aittiM Mehern ifce e e ch e ri , s. B. Fttcfknaino le. Jidl ioo5» 
• HiiiMiol^ IL beiiitigl die von teioem Yeeiilven Otio UL de« 
Mwibinhef vttB Negdeburg geneeble Seiienbang der 8lidt Smdm 
mk Allein, wae &tm gehört. Ladewig Bei. XII, 358. Walahase» 
94* Aug. 1039. Konrad II. giebt dem Orte Sulza an der Ilm 
Stadtrecht und einen Wochenmarkt. Buder, Sammlung urnge* 
druckter Schriften 427. Lünig's Beichsarchiy ist nicht vollständig 
benutzt So fehlen z. B. in Sicilia insula 3. Aug. 1197. Hehn 
iieb VI» biMuit den Heinrich Marschall von Hallentin mit melfe 
IM Te^ieien« QiMn «ad Zebttlee. B. A« XII» 8»4. Nürabeiifl^ 
M» Meib 1«^ Attreebt verordnet, dafe die Loibeigenei» der ' 
fieifti FricMWeii vns LeiniegMi in heine ReichMtidce.aiehejit Mi 
iMülligl' ingletdl deiien'Mvilegienw XXIIy 98s. Heimbaob dmo 
l?ag i3io. Heinrich VII. wiederholt die Urkunde Albrecht's vom 
an. Nov. 1298. XXII, 383. Die Urkunde No. 444o 1 für die 
Hr. B. nur v. Langds Regesta citirt, steht vollständig Ausfuhrung 
der Stadt Lindau 627. Von der Urkunde No. 3 160. steht nur 
der Eingang nAd die Schlufswortc beiSchupflin, vollständig iU 

iie bei W«llber,.GcecfaiebCe dee Betner StadlreebU id4. abge- 
iimbl. 

Munde»« m welobea das Jbhr der Awetetking Mit , baü • 
Bbb WMi fiiiilb mit voUem Reebt weggetasseo, da ee ttiur 
a t l >ifer |a i» den aaeielen Fällen iihni6gjicb Itt, dietellien am 

{Hissenden Orte einzureihen. Ebenso hat er alle Urkunden , für 
die ea keinen andern Gewährsmann, als den übel berüchtigten 
Goldaat giebt, nicht aulgenommeot ond daran naeb des Ree Da« 
Ifirbalten sehr wobl gethan. 

Ali^ deiltiflnrar bat Hr. B. eine höchst lebeniwertbe Sorgfalt 
■<idü i eMm wmA de* Bebarftinn bemmdeMt doeoh-dea et 



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ll^gMUi TOB Hiliwiy nnil GbmeL 



ihm gelungen, eine Menge Urhanden, die keinen Ausstellungsort 
oder keinen Ausstellungstag haben, mit Hülfe des Itinerars, oder 
der Uniei anf der sich die rSmischen Konige und Kaiser bew4* 
gea« am' geeigneten Orte einsiireUien. Weaa die Meisten bkkm 
des Itinerar sa wenig beiehtetea, so nMkt» ea €ul aeMeeBf all 
habe Hr. B. andererseits so viel Gewicht darauf galegt ; warfg 
stens kann Bec. es niebt bilKgen, da& er ürfconden^ die iMil 
sum Itinerar passen, weggelasaen und sie nieht wenigstens in 
einem Anhange Terzeichnet hat. Es ist nun einmal nicht mog« 
lieh, alle Urkunden mit dem Itinerar zu Tereinigen ; soll man 
aber blos deshalb Urkunden, die sonst alle Kennzeichen der Aecht» 
heit an sich tragen , weglassen ? 

Wenn man die simmtlichen in dem Torliegenden Werke Tar> 
aeicbneten Urhundenaossilge übersobaiit, so dringen sich eioett 
unwUlkflfariicti folgende Betrachtoogen auf: die tot den Hofaen^ 
staufiseben HSnigen ausgestellten Urkunden betreffen griMkeiitfaeii 
die Kirche, die kirehlicben Institate und geistlieben Corporatfieaen. 
Die Konige und Kaiser schenken diesem oder jenem Bischöfe, 
diesem oder jenem Kloster grofsere oder kleinere Guter, bestä« 
tigen Kloster, nehmen sie in ihren Schulz und ertheilen ihnen 
Privilegien ; das Kroognt Tvird hauptsächlich an Kirchen und 
geistliche Corporationen verschenkt ; es schwindet mebr and mebr, 
wibrend die Kirche and die geistlichen Ck>rporationen wachsen 
und za bedentendem Gmndeigentbem gelangen. Mit dem Hobe e 
sUofiscben Hausd, baoptsicbliob mit Friedrieb L erweitert sieb 
der ScbaQplats. Die Aogelegenbeiten Italieos, der Bampf aailf 
dem Pabste, mit geistlicben und weltlichen Grofsen, Teranlassen 
eine Menge Urkunden, viele vorher nie genannte Städte kommen 
zum Vorschein, und erhalten Privilegien und Freiheiten. Die 
Landeshoheit entsteht, Mit dem Untergange des Hohenttaufischen 
Hauses, des grofsten von allen deutschen Häusenii verengert sich 
der Schauplatz wieder. Die deutschen Könige, gewarnt und be- 
lehrt dnrcb das Beispiel der Uohenstaofeo, Tersicbteo avf alle 
Efobentngen in Italien. Sie begdnatigett das Aefbommeii der 
Beicbsstidte, fangen aber ancb an sie su TerpiSndeo, um aU 
damit ibre FVeonde and Anbinger sn verplliebtenr Die Mabi 
der Ftirsten, die da» Recht haben, bei der K5nigswahl mitz««- 
wirken, wird zwar noch nicht gesetzlich, aber doch faktisch be- 
stimmt. 

Bei einem Werke Ton so ausgezeichnetem Wertbe, wie das 
Torliegende, wird Miemand aa Uoriebtigkealeo , die aoe eioaei 



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M9§ $tU vM Bitetr Mmä CkmitL 



SU 



4m "EihÜmU dlm Mentchlichen sind , Aostofs nehmen. B$ aiad 
ftMT abtr nvr wfmgCb Oaluo reebnel Bee« die lue and da niaii. 
falide G«iaii%liell im Aosdrnolie. B. No. 178. »Sclnits. und 
ftlMlißttQgtlirief HIr das RIottar daa baiKgan Amliroaiiit« aUtt 
jba fg&A&mrn »baatitigt daa Rloatar v. a. w. mid nlmait aa Iii' 
seinen 8chat£.ft Ebenso No. 181, 308, 307. und an vielen andern 
Orten , die alle namhaft zu machen zu weit führen wurde. Auch 
dem oft forkommenden AasdrucU «SchntzbrieP,« » Bestätigungs- 
brieff« »Immunitätabrief,« kann Ree. keinen Geschmack abge» 
#|pian« da daa Wort »Brief« in dar Bedeutung für »Urkunde« 
Veraltet iaiw la No. iid6. wardao fon i3 Hofen nar 7, und io 
No. Mth ton '6 mir 3 gaoannt | antwadar biltan alla odar gar 
fcaWfe ataluift gaauelit wardan aoUan. Statt »Angiac aoltto ea 
Ii Wir'iid^b^ Mfaea aBaiehanas,€ ond in No. 4906b atatt »dat' 
Sdmhhei&animl« gaoauar ^daa ScbultbaiftemMit ii§d den 65» 
nigsbof.c 

Eine sehr dankenswerthe Zugabe sind zwei sehr schone Ta- 
bellen, deren eine die Päbste, die andere aber die römischen 
H8oige und Haisar von 911 — i3i3. enthält. Aus dem letztern 
fliSfao dia|enlgaB, dia aa bitbar noob nicht wufsten, lernen, daOi 
all wiriehtig iat^ wtmi man Ton oibam Haiaer WUbelm 1., Uaiaar 
Bicbard, Haiaar Bndoll, Kaifeer Adolf, HaiMr Albraebt if riebt, 
wie nidbl allein Lftnig, aoadera anob Wenk and Ton Jet^t|ibeB- 
ia* aelbat noeb Graf Hailatb tbot. , ^ , 

Dem von Hrn. B. seit längerer Zeit angekündigten ersten 
Ergaozungshefte , das 2000 gröfstentheils ungedruckte Urkunden 
yerseichr^ soll, sieht Ree. mit Verlangen entgegen. Dem Ver- 
nebmea nach hat daa Archiv zu Hannover dazu einhundert unge- 
dnsckte Urkunden geliefert ; mochten die Beamten der andern 
dontacben Arobire diesem lobentwürdigen Beitpiele folgen, und, 
'to Tial ea immer mitglicb iat, snr Wiederbertlalladg der ragjatri 
Ii^bohragan! # ^ ^ \. 

d . Naebdem Bac. so aotfBbrlieb Ober die I&itermi'baaden ga- 
tpfoehen^ bann er aieb 9bar die Urbnoden der Karolinger am so 
kurzer fassen , da die äufsere und innere Einrichtang beider Werke 
ganz dieselbe ist. Wer hätte gedacht, daPs noch 2093 Urkunden 
der Karolinger vorhanden seyen ! Ree. zweifelt laincn Augen- 
blick, daft tiob diese so beträchtliche Zahl aus den Archiven zu 
Boa ond Paris noch ansehnlich vermehren läfst. 
M.«i«flli( YergnSgen bemerkt; map, dafii die Kraft des Verfs. bei 
diüoai Wethe getraobiot iat, mid er aieb bier anf einem Felde 



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bewegt^ wo er, wie wenig Andere, völlig einheimisch ist. Die 
IMumdananfKS^e sind fast durchgeheods in der dritten Fenom 
am 8ing«larp a^efalk, s. B, No. i3i. »stiftet das Hochstift Bro* 
BM,« uuä acr opp Mw i» Antdroek »8cbiittbricf,c whmmm^ 
Utibrief » BtttiKigmigslNief « «wd fibaliobe IteMoiefi mt MltMr 
alt in den lUkernrliiindcii TOf^ 

Die Anordnung des Stoff» Itl niCk dot Bm. DafMriltn 
trefflich, and gewährt einen schnellen und leichten Ueberhliclu 
Auf das unter Pipin, Harlmann, Karl dem Grofseo und Ludwig 
dem FVommen ungetheilte Franhenreich folgen zuerst die lotha* 
ringischen, dann die deutschen, italienischen, franzosischen und 
luletzt die aquitanischen Harolioger, eine Anordnung, Über di« 
•kb Hr. B. in der Vorrede auf eine sobr btliiedigende Weiat 
erhlirL Bee. criaabt aicb mf von ibn fi h ar a ahena ürbvoia 
•«ftiierhaani tu «aeben, die aiiob ▼ollbMoaeii anai lÜM a i'at pairt; 
Bcgeneabiircb 5. April 880^ Karl der Diebe bestätigt einen GMtm 
tantcb switeben Bischof Embrigo and daai Abt Hatto. LSnig 
B« A. XXI, laia. liei der Urliunde No. 1187, welche auch bei 
KShler Münzbelustigungen VII, 180. steht, hätte nicht unbemerkt . 
bleiben sollen, dafs sie die älteste Urhunde ist, worin der Stadt 
Nördlingen Erwähnung geschieht, wie der Verf. aaob bei No. 148. 
bintiobtlich FranhAirts getban bat. Bei No. 4981 srird der Inhalt 
der Urhnnde nicbl angegeben | aondem biet gtaagt, »daa beruel^ 
Ügte Diplom für daa Kloster Lindau ^ welebea nn dam berMraiften 
diplomatiaeben Kriege yeranlatiung gegeben.« Der Inbalt iil foU 
gender s Kaiser Lndnrig II. ertbcilt der Abtei Undao diaaelben 
Pririlegien, welche die Constanzer Hirche hat. 

Das Registrum Imperii vor Konig Ruprecht ist , wenige 
Brochstitclic abgei eclinet, leider verloren, dagegen sind die Re- 
gesten oder Reichsregistraturbücher foo Ruprecht an nocb aämmU 
lieb im kaiserlichen Archive zu Wien erhalten. 

Weitaus die meisten Urhanden Ruprechts, mUeiobt *At 
aelben, beben sieb blos in deasen Copialbfiebefa erbaltnn. Ea 
iil dies ein aeblagender Beweis von dem onscbitsbarea Wevllm 
dieaer letslem, der von Vielen mebt oaob Verdienst gewürdigt 
wird. Während sich von Kaiser Heinrieb IV., der 5o Jahre re* 
gierte, nur 279, von Friedrich I., der 38 Jahre regierte, nur 
420 Urkunden erhalten haben, sind von Ruprecht, der nur 1«; Jahre 
regierte, 2904 Urkunden auf uns gekommen. Aber niobt blos 
alle eigenen Urkunden Ruprechts sind auf uns gekommen, man 
leml darans aneb dber aobuig , bisber vMMg nnba^annte Cr hond nn 



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t 



Reg«t4a ton Böhmer tiod Cbmol. Mi 

der früheren H5oige und Kaiser hennen , die in dieselben ToIl« 
•tändig eingerückt sind. Ref. erlaubt sich auf diesen nicht unbe* 
deotendeo Url^uii^uiTorrath aufmerksam sa machen. Ea befinden 
eich darunter a YOn Heinrich V., 3 von Friedrich L, i tob 
iViediieh IL, 3 von RndolT, i ton Adol^ 4 Ton Albreobty 5 Ton- 

Ton Lodwig dem Baier, 45 Ton Barl lY, nnd 
^fdüf'weipMana. Eine Jnbl noch griSAere Ansahl Urknhden 
ÜU^ ne Hin RegistratmjRier Sigismnnd't nnd fViedrich's m. 
eingerückt seyn. MScbte doch Hr. ß. diejenigen, die npch nicht 
gedruckt sind, in Uölert Zeitschrift für Arcbi?wissenschaft ab« 
druckeii lassen ! 

Unter den ^904 Urkunden Ruprecbt*a befinden aicb 6, die 
iieb Ben. nicht sn erhliren weifa. a daTOn sind am ^9. September 
%k^Of 4 aber, die keinen Anaatellnngitag haben, erat im Jahre 
1411 anageileUt Wie reimt aiob diea mit dem bereits am lO. Mai 
14*0 erfolgten Tode Roprecht's ? Ohne Zweifel wurden sie Im' 
Toraos in der Reichskanzlei coneipirt und vordatirt, aber nicht 
abgelassen. Auf jeden Fall kann man sie nicht zu Ruprechts 
eigenen Urkunden rechnen ; der nerausgelier hätte in einer Note 
hierauf aufmerksam machen und sie durch besondere ZiÜorn von 
Buprecht*s eigenen Urkunden abtondern sollen, statt dafs aie 
fetst durch nichts Ton diesen unterschieden werden. 

Was nun die Bearbeitung der Reichsregistraturbdcher seit 
Mmg Ruprecht betrifit, so'mufs man sich freuen, dafs sie in so 
gnle Binde gerathen ist. Herr Chorbelr Chmel, gegenwirtig 
Afcfaivnr im SteataaribiTe »s Wien , dem gelehrten Pnblikum 
üfcoa frfibtr durah aeine »Materialien nur Ssterreiehisoben Ge* 
edrieble« Torlbeilbaft bekennt, hat es fibemommen, die Reiebs- 
registraturbücher von 1400 bis idiQ ZU bearbeiten, welchen rei* 
eben Stofi er dem Publikum in 7 bis 8 Quartbänden mitzutheilen 
gedenkt. Ree. wünscht dem würdigen Verf. Mufse und Gesund- 
heit, um dieses so umfassende Unternehmen auszuiühron, das für 
die rateriändischn Geschichte Ton nicht su berechnendem Vor* 
- tbeU wird. 

Die bis jelst erschienenen Begesten Rnpreohls leisten in der 
.nmt Alles, was man Ton einem solchen Werbe nur Tcrlangen 
bann. Die innere und äufsere Einrichtung ist gan% dieselbe, wie 
• bei Röhmer, nur ist das Jahr der Weihe, der Regierung als 
Honig und als Baiser, sowie die Angabe der Indiction wcggeblie- 
beut Uro. C a fleiOnge und ttichtige Arbeit ist um so verdienit- 



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li^Fi aU woM nor «ehr Winig* XiOtl baim nScIiteB, ete 
grofte Aosabl tbeils ooerbeblicher IheiU im «cMecbtaHeD DenlMh 
abgefertter Urhonileii mit angestrengter Aufmerksanbeit n Iwei» 

Man mufs, wie Bec. aus eigener Erfabrong weifs, sebr gemm 
Acht geben, um »der langen Bede kurzen Sino« mit Bestimmt 
beit anheben zu i(unnen. 

So höchst verdienstlich und lobenswerth Hrn. C/s Arbeit im 
Ganzen ist, so baoo Bec. doch nicht umbin sa gestebea, da£i ev 
Einzelnes daraii auszustellen ßndet. 

Zuvörderst sind die UrbundenaassSge gröfsteotbeila fad m 
weitlaaftig ; freilieb isl es scbwery mit wenigen Worten den In* 
halt erschöpfend ansngeben, diese Bonst wird nur durch längere 
Uebung erworben. Die einielnen VerwiUigungen, die in einer 
Urkunde aufgezählt sind, werden durch ein oft wiederkehrendes 
»Itenxc verbunden, das durch ein »ferner« oder »desgleichen« 
leicht vermieden werden konnte. Nicht selten sind grofsere Stücke 
TOn den Urkunden aufgenommen worden, z. B, aodS« 2353 und 
besonders 2259. Diese Urkunden sind von nur geringer Erbeb» 
liebkeit I und deshalb um so weniger Qrnnd vorhanden , ao grofin 
AutESge daraus aufzunehmen. 

Nicht selten ist unnötbigea Detail aufgenommen worden, «•& 
die Angabe der ertheilten Wappen in No» >755, 2109, 2671 und 
9673, die Namen der Schöffen in Goslar 2846, die Namen der 
Glieder des alten Baths in Lübeck 2721. und die der Bäthei die 
Buprccht's Sohn allezeit zu Bathe ziehen soll ( 980.) 

Nicht tu. billigeo ist es , dafs oft mehrere Urkunden in eine 
* Nummer zusammengefafst worden sind ^ statt jede besonders auf« 
snftibren* 80 werden z. 8. unter No. 788. nicht weniger als 7 Uin 
hunden sutammengefafst, obgleich der Verf. aelbtt in eiaer Fla* 
renthese bemerkt , dafs jede der 7 Stüdte eioe eigene Orbaiidc 
erhalten habe. Ebenso 146a, i85s« 1991 « 9io6 and sd6i. 

Die do Urbunden No. 1071 bis 1 101 , die Hersog Ludwig ala 
BeicbsTicar ausgestellt hat, hätten, sowie auch No. 1 143, nicht unter 
Buprcrhl's eigenen Urkunden aufgeführt, sondern in einen An- 
hang verwiesen werden sollen. Dasselbe gilt von No. 2 — 7, ür- * 
künden, die von den Kurfürsten vor und nach der Wahl Buprecht*s 
ausgestellt wurden. Das Beglaubigungsschreiben der an Buprecht 
abgeschickten Dordmundcr Proconsuln und Consuln (i355.) und 
das gegen Ruprecht gerichtete Bündnifs mehrerer FSrstcii (M>67«) 
gehört ebenfalls nicht unter Ruprechtes Urkunden. No. toi 3« luH 
wohl nur aus Versehen eine Nummer erhalten« Die Nummeni 



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■mute f w amumr €lyMl. W 

349. und 878. fehlen gaoz ; dagegeh haben a Urkundenauszuge 
die No. a634t Tonnutliiioii durch eineo Schreib« oder Drache 
iehler. 

Wm des Itinenir betHff^, io werden hfiafig die an eine* 
T9§$ uad M eieim Orte eoi ge ü e H tea üriiaiitei diirdi Mder« 
M eiKii eadcffn Orlt eusgesteUte« UHuaideo mnle r bro c hea. 0o 
eoUlM «.'B* tte Nrn. afte— 154. tot i5i , die Km. tit— tvt. 
▼or «lOt New tSi. ter 760, die Nrh. soi5 — «019 vor aoi3, 
No. 3383 for 3382. and die Nrn. 3831—83. ood 3884 — 388(1. 
yQV 3879 — 80. stehen. 

Hinsichtlich der Schreibung der Eigennamen von Personen 
oad Orten ist kein consequentes Verfahren eingehalten worden I 
Hr. C schreibt bald Gelre, Gulchei Lyningen, 8waresburg , 
Aulun, Lehiroben, Olme, Winaberg, Mulboien o. e. w. ; bald 
QMna^ iSUeb« Lateing^« Sebwenbvrg, Atleav I«etttbirch, 
OliBi Waiatberg, Mfiblbansaa , und f» Begiatar.alabi Wynspei% 
«ad Wainsberg , Wetflar and Wetzlar. Der allgemeinen Tei^ 
standlichUeit wegen sollte billig die jetzt übliche Schreibart zur 
Norm dienen, wie auch in Böhmer 's beiden Werken geschehen ist. 

Die Sprache des Verfs. ist von Unrichtigkeiten, yeraiteten 
Bedeutungen und Provinzialismen nicht ganz ireL Nicht sprach- 
richlig iii s« B» No. 970» die Huldigung aofzunehmen statt 
•iazanebmea , 896. gepfändet atatt Terpfa'ndet, 963. 
▼ar balle aUtt anhalte. Das Wort »Brief« iat in dar Ba>» 
dratiiag für Urhvnde, la dai ea der Verf. ao oftihnmehtf Taaw 
aiiat, «nd dai io oll Torboanaiende »f arsebaffi« «oHfta billig 
mit dem riebtigera und ▼enlindKeb«m »gibt* tafftasaeln wat^ 
den, z.B. 3633, 3640, 2683, 2707, 2794 und 3807. 

Bec. glaubte diese wenigen Ausstellungen, welche übrigens 
der höchst rerdienstlichen Arbeit des Hrn. C. keinen Abbruch 
Ihun können, um so weniger unterdrücken zu dürfen, als er 
selbst in der Vorrede (& VUI.) freundliche Batbtehläge über dia 
bas aaiaar Arbeit TOnanebaModen Yerbeaservagen oad Aanda» 
raagaa sa erhakan wflnaabt. 

Eioa bSobat daabentwartba Zugabe kt du an^hüngl» aab» 
^rauabbare Begiater^ wodureb der Gebraueb daa Wirrhi gar aebr 
erleichtert wird, and das man bei B5hmer*a beiden Wirbad 
ongern yermifst. 

Hr. C hat seinem Werke 3 Anhänge beigefugt. In dem 
ersten werden einige Urkunden verzeichnet , die Ruprecht be- 
traffan, oder ao ihn gerichtet sind i der zweite enthält 87 Ur- 



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MS Acg^ls von Böbnur and Cboiel. 

* kundenauszüge von K6nig Wenzel oder ihn betMffbnd. SAr 
Bcbätzbar ist der dritte Anhang , worin Sa Urkunden König 
Buprecht''s in vollständigem Abdrache mitgetheilt werden. Ob 
•Utt No- 7y 14, i5, 34« und 3o. nicht bedeotendere hätten auf- 
gMOiniim werden k5nnen, roafs Ref. dakiogestellt $eyn laueo. 

MMMm Mutter bsi nm HMg aapvechl ttMwä gearthiNit» 
4it Ztkm Mf«!! Ar ibo m schwer, odm mit Mdero WorMli 
m wtf ihMQ Aiehl gewaohieii gewefen. kuA unter teiiito flv* 
iNHideo fioden sieh heia« ton betondmr Wichtigkeit ; wtHtMi 
die meisten sind blos erste Bitten, Anweisungen auf Refehuteoet-Of 
und Bestätigungen früherer Privilegien und Freiheiten ; er war, 
wie ein geistreicher Freund des Ree. sieb ausgedruckt hat, ein 
Pfftlzgraf, der königliche Bestätigoogtorknoden aossteUle, aber 
Uk K5mg. 

Den Begeilen Kaiser Sigismimd*t, mit deren Bearbeituii^ 
Hr. C. gegemrfiitig betcbfiTtigt ist, und die die IntereuaMee 
wshrtcbehilioh tehr fiel derbietoD dirftfn, lieht Ree. nil Tei^ 
langen entgegen. , ' ' 

Aus der Vorrede ersieht man, dafli BMimer den Beit- 
raum von i3i3 bis 1400 ebenfalls zu bearbeiten vorhat, worüber 
sich gewifs alle, die seine bisherigen liCistungen (rennen, nur 
freuen können. Von liudwig dem Baier, und den beiden Luxem« 
bürgern Karl IV. und Wenzeslaut sind sehr viele Urkunden theils 
in den grSfWrn Urknndensammlangen theils in Deductionen ge- 
« dmckl, wid der nngedruchten dirflen sich in jedem Aribite In 
betrfcbtüober AnsabI rorfinden. Ree. erliobl sich' Brn. B. «nter 
•nSeni mi Unig*i bekanntes Werk rem landsfisiigen Adel wA 
nerhsam so maehen, worin aiemlieb Tiele Urkenden Lildwig*! 
Md ilarrs IV. abgedruckt sind. 

Die noch vorhandenen Urkunden Ludwigs des Baiern kann 
man ohne Uebertreibung auf 2000, die Karl's IV. auf eben so viel 
und die von VVenzeslaus auf 1000 anschlagen. Rechnet man hierzu 
die Urkanden K5nig Fried rieh's ond Günther's , ^ so dürften an 
sechsteasend Urkunden heranskommen) nnd mithin der nur 97 Jahre 
TO s fc is en de Zeitraam ron 1811 «^1400 eben so Tiel Urkunden anf- 
Mweisen haben, als der rierhnndertfahrige Zeitraum ren ^11 
bii tdiS. 

Hugo in Karlsruhe. 



« 



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il«tUfli«tftr«« PUktungen von Ür. C Wim%9rU»g, Beräb» 

Das schon auftgesUtteU Buoblein «ntbaU Amor «ndPijob« 
nach Apolejas, ond Daphnis und ChloA nach Loagoip Dm 
AlBgf ^ Mdm Ge4M»lila .io ikarm Gatlmiga» «imhvaa, iMoailt 
l^tUMkt w tiMT oeim DaberteUvog ffriftfawi MrwarCil 
•btr war mia dieta Bearbeitang, dia «bot batÜnoMi Grui 
odar Vbrilieil die Form fioderl. A pule jus* aniiabendat Mihrchan, 
das die Alte in der Räuberhöhle der gefangenen Jungfrau erzählt, 
in Stanzen ä la Wieland, und Longus' Schüfergedicbt in tünf- 
fufsige Jamben umgescbmolzen, warum? Der goldnc Esel ist, 
nächst Lucian's beUanntem Werkchen, das Apulejus benutztet 
die einiig not übrig gebliebene Fabula Milatia« die, nach diesen 
Mastern sa nrtbeilen, die Stelle des modernen Romans einnahm» 
Dea Romans wahret Feld aber itl oicbl der idealSsirende Vera, 
mdem die fomiKire Ptosa, welche den Stoff swangloa g<falaltet« 
wendelf tersweigt, und ihren bdchtten Reis in der Nalvetil 
findet. Zwar erbebt lioh Apulejus Anor und Fiyche Sber das 
NiTean des übrigen W^erks , aber doch nur bis in die Region 
derMäbrchen, dergleichen uns Musäus, Tieh, Apcl so meist .Tha(\ 
erzählten, dafs jeder Nacheifernde nichts Besseres thun Uann, als 
iu ihre Fufstapfen treten. Dasselbe g^t Ton Loagus' Werke. Eis 
ist durchaus Pcom ; poSti«cbe, wenn man will, allein doch keine, 
4Ue Geianer't zarte Dichtungen überböte. Anah luhite dies Hr. W» 
IMlbH ; daa beweiet die Wahl der Veraarl, die« ohne Reim nnd 
mü ibien EnjambMenta ond andm« Dieblerfireibeiteii , aieb 4m 
From io tebr nSbert, ala et 'moglicb iat| ohne mit ibr sosani» 
menzofallen. Daher bedauern wir den anverbennbaren FleiTs, 
den der Verf. diesen Arbeiten widmete , und obgleich wir sie 
mit Interesse lasen, so sind wir doch überzeugt, dafs sein Talent 
aich in schönerem Liebte gezeigt haben würde, wenn er ent* 
. .weder Eigenes dieser Art gegeben, oder daa Antike autpruchloa 
nachem£l|lt hatte. Die Leichtigkeit, womit er Verse zu roaehw 
iobeinlt rerleitete ihn wobft, «ich freiwillig Fenein aninlegpB 

Betrachten wir denn das so Dargebotene etwas genasef. 
Zuerst Apulejus. Ilr. W. halle bei der ümarbeilung dee be- 
rfihmten Mahrchens Marino's No?e)letta vor Augen ; daher auch 
die Stansenform. Dafs er ror dem Italiener die, in der Vorrede 
* nngedevlelen, VoMflge bat, iat augenicbeinlieb. Ueberbaupt aber 



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i4» WfatatlMg r lAtfluBodsnie Uflbliiigw. 

wird seine Darstellung immer gefalliger, und wie schon die Bvobau 
rung von Granada des Bearbeiters Fortschritte aaF diesem Felde 
bewies, so beleidigen hier wieder ungleich seltener als dort 
IMme wie Weg Gespräch (S. 37*)i ungewohnten Mon- 
den (S. 4i.)i Nöthen betraten (S. 66.), besteigt erreicht 
48.6a), BUfen FufseD (8* d6.)| oder SpraobwidrigM wie 
Er tritt Im Tempel ein, & «3« nnd das Uoterrtri^aoe ia 
dieeer Stelle der 74. 8tanse : 

mit geheimer Last 

ZShlt lie den Tagen nach, den Wochen ttDct-den Monden». 
Wo nun die frohe HofTnung, die sie hegt, 
Erfüllt im Anblick eines Kinde« würde. 

Dafk 8. 71« Teno« ihren gSttlicben Sohn armer M tusch nennti' 
ist ein Verstofs, wie er einem etwas flSchtigen Arbeiter wohl 
begegnen bann. Noch strengere Anwendung der Feile wird leicht 
in der Folge davor sichern. Schönheit für Schonheits- 
• albe oder Schonheitsoi, S. 81, eine zu treue Uebersetzung 
Ton formosUtu, sowie dieses von Homer s %dXXo(, , mochte schwer» 
lieh Biiligaog finden. Geber £ntstebong , Inhalt und mysteriSsea 
8inn dee Mahreheni ist in der gut getcbnebenen Vorrede alles 
li6thige SQtammengestellt. 

Was nun Longns* Schiifbrroman betrÜIt, so bewegt sich 
hier Hr. W. aas dem Torhin angedeoteten Grande noch weit 
freier und natttrlicber» Fast nirgends gewabri man PKebw^rter 
oder Pliehgedanben , in weleben sogar Wieland and Arioato 
der Förm snweilen Opfer, %ber scbSn^ersierte , bringen. Mia 
Mett ohne Anstofk fort, and das Ganse des deutschen Gediebts 
hinteriafkt einen eben so angenehmen Eindruck als das Original, 
ongeaebtet dies die ungleich mannigfaltigere Gestaltung der Diction, 
wie Longus^ Prosa sie erlaubt, ja bedingt, vor ihm voraus hat. 
Dagegen huldigte der Deutsche dem Geschmack und dem sittli- 
chen Gefühl der modernen Welt , berichtigte manches Antiqua- 
rische aus Horner und Theokrit^ kürzte die Längen, and striob 
okm Barmbersigkeit mfifsige Wiederbolongen , worin der gote 
8efibisl sieb gefkllt. Demuiigescbtet ist das Vergnügen, dA die 
Lesung dieses idyUiseben Epos voll maaoberlei romanliseber . 
Seenea gewSbrt, nicht angetrabt; allein davon triigt heineswegs 
der Bearbeiter die Schuld , sondern der Autor selbst. Denn 
trotz all dem Scbiinen, was Ur. W«, som Theil mit Hecht, yon 



« 



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I 




^ilMHi in dflv Vomde sagt , Mtet docli I^ongut an einer ge^ 
wiam Mmre wid 'HYockeBhek } aar so oh erlahaMo der Ehi* 
kikhHigilirsft die F16gal, nml das Bestreben , AHei gleiebam 
tyatemetiteh an entwlclielii , «od das Wanmi des Warum m 
flnde« , stiel in ünnatnr ant. Dabei febh es an jener lisiterB 
Laaoe, die in Lucian's Werben den Hintergrund der Gemälde 
bildet ; die Erzählung geht schlicht und regelrecht ihren Gang, 
aber die Bewegung ist zu trag, um reizend zu seyn. Wer bann 
die erotischen Versuche der Liebenden, dies ewige Tantalisiren 
dsrJSiator, ohne Lächeln lesen? lUnnte Longus nicht die Macht 
4st Instinkts ? oder ignorirte er ihn nit Fleifs, um kunslKeh 
anf iifiteft l^ni wegen so ersehleieheai was der Instinkt ins Sprunf 
erreiebt ? Fast soheim es, dalSi er in solchen Scbildiroagea ri?n« 
Üsirend , einen Gegensats mit dem damals Tielgelesenen lAidan 
sncbte, der rielleiebt auf der andern Seite . manchmal so weit 
geht. Wenigstens sagt er ja im S.Buch, am Schlufs des 18. Ka- 
pitels , ganz verständig : avT^ ^äf i} <fvGii Xombv inaidtvat, 

Daher kennen wir nicht umhin, anstatt in das beinah* unbe» 
dingte Lob Muret*s (Yar. Lect. 9, 16.), Scalig er 'a (prae£it. 
•dir« Jongermanni)| Hfiet*s (De rorigine des Romans S. 114« 
vnd isS. der Pariser Ausgabe Ton 1711*) 9 ¥illoison*s (Pkviegg, 
pb 36.)f ond des HrmW* selbst, einsostimmen, Tielmebr den 
Xfittelweg J. Danlop*s sn wiblen, der neben Longas* Vor» 
sllgen seine Mängel nicht ubersieht, ond dessen Urtheil Herr 
▼ on Sinner, der neueste und gelehrteste Herausgeber dieser 
Pastpralia (I>ongi Pastoralia. E codd. Mss 2. italicis • primum 
graece integra edidit P. L. Courier. Exemplar. Rom. emendatius 
et anctius typis recudendum curavit G. R. Lud. de Sinner. Paris» 
£xcud. Firrain Didot etc. 1899.) unterschreibt. Da des Britten 
Bocb (The bistorj of Fiction, s. ed., L Vol., Edinburgh tdiö.) 
bler so Land' selten Ist« so setsen wir die Hanptstelle fiher on* 
eem Dichter ( Sinnen praefat. p. 53.) her* Sie laotet so : »The 
pnstoral Is in general Tery beentiftilly written j tbe stjle, tboogh 
it has been censured on account of the reiteration of the same 
forms of expression, and as betraying the sophist in some pas- 
sages by a piay on words , and ofTected antithesis, is considered 
as the pnrest specimen of the Greeh language in that late period; 
tb» descriptions of mral scenery and rmral occnpations are ex* 
tvtm^jr pleasing, and, tf i may ose tbe espmsioo, tbere is • 



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1 



lü Wiatarliiig« AjnülumMbrKa« Dichitti!««!. 

9ort of araenitj and calra dUSused OTer the wbole rooianee* 
This , indeed, may be considered as the chief eacellence in a pas» 
tgral ; since tve are not so much aÜured by the feeding of sheep 
tkß ^iUnßss 9f the couiUry, In aä mir actiif^ pursuits, the 
fad prop^Hd is tranqMUy, md evm oiAfi ere lote M« i^M 9f 
koppinm» <v« atirüfiUd kf tkat öf m)»«m v — * Am» im mt 

»/b some respec/s, hoa?e\>er, ihis romance, although its excellen-' 
des, ate many, is exiremely defecti^e* It displays little varicty, 
•leept what arises frpm the Ticissitade of tke eeMont. Tb« 
i»crtibip of Daphnit i» lo Ibe \M degree roonotonons, and tkd . 
•onreffttiOM between tb« lo?m extremelf kitipid. Tbe taiyft^ 
logM tilet «re tolttllj «mtemtifis , aad Mmetimei tök 
tMf Wppily introdoeod. 

«Although the f;eneral moral atlempled to be inculcated in 
tbe romance is not absolutely bad, yet tbere are particular pas« 
- saget 80 eztremely reprebensibie, that I know nothfng übe Ibem . 
Id almoft aQjr worh fvbafever. Tbit depravity U tbe lest etcns« 
'M9j it il wat fbe pfofetted dettgn of tbe aotbor to paiAt a . ' 
Üate of tbe mott perfect innocence.« 

Was diese NuditÖten betrifft, so bat allerdings Hr. W. Recbt^ 
sie nicht so hoch anziischia^eit als der ehrliche Schottiänder, der 
hier über Longus abspricht wie über einen Fi-eldiog oder 
Smollet. Gleicbwobl glaabeo lyir aocb bierin eine Spur jeoei: 
Nebenbuhlerei zu erliennen , die .wir oben andeuteten, Bebaont» 
lieb feblt et bei Lociab mcbt an tolcberlei DartteUangeo, uni 
ihre Wirkung* aof die damalige Letewelt bonnte dem BeolMcbteB- 
' blick' unteret Antort nicbt entgeben«- Wat Wunder« daft es 
. dfertSebtig nacb dem, nicbt bocb bangenden, Krame griff?* 
Seben wir doch dieselbe Erscbeinuog häufig genug auch in der 
Tagtliteratur. 

Der Ter baff lebt zu Long«» antbaU aoab E img et » ukm 
daa ww «at ger» aul Hrn. W« Tentaadigten. 8» io6» lagl er i 
i^Nalnrtcbilderoagaa tiod bier« aum £e)iaf einer lebbaftemi Kai«; 
flUtvng nMntcblicbev Zattande, niebt sa aabr gehäuft. Waa» 
darf aber fiberbaApt in diätem Stuck Toa elaam Gria?» 
eben nicht zuviel erwarten. Nicht an Einer Stelle 
wird| wozu iiish docb leicht Anla/a ge.giabea hät^a«! ' 



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an« die Schilderung einer gestirnten Neoht gegehea^ 
ftieraenschimmee and Mondeaeohein iet, wie alle Sea* 
tiaientalität, aae diesem lebenewarmen, tageabeitmM 
GMiiil^e der n^entcblicben Natar ginslich TfijJMilnii. 
pStifar 4BHf.rach USoft aof gewiaso Untench&ede hinaot, dii^ 
pebr eingebildel ala ivirhlioh «cheiofen, Ea ist wahr, die alte 
Welt hat keinen Thomson ; dennoch fehlt et ihr nicht an Natur- 
Schilderungen ; nur sind sie nicht so gehäuft ond so ausführlich 
als die der Neuern, und zwar, wie uns bedunht, aus dem 
Grande, weil die Alten, weit entfernt von unserer Stuben sitzerepi 
anebr in der Natur lebten, sich gleichsam mit ihr identificirü«. 
jIMvi bei ihren Schilderangen sie entweder yoraiusatsten, aU Toa 
89l|bf|;;^ftandlicbe8cenerei, oder nor oiit £iaem hriftigea Zog». 
|(m^||}hiietC9» So erwähnt Vater Homer gar oft den Stevohimmel 
{f^^fl^ Finder (Oljmp. 3.) die, ToUglinaendi 

im Goldwagen hertch webende Seiana, Moecbua ond andre Idyllen, 
dichter das Meer in seinen mannichfachen Erscheinungen. Und 
was bt sentimentaler als licktor's Abschied von Andromache^ 
Patrohlos Flehen um ein Grab , Priamus' Zusammenkunft mit 
Achill, oder der melancholische Hinblick des Dichters auf Troja^ 
wie es einst war, im Schlufsgesaoge der Ilias ? Auch die söge* • 
nannte Bomantib , wenn man sie nichl auf daa chriftliche PHndp> 
bepcMnlili, lebl i|nd webt ia Home/s IKchlaogen, beionitci 
d^ Odjstee, ond alle Dichter der Folgeieit in Oid( und Weit, 
^^fi^ jafia dieaem Borne geschöpft. 4 ^ m 

.Hoch weniger billigen wir die Aengstlichkeit, mit der Hr. W. 
aellieo Vers behandelt. Er hat ihn , wie er ruhrat , weder dareb' 
vielgeelaltige Versfufse imnirt, noch io Qoantitit ond* Bolomig- 
dov Worte aicb Freilieilen erlaubt, »wodareh wir« — aeioe^ 
Worte aaaa gleiehaam in Bbdclf WeUMrio*a Mt* soriitbL^ 
▼oraetsen, ond, wie daa ifohl^ in den somanisebeo Sprachen, 
aber nicht in der deutschen ^ angeht , die blofsen Sylben zahlen ; 
ein Uebelstand , den schon Opitz und die schlesiscbe Dichter- 
schule glucklich zu beseitigen gewufst.« Unter den vielgestal- 
tigen Versfüfsen meint der Verf. Anapasten, Daktylen, Spondeen, 
welchen die feinhörenden Hellenen Zutritt in ihren Jambus ?er- 
atatteten, «m detten einförmigen Hammerachlag zu mildern. Wae 
wäre auch ona deotschen Dichtern mehr zo wSnacben, ala jener 
. hochbegabten Sprache 0i||lbrfla&^ an AnapSsten aad Spondeen ? 
Nalllflicfae Daktylen ond Spondeen haben wirs io lafst aie uns 



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MB" Wi«t«rUjiga AaüJcmoderae Oielit u ^gWL 

denn gleichfalls benutzen , ^ie jene Meister, and ehren wir auch 
die Bemühungen der unsrigen, dem metnicheo Bhjthmui di» 
«(Sgüchit« MannicbfAltigkeit sa TertclMiffM« 

MifliTerftaBdeD ist, was der T«rf. über QotDtitit ond B». 

tonung der Worte sagt. Er tadelt den Gebrauch der IVochtefi 
anstatt der Jamben im jambischen Yersmafae , besonders vorn ; 
einen Gebrauch, den neuere Dichter mit gutem Bedacht wieder 
eingeführt haben, nachdem ihn jene schlesische Schale zum Theil 
— Flemming z. B. nicht — verpönt hatte. Warom nennt 
HrwW. Wekherlin als Repräsentanten dietei Gebrauchs? warum 
aielit Lother, Hint Sachs, die Minnesinger, Notker, Olfried ? 
Ihid warum wire- er nur den romanischen Sprachen erlaubt? 
Gleich ihnen ist aodi die deutsche Sprache, genau genommen , 
•Ine blos accentuirende : also steht sie mit jenen auf gleicher 
Linie , und hat gleiches Recht. Auch ist die Metril* jener Dichter 
keineswegs blofse S) Ibenzöhlung , dergleichen sich in Keiner Poesie 
findet, sondern Dindrängung — man erlaube mir den Ausdruck — . 
und Steigerung des Verses in Einen Hauptaccent, dessen krif* 
tige Wirkung verkennend Opitz und seine NachäfTer ihre Accent- 
chen Fufa fSr FoTs hSuften, gleicl^ schlechten Schauspielern, die 
jedes Wort durch den Accent heben wollen, anstatt den ganten 
Gedanken sn betonen, nach Art der Iffland ond Bethmann. 
' Pieeer Haoptaocent liegt am natSrüchsten in der Mitte des Tersesi 
ond dahin verlegen ihn sonach die romanischen Dichter und die 
neuern der Deutschen, nach dem Beispiel der altern. Wie ver- 
ständig diese Sitte sej, und wie sehr sie besonders die populären 
Gattungen der Dichtkunst, unter andern das Drama, der Natur 
nahem, haben wir in der Vorrede zur Uebersetzung von Mo«f 
1iere*s Mannerschule angedeutet , wohin wir der Mfirao halber , 
finu W* ond die Leaer der JahriiQcher Torweistn* 

Dr. Boike, 



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N*. 23. nEIDBLBERGER 1836. 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 

• • • 

1) a. Cenni iugU avmnzi delT antiea Solunto per Domenieo lo Foto 
Pietratanta Duca di Serradijaleo. Palermo datta tipografia di 
Fflippo Soll, 18S1. 17 Mit 7 Kupfertafeln, kL FoL (Mit einer 
Jufkekrift an Herrn Profetior Ed, Gerhard.) 

h* L9 ^ntichitä deUa Sic Uta iespotte ed itluiirate per — Hü«« di 
StrradifaleOj »oeio di varie Aceademie. Volume I. Palermo, Tfpth 
gnfßm M WmrmU UtHrmri*, 18M. 144 S. Mk M Ttifdm. M. • 

«• IhutiUm ITerfet PUmm If. PoImo, pmf Judrm Mmi^ lit4* 

.2) Reeherchee »ur Vemplacement de Carthage y »uiviea de Renieigne- 
tnentt nw plutieuri Interiptions Puniquci inedite«, de NotiecB histori- 
' fue» , giographipt— et«. Am9 U Plan topograpkique du terreiin et 
, äm BiKhm 4i I« «flb tee Inr dUi mtml el eiuq autna pUmeh^^i 
par CT, Fatk9p Capitaku de vtAtmm tt Confitl-^^iiM 4» Itait- 
Mrk, MW m RoL Porie« I^hM, ^ oiileriMlibii dm Aei» a 17»- 
' prteerfc Beyd^» IMS. 1S4 A ifr. 8. IfCr eliic» ^fae. fo M. 

Zi) Abhandlungen der Philosophitch- philologiechen Claaee der königlich 
bayerischen Akademie der ff issenac haften. Erster Band, Mün- 
chen. ÄuJ Kotten der Akademie. 18S5. Gedruckt in der Mich. Lim- 
d«mer*Hikem Hofhu§ k dr mkml IF mmI 64€ fi. mmI Ift fllMcrta/efii. 

4) Ferteiehnif» der antiken Denkmäler im Anttqtutrium det kdnigl, 
Museums zu Berlin. Erste Abtheilung. O aller ic der Fasen. Rnt- 
tPiyrfcn von Konrad Levezow. Mit 24 Kupfertafeln. Berlin. Ge- 
druckt in der Druekeroi der JnaigL Jkademit der H^ümateäafien^ i&M« 
XXX und S76 Ä\ gr. 8. 

i| ■HiNwill Fmwaktmi^ d^ mtik^ ^artiaft gaachnittenen 
Steina dm kduigL prm^eiecbea CmmeueammUmig* Fon Dr. B. H, ^ 

Tilken, ord, Professor der Kuiutgeeehiehte u. s.w. Berlin, in der 
Druckerei der kMgl Akadamk dar Wüeeaeekqftea^ 18ft4. LXFIii uad 

9} JfaUmt dm$ fagaOa U aet prouvi ^'ant «MdUe partaai Utdfdm 
rM Unat Jtfr^t de ^AptHaakaida m'm jte asteti gm §§ loi w i fM 
wdtt9 9 aöei pfdtaada f9gaaat9 ^ wa widn jtn9* Ataat am plneAi graaia» 
0e« e^uarwaoarg^ iw wwu^wawsa • •■«www ^^^m^Mv wot wvwv^w 

. 1888. 8A ii.Ai. 

1) I/^teef ryonopAore, l^etcrlptto» d'une «tattie antiqwe dm PtdaSt 
hapMäi de te TamUh. Aaae ime piamek$ mkagr opH i $, Ü, i NN » 
»Mr^ (m rfi r t i i i ei i IKradMi Üü^ 88 A M. M 
XXIX. Jabjrg. 4. Heft St 

« 

I 

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8) Erläutmmg tkua von Point Paul Rubeno an Nicoiot Claude Fabti 
de Peiroic gerichteten Dankachreibcna. Nebst einer Eupfertafel* St. 
ietihurgf aus der Buehdruckerei der kaiserlichen Akademie der Wissen^ 
echaften, 38 S. kl. Fol. (^AUe drei Abhandlungen aus den Mimoires de 

VAcademie Imperiale des Sciences de St. Petersbourg. Soienooo poUH" 
quee» Tom. III. Qmo lAvraUon. botondere abgtdrwelU') 

lodern ick die Leser auf meine eiolettendea Betnclitangeo 
des gedeiblicbea Wecbslliamt der Arehiologie io deo leiste» De- 

oeDoien (im Jalirgang i834. No. i6 und 17. dieser Jahrbucher) 
verweise, fahre ich fort, von den hier genannten Werken Bericht 
abzustatten. Da aber der beschränkte Baum unserer Zeitschrift 
mit der Zahl der angeführten Schriften und mit dem Umfang 
einiger derselben nicht im Yerbältnifs steht, so werde ich diesmal| 
mit Unterlassung einer genauem Inballsanaeige« auf einige Be- 
merhwigen mich einfcbranbea 

' leb wende mich sofort zo den unter No. 1. yerseicbnelen 
drei Werken des Herrn Herzogs Serradifalco. Dieser Ar- 
chäolog tritt auf eine vielversprechende Weise in die Fufstapfen 
•eines erlauchten Landsmannes , des Fürsten von Torremuzza ; 
und "wenn es schon erfreulich ist, in Personen t6 hoben Standes 
Beschützer der Künste und Wissenschaften tu Terebreoi so^irt 
es h5cbUch ermuthigend , sie selbst als Kenner «od Mitarbeiter 
anftreten, nnd die ihnen su Gebot stehenden reichen Mittel anf 
ebe grolsartige Weise snr Forderung einer Wissenschaft, die 
ihrer so sehr bedarf, verwenden zu sehen. Wegen solcher Ge- 
sinnungen und Leistungen wird nun in der Kunst • und Literatur- 
geschichte auch der Name Serradifalco neben Torremosua aof die 
Nachwelt kommen. 

Ueber den Plan des griffsereii Wellie erhlM Mk der Bei« 

Verf. in der Introdnaione p. VL fblgendermaflMn : »Cld^i e mhra l o 
ben fatto per la cottpiunta iotelligensa del nostro lavoro oflrire 

primieramente vn rapidi cenno degli avvenimenti piu notevoH 
delV anticha storia Siciliana ^ accompagnato da una carta geografica 
dcir isola nostra , e da un qundro sinottico, nel quäle alle antiche 
ciitä corrispondono i nomi moderni. Terra dietro Tesposizione 
de mnmmenti tottaria esisteoti, a cominoiar da Seges/a e termi- 
Dando a Sohmto, sempre precednta dalla somma d» pnncipaii fatti 
deäe ioro paräcolaii üiarie»€ Es ist also hiermitt eine antfty arisd»» 
historische Bondreise . dnreb die merbwOrdifi bmtH QUUim m> 
feb6ndigt und hereile mtsenoiimeai 



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von Duca di Serradi falco, Falbe, Tdlken u. A. 855 

Da der Hr. Verf. die Beschreibung der alten Stadt Solus, 
welche er hier als Endponlit bezeichnet, als Probeschrift vor- 
ansgeschickt hatte, und diese weniger bebannt geworden; so 
habe ich letztere in meinen Bericht aufgenommen , und will 
einige wenige philologische Anmerkungen darüber machen. 
S. III. lesen wir: »Questa citta, che i Greci disscro ZOAEIS 
o ZoXov^ ed i Romani Solus, Soluntum, Solentum, trae l'origine 
dai tecoli piii remoti« etc. Jener erste griechische und dieser 
letzte lateinische Name ist unstatthaft. Hätte der Hr. Verf. die 
Stelle des Stephanus Byzant. (p. 678. Berkel) und Holsteini An- 
merkung dazu (p. 3o2.) ganz eingesehen, so hätte er sich davon 
überzeugen ki)nnen. Der Name des Orts war im Griechischen 
ZoXof ^ , im Genitiv ZuXösyTo^ , und ein Burger der Stadt hiefs 
ZoXot-yTtof oder 'Lokovvxivof; ^ eine Bürgerin ZoXovvtI^, 2o- 
Xovi'TtvU und ^.oXovvxidq, Was das Lateinische betrifft, so 
mufs in der, vom Verf. (p. VI.) selbst angeführten Stelle Cicero*8 
in VeiTem Act. II. (nicht III.) lib. 2. cap. 4^9 so wie II. 3. 48, 
Soluntinus und Soluntinorum , nicht Solentinus, Soldntinorum ge- 
schrieben werden (s. Zumpt zu den Verrinen p. 389.), wie denn 
auch die älteste Handschrift (cod. palimpsest. Vatican.) an der 
ersten Stelle wirklich Solutinus (lies So/u/itinus) giebt ; wonach 
auch Eckhel ( D. N. V. I. p. 241») zu verbessern ist, der übri- 
gens bemerkt, dafs auf den Münzen dieser Stadt einzig und allein 
die Schreibart ^oXovxlvmv vorkommt. Derselbe belehrt uns 
übrigens, dafs manche Münzen derselben Stadt, so wie die von 
Panormos und mehreren Orten dieses Küstenstrichs punische Cha- 
raktere haben , weil die von den sich ansiedelnden Griechen nach 
nach und nach verdrängten Phönizier sich in diesen Orten am 
längsten behaupteten (Tbucyd. VI. 2, der namentlich diese drei 
Orte: Motya, Solus — ZoXöiVTa — und Panormus nennt, eine 
Stelle, die in vorliegendem Werke p. IV, so wie mehrere andere, 
sehr fehlerhaft abgedruckt ist), und weil auch die Karthager im 
Besitz dieser Gegenden gewesen waren. 

Die Bildwerke auf den Münzen dieser Stadt stellen verschie- 
dene Gottheiten dar, namentlich den Juppiter (Torremuzza Sicil. 
vet. num. tab. LXVII. nr. 3.) und den Neptunus (cbend. ro. 4« d*)* 
Dafs diese Stadtgütter nun auch in gröfsercn Cultusbildern ver- 
herrlicht worden , von denen jene Münztjpen nach der herr- 
schenden Sitte des Alterthums nur die verkleinerten Copien waren, 
beweisen die durch neuere Ausgrabungen gewonnenen Bildwerke* 
Auf den sieben angehängten Kupfertafeln sehen wir nämlich vorerst 



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IM AMUologiMli-aiili4«ariMlM Sahiiftaa 

ArciiitelitiirrMte, Ctpitelle, GctuM u.9.w.; 4ami auch Cuide- 
laber und dergl. dargestellt ; daim aber auch die «tuende Statut 
eines halbkolossalen Joppiter (den der Yerf. I8r eiaen Jnppitar 

Cooscrvator zu halten geneigt ist, p. yill.)^ ingleichen Bracb» 
stüclie eines aadero Bildes mit einem Dreixack , also des Neptaaus 
(p. XIV.). 

Wir wenden uns Ton dieser Probescbrift zum Hauptwerk« 
(i. oben No. i. b. €•) soruck. — Der nach dem aten ertchienena 
iste.Baod gtebt so?6rderst eina Uabersiahl der attM Gaachioliia 
Toa gani Sknlien^ iodana eine vergleiclieada Taballa dar altM 
und. nenern Namen der Oerdiabhaiten dieaar Intel {wönacb « oai 
die hier behandelten Städte sogleicb an bemerlien, das alte 80- 
luntum auf Monte CatalFano gelegen war, Segesta auf Monte Bar- 
baro und Sciinus auf Terra de' Pulci), ferner eine sehr sch5ne 
Karte yon Sicilien mit Angabe der alten Strafsen, endlich eine 
knrae Special geschicbta der Stadt Segesta und eine Besobraibung 
ihrer Altertburaer mit den dazu gehörigen Abbildungen. — Blit 
dieser Karte ond Naasantabelle Yardient die in demsalba« Jahra . 
(iS34) an Berlin erscbienena dea Hm. Dr. G» Parthay, mäl 
dessen dasn gehöriger Schrift : Sidliae antiquae TMU mumäcH^ 
yerglioben an werden, worin Ton den Qnellen ond HSlftmitteln 
der siciliscben Geographie sehr grundlich gehandelt, vom Itine- 
rarium Antonini durchweg ein kritischer Gebrauch gemacht ; 
so wie denn auch der Karte selbst das Sicilien enthaltende Segment 
der Pentinger sehen Tafel beigefugt ist; wie denn Hr. P. auch^ 
da er seine Karte mit weit mehr Namen ausgefüllt als Ur« Graf Si^ 
bai seinem kritischen Verfahren den einaelnen Ortsamgabaa inaA* 
chet Frageaeichtn beianfugan gaaMigt war« 

In der Betchreibiiag yoii Stgtsta bringt dar Btrr Htrzog 
mdirera Intchriften bei, wovon einige aach Ton An. Vag^ 
giere bekannt gemacht worden. (S. Due Opuscoli archeologici 
di Niccolo Maggiore, Palermo i834. "nd zwar im ersten Tbeil^ 
der einen archäologischen Bericht über eine Reise nach Girgenti, 
Sclinunt , Eryx und Segesta enthält. — Derselbe SohrilUtellar 
bat a Jahre früher das Bild eines Hocbaeitsaags auf einem gri^» 
idiiscb -siciliscben Gefäfse mit Beüügiing einer Alibüdang btkaaat 
ganachu) Ich will aoa den llunsen diäter Stadt Aalaft BehnMi^ 
mit meinen philologiscb.archäologitohan Banarlningan ^m^ai^ 
Mren. Der Hr. Daoa di & hat swei Tertrafflicha MadaiilaAf 
eine bronzene und eine silbjsrne nach Torremozea and Forcella, 
als Titelfigaette vor diesem Abschnitte aikbilden iassea. Beide 



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von Duca di ScrradlfülcOt Ftilltv, Tölkon u. A. 



gehören der schönsten Zeit der griechischen Munzprägekunst an. 
Die erste zeigt auf der Kehrseite den seinen Vater und die Haus- 
gotter tragenden Aeneas, die zweite auf der Vorderseite einen 
schönen unbekleideten jungen Mann, den zwei Hunde begleiten. 
Letztere giebt dabei die doppelte Schreibart drs Stadtnamens : 
Egesta und Segesta ; worüber der Yerf. (S. 137.) richtig bemerkt : 
»Per le quali cose possiamo conchiudere, che non solo pria 
deir arrivo de' Romani da?asi a questa cittä il nome di Segesta, 
ma che ancora Egesta e Segesta solevasi promiscuamente deno- 
ininare.« Beide Münzen aber haben die zwei Hauptsagen vom 
Ursprung der Stadt in Bildern erhalten. Die eine berichtet Dio- 
nysius Ualic. I. 5a : TcKfi^i^ta Hl t^^ ti^ 'ILiHiXohq Alvstov t£ xal 

IS^vfiipov iv \ly iaxri, Dns ^EXvftov hat man in "Epvxo^ zu ändern 
Yorgeschlagen. Viel sanfter wäre *E(jvxov, und derwahreName 
jenes durch den uralten Venuscult berühmten sicilischen Berges ist 
E r y c u s (s. Zumpt zu Cic. Verr. II. 8. p. 256.), und wirklich hat 
auch die älteste Handschrift, die Vaticancr , jetzt zu Anfang des 
47Sten Capitels ebendaselbst : in Eryco monle. — Die zweite Sage 
erzählt am kürzesten der neulich edirte Mythograph (Mythograph. 
Vatican. I. 187.) : »Laomedon — aedificata sibi a Neptuno et 
Apolline Troja, dum promissis eos fraudasset, Neptunus iratus 
cetos grandes urbi immisit. Pro quibus consultus Apollo respon- 
dit : Objiciendas nobiles puellas beluae^ <^uod quum fierct, timens 
Hippotes filiae Acestae ( Mylliogr. Vat. II. 193. Segestäe) — im- 
positam eam navi misit , quo fors tulisset. Hacc ad Siciliam de- 
lata ab Crimiso fluvio, converso in canem Tel in ursum , com- 
pressa, Acesten edidit ; qui ex matris nomine Trojanis ci?itatem 
condidit , quae hodie Acesta (Mythogr. II. richtiger: Segesta) 
nominatur.« Diese Stiftungssagen hat bereits Heyne (Cxcurs. I. 
ad Aeneid. Hbr. V.) vortrefTIich behandelt. Ich beschränke mich 
auf einige Bemerkungen über die MSnzen , weil diese, wie nicht 
leicht bei einer andern Stadt, die Ausbildung des Symbolischen, 
die Verfeinerung des Technischen und die Veränderung des Pa- 
läographischen aufs Deutlichste Tor Augen stellen. Servius (ad 
Aeneid. V. 3(>.) fHgt der obigen Stadtlegende die schätzbare Notiz 
hinzu : »llujus rei ut esset indicium, numum efligie canis per. 
cassum Sicult (d. i. von Segesta) hahuerunt.« Denn eine ganze 
2iahl der älteren Münzen dieser Stadt zeiget uns auf der einen 
Seite das Bild eines Hundes, d. h. des in einen Hund sich vcr- 



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ftftd Ardwologitch-anügiiamcho Schriften 



wandelnden Flösset Krimissas. Wincilelmann hat in der Geschichte 
der Kunst (VI» i* S. 157.) diese Münzen seiner Aufmerksamkeit 
gewürdigt ; und einige Versehen des grofsen Mannes hätten die 
Herausgeber der neuesten Oresdn. Ausg. (a. a. O. und S. 249. 
TL a ) berichtigen tolleof und leicht Uonneoi wenn sie die schS» 
nea Bemerhaogeii des Brn. ron SohAchinann im CeUlogoe raif 
«Ottfid d*iioe collect« d. ned^ille» p. 55 cq.) beoatit halten* IHm 
Yergleichnng hatte auch den Heinr. Meyer in tefner eignea Ge- 
schichte der bildenden Rfinste IL 8. 927.) Tor einem Irrthnme 
bewahren können, der übrigens von diesem oralten Munztypos 
folgende gute Beschreibung giebt : » Merkwürdig ist eine Münze 
der Stadt Segesta, auf der Vorderseite den Hopf der Diana von 
ganz alten Style enthaltend, mit dratbartigen, im Nachen zu einem 
Bündel gesammelten Haaren ; die Stirne niedrig und sehr zarucb* 
gezogen, das Aoge hoohüegend, nahe an die Nase gerückt« nicht 
im Profil, sondern wie ron ?orn geseichnet, das Kinn betsMiU 
Kch Torgescboben o. s. w. Aof der Kehrseite hingegen eraehiMit 
•in Hud, meisterhaft mit edler Knnst gearbeitet, alle Theile 
übereinstinimend , die Stellong sehr nalGrIich, dss Ganse wie 
belebt.,« wobei er auf die Münzpasten Ton Mionnet No. 292. Ter« 
weiset. — Wir haben von dieser Silberraünzc ein wohl erhaltenes 
Exemplar im Originale vor uns liegen, und zwar mit alten Cha- 
rakteren^ ganz wie sie Mionnet (Dcscription pl« XXXIV. No. iiS. 
116.) abbilden lassen, aber ^ von der Rechten anr Linken geschrie* 
ben, die den Namen der Stadt und Stadtnymjphe Segesta gehen, 
denn dieser und nicht, wie Mejrer berichtet, der Diana gehSref 
jenes vngraziSse Hanpt an« In dem Hönde der Kehrseite haben 
wir non den ftltesten MSnztypos dieser Stadt, die roheste Sjm» 
boKh, die den Hand, worein der Ftofsgott sich rerwandelt hatte, 
direkt darstellt, ond an jene Verwandlung der vor dem Typhoeus 
fliehenden Götter in Thiere erinnert, d. h. eine Symbolik, welche 
eine Spur eines uralten ägyptisch . griechischen Thierdienstes auf- 
behalten hat. Nun berichtet uns Aelianus im Capitel von den 
Flofsgestalten (V. U. IL 34.) : Ai^faTaZoi 91 %bv Ili^vauia 
tibi %h9 KfftffticaÄy »al xhv TeXficatfAr dy^^dr TifiArtv, 
(Unser Cod. No. i55. hat fehlerhaft Aljrtirvaiosj aber Al/Iorav 
liat auch Strabo XIII. p. 608L B. p. 38i. ed. Tssoh. und Al^s. 
9xalmv die besseren Codd. des Polybius ; s. Schweigh. au L s4« 
p. 2i3. *— Den Flursnamen giebt Cod. Heidelb. H^ifincrov, wie 
Plutarch. Timol. cap. 9,j fin. Das Richtige wäre wohl K^tjic- 
Q u y.) Der griechische Sophist kannte also die älteste Uarsteliung 



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t»» 9mm M liiiiüfilin > W9»mt Tillmi.«.A. 



flaftgenai HiWm aiilit, ont Serfio* b^ünHil gemtcbti 

wohl aber die zweite. In dieser zweileo Darstellangsweise macht 
die Kuost eine Prolepsis, zeigt uns einen Jungling, der in einen 
Hund verwandelt werden wird, und giebt ihm das alte Thier- 
symbol als Attribut bei. Mit dieser Dmwandelung des Sinu- 
^üdet gdlt nun auch die Muiisprigehunst allmählig weiter, und 
griiBgl MB Ende dMm , uns den Fiufigott in fmvt herrlichea 
Hmi>tBi>il|f#ti§e> m bdiuiao, wie wir ihn rmt swei Händen 
tuläill iNtf der. oben benerkteii Titelvignelte naeh einer Silbeft- 
ni<ilef?4en -triiteten Stile eosgepiägt sehepb Dee weren jene 
Egestaer, bei denen die Anerbenonng des Sohren sieb am ttirtiJ 
sten ausgesprochen, als sie dem schönen Philippus von Kroton, 
dem Sieger in den Olympischen Spielen, ein Ueroon auf seinem 
Grabe errichteten, und ihm opferten, — einen Preis der Schon- 
Ml — *9 den kein Anderer davon getragen (Herodot V. 47i wo 
wn^d 'E^fcrefiiMP geeohrieben ist nach der sanftem Aussprache). 
lAi htliB denen (p. 73. ed. Bahr) anf WacbuMitbt beiieniiebe 
jäuMmMuaifilB terwieienb Da aber wedei* er noeb icb der 
' bildKcben YArMelInng dieaet aeiner SebSnbeit w^en tergSttcrten 
MeAseben gedacht, so will leb, weil dies reebt eigentlieb hierher 
gehurt, und am einer der glüchlichsten Erklürungen unseres 
Eckhel den schuldigen Tribut zu zollen , dies nachträglich hier 
anfuhren. Eine spatere Erzmünze von Segesta zeigt uns auf der 
einen Seite das Haupt der Stadtgottio, auf der andern einen 
XanOf der ein .Pferd am Zaume hüit* Das ist eben jener ver- 
gflUertn^Menn, den das Pferd , daa er iuhret, als Pferdefreund 
4)ttij|[<ir'>nt)i ivie er biefii, aber anob ala den im Pferde- oder 
liVagefleenntfn «gehrilnten Sieger andeotet (Eokb. D. N. T« L 
k^.)* '80 ainnreicb nnd so einfneb zogleicb rerüand 
aieo die ausgebildete Kunst der Griechen in' dem engen Banm 
einer Munzseite Namen und Lebensumstande anschaulich zu ma- 
chen ; — aber auch Gesinnungen und moralische Tugenden ; wie 
uns denn auf derselben Vignette die andere Münze derselben 
figestäcr den andern Gründer der Stadt recht eigentlich als den 
fm$ Aeneas vor Augen ateUt| indem er seinen Vater nnd die 
fi>frfinbiH|j5etteri>Uder tragend« aeinen Sohn Ascaaioa an df^r 
Hiftf jiNbrel, und sie alle dem üntünang entreifiMt 
Migj^fttlolgr/^nnr zom 17?«rhe sniScbngeben , in diesem ersten 
■ijjfide die geoalie Bescbreibnng der Altertbum^r ron Segetta mü 
mitr Beihe von Tafeln, darstellend den chorographischen Plan 
der alten Stadt, d6o Plan, die Ansicht und einzelne Thcilc ihres 



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iUoB EiaitMimfeea, wie wk nr g w w ea Auffintong sololMr Bnü 
AittrthvM «rforderlM tM ; and «» tM in dittM €NlMi 

Tbeile alle BleiMiite zur Kenntnifs der Gröfse und Herrlichkeit 
j^er sicilisch -griechischen Stadt gegeben. 

Der zweite Band (c.) dieser Antichita della Sicilia ist der 
Stadt Seil n US gewidmet, und zerfallt wieder in drei Tbeile^ 
ibar die CiftclMehte der fltadt , über die Torbandenen Ueb um l i 
doreelbeof betoaderi fiber die> Tempel, ned über die Meliq^ 
«od Soolptiirwerhe m dieften aafaneniiteD Scinllllcbtft )eoer G«* 
binde. Jeder Thefl bet eeiiw Belege in den AMnerbaogen ms 
lialten , werin der Terf« eine gtolbe Bebeonttebefl mit den düa 
Schriftstellern sowohl wie mit der neuen Literatur, selbst der 
deutschen beurkundet, wie denn auch die über diese Stadt yon 
einem unsrer ehemaligen ZuhSrer verfafste musterhafte Monogra- 
phie : (Seiinas und sein Gebiet, von Hermann Beinganum. 
Leipz. 1827.) vom Herrn Grafen berücksichtigt worden. Da über 
diesen Tbeil in mehreren literariaehen Blättern Deutschlanda. b«» 
reita Bcricbtn gegelien werden, eo liann iob mieb hier noeb 
linmer fetten. In Franhreicb bat dietcr Tbeil ▼nn S e i len einet 
berfibmten Ardiitohten (im Jonmal det Sarana eine Bn» 

bandlnng erfahren, die der Herr Dnea am wenigsten rerdienl 
hätte. Wie woblthuend für jeden Unpartheiischen ist dagegen 
die grofse Bescheidenheit, womit sich der Herr Graf jetzt am 
Schlüsse der Introduzione zum ganzen Werk über seine Arbeit 
ändert: »Abbiamo certamente intesn allo scopo totte le noatm 
Arne, ma non abbiam lateiato per qnetto la proinnde tinoern 
oonvinaione deUa loro fennita. — — Erranti eo m i Hi nonttnl 
iriam.« Da aber nenlieb ein dentteher Altertbnmtfoffaebelr (Heit 
Göttling im SebornTtcben Rnnitblatt. JHo. 7 nnd B,) tm 

•igner Anacbannng dieatr OertKehheiten «nd AlterMaaer die. 
Uebertreibungen und Unrichtigkeit jener franz5siscben Hritik auf- 
gedeckt und widerlegt hat so kann ich diese unfrohliche Er- 
scheinung mit Stillschweigen ubergehen. — Dieser Band des ita- 
lienischen Werks ist reicher als der ertte an Beschreibungen und 
Abbildungen f zum Theil colorirter, Ton Scolptarwerhen; 
wodureh namentlich der dritte Tbeii dietea Banden der wichtigtit 
geworden Bit den frOber ?on Harrit nnd Angell gefundenen- 
Metropeahfldern nnd Bmobttfieben betten wir tebon vor eftnigea 
Jahren aas dem swniten Naebtrag mn Ibieraob^t Epodien 4m 
bildenden BnntI , ster Auigabe , doroh HOUe dar dort fen 



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TOD Ducii dl Serradifalco, Falbe» TÜliMi u. A. Wl 



Hrn. r. Hlanse mit^etheilten Zeicbnung Bekanntschaft gemacht* 
Aber jetzt lernen wir zuerst fünf andere, einer besseren Zeit 
der griechischen Hunst angeh5rige and zaerst Tom Herrn Duca 
•Btdeckte Scolpturen kennen. Da indesien auch daron Hr. G5tt- 
lb§ m^tkO* belehrend gehandelt hat , lo betchliefse ich die An» 
Mig« «Mh iSmm B — d u flüt ti^igta unBimatiMbtB BemMw 
km§mt 

In dem übrigens so Torticfllichen Abrifs der Altertbumsl^unde 
Ton Steinbüchel heifst es im Artikel von Selinus (S. i36.): »Zahl, 
reiche Münzen : Das Epheublatt, als Anspielung auf den Namea 
der Stadt. — Stehende Figur des Flusses H/ptM beim Altnre. 
Hercules mit Stitr. Apollo ond Diana im Zweigetpann.« — MiQht 
dat Epheablatr, iondem das £pptchblatt erfcheiol «oF diesen 
Mnsen ; denn tob oiXtvaWf apiam, Eppich, hatte diese Stadt 
Ihren Namen, welcher anf einigen Manien altdoriscK StXirdt^ 
geschrieben ist, d. 1. 2tXir<(fi?, woraus die zusammengezogene 
Form XtXivov^ gebildet ist. Diese Pflanze wuchs in der Unn« 
gegend sehr hanfig, daher die Bewohner dieser Stadt einst eine 
goldene Eppichpilanze nach Delphi gestiftet hatten (PlutarcL de 
inscript. Delph. p. 638^ Wyttenb. : dS^^ssp d^iXn ScXurot^yrio* 
ftori ;(pvo'o«y aiXivov dvaSflv«* X^^ovva^), — Ferner ist in 
der Angabe Selinnntiieher Münaen diejenige Gleite nnerwlhnt 
gehUetien^ welche auf der einen Seite das Bild einet Hnndea hat, 
wie die lltem ron Segesta. — Die Mfiaaen mit dem in Jfbgv 
lingsgettalt opfernden Flufsgotte Hypsas beilehel sich anf die 
Entsumpfnng dieser Gegend, wodurch sie gesunder geworden 
(s. Serradifaico p. 7. und p. 76.). Er opfert dem Aeskulapius, 
nicht dem Apollo, nicht dem Empedokles (s. die Berichtigungen 
nach Eckhel bei Reinganum in der oben angeführten Sohrilt 
8. 171 f. und Gotting a. a. O.)* Endlich ist in obiger Anlkihlnng 
der Mannen dieser Stadt eine aserkwurdige Stibermunze ? ergesten 
worden, die ich nach einen ror mir liegenden Eaempler ho» 
ieh re ft e u will. Ilanptseitet Jongfran anf einem Felsen sittead, 
mil der rechten Band eine sich ringelnde Sehlange ron tieh alN 
cnhailen bemfiht , die linke an ihre Brest gedrückt ; Kehrseite i 
Stier mit einem Menschenbanpt, über ihm ein Eppichblatt ; Um- 
schrift SEAINONTION. Reinganum hat neben andern MSnzen 
dieser Stadt auch eine ahnliehe wie diese abbilden lassen. In 
Zeiten , wo man AUes der Art ans der Geschichte , besonders der 
ntaiaehen, erhlUNMi woUlei henog man die Frao mit derSehlangi 



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86S Arcb&ologiach - anliquaritclic Schriften 

aaf den Tod der Hieopatra ; Haverkamp and Torreroazza er- 
blichten eine Hygiea darin, mit Beziehung auf die Verbesserung 
der Luft durch Austrochnung der Sümpfe (Basche IV. 3. p. 536.)« 
* Hr. Beinganum hat sich mit Becht der einzig richtigen Erklärung 
Echhels angeschlossen. Er sagt (S. 174.) : »Allein nach Eckhel 
tcbeint die Figur die Schlange eher von sich fern zu halten, alt 
za sich hinziehen zu wollen, und somit konnte man es auf den 
mit der Persephone als Schlange zusamraentreilendcn Zeus be- 
ziehen, was auch die Frucht dieser Verbindung, der stierköpfige 
Dionysos, andeutet. (Eckhel Doctr. I. p. 24 vergl. I. p. 139 
bis 189. Creuzer Symbolik III, 3o4> 9S. * Vielmehr S. 841. 
ater Ausg. — ). Hr. B. hätte sich viel bestimmter ausdrücken 
dürfen; denn, woran Eckhel selber nicht dachte, das Bild, wie 
es diese Münze giebt , findet sich Zug für Zug in der Erzählung 
des Nonnus ( Dionys. V. vs. 564 sqq.) von der gewaltsamen Er- 
zeugung des Dionysos -Zagreus durch den in Schlangengestalt die 
Proserpina überraschenden Juppiter. Ich hebe nur Einiges aus : 

% av^ o(pv k q ^li^fi^a naXatyevto(; Aiovvaov, — Za^^p^o^. 
Sv xixi Tltat(p6v£ia S^axovniTß Ai6^ t^v^* — 
Zitvq OTi 7t ovX ^iX IX X o q — 

^itiXi')(^oq iyiBt^otvxi, df^dxtov xvxXov ^evo q 6Xxrp 
llt^ai<f)6vrx avXvjoiv avv^cpivxoio xo^tiiiv. 

Ich beschliefse hiermit die Anzeige eines Werkes , dessen 
erste Erscheinung ich mit Freude begrüfste , und dessen Fort- 
gang ich mit Vei'langen entgegensehe. 

3) Wir hatten im vorigen Sommer das seltene Glück, zwei 
wissenschaftlich gebildete Geschäftsträger aus Ländern zu be- 
grüfsen , die seit der franzosischen Besitznahme von Algier auf s 
Neue die Aufmerksamkeit der Europäer auf sich ziehen, den 
französischen General -Consul Hrn. Schwebel nach seiner Rück- 
kehr von Tripolis und den dänischen General- Consul lirn. Falbe, 
der nach einem mehr als zehnjährigen Aufenthalt in Tunis nach 
seinem Vaterlande zurückkehrte. Von den numismatischen Mit- 
theilungen , die uns Beide gewährt , werde ich bei einer andern 
Gelegenheit dankbaren Gebrauch machen. Jetzt habe ich kürz- 
lich über das literarische Werk des Letzteren zu berichten. Die 
▼ortheilhafte Meinung von der archäologischen Gelehrsamkeit des 
Hrn. Falbe, aus manchen Briefen des seligen Bischofs Münter 
gefafstf steigerte sich durch persönliche Bekanntschaft und durch 



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Ton Dar« dl SerrtdiWüco, Falbe, Tülken a. A. 



868 



die Einsicht in das vorliegende Werh. Es zeigt uns einen mit / 
den elastischen Ländern Griechenland und Italien und mit den 
altclassischen Sprachen yertrauten Reisenden, der die ihm ge- 
wordene gunstige Stellung mit eben so viel Eifer als Kenntnifs 
zum Vortbeil der Alterthumshunde zu benutzen verstanden. Nach- 
dem uns Munter als Veteran in seiner Bcligion der Harthager zu 
einer genauem Henntnifs der altphonizischen Culte dieser Länder 
yerholfen, und durch seine Primordia ecclcsiae Africanae die Ver- 
fassung und die Schiclisale der dortigen christlichen Hirche dar- 
gestellt, heidesmal durch die Mittheilungen des Hrn. F'albe unter- 
stutzt, verhilft uns dieser Letztere nun selbst zu einer genauem 
Bekanntschaft mit der Lage und den Ueberresten des punischen 
und des römischen Karthago , dessen Bedeutung ein romischer 
Schriftsteller mit folgenden Worten burz und treffend bezeichnet 
hat : »Alteram post urbcm Bomam terrarum decus ; nunc populi 
Bomani colonia iterum opulenta.A (Solin. cap. 3o. cf. Mela. L 7* 
vgl. Munteri Primordia eccl. Afr. p. 1.) Eine so vrelthistoriscbe 
Stadt hat unser Verf. denn auch in einem wahrhaft welthistori. 
sehen Sinn aufgefafst , und durch geographische und archäolo* 
gische Beschreibungen , so wie durch die von ihm selbst aufge- 
nommenen und gezeichneten Barten und Bildwerke alle Perioden 
der karthagischen Geschichte vor unsern Blicken vorübergefuhrt* 

Die Schrifl zerfällt in drei Theile, in den geographisch - topo- 
graphischen, den epigraphischen und in den numismatischen. 

Im ersten Thcil unternimmt der Verf., gestützt auf die Zeug- 
nisse griechiscüer und römischer Schriftsteller, besonders des 
Polybius, Livius, Strabo und Appianus, und auf mehrjährige Un- 
tersuchungen der Oertlichkeitcn und der Spuren , welche die 
Ruinen nachweisen, die Lage und den Umfang sowohl des puni- 
schen als des römischen Karthago zu bestimmen. Die Stelle des 
Strabo (XII. p. 671. ed. Tzschk.) fuhrt der Verf. nach der fran- 
zösischen Uebersetzung an : , Carthage est situee sur une pres- 
que lle entourc d un mur qui a trois cent soixante Stades de cir- 
Conference, et soixante Stades dans la partie qui, d'une mcr a 
Tautre, traverse le col de Tisthme.« Die Stelle des Appianus 
(Pun. cap. 95. .p. 435.) mufs ich im Original hersetzen, weil 
hierbei etwas zu beineiken ist: ^Hv di ri nöXiq iv ^iv^ä xoXnov 
ps/'taTOV , ;^eppoy>7o« t» ^läXiaTa npo^eotxvta av^iiv j'dip avxiiv 
&n6 tili riTtii^ov Sitl^ytv^ f^^oq o*v nivxB xal tixoni aTadioDV 



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I 



M4 Ardbiologlscli - anUfiiarische S«lirirUa 

^tdkurra TO nXdxoqf inl 9v(rfta(; i^6^ei , niarj "kiiivriq Tf nal 

%riq ^aXdaatiq dnXä reLj^u ^feQU^)r^^va ovra. Die 

Lücke iüilt Schweigbäoter aos mit den Worten : xal nt^iei* 
Xfinro xriq näX^q %ä fUv n^q «nfi ^akdaar^q. Et halte aber 
auch erklärt werden tollen, wat ^mufla mL Das« naftte di« 
Steile Plntii«!!'« (Tit. Aleiaadr. cap. t^) rngKcbea werte, wo 
ia der Beeelir«ib«iig der Imel PWoe filier der KaiioM*eelieii Ml^ 
fliSadnog (bei Abonlir) derselbe Ausdmck gebraoobl wind. Ttu» 
9Uu war eine melaplMneelM Beseiebnvnf der intekrtigen RvM^ 
llonf;en des Landet über der Meeresfläche, die man, weil sie 
schmal waren und lang hingezogen, Binden oder Gürtel nannte» 
Ich habe an einem andern Orte ein Mehreres darüber bemerkt, 
was ich hier nicht wiederholen will, wo ich in einet* andere ^lelle 
I9et Plutarch dieses geographische Kunstwort wieder hei^etteltt; 
— - Wir lidoaeii nnsemi Verl. nieht in*s Eiesehie seiner tiopogre» 
ffhiscben ErOrtemegen folgen, «nd begodgeo Uni, def Resolut 
fnusugebeo , naMÜch dafs das von Hm. Falbe in engere GremM 
gesogene Areal des ponlsohen RartlMgo Mnreiefcond gewesen, 
am eine Bev51kerong ?on 700,000 Einwohnern, wie Strabo sie 
angiebt, mit Bequemlichkeit unterzubringen ; sodann dafs das 
r5miscbe Karthago niemals so ansehnlich gewesen, als das alte 
punische , sondern sich nur über den Umi'ang erstreckt hat, der 
sich noch heut uiXage durch seinen scbweregraaen Boden — TCr. 
mntbiicb in Folge von £inasolMrong — henalHeli macht (p. 48s%»X 

Im zweiten Theile, der den punischen Inschriften gewidmet 
ist, werden nicht nur rielc Lesarten und Auslegungen der bisher 
bekannten Inscriptionen berichtigt, sondern auch neuauFgefundene 
zum erstenmal bekannt gemacht. In den Bildtafeln sind sie in 
ihren Originalcharakteren mitgelbeilt ; im Texte (p. 83 — 109.) 
aber in den gewöhnlieheri ebräitcfaen Schriftsugen* Ich habe 
nenlich an einem andern Orte nur Erbtörnng eiiier grieebisebeB 
Inschrift TOB diesen Belehrongen Gehraoch gemacht, und wHI 
hier BOT Beispielswelse eine allgemein interessante B e m er k ung 
des Verft. über eine dieser Inschriften aiittfaeilen. üeher die 
Inscription de Falbe (Fl. IV. n. 5.)i woraof der Name Yeubas, 
Yehoubas, Jobas vorkommt, sagt der Verf.: »On sera d'abord 
turpris de foir figurer dans le nom d'un Carthaginois le mot 
JehoiHih : mais ü est bien facile de s en rendre raison. Le culte 
de Jehovsb etait, 11 est vrai, special au peuple h^breo; mais 
roxisteooe da Dieu tont^poissant, cr^teur do roniferSi oTafaif 



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fi liittr iMOMMM am ladliMt «t mim •näm nx ThtMO^ 
tB iiitoo ^ lear ToCaiiMigd et de lern IreqMitM tniuMtioiii 
g omM<r ciilt ■▼•a kt H4limiz. On tait d^aSIlaon avae qaella 

facilit^ les anciens peoples adoptaient les dieux ^trangei*8, l'ors» 
qa'ils ayaient recouru en Tain ä leurs propres diyinit^t, ou bien 
espere de trouver une protection plus eflßcace dans les dieux 
dal autret nations. £t quand le culte de Baal si expressement 
d^anda oax Jaifs avait capendant taal d'adorüaurt panni Je 
pm / üt de Dien, pour^ptti na ratraofarait-on pas le norn do Trat 
Oittii ihas teMMoiaat et diant laort cokwlas? Jaliovah n^dtilt. \ 
ü ipaiiäkoM^A Tjr^ mm la regtta da Mi-fliranii a RiaiT«, da / 
Mtfl'^ Imt; et lea Ronalnt cm-iiiteet B*en o«t ils pas eon^ 
sarr^v det tnices dant la nom da Japltar, Jona, Jovis^ comme 
les Nmnidiens dans celui de Icur roi Juba?^ Was den italischen ' 
Juppiter, JoTis betrifft, so möchte wQhl jetzt hein Sprachforscher 
und Mjthologe mehr dessen Namensverwandtschaft mit dem hebrai- 

• 

eehea ■/eAavoA oder Yialmebr Jahve aeiigattelien woliaa» 

Deber die tehata laachrift (PLV. No. 4.)t >n ganm a^nen 
Cbarahtaren gesclirielien, erhiirt sieb der Teif. mit grofser ivh 
rSdibahoDg , ond indem er die FlDlfiographeo daraaf anfmerlisam 

macht, bemerkt er, dafs wenn diese Schrift die numidische und 
diese Sprache von der punischen yerschieden sey, vielleicht jeder 
Erklärungsversuch vergeblich seyn mochte (p. io6.) — ein ür- 
tbeil, welches jetzt Gesenius (im Prospectus der von ihm bear- 
Imtetan Scriplaraa JUiogaaeque Pboeoiciae Monamaata* Lps. i836w) 
•ehr rjcbtig ond veisa findet. Man mala übrigens baroerlieitf 
dafii die poaisebe Spnttbe sich aa jaoea Lindem bis iae 6te BUko^ 
nach Cbr. erbalfea halte (Mfiateri PlrioMirdia E.A. p. 17.) 

Im dritten ond letzten Abschnitte werden, mit Hinweisung 
auf die Abbildungen (auf Fl. Tl.) die Münzen beschrieben, die 
paniscben vom mauritamschen Münig Juba I. an, die römischen 
Kaisermünzea , die der vandatischen Könige und die der byzanti« 
Bischen Maiser bis nuf Theodosiaa III. in^ — Der (p. 110.) auf 
einer HSaae des OSiugs Joba L aagegebene aehtsM%e tfempel 
ist each aof eaier ?er mir Hegenden 8ilbermSnee gepriigt, aber . 
die dsnebea stehende nnmidisehe Legende ist « bei Mieuwl 
(Beeneii Fl XXX. New 1^) abgebOdete^ — Zum 8cbliiste wif« 
ein in den Ruinen TÖn Thapsus gefundenes Gefafs von feinem 
gebrannten Thon und konischer Form, mit Bildwerk und einer 
ans Griechisch oad Latein gemischten Inschrift (PI. V. No. 1.) 



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AMM0lögitth*aBtiqttBrlMlw MHUmi 



hetchrichao } sodann eine Silberplatte mit einem in Relitf §jd» 
prigtia «Hoiiytiichett Erot (PL V« No. d«r «ine Gm mit 
Gewult an siine Brntt drucbt — ^ Wir freMn ans, iron dm ^ 
Mrteo Verf. noch rnftnclie kMiehe Frfielile Mioer langjArigoa 
Föwdiangeo auf dm ctomiaehen Boden der $hea W«lt erwerten 
Bu dürfen. 

3) Mit diesem Bande beginnt eine nene Reihe der dem 
^ Publikum übergebenen Arbeiten der kSnigl. bayerischen AUademie 
der WiMenschaften , philosophisch -philologischer Classe. Er beur* 
kündet «uls ErfreuUcbate die fortgetetste Tbätigbeit ihrer MiU 
gUeder^ und ist ganz geeignet, die emerikanisirenden Schreiee 
sn bfachimea , die , wie aie liberliaiipl von Micbta «inen welleaii 
alt was 9ff&( T*dOl^t«a ktt eneh die geistigen Bettrebnngea and 
grefiartigen Ijeistungen dieses wissenscbaftliehen Yereias TÖo Min* 
nern haben Ternnglimpfen wollen, welche Zierden nnsefs 
sehen Vaterlandes, ja zum Thcil Europa's sind. Ich sage be* 
schämen in doppelter Beziehung, einmal weil sie hier doch 
Manches Hnden werden, was ihnen für ihre praktischen Zwecke 
Ton Mutzen seyn kann, sodann aber auch, weil sie jetzt inoe 
werden müssen« dafs der wissenschaftliche Geist und die Geiebrw 
samkeit der Dentsoben sich durch solche Armseligkeiten niohl iai 
Geringsten irre machen llfst. 

Man mufste ein Buch schreiben , wollte man von dem rei- 
chen Inhalte dieser Bandes genugende Rechenschaft geben. Ich 
werde mich daher mehrentbeils anf Annabe der Titel der darin 
enthaltenen Abhandlnogen beschranken mtoen. — Die mte iiihrt 
die AolMshrift: Genane Beschreibnng der mter dem Namen der 
Teofelsuaner l»ehamilen rSmischen Landmarhung, sweite Ab- 
tbeilong. Die Tenfelsmauer ron Ripfenberg bis an die Strafae 
bei Elliogen. Von Dr. Fr. A. Mayer, Stadtpfarrer zu Eichstädt. 
Mit 1 Abbildung. — Ich habe in meiner Schrift : Zur Geschichte 
alt- römischer Cultur am Ober -Rhein und Neckar, dieser Uebcr- 
reste römischer Befestigungskunst gedenken müssen, und werde 
bei der Umarbeitung für meine Deutsche Schriften auch rotk 
diesen Untersochnngen Gebrauch machen — Ueber die Materie « 
Im plalonisefaen Timaeos. Ton Hrn. HoCratb nnd Prof. Dr. Asl» 
Bedefat sieb anf eine Abhandlung des Hm. Btehh im drittea 
Baade nnsrer Studien nnd auf Tennmaan^ nnd Rüter^ Ge^ . 
aaUeblen der Philosophie. — Ueber die Risaict des Koschairi* 



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Mite ocHittslk gMeea ex moseo Rsgis Baimria$ iMCtentis {«dlmc] 
whnm&oomNftB detwipla edMÜ Dr. Fnme. ttf. Streberi naoio» 

thecae regiae Ba?ar. Adjunctas. (Mit 4 Tafeln.) Der jüngere 
Hr. V. Streber war uns schon vor mehrern Jahren als ein fleis* 
tiger Gelehrter bekannt, der unter der Leitung seines würdigen 
Oheims, des Urn. Bischofs Ignaz v. Streber, ein tüchtiger Nu- 
niismatiker so werde» Tersprach. In der hier Ton ihm gelieferten 
ArMt'fieden wir unsere Erwartungen übertroffen. Es ist nicht 
«i»«i4ü berfebUg^Miee Veratiebnift ; Modern diese Schrift giebt 
iriWltl fUilfttepttnhle fVr die Bedeottaig und ABweadnng 4er 
mMßM Miiun in, und eolhltt eine gnnt0*lleihe Ton erehloloi 
glichen and mythologischen ErSrtAtingen. Welche neue AafklfJ 
rangen die Mythologie und Beligionengeschichte durch diese Ar- 
beit gewonnen, werde ich in der dritten Ausgabe der Symbolik 
and Mythologie an mehr als Einem Orte im Einzelnen zeigen. 
Dn ich in meiner Erklärang eines Yasenbildss (in der Abhand- 
hng t De Hercale Bnxyge in den Annali dell' Instita archeol* 
i8äi)'dflr'kretiscben Sagen Ton den Städten Phaeitos nnd Gor.' 
^jM bette Hbdenben mCssen, so sogen rorerst die bier gelfelerteB 
«ad «rUirleo MOnaen dieser Orte meine Anfmerbsamheit anf sieb. 
In Weitergehen fand ieb abtfr in jedem Absdinitt nene Belege 
für die Mythologie und Erläuterungen derselben. Unter dem 
Tielen will ich nur hier die Münzen und Erklärungen mit und 
über die dem Mithrascalt anf^ehorigen Bilder nennen, um die 
Aafmerksamlieil der Mythologen auf diese gehaltreiche Abhandlung 
9ä' ienben I and ihren Verfasser zu ferneren Fortsetzungen zii 
attttanfsm. — Yersacb einer Tollständigen Erklärang der Bild» 
wcfba in dem rtoiscben Denhnial in IgcL Von Hrn. Dr* I«^ 
Seborat Horath and Db^tor des Kanstmstitats in' Weimar; 
(Mit I Abbildung.) Stilnde dieees RSmerwerh anf itatlscbem oder 
grieöblschem Boden, statt auf deutschem (bei Trier), es würde 
Jängst in prachtigen Huprcitafcln abgebildet und yon yielen Ar- 
chäologen beschrieben seyn. Jetzt freuen wir uns, dafs dieses 
Denkmal, obwohl spät, den rechten Ausleger gefunden, einen 
der ersten Kunstkenner Deutschlands, der darch seine Reisen 
in den classischen Landern und durch seine Tertraate Bekannt- 
schaft mit den ^ntihcn vorsSglicb aam Ezegeten eines solchen 
Werbe bemlen war. Von Mlieren, aom Tbeil gana Teran» 
glücbten Aasdaotongen dictee Honnmenti bann nan nicht weiter 



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die Rede seyn» Was der Kunst- ond Altertbamsfreund in tech- 
aiachery historisch -archäologischer uod mythologischer Hinsicht • 
SB ifigea baben nag« darüber findet man hier die geai|giadatm 
Aatworten. Wer es im Original oder io GjpsabgaTt gewbW| 
9te MCb das beigelSfUt db MtM dts DeoluMiM dar* 
•talknde, BUdblaU orit das V^trik Eriiolafiiiigea bttraebM^ nM 
gewift kain». Uabartreibvng fiadan, wcao «• biar io dar S a hfc ift » 
betracbtung beifst (S. So5 f.): »Unstreitig bann man dies Bfoa«- 
ment eines des gedanken- ond inhaltreichsten seiner Art nennen. 
Es fuhrt uns durch manche mythische Andeatnngen in den grofsen 
Zosammeobang des Natur- und Menschenlebeos , zeigt uns das 
Bild männlicher Kraft und Ansdaner im Kampfe mit vSderwfiin 
tigern Gaso|iick nnd in Besiegaag drohender Gefabreii, aiMbii 
«aa nlelit mmm BUcli in daa apaaiellste FaaMÜaiiMen, uslsli * 
dMeb Flaifiiv Erwarb, Basits, Gannfii imd T«d tbails arbaiiart 
mä «rbobaa, tb«ils